Sonstiges & Allerlei

Simba

Claudia Schmidli

Simba

Eine Geschichte für Kinder und Erwachsene

Leseprobe:

Hey, ich bin Simba, wer bist Du?

Ich bin zusammen mit meiner Mama und meiner Familie auf einem Fleckchen Erde aufgewachsen, auf einer schönen, saftigen Weide mit anderen Ponys. Meine Mama ist eine ganz Liebe. Auch wenn ihre Beine schmerzten, zog sie trotzdem das Wägelchen, in das man sie einspannte. Mich hat man im Fohlenalter nebenan angebunden. Ich habe seit Geburt einen Herzklappenfehler, was die Menschen dort leider nicht wussten. Es war für mich anstrengend, nebenherzulaufen, aber ich habe das nicht gezeigt. Ich wollte ein Starker sein, meiner Mama zeigen, wie stark ich bin. Meine Mama wusste es. Sie wusste auch, dass ich anders bin. Aber die Menschen haben das nicht gesehen. Man hat mir einen Halsriemen angebracht und los ging’s. Da man mir nicht zeigte, wie das ging und ich hinten das Wägelchen hörte, hatte ich Angst, dass es mir in die Beine fuhr … da passierte es … der Horror … ich weiß nicht mehr alles, nur, dass ich umgefallen bin. Bin dann einfach wieder aufgestanden. Meine Mama vermittelte mir: „Lauf einfach neben mir her.“
Was ihnen jedoch dann irgendwann aufgefallen ist: dass ich tagsüber viel auf der Weide lag, abseits der Herde. Ich war müde und krank. Sie redeten, dass man mich als Hengst nicht gebrauchen könne und dass man mich in die Metzgerei geben soll. Zum Glück kam kein wildes Tier und fraß mich. Was meinten die wohl mit Metzgerei? Weißt Du, was das ist?

Eines Tages kam mein lieber Futtergeber auf die Weide, aber nicht alleine. Sie gingen zu meiner Mutter und redeten irgendwas. Es interessierte mich, wer das war, und ich raffte mich auf, weil meine Mama mir ein Zeichen gab, ich solle zu ihr kommen. Naja, mich interessierte schon diese junge Frau, die da neben Mama stand und redete. Ja, und da waren ja noch andere Wesen, die redeten. Die junge Frau war sehr interessiert an meiner Mama. Meine Mama sagte ihr jedoch, sie solle mich kaufen. Die junge Frau verstand es, dass sie mich kaufen sollte. Kaufen? Ist ja unglaublich … mich kaufen? Ich war neugierig, und irgendwie war da eine neue Energie, die ich bei meinem Futtergeber nie sah.

Ein paar Tage später hat er mich in den Transporter geladen. Natürlich konnte ich mich von Mama und den anderen verabschieden. Es ging mir schlecht dabei, so schlecht, dass ich mehrere Tage Durchfall hatte. Hey, stell Dir vor, Du müsstest Dich von Deiner Familie verabschieden und weißt nicht, ob Du sie jemals wiedersehen wirst … das ist ganz schlimm. Das ist wie sterben. Ich „starb“ also das erste Mal. Ich hatte Angst, alleine im Transporter. Meine Mama sagte, geh nur, es ist gut so. Meine Mama hat geweint und gewiehert, und ich habe auch gewiehert und geweint.
Ich war aufgeregt, und mein Herz pochte wie wild. Ich habe vor lauter Aufregung und „Sterben“ noch die Orientierung verloren. Ist ja klar, ich konnte ja auch nicht aus dem Transporter rausschauen. Als der Transporter nach einer schlimmen Fahrt zum Stillstand kam und die Laderampe geöffnet wurde, kam mir eine unbeschreibliche Energie von Menschen und Tieren und Pflanzen entgegen. Ich war total aufgeregt und bebte innerlich. Ich war heilfroh, dass ich aussteigen konnte. Meine Beine schlotterten. Eine braune Hündin namens Shona kam sehr interessiert auf mich zu und beschnupperte mich und grüßte mich freundlich. Ich wurde ausgeladen, und da war wieder diese Frau. Sie brachte mich auf eine Weide.
Huch, was ist denn das? Eine ganz aufgeregte Eseldame und eine ältere Ponystute, beide ganz aus dem Häuschen, rannten auf der anderen Seite des Zaunes hin und her. Da wurde ich ganz wild und bin auch hin- und hergesprungen. Abends reklamierte dann mein Herz. Ich habe es wohl übertrieben auf der Weide; so bin ich herumgerast. Und überhaupt bin ich ja an diesem Tag das erste Mal „gestorben“, dies hat mein Herz auch sehr gestresst, müde und sehr traurig gemacht. Ich wollte doch diesen Stuten zeigen, wer ich bin.
Ich durfte dann zusammen mit der Esel- und der Ponystute auf dieselbe Weide. Natürlich dauerte es schon circa eine Woche, bis mich die ältere Stute akzeptiert hat. Ich wollte eigentlich nur herumschmusen, jedoch wurde zuerst die Rangordnung festgelegt. Und dabei ging es ziemlich gefährlich zu. Mit angelegten Ohren und zähnefletschend zeigte mir die Stute, wer Chefin ist. Ich musste in den darauffolgenden Tagen manchmal fliehen. Weil ich ein Shetlandpony und kleiner bin, als die Ponystute namens Juliette, kann ich sehr schnell engkurvig um die Bäume auf der Koppel flitzen. So spurtete und kurvte ich mit ihr auf der Weide um die Wette. Sie gab dann stets seufzend auf. Mit der Eseldame hatte ich nicht groß Körperkontakt, da Juliette mich von ihr weghielt … das hat mich als Hengst natürlich genervt und auch mal wütend gemacht. Die Eseldame zog dann ziemlich bald in ein anderes Dorf, und somit nahm ich deren Boxe als meine. Ich war zuerst ganz hinten im Stall und jetzt bin ich ganz vorne in einer Boxe … ganz allein für mich. Meine neue Besitzerin hatte nichts dagegen. Und von da an hatte ich mit der älteren Ponystute Juliette eine Vizemama.
Eine ganz liebe. So lieb, wie meine richtige Mama. Sie lehnte mit ihrem Kopf rüber in meine Boxe, und wir näselten miteinander. Sie zeigte mir alles, und wenn ich mal etwas „Unfug“ machte, gab sie mir zu verstehen, dass ich das nicht machen darf. Zum Beispiel ist es so arg lustig, die Putzkiste umzukippen und alle Putzutensilien einzeln herumzuwerfen. Das darf ich jedoch nicht, meine Vizemama hat mir das verboten … manchmal mache ich es dann doch … denn es ist einfach lustig, wenn der Hufkratzer, die Bürsten, usw. alle herauspurzeln. Dann werfe ich diese Bürsten herum. Die junge Frau fand es das erste Mal auch noch lustig, aber die weiteren Male nervte es sie. Sie machte jedoch nichts, denn meine Vizemama zeigte mir mit angelegten Ohren, dass ich es bleiben lassen soll. Naja.

Die junge Frau Claudia merkte, dass da etwas nicht in Ordnung war, und machte abends später jeweils Kontrolle. Nach ein paar Tagen kam dann der Tierarzt und untersuchte mich. Er stellte fest, dass ich einen angeborenen Herzklappenfehler habe und die Zähne auch nicht optimal waren, weil auch Ober- und Unterkiefer nicht schön aufeinander passten. Der Tierarzt verdrehte die Augen und konnte es nicht verstehen, dass so ein Herziger wie ich solche Probleme hatte. Dann fiel ihm ein, dass er bei einem anderen Pony aus meiner Familie jeden Monat einmal das Knie einrenken muss. Auch hatte er schon weitere Tiere von dort gesehen, die nicht ganz so waren, wie ein Tier sein sollte … gesund. Claudia fragte den Tierarzt, warum er denn diesem Herdenbesitzer nichts sage, man könne ja normal reden. Denn diesem sei es sicherlich auch wichtig, dass er gesunde Tiere habe. Der Tierarzt meinte dann, dass es mal anstehe, auch ins Zuchtbuch zu schauen.

Viele Monate kam ich mir vor wie eine Zwiebel, die sich schälte. Ich hatte immer wieder gesundheitliche Schwierigkeiten. Hautprobleme. War völlig verwurmt. Claudia musste sich fast erbrechen, als sie am Tag nach der Wurmkur sah, was da alles im Kot war. Es sah aus wie ein Teller Spaghetti, voller Bandwürmer. Ich hatte diverse Erkältungen. Durchfall usw. War das eine Leiden endlich durchgestanden, kam schon das nächste Übel.
Ich bekam spezielle Kräuter, Tinkturen, Salben usw. … ich wurde so richtig verwöhnt, das gefiel mir. Und ich wurde jeden Tag gestriegelt, das gefiel mir auch, das fühlte sich wie Massage an. Und da war immer wieder diese Energie, die mir Kraft gab. Ich durfte, jupijeh, auch jeden Tag auf die Weide.
Irgendwann hing ein farbiges Bild (sie nannte das Seelenbild) in meiner Boxe. Die verschiedenen Farben strahlten verschiedenartige Energien aus, was mir sehr gefiel, sodass ich mich sehr wohl fühlte.
Weil ich im Kreuz und in den Knien diverse Blockaden hatte, machte Claudia mit mir spezielle Übungen mit den Beinen. Beinkreisen war auch auf dem Programm, und hey, das war am Anfang gar nicht so einfach, auf drei Beinen zu stehen.
Die natürlichen Gesundheitsmittel habe ich sehr gerne eingenommen … ich finde die so gut … es war, als ob ich jedes Mal ein Goodie bekomme. Auch bekam ich mal homöopathische Kügelchen, die sich sehr lustig auf der Zunge anfühlen. Auch Akupressur machte sie bei mir. Circa drei Jahre lang hat Claudia mir ein Leiden nach dem anderen wegtherapiert und ist sicherlich selbst auch an ihre Grenzen gekommen, aber zusammen haben wir es geschafft und ständig dazugelernt. Und heute melde ich es der Claudia frühzeitig, wenn ich mal etwas für mein Immunsystem brauche. Ich schicke ihr eine Meldung durch, z. B. dass sie mit mir eine Echinacea-Kur machen soll, und dann macht sie das auch. Einmal hat sie es jedoch vergessen, und nach ein paar Tagen hatte ich eine Erkältung an einer Nüster. Beim Atmen hat’s aus meiner Nüster getönt, als ob ich ein alter Dampfer wäre … hi hi. Claudia hat mir dann warmen Holundersirup gegeben, und dann war auch dieses Schniefen und die Erkältung nach drei Tagen wieder weg. Hey, und dieser selbstgemachte Bio-Holundersirup vom eigenen Hof hat total fein geschmeckt. Volle Energie!


Ich genieße jeden Tag die Weide, die Blumen, die vielen verschiedenen und sehr schmackhaften Gräser. Die vielen Tiere, die sich da treffen, wie Schmetterlinge, Wildbienen, Grashüpfer, Käfer, und Vögel und Spinnen.

Wann hast Du zuletzt einen Grashüpfer gesehen? Übrigens gibt’s bei uns wieder den wunderschönen Schmetterling Schwalbenschwanz (habe gehört, dass dieser vom Aussterben bedroht ist). Meine Besitzerin hat darum im Gemüsegarten viel Fenchel angepflanzt. Weil diese Schmetterlingsraupen Fenchel gerne fressen. Die richten keine Schäden an, weil sie nur vereinzelt vorkommen. Und mmmhh … wenn sie Fenchel erntet, kriegen wir Ponys jeweils auch Fenchelkraut (nicht viel, sondern einfach als Goodie). Mmmhh … ist sehr gesund und schmeckt vorzüglich.


Natürlich sind da auch die lästigen Fliegen und Bremsen auf der Weide … wenn die mir zu viel und zu frech werden, dann schnappe ich nach ihnen oder springe einfach davon. Bei uns auf der Koppel steht noch ein uralter Hochstammbirnbaum. Er trägt nur noch ein paar Birnen und ist nur noch zur Zier hier, denn es ist schade, diesen Riesen einfach zu fällen. Da er schon so alt ist, ist er ein idealer Platz für den Buntspecht, um da zu verweilen und sich den einen oder anderen Leckerbissen aus der Rinde zu hämmern. Und er ist der Wohnort unserer drei Krähen.
Die Elstern kommen jeden Tag zu Besuch, auch sie wollten auf dem Hof wohnen, aber das Revier ist zu klein. Die Krähen akzeptieren nur kurze Schwatzbesuche von ihnen.
Sie erzählen mir immer, was so rundherum läuft auf dieser Welt. Ich bin sehr zufrieden, dass ich hier einen schönen Platz habe. Die Krähen erzählen mir viele schlimme Dinge. Dass es Tiere gibt, die in dunklen Ställen wohnen müssen, die nie die Sonne sehen, nie Regentropfen auf dem Fell spüren und nie im Schnee herumtollen können. Die stehen auf kalten Betonböden und müssen in ihrem eigenen Kot schlafen und sind dadurch psychisch krank. Und die sind gar nicht so weit weg von Dir. Ich dagegen habe ein schönes Schlafplätzchen mit Stroh, in das ich mich hineinwühlen kann und so natürlich wunderbar schlafen und träumen kann. Träumen, dass mein Herz wieder gesund wird. Gut schlafen, damit ich noch mehr Kraft tanken kann und so weiterleben darf. Und jeden Tag lustige Dinge mit den anderen Tieren erleben darf. Und ich bin unendlich glücklich, wenn der Wind durch meine Mähne bläst, dann sause ich mit dem Wind um die Wette. Da sind noch meine Freunde, die Ziegen Chnobli und Peppo. Die sind eigentlich ganz nett. Nur Chnobli meint öfters, er sei der absolute Chef, dabei bin ich Chef.


Da haben wir halt schon Meinungsverschiedenheiten und Rangeleien. Ich muss sehr aufpassen, damit er mich nicht mit den Hörnern erwischt. Peppo ist der Ruhige. Die beiden Ziegen sind vom Tierschutz gerettet worden und seither auf diesem Hof. Es besuchen uns auch fremde Tiere. Nachts höre ich immer den Fuchs, der auf Mäusejagd ist und auch mal etwas zu futtern auf dem Komposthaufen findet. Dann ist da noch der Marder, der auch schon seit ein paar Jahren in der Gegend wohnt. Letztes Jahr ist auch ein Hermelin eingezogen. Und neuerdings wohnt der Dachs bei uns.


Der hat unter den Scheiterbeigen Gänge gegraben. Auch eine Igelmama hat ihre Jungen bei uns aufgezogen.
...

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 66
ISBN: 978-3-99107-137-2
Erscheinungsdatum: 14.10.2020
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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