Cover: Pfotenabdruck

Pfotenabdruck
eine Caninigraphie – Tagebuch eines Hundes


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 472
ISBN: 978-3-7116-0733-1
Erscheinungsdatum: 01.04.2025
Jack, der Gordon Setter, plaudert aus dem Hundekörbchen! Eine humorvolle „Caninigraphie“ voller Abenteuer, tierischer Weisheiten und der unerschütterlichen Liebe zu seinen Menschen.
(01. März 2006)


„TUMULT??!! Was ist denn jetzt los? AUA!! Darla! Nimm deine Pfote aus meinem Auge! AUTSCH! Davis! Trittst du mich nochmal, tret’ ich zurück, aber so richtig!“
Warum flippen jetzt plötzlich alle aus? Grade hab ich noch so schön geschlafen in Mamas Bauch und jetzt…
„AUAAA!“
Das war ’ne Kopfnuss von Dario! Der hat aber auch ’nen Brummschädel! Sogar meine Schwestern zanken sich. Ich kann das einfach nicht verstehen. Was geht ab? So unruhig war es hier noch nie und so viele Tritte und Hiebe, hoffentlich nimmt das mal ein Ende. Ende? Oh, ich glaube, alles hat sich wieder beruhigt. Wie schön, dann können wir endlich weiter schlummern. Ich bin noch so müde.
Ganz eng kuschle ich mich an meine Geschwister. Das ist ein schönes Gefühl. Es ist warm und ruhig und so geborgen.
Auf einmal schrecke ich hoch. Oh nein, bitte nicht schon wieder. Irgendetwas braut sich doch hier zusammen. Das kann doch jetzt nicht wirklich wahr sein. Ich glaube, es geht schon wieder los. Wird das jetzt zum Regelfall? Ist die Ruhe nun vorbei? Es wird immer heftiger. Ich habe Angst, meine Schwestern haben Angst und meine Brüder ebenfalls. Auf einmal steht alles Kopf! Wo ist oben, wo ist unten, wo ist überhaupt irgendetwas? Wieder bekomme ich einen Tritt, diesmal kann ich aber nicht lokalisieren von wem. Zwischendurch müssen wir alle lachen, obwohl es eigentlich gar nicht so witzig ist, aber wir werden so hin und her geschleudert und das kitzelt im Bauch. Ob es Mama auch kitzelt? Plötzlich wird es immer enger und irgendwie noch enger.
„MAAMAAAAA!!!“
Was ist denn jetzt wieder hier los? Es wird so furchtbar eng. Ich glaube, meine Geschwister zerquetschen mich gerade. Dabei meinen sie es gar nicht böse, hoffe ich jedenfalls. Es passiert einfach. Und dann passiert das Unglaubliche: Wo ist Dana? Sie ist einfach weg. Bevor ich noch klar denken kann, ist immer ein Geschwisterchen weg. Auf der einen Seite habe ich große Angst, aber auf der anderen Seite fühle ich mich nicht mehr so zerquetscht. Das hält allerdings nur sehr kurz an und schon habe ich wieder das Gefühl, ich werde in den Abgrund gezogen. Alles tut mir weh und es wird schon wieder so wahnsinnig eng, ich weiß nicht, wo meine Geschwister sind, einige sind noch da, aber einige sind einfach weg. Wir rufen nach ihnen, bekommen aber keine Antwort. Und Zack: Duke ist jetzt auch weg. Wir kullern durch die Gegend. Wieder ist oben unten und hier ist da und da ist hier. Alles steht Kopf. Plötzlich bekomme ich einen wahnsinnigen Druck auf meinen kleinen Schädel. Irgendetwas zieht so sehr an mir, es will mich förmlich einsaugen. Ich will nicht weg! Ich will hierbleiben! Keine Chance. Irgendetwas zieht mich in den Abgrund. Was wird mich erwarten? Ich rufe nach meiner Mama und wie durch ein Wunder fühle ich mich plötzlich frei, aber mir ist so kalt. So wahnsinnig bitterkalt. Ich fühle mich so allein.
„Mamaaaa!! Wo bist du nur? Ich möchte nicht alleine sein.“
Irgendetwas grabbelt an mir und ich höre eine Stimme deutlich sagen: Das ist Duncan!
Auf einmal liege ich neben meiner Mama und zwischen meinen Geschwistern.
Und da sind wir nun, in voller Pracht, erschöpft, müde, hungrig und vor Kälte zitternd, aber glücklich:
Dana, Dario, Dolly, Dean, Derek, Dori, Dascha, Diego, Darla, Dina, Dala, Duke, Dunja, Davis, Donna und meine Wenigkeit Duncan!
Ich rufe immer nach meiner Mama, aber die anderen auch. Nur um ganz, ganz sicher zu gehen, dass sie ganz nah bei uns ist.
Oma Ellen kommt gucken und stupst uns ein bisschen mit ihrer Nase an. Sie lobt ihre Tochter Angie (also meine Mama) und sagt ihr, wie stolz sie auf sie ist und was für wundervolle kleine Wesen sie doch auf die Welt gebracht hat.
Mama ist auch ganz stolz. Mit ihrer rauen Zunge putzt sie uns alle und das kitzelt.
Sie sagt, wir wären die schönsten Gordon Setter Babys auf der ganzen Welt.
Lediglich an der Milchbar gibt es Raufereien und Gezanke. Jeder möchte eine von Mamas Zitzen abbekommen, aber wir sind so viele und so viele Zitzen hat Mama nicht, also können sich nur die an der Milchbar behaupten, die jetzt schon groß und stark sind. Aber für die anderen ist auch gesorgt, Alfons, der Züchter, und sein Sohn Thomas kümmern sich um die Kleinsten und Schwachen.
„Jawohl, Welt!! Ab jetzt werden wir den Planeten beherrschen! Wir, die Gordon Setter vom Nienmarkt!“




(30. März 2006)


„PLATZ DAAA!! WEG DA! AUS DEM WEG, SONST RENNE ICH EUCH ALLE UM!“
Das Spielen mit meinen Geschwistern macht so viel Spaß, auf einmal sind wir nur noch ein großes Knäuel, alle hängen untereinander, übereinander, wir boxen und beißen uns. Okay, okay, manchmal artet es etwas aus und dann muss Mama kommen und uns alle auseinanderziehen. Manchmal schimpft sie auch, aber das ist nicht schlimm.
Mittlerweile mussten wir aus dem großen Haus und unserer Wurfkiste ausziehen und sind bei Alfons in der Gartenlaube gelandet.
Am Anfang war uns das alles nicht so ganz geheuer, aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt und es macht richtig viel Spaß. Wir sind sozusagen unter uns und Mama erzählt uns jeden Abend Geschichten. Nein, nein, die sind nicht ausgedacht, es sind Geschichten aus ihrem Leben und der Wegweiser später für uns.
Alfons hat irgendwann zu seinem Sohn gesagt, dass wir stinken (Hallo??? Mama sagt immer, wir hätten den Duft des Glücks!) und es für alle besser wäre, wenn wir zukünftig unser eigenes Reich hätten. Er fing an, die Gartenlaube gemütlich zu gestalten. Wir hatten drinnen eine schöne große Lampe, die hat uns Tag und Nacht Wärme gespendet, Mama nannte das eine Infrarotlampe. Immer, wenn wir wollten, konnten wir uns da drunter legen, aber wir konnten auch nach draußen. Es gab einen Gitterzaun, der sollte uns wohl davon abhalten, dass wir auf dem Rasen toben, aber manchmal hat Alfons uns auch auf dem Rasen spielen lassen.
Ich glaube, wir waren neugierig und nicht wirklich gehorsam, denn Alfons rannte oft hinter uns her und rief: „Nein!“ Hmmm… Was das wohl hieß? Wir erkundeten fröhlich weiter, buddelten, rissen Pflanzen raus, kippten irgendetwas um (aber nur um zu schauen, was da drin oder dahinter ist), spielten Fangen, machten Kacki auf den Rasen oder wälzten uns einfach nur rum, manchmal durften wir auch in den großen Zwinger, der war überdacht und richtig groß, da durften wir auch buddeln. Leider gab es dort keinen Rasen und auch keine Pflanzen, aber Erde und irgendwelche Baumstämme.
Zwischendurch sind wir immer wieder in die Laube gegangen und haben uns dann auf eine Decke gelegt und haben geschlafen. Spielen macht ja so müde und hungrig natürlich. Mittlerweile gab es auch etwas ganz Leckeres zu essen, denn Mamas Milchbar war geschlossen. Alfons und Thomas mussten uns sowieso zufüttern, da Mama nicht so viel Milch hatte.
Als wir noch im Haus lebten, war irgendwann Dolly weg und kurz darauf Diego. Ich wusste nicht warum, ich wusste nur, das waren die Kleinsten. Mama war ganz doll traurig und hat gesagt, Brüderchen und Schwesterchen sind jetzt im Hundehimmel. Sie sind über die Regenbogenbrücke gegangen.
Irgendwann hörte ich Alfons sagen, die zwei waren einfach noch viel zu klein und zu schwach und hätten es auch nicht schaffen können. Der Wurf von meiner Mama war extrem groß, obwohl wir ihr erster Wurf waren.




(06. April 2006)


Alles ist so spannend und ich beobachte alles auch ganz genau. Mama nennt mich ihren Sonnenschein und manchmal sagt sie auch Hans-guck-in-die-Luft zu mir. Keine Ahnung, was das soll. Sie meinte, ich wäre der größte Träumer, dem sie je begegnet ist. Ja, ich will jetzt nicht behaupten, dass sie unrecht hat. Manchmal ertappe ich mich selber dabei, wie ich mit offenen Augen in den Himmel schaue und mir vorstelle, welche Abenteuer mich noch erwarten werden. Letzte Nacht, als wir alle zusammen gekuschelt mit Mama in der Laube lagen, hat sie uns eine tolle Geschichte erzählt.
Sie sagte, jeder Welpe, der geboren wird, bekommt von der Hundefee ein Päckchen mit Sternenstaub. Diesen Sternenstaub sollen wir gut hüten und sehr sparsam einsetzen. Wir müssen uns sehr gut überlegen, wann wir den Sternenstaub verstreuen, denn es ist ein magischer Staub mit ganz viel Liebe, für das menschliche Auge nicht weiter sichtbar als ein paar Sandkörner (falls die Menschen die überhaupt wahrnehmen). Wir können diesen Zauberstaub immer dann verwenden, wenn wir uns selbst oder auch andere glücklich machen möchten. Ja, andere. Egal, welches Lebewesen. Sollten wir es damit aber übertreiben und irgendwann nichts mehr davon haben, wird es uns sehr, sehr schlecht gehen. Dann können wir nur hoffen, dass wir einen anderen Artgenossen treffen, der uns mit etwas Sternenstaub unter die Pfoten greift. Mama sagte, es ist sehr wichtig, diese Geschichte niemals zu vergessen, denn sie wird uns das ganze Leben lang begleiten.
Darüber musste ich erst einmal nachdenken. Und während ich darüber nachdachte, schaute ich aus dem kleinen Fenster zu den Sternen und schlief ein.




(08. April 2006)


Heute rief mich meine Mama zu sich und sagte:
„Sonnenschein! Mittlerweile waren schon viele Menschen hier und auch Kinder und du weißt, du und deine Geschwister ihr werdet bald hier ausziehen. Dann seid ihr nämlich schon groß und ihr werdet alle in eine liebevolle Familie kommen. Sonnenschein, ich möchte dir sagen, dass morgen Menschen kommen werden, die sich für dich interessieren. Ich habe ein Gespräch gehört, da hat Alfons den beiden gesagt, er wird den richtigen Jungen finden, der genau zu ihnen passt.“
Uii, dachte ich, eine Familie ganz für mich alleine. Das wird bestimmt ganz toll. Ich war schon so richtig aufgeregt.
„Junge, du bist etwas ganz Besonderes. Du bist sehr aufmerksam und sehr sensibel, deine neue Familie wird dich ganz doll lieben. Aber bedenke bitte eins, deine neue Mama ist sehr krank. Bringe Freude in ihr Leben und mache sie mit deinem Wesen wieder glücklich. Ich weiß, du kannst das. Ich weiß auch, dass die zwei einen Welpen suchen, der keine Schissbuchs ist, aber auch kein Draufgänger. Sei einfach du. Versuche, mit deinen neuen Menschen zu kommunizieren. Das schaffst du, da bist du allen deinen Geschwistern voraus. Die gute Hundefee hat dich mit einem ausgeprägten Sinn gesegnet und mit einem Herzen, das so groß ist, dass alle Sternenstaub-Päckchen dieser Welt darin Platz finden würden. Alfons hat nämlich schon ein Auge auf dich geworfen.“
„Ähmmm… verstehe ich nicht…“ Ich habe das wirklich nicht verstanden. Mama sprach plötzlich so kompliziert.
„Mach dir keine Sorgen, Sonnenschein. Du wirst die zwei morgen kennenlernen und ich weiß, sie werden dich lieben.“
Na, da war ich aber mal gespannt. Und Alfons hat ein Auge auf mich geworfen? Aha. Komisch, hab ich gar nicht gemerkt. Hat auch nicht weh getan. Oder ob damit mein Halsband gemeint war? Wir hatten vor einigen Tagen alle Halsbänder bekommen, jeder trug eins in einer anderen Farbe. Meins war grün, so grün, wie die Wiese draußen.




(09. April 2006)


Heute war richtig was los, es kamen viele Menschen und viele Kinder, aber natürlich nicht alle auf einmal. Kaum waren die einen weg, kamen schon die anderen. Alle waren aufgeregt, sogar Alfons.
Ich war total aufgeregt und es kribbelte in meinem Bauch. Mein Bauch fühlte sich an, als hätte ich ganz viele Schmetterlinge verschluckt. Mein Hundeherzchen schlug bei jedem Klingeln an der Türe schneller und die Schmetterlinge wirbelten in meinem Bauch herum, sie flatterten ganz heftig mit ihren kleinen Flügelchen.
Und plötzlich waren sie da. Meine neuen Eltern. Meine Familie. Meine Zukunft. Simi und Frank. Meine Geschwister schossen aus der Laube, als gäbe es kein Morgen mehr und zofften sich am Gitter, alle wollten in der ersten Reihe stehen. Ellbogenhierarchie. Ich stand lieber im Hintergrund und beobachte das ganze Geschehen. Neugierig war ich schon, aber auch etwas zurückhaltend, erst einmal die Lage checken, man kann ja schließlich nie wissen…
Alfons kam ins Gehege und nahm mich auf den Arm. Jetzt wurde mir etwas mulmig und mein Hundeherzchen schlug jetzt ganz schnell. Wo war denn jetzt Mama, wenn man sie brauchte?
Alfons übergab mich an Simi.
Whoaaaa… Das war irgendwie ein ganz tolles Gefühl. Ich war ganz ruhig und artig in ihren Armen. Frank streichelte mich auch ganz behutsam. Die beiden waren so liebevoll. Sie gaben mir ein Gefühl, das ich bis dahin gar nicht kannte. Voll schön.
Auch Frank hatte mich auf dem Arm und nach einer Zeit setzte er mich vorsichtig wieder ins Gehege. Die Menschen wechselte noch einige Sätze und verabschiedeten sich mit den Worten: „…dann bis bald und wir freuen uns sehr, dass Jack bald zu unserer Familie gehört.“
Wer war Jack? Ich war doch Duncan?! Wollten die mich jetzt doch nicht haben? Mein kleines Herz wurde ganz schwer. Habe ich mich nicht gut benommen? Dabei habe ich versucht, alles richtig zu machen. Ich habe nicht gestrampelt und nicht gebellt, als ich auf den Arm genommen wurde. Ich habe auch nicht geknurrt und nicht gebissen. Was hab ich falsch gemacht? Und wer zum Hundehenker war dieser Jack? Ohne ihn zu kennen, hasste ich ihn. Ich war traurig. Ich legte mich in eine Ecke und überkreuzte meine Vorderpfoten. Über diese ganze Situation musste ich erst einmal nachdenken. Irgendetwas stimmte hier nicht. Auch die Schmetterlinge in meinem Bauch waren weg. Vielleicht hatte ich sie schon verdaut. Keine Ahnung. War mir auch egal. Hatte mich sowieso gefragt, wie die in meinen Bauch gekommen sind. Konnten von mir aus bleiben, wo der Pfeffer wuchs!
Meine Geschwister tobten und lachten, aber ich hatte keine Lust mit denen zu spielen.
Plötzlich war alles doof.
Und immer noch kreiste es in meinem Kopf herum…, Wer war dieser Jack?
Später kam Mama zu mir und stupste mich mit ihrer Nase an.
„Sonnenschein, du warst super.“
„WAAASSS??? ICH??!“
„Die zwei haben dich gleich in ihr Herz geschlossen und du hast schon einen neuen Namen bekommen. Hast du ihn gehört?“
„HÄÄÄ?“ Wie jetzt? Dann war ich Jack? Das war mein neuer Name? Juhuuu!!!
Da hatte ich es endlich begriffen. Und wie auf Kommando kehrten ganz plötzlich die Schmetterlinge wieder zurück in meinen Bauch.
Also… Seit diesem Tag war ich JACK und stolz wie Bolle.




(15. April 2006)


Die Tage zogen sich wie Kaugummi und meine neuen Eltern waren nicht mehr zu sehen. Vielleicht hatten sie es sich doch anders überlegt und wollten mich wirklich nicht mehr haben. Warum sonst kamen sie nicht mehr wieder? Meine Geschwister wurden von ihren neuen Familien ab und zu besucht, aber meine Eltern kamen nicht.
Mama meinte, wir wären noch zu jung und es würde noch ein Weilchen dauern, bis wir alle ausziehen durften. Ich sollte nicht so viel grübeln und mir nicht so viele Gedanken machen. Alles würde gut ausgehen.
Und während Mama weiterhin liebevoll auf uns aufpasste, Oma Ellen mit Alfons in den Wald ging (Sie musste arbeiten. Alfons war Jäger oder heißt das Förster? Keine Ahnung.), spielte ich mit meinen Geschwistern und entdeckte immer wieder etwas Neues.
Gestern sah ich etwas Langes, Dünnes, was sich aus dem Erdboden schlängelte. Uiii… Das sah ganz schön lustig aus. Ich leckte da dran, aber es fühlte sich ganz komisch an, irgendwie so weich und wabbelig und dann habe ich es ganz schnell wieder sein gelassen. Mama sagte, das nennt man einen Regenwurm. Okay. Regenwürmer waren also nicht zum Spielen und auch nicht zum Fressen da und mit denen konnte man auch keinen Spaß haben. So ein Regenwurm war doof, aber meine Geschwister waren noch viel blöder. Als ich Duke und Donna den Wurm gezeigt habe, fingen die zwei Blödis an, sich gegenseitig zu schubsen und Duke, der doofe Fettsack, ist mit seiner dämlichen Pfote auf dem Regenwurm gelandet und hat ihn total zerquetscht. Oh nein! Das wollte ich nicht. Der arme Regenwurm. Duke hat mich ausgelacht und mit „Mimimi“ verspottet.
Ich fand das alles nicht lustig.
So auch, wenn meine Geschwister ganz doll rumgetobt haben, dass die sich danach richtig zofften, sowas konnte ich auch nicht ab. Da musste ich direkt dazwischen gehen und versuchen, die Streithähne voneinander loszubekommen. Ich mochte keinen Streit und wenn meine Brüder zu mir gemein waren, hab ich mich immer umgedreht und bin weggegangen. Ich bin sozusagen dem Streit aus dem Weg gegangen. Das war nichts für mich.




(22. April 2006)


So langsam erholten wir uns von dem ganzen Schrecken und den Schmerzen. Mein Ohr tat mir immer noch ganz doll weh.
Letztens kam nämlich Alfons ins Gehege und hat uns einzeln ins Haus gebracht. Mama versuchte uns zu beruhigen und meinte, das wäre alles nicht ganz so schlimm. Aber es war alles noch viel schlimmer. Ich hörte meine Geschwister weinen und schreien und dann bekam ich natürlich auch Angst. Alfons kam raus und packte mich. An diesem Morgen war er ziemlich rabiat und irgendwie selber so aufgeregt. Im Haus war ein fremder Mann, der auch noch ganz merkwürdig roch. Auf einmal griff er nach mir und drückte mich auf den Tisch. Ehe ich mich versah, bekam ich einen ganz dollen Piecks auf meine Pobacke. Wie das brannte!!
„Auutschh!!!“
Als ich dachte, der ganze Spuk wäre vorbei, merkte ich, dass ich mich richtig getäuscht hatte. Es war gar nichts vorbei! Das war ein Albtraum!! Wieder ergriffen mich große Hände und hielten mich ganz doll fest. Ich hatte solche Angst, dass ich meine Augen zusammenkneifen musste und winselte. Naja, eigentlich winselte ich nur am Anfang, später habe ich genauso geschrien wie meine Geschwister. Alfons packte mich am Ohr und dann hörte ich ein Summen, das kam immer näher. Ich habe gestrampelt, gewinselt und gejault, aber es hat leider nichts gebracht. Stattdessen wurde der Griff noch fester und dann begann jemand mit so einer komischen Maschine, die so merkwürdig summte, an meinem Ohr rumzukratzen. Das hat so furchtbar wehgetan, aber ich konnte mich nicht wehren. Am liebsten hätte ich alle gebissen, aber ich kam nicht ran.
Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm Alfons mich hoch und brachte mich zurück in die Laube. Meine Ohrmuschel schmerzte, meine Pobacke brannte. Wir lagen verängstigt und schwer atmend in der Ecke. Was sollte das? War so etwas normal? Passierte so etwas öfter? Mama kam zu uns, versuchte uns ein wenig zu beruhigen und meinte nur, wir sollten keine Angst haben. Das wäre ganz normal und das müsste jeder erleben. Aha. Toll! Was kümmerte mich jeder?
...
5 Sterne
Sehr Positiv fesselnd - 08.01.2026
G.N.

Ich konnte das Buch gar nicht mehr weglegen, es ist so geschrieben als wäre man mit dabei. Das Buch fesselt einen, man möchte wissen wie es weiter geht. Man lebt durch alle höhen und tiefen mit. Kurz, einfach ein Herzensbuch. Einfach schön :-)

5 Sterne
Wundervolle Tiergeschichte - 06.06.2025
Christina und Trixi

Da kennt sich jemand in der Hundeseele aus. Zwar sehr auf Menschliches ausgerichtet , aber trotzdem irgendwie Tiernah beschrieben. Habe diese Geschichte schmunzelnd gelesen. Es war spannend und entspannend zugleich . Mit Trixi, meiner Mischlingshündin neben mir auf dem Sofa, hatte ich einige erholsame Lesestunden. Wundervoll!

5 Sterne
Sehr gut 👍  - 23.04.2025
Bozena Kogut

Buch interessant ist , leich und herzerwärmendt ❤️

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