Madame in Nöten - Späte Himbeeren

Madame in Nöten - Späte Himbeeren

Marie B.


EUR 13,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 110
ISBN: 978-3-95840-309-3
Erscheinungsdatum: 25.01.2017
Tragödie und Komödie, leise Melancholie und unbeschwerter Frohsinn zugleich - all das verpackt in einem locker-flockigen Gewand: Lassen Sie sich von Marie B. mitnehmen auf eine kurzweilige Reise durch ein Leben, in dem für Langeweile kein Platz ist!
Meine Maxime:
Verliere niemals aus den Augen, was du wirklich liebst.
Bewahre dir das i-Tüpfelchen aller Dinge bis zuletzt.
Kostbar ist jener Augenblick, in dem du erkennst, dass du nur auf deine innere Stimme hören musst, um zu wissen, was richtig ist.
Man trifft im Leben viele Menschen, und dann den einen, den man nie vergisst. Die Welt dreht sich in einem Augenblick.
Alles stimmt, man kann ihm vertrauen und ?möchte jede Minute mit ihm verbringen.
Lerne von jedem dir wichtigen Menschen etwas.
Gegen die seelischen Grausamkeiten einer perfekten Mutter ?ist bis heute kein Kraut gewachsen.

***

Mein endlich abgelegter Spruch, der dennoch immer für ein Schmunzeln sorgte:
„Ich bin schüchtern, aber in Behandlung.“ Nein, diese und Psychotherapie blieben mir erspart, da ich irgendwann endlich meinen Tränen freien Lauf lassen konnte. Natürlich leider immer am falschen Ort, aber egal. Ein Rinnsal, das in einem kleinen Bächlein endete, wär’s auf jeden Fall gewesen. Fazit: Stiere sind stark.

***

Aus dem Leben, Sammelsurium, oder wie fang ich an? Vielleicht, weil ich nie ein Tagebuch führte, wie die anderen Mädchen in meinem Alter. Ich fand das irgendwie doof, und mein Vater hätte es sowieso gelesen und niemals verstanden.
Silberhochzeit mal anders:
Zu diesem Zeitpunkt wollte ich’s nicht wahrhaben, unternahm nichts! Der größte Fehler meines Lebens.
Darf ich mich vorstellen? Marie, Frau in den besten Jahren, immer noch voller Ideen, leider etwas unspontan. Freue mich an einem Regenbogen, lache gern, bin fleißig wie ein Bienchen und meistens ordentlich. Ja, da kam wohl urplötzlich alles völlig durcheinander. Damit konnte ich nicht umgehen. Starten Sie mit mir in eine kleine Zeitreise, und lesen Sie zwischen den Zeilen; begleiten Sie mich in ein Labyrinth der Gefühle.


Prolog

Irgendwann hat es einfach gereicht, ich erkannte mich selbst nicht mehr. Eines schönen Tages, die Kinder waren längst aus dem Haus. Da war doch noch was. Das allererste Mal in meinem Leben hatte ich wirklich etwas vermisst. Kennen Sie das? Job, Aschenputtel, Hotelangestellte … Humor ist, wenn man trotzdem lacht, denn endlich hab ich wieder Freude am Leben. Im richtigen Moment der totalen Verzweiflung schenkte mir der liebe Gott eine Enkeltochter. Die Kleine wächst und gedeiht und lässt uns teilhaben an der kindlichen Perspektive.
So ist er also, dein Angetrauter. Seit Mama ihm den Computer schenkte, war ich abgemeldet. No Reaktionen, wenn Sie verstehen. Dazu ein schönes „Fläschchen“ Rotwein, unter dieser Dosis ging nichts mehr, ganz abgesehen von der Tageszeit! Und – „no Tinte mehr auf dem Füller“. Stattdessen kaufte er sich einen, wo er doch nichts zu unterschreiben hat. Das teure Stück fristet seither sein Dasein im Kästchen. Doof. Hatte überlegt, mir eine Hupe zuzulegen, (Glöckchen ist nicht mehr!) zur Essenszeit. Wir hatten plötzlich keine Gemeinsamkeiten mehr. Sonntags mutierte er zum Scheusal. Dann, wenn man mal Zeit hatte für gemeinsame Unternehmungen, schottete er sich von der Woche ab. Die Kommunikation war verebbt. Als er mich dann sogar im Urlaub anpflaumte, legte ich meinen Ehering ab. Ich glaube, er hat eine Hausfreundin. Oder wer war die nackte Dame in seinem Portemonnaie? Und falls er denkt, dass ich freitags putze, wenn er sich vergnügt, dann hat er sich geschnitten. Das kann ich auch. Von nun an sind wir nur noch gute Kumpel! Mit dieser Einstellung wird’s wohl funktionieren. Worte können Waffen sein. Ich hasste abends nach dem Zähneputzen seinen Senf-Leberwurst-Geschmack und diverse Angewohnheiten, aber Contenance! Wir driften doch nicht ins Niveaulose ab, oder? Dachte, er gäbe sich ein bisschen Mühe, doch es sollte noch schlimmer kommen. Job weg, und wie war’s mit der Libido? Am liebsten hätte ich eine Annonce geschaltet: Obermacho kostenlos abzugeben … Doch das überlegte ich mir anders und ließ seither keinen Fez und keine Peinlichkeit aus, so als müsste ich im Leben alles nachholen, was ich versäumt hatte. Ich stand zum Karneval mit einem Tablett Berliner in Stöckelschuhen auf dem Tisch – und fragte mich: Bin ich das? Stellte fest, hab nichts verpasst, hab mich nur blamiert mit brillantem Lächeln und einer überzeugten Aura, die auf Fremde manchmal schon arrogant wirken konnte. Es gab niemanden, der lauter lachte als ich, wenn Sie verstehen. Fazit: Verstecke dich nie hinter deinem eigenen Schmerz.
Es kam also die Zeit, in der ich so tat, als ob – Punkt. Nur nicht anmerken lassen, wie beschissen es mir geht. Mal ehrlich, es hätte auch niemanden interessiert. Zu Hülfe, wo ist ein Kummerkasten? Ich erlebte den Höhepunkt meines fraulichen Daseins in den Wechseljahren total geil und irgendwie allein. Nein, ich möchte hier nicht die banalen Situationen schildern wie etwa die Angewohnheit, getragene Sachen wieder in den Schrank zu hängen; man erkenne sie sofort, da sie verkehrt herum wie „Zappel am Galgen“ auf dem Kleiderbügel hängen.
Sondern den Weg heraus aus all den nervenden Kleinigkeiten, denn ich kenne genug „Schlammschlachten“ im Bekanntenkreis, die letztlich nur in Scheidung und Verlust aller bisher erschaffenen Güter enden. Von den Dramen, wenn Kinder im Haushalt sind, ganz zu schweigen. Zuallererst muss man allerdings die Ausgangssituation ausloten, ob das Gegenüber auch dazu bereit ist.


Über das Klimakterium

In einer späten Mittagspause saß ich nichts ahnend bei einem Salat, als mich ein netter Mann, ein Lachsbrötchen genießend, ansprach. Um uns herum duftete es nach Kaffee und Törtchen. Wir amüsierten uns vorerst beide über den gleichen Geschmack um die Tageszeit. Er recherchierte mit seinem Laptop an einem Bericht über Frauen um die fünfzig und saß somit quasi mitten im Geschehen. Es gibt dafür meiner Meinung nach sowieso keinen perfekteren Ort als ein Café. Also, er ist so ein Misch-Typ zwischen rassig, lustig, elegant und lässig. Und natürlich viel jünger. Bei näherer Betrachtung irgendwie kein Frauenschwarm. Und so traute ich mich, etwas mit ihm zu plaudern. Etwas Kurzweil kann ja nie schaden. Ich staunte über mich selbst, welche Schublade ich gerade aufzog, und erzählte frei von der Leber weg, wozu Frauen in diesem Alter alles fähig sind. Ich höre ihn gern sprechen, seine Stimme klingt irgendwie total gebildet und melodisch-männlich. Ich hoffe, meine Tipps konnten ihm helfen, den Artikel zu komplettieren. Lächelnd verabschiedete ich mich brav, aber nicht ohne noch einen winzigen Look auf seine Wölbung im Schritt zu nehmen. Als Gegenleistung schmunzelte er beim Aufstehen über meine Speckröllchen, die ich, so gut es ging, unter der Bluse kaschierte. Ja, so sind sie, die Klimakterien, total versaut und ?genüßlich. „Man sieht sich“, sagte er. Freue mich, Mr. X. Ja, vielleicht verrät er mir beim nächsten Mal seinen Namen, muss ja nicht gleich auf dem T-Shirt stehen. Überhaupt ist man geneigt, Menschen, die man nicht kennt, seine Probleme eher zu erzählen als der besten Freundin, sozusagen anonym. Na, das war doch mal eine Mittagspause nach Maß.

Dazu ein kleiner Tipp von Marie:
Bitte vergleichen Sie die Klimakterie einfach mit einem alten Bus. Fährt nicht mehr so schnell – kommt nicht so schnell in Gang und ist nicht klimatisiert. Manchmal überschätzt sie sich, denn wenn sie fünfzig wird, wird auch die Haut fünfzig, und die Mu… fünfzig. Nur die Seele bleibt immer fünfundzwanzig! Sie springt nicht mehr auf Knopfdruck an.
Schnelligkeit – *piep*, Groschen einwerfen, singen – *piep*, Sex – *piep*.
Es dauert alles ein bisschen länger, aber die Klimakterie kommt dennoch sicher ans Ziel. Und lassen Sie sich nur nicht von den Kollegen mobben. Zeigen Sie Personality, und blicken Sie selbstbewusst in Augenhöhe, denn Sie wissen, die dreckige Wäsche wird immer in den untersten Etagen gewaschen.
Hören Sie wortlos zu, denn die „definitiv gespiegelte polarisierende Fassade“ hat eine nichtssagende Wirkung. Schalten Sie einfach auf Durchzug, und konzentrieren Sie sich auf das, was wirklich wichtig ist. Jeder Mensch baut einen Schild um sich herum, bei dem er glaubt, einzigartig und unangreifbar zu sein. Antworten Sie zu gegebener Zeit mit Ihren Taten.
Eine ausgeglichene Antwort sollte man jedoch immer mit einem Schmunzeln parat haben. Wenn innerlich auch die Stürme toben. Schnösel mit ö!!!! Der einzige Trost, jeder macht früher oder später diese Erfahrung.


Wilde Kirschen im Herbst

Rötlich königlich sind sie im Herbst, die Bäume. Vergangen Blüten- und Früchteträume. Herrlich duftend fürs Jahr vorüber. Kindliche Erinnerung, den Baum erklimmend, naschend, köstlich hängen in den Ästen. Wartend auf die neuen Knospen. Und ein zweiter Frühling kann beginnen.

Drei Tage danach kam eine SMS: (Da hat er sich aber Zeit gelassen.) „Mehr! Schmecke noch deine Lippen. Du bist mein erster Gedanke, vermisse dich. Umarme dich. STOPP!“
Ich schrieb Auszüge aus dem Songtext „You are“ von Marshall & Alexander.

„… you are all I’m looking for … you make my heart sing …“
PS: Du bringst mich ganz durcheinander. STOPP – muss arbeiten. Das Teppich…

Vergessen Sie bitte die diskrete Küchenrolle nicht. (Wegen der Himbeerflecken.) Wie ich es nun schaffen werde, ein normales Alltagsleben zu führen, weiß ich noch nicht. Doch es wird mir schon gelingen, denn es fühlte sich total richtig an. Also genießen und schweigen.
Das war er also, der Tag X. Ein totaler Neubeginn, Stunde null, Normalnull (NN), der absolute Nullmeridian. Kenne den Weg, bin dennoch nicht ziellos, aber viel relaxter und lasse mich sogar gern mal ablenken. Nun schlüpfe ich hinein, in meine zweite Haut, die durchaus um einiges dicker ist als die zuvor, und erfreue mich der neuen, hart erkämpften Qualitäten.
Die „Streuselschnecke“ – so nannte mich mein Vater gern – geht erst mal schick frühstücken und ein bisschen bummeln. Auf der Suche nach einem Poncho kaufe ich gleich zwei Stück. Warum sich Frauen selbst belohnen, habe ich noch nicht herausgefunden.
Ja, ich gehe noch gern außerhalb der Internetplattform shoppen. Es locken viele visuelle Reize, man hat Frischluft, trifft ab und zu einen Bekannten, trinkt ein Käffchen. Ist doch viel schöner, oder? Dabei stöbere ich immer in einem Buchlädchen und schaue die neusten Kinotrailer. Es gibt im Städtchen noch die alten nostalgischen Litfaßsäulen, die liebe ich. Manchmal möchte ich gern selbst ein Plakat gestalten. Dazu fehlt leider die Zeit. Man muss schließlich Prioritäten setzen, und manche Dinge sollte man einfach den Profis überlassen. Später werde ich mich solchen Dingen widmen. Möchte noch selbst Büttenpapier mit Blüten schöpfen und kreative Naturmaterialien allerlei Art verarbeiten und viiieles mehr! Jedoch kein Jakobsweg ist mir ehrlicherweise zu anstrengend und kein Bungee-Jumping. Bin dazu zu feige. So ein einzigartiges Erlebnis würde mich aber schon reizen, wenn ich ehrlich bin.
Heute schon „gepostet“?
Es ist teil weise erschreckend, auf welch hochgeistigem Level auf den Plattformen kommuniziert wird. Manche Kommentare sind für mich die reinste Zeitverschwendung, und ich stelle fest, dass ich sie besser nicht gelesen hätte. Zunächst überlege ich, wer mir wichtig ist, mit diesen Menschen stelle ich dann auch einen persönlichen Kontakt her. Man muss doch nicht überall seinen „Senf“ dazugeben. Bewerten Sie dies, bewerten Sie jenes. Nö! Sollte man wirklich echte Urlaub- und Buchtipps benötigen, ist es schön, wenn man dann endlich mal sehr kompetent fündig wird. Und ich wurde wieder „fündig“ – auf Menorca. Die Dachterrasse des Hotels hatte es mir total angetan. Ich fotografierte bei jedem Licht, gegen das Licht, morgens, abends, im Panoramablick. Ich glaube, mein Mann war bereits etwas genervt. Das schönste Foto kommt wieder an die Wand ins Treppenhaus.

***

Nein, ich hatte nichts von freitags gesagt. Bin nicht der typische Freitagsputztyp, der die bessere Hälfte in die Gastronomie oder in den Wahnsinn treibt. Überstunden an dem Tag nimmt man doch keinem Manne ab, oder? Wo ist er??? Sollte man nun die Fassade wahren oder Streit erzeugen? Gute Meinung ist hier gefragt. Liegt es an mir? Bin ich zu dominant, zu ungeduldig? Warum beteiligt er sich in keiner Weise am Alltag? Offenbar hat er die Schn… gestrichen voll, sodass ihn gar nichts mehr interessiert. Bleibt alles an mir hängen. Sogar die Einladungen zu seinem „Runden“ drucke ich ihm noch. Kann nicht aus meiner Haut, sehne mich so sehr nach einem anderen Leben, das mir offenbar niemand bieten kann, ohne mein Umfeld total aufzugeben. Baue also weiter an meiner Scheinwelt, gebe mein Bestes, unser Kumpel-Dasein am Leben zu erhalten. Gefühle völlig ausgeblendet. Hätte Lust auf ein Nümmerchen. Und wenn, dann singe ich den ganzen Tag. Gedankensprünge wieder mal völlig um die Ecke, Berg- und Tal-Bahn eben. Erquicke mich an Dingen, über die ich schon morgens spontan lachen kann. Ich bin doch eine sehr glückliche Frau. Etwas unzufrieden darf man schon sein, Widersprüche bringen den Menschen voran. Hab mit Reginald vereinbart, dass die Freizeit am Mittwochabend jedem selbst gehört. Man merke, er frönt den Computerspielen!!
Dabei sollte man den tieferen Sinn des Tuns nicht hinterfragen. Einfach entspannen. Wenn er das vergisst, sag ich schon mal: „Was, du willst nicht?“ Sie kennen die Szene aus dem Film „Der gezähmte Widerspenstige“ mit Ornella Muti und Adriano Celentano? Sie sagt: „Du hast zwei Möglichkeiten. Wie lautet also deine zustimmende Antwort, ja oder ja?“ Dazu ein zart schmelzend bettelnder Blick. Diese Zauberformel sollte Frau von heute immer parat haben. So, als wäre das männliche Geschöpf ganz von selbst draufgekommen. Ja, „step by step“ muss man eine Beziehung pflegen, damit sie nicht verkümmert. Unser zartes Pflänzchen war ja irgendwie eingegangen.
5 Sterne
Super Lektüre für Frauen - 08.02.2017
Margot Adler 387644

Ich finde das Buch äußerst unterhaltsam und spritzig geschrieben. Die Autorin hat wohl viel Humor. Werde mir gleich einige Bücher in unserer Ortsbücherei bestellen, um sie an Freundinnen zu verschenken (besser als Blumen)!!

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