Sonstiges & Allerlei

Loving Stars

Liane Meyersiek

Loving Stars

Leseprobe:

Kapitel 1
Ein ganz normaler Tag

Am frühen Morgen um- sechs Uhr klingelte der Wecker. Katharina, die von allen nur Cat genannt wurde, weil ihre grün-blauen Augen wie die einer Katze wirkten, schwang sich aus dem Bett. Ihr Ehemann Thorsten, mit dem sie bereits zehn Jahre verheiratet war, schnarchte und drehte sich zur Seite. Katharina ging in die Küche, drückte den Knopf der Kaffeemaschine und verschwand in Richtung Bad.
Die Tür des Badezimmers wurde geöffnet und mit einem Gähnen vernahm Cat ein: „Guten Morgen.“
„Morgen, gut geschlafen?“, erwiderte Cat. Bauchkratzender weise an der Toilette stehend meinte ihr Mann:
„Jepp.“.
Thorsten war ein knapp Fünfzigjähriger der sehr viel auf sein Aussehen bedacht war, nicht so sehr mochte er es im Sitzen zu pinkeln, womit er Cat fast zur Weißglut treiben konnte.
„Setzte dich doch bitte hin, wenn du musst“, sagte sie ihm immer. Aber bis heute hatte er sich nicht daran gewöhnen wollen. „Ja, ja“, murrte er. „Wann kommst du heute nach Hause?“, fragte Cat.
„Bei mir wird es wieder spät, wir haben ja die neue Kollegin in der Buchhaltung, ihr soll ich ein wenig unter die Arme greifen.“, sagte Thorsten. Cat überlegte, was heute alles in der Praxis, in der sie arbeitete, so anstehen würde. Dann sagte sie: „Ich denke, dass ich heute früh zu Hause sein werde.“ Sie band ihr dunkles Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen und ging in die Küche.
Thorsten kam nach der Morgentoilette in die Küche und roch, als wäre er in ein Aftershavebad gefallen. Cat sah ihn an und sagte nur: „Du willst wohl, dass alle Fliegen von der Wand im Büro fallen?“
„Nein, aber wenn der Tag so lang wird, möchte ich nicht, dass nach fünf Stunden, mein Deo versagt. Ich esse heute im Büro, du brauchst also nicht mit dem Essen auf mich zu warten.“ Dann gab Thorsten Cat einen Kuss auf die Stirn und mit einem: „Tschüss meine Hübsche,“ verschwand er durch die Wohnungstür des Mietshauses.
Ja hübsch war Cat. Mit ihren ein Meter fünfundsechzig, knapp sechzig Kilo und dunkel-braunem langen Haar war sie eine attraktive Frau von sechsundvierzig Jahren. Sie arbeitete als Zahnarzthelferin in einer kleinen Praxis nicht weit von ihrem Zuhause.
Sie hatte alles, was man sich so wünschen konnte, einen gut aussehenden und erfolgreichen Mann, der in einem Unternehmen für den Verkauf von Sportschuhen tätig war. Mit dem Alltag hatte sie sich arrangiert.
Cat zog sich ihre Schuhe sowie Jacke an und verließ dann ebenfalls die Wohnung im zweiten Stock.



Kapitel 2
In der Praxis

Es war zehn vor acht, als Cat zur Praxis kam. Vor der Praxis warteten bereits zwei Patienten. Man konnte schon bei der einen Person erkennen, dass es eine Wurzelbehandlung werden würde. „Na Frau Heister, dass sieht aber nicht so gut aus.“, sagte Cat, als sie der dreißigjährigen Frau in das Gesicht schaute und diese mit einer schmerzverzerrten Miene zu verstehen gab, dass die dicke Wange seit gestern Abend immer dicker werden würde. Cat schloss die Praxis auf, nahm die Patienten auf, suchte die Karteikarten der beiden heraus und platzierte beide jeweils mit Latz und Spuckbecher in einem der drei Behandlungszimmer. Als Cat sich gerade am Umziehen war, ging die Tür des Aufenthaltsraumes auf und ihre Kollegin Christina kam pfeifend hinein.
„Guten Morgen Cat, du bist ja schon da, was haben wir denn heute alles?“. Die kleine pummelige, aber fröhlich und optimistische Kollegin von neunundzwanzig Jahren, lächelte und begann sich ebenfalls umzuziehen.
„Frau Heister sitzt in Zimmer eins, sieht nach einer Vit E aus. Herr Köster sitzt in Zimmer zwei, da war die Ex am Achter oben rechts geplant“, klärte sie Cat auf.
„Du, was machen wir heute in der Pause?“, fragte Christina. „Sollen wir uns etwas vom Italiener holen?“, hakte sie nach. „Nun lasse uns erst einmal was tun, ich meine, wir haben gerade erst einmal fünf nach acht“, sagte Cat mit einem Schmunzeln.
„Ich habe ja nur den Tag strukturieren wollen.“, lachte Christina. „Denke an unseren Karaoke-Abend bei McLean. Heute Abend zwanzig Uhr!“, erinnerte sie Christina. Cat überlegte kurz, ob sie absagen sollte, aber sie hatte bereits die letzten Male abgesagt und wollte Christina nicht hängen lassen. So meinte sie schließlich: „Ich kann an nichts anderes mehr denken. Ich muss aber Thorsten noch Bescheid sagen, ich habe ihm noch gar nichts davon erzählt.“ „Du und dein komischer Thorsten. Der Schönling merkt ja nicht einmal, dass du schon wieder abgenommen hast“, meinte sie abwertend. Christina mochte Thorsten nicht. Er war das, was sie als Macho bezeichnete. Cat sah sie an und meinte ihn in Schutz nehmen zu müssen: „Na ja, er hat ja auch viel um die Ohren.“
Die beiden standen gerade in der Anmeldung, als die Praxistür geöffnet wurde und ein leicht gestresster Chef hineinkam.
„Guten Morgen die Damen. Ich bin gleich so weit. Ich ziehe mich eben um und bin dann sofort bei Ihnen.“ „Guten Morgen Herr Dr. Hartmann“, tönten Cat und Christina wie aus einem Munde. Sie starrten ihrem Chef, der ins Stolpern geriet, hinterher.
Nachdem der Vormittag mit der Wurzelbehandlung, Extraktion sowie einer Präparation und mehreren Kontrollen vorbei war, sagte Christina: „Endlich Pause, Mann, habe ich einen Hunger. Ich gehe zum Italiener und hole mir etwas. Für dich auch Cat?“ „Ja einen gemischten Salat“, sagte Cat lächelnd, da sie wusste, dass sich Christina eine Pizza mit doppelt Käse gönnen würde, obwohl sie immer am Stöhnen war, sie sei zu dick.
In der Pause saßen die beiden in ihrem Aufenthaltsraum und studierten die Klatschpresse, während sie aßen.
„Wow, schau mal Cat, da musst du mitmachen!“, rief Christina. „Was? Wo? Was soll ich?“, fragte Cat etwas verwirrt. „Na hier, schau doch mal. Hier kann man ein ‚Meet your Star for a Week‘ mit Josh Reed in London gewinnen. Das ist doch was für dich?“, meinte Christina und drückte Cat die Illustrierte in die Hand.
Cat sah ein Bild ihres Stars, den sie seit längerem in jedem Film, wo er mitspielte, anhimmelte, und sagte ein wenig enttäuscht: „Schon, aber meinst du nicht, dass sich da tausende melden werden? Da habe ich ja nicht mal einen Hauch einer Chance zu gewinnen.“ „So ein Quatsch, sei doch nicht so pessimistisch“, meinte daraufhin Christina. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ „Ach ich weiß nicht, und was soll man da machen, um in den Kreis der eventuellen Auserwählten zu gelangen?“, fragte Cat.
„Man soll einfach auf der Internetseite eine Frage zu Josh Reed beantworten und das war es dann auch schon. So und jetzt gibst du mir dein Smartphone und wir regeln das.“
Cat schaute ihre Kollegin mit einem Grinsen an: „Ich gewinne eh nicht, nicht mal einen Blumentopf“ und gab Christina ihr Smartphone, die gleich darauf mit einem: „Na, du wirst schon sehen“ die Internetseite aufrief und darauf Cat die Gewinnfrage laut vorlas. „Welche Rolle spielte Josh Reed zuletzt?“, fragte sie Cat.
„Hamlet. Aber das war ein Theaterstück oder meinen die eine Filmrolle?“ Cat war ein wenig verunsichert und starrte fragend ihre Kollegin Christina an, die sich die Frage nochmals anschaute. „Nein“, meinte sie nach einer kurzen Weile: „Hier steht nur, welche Rolle und das beinhaltet ja schließlich jede Rolle, egal ob Theater oder Film. Ich mache das jetzt fertig.“ Christina grinste und sagte schließlich: „So, fast fertig, ich brauche nur noch dein Geburtsdatum, deine E-Mail Adresse und deine Telefonnummer.“ „Warum denn das?“ Cat sah Christina fragend an. „Damit sie sehen, dass du schon achtzehn bist oder etwas drüber. Außerdem müssen die von der Zeitschrift ja irgendwie mit dir in Kontakt treten, falls du gewinnst“, Christina lachte laut. Cat war irritiert: „Haha, sehr witzig“, war ihre Antwort. „Aah fertig, jetzt gibt es kein Zurück“, meinte Christina grinsend. „Na, da bin ich ja gespannt, was daraus wird“, fügte Cat hinzu. „Ich habe zwar kein Glück in der Liebe, aber im Spiel. Also abwarten Cat. Das Gewinnspiel endet jetzt Sonntag, also wäre es doch klasse, wenn du gewinnst, ab Montag haben wir endlich Urlaub und die ganze ‚Meet your Star‘ Geschichte soll in der Woche vom 24. Juni bis einschließlich 30. Juni stattfinden. Also, alles perfekt.“ Christina sah Cat an und freute sich, als hätte Cat bereits gewonnen. Cat starrte sie an und sagte schließlich: „Klar und wenn ich gewinne, bringe ich dir ein Souvenir aus London mit.“ Cat grinste ihre Kollegin an, die belustigt meinte: „Ja genau, einen süßen Engländer.“ Beide Kolleginnen begannen herzlich zu lachen. Cat nahm ihr Smartphone und rief ihren Mann an. „Ja!“, dröhnte dessen Stimme genervt in den Hörer. „Ich wollte dir nur sagen, Schatz, dass ich mich mit Christina heute Abend verabredet habe und es doch später wird.“ „Jaja, mach, was du willst“, murrte Thorsten. „Ich habe jetzt keine Zeit, bis später.“ Cat schaute auf ihr Telefon, schaute Christina an, die mit einem: „Na ist der Macho gestresst?“ stichelte. „Ja, anscheinend“, gab Cat von sich. „Irgendwie wird er immer komischer“, sagte Cat etwas enttäuscht. „Das ist halt so bei Machos, Cat, mach dir nichts draus, der spinnt. Kommt wohl in die Midlife crisis, dieser Blödmann?“ Und wieder begann Cat ihren Mann in Schutz zu nehmen und meinte: „Er hat ja wirklich viel zu tun. Jetzt haben sie eine Neue in der Buchhaltung, die muss er noch einarbeiten, das kann durchaus stressig sein.“ Christina konnte sich nicht mehr halten und fing an laut zu lachen: „Von wegen einarbeiten, eher einreiten was?“ Cat grinste und meinte nur: „Oh Mann Christina, du Spinnerin, Thorsten doch nicht, der ist immer so gestresst, da mag er noch nicht mal mehr an Sex denken.“ „Ja, nicht bei dir vielleicht, aber du bist ja auch seine Frau. Glaube mir, ich könnte mir vorstellen, dass Thorsten, wenn es sich ergibt, nicht den Schwanz einzieht, sondern eher das Teil ausfährt.“ „Jetzt hör aber auf, so ist Thorsten überhaupt nicht, nicht im Geringsten.“ Cat wurde energisch, sie mochte es nicht hören, wenn Christina über Thorsten lästerte. Christina merkte, dass Cat sich über ihre Aussage ärgerte, und beschwichtigte sie: „Sorry, aber manchmal überkommt es mich einfach. Freunde?“ „Freunde“, sagte Cat. „So, und nun hör auf dir deinen Mund über meinen Mann zu zerreißen und schwinge deinen Luxuskörper in die Anmeldung, ich werde die Zimmer vorbereiten. Sonst wird es heute Abend mit McLean nichts.“ „Aye-Aye Captain!“, sprang Christina salutierend auf und fing wieder an zu lachen. Die Patienten kamen in die Praxis und die Pause wurde beendet. Mit einem roten Fleck auf dem Arbeitshemd stürmte Dr. Hartmann wieder in die Praxis. Cat wies mit dem Finger auf den Fleck: „Ketchup?“ Mit einem: „Upps! Mist, ja genau!“ verschwand Dr. Hartmann erst in seinem Büro, wo er sich umzog. Als er dieses verließ, meinte er bei sich: „Gott sei Dank, nächste Woche Urlaub.“ Cat und Christina nickten sich grinsend zu.



Kapitel 3
Drei Wochen Urlaub

Endlich war es 18:00 Uhr. Die Praxis war nun aufgeräumt, der letzte Patient gegangen und der Stress, den Dr. Hartmann verbreitet hatte, vergessen. Er kam auf Christina und Cat zu, als sie sich gerade verabschieden und ihm einen schönen Urlaub wünschen wollten, und drückte beiden einen Umschlag in die Hand. „So meine Lieben, hier noch eine kleine Aufmerksamkeit für eure Mühen in den letzten Monaten. War ja alles in letzter Zeit sehr stressig, aber nun habt ihr erst einmal ein wenig Ruhe vor mir“, er lachte und klopfte beiden auf die Schulter. „Vielen Dank Chef“, antworteten beide und wünschten ihm eine erholsame Zeit auf seiner Reise, die er am Wochenende starten wollte.
Christina erinnerte Cat an den Abend und rief, als sie zur Bushaltestelle lief und ihren Bus ankommen sah, noch: „Bis acht dann im McLean!“ „Ja bis später!“, rief ihr Cat zu und winkte.
Zu Hause angekommen ging Cat duschen und überlegte, was sie anziehen solle, als sie plötzlich ein Geräusch von der Wohnungstür vernahm. Sie machte die Dusche aus, schwang sich ihr Badetuch um und tippelte über die kalten Fliesen vom Bad in den Flur. „Ja, ich beeile mich, bin in einer halben Stunde am Flughafen. Bis gleich.“ Es war Thorsten, er war regelrecht auf dem Sprung. „Hallo Schatz, ich dachte gerade, ein Einbrecher wäre hier. Wolltest du nicht erst später nach Hause kommen? Möchtest du etwas essen? Soll ich was bestellen?“, fragte Cat irritiert. Plump antwortete Thorsten: „Nein, keine Zeit. Muss nach München zu einem Kunden, komme erst am Sonntagabend nach Hause. Mein Flieger geht in knapp zweieinhalb Stunden.“ „Aber es ist doch Wochenende?“, sagte Cat etwas enttäuscht. Vorwurfsvoll antwortete er: „Tja, das stört meinen Chef nicht. Ich habe es nicht so gut wie du. Ach egal, verstehst du ja eh nicht. Wo ist mein schwarzer Anzug?“ Cat wollte gerade loslegen und ihm sagen, dass ihr Job auch nicht ohne ist, aber sie antwortete nur: „Im Schrank. Im Kleidersack.“ Nach einem: „So, ich muss los“ und einem: „Bis dann“ kam nichts mehr. Kein Tschüss, kein „ich rufe dich an“, kein Garnichts. Cat stand da und vernahm, während sie den Boden volltropfte, nur das Zuziehen der Tür. Sie starrte um sich. Komisch!, dachte sie bei sich. So hat er sich noch nie verabschiedet. Sie ging in das Bad zurück und fing an sich richtig abzutrocknen. Dann föhnte sie ihr langes gewelltes dunkles Haar. Dabei dachte sie über Thorstens Verhalten nach. „Nun ja, er hatte ja nicht viel Zeit. Und daher hat er unter Strom gestanden“, so entschuldigte sie das Verhalten ihres Mannes schließlich bei sich selber.
Im Schlafzimmer holte sie aus dem Kleiderschrank eine Jeans und ein lockeres, aber sehr geschmackvolles Oberteil aus dem Schrank. Sie zog die Sachen an und schaute in den Spiegel an der Wand. „Na bestens“, sagte sie zu ihrem Spiegelbild. Dann ging sie in die Küche und machte sich noch ein Brot. Als sie es aß, sah sie den Umschlag, den sie von ihrem Chef bekommen hatte. Sie nahm ihn und öffnete ihn. „Wow!“, tönte Cat, „das sind ja tausend Euro.“ Sie freute sich riesig und sah den Umschlag an, ein Zettel war auch noch in dem Umschlag. „Das Geld haben Sie sich redlich verdient Cat. Genießen Sie den Urlaub und kaufen sich was Hübsches. Gruß, Dr. Hartmann.“ Cat freute sich so sehr, dass sie das Radio einschaltete und bei einem Lied zu tanzen anfing. Tanzend ging sie in das Bad zurück und fing an sich zu schminken. Etwas Rouge, Lippenstift und Wimperntusche und fertig war eine Cat, die, wenn noch mehr Zeit gewesen wäre, als Topmodel hätte durchgehen können. Sie machte das Radio aus, nahm ihr Portemonnaie, den Wagenschlüssel, zog sich ihre Schuhe und Jacke an und verließ freudig ihr Zuhause.
Als sie kurz vor acht bei McLean ankam, hörte sie, wie ein Mann versuchte einen auf Michael Jackson zu machen. Nachdem sie den Irish Pub betrat, sah sie, wie Christina ihr zuwinkte und sie kurz darauf mit einem liebevollen: „Hallo Cat!“ begrüßte. „Hör dir mal diese Niete an. Das kann ja der Hund meiner Mutter besser“, meinte Christina zu Cat. Cat lachte und meinte, das noch kein Star vom Himmel gefallen sei. Christina schaute sie an und sagte dann: „Apropos Star, vielleicht gewinnst du ja das Treffen in London mit Josh Reed. Denke daran, am Sonntag ist die Bekanntmachung. Ich wünsche es dir so sehr. Urlaub hast du ja nicht gebucht und ich fliege übernächste Woche nach Spanien. Ich gönne es dir.“ Sie drückte Cat einen Kuss auf die Wange. Cat sah sie an und meinte: „Ich würde mich freuen, aber, wie ich dir bereits sagte, machen da sicherlich tausende mit.“ Christina kicherte nur und grinste dann, als sie meinte: „Abwarten und Tee trinken, englischen Tee wohlgemerkt.“ Cat begann ihr von Thorsten und seiner Reise nach München zu erzählen. Als sie fertig war und ihr von seinem seltsamen Benehmen erzählt hatte, sagte Christina: „Was für ein Blödmann. Entschuldige, aber, der geht ja mal so überhaupt nicht. Na dann bist du ja heute wenigstens Strohwitwe und wir können unseren Abend in vollen Zügen genießen.“ Sie bestellten sich beide ein Guinness, stießen miteinander an und nahmen einen Schluck.
„Cheers!“, gab Cat von sich und nahm einen weiteren Schluck.
Christina ging nach einer Zeit zum Barmann Jeff und bat ihn „I will survive“ herauszusuchen. Kurz darauf ging sie zur Bühne, winkte Cat zu und begann: „Cat, das ist für dich, denk mal drüber nach.“ Cat schaute sie an und war erstaunt, warum sie gerade dieses Lied ausgesucht hatte. Dennoch, der Auftritt war gelungen, nur hier und da mal ein paar kleinere stimmliche Höhenunterschiede, aber dennoch sehr unterhaltsam.
„Was meintest du denn damit Christina?“, fragte Cat, als Christina wieder am Tisch ankam und ihr Glas mit einem Rutsch leerte. „Ich meine, du solltest über deinen Thorsten nachdenken. Sollte irgendetwas bei euch mal schiefgehen, weil er dich mies behandelt, dann mache es genauso wie in dem Lied.“ Cat starrte sie an. Christina war sehr direkt, aber eine patente Person. „Nur weil er so abrupt losmusste, schmeiße ich ihn doch nicht raus“, erklärte Cat verstört. „Ich mein ja nur“, versuchte Christina ihr zu erklären und drückte Cat. „So jetzt habe ich keine Lust mehr über diesen Macho zu reden. Jetzt bist du dran mit Singen.“ Cat sah ihre Kollegin an. „Ich? Jetzt?“ „Ja! Du! Jetzt!“, erwiderte Christina.
„Erst noch ein Guinness“, meinte Cat. Anders hätte sie sich das wahrscheinlich nicht getraut. Sie nahmen ein paar Schluck, bis Christina meinte: „Jetzt bist du aber auch mal dran.“ Cat lachte und schob ein: „Ich gehe ja schon.“ Sie suchte sich eine Ballade aus. „How do I live.“ Christina saß da und hörte, was Cat zum Besten gab. Als Cat fertig war, klatschten die Leute. Mit merklich ansteigender Röte setzte sich Cat zu Christina. „Was hast du?“, fragte Cat Christina, die sich mit einer Serviette Tränen trocknete. „Oh Cat, das war so schön, ich wusste ja gar nicht, dass du so gut singen kannst.“ Cat wurde noch mehr rot. „Das war so schön. Ich sage es ja immer, Du solltest Sängerin werden“, schlug Christina vor. Cat verschluckte sich fast, als sie einen tiefen Schluck aus ihrem Glas nahm: „Ach herrje! Gott bewahre. Dazu hätte ich keine Lust und außerdem kann ich nicht vor vielen Menschen singen, da versinke ich ja vor Angst im Boden.“
„Solltest du irgendwann einmal keine Lust mehr auf deinen Beruf haben, wäre das aber eine sehr gute Alternative, das kannst du mir glauben“, meinte Christina, die noch immer ihre Augen von Tränen befreite.
„Alles klar, aber du wirst dann meine Managerin, abgemacht?“ „Abgemacht!“ Beide stießen mit einem „Cheers!“ an und bestellten sich ein paar kleine Snacks sowie zwei köstliche Guinness.
Es war kurz nach zwölf, als die beiden den Irish Pub verließen, um sich auf den Heimweg zu machen. „Du fährst doch wohl nicht mehr, oder?“, meinte Christina. Erschrocken, dass Christina Cat so etwas zutrauen würde, entgegnete sie: „Nein, auf gar keinen Fall. Ich werde laufen. Und morgen früh den Wagen holen.“ „Das ist auch besser so, ich habe nämlich keine Lust, mir eine neue Kollegin zu suchen“, meinte Christina. „Als würdest du so etwas entscheiden?“, sagte Cat. Ein Grinsen machte sich in Christinas Gesicht breit, als sie meinte: „Ich werde doch nicht zusehen, wie unser Doc irgendwen einstellt.“ „Das ist aber lieb von dir. Ich bin auch froh, dass wir uns so gut verstehen.“
Ein paar Straßen gingen die beiden zusammen, bis sie vor Christinas zu Hause standen. Sie verabschiedeten sich und Cat schritt strammen Fußes in Richtung zu Hause.
Als sie ihre Wohnung betrat, schloss sie hinter sich die Wohnungstür, zog ihre Jacke und Schuhe aus, ging in das Bad, wusch sich die Schminke aus dem Gesicht und ging in das Schlafzimmer, um sich bettfein zu machen. Während sie sich umzog, fiel ihr Blick auf ein Bild von Thorsten, welches an ihrem Bett stand. Sie nahm den schweren Rahmen in die Hand und sah sich ihren Mann an. Dann, nach einer Weile, legte sie es mit dem Bild nach unten auf ihren Nachtisch zurück. Sie war noch immer ein bisschen traurig, dass er ohne „Auf Wiedersehen“ zu sagen gegangen war. Sie legte sich in ihre Hälfte des Bettes, knipste das Licht aus, deckte sich mit ihrer Sommerdecke zu und schlief kurz darauf ein.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 274
ISBN: 978-3-948379-51-3
Erscheinungsdatum: 27.02.2020
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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