Sonstiges & Allerlei

Liebe kennt keine Vernunft

Kathie K.

Liebe kennt keine Vernunft

Leseprobe:

Es begann alles mit einem längst fälligen Discobesuch. Eigentlich geh ich gar nicht gerne in Discos … es ist so laut, dass man sich nicht unterhalten kann, die meisten Männer gehen nur hin, um auf Teufel komm raus jemanden abzuschleppen, zumindest dachte ich das immer, und ich bin kein Freund von plumpen Anmachen und One-Night-Stands. Außerdem geht’s in Discos ja erst ab etwa Mitternacht so richtig los, und wenn man dann ein bisschen abtanzt, ist es für mein Alter dann doch schon sehr spät, bis man wieder zu Hause gemütlich im Bett liegt. Da ich aber gerade in Scheidung lebte und eine Menge ärgerliche Erlebnisse hinter mir hatte, hatte meine Freundin Andrea mich dazu überredet, mit ihr in einen Klub in unserer Stadt zu gehen. Sie meinte, ich müsse auf andere Gedanken kommen, und da wir beide sehr gerne tanzten, hatten wir uns vorgenommen, ein bisschen was zu trinken, zu tanzen und vielleicht auch ein bisschen zu flirten, um unser Ego aufzupolieren, aber nicht mehr. Einfach einen Abend lang ein bisschen Spaß haben und dann wieder gemütlich nach Hause fahren. Keine große Sache … eigentlich … Just a little fun on a Friday evening!

Zuerst waren wir im Kino, anschließend etwas essen und dann, gegen 23 Uhr, gingen wir runter zur Disco. Am Eingang hatte sich eine kurze Schlange gebildet und wir stellten uns geduldig an. Plötzlich sprach Andrea von hinten ein Mann an. Er war in etwa 1,80 Meter groß, trug eine Brille, hatte einen kahl rasierten Kopf, breite Schultern und einen kleinen Wohlstandsbauch. Er trug Jeans und ein Kurzarmhemd und schien sehr gut gelaunt zu sein. Total locker und mit einer sehr warmen, angenehmen Stimme sagte er zu Andrea: „Wir kennen uns!“ Sie drehte sich um, blickte an ihm hoch und wieder herunter und antwortete dann ziemlich kühl: „Na! Sicher net!“ Er war von ihrer abwehrenden Haltung vollkommen unbeeindruckt und entgegnete: „Doch, doch! Wir sind in derselben Wohnanlage aufgewachsen! Im 3. Bezirk!“, und begann detailliert zu erzählen, was er von ihr wusste. Ich war von seiner lockeren Art und seinem Selbstbewusstsein sehr beeindruckt, denn Andrea war sichtlich nicht begeistert von der Begegnung und ihn schien das gar nicht zu stören. Ich war nicht mal sicher, ob er es überhaupt bemerkte. Ich fand das unglaublich! An seiner Stelle hätte ich vermutlich versucht, dieses Gespräch möglichst schnell wieder zu beenden, und den restlichen Abend jeglichen Kontakt vermieden! Aber er war ganz anders. Es machte nicht den Anschein, als ob er dieses Gespräch jemals beenden wollte! Andrea musste zugeben, dass alles stimmte, was er erzählte, und verabschiedete sich trotzdem mit den Worten: „Vielleicht sehen wir uns ja wieder!“, meinte das allerdings nicht wirklich ernst.

Aber wir sahen uns wieder. Schon kurze Zeit später trafen wir uns durch Zufall an der Bar wieder. Ganz Gentleman lud er uns auf einen Cocktail ein. Die beiden plauderten über früher und ich stand neben ihnen und beobachtete sie. Ich konnte nichts verstehen von dem, was sie sprachen, da es in dem Klub sehr laut war, und so stand ich zwar bei ihnen, kam mir aber relativ schnell äußerst überflüssig vor. Ich begann darüber nachzudenken, warum er mich keines Blickes würdigte?! Dazu muss man leider sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt ein bisschen arrogant war. Aber ich kann das erklären! Ich hatte gerade zehn Kilo abgenommen und sah ziemlich gut aus. Ich war schlank, hatte eine neue Frisur, war top gestylt und war sehr zufrieden mit mir. Genau eine Woche vor diesem Abend hatte ich nämlich das erste Mal mit Mark geschlafen und so strahlte ich eine Glückseligkeit und innere Zufriedenheit aus, die ihresgleichen suchen.;-) Das liest sich jetzt vielleicht eigenartig, aber es ist sicher einfacher zu verstehen, wenn ich etwas aushole …
Als ich 16 Jahre alt war, verliebte ich mich Hals über Kopf in einen eineinhalb Jahre älteren Jungen, Julian. Er war groß, schlank, beliebt und sehr charmant. Seine grünen Augen leuchteten, wenn er etwas erzählte, und ich mochte seinen Humor sehr. Er selbst war immer unzufrieden mit seinem krausen, schwarzen Haar, aber auch das gefiel mir sehr gut. Seine feinen Gesichtszüge und seine Nase mochte ich besonders gerne. Ich war zu dem Zeitpunkt mit seinem besten Freund zusammen, der wirklich total lieb war, aber mir ehrlich gesagt kaum Gänsehaut bereitete. Doch wenn Julian in meiner Nähe war, wurde ich immer irgendwie nervös. Wie er mich ansah, wenn wir uns unterhielten, zauberte mir immer ein Lächeln aufs Gesicht. Wir unterhielten uns viel und sehr gerne und recht bald entwickelte sich eine gewisse Spannung zwischen uns. Es wurde spürbar, dass da mehr war, als uns eigentlich lieb war. Immerhin war ich mit seinem besten Freund zusammen! Aber die Anziehung zwischen uns wuchs stetig, von Begegnung zu Begegnung war unausgesprochen klar, dass da mehr war als nur freundschaftliche Gefühle. Und obwohl all meine Freunde der Meinung waren, ich könne Julian nie kriegen, konnte ich meine Gefühle nicht drosseln und schon bald auch kaum mehr verbergen. So machte ich nach nächtelangem Grübeln mit meinem Freund Schluss, um für Julian frei zu sein. Danach flirteten wir sehr viel und eines Tages gestand er mir seine Liebe. Ich war überglücklich, allerdings beschlossen wir, unsere Beziehung noch eine Weile geheim zu halten, aus Rücksicht vor den Gefühlen meines Ex und seines immer noch besten Freundes.

Meine beste Freundin konnte Julian von Anfang an nicht ausstehen und war prinzipiell gegen diese Verbindung. Auch meine Eltern mochten ihn nicht. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, waren wir sehr glücklich und die Jahre vergingen wie im Flug. Das Leben erlegte uns einige Prüfungen auf, die wir gemeinsam meisterten, aber nach 19 gemeinsamen Jahren, knapp elf davon verheiratetet, ging unser Glück dann doch zu Ende. Die Umstände sind jetzt egal – vielleicht sind sie mal in einem anderen Buch zu lesen;-) –, aber nach einigen Versuchen, all unsere Probleme in den Griff zu bekommen, scheiterte unsere Ehe dann doch und wir reichten die Scheidung ein. Ich werde unsere gemeinsamen Jahre nie vergessen und sie haben mich sehr geprägt, nicht nur weil wir gemeinsam zwei Söhne haben und ich einen Sohn leider tot zur Welt brachte. Ich bin generell ein Mensch, der nichts bereut! Alles hat einen Sinn und einen Grund, auch wenn wir ihn oft erst später erkennen. Auch das Ende meiner Ehe ist ein Beispiel für diese Theorie. Denn während meine Ehe zu bröseln begann und mir das vermeintliche Glück förmlich wie Sand zwischen den Fingern zerrann, vertiefte ich die Beziehung zu einem meiner Arbeitskollegen.

Mark war groß, schlank, blond, sportlich, eloquent, intelligent, erfolgreich … ich fand ihn vom ersten Augenblick an faszinierend, er war jedoch bei unserer ersten Begegnung sehr kühl und abweisend. Das reizte mich. Ich erkannte sofort, dass er ein sehr kontrollierter Mann war, dem sein Auftreten und die Meinung seiner Mitmenschen über ihn sehr wichtig waren. Er war sehr seriös und jemand, der scheinbar keine Fehler machte. Nichtsdestotrotz wirkte er auf mich, als ob in ihm ein Verlangen schlummerte, dem er bis dato noch nicht nachgegeben hatte. Vermutlich wusste er es gar nicht, aber ich erkannte das sofort! Ich war mir nicht sicher, ob er das überhaupt jemals vor sich selbst zugeben würde, aber das spielte auch keine Rolle für mich. Da wir gemeinsam arbeiteten, mussten wir viel Zeit miteinander verbringen. Es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, da wir uns sehr schnell sehr gut verstanden. Wir unterhielten uns viel, mailten und tauschten uns aus. Es stellte sich heraus, dass wir in vielem die gleiche Meinung hatten und uns sehr viel mehr verband, als es anfänglich den Anschein hatte. In den letzten beiden meiner Ehejahre haben wir uns besonders viel unterhalten und ich schätzte es sehr, dass er immer ein offenes Ohr für all meine Probleme hatte! Mein Mann hatte eine Affäre und ich fühlte mich belogen, betrogen, verstoßen, wertlos, nutzlos, hässlich und mein Leben schien keinen Sinn zu haben. In dieser sehr schweren Zeit war Mark immer für mich da, mit aufbauenden Worten und seelischer Unterstützung – und er gab mir das Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein! Er machte mir deutlich, dass ich ganz und gar nicht wertlos war, und wurde nicht müde, mir immer wieder aufzuzeigen, was ich in meinem Leben schon alles geleistet hatte und immer noch leistete. Das gab mir Kraft. Und es gab mir auch meinen Stolz zurück.

So gut wir uns auch verstanden und egal wie viel wir Tag und Nacht mailten, ich dachte immer, wir seien nur Freunde. Anfangs war ich ehrlich gesagt derart mit meinen eigenen Problemen beschäftigt und genoss einfach seine Präsenz in und seine Anteilnahme an meinem Leben. Aber irgendwann bemerkte ich, dass mein Herz schneller schlug, wenn er in der Nähe war. Da ich aber nie den Eindruck hatte, dass ihn an mir mehr interessierte als eine platonische Beziehung, versuchte ich anfangs, meine Gefühle zu verleugnen. Ich redete mir ein, dass es in meiner Situation ja vollkommen klar wäre, dass ich sein Interesse an mir und meinem Leben genießen würde und dass das absolut nichts zu bedeuten hätte. Im besten Fall war es nur eine kleine Schwärmerei, aber nicht mehr. Eigentlich versuchte ich ja meine Ehe noch zu retten und er spielte meiner Meinung nach einfach in einer anderen Liga. Aber ich war dennoch fasziniert von ihm. Er war sehr schlagfertig und ich liebe Männer, die mir verbal das Wasser reichen können! Jede Unterhaltung mit ihm war grandios! Er wusste auf alles eine Antwort und wir begannen uns zu necken. Relativ schnell entwickelte sich zwischen uns diese gewisse Spannung. Alleine der Geruch seines Parfums verursachte schon eine Gänsehaut bei mir. Jedes Mal wenn ich eine Nachricht von ihm in meinem Mail-Eingang entdeckte, schlug mein Herz höher. Ich genoss seine Aufmerksamkeit sicher besonders deshalb, weil mein Noch-Ehemann alles und jeden spannender zu finden schien als mich. Seit Jahren hatte sich kein Mann derart für meine Meinung und mich als Person interessiert!

Die Probleme zwischen meinem Mann und mir ließen sich nicht lösen, und nachdem sogar die begonnene Therapie nicht lange half, trennten wir uns. Es fiel uns nicht leicht und es ging uns auch beiden nicht wirklich gut damit, aber es schien keinen Ausweg zu geben. Wir hatten es wirklich lange probiert und ich denke, wir haben auch beide, jeder für sich, unser Bestes gegeben, aber es sollte wohl einfach kein Happy End für uns beide geben.

Sobald Mark wusste, dass mein Mann und ich tatsächlich die Scheidung eingereicht hatten, schrieben wir uns täglich und sehr viel. Nach fast drei Monaten geschah, was ich lange nicht für möglich gehalten hatte: Wir vereinbarten ein Date. Davor waren wir einige Male gemeinsam einen Kaffee trinken gewesen oder auch mal nach der Arbeit auf ein oder zwei Drinks, aber das war etwas anderes. Das war unausgesprochen klar. Ich war sooo aufgeregt! Immerhin hatte ich davor niemals mit jemand anderem als mit meinem Ehemann geschlafen, 20 Jahre lang hatte ich ausschließlich mit ein und derselben Person Sex. Da war ein bisschen Nervosität durchaus angebracht!;-)
Ich überlegte eine Woche lang, was ich anziehen sollte, und malte mir aus, wie der Abend ablaufen könnte. Meine Vorfreude war sehr groß und ich wurde auch nicht enttäuscht. Es war ein sehr schöner Abend. Wir waren essen und danach noch einen Cocktail trinken und dann brachte er mich nach Hause. Auf dem Sofa machten wir es uns gemütlich, tranken Weißwein und unterhielten uns. Es war sehr angenehm und ich war sehr ruhig und ausgeglichen, meine Nervosität war wie weggezaubert. Ich genoss seine Gegenwart und vor allem seine sanften Küsse und wir verbrachten eine sehr schöne gemeinsame Nacht. Ich fühlte mich wie neugeboren! Nach so langer Zeit fühlte ich mich erstmals wieder attraktiv, sexy, begehrenswert! Oh, wie hatte ich dieses Gefühl vermisst! Und ich war stolz! Er war vier Jahre jünger als ich, hatte kein Gramm Fett an seinem Körper und entgegen seiner Überzeugung, trotz seines Pflichtbewusstseins und seiner sonst gelebten Moral, hatte er mit mir geschlafen! Ich fühlte mich großartig, beinah unbesiegbar! Ich hatte keinerlei Zweifel mehr daran, dass die Scheidung der richtige Weg gewesen war und mein Leben ab sofort nur noch bergauf gehen würde!

Mit diesem neu erlangten Bewusstsein und der inneren Zufriedenheit stand ich nun dort in der Disco, strotzend vor Selbstbewusstsein, selbstsicher, voller Übermut, fast siegessicher. Ben war also, wie gesagt, 1,80 Zentimeter groß, kahl geschorener Kopf, Brille, ein klein wenig stämmig und ich konnte es in meiner Arroganz tatsächlich nicht fassen, dass er mich keines Blickes würdigte. Wo ich doch erstmals seit vielen Jahren endlich wieder mein Idealgewicht hatte und wirklich toll aussah! Dieses Desinteresse konnte ich mir nicht erklären! Doch nach einer Weile begannen wir zu plaudern, Andrea wandte sich einem von Bens Freunden zu und wir beide gingen in einen anderen Raum, wo die Musik nicht so laut war, um uns besser unterhalten zu können.
Nachdem jeder ein bisschen von sich erzählt hatte, wurde uns der übliche Small Talk schnell zu langweilig. Wir begannen zu flirten und irgendwann sah er mir sehr tief in die Augen und sagte: „Ich weiß genau, was du jetzt denkst!“ Ich entgegnete keck: „Ach so? Was denk ich denn?“ Seine Antwort überraschte mich: „Du denkst dir die ganze Zeit schon: ‚Wann hört der endlich mit dem Gelaber auf und küsst mich?‘.“ Daraufhin musste ich lachen, und obwohl ich das eigentlich gar nicht gedacht hatte, gab ich ihm recht, weil mir die Idee gefiel. Daraufhin küsste er mich tatsächlich. Es war unglaublich! So was hatte ich schon ewig nicht mehr erlebt … wenn überhaupt jemals … ich hatte das Gefühl, ich würde den Boden unter den Füßen verlieren … Es war perfekt! Er war so gefühlvoll und schmeckte so gut. Ich war total überrascht, weil ich an diesem Abend absolut nicht mit so einem Erlebnis gerechnet hatte, aber umso mehr genoss ich es! Ben war sehr charmant, wortgewandt, humorvoll und unterhaltsam. Ich spürte sofort, dass wir ganz auf einer Wellenlänge waren. Ich fühlte mich sehr wohl in seiner Gegenwart, irgendwie geborgen und sicher. Es war ein wirklich sehr, sehr schöner Abend, und als ich dann spätnachts wieder zu Hause im Bett lag, schlief ich voller Zufriedenheit ein.

Eigentlich hatte ich kein wirkliches Interesse gehabt, irgendjemand kennenzulernen, wo das mit Mark doch so gut gelaufen war. Und doch hatte Ben von Anfang an etwas, was mich in seinen Bann zog. Die Art, wie er Dinge erzählte, wie er mich ansah und … wie er mich küsste! So was hatte ich zuvor tatsächlich – ohne Übertreibung – noch nie erlebt! Bei jedem seiner Küsse vergaß ich alles rundherum, meine Knie wurden weich und mein Herz weitete sich auf eine Weise, die ich bis dahin nicht gekannt hatte! Ich war hin und weg! Er machte mir Komplimente, aber nicht zu übertrieben, sodass sie ehrlich wirkten. Die Komplimente, die ich für gewöhnlich bekam, ließen mich immer auf eine bestimmte Masche schließen und machten mich misstrauisch. Aber bei Ben war das anders. Trotzdem der Abend so besonders verlaufen war und ich ihn derart genossen hatte, muss ich zugeben, dass ich tags darauf aufwachte, als wäre das alles nie passiert. Okay, es war ein genialer Abend, aber ich befasste mich danach absolut nicht mehr damit, dachte nicht darüber nach und hatte fast das Gefühl, als wäre das alles nur ein schöner Traum gewesen, der nun eben vorbei war.

Drei Tage später schickte mir Ben per Facebook eine Freundschaftsanfrage. Sein Profilbild schockierte mich! Es zeigte ihn mit zwei Buben, etwa im Alter meiner Jungs. Als ich ihn da so sah, auf dem Bild, der brave Familienvater mit seinen Jungs, drückte ich automatisch „ignorieren“. Das heißt, ich nahm die Freundschaftsanfrage nicht an, sondern lehnte ab. Später erfuhr ich, dass er sehr gekränkt war deswegen, und es tat mir dann auch leid, aber zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht anders. Ich war viel zu verwirrt. Das war mir irgendwie alles zu viel. Meine Scheidung war mitten am Laufen, wir lebten zwar bereits einige Wochen getrennt, aber mein zukünftiger Exmann und ich hatten fast wöchentlich Mediationstermine, um alle rechtlichen, finanziellen und Sorgerechtsfragen zu klären beziehungsweise um uns zu einigen. In meinem Kopf schwirrten tausend Dinge, Fragen, Probleme und eigentlich war ich recht zuversichtlich, was die Sache mit Mark betraf, und so konnte ich gar nicht anders, als die Freundschaftsanfrage von Ben zu ignorieren, denn noch einen Mann hätte ich in meinem bereits sehr chaotischen Leben nicht auch noch brauchen können! Zumal ich ein sehr ehrlicher und treuer Mensch bin. Ich könnte mir niemals vorstellen, einen Partner zu betrügen, muss aber zugeben, dass das vermutlich weniger mit Moral als mit Bequemlichkeit zu tun hat. Eine Affäre bedarf so viel Management, so vieler Lügen, Alibis – ehrlich gesagt wäre mir das viel zu mühsam und außerdem hätte ich sicher ein schlechtes Gewissen und finde es dem Partner gegenüber einfach nicht fair! Abgesehen von den Problemen, die auftauchen, wenn man auffliegt! Leider musste ich selbst erfahren, wie das ist, wenn die halbe Welt bereits weiß, dass der Partner fremdgeht, nur die Partnerin weiß es nicht! Wenn die Bombe dann platzt, kommt man sich sehr dämlich vor. Und so verstehe ich wirklich nicht, wozu man sich das antun sollte. Wenn mich jemand so sehr interessiert, dass ich dafür meinen aktuellen Partner betrügen würde, ist ja ohnedies klar, dass die bestehende Beziehung offensichtlich keinen Sinn mehr macht! Aber das ist jetzt nicht das Thema. Fakt ist, ich habe Ben zu jenem Zeitpunkt quasi aus meinem Leben gestrichen und hatte meine Gründe dafür.

Die Sache mit Mark lief anfangs recht gut, ich war sehr zufrieden und glücklich. Er war sehr sanft und zuvorkommend und ich genoss die Zeit mit ihm. Der Nervenkitzel in der Arbeit war Weltklasse! Immerhin durfte es ja niemand wissen. Beziehungen innerhalb einer Abteilung wurden in unserer Firma nicht geduldet und ich war ja auch noch nicht rechtlich geschieden. Allerdings lag doch ständig eine Spannung zwischen uns in der Luft, die sich immens steigerte, wenn wir durch Zufall nur zu zweit in einem Raum waren. Es war eine aufregende Zeit! Doch schon nach ein paar Wochen war irgendwie die Luft raus. Wir sahen uns nicht sehr oft und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass ihn das störte. Wir schrieben uns nicht mehr so häufig und er zog sich ziemlich zurück. Ich war wohl ein bisschen gekränkt, wollte ihn aber nicht bedrängen.

Zu der Zeit chattete ich viel mit meinem langjährigen Freund Oliver aus unserer alten Clique. Ich kannte ihn genauso lang wie Julian und hatte ihn immer sehr gern gemocht. Wir hatten den gleichen Humor und immer viel Spaß miteinander gehabt. Während meiner Ehe hatten wir uns nicht oft getroffen, da seine Frau meinen Mann nicht besonders leiden konnte. Nach meiner Scheidung trafen wir uns allerdings öfter, und da es bei den beiden auch ein bisschen zu kriseln schien, versuchte ich ihm zu helfen und ihn zu unterstützen. Immerhin hatte ich in meinen letzten beiden Ehejahren Unschätzbares über Eheprobleme, Missverständnisse, Erwartungen und Enttäuschungen gelernt und wollte ihn gerne davor bewahren, die gleichen Fehler wie ich zu machen. So chatteten wir ein paar Wochen oft stundenlang, fast jede Nacht. Es tat gut, sich mit einem Freund auszutauschen, der mich schon so lange und so gut kannte. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, viel über früher und wie es uns in der Ehe beziehungsweise mit den Kindern ergangen war. Ich erzählte ihm viel von Mark und er mir von seinen Problemen mit seiner Frau. Da wir uns auch über sexuelle Probleme und Vorlieben austauschten, rutschten wir ab und an auch ein bisschen ins Flirten, aber ich nahm das nicht so ernst. Dadurch, dass wir uns schon so lange kannten, war da einfach eine gewisse Vertrautheit zwischen uns, eine Nähe, welche die Gespräche über Sex sehr harmlos erscheinen ließ.

Als ich erfuhr, dass Mark drei Wochen auf Urlaub fahren würde, nahm ich mir fest vor, ihn in diesen drei Wochen zu vergessen und mich ab sofort eine Weile nur um mich und meine Kinder zu kümmern. Oliver fuhr auch ein paar Tage mit seiner Frau weg und so plante ich für die nächste Zeit, die Männer mal hintanstehen zu lassen. Aber es kam ganz anders, wie immer.

Am kommenden Wochenende ging ich mit meiner neuen Freundin Julie in meinen Lieblingsklub. Ich hatte Julie etwa einen Monat davor über eine gemeinsame Freundin kennengelernt und wir verstanden uns auf Anhieb! Wir hatten so viel gemeinsam und hatten auch sehr Ähnliches erlebt. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, als würden wir uns schon ewig kennen!

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 178
ISBN: 978-3-99048-912-3
Erscheinungsdatum: 24.05.2017
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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