Sonstiges & Allerlei

Ein viertel Leben

Wilhelm Schütz

Ein viertel Leben

Leseprobe:

Der Autor schreibt aus dem ersten Viertel des ungewöhnlich, abwechslungsreichen Lebens von Phil. In den ersten Jahren kaum eine Alternative, zwischen wurzelloser Kindheit, als Schulkind, als Hirtenjunge und Kinderarbeiter in fremden Dörfern. Als Knecht, Traktorfahrer und einem rastlosen Leben.
Was ihm bleibt, sind viele Erinnerungen an eine bewegte Kinderzeit, die ihn in vier verschiedene Kasernen als Soldat verfolgen. Von einer Liebe zur anderen, ohne Aussicht auf Bestand. Sein langer Weg, durch Armut und mancher Not seines Elternhauses vorgezeichnet, führt ihn zwar nicht ins erträumte, gelobte Land, aber …

Es gab Menschen ohne Schamgefühl, sie gaben ihnen etwas in Papier eingewickelt mit den Worten: „Da, habt ihr was und jetzt verschwindet!“
Daheim sahen sie manchmal verschimmelte Brotreste, die nicht mal mehr den Schweinen verfüttert wurden.
Das Fortjagen war nicht so deprimierend wie feige versteckt gegebenes, altes Brot.

Frau Schauer stand in der offenen Haustüre, die kariert bunte Wickelschürze in Eile nur lose um ihren Bauch gebunden. Unsicher walkte sie ein Geschirrtuch in ihren Händen. Clara, die Schwester von Manfred, kaute vor Aufregung an einem ihrer langen Zöpfe. Es war sicher ein Abenteuer für sie. Der Bub von der Franziska wurde mit dem Pferdefuhrwerk weggefahren. Sie kam näher, hob neugierig die Decke einen Spalt …

Er sah zum ersten Mal in seinem Leben eine Orange, bekam sie von einem der haselnussbraunen Soldaten direkt in die Hand gedrückt.
Vorsichtig, ehrfürchtig, als könnte etwas zerbrechen, entfernte Phil das Papier von seiner Schokolade. Jetzt fand er den Soldaten richtig sympathisch, er hatte die gleiche Hautfarbe wie sein Geschenk.

Bereits als er den Fehler in seiner Schreibaufgabe entdeckte, stierten ihm die wasserhellen Augen des Lehrers entgegen, als wolle er ihn damit aufspießen.
Er griff zum Haselstock hinter ihm an der Wand, rannte mehr als er ging, zog ihn am Ohr vom Platz. Wie ein Wahnsinniger schlug er auf ihn ein, vom Hals bis zu den Fußsohlen. Phil war barfuß, in kurzer Hose. Er hätte ihn in seiner Wut fast totgeschlagen.

Unwirklich, eine Tasse Tee spät am Abend mit einem Menschen, den er vor wenigen Stunden zum ersten Mal gesehen hatte. Sie brauchten nicht viel Worte, der heiße Tee wärmte zusätzlich ihr Inneres. Die Tassen halb geleert, strich sie zärtlich über seinen Arm, nahm ihn an der Hand, nur ein zart gehauchtes Wort kam über ihre Lippen: „Komm!“

Wie zufällig lehnte sich Phil neben das Mädchen mit den roten Haaren. Scheinbar langweilig betrachtete er die sich abzeichnende Krümmung der Erdkugel am Horizont.
„Am Strande von Rio ein Mägdelein stand, ein blonder Matrose …!“ Phil begann leise den Text zur Musik der Bordkapelle zu singen. Helgoland, Botanik und Kreidefelsen interessierte sie nicht mehr. Ihre hellbraunen Augen strahlten ihn an …

Es war verboten, jedweden Alkohol aus der französischen Kaserne zu schmuggeln. Doch Dummheit und Gier kennt keine Grenzen. Kamerad Armin klemmte sich gleich drei Flaschen unter den Mantel. Natürlich Missgeschick, eine Flasche rutschte ihm am Durchgang vor dem Wachhabenden Offizier durch, zerschellte mit lautem Krach auf dem Boden. Sie waren zu viert, drei waren schon durch, vor dem Schlagbaum innen stand noch Pechvogel Armin, dem Wachposten gegenüber. Der schrillte mit …

Bei jedem eintauchen der Blätter tanzten lustige Kringel im Spiegelbild der zunehmenden, fahlgelben Mondscheibe.
Sie wussten, nach knapp einem Drittel auf dem See, war der Kirchturm von Seeshaupt zu sehen. Der Turm schob sich …

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 210
ISBN: 978-3-95840-320-8
Erscheinungsdatum: 31.01.2017
EUR 21,90
EUR 13,99

Herbstlektüre