Sonstiges & Allerlei

Die Malayenprinzessin

Rose Milla

Die Malayenprinzessin

Leseprobe:

Inhaltsangabe

Luisa erfährt mit 30 Jahren, dass ihr bisheriger Vater nicht ihr leiblicher ist.
Auf Vorschlag ihrer Mutter tritt sie inkognito bei ihrem wirklichen Vater eine Stellung als Restaurateurin auf seinem Landgut an, um ihn unerkannt kennenzulernen. Außerdem soll sie ein Erbstück ihres Vaters, eine Rubinkette, suchen, die ihre Mutter vor 31 Jahren auf dem Grundstück versteckt hat.
Angeblich ist mit dieser ominösen Kette ein Fluch verbunden.
Auf der Suche nach ihr gerät sie in eine Welt von schier unüberwindbaren mysteriösen Geheimnissen.
Sie ist oft verzweifelt und nahe daran aufzugeben, doch immer wieder bekommt sie Informationen, die ihr schließlich helfen, ein furchtbares Geheimnis zu lösen.



Prolog
1950

„Adelheid, ich muss mit dir sprechen.“
„Hanno, was ist denn los, du bist ja ganz durcheinander?“
„Wir können nicht heiraten, meine Mutter gibt ihre Einwilligung nicht.“
„Warte mal, was heißt das? Wir sind bereits verlobt, da war sie doch einverstanden.“
„Na ja, nicht so richtig. Wir haben uns ja nicht offiziell verlobt, eigentlich war das nur unter uns. Meine Mutter hat es nicht gewusst.“
„Bitte, sag das noch einmal.“
„Ich wollte es ihr sagen, aber es kam immer etwas dazwischen. Gestern hat sie dich mit der Rubinkette gesehen, die ich dir geschenkt habe, und dann kam alles heraus. Ich bat dich doch, die Kette vorläufig nicht zu tragen. Du hast alles zerstört.“
„Ja sag mal, du bist nicht ganz richtig im Kopf. Du hast mir die Kette geschenkt und somit ein Eheversprechen gegeben. Du kannst dich doch von deiner Mutter nicht so beherrschen lassen.
Ich dachte, wenn wir zwei zusammenhielten, würde sie sich ändern, aber so, wie es aussieht, zerstört sie unser Leben.“
„Das glaube ich nicht, sie will nur das Beste für mich.“
„Aha, das bin ich nicht, oder?“
„Sei doch nicht so kleinlich, sie wird sich schon wieder beruhigen.
Du kennst ja meine Mutter. Wir geben ihr die blöde Kette wieder und dann kommt alles in Ordnung.“
„Es kann doch nicht an der Kette liegen, wo kommen wir denn da hin, wenn eine Kette unser Leben bestimmen soll.“
„Diese Kette ist aber wichtig. Sie muss immer in unserer Familie bleiben, sonst gibt es nur Unglück.“
„Aus welchem Grund?“
„So genau bin ich auch nicht informiert, es soll ein Fluch auf der Kette liegen aus der Zeit von meinem Urgroßvater. Ob das wirklich stimmt, ist mir auch nicht bekannt.“
„Hast du denn deine Mutter nicht gefragt?“
„Doch, aber sie weiß auch nichts Genaueres.“
„Glaubst du an den Fluch?“
„Warum nicht?
Die Kette war schon immer in unserem Haus und wurde auch in Ehren gehalten. Es ist eine Tradition, du weißt schon, in unseren Familien ist dies eine wichtige Verpflichtung.“
„Auch auf Kosten des Glücks?“
„Sei doch nicht so abwertend, es ist einfach so.“
„Um wieder zur Sache zu kommen – ist das mit der Trennung dein Ernst?
Du bist doch der Mann im Haus, seit dein Vater starb, und kannst selber entscheiden.“
„Eben, deswegen mach ich, was sie wünscht, sie hat alles für mich geopfert.“
„Sie will dich nur an sich binden. Merkst du gar nicht, wie autoritär sie ist?
Wenn sie etwas sagt, springst du.
Liebst du mich überhaupt noch – oder liebst du nur deine Mutter?“
„Natürlich liebe ich dich, aber gegen den Willen meiner Mutter kann ich dich nicht heiraten.
Wir müssen uns vorerst trennen, Mutter wird sich schon wieder beruhigen, später können wir dann sicher heiraten.“
„Das glaubst du ja selber nicht.“
„Doch, ich glaube es. Sie wird nachgeben und dann haben wir freie Bahn.“
„Welchen Grund hat deine Mutter genannt? Wieso lehnt sie mich ab?“
„Sie hat keinen Grund genannt. Ich weiß es selber nicht. Ich möchte sie nicht noch mehr verärgern, verstehst du?“
„Ist es wegen der Kette? Sie kann sie gerne wiederhaben. Ich brauche sie nicht.“
„Anscheinend war die Kette der Auslöser. Ich hätte sie dir nicht geben dürfen, es wäre die Aufgabe meiner Mutter gewesen, sie dir zu geben.“
„Aber das können wir ja nachholen.“
„Ich glaube, momentan geht gar nichts.
Adelheid, du musst mir inzwischen die Rubinkette wiedergeben, du weißt, dass diese Kette für unser Haus eine große Bedeutung hat.
Wenn die Kette nicht im Haus bleibt, bedeutet das Unglück.“
„Hanno, was soll das? Eine Kette aus Gold und Rubinen. Sie kann doch nicht ein Unglück verursachen.“
„Doch, ich habe es dir bereits genau erklärt, sie gehört zum Haus und ich möchte nicht weiter diskutieren.“

Es wurde mir klar, dass Hanno alle meine Einwände nicht hören wollte oder konnte. Er war so eng mit seiner Mutter verbunden, dass eine andere Frau keinen Platz bei ihm hatte.
Maßlos enttäuscht konnte ich mich nur mit Mühe und Not aufrecht halten.
Hatte ich mich so in Hanno getäuscht?
„Hanno, ich gebe dir bis morgen Zeit, noch einmal alles zu überdenken. Wenn du bei deinem Entschluss bleibst, reise ich morgen ab und du siehst mich nie wieder.“
Erhobenen Hauptes rauschte ich mit letzter Kraft aus dem Zimmer. Da ich ja schon einige Zeit im Landgut von Hannos Familie lebte, ging ich in mein Zimmer.
Wieso hatte seine Mutter zugestimmt, dass ich bei Hanno eingezogen war? Und jetzt das. Unverständlich.
Im Innersten meines Herzens wusste ich, dass Hanno wegen seiner Mutter bei seiner Entscheidung bleiben würde, und trotz meiner Enttäuschung fasste ich einen Plan.
Es blieben mir bis morgen nur ein paar Stunden, um diesen Plan in die Tat umzusetzen, aber ich musste es schaffen.
Hanno und seine Mutter würden, wenn mein Plan aufginge, noch lange an mich denken, aber nicht mit frohem Herzen.

Die halbe Nacht verbrachte ich damit, die Kette so zu deponieren, dass sie bei genauer Betrachtung auf jeden Fall zu sehen war.
Im Haus war es ganz still und ich arbeitete mit Hochdruck. Es war sehr schwierig, alles so zu arrangieren, dass man die Kette nicht gleich sah.
Sie sollten ruhig ein Weilchen danach suchen.
Endlich war ich mit meiner Arbeit fertig und höchst zufrieden damit.

Sehr früh am Morgen verließ ich das Landgut.
Ich hatte Hanno noch einen kurzen Brief mit folgendem Wortlaut geschrieben:

„Hanno, wenn du diese Zeilen liest, bin ich bereits abgereist. Eure Rubinkette habe ich natürlich in deinem wunderschönen Heim gelassen, du musst sie nur noch finden.
Wenn du aufmerksam danach suchst, wirst du sie entdecken und deinem Glück steht, mit wem auch immer, nichts im Wege.“

Adelheid

In meinem Zimmer lehnte ich das Kuvert leicht sichtbar an eine Vase am Schreibtisch.
Der Abschied fiel mir sehr schwer, hatte ich doch gehofft, hier mein Glück zu finden.
Die Fahrt von Tirol nach Wien dauerte fünf Stunden. Ich musste mich beim Autofahren sehr konzentrieren, weil meine Gedanken ganz durcheinander waren.
Zu Hause angekommen, betrat ich das Haus und fand meine Mutter mitten im Gespräch mit unserer Köchin.
„Ja Heidi, wo kommst denn du so plötzlich her?“
Ich bedeutete ihr, sie solle aus der Küche kommen, und ging in die Bibliothek.
„Also, Kind, was ist denn los?“
„Hanno hat unsere Verlobung einfach gelöst. Seine Mutter will mich nicht mehr. Hanno kennt den Grund auch nicht. Ich bin so unglücklich.“
Die lange zurückgehaltenen Tränen flossen nun in Strömen. Meine Mutter nahm mich in den Arm und ließ mich weinen, bis ich nicht mehr konnte.
Durch den Lärm wurde mein Vater auch aufmerksam und Mutter erzählte ihm, was passiert war.

Er regte sich furchtbar auf und wollte gleich zum Telefon eilen und Hanno anrufen.
„Frank, rufe ja nicht an. Wir müssen zuerst alles besprechen. Es bringt nichts, wenn wir übereilt handeln.
Ich würde vorschlagen, Heidi, du gehst in dein Zimmer und ruhst dich aus.
Leider kommt in wenigen Minuten Liesl mit ihrer Familie und du willst ihnen sicher momentan nicht begegnen.
Wir haben diesen Besuch schon lange ausgemacht. Sie werden sicher nicht so lange bleiben.“

Liesl und ihre Familie waren langjährige Freunde unserer Familie.
Nickend ging ich in mein Zimmer und legte mich auf mein Bett.
Ich war zu Hause und alles würde wieder gut, so waren meine Gedanken.

Leider war dem nicht so.



1. Kapitel

Der Fluch der Kette

1980

Es war ein wunderschöner Tag und ich beschäftigte mich gerade mit einem beschädigten Bild.
Als Kind hatte ich mich oft in diesen Räumen aufgehalten, weil meine Mutter Restaurateurin ist.
Eine begnadete. Sie konnte aus noch so beschädigten Bildern das Ursprüngliche wieder hervorzaubern, das hatte mich schon als Kind fasziniert.
Was lag näher für mich, als auch diesen Beruf zu ergreifen. Ich war zwar noch nicht so gut wie sie, aber schon sehr erfolgreich.
Ich war gerade in unserem Atelier beschäftigt, als meine Mutter hereinkam.
„Luisa, Kind, hast du Zeit? Ich möchte mit dir reden.“
„Natürlich, Mami, schau dir das mal an. Ich habe diesen Fleck auf dem Bild entfernen können – das war vielleicht eine Arbeit!“
„Ja, wirklich schön, wir können das später anschauen, zuerst müssen wir reden.“

So ernst hatte ich meine Mutter selten erlebt, was war denn los?
„Bitte setz dich.
Ich habe lange mit deinem Vater gesprochen und wir sind der Meinung, dass du einige Dinge wissen solltest.“
„Na, das klingt aber ernst.“
Meine Mutter sah ganz blass aus und hatte anscheinend Probleme zu sprechen.
„Luisa, dein Papa ist nicht dein Papa. Zumindest nicht dein leiblicher.“
„Was sagst du da? Sage es noch einmal.“
„Dein leiblicher Papa ist ein anderer.“
„Weiß Papa das?“
„Ja.“
„Ihr habt mich 30 Jahre lang belogen und betrogen und spielt heile Familie, dabei ist alles falsch? Was denkst du, wie ich mich fühle?
Du ziehst mir den Boden unter den Füßen weg.“

„Luisa, bitte lass dir erklären.“
„Sei still, ich hasse dich, ich hasse dich …“

Wutentbrannt rannte ich hinaus, vorbei an meinem Vater, der vor der Türe stand.
„Ich hasse euch, ihr habt mich nur belogen.“
In meinem Zimmer angekommen, riss ich eine Reisetasche aus dem Kasten und warf einfach alles Mögliche hinein. Nur weg, einfach weg.
Es klopfte an der Tür und mein Vater kam herein.
„Ich will dich nicht sehen, gehe wieder.“

Dann passierte etwas, was ich in den dreißig Jahren meines Lebens noch nie erlebt hatte.
„So, Luisa, jetzt ist Schluss. Ich weiß, es ist alles ein Schock für dich, aber wir müssen reden. Bitte setz dich.“

Diesen strengen Ton hatte ich noch nie von ihm gehört.
Mechanisch setzte ich mich auf mein Bett und sah ihn an.
„Luisa, es stimmt, wir hätten dir alles viel früher erzählen sollen, aber Mama und ich hielten es für richtig zu warten und dann hatten wir Angst davor.
Schließlich hatten wir uns entschieden, dir nichts zu sagen. Aber deine Mutter hat einiges von deinem Vater erfahren und jetzt will sie dir alles erzählen.
Wenn du möchtest, kannst du ausziehen oder tun, was du für richtig hältst, aber gib deiner Mutter die Chance, dir alles zu erklären.
Wir haben einen großen Fehler gemacht, aber bitte höre wenigstens, was wirklich passiert ist.
Ich gehe zu deiner Mutter, bitte komme nach.“
Er stand auf und ging hinaus.
Hin und her gerissen saß ich da und überlegte, was ich tun sollte.
Meine liebe, herzensgute Mama – alles gelogen, wieso?
Na ja, anhören kann ich mir die Geschichte, aber dann können sie mich vergessen. Mit diesen trotzigen Gedanken ging ich hinunter.
Meine Mutter saß immer noch an derselben Stelle wie vorhin. Sie sah ganz verweint aus und Papa hielt ihre Hand.
Als ich eintrat, erhob sie sich.
„Danke, Luisa, dass du mich dir alles erklären lässt.“
Ich spürte eine innere Kälte in mir und meine Antwort war dementsprechend.
„Komm zur Sache.“
„Luisa, ich muss weiter ausholen, damit du alles verstehst.“
„Gut, ich höre dir zu, aber glaub ja nicht, du könntest mich umstimmen. Ich ziehe aus.“

„Du kannst dann alles machen, was du möchtest, aber bitte höre mir zu.
Es war im Jänner 1950. Ich war damals mit Hanno zu Ebenstein zusammen. Wir hatten uns zu Silvester verlobt, vorerst nur unter uns, weil mich seine Mutter anscheinend nicht mochte. Hanno wollte es langsam angehen. Er schenkte mir zur Verlobung eine goldene Kette mit Rubinen. Ein wundervolles Stück.

Ein Erbstück, welches immer an die Frau des Erben weitergegeben wird.
Ende Jänner löste Hanno aus mir unerklärlichen Gründen plötzlich unsere Verlobung. Anscheinend hatte seine Mutter auf einmal Bedenken, obwohl ich schon bei ihnen wohnte.
Na ja, wir haben uns getrennt – nein, er hat sich getrennt und verlangte die Kette wieder zurück.
Ich fühlte mich gedemütigt und beleidigt und machte etwas, was ich heute nicht mehr tun würde, aber ich fühlte mich damals besser danach.
Im Grunde glaubte ich ja auch nicht an den Fluch der Kette.
Bevor ich das Gut verließ, versteckte ich die Kette so, dass er sie meiner Meinung nach auf jeden Fall finden musste, natürlich nicht gleich, aber nach längerer Zeit.
Ich wollte Hanno und seiner Mutter einen Schreck einjagen. Die Kette war anscheinend verflucht und durfte auf keinen Fall, so die Überlieferung, das Haus verlassen.

Da ich die Kette im Haus versteckte, konnte der Fluch meiner Meinung nach ja gar nicht wirken.
Ich selber glaubte nicht an den Fluch, aber Hanno und seine Mutter schon, deswegen sollten sie auch so leiden wie ich.

Zwei Wochen später merkte ich, dass ich schwanger mit dir war.
Ich wollte es Hanno sagen und fuhr zu ihm.
Auf dem Weg zum Haus traf ich Hannos Sekretärin. Ich mochte sie sehr und sie erzählte mir, dass Hanno bereits eine neue Frau an seiner Seite hätte – von seiner Mutter arrangiert und das nach zwei Wochen.

Total enttäuscht fuhr ich wieder nach Hause, ohne Hanno etwas zu sagen.
Ich hatte gehofft, durch die Schwangerschaft würde sich wieder alles einrenken. Aber betteln wollte ich auch nicht.
Meine Eltern waren entsetzt und ihr einziger Gedanke war, was wohl die Leute sagen würden. Ich war so jung, 20 Jahre, und eigentlich total unselbstständig.
Dann noch die Schande wegen einem unehelichen Kind. Meine Mutter wurde sofort aktiv und sprach mit ihrer Freundin Liesl.
Natürlich wusste sie wie erwartet eine Lösung.
Frank, der Sohn von Liesl, war schon länger in mich verliebt und so machte er mir einen Heiratsantrag.“
„Das auch noch, eine Zweckheirat, das wird ja immer schöner.“
Mein Adrenalinspiegel schoss schon wieder gewaltig in die Höhe.
Meine Mutter überging meine Reaktion und sprach weiter.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 200
ISBN: 978-3-99038-984-3
Erscheinungsdatum: 03.03.2014
EUR 15,90
EUR 9,99

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