Sonstiges & Allerlei

Die Glut in unserer Seele

Ive Trepmal

Die Glut in unserer Seele

Ein Nürnberg-Roman

Leseprobe:

Die Enge, die ausgelassene Stimmung, das ausgeschenkte süffige Bier zusammen mit der romantischen Musik taten ein Übriges, um die teils wortkargen Franken zum Reden, auch teilweise zum Flirten zu bringen. Da verwunderte es nicht, wenn sich der eine und die andere zum Paar zusammenfanden. Deshalb wurde diese Kneipe auch besonders gerne von Singles frequentiert.
Als wir hereinkamen, blickten einige Männeraugen auf uns. Sie grinsten Hilde und mich auffordernd an, was sicher teilweise an unseren langen Haaren lag. Mir war das Balzverhalten der Männer stets peinlich. Unter ihren taxierenden Blicken fühlte ich mich manchmal wie eine Kuh, die vor dem Kauf gemustert wird, um sie danach in eine Kategorie einzuordnen - zu dünn, zu dick, passt oder passt nicht. Doch jetzt hatte ich ja Ronald, meinen Beschützer, und diesmal blieb mir das Gefühl, zur öffentlichen Versteigerung freigegeben zu werden, erspart. Verliebt schmiegte ich mich an ihn, um zu zeigen, dass wir zusammengehörten und kein Mann mehr Chancen bei mir hatte. Hilde benahm sich da schon ganz anders. Geschmeichelt und sich der bewundernden Blicke bewusst, graste sie strahlend die Gesichter der Männer ab, nach eventuell lohnenden Objekten. Um ihren Marktwert zu bewerten, flirtete sie ungeniert mit ihrem strahlenden Lächeln.
Ich hoffte inständig, dass sie heute Abend keinen Erfolg haben würde mit ihrer Strahlenpraktik. Wir setzten uns auf hohe Hocker an einen Tisch, der am Ende des Raumes lag, etwas abseits von der Musikband. Diese hatte noch nicht zu spielen angefangen, und man konnte sich noch gut unterhalten.
„Hi, was darf’s denn sein?“ begrüßte uns sogleich die Kellnerin, ein nettes Mädchen so um die zwanzig.
Hilde saß seitlich auf ihrem Stuhl, einen Ellenbogen auf den Tisch gestützt, sodass sie den ganzen Raum überblicken konnte.
Am Nachbartisch bei einem gut aussehenden blonden Mann mittleren Alters blieben ihre Augen hängen. Nicht nur ihre Augen, sondern auch ihre lockere Art ermutigten den Mann sogleich ein Gespräch mit ihr anzufangen. So bekam sie gar nicht mit, wie wir bestellten.
Dieter orderte nicht nur für sich, sondern auch gleich für Hilde mit. Mir war nicht nach Essen zumute. Immer noch war mir übel von den Tabletten und der schlaflosen Nacht, deshalb wollte ich nur ein Mineralwasser.
„Du musst doch etwas essen, vor allem wenn du Medikamente genommen hast“, meinte Ronald streng, seine Züge von Sorge geprägt. „Na ja, vielleicht probierst du ja eine Kleinigkeit von meinem Spezialtoast, dann hast du auch etwas im Magen“, beharrte er und küsste mich auf den Mund. Eine Zeit lang waren wir nur mit uns beschäftigt, so merkten wir gar nicht, dass in der Zwischenzeit Hilde und der Mann am Nebentisch verschwunden waren.
Dieter war mit seiner Sehschwäche von zwölf Dioptrien sehr kurzsichtig, dadurch bekam er oft nicht mit, was sich in seiner unmittelbaren Umgebung abspielte. Dass seine Freundin aber auffällig lange in der Damentoilette verweilte und der blonde Nachbar, mit dem sie zuvor ein angeregtes Gespräch geführt hatte, auch abwesend war, das merkte er schon. Misstrauisch stand er auf, um sie zu suchen.

Nach fünf Minuten kam er mit hochrotem ärgerlichem Gesicht und Hilde mit sich nachzerrend zurück. Beleidigt und fast weinend erzählte er uns von der Demütigung, wie er sie am Treppenaufgang erwischt hatte, als sie gerade dabei, war dem Mann vom Nachbartisch ihre Telefonnummer zu geben.
„Angeblich brauche er ihre Telefonnummer wegen einer Meinungsumfrage, wollte der Kerl mir weismachen“, berichtete uns Dieter ganz entrüstet, wobei seine Augen hinter den dicken Brillengläsern erregt funkelten.
„Darauf habe ich ihn herausfordernd gefragt, ob er auch an meiner Meinung interessiert sei.“
Wir hörten das Zittern in seiner Stimme. Dabei setzte er sich uns gegenüber und zog Hilde, die scheinbar betroffen den Kopf senkte, neben sich. Hin und wieder drehte sie sich zu mir und rollte mit den Augen. In meiner Fantasie sah ich die Sprechblase, die über Hilde schwebte: „Melde gehorsam, Mission Strahlenpraktik erfolgreich ausgeführt, wurde von männlichem Objekt angebaggert.“
„Was glaubt ihr, was der freche Kerl antwortete?“ Dieter schüttelte seinen Kopf, wie wenn er ein lästiges Insekt von seiner Nase verscheuchen wollte.
„Nein, ihn interessiere nur die Meinung von Frauen, er sei schlicht und ergreifend nicht vom anderen Ufer! Könnt ihr euch diese Dreistigkeit vorstellen?“, ereiferte er sich erbost. „Wenn ich nicht zwei Köpfe kleiner und fünfzig Kilogramm Muskelmasse leichter gewesen wäre, hätte ich es ihm aber gegeben!“ Dabei fuchtelte er mit der einen Faust in die Luft, wie wenn er einen imaginären Boxgegner zu Fall bringen wollte.
Entweder hatte sich Hilde in der Zwischenzeit wieder gefasst, oder sie wollte den Abend noch retten, denn sie mischte sich nun eifrig ein.
„Dieter, mein Held, deswegen habe ich dich ja von ihm fortgezerrt, damit dem armen Mann nichts passiert!“, schmeichelte sie ihm und legte eine Hand besänftigend auf seine Schulter, dabei schaute sie ihn wie ein verletztes Rehkitz, das um Gnade bittet, an. Natürlich verfehlte diese Geste nicht ihre Wirkung, und Dieter war nur zu gerne bereit ihr jederzeit zu verzeihen, wenn sie bloß bei ihm blieb.
„Stimmt’s, Ronald?“, wollte er bestätigt wissen: „Hilde ist die schönste Frau von allen!“ Dabei küsste er sie auf den Mund, was sie sich diesmal ohne Protest gefallen ließ.
Ronald schmunzelte nur und raunte mir leise zu, ohne dass es jemand hörte: „Die Katze frisst ihre Mäuse roh, doch mir schmecken die Nager nicht einmal gekocht …“
Ich war dankbar, als das Essen und die Getränke kamen, obwohl der Geruch meine leichte Übelkeit noch schlimmer machte.
Ein großer Teller mit zwei gefüllten Riesenbaguetten, zwei Schmalzbroten, zwei Schinkenbroten, drei große Teller mit Pommes und zwei Krüge Bier. Die nette Bedienung stellte die Teller alle vor Dieter ab. Uns beiden zwinkerte sie nur zu und versicherte, dass unsere Bestellung auch sofort serviert werde. Unmittelbar wandte Dieter seine Konzentration dem Essen zu.
„Ja um Himmels willen, wer soll denn das alles essen!“, rief Hilde entsetzt.
Dieter antwortete nicht, sondern schob und schaufelte sich die Brote in den Mund, bis seine Backen sich nach außen wölbten.
„Schling nicht so“, tadelte seine Angebetete, „wie verfressen wirkst du denn? Schau dir bloß mal die Menge an die du bestellt hast, der ganze Tisch ist voll!“ Um sich Gehör zu verschaffen, klopfte sie mit der flachen Hand auf den Tisch.
Ohne zu kauen, schluckte er. Mit noch fast vollem Mund prustete er los: „Ich? Wieso ich? Und verfressen? Ich hab doch zur Kellnerin gesagt, das alles sei für dich, mein Mäuschen.“
Ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, nahm er mit den Fingern eine Pommes und steckte sie sich gierig in den Mund.
„Und nimm bitte eine Gabel zum Essen!“, mäkelte sie weiter an ihm herum .Ihr Fuß wippte wie wild unter dem Tisch. Sie sah ziemlich genervt aus.
„Nein, wieso? Dann hätte ich mir ja vorher die Hände nicht zu waschen brauchen!“, lachte er.
Ihren weiteren Schlagabtausch bekamen wir nicht mehr mit, denn mit dem Einsetzen der Musik fiel für uns der Vorhang in diesem Theaterstück, da wir nicht mehr verstehen konnten, was die beiden sich noch an Nettigkeiten zu sagen hatten. Inzwischen war auch unser Essen aufgetragen worden. Trotz meiner Übelkeit knabberte ich etwas an Ronalds Baguette herum und begann nach und nach so etwas wie Entspannung zu fühlen.
In den Pausen, die die Band einlegte, unterhielten wir uns über den bevorstehenden Urlaub. Alle redeten und lachten und planten.
Hilde und ich hatten Anfang des Jahres eine Woche Urlaub in einem Tennishotel in Seeham, einem kleinen Ort in Österreich, gebucht. Romantisch an einem See gelegen, erhofften wir uns Sport, viel Spaß und wollten ohne elterliche Aufsicht unsere Freiheit genießen. Unser Wunsch war es, dort interessanten Menschen zu begegnen. Natürlich hätten wir nichts dagegen gehabt, den einen oder anderen an uns interessierten, sportlichen jungen Mann kennenzulernen. Wie gesagt, das war im Januar. Jetzt hatten wir Mitte August. In der Zwischenzeit hatte ich mich in Ronald verliebt.
Nun wollte ich nie mehr ohne ihn sein. Doch die Reise war fest gebucht sowie bezahlt, und Hilde hatte immer noch die heimlichen Ambitionen, bald einen Traumprinzen zu finden.
Gemäß der Devise: „Drum suche, bevor er sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet.“
Damit Hilde ihr Sicherheitsnetz Dieter behalten konnte, hatten wir uns folgende Strategie ausgedacht: Zuerst würden wir alleine mit dem Zug nach Seeham fahren, später sollte dann Ronald, und falls Hilde niemanden kennenlernte, auch Dieter nachkommen.
Natürlich wurde es Dieter nicht so verklickert. Der größte Teil von mir hasste mich für die Art, wie ich ihr half diesen netten jungen Mann zu behandeln, außerdem wäre ich liebend gerne den kompletten Urlaub mit Ronald zusammen gewesen.


Acht

Am fünfundzwanzigsten August um acht Uhr morgens war es dann so weit. Hilde und ich verabschiedeten uns von ihrem Vater, der uns zum Bahnhof nach Nürnberg brachte. Freiheit, Abenteuer, Urlaub, wir kommen! Voller Euphorie versuchten wir vor Freude nicht zu platzen. Nach außen gaben wir uns kühl und gelassen, Hildes Vaters wegen. Brav ließen wir seine Ermahnungen über uns ergehen, bis der Zug die Türen schloss und abfuhr.
Wir waren in Hochstimmung. Zu sechst saßen wir in einem Zweite-Klasse-Zugabteil. Damals hatten die meisten Züge noch mit Glastüren abgeschlossene Abteile mit jeweils sechs Sitzplätzen.
Hingerissen lauschten die übrigen vier Mitreisenden unseren Plänen, wie wir den Urlaub gestalten wollten.
„Wetten, ich lerne dort einen tollen Mann kennen“, plapperte Hilde fröhlich drauf los. „In einem Tennishotel ist bestimmt auch abends viel geboten. Ich kann dann ohne Dieter endlich flirten bis zum Abwinken“, freute sie sich. Lebhaft beschrieb sie pikante Situationen, in die ihr Dieter fatalerweise schon geplatzt war.
„Sobald ich einem anderen Mann meine Adresse geben will, erscheint mein Dieter im letzten Moment und verhindert es.“ Dabei lächelte sie charmant entrüstet. „Was habe ich auch immer für ein Pech“, jammerte sie und zeigte dabei ihre blendend weißen Zähne.
„Spätestens, wenn ich ihm versichere: ‚Das war doch nur ein Ausrutscher, der Mann ist doch gar nicht mein Typ‘, verzeiht mir Dieter alles. Zur Not umschmeichle ich ihn mit: ‚Bitte verzeih mir! Ich liebe nur dich, mein Bärchen‘, dann beruhigt er sich sofort wieder.“ Anscheinend hatte sie das Bedürfnis, sich weiter zu rechtfertigen, alldieweil sie fortfuhr: „Wenn er mir nicht immer nachlaufen würde, dann würde er logischerweise nichts sehen und bräuchte sich nicht zu ärgern.
Selber schuld, sage ich da nur“, und dabei strahlte sie alle Anwesenden an. Jeder lauschte fasziniert ihrer melodischen Stimme, nur ab und zu wurde ihr zugestimmt oder eine Frage gestellt.
Wie schaffte sie es nur immer wieder, alle Menschen zu ihrer Zufriedenheit zu manipulieren?, dachte ich mir. Man konnte ihr einfach nichts übel nehmen, denn sie besaß die Gabe, alles zu ihrem Vorteil zu verdrehen. Selbst eine Beleidigung klang aus ihrem Mund wie ein Lob, und nicht selten freute man sich sogar noch darüber, weil man gar nicht realisierte, wie es gemeint war. Niemand, der sie nicht genau kannte, kam überhaupt auf die Idee, ihr Böses zu unterstellen oder den armen Dieter zu bedauern. Jeder war fasziniert von ihrer witzigen Art. Ich kannte sie seit Ewigkeiten, sofern man bei einem Menschen wie ihr von Kennen sprechen konnte. Auf eine gewisse Art blieb sie mir immer fremd. Anfangs versuchte ich noch ihre coole Art nachzuahmen, ließ es aber bald bleiben. Mir sahen die Leute immer schon von Weitem an, wenn ich mogelte oder versuchte Menschen zu manipulieren. Mir fehlte schlicht und ergreifend das Pokerface.
Beim Lauschen ihrer Geschichten kamen mir langsam Zweifel.
Auf was hatte ich mich da eingelassen? Mein Interesse, Männer aufzureißen, war verflogen. In diesem Urlaub würde ich anscheinend die totale Spaßbremse für Hilde werden. Angenehm müde rekelte ich mich, soweit die Enge des Platzes es zuließ, in meinem Sitz. Die meisten ihrer Geschichten waren mir schon längst bekannt, und die Stimmen plätscherten neben meinem Ohr dahin. So döste ich über alles nachdenkend ein.
„Hallo … Junge Frau … Hallo …!“
Jemand schüttelte mich an meinen Schultern. Ich versuchte die Hand abzuwehren. Orientierungslos probierte ich mich zu sammeln. Alle Mitreisenden einschließlich Hilde lächelten mich verstohlen an. Seltsam, was war das für ein Männerkopf vor meinem Gesicht, der mich da breit angrinste? Wer sind Sie? Was wollen Sie?, wollte ich eigentlich sagen. Aber schlaftrunken, noch in meinen Traum versunken, verließen wie von selbst merkwürdige Töne meine Lippen.


Neun

Als ich kurz aufblickte, hatte sich die Nachtfeuchte in Regen umgewandelt und trommelte von der Seite her auf uns ein. „Nichts wie weiter, nur nicht schlappmachen“, grinste ich Ronald kläglich an.
Eine Viertelstunde später hatte sich unsere Kleidung voller Wasser gezogen. Wir froren erbärmlich! In der Hoffnung, im Wald etwas Schutz vor dem Regen zu bekommen, bogen wir vom Weg in den Wald ab. Hier war es noch dunkler. Man sah fast die Hand vor den Augen nicht. Mühsam tasteten wir uns voran. Im Wald schaute alles gleich aus und verfälschte unseren Richtungssinn.
Minuten schienen sich zu Stunden zu dehnen.
Eine Angst, nicht mehr zur Hütte zu finden, packte mich grausam im Nacken. Trotz der Kälte war ich vor Nervosität schweißnass.
Ronald hielt beruhigend meine Hand, tröstete mich, wenn ich verzweifelte, und sprach mir Mut zu, als ich vor Erschöpfung nicht mehr weitergehen konnte. Schließlich gelangten wir an eine Steinbrücke, die uns bekannt vorkam. An ihr versuchten wir uns zu orientieren. Der Regen hatte inzwischen nachgelassen.
Zwischen den Wolken schob sich der volle Mond hindurch, der uns jetzt den Weg leuchtete. Mein Kopf schmerzte vor Hunger, und ich spürte meine Beine kaum noch. Gelegentlich lief ich gegen einen herunterhängenden Ast, der dann daraufhin einen Sturzbach an kaltem Wasser über mich ergoss.
Es war mir jetzt beinahe gleichgültig, ob wir noch ankamen oder nicht. Mit überwältigender Sehnsucht verlangte es mich nur noch nach Wärme und Ruhe, nach irgendeinem Ort, wo ich meinen schmerzenden pochenden Körper niederlegen und unserer Situation entschlafen konnte. Ronald, selber am Ende
seiner Kräfte, zog mich immer wieder vom Boden hoch, wenn ich auf dem glitschigen Geröll mit meinen Turnschuhen ausrutschte.
Ich werde sterben, dachte ich fast gleichgültig, vor Kälte sterben.
An einen hohen Baum lehnte ich mich zu Tode erschöpft an und rutschte langsam mit dem Rücken den Stamm entlang zum Boden. Jetzt schlafe ich ein und wache niemals wieder auf, war mein Gedanke.


Neun

Es hatte ihn überrascht welch gelehrige Schülerin ich war, als er mir vorgeschlagen hatte ich solle seinen männlichen Körper erkunden. Zögernd war ich seiner Aufforderung nachgekommen, schüchtern zunächst, aber bald voller kindlicher Neugierde, als ich bemerkte welche Wirkung ein Streicheln oder eine Berührung an seinen empfindlichsten Stellen auslöste.
Roland schluckte als ich mich, seine beiden Schenkel zwischen meine Beine eingeklemmt, über ihn beugte und mit der Zunge begann in die sanfte Vertiefung seines Nabels zu tauchen. Mein Atem wehte dabei über seine aufgestellten Härchen und meine Brüste streiften verführerisch über seinen Körper. Er biss die Zähne zusammen, versuchte aber vollkommen unbeteiligt zu wirken indem er seine Arme hinter dem Kopf verschränkt hielt und mich beobachtete. Nur seine Bauchmuskeln zuckten.
„Kitzelig?“, fragte ich provozierend und ließ absichtlich meine langen Haare über seinen nackten Oberkörper schleifen. Genussvoll beobachtete ich, wie er sich unter meinen Liebkosungen wand. Anmutig setzte ich mich auf seine ausgestreckten Beine, bog meine Arme zurück, bis sie meinen Nacken umschlossen, um meinen Oberkörper seinen Blicken in all seiner unverhüllten Pracht darzubieten. Ronald sog tief den Atem ein, zum Äußersten bemüht sich unter Kontrolle zu halten. Nur sein gespannter männlicher Bogen, der sich steil aufrichtete, verriet seine Erregung.
„Noch nicht mein Schatz“, wisperte ich und ein zufriedenes Lächeln umspielte meine Lippen. Mit wiegenden Hüften, über ihn gebeugt, drängte es mich die feuchte Stelle zwischen meinen
Beinen auf ihn zu versenken, um das Pochen zu stillen, aber ich wollte dieses Gefühl der Kontrolle und der Vorfreude noch ein wenig länger genießen. Ich konnte hören wie er stöhnte und sehen wie seine Kiefer mahlten, vor Anstrengung und gezügelter Leidenschaft.
„Du bist ungeduldig, nicht wahr?“ Meine kreisenden Bewegungen die seinen erogenen Bogen zwischen meinen Schenkeln sanft schaukelten schienen ihn in den Wahnsinn zu treiben, aber zu köstlich war das Gefühl zu kontrollieren, zu leiten. Die Sehnen an seinem Hals traten hervor, als er beobachtete wie ich mich über.


Neunundzwanzig

Am Freitagnachmittag vier Tage nach Silvester entspannte ich gerade in einem Wannenbad, als meine Mutter aufgeregt an die Badezimmertüre klopfte. „Mach sofort auf und komm raus, die Polizei ist am Telefon und möchte dich sprechen!“
„Ha, das glaubst du doch wohl selber nicht, was sollte die denn von mir wollen?“, antwortete ich arglos. Bis jetzt hatte ich noch niemals mit der Polizei zu tun gehabt, weshalb ich den Verdacht hegte, sie wollte mich nur aus der Wanne haben, weil ich immer wieder warmes Badewasser nachfüllte und das natürlich Heizöl kostete. Ich war in Gebersdorf aufgewachsen, und in dieser Gegend hatte ich nur zweimal in meinem Leben eine Polizeistreife zu Gesicht bekommen. Einmal als sie ein vermisstes Kind suchten, welches dann nach einer halben Stunde bei seiner Oma wieder auftauchte, das andere Mal als sie eine verwirrte alte Frau nach Hause brachten. Das Leben in dieser Siedlung verlief in friedlichen Bahnen. Das Gefährlichste, was unsere ruhige Existenz stören konnte, waren Ameisen, die in die Küche eindrangen, oder Blattläuse, die den Apfelbaum überfielen.
Deshalb ließ ich mir Zeit, spülte den Schaum aus meinen Haaren und zog seelenruhig meinen Bademantel über.
Das erneute heftige Klopfen und Zetern meiner Mutter ließ mich dann doch unruhig werden: „Jetzt beeil dich schon, vielleicht bist du zu schnell gefahren und dabei geblitzt worden.“
Neugierig griff ich nach dem Telefonhörer. Neben mir stand meine Mutter, die Hände vor der Brust verschränkt, und lauschte hartnäckig mit. Von ihrem Geschrei wurde auch mein Vater aufgeweckt, der nach dem Nachtdienst geschlafen hatte. Wissbegierig umringten mich beide Eltern am Telefon, damit sie auch alles mitbekamen.
„Hallo“, meldete ich mich. „Wer ist da?“
„Hier spricht die Polizei. Sind Sie Frau Evi Meier?“
Es entstand eine Pause. Erstaunt, dass tatsächlich die Polizei am Hörer war, antwortete ich zögernd mit „Ja“.
„Kennen Sie einen Herrn Ronald Huber?“ Die Stimme war ausdruckslos, monoton.
Was? Mit einem Schlag fröstelte ich, und mir lief ein kalter Schauer über den Körper. „Ja“, bestätigte
ich zögerlich.
Wieder eine Pause, dann sprach der Beamte weiter, irgendwie müde.
„Setzen Sie sich bitte!“
„Warum?“ Sämtliche Alarmglocken schrillten, und mir stellten sich die Nackenhaare auf.
„Setzen Sie sich bitte!“ Diesmal klang die Stimme eher wie ein Befehl.
„Also gut.“ Widerwillig lehnte ich mich an die Wand im Flur.
„Was hat er denn angestellt?“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 312
ISBN: 978-3-95840-335-2
Erscheinungsdatum: 14.02.2017
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