Cover: Der Sklave von Valaina

Der Sklave von Valaina


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 328
ISBN: 978-3-7116-0251-0
Erscheinungsdatum: 09.12.2024
Ein verschwundener Prinz, ein verbitterter König und eine Kriegerin auf der Suche nach der Wahrheit und der wahren Liebe. Eine Geschichte über Verlust, Sehnsucht und Menschlichkeit.
Kapitel I

"Ich war lange nicht hier"

Mehr als sieben Jahre waren vergangen seit diesem schrecklichen Tag, an welchem der junge Prinz verschwunden war. Kaum etwas hatte sich in dem großen Schloss verändert.

Nichts, wenn man es so sagen wollte, sah man von der Tatsache ab, dass mehr als die Hälfte der Bediensteten das Schloss verlassen hatten, seit der Prinz verschwunden war.

Die Gemächer des Prinzen existierten noch immer, doch die Tür, welche zu diesen führte, war verschlossen worden. Über dem Bett, dem Tisch, den Stühlen und Schränken, über allem in diesem Gemach lag eine dicke Schicht aus Staub.

Doch noch etwas hatte sich verändert: Die Menschen waren gealtert. Der König, die übrig gebliebenen Bediensteten und auch Iduna, welche zu einer einzigartigen Frau herangereift war.

Sie war nun 21 Jahre alt, war gewachsen, ungewöhnlich groß für eine Frau und war wunderbar anzusehen, auch wenn die optische Norm einer Frau zu dieser Zeit ihr genaues Gegenteil zu sein schien.
Die junge Frau war nebst ihrer imposanten Größe sehr muskulös, sie hatte von der Sonne gebräunte Haut, leuchtend grüne Augen und Haar von der Farbe von frischem Blut. Noch nie in seinem Leben hatte der König derart rote Haare gesehen. Auch die Lippen Idunas waren auffallend rot, doch das Ungewöhnlichste an ihr waren ihr Beruf und ihr Wesen.

Genaugenommen verübte Iduna zwei Berufe: Wenige Wochen nachdem Freylen verschwand, nahm der König die junge Frau, welche damals ein Mädchen war, in seine Obhut. Schon immer glich sie von ihrem Wesen her ihrem verstorbenen Vater, nicht nur dem besten Rittersmanne, gleichsam auch dem besten Freund des Königs, dem einzigen Menschen, nebst der Königin, welcher hin und wieder streng mit dem König sprach, ihn unterstützte und teilweise noch immer erzog.

Auch Iduna wagte es, ihre Meinung kundzutun, sie sprach ernst und erwachsen mit dem König und machte ihm im Laufe der Jahre zahlreiche Vorwürfe, setzte die Rolle der Königin und ihres Vaters fort, hielt den König in Schach, bremste ihn, wenn er falsch reagierte oder handeln wollte. Sie war sehr temperamentvoll, was einer Frau nicht gestattet war, doch ignorierte die junge Frau dies gekonnt. Sie verkündete ihre Meinung und ihr gelang es, einem jeden Manne Respekt einzuflößen, war sie doch schon immer mit den Jungen durch den Wald gestürmt, anstatt zu sticken und zu kochen.

Und so fasste der König den Entschluss, dem Mädchen ihren größten Wunsch, nebst der Wiederkehr Freylens, zu erfüllen. Er begann sie eigenhändig zu einer Kriegerin auszubilden, was sich als eine richtige Entscheidung herausstellte. Iduna lernte schnell und viel und war nun die Person bei Hofe, welche am besten mit dem Schwerte kämpfen, am schnellsten laufen, am höchsten klettern und am weitesten springen konnte. Zudem ritt sie wie der Teufel und ihr Geschick ging um im ganzen Königreich.

Doch Iduna bekam mit der Zeit noch eine weitere Tätigkeit: Als der König drei Jahre lang vergeblich nach seinem Sohn gesucht hatte, brach er diese Suche ab, im Glauben, der Prinz sei verstorben. Hatte man ihn doch nicht finden können. Und so fasste er den Entschluss, dass, sollte Freylen nicht wiederkehren, Iduna seine Nachfolgerin werden sollte. Er wusste, dass sie dieses Königreich führen konnte, wusste, dass sie stark war und dass sein Sohn dies gewollt hätte, wäre sie doch auch Königin geworden, wäre der Prinz noch da.

So kam es, dass die Thronfolgerin eines Morgens im Winter in den Thronsaal eilte, zumal der König einen Gast geladen hatte.

Schnellen Schrittes betrat Iduna den Thronsaal und blickte ihren König freundlich an.

„Sei gegrüßt, Asilos!“, rief sie von sonniger Laune und knickste leicht vor dem etwa 45-jährigen Manne mit den kinnlangen, gepflegten, leicht gewellten dunkelblonden Haaren und dem ebenso gepflegten Kinn- und Oberlippenbart.

„Sei gegrüßt, Iduna!“, antwortete dieser ebenso freundlich und neigte leicht sein Haupt, während die Kriegerin sich auf einem kleineren Thron zur Rechten des Königs niederließ.

„Wen erwarten wir?“, ihre Stimme klang neugierig und sie blickte den König fragend an.

„Wir empfangen einen Ritter des Fürsten Belial von Arta. Einem Manne, welcher einen Teil meines Landes im Westen verwaltet. Er wird uns zur Burg des Fürsten einladen, wo du seinen ältesten Sohn kennenlernen sollst. Verstehe mich nicht falsch, du sollst ihn lediglich kennenlernen, nicht gleich heiraten. Jedoch sollte dir bewusst sein, dass du eines Tages heiraten wirst, und so möchte ich dir die Möglichkeit geben, einige Männer von edlem Geblüt kennenzulernen, sollte Freylen nicht wiedererscheinen“, erklärte der König höflich.

„Dies ist wahrlich ein guter Einfall, auch werde ich mich freuen, die Bekanntschaft dieses Menschen zu machen, doch warte ich noch immer auf Frey“, antwortete Iduna und wandte sich der Tür zu, welche sich soeben öffnete.

Den Saal betrat ein Mann von schlanker Gestalt, welcher lockiges braunes Haar hatte, das wiederum etwa der Länge des Königs entsprach. Ebenso wurde sein Gesicht mit den recht kleinen grün-braunen Augen von einem dunklen Vollbart geziert. Er war etwas älter als Iduna und verneigte sich höflich vor dem König und seiner Nachfolgerin.

„Seid gegrüßt, König Asilos von Valaina und Kronprinzessin Iduna von Valaina. Mein Name ist Argon, ich bin Ritter des Hauses von Fürst Belial“, stellte der Mann sich freundlich vor. Er hatte eine warme Stimme, welche ebenso freundlich klang wie seine Augen strahlten.

„Ich grüße Euch, Argon, Ritter von Belial“, antwortete der König und neigte sein Haupt zur Begrüßung, „Ich bitte Euch nun Euer Anliegen vorzutragen.“

Argon nickte höflich und erhob sich. „Der Fürst lädt seine Majestät und die Thronfolgerin herzlichst ein, ihn auf seinem Schloss zu besuchen, zumal Ihr die Thronfolgerin mit einigen jungen Männern bekannt machen wollt. Er würde Euch dazu einladen, einige Tage auf seiner Burg zu genießen, und zudem möchte er Euch seinen ältesten Sohn vorstellen“, erklärte er und schenkte den beiden Sitzenden ein warmherziges Lächeln.

„Nun, Euch belügen möchte ich wahrlich nicht und deswegen verkünde ich nun, dass man mich bereits vor wenigen Tagen über diese Einladung informierte. Ich bin geneigt, dieser zuzustimmen, und werde an der Seite Idunas gern mein Schloss verlassen und die Burg des Fürsten besuchen. Lange war ich nicht mehr auf einer Reise und denke, dass diese sowohl mir als auch dir, Iduna, sehr guttun wird, zumal du dein zukünftiges Königreich kennenlernen sollst“, sprach der König und nickte gleichzeitig leicht, „Wenn es Euch recht ist, werden wir in zwei Tagen aufbrechen.“

„Nur zu gern, mein König! Gleich werde ich den Boten an meiner Seite mit einer Nachricht entlassen, damit der Fürst über euer baldiges Erscheinen unterrichtet wird“, antwortete Argon und verneigte sich ein weiteres Mal.
„Tut das! Eine Zofe wird Euch in einem Gemache unterbringen, in welchem Ihr bis zu unserer Abreise nächtigen dürft.“

~

Am Abend des folgenden Tages stand Iduna nachdenklich auf dem Trainingsplatz und hieb mit ihrem Langschwert gedankenverloren auf einen Pfosten ein. Sie konnte sich nicht auf die morgige Reise freuen.

„Iduna, mein Kind! Sag, warum bist du in der Dunkelheit und bei dieser Kälte noch immer auf dem Übungsplatz zu finden? Ich habe eine warme Suppe zubereitet“, rief da ihre Mutter und trat auf den großen Platz.

Ohne ihrer Mutter zu antworten steckte sie ihr Schwert in die Scheide und trat auf die deutlich kleinere Frau zu. Diese schenkte ihr ein freundliches, gar liebevolles Lächeln und gemeinsam gingen Mutter und Tochter in ihre Gemächer, wo bereits die warme Suppe auf sie wartete.

„Was ist nur los, mein Kind?“, fragte Almina, die Mutter Idunas, als sie die nachdenkliche Miene ihrer Tochter bemerkte, „Seit dem gestrigen Tag bist du so schweigsam. Bist du denn nicht erfreut, dass du in den frühen Morgenstunden eine Reise unternehmen wirst?“

Iduna blickte auf. „Weißt du, natürlich bin ich erfreut, doch denke ich, dass mehr als bloß eine Bekanntschaft hinter diesem Besuch steckt. Asilos wünscht sich, dass ich heirate. Gerne bin ich bereit dies zu tun, doch gibt es bloß einen Mann, mit welchem ich den Bund der Ehe eingehen möchte. In jedem anderen Königreich werden die Menschen so verheiratet, dass dies gut für selbiges ist. Die Menschen sind dabei völlig unwichtig. Ich möchte mit einem Manne glücklich werden und dies kann ich doch bloß mit Frey“, erklärte Iduna seufzend.

Da lachte ihre Mutter herzlich auf. „Mein Kind, du gehst deinem Willen nach und dies ist dem König bewusst. Solltest du den Fürstensohn nicht heiraten wollen, so wirst du dies auch nicht tun. Denke doch lieber daran, dass du nun die Möglichkeit bekommst, das Königreich zu sehen. Und vielleicht meint es das Schicksal ja gut mit dir und du findest deinen Zukünftigen wieder“, sprach sie und legte ihre Hand auf die Idunas.

Diese nickte zögernd. Das erste Mal würde sie verreisen, und warum sollte sie nicht nach dem ihr Versprochenen Ausschau halten? Vielleicht war sie dazu in der Lage, ihn zu finden. Sie, die Einzige, welche noch immer fest daran glaubte, dass der Prinz lebte.

„Lange warst du nicht mehr bei ihm“, erklang da die ruhige Stimme ihrer Mutter in der nachdenklichen Stille.

Verwundert blickte Iduna ihre Mutter an, dann verstand sie. „Mein Hab und Gut ist bereits in eine Truhe geladen. Ich werde ihn besuchen und ihm von meinen Sorgen berichten.“

~

Wenige Minuten später öffnete Iduna die massive Holztür. Die Fackel in ihrer Hand warf flackerndes Licht auf das, was hinter dieser Tür lag. Sie erhellte den Staub, welcher durch das Öffnen der Tür aufgewirbelt worden war, beschien das Bett, den Schrank und den Tisch, das Regal und die Tür, welche zu einer Waschgelegenheit führte. All dies war unter einer dicken Staubschicht verborgen.

Vorsichtig betrat sie den Raum, welcher vor vielen Jahren einmal sehr prunkvoll gewesen war. „Hallo“, sagte sie leise und strich mit den Fingern über einen bequemen Stuhl, auf welchem sie sich schließlich niederließ, „Ich war lange nicht hier, Frey. Und ich denke, dass du, falls du mich hören kannst, weißt, was geschah. Ich fürchte mich davor, diesen Mann zu treffen, ist mein einziger Wunsch doch bloß, dass ich dich wiedersehe. Weißt du, wie sehr dein Vater sich verändert hat? Er war hier, sehe ich gerade. Er vergaß seinen Ring. Und er liebt dich. Frey, ich verspreche dir, dass ich dich niemals aufgeben werde.“



Kapitel II

"Ein Mensch, wie du und ich"

Am nächsten Tag brachen Iduna, Asilos, Argon und einige Bedienstete in den frühen Morgenstunden auf zur Burg Arta, dem Sitz des Fürsten Belial. Es lag noch immer tiefer Schnee, der Winter hatte seinen Höhepunkt erreicht und so war es unmöglich für eine Kutsche, den weiten Weg durch das Königreich zu fahren. So kam es, dass alle Reisenden reitend das Schloss verließen und sich auf machten, um die Burg des Fürsten Belial zu erreichen.

Iduna genoss die Landschaften, sah sie das Königreich doch das erste Mal in seiner ganzen Pracht. Wider Erwarten konnte sie die schneebedeckten Berge, die weiten Täler und Wälder bei strahlendem Sonnenlicht bewundern. Die Wolken der letzten Wochen waren weitergezogen und so war es wahrlich eine Freude, diesen Ritt zu unternehmen, welcher viel zu schnell vorüberzugehen schien.

~

Am Abend gelangte die Gruppe in eine der Städte, wo sie in einem Gasthaus nächtigte. Da der König sein Schloss sehr selten verließ, herrschte in der Stadt große Aufregung. Der Wirt briet ein Spanferkel und ließ seine Gäste von seinen besten Tellern speisen.

Iduna erfreute sich an den fremden Gesichtern, doch ertappte sie sich dabei, wie sie nach Freylen Ausschau hielt und hoffte, die hellen, blonden Haare oder gar die blauen Augen erblicken zu können. Sie wusste nicht, wie Freylen nun aussah, hatte sie ihn doch viele Jahre lang nicht mehr gesehen, doch solch helle Haare erblickte sie nicht in diesem Gasthaus.

~

„Asilos“, sagte sie, bevor sie sich in ihr eigenes Zimmer zurückzog, zu ihrem König, „Diesen Ring fand ich am gestrigen Abend in den Gemächern Freys.“

Verblüfft blickte der König Iduna an und nahm ihr den Ring schweigend aus der Hand. „Es ist keine Sünde zuzugeben, dass er dir fehlt. Wenn er bloß wüsste, wie sehr du ihn doch liebst“, sprach sie und legte sich nach einem Gruß zur Ruhe.

~

Am nächsten Tage gelangten sie auf die Ländereien, welche der Fürst verwaltete. Es war ein schönes Stück Land, bestückt mit Wäldern, Flüssen und dem großen Gebirge.

„Nun passieren wir die Felder, anschließend reiten wir durch einen kleinen Wald, hinter welchem die Burg des Fürsten liegt“, erklärte Argon und deutete auf zahlreiche Felder zu ihren Seiten.

Iduna wandte ihren Blick um und erblickte vier Personen auf einem der Felder. Zwei von ihnen waren von dunkler Hautfarbe und trugen, gleich einem Dritten, schmutzige Lumpen. Sie standen gebeugt und schienen das Feld zu bearbeiten. Der vierte Mann blickte streng auf die drei Übrigen herab, in der Hand hielt er eine Peitsche.

Die blasse Person schien Steine aufzulesen und wandte den Kopf. Idunas scharfe Augen trafen die der Person, von welcher sie weder sagen konnte, wie alt sie war, noch welches Geschlecht sie besaß. Die Person war klein und mager, besaß ein feines Gesicht mit weichen Zügen, soweit sie es erkennen konnte. Die Haare waren beinahe vollständig unter einer Haube verborgen, lediglich einige grau-braune Haarsträhnen lugten an der Stirn hervor, welche der Kreatur doch bis zur Brust reichten.

Als die Person begriff, dass Iduna sie ansah, wandte sie den Blick erschrocken ab und bückte sich nach einem weiteren Stein, während sie aus der Sicht der Thronfolgerin verschwand.

Doch Iduna vergaß die kleine Gruppe in dem Moment, als sie die große Burg erblickte, welche sich nun vor ihr befand. Groß war sie wahrlich, zudem sah sie recht prunkvoll aus, reichte jedoch bei weitem nicht an das große Schloss des Königs heran. Der Bergfried, ebenso die anderen Türme, waren von Schnee bedeckt und eine Fahne wehte in der leichten Brise.
5 Sterne
Der Sklave von Valaina - 08.01.2025
Bvbgummi

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es wurde gut recherchiert und spannend geschrieben. Weiter so. Warte auf das nächste.

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