Sonstiges & Allerlei

Creeping Love

J.P. Wolf

Creeping Love

Leseprobe:

Selinas Blick fällt auf den wolkenlosen Himmel mit der leuchtenden gelb-roten Sonne, die langsam vom dunkelblauen Ozean verschluckt wird. Eine schier endlose Weite umgibt sie und vermittelt das Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit. Der Geruch von Regen liegt in der Luft und kündigt eine frische Nacht an. Seit drei Wochen wohnt sie nun schon in ihrem kleinen Paradies am Strand von Malibu mit ihrer besten Freundin Naomi. Auch wenn sie noch nicht alle Kartons ausgepackt haben, gibt es keine Party im Umkreis, die ohne die beiden gefeiert wird. So und nicht anders hatte sie sich ihr 21. Lebensjahr vorgestellt. Vielleicht mit etwas weniger Kopfschmerzen, aber das gehörte nun mal dazu.
Gedankenversunken zieht sie die beige Wolldecke etwas fester um ihren schmalen Körper. Sie hat immer noch das gelb geblümte Kleid von gestern an und muss über die wilde Feier in der Nacht schmunzeln, als das plötzliche Klingeln ihres Handys auf dem grauen Verandatisch ertönt. In fetten Buchstaben ziert der Name ihrer Mutter den Bildschirm. Es ist wieder einer dieser Kontrollanrufe, der in einer Diskussion endet. Mit einer leichten Wischbewegung lässt sie die Mailbox rangehen. Träge und immer noch von der Schönheit der Natur erfüllt, betritt sie die große, offene Küche im weißen Shabby Look. An der Kücheninsel gelehnt, trinkt Naomi genüsslich ihren dampfenden Kaffee mit einem Buch in der Hand. Sie ist schon immer eine Leseratte gewesen, was zu Folge hat, dass das Gästezimmer einer Bibliothek ähnelt statt eines Schlafplatzes. „Möchtest du nicht langsam mal mit deinen Eltern reden? Schließlich bezahlen sie das Haus zur Hälfte,“ sagt Na, ohne von ihrer Lektüre aufzusehen. Mit einem kurzen Kopfschütteln antwortet Sel ihrer Freundin mit einem „Nein“ und lässt sich auf der grauen U-förmigen Couch fallen, um die TV Kanäle durchzuzappen. Aber die schönen Gedanken waren dahin, wie immer, wenn das Thema Eltern aufkommt. Jake und Jill Montgomery sind keine schlechten Menschen, aber überfürsorglich und bestimmend. Selina hat die Tage des Auszugs gezählt und dem damit verbundenen Collegeanfang. Wie lang musste sie dafür kämpfen. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte sie nicht studieren sollen. Sowas tun Damen in ihrer sozialen Schicht nicht. Aber Selina ist keine Dame und hat auch nicht vor, eine zu werden.

Es ist ein heißer Sommertag und der Regen in der Nacht hat nicht die erhoffte Abkühlung gebracht. Da morgen ihr so langersehntes Studium an der California State University für den Fashion Master beginnt, wühlt sie sich schon jetzt durch den begehbaren Kleiderschrank, um etwas Passendes zu finden. Sie entscheidet sich für ein royal-blaues Kleid aus Seide, welches ihre Figur perfekt umschmeichelt. Die Dozenten sollen gleich sehen, dass sie Geschmack und Stil beherrscht. Unten am großen Eichenesstisch sitzt Naomi schon mit zwei Spiegeleiern und einem heißen Cappuccino, bereit für die Vorbereitungen ihrer morgigen Kurse. Selina ist immer etwas neidisch auf Naomi wegen ihrer Eltern, da sie trotz des Verlustes ihres Sohnes offen für neues sind und ihre Tochter ohne Bedenken studieren lassen. Ihre Eltern schreiben ihr nichts vor. Sie lassen sie so leben wie Naomi das will. Naomi hat sich nach der High-School dazu entschlossen, Eventmanagement zu studieren, da sie es liebt zu planen und Partys liebt sie sowieso. Aus diesem Grund ist ihre Freundin auch schon eine Zweitsemesterin und nicht wie Sel im ersten.
Als Naomi ihre Freundin erblickt, zeigt sie grinsend auf ihren vollbepackten Teller. „Ich habe uns was Leckeres zum Essen gezaubert, wobei mir die Eier etwas angebrannt sind“, sagt sie und blickt bedauernd drein. Lachend legt Selina ihren Arm um Naomi „Ach Süße, du weißt doch, dass ich alles von dir essen würde.“ Gut gelaunt schnappt sie sich einen Teller und einen Kaffee, um sich an den Esstisch zu gesellen. Sie reden über das Studium, ihren Träumen und schwärmen von den letzten Partys, auf denen sie es vielleicht wieder ein bisschen mit dem Alkohol übertrieben haben, als sie das Öffnen der Haustüre hören. Überraschend stehen Jill, Jake und Naomis Mutter mit zwei großen und muskulös gebauten Männern im Schlepptau in der Küche. Die beiden Mädels reißen ihre Augen auf und sehen sich verwundert entgegen. Jill ist wie immer in einem teuren Designer Zweiteiler mit namenhaften Stilettos passend zu Jake gekleidet, wohingegen Naomis Mom einen klassischen Rollkragen Pullover in Beige mit einer zart rosafarbenen Seidenhose trägt. Sobald sie den Raum betreten, herrscht eine kühle und angespannte Stimmung. Sie begrüßen ihre Töchter herzlich und setzen sich mit an die große Tafel. Selina und Naomi schwant Übles, als die beiden Männer sie betrachten, die mit leicht gespreizten Beinen an der Türe stehen bleiben. Ohne lange um den heißen Brei zu sprechen, fängt Selinas Mutter wieder mit ihrer ausführlichen Ansprache über die Pflichten der Gesellschaft und der Familie an zu sprechen. Und das an einem Sonntagmittag. Konnte es noch schlimmer werden? Mit einem lauten Stöhnen unterbricht Selina den langweiligen Monolog. „Mom, kannst du bitte zum Punkt kommen, warum du hier in unserer Küche bist?“ Ihr Vater runzelt warnend die Stirn und missbilligend erwidert Jill: „Nun gut, mein Schatz, dann kürze ich das Ganze etwas ab. Da du in den letzten drei Wochen mir und deinem Vater bewiesen hast, dass du nicht auf dich alleine aufpassen kannst, haben wir uns gemeinsam entschlossen, dass es besser wäre, dir einen Bodyguard zur Seite zu stellen. Chan und Biggi werden ab jetzt immer bei euch sein.“ Naomis Mutter nickt zustimmend. Selina und Naomi fällt die Kinnlade herunter, als sie diese Hiobsbotschaft hören, wobei Selina als Erste wieder ihre Stimme findet und kampflustig erwidert: „Ist es, weil ich nicht jeden eurer tausend Anrufe entgegengenommen habe, oder weil ich studieren will?“ In dem Versuch einen großen Streit zu vermeiden, nimmt Naomis Mutter das Wort an sich: „Kinder, wir wollen euch nicht bestrafen, wir sorgen uns um euch.“ Ihr Blick hängt fest an Naomi, was Selina kurz verwirrt. Gerade als sie etwas erwidern will, spricht auch endlich ihr Vater ein Machtwort: „Wenn ihr alleine wohnen wollt, könnt ihr das mit Biggi und Chan an eurer Seite tun. Wenn nicht, stehen unsere Haustüren für den Wiedereinzug immer offen!“ Naomi und Selina werfen sich einen verzweifelten Blick zu. Sie wissen nur zu gut, dass sie daran nichts mehr ändern können. Sel reibt sich entnervt über die Augen und seufzt, als ihr Vater die Hände auf seine Oberschenkel klatscht und aufsteht „Und jetzt entschuldigt mich, ich habe noch einen wichtigen Anruf zu tätigen. Ich hoffe, wir haben uns klar und deutlich ausgedrückt.“ Naomis Mutter streift ihrer Tochter noch einmal kurz über den Rücken und ohne weitere Worte verschwinden sie alle so schnell, wie sie gekommen sind. Was für ein Sonntag.
Schlecht gelaunt blickt Sel zu den beiden Männern, die immer noch wie angewurzelt dastehen. „Wollt ihr nur hier rumstehen oder lieber mal die Gegend nach Serienkillern, Vergewaltigern oder schlimmer, alten Rentnern, die mit Ihren Hunden spazieren gehen, Ausschau halten?“, entgegnet Sie ihnen schroff, die sich die ganze Unterhaltung keinen Millimeter bewegt haben. „Naja, Fräulein Montgomery“, sagt Chan mit rauer Stimme, „ich kann mir durchaus auch etwas Schöneres an einem sonnigen Tag in Malibu vorstellen, als auf zwei verwöhnte, reiche Gören aufzupassen. Aber Job ist Job.“ „Aufpassen!?“, äfft Selina ihn spöttisch nach. „Wir sind keine Zwölfjährigen mehr, die nur Unfug im Kopf haben. Wir kommen sehr gut alleine klar.“ Biggy räuspert sich kurz und erwidert dann: „Tut mir leid, Mrs. Montgomery, aber ihre Eltern haben uns eines Besseren belehrt.“ Die beiden Mädels verdrehen entnervt die Augen. Seufzend erwidert Naomi kurz: „Na gut, dann müssen wir uns wohl an diese zwei muskelbepackten Anstands-Wauwaus gewöhnen.“ Selina verschränkt eingeschnappt ihre Arme und lässt sich auf die Rückenlehne fallen.
Genervt von den neuen Ereignissen des heutigen Mittags geht Naomi niedergeschlagen in ihr Zimmer. „Ich muss noch was für das kommende Event von meinem Praktikumsplatz fertigstellen. Also falls du vorhast, es mit den beiden gleichzeitig zu tun, nimm bitte nicht die Couch“, zwinkert sie ihr zu. „Haha“, brummt Sel in ihren Kaffee und verzieht sich auch mürrisch in ihr Zimmer zurück. Ihre Gedanken kreisen noch bis tief in die Nacht umher und sie versucht zwanghaft, eine Lösung für das neu entstandene Problem der Babysitter zu finden. Ein Weg, der ihr wieder die, wenn auch nur kurz gewonnene Freiheit zurückbringt. Auch wenn Chan mit seinem blonden Haar und dem durchtrainierten, breiten Kreuz durchaus in ihr Beuteschema passt.

Am nächsten Morgen, nach einer schlaflosen und viel zu kurzen Nacht, erwacht Selina müde und mit leichten Kopfschmerzen. Sie hat die halbe Nacht verbraucht, um Serien zu schauen, da sie nicht schlafen konnte, und sich fünfmal ein neues Outfit überlegt hat. In Ihrem Lieblingsschlafshirt schleppt sie ihre erschöpften Knochen in die Küche, wo sie der Duft von frisch gebrühtem Kaffee umhüllt. Naomi wartet dort bereits auf sie mit dem aromatisierenden, schwarzen Gebräu, um ihr einen wunderschönen guten Morgen zu wünschen. Sie schleppt sich auf den Hocker am Küchentresen und legt ihre Stirn in ihre Hände. Mit einem frechen Grinsen im Gesicht fragt Naomi: „Naaa, wie war die Nacht mit den zwei Tieren? Hast du sie so fertig gemacht, dass sie heute nicht mehr beim Frühstück beiwohnen können?“ Mit genervtem Blick gibt Selina ihrer Freundin einen Klaps auf den Hinter: „Wenn das beste Stück der beiden nur halbwegs so groß ist wie die Muskeln, würde ich wohl kaum noch hier stehen.“ In dem Moment kommt ein tief vibrierendes Lachen von der Veranda. Chan und Biggi stehen amüsiert an der Tür und betrachten das Spektakel. Mit einem süffisanten Grinsen sagt Chan, ohne auf Selinas Bemerkung einzugehen, zu den Damen: „Ladys, die Uni wartet nicht mit dem Unterricht auf euch, bis ihr mit dem Waschweibergeschwätz fertig seid.“ Die beiden Freundinnen stecken belustigt über seinen mürrischen Ton die Köpfe zusammen und machen sich auf den Weg ins Badezimmer. Nach einer Weile kommen beide top gestylt aus ihrem Zimmern. Ihre wie Seide glänzenden Haare in blond und schwarz fallen locker über die Schultern und mit ihren lässigen Jeansrock und Hotpants sowie lässigen Sportschuhen haben sie ihre eng anliegenden Tops perfekt kombiniert. Als sie das Haus verlassen, sitzt Chan bereits in einem großen SUV und wartet mit offener Türe darauf, dass die beiden einsteigen.

Die Universität ist ca. eine zwanzigminütige Fahrt entfernt und ist am Rande einer wunderschönen Grünanlage gebaut. Viele Studenten liegen mit ihren Büchern an Bäumen gelehnt oder wild unterhaltend in der Sonne. Wieder andere laufen in Grüppchen in das Haupthaus zu den Vorlesungsräumen. Nachdem Chan die beiden abgesetzt hat, schließt sich Selina dieser Gruppe an und sucht in ihrer nudefarbenen Handtasche nach den Schulunterlagen. Die Uni besteht aus mehreren roten Backsteingebäuden und sie hat keine Ahnung, wo ihre erste Lesung stattfindet. Ratlos erreicht sie schließlich die große Eingangshalle, von der verschiedene kleine Gänge in die Nebengebäude führen. Endlich kommt sie bei der Anmeldestelle an, bei der eine nette, ältere Dame ihr freundlich zulächelt. Sie trägt eine dunkle, geschmackvolle Blumenbluse mit einem silbernen Namensschild. „Mrs. Kingston“. Die reizende Dame erklärt Selina alles, was sie wissen muss und gibt ihr noch einen kleinen Lageplan mit auf den Weg. Nachdem sie ihre Vorlesungsräume gefunden hat, findet sie auch schnell Anschluss. Sie setzt sich neben eine kleine Blondine namens Peggy mit der sie sich auf Anhieb gut versteht.

Der erste Uni-Tag ist geschafft. Selina ist überwältigt von den vielen Eindrücken und Kommilitonen, die sie kennengelernt hat. Das Collegeleben ist der Hammer. Sie kann es gar nicht abwarten, dass es so richtig los geht und sie viel über Mode lernen kann. Es war schon immer ihr größter Wunsch, selbst etwas designen zu können. Schon als kleines Mädchen hat sie mit der Nähmaschine ihrer Oma kleine Taschen oder Puppenkleider genäht.

Am späten Nachmittag ist sie mit ihrer Mutter Jill zum Lunch verabredet. Wie gewohnt sitzt ihre Mutter perfekt gestylt in einem weiß-blauen Kostüm an einem Zweiertisch mit Aussicht auf den Pier. Ihr liebevoller Blick erfüllt Selina mit Glück. Strahlend geht sie auf ihre Mutter zu und gibt ihr einen zärtlichen Kuss auf die Wange. Jill begutachtet ihre Tochter mit einem sorgenvollen Blick. „Mein Schatz, wie geht es dir? Du siehst müde aus. Bist du dünner geworden?“ Lachend erwidert Selina: „Mama, ich bin doch gerade mal einen ganzen Tag von zu Hause weg.“ „Eine Mutter sorgt sich immer um ihre Kinder“, Tadelt sie ihre Tochter. „Wie gefällt euch denn euer neues zu Hause?“ Selinas Augen beginnen zu strahlen. „Es ist der absolute Hammer. Diese großen Zimmer und der Blick auf das Meer … ein Traum.“ Schmunzelnd freut sich ihre Mutter über diese Worte. „Es freut mich, dass es euch gefällt. Dein Vater und ich hatten übrigens ein langes Gespräch mit Naomis Eltern Charly und Beth und sind zu dem Entschluss gekommen, dass es für euch beide besser wäre, noch eine Haushälterin zu haben.“ Selina lässt sich seufzend in ihre Stuhllehne fallen. „Wieso denn das? Reichen nicht schon die zwei Clowns?“ „Katy von meinem Yoga Kurs hat mir zwei fleißige und vertrauenswürdig Schwestern empfohlen, die sich sehr gut um euch kümmern werden. Somit könnt ihr euch voll auf eure Uni konzentrieren und die beiden versorgen euch mit Essen und halten das Haus sauber. Sonst fällst du mir noch vom Fleisch, mein Schatz!“ Selina wendet genervt den Blick zum Pier. „Ach Mom, du machst dir jetzt schon viel zu viele Gedanken. Du musst loslassen können. Ich bin 21 Jahre alt! Ich komme schon alleine klar. Und was sollte das überhaupt mit den zwei Bodyguards?“ Jill sieht ihre Tochter mit einer hochgezogenen Augenbraue an und sagt in ruhigen und ernsten Worten: „Selina Montgomery, dein Vater hat hart für das Leben, das wir führen, gearbeitet. Deine Sicherheit steht für uns an erster Stelle.“ Mit wütenden Augen starrt Sel ihre Mutter an. „Und was ist mit meinem Leben, mit meiner Freiheit? Ich bin jetzt auf dem College und von zu Hause weg, ihr könnt mich nicht weiterhin kontrollieren und einsperren.“ Jill winkt dem Kellner zu, bestellt zwei Steaks mit Caesar Salat, bis sie sich wieder zu Selina wendet. „Du bist eine Montgomery, wir haben einen Ruf zu verlieren und du weißt, dass mit den Neidern nicht zu spaßen ist. Es ist beschlossene Sache!“ Ohne das Thema noch einmal aufzugreifen, lassen sich die beiden stillschweigend ihr Essen schmecken.

Am späten Abend kommt Selina endlich zu Hause an und macht es sich auf der Couch bei Naomi gemütlich. „Wie war dein erster Tag als angehende Eventmanagerin, Na?“ „Oh mein Gott, Sel, es gibt so heiße Typen in meinem Studiengang. Die solltest du sehen. Einer leckerer als der andere.“ Selina schürzt ihre Lippen. „Die musst du mir wohl einmal vorstellen.“ Naomi lacht auf. „Geht klar! Apropos lecker, wo sind denn unsere Wach-Hündchen?“ Selina antwortet schmunzelnd: „Die beiden stehen unten vor der Tür und beschützen uns vor den ‚bösen Rentnern‘“. Na verdreht ihre Augen und wirft einen Blick auf ihr Handy. „Komm, lass uns doch auf ein paar Drinks in eine Bar gehen.“ Schlägt sie vor. Da lässt sich Selina nicht zweimal bitten. Die beiden springen auf und suchen sich heiße Outfits aus ihrem Schrank aus. Naomi entscheidet sich für eine knallenge, löchrige Jeans mit einem zu kurzen, grauen Bandshirt und knallrote Lippen. Selina zieht ein weißes Shirt mit ihrem geliebten Glitzerrock an, mit dem sie es schon geschafft hat, den einen oder anderen jungen Mann den Kopf zu verdrehen. Die beiden stöckeln mit ihren voluminös gelockten Haaren die Treppe herunter, wo Chan und Biggy die Tür bewachen. „Wir wollen feiern gehen“, sagt Sel schnippisch und huscht an ihnen vorbei. Biggy hält sie am Arm fest und sagt in einem bestimmenden Ton: „Wir fahren euch!“ Schon gleich bugsieren die beiden Männer die aufgebrezelten Damen in den schwarz glänzenden Wagen, der einsatzbereit vor der Tür wartet.

Im Club angekommen pulsiert die Musik des DJs in ihren Ohren und bringt die Menge zum Toben. Schon beim Betreten des Ladens dreht sich der ein oder andere Gast nach ihnen um. Ohne sich zuerst einen Platz zu suchen, zerrt Naomi Sel auf die Tanzfläche. Lasziv und schwungvoll bewegen sie ihre Körper zum Beat. Nach ein paar heißen Moves holt Selina zwei Wodka-Shots, die die beiden mit einem Zug vernichten. Und noch zwei, und noch zwei. Immer wieder versuchen sich männliche Wesen an sie heran zu pirschen, aber außer ein paar flirtende Blicke oder ein kleines Lächeln bekommen diese nichts hin. Als die Stimmung am Höhepunkt ist und die beiden nach und nach den Alkohol im Blut merken, fühlt Sel zwei große Hände auf ihren Hüften. Er beginnt sich langsam in ihrem Takt zu bewegen. Als sie sich umdreht, steht ein durchtrainierter und dunkelhaariger Latino vor ihr, der sie mit seinen dunklen Augen verschlingt. Seine Arme sind übersehen mit Tattoos und seine Kieferknochen schießen beim Kauen seines Kaugummis hervor. Mit einem Schwung dreht er sich wieder um und drückt seinen Adonis Körper an ihren wohlgeformten Po. Gemeinsam lassen sie die Hüften zum Rhythmus schwingen. Sie fühlen die Musik und blenden alles um sich herum aus. Mit einem Finger befreit er ihre Schulter von ihrem offenen Haar und flüstert leise mit einem feurig spanischen Akzent in ihr Ohr: „Baby, du bist so heiß! Deine Hüften bringen mich um den Verstand.“ Sie genießt es, seinen heißen Atem an ihrem nass geschwitzten Hals zu spüren und dreht sich zu ihm um. Ihre willigen Blicke treffen sich sofort und er leckt sanft an ihrer Unterlippe. Ihre Hände erforschen seine breiten Oberarme und streichen an seinem durchtrainierten Bauch hinunter. Er fragt sie nach einer Weile des gleichmäßigen, rhythmischen Bewegens, wie sie heißt und ob sie alleine hier ist. „Mein Name ist Selina.“ Ihr suchender Blick schwirrt durch den Raum, als sie Naomi an der Bar mit einem jungen, gutaussehenden Mann sieht. „Nein“, antwortet sie, „aber meine Freundin ist momentan in besten Händen.“ Mit einem sinnlichen Lächeln sagt er: „Was für ein wunderschöner Name … Selina. Ich heiße Davidé.“ Er gleitet mit seinem Bein zwischen ihre, packt sie und küsst sie innig am Hals. Sie merkt, wie sie innerlich kocht und ihn am liebsten direkt auf der Tanzfläche vernaschen würde. Als plötzlich die Musik umschwenkt, gibt es für ihn kein Halten mehr. Er lässt seine Hüfte kreisen und drückt seinen Venushügel fest an sie ran, während er mit seinen großen Händen ihren Hintern packt. Ihre Körper verschmelzen und sie tauschen heiße Küsse aus. Er gleitet mit seinen Fingern durch ihre Haare und drückt ihren Kopf noch fester an seinen, sodass er mit seiner Zunge wilde Spielchen in ihrem Mund vollziehen kann. Langsam küsst er ihren Hals entlang, bis er an ihrem Ohrläppchen angekommen ist. Dort beginnt er zu knabbern und haucht ihr ins Ohr, ob sie ihn nach Hause begleiten möchte. Gänsehaut sprießt ihr über den Körper. Sie hat nur auf diese Frage gewartet. Sie legt eine Hand in seinen Nacken und zieht ihn nah an sich heran. „Ich würde dich sehr gerne begleiten“, stöhnt sie in sein Ohr. Beschwipst und beflügelt von Lust packt sie in an der Hand und torkelt zu Naomi an die Bar. Sie beugt sich zu ihr und gibt ihr mit einem verschmitzten Grinsen Bescheid, dass sie den Club mit Davide verlässt und sie noch ihren Spaß haben soll. Naomi gibt ihr einen Kuss auf die Wange und Sel zwinkert ihr zu, bevor sie mit Davidé an ihrer Hand in Richtung Ausgang schlendert.

Nicht unweit davon wartet Biggy vor dem schwarzen SUV, um sie nach Hause zu bringen. Mit kleinen Laufschritten auf ihren Heels taumelt sie zu ihm auf die andere Straßenseite. Mit leicht belustigtem Ton fragt sie ihn: „Stehst du hier etwa schon die ganze Zeit? Hast du nichts Besseres zu tun? Du hättest nicht warten müssen. Ich werde von ihm nach Hause gebracht“, und zeigt mit dem Finger auf Davidé, der ein paar Meter entfernt steht und auf sein Handy starrt. „Eigentlich ist mir das nicht gestattet, Sie mit fremden Männern ohne Personenschutz mitgehen zu lassen, Mrs. Montgomery.“ „Und Ihnen ‚Mr. Bodyguard‘ ist es nicht gestattet, mich auf Schritt und Tritt zu verfolgen“, sagt sie und formt mit ihren Fingern Anführungszeichen in der Luft. Mit einem genervten Blick dreht sie sich um und geht. Ihr Latino-Lover hat in der Zwischenzeit ein Taxi gerufen und sie beide steigen ein. Sein Apartment ist nicht weit entfernt, aber es kommt ihr ganz recht, denn langsam schmerzen ihre Füße in den Schuhen. In der Wohnung angekommen, fallen die beiden sofort übereinander her. Sie reißen sich die Klamotten vom Leib und hinterlassen damit eine Spur bis hin zum Schlafzimmer, wo sie sich in seinem Bett hingeben, bis Selina irgendwann einschläft.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 270
ISBN: 978-3-95840-969-9
Erscheinungsdatum: 06.02.2020
EUR 16,90
EUR 10,99

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