Auf die Liebe muss man warten

Auf die Liebe muss man warten

Peik Volmer


EUR 17,90
EUR 10,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 384
ISBN: 978-3-95840-333-8
Erscheinungsdatum: 16.01.2017
Jede Liebe und Beziehung ist einzigartig und hat ihre ganz besondere Geschichte - diesen wird hier behutsam nachgegangen. Und dann ist da noch die Gemeinschaftspraxis für Urologie, um die sich weit mehr Geschichten ranken, als man für möglich hält!
Worum geht’s?

Ja, es handelt sich nicht NUR um eine Liebesgeschichte. Und nicht nur um EINE Liebesgeschichte. Aber was soll man machen, wenn plötzlich der Lebensgefährte stirbt und man unsicher ist, ob man sich wieder verlieben darf? Was soll man tun, wenn man sich in eine Frau verliebt, die offenbar so gar nicht zu einem zu passen scheint? Wie soll man sich verhalten, wenn man merkt, dass man außerhalb gesellschaftlich akzeptierter Normen liebt und deswegen auf Widerstände stößt? Wenn eine Liebe zerbricht? Wenn eine Liebe Opfer fordert? Wenn man sein Glück findet, nur, um es gleich wieder loslassen zu müssen?

Ganz normale Themen, ganz normale Leben. Bei allem unvermeidlichen, gelegentlichen Kummer bleibt die Grundstimmung heiter, und es zeigt sich, dass nur eins wirklich wichtig ist: Die Hoffnung darauf zu behalten, am Ende zusammen zu sein.

Ach so, ja. Die handelnden Personen sind echt. Sie heißen natürlich anders. Und sie sehen ganz anders aus, als Sie es sich vorstellen. Aber: Eine gewisse Ähnlichkeit mit lebenden oder bereits verblichenen Personen ist zwangsläufig! Die Handlung ist aus wahren Geschichten zusammengesetzt. Geschichten, die Peik selbst erlebt/erlitten hat. Fröhliche Geschichten, die ihn noch heute lächeln lassen. Traurige Geschichten, die er niemals mehr wieder erleben möchte. Geschichten jedenfalls, die ihn beeinflusst und geprägt haben.



Zu Beginn gleich das Ende?

Ich starb an einem Donnerstag. Daran ist insoweit nichts Ungewöhnliches. Der eine oder andere mag es ärgerlich finden; ausgerechnet am Donnerstag, die Woche so gut wie geschafft, nur noch Freitag, dann folgt endlich das Wochenende … Kurz vorher zu sterben, kommt doch ein wenig ungelegen. Dann lieber montags, wenn ein mit Arbeit gefüllter Schreibtisch im Büro oder ein übellauniger Chef in der Werkshalle oder lauter Kunden warten, so ungeduldig wie anspruchsvoll. Pech gehabt, meine Damen und Herren! Ich bin raus aus der Nummer!
Nein, an dem Wochentag hatte ich an sich nichts auszusetzen, wohl aber an der Jahreszeit. Für mich sind die schönsten Zeiten im Jahr Weihnachten, wenn die feierliche, mystische Dunkelheit von glänzenden, frohen Lichtern voller Hoffnung durchbrochen wird, und der Frühling mit seinem jungen Grün und den Pflanzen, die, aus der Erde keimend, vom Werden und Neubeginn künden.
Aber dieser Donnerstag war nun einmal der 5. Dezember, und ich empfand es als Bruch meines kleinen Handels mit dem lieben Gott, dem ich das – zugegeben – eher einseitige Versprechen abgenommen hatte, keinesfalls vor Weihnachten und damit, streng genommen, ja auch nicht vor dem Frühling, diese Welt verlassen zu müssen.
Als ich erwachte, war zu meiner Überraschung der Himmel gekachelt, es roch nach Steak, und in der Ferne war statt himmlischer Chöre nur ein gleichmäßig-rhythmischer Pfeifton zu hören.
„Na also. Da isser ja wieder“, sagte eine nicht unbedingt engelsgleiche, heisere Frauenstimme mit unverkennbar norddeutschem Akzent.
Blinzelnd erkannte ich, dass das helle Licht nicht der Quelle ewiger, erlösender, göttlicher Liebe am Ende eines Tunnels entstammte, in deren Richtung ich mich nun in Bewegung zu setzen hatte, sondern von einer Deckenlampe der Intensivstation einer Klinik gespendet wurde. Und den Geruch nach verbranntem Fleisch hatte offenbar der Defibrillator beim Versuch, mir die Chance auf ein Weihnachtsfest zu erhalten, auf meinem Brustkorb produziert.
Kennen Sie das auch? Manchmal sitzt man da und wird übermannt von Nachdenklichkeit, zum Beispiel am Ende eines Lebens, oder, meinethalben, auch am Ende eines langen, anstrengenden Arbeitstages …
Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich meine keinen frustrierenden, erschöpfenden Arbeitstag, an dem man hässliche Briefe von der Sparkasse und dem Finanzamt verkraften muss, Streit mit den Kollegen, den Nachbarn, der Steuerberaterin, die mal wieder mehr für die Behörde zu arbeiten scheint als für einen selbst, Rechnungen.
Den täglichen Druck, eben, dem Sie genauso wie ich immer wieder ausgesetzt sind … Nein, ich meine hier einen ganz normalen, durchschnittlichen Arbeitstag mit seinem geregelten Ärger, nicht besonders bedeutend. Einer von diesen Tagen, von denen man, würde man als Tatverdächtiger von der Polizei verhört, schon eine Woche später nicht mehr würde sagen können, was man um 19:34 Uhr getan habe, und vor allem, ob es Zeugen dafür gäbe.
Ja, manchmal sitzt man da, wie paralysiert, an seinem Schreibtisch, obwohl man längst hätte nach Hause gehen können. Die Mitarbeiter haben sich verabschiedet, bis morgen, schönen Abend noch, das Tagwerk ist vollbracht, aber man ist noch nicht fertig, irgendwie.
Haben Sie keine Angst. Dies hier hat kein neurotischer, depressiver Egozentriker geschrieben, der seine seelischen Konflikte auf Ihrem Rücken austragen möchte. Aber ich habe schon Lust, Sie ein wenig an meinem offenbar doch noch nicht ganz beendeten Leben teilhaben zu lassen. Vor allem schon deswegen, weil mich seit Jahren eine Frage umtreibt, deren Beantwortung ich mir durch Sie erhoffe. Können Sie mir dabei helfen?
Als ich endlich merkte, dass mein Interesse an Frauen nicht dem entsprach, was man von mir erwartete – weil es gemeinhin von männlichen Individuen erwartet wird – war ich zunächst erschrocken, habe mich dann aber sehr schnell damit abgefunden. Wenn man verliebt ist, zum ersten Mal, ist das nicht so schwer. Sich abzufinden, meine ich.
Aber lassen Sie mich der Reihe nach erzählen. Es wird schon nicht zu lang werden. Das Leben kann ja sehr schnell vorbei sein, wie wir eben gelernt haben …



Rotbarschpfanne à la Caroline

Caroline war zu Tode erschrocken. Eben hatte sie an Lars gedacht und in Gedanken mit ihm geredet. Meist schimpfte sie. Innerer Monolog. Andernfalls hätten die Leute angenommen, sie sei übergeschnappt.
Wie konntest du mich mit allem hier allein zurücklassen? Hättest du nicht besser auf dich achten können? Du warst doch Arzt. Du von allen Menschen hättest wissen können … Sie hatte das Radio eingeschaltet, und in der nächsten Sekunde war der Raum erfüllt von ‚ihrem‘ Lied …
„Ich liebe dich“, formten ihre Lippen leise, während die Tränen ihre Wangen herunterliefen.
„Mama! Mama! Ich habe überhaupt kein frisches Hemd mehr im Schrank! Mama, hörst du? So kann ich unmöglich rausgehen! Du hattest doch versprochen, zu bügeln … Mama!“
Das letzte lang gezogene ‚Mama‘ hörte sich wirklich vorwurfsvoll an. Der blonde junge Mann stand, nur mit seiner Jeans bekleidet, rat- und hilflos mit freiem Oberkörper, der sich aufgrund regelmäßiger sportlicher Betätigung in einem Studio allerdings sehen lassen konnte, vor dem Kleiderschrank mit der großen, verspiegelten Schiebetür und betrachtete sein Abbild mit nachdenklicher Zufriedenheit, aber auch ein wenig schmollend.
Caroline te Loosen wischte mit den Handrücken über ihre Augen. Sie stand in ihrer Küche und bereitete eine bereits im Frühstadium ihres Entstehens lieblich duftende Fischpfanne zu, eins ihrer Standardgerichte.
Sie hatte das Rotbarschfilet in Streifen geschnitten und bereits Salz, Pfeffer und Zitronensaft sowie etliche Tomatenviertel dazugegeben, als ihr auffiel, dass das für den Wohlgeschmack unerlässliche frische Bohnenkraut fehlte. Thymian? Nein, nur im äußersten Notfall. Aber: Woher Bohnenkraut nehmen und nicht stehlen? Wochenmarkt war erst morgen! Vielleicht hatte ja der Supermarkt … Sie öffnete die Küchentür.
„Malte, Schatz, kannst du kurz für mich zum Supermarkt fahren? Ich brauche ein Bund Bohnenkraut!“
Ihres Erstgeborenen Stimme klang nach echter Verzweiflung.
„Ich habe kein Hemd, Mama!“
Sie stieß einen pfeifenden Ton zwischen Zunge und Zähnen hervor. „Kein Hemd? Wenn ich bitten dürfte …“
Mit einer einladenden Handbewegung winkte Caroline ihren 21-jährigen Sohn in den an ihr Schlafzimmer angrenzenden Raum, der als Mittelzimmer bezeichnet wurde. Dort standen ihr Kleiderschrank, eine alte Kommode, und, aufgeklappt, das Bügelbrett, auf dem neben dem aus der Steckdose gezogenen Bügeleisen in zwei sorgfältig sortierten Stapeln Maltes Oberhemden und T-Shirts, penibel geglättet, Kante auf Kante, lagen.
„Du bist die Beste, Mama!“ So tat Malte seine Begeisterung kund und bedeckte den bloßen Oberkörper mit einem pinkfarbenen Vichy-Karo-Hemd, unter das er ein weißes T-Shirt gezogen hatte.
„Du solltest mal wieder zum Friseur, Liebling! Deine Haare sind so lang, du kannst ja kaum noch was sehen!“
In Maltes Stimme deutete sich Mitleid an. „Du hast leider, wie so oft, keine Ahnung, Mama. Das gehört so. Das trägt man jetzt so.“
„Aha.“
Resigniert nahm Caroline die Expertise in Sachen Herrenhaarschnitte zur Kenntnis. „Könntest du dann für mich zum Supermarkt …“
„Ach Mama, du weißt doch, dass ich zur Vorlesung muss!“
„Ja, das ist natürlich wichtig, das sehe ich ein. Lass nur, ich fahre schnell selbst! Aber stell dich schon mal seelisch auf einen Kurs im Bügeln ein. Du kannst als Vorbereitung aufs wirkliche Leben ruhig ein wenig Hausarbeit lernen. Kochen werden wir auch gemeinsam.“
„Was hast denn für heute Feines zubereitet? Rieche ich da etwa …“ „Genau! Dein Leibgericht: Rotbarschpfanne! Möchtest du Pellkartoffeln oder Reis dazu?“
„Mach bitte Reis, ja? Kartoffeln pellen find ich doof! Oder du musst das für mich machen! Ich hab dich mehr als ziemlich lieb!“
Seine Mutter zog eine Augenbraue hoch.
„Vorsicht, Vorsicht. Du flirtest mit Dynamit!“
Gott sei Dank kann ich mir meine Zeit einteilen, dachte Caroline te Loosen, als sie an der Supermarktkasse in der Schlange stand, um das Bohnenkraut und das Töpfchen Creme fraîche zu bezahlen.
Wie immer wunderte sie sich darüber, dass sich die Schlangen an den anderen Kassen zügig aufzulösen schienen, während es hier einfach nicht weiterging. Vier Einkaufswagen vor ihr stand eine blonde junge Frau, solariumgebräunt, die, einer vom Tanz ermüdeten Bajadere gleich, langsam jedes gekaufte Produkt, das die Kassiererin über den Scanner gezogen hatte, in ihren Korb bettete. Sehr vorsichtig, um die überlangen Fingernägel, offensichtlich Schöpfung der übereifrigen Inhaberin eines Nagelstudios, nicht versehentlich zu beschädigen.
„54 Euro und 67 Cent“, stellte die Kassiererin trocken fest. Die junge Frau beugte sich nach vorn und musterte das Display der Kasse ausgiebig, als handelte es sich wenigstens um Rodins „Denker“. Sodann grub sie in ihrer Umhängetasche verzweifelt nach dem Portemonnaie. Der Herr vor Caroline ächzte.
„Das darf doch nicht wahr sein!“, murmelte er wütend halblaut. Ungerührt zählte die Blonde die 4 Euro 67 in kleinen Münzen vor, eine akrobatische Leistung angesichts der modellierten überlangen Fingernägel, auf die die kreative „Designerin“ zu allem Überfluss noch Strasssteinchen geklebt hatte. Die Atmosphäre schmeckte bedenklich nach Lynchjustiz. Caroline war am Rand ihrer Belastbarkeit angekommen. Sollte sie wechseln? Zu ihrer Linken schob der letzte Kunde seinen Wagen an das Förderband … Sie entschloss sich.
„Gestatten Sie, bitte …“
Sie verließ den Platz in ihrer Schlange und schickte sich an, hinüberzugehen, als hinter einem Regal ein junges Ehepaar auftauchte und sie blitzschnell mit ihrem vollen Einkaufswagen überholte. Caroline drehte sich um, wurde aber von den Einkäufern in ihrer ehemaligen Schlange feindselig und kampfbereit gemustert.
„Es ist offenbar nicht wirklich mein Tag“, dachte sie.
Als Narkoseärztin reichte ihr eine Halbtagsstelle in der kleinen Privatklinik vollkommen aus. Die Patienten dort waren privat versichert oder Selbstzahler, da es sich bei den Operationen meist um kosmetisch-plastische Eingriffe handelte.
Von Montag bis Donnerstag führte sie ihre Narkosen durch. Zudem hatte Lars ihr nicht nur die Immobilie, in der sie wohnte, und seine Praxis, sondern auch die Bezüge aus dem Versorgungswerk für Ärzte hinterlassen. Der Erlös durch den Verkauf der urologischen Praxis war zwar hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben, aber finanzielle Sorgen kannte sie trotzdem nicht. Das Haus war abbezahlt, darauf hatte Lars bestanden.
Sein Tod war für alle überraschend gekommen, ja, gewiss, er hatte schon immer zu viel geraucht, aber trotzdem konnte niemand das akute Herzversagen des sonst so aktiven, sportlichen Mannes erklären.
Er war nur 48 geworden. Wie beruhigend, Malte war noch im Haus. Sie wusste, dass sie ihn eigentlich schon längst hätte loslassen sollen. Er selbst schien sich ja im ‚Hotel Mama‘ ganz wohlzufühlen. Aber machte sie ihn damit nicht auch unselbstständig? Eine Nabelschnur war ja nun immerhin keine Fangleine! Egal. Vielleicht noch ein oder zwei Jahre. Bis er auf eigenen Beinen stehen konnte. Nach seinem Studium.
Er war ihrem verstorbenen Mann wie aus dem Gesicht geschnitten, und wenn sie miteinander am Frühstückstisch saßen, verflogen die schmerzlichen Erinnerungen an die alten Zeiten; Malte erzählte von der Uni, sein Lachen klang wie das Lachen seines Vaters, und in Wirklichkeit nahm Caroline manchmal nicht so sehr die Inhalte, sondern nur die Schwingungen seiner Stimme, seinen Gesichtsausdruck und seine Bewegungen wahr. Ja, so hatte Lars auch geklungen und den Kopf nach links geneigt und am Ohrläppchen gezogen, wenn er vergnügt war.
Gewiss, natürlich. Sie hätte sich auch nach Lars’ Tod wieder neu binden können.
Nach dem unfassbaren Ereignis, das nun mehr als ein Jahr her war, hatte es durchaus Männer gegeben, die Interesse an ihr bekundeten.
Warum auch nicht?
Sie war eine intelligente, witzige und schöne Frau, blond, schlank, gerade 39 Jahre alt. Dennoch: Allein der Gedanke, sich auf jemand anderen einlassen zu wollen, kam ihr wie ein Betrug an Lars vor. Sie war noch nicht so weit.
Allerdings hatte Greta sie gewarnt. Ihre drei Jahre ältere Schwester, die in ca. 700 Kilometer sicherer Entfernung lebte, mischte sich mit beunruhigender Leidenschaft in das Leben ‚des Kindes‘, wie sie Caroline gern nannte, ein. Der Satz ‚Ich habe es ja gleich gesagt‘ zog sich wie ein roter Faden durch ihr gemeinsames Leben.
Greta hatte immer alles gleich gesagt, wusste immer alles im Voraus, war besonnener, klüger, erfahrener als die kleine Schwester. Es gab nichts Gefahrvolleres, als Greta um ihre Meinung zu bitten, wenn man nicht von vornherein vorhatte, dieser blind zu folgen. Nach einiger Zeit würde sie nachfragen, und wenn man dann zugab, man habe das Problem doch nach eigenem Gutdünken gelöst, konnte sie darauf sehr ungehalten reagieren.
„Wozu holt ihr denn überhaupt meinen Rat ein, wenn ihr alles besser wisst? Dann fragt mich doch gar nicht erst, wenn meine Meinung so egal ist!“ „
Und dennoch: Sie liebte die kleine Schwester über alles und fühlte sich für sie verantwortlich. Leider übertrieb sie es gern.
Das Klingeln des Telefons riss Caroline aus ihren Gedanken.
„Te Loosen?“
„Hier auch.“
Es erfüllte sie nie wirklich mit Begeisterung, die etwas knurrige Stimme ihres Schwiegervaters zu vernehmen. Seine emotionale Bandbreite bewegte sich zurzeit zwischen Klagen und schlechter Laune; sonst war er meist grimmig aufgelegt, wirklich heiter hatte sie ihn nur einmal erlebt, nämlich, als kürzlich der Hund des Nachbarn überfahren wurde. Harro Te Loosen hatte dem armen Tier die Schuld daran gegeben, dass die Nadeln einiger Tannen, an denen der Terrier regelmäßig sein Bein hob, sich zunächst braun-gelb verfärbten, dann abfielen und ein dröges, totes Tannenskelett zurückließen.
„Ich habe heute Nacht Blut gepinkelt. Meinst du, das hat was zu bedeuten?“
Erschrocken sank Caroline auf einen Sessel.
„Wie lange hast du das schon?“
„Vor drei Monaten ist es schon passiert, so ca. eine Woche lang, dann hat es aber aufgehört, und ich dachte, alles ist wieder in Ordnung … Man will ja auch niemandem zur Last fallen!“
„Vater!“
„Na ja? Ihr habt doch euer eigenes Leben, und seit Lars’ Tod meldet ihr euch nur noch höchst selten!“
Caroline wusste, dass es wenig Sinn machte, zu widersprechen. „Du musst dringend zum Urologen. Soll ich einen Termin bei Dr. Weihermüller machen?“
„Mir bleibt aber auch nichts erspart“, seufzte der alte Mann.
Caroline verteilte das Bohnenkraut großzügig über die Fisch- und Tomatenwürfel und stellte den Topf bei mittelstarker Hitze auf den Herd. Sie drehte die Würfel vorsichtig, beinahe liebevoll, mit dem Pfannenwender, damit der Fisch nicht zerfiel, als plötzlich das Telefon klingelte.
„Te Loosen, guten Tag?“
„Greta Gabriel hier, hallo Schwesterherz!“
Caroline zuckte zusammen.
„Hallo Gretchen! Du, warte mal, ich muss mal eben den Herd kleiner stellen, sonst verschmort mir der Rotbarsch!“
Sie legte den Hörer ab, regelte die Temperatur herunter und ergriff das Telefon erneut.
„So, da bin ich wieder! Alles in Ordnung bei euch?“
„Sag mal: Rotbarsch? Ist das klug? Der kann doch unmöglich frisch sein bei euch da unten! Aber du musst es ja wissen! Nein, also: Ja, alles in bester Ordnung! In allerbester, sogar! Melly heiratet!“
„Greta, wie schön! Ich freue mich für euch! Wer ist denn der Glückliche?“
test
5 Sterne
Wunderbares Buch geht zu Herzen - 16.03.2017
M. Dalldorf

Ich habe dieses Buch tatsächlich als Strandschmöker für den Urlaub gekauft. Nachdem ich den Inhalt gelesen hatte, dachte ich, dass es evtl. einzelne abgeschlossene Geschichten seien, da man dann öfter unterbrechen kann.. Aber ich war angenehm überrascht. Es ist EINE Geschichte, durchzogen von Liebe, Problemen (wobei das Buch durchweg irgendwie positiv ist) und Schönem. Ich war so froh, dass es nicht so schnell endete. Gefesselt vom Inhalt musste und wollte ich weiterlesen. Obwohl ich überhaupt nicht neugierig auf das Ende war.. weil jedes Kapitel einfach inhaltlich schön war, spielte der Ausgang für mich kaum eine Rolle. Ich wollte allerdings nicht, dass es überhaupt endet! Ich gebe hier 5 Sterne, weil dieser für mich ganz unbekannte Autor anscheinend sogar sein Erstlingswerk (oder schreibt unter Pseudonym?) so etwas Spannendes und ans Herz gehendes verfasst hat. Mir rollten dabei öfter die Tränen, vor Rührung, vor Freude, Trauer... ja, fast schon ein wenig kitschig am Ende, aber positiv! Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig- gerade am Anfang. Da wird gesprungen, leider teilweise ohne Absatz und ich fragte mich, ob nun eine Seite fehle. Das gab sich aber schnell, entweder weil man sich daran gewöhnte, oder es etwas weniger mit den Sprüngen wurde.(hierfür könnte man über 1/2 Stern Abzug diskutieren..aber das Gesamtwerk überwog und hat die 5 Sterne verdient). Gut haben mir die kurzen Kapitel gefallen, ja und die Geschichte bunt und prall mit Leben gefüllt. Alltägliches, was zu Herzen geht. Ich hoffe, es gibt bald mehr zu lesen! Ich finde, es ist nicht nur ein Strandschmöker, sondern ein Buch, womit man gut aus dem Alltag aussteigen und abtauchen kann, egal wo und wann. Schöner Fernsehersatz.

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