Sonstiges & Allerlei

Auch ungewollt Single?

Marion von Kahlau

Auch ungewollt Single?

Leseprobe:

Prolog

Laut Wikipedia besagt Murphys Gesetz:
„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“
oder auch:
„Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen!“

Das Leben ist schön!

Besonders, wenn man nicht alleine in dieser Welt lebt, nicht alleine sein Dasein fristet, nicht alleine jeden Abend in seinem gemütlichen Heim sitzt, nicht alleine im Urlaub die Sonnenuntergänge betrachtet.

Daher wollte ich, wie Millionen anderer auch, eine Familie haben: Mutter, Vater, Kinder.

Die ersten dreißig, fünfunddreißig Jahre meines Lebens dachte ich: Das ergibt sich von alleine.

Dann unternahm ich alles, was mir so einfiel:
Ich machte mehrere Familienaufstellungen.
Ich schloss mich Single-Reisegruppen an.
Ich ging zu Wahrsagerinnen.
Ich gab Zeitungsannoncen auf.
Ich schrieb nette Zeilen auf fremde Zeitungsannoncen.
Ich ging mehrfach zum Speed-Dating.
Ich nahm an kinesiologischen Sitzungen teil.
Ich ließ meine Aura kontrollieren.
Ich machte bei Matrix-Seminaren mit.
Ich ging zum Handleser.
Ich ließ meine Meridiane im Körper in Gleichklang bringen.
Ich war auf Gedanken-Doping-Seminaren.
Ich hörte nachts passende Affirmationen.
Ich las alles an Büchern über die Themen „Männer“ und „Liebe“.
Ich las alles an Büchern über „Wie werden Wünsche wahr?“

Ich arbeitete viel und hart. Ich lernte in jungen Jahren sehr viele verschiedene Menschen kennen, mit denen mich auch zum größten Teil heute noch enge Freundschaften verbinden.
Ich habe sehr viele Freunde und Bekannte, mit denen ich schöne gemeinsame Aktivitäten genieße. Aber eine gewisse Leere in meinem Leben ist immerzu latent vorhanden, denn das Leben zerrinnt mir irgendwie ungenutzt zwischen meinen Fingern. Mir fehlt meine Familie. Ich vermisse sie. Die eigene Familie, die ich nie hatte.
Denn es ist wie verhext. Mein Leben wird von irgendeiner Macht sabotiert. Jeder kennt die Tage, an denen nichts klappen will. Und jeder kennt die Höhen und Tiefen des Lebens. Aber ich frage mich regelmäßig, wann nach meinen ganzen Tiefschlägen oder skurrilen Ereignissen auch mal ein Hoch auf mich einprasselt.

Und ich frage mich, warum es partout keinen Freund, keinen Mann, keine Familie für mein Leben gibt.



Januar

Wenn nicht geschehen wird, was wir wollen,
so wird geschehen, was für uns besser ist.
– Martin Luther –

Da sitze ich nun. Draußen ist es dunkel, obwohl es erst Mittag ist. Es wird heute gar nicht hell, auch das bisschen Schnee erhellt den trüben Tag nicht. Es wäre ein Tag zum Vögeln, aber ich muss ja schon froh sein, dass ich Weihnachten und Silvester überhaupt wieder überlebt habe, so ohne Mann, ohne Freund, ohne Sex. Jedes Jahr die gleiche besinnliche Zeit, die mich von Jahr zu Jahr mutloser werden lässt. Ich war, wie immer zu Weihnachten, bei dem übrig gebliebenen Rest meiner Familie in meiner Geburtsstadt Worpswede bei Bremen. Dieses Jahr hat mein leicht angetrunkener Onkel Knut, ein Nachzügler meiner Oma und daher nur drei Jahre älter als ich, mir ein besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht. Er hat mir ganz lieb erklärt, dass mit mir einfach etwas nicht stimmen könne. Eine Frau, noch dazu eine einigermaßen attraktive Frau wie ich, die schon so lange Single sei, da könne irgendetwas richtig Gravierendes einfach nicht stimmen. Na toll, gerade dass ich nicht sofort in Tränen ausgebrochen bin bei seinen doch liebevoll gemeinten Worten. Aber im Laufe der vielen Jahre bin ich ja cool und taff geworden und stehe grundsätzlich über den Dingen. Oder?
Dabei ist mein sehnlichster Weihnachtswunsch seit ewigen Jahren ganz einfach. Ich will einen Ehemann, einen Lover, zumindest einen Freund. Einen Mann für mich, den ich liebe und der mich liebt. Nicht mehr und nicht weniger. Gar nicht mal, um ihn meiner Familie zu präsentieren, gar nicht mal, um mein Ego zu polieren, um mich endlich auch wertvoll und zur Gesellschaft dazugehörig zu fühlen. Nein, nicht unbedingt. Es würde schon für mich reichen, auch einfach nur einen Freund zu haben, besonders an so traurigen Sonntagen wie es dieser wieder mal ist. Gemeinsam im Bett zu liegen, schnöden Sonntagmorgen-Sex zu genießen, gemeinsam vorm Fernseher zu sitzen oder schöne Musik zu hören, den ganzen Tag im flauschigen Bademantel zu gammeln, dazu vielleicht auch noch eine entspannte Partie Nachmittags-Sex und kurz vorm Tatort geht vielleicht mit dem Mann meines Lebens eine dritte Runde. Ja! Sex! Mein Wunsch ist für meine Freundinnen teilweise völlig unverständlich. Aber ich liebe Sex und ich bin heterosexuell. Ich stehe also ganz einfach und völlig normal auf Männer! Tja, das ist daher seit Jahrzehnten ein sehnlicher Weihnachtswunsch von mir, der leider noch nie in Erfüllung gegangen ist. Warum eigentlich nicht? Hat mein Onkel Knut vielleicht Recht? Stimmt etwas mit mir nicht? Und wenn ja, was könnte das nur sein? Meine diesbezüglichen Umfragen im weiblichen Freundeskreis oder deren Aussagen haben schon vor mehr als zehn Jahren rein gar nichts ergeben. Meine Umfragen im männlichen Bekanntenkreis, die ich mich erst mit Anfang vierzig zu machen getraut habe, haben nur Verständnislosigkeit ergeben und so Aussagen wie:
„Du hast doch eh an jedem Finger zehn Männer.“
Aha. Das wären ja mal hundert Männer! Ich bin verwirrt. Wie kommen die auf hundert Männer? Und das, wo mir doch persönlich der Eine, der Richtige, reichen würde und zwar pronto!
Schön, aber verwirrend fand ich auch die Aussage:
„Du bist eben ein Naturereignis.“
War das ein Kompliment oder welche Katastrophe war da gegebenenfalls gemeint? Ich habe mich damals vorsichtshalber nicht getraut, noch einmal explizit nachzufragen.
Und jetzt sitze ich hier bei einem weihnachtlichen Restposten von Lindt-Schokolade nach dem Teller Pasta mit geriebenem Parmesan, den ich mir zum Mittagessen gekocht habe, und hänge meinen wetterangepassten düsteren Gedanken nach.
Siebenundvierzig Jahre bin ich gerade geworden, ein Steinbock, Dritte Dekade. Der Lack ist ab, da mache ich mir auch nichts mehr vor. Und kein einziger dieser hundert Männer, die mir wohl zustehen, ist irgendwie in Sicht. Dabei kann ich an mir gar nichts finden, was nicht passt. Ich gehöre zu den wenigen Frauen, die sich total passabel finden! 1,80 Meter groß, schlank, lange schöne Beine, dazu echte Brüste mit Körbchengröße F oder je nach BH-Firma komme ich auch auf G! Der Neid meiner weiblichen Bekannten ist damit regelmäßig sichergestellt! Aussagen wie:
„Deine Hupen möchte ich haben!“
oder
„Für deine Beine würde ich morden!“
sind also an der Tagesordnung. Dazu habe ich echte lange blonde Haare, da ich mich schon mit Anfang dreißig geweigert habe – trotzdem mich eine sogenannte „gute Freundin“ beiseite genommen hatte, um mir eindringlich zu erklären, dass jetzt die Zeit mit einer Drei vor meinem hohen Alter gekommen sei, um einen Frisör meines Vertrauens um einen Kurzhaarschnitt zu bitten.

Gedankenwolke:
Heutzutage lässt sich ja quasi jede Frau ab Mitte vierzig die grauen Haare aus ihrem Männerkurzhaarschnitt herauswachsen, voll und euphorisch bestätigt von ihrem weiblichen Umfeld, das sähe toll aus. Ich stehe dann immer, wie auch bei meiner Freundin Susanne, vor einer 1,63 Meter großen Frau mit Konfektionsgröße 44 inklusive grauem Messerkurzhaarschnitt und bin entsetzt. Dank der vielen positiven Kommentare glaubt auch meine Susanne, sie sähe jetzt schon morgens kurz nach dem Aufstehen aus wie am Abend vorher in „Leute heute“ die frisch geschminkte Birgit Schrowange auf dem roten Teppich, die winkend in den Bayrischen Hof in München zu irgendeinem Starauflauf eintrifft. Wie bringe ich nur Susanne die Wahrheit bei? Oder soll ich sie einfach in ihrem kindlichen Glauben lassen? Was ist da der wahre Freundschaftsdienst? Aber ich schweife mal wieder ab.

Also: ich finde mich toll! Ich möchte, wie jede Frau, gerne 2 Kilo abnehmen, aber der nächste Sommer ist ja noch weit weg. Ich spare nicht für eine Botox-Behandlung, an meine etwas abstehenden Ohren, die man normalerweise ja sowieso nicht unter meiner Haarpracht sieht, habe ich mich gewöhnt, und ansonsten bin ich einfach der Meinung, dass ich ziemlich wohlgeraten bin. Nur Männern scheint das nicht aufzufallen, ich kann da machen, was ich will.
Mein Leben ist auch sonst ganz okay. Ich bin in jungen Jahren mit damals achtundzwanzig von Worpswede nach Bayern an den Ammersee gezogen, da mir Worpswede irgendwie zu eng wurde und laut einer Zeitungsannonce in einer kleinen Firma in der Nähe des Ammersees eine Buchhalterin gesucht wurde. Irgendwie klappte alles mit der neuen Arbeitsstelle und einer netten und sofort bezugsfreien Wohnung, dass ich das als positives Zeichen gewertet habe! Achtundzwanzig Jahre und keinen Mann, so ging das ja in Worpswede einfach nicht weiter und der Sprung ins kalte Ammersee-Wasser sollte das doch mit diesen tollen Vorzeichen zügig ändern. Aber das ist jetzt mittlerweile neunzehn Jahre her. Wo sind all die Jahre so schnell hingegangen? Was habe ich in diesen neunzehn Jahren alles erlebt? Und in all den Jahren hat sich in Sachen Mann mein Facebook-Status nicht geändert.
Wenn das so weitergeht, habe ich zu dem trostlosen Sonntag nicht nur trostlose Gedanken, sondern bekomme bis zum Tatort sicherlich auch eine handfeste Depression. Wie machen das nur die anderen? Meine ehemalige Arbeitskollegin Anja, die fast zeitgleich mit mir vor neunzehn Jahren als Buchhalterin in meiner Firma anfing, wollte keine Kinder, sondern ausschließlich Motorrad-Ausflüge und Motorrad-Urlaube machen. Als sie das erste Mal schwanger war, hat sie sich null Komma null gefreut, sondern nur ihrer rasanten Motorradzeit hinterher geweint und ihre Schwangerschaft inklusive dem Heiratsantrag ihres späteren Mannes verflucht. Mittlerweile hat sie drei halbwüchsige Kids und arbeitet seit Jahren nur noch stundenweise bei uns.
Ob sie auch so unglücklich ist, weil sie ihren Traum nicht leben konnte, wie ich, die nie ihren Traum von einem Mann oder Freund mit ganz viel Sex und einer eigenen Familie verwirklichen konnte?
Das ist ja mein weiteres Problem, das zusätzliche Desaster!
Kein Sex!
Chronisch untervögelt!
Mich selbst mit meiner Arbeit zu ernähren, ist ja nie ein Problem für mich gewesen. Notgedrungen immer meine Urlaube alleine zu gestalten auch nicht. Ich brauche auch keinen Mann, der mir die Winterreifen wechselt, die defekte Glühbirne austauscht oder den verstopften Abfluss der Dusche aufgrund meiner vielen langen Haare reinigt. Das mache ich entweder selbst oder, wie meistens, ich lasse es einfach so, wie es ist. Kopf-in-Sand-Politik. Okay, wenn dann beim Duschen in der Badewanne das Wasser langsam bis zu den Kniekehlen hochsteigt, dann rufe ich hin und wieder auch mal einen Handwerker. Aber nur wirklich in einem solchen Notfall.
Aber ist stehe auf Männer und auf Sex!
Und das mit den Männern und dem Sex klappt in Bayern genauso wenig wie es in meiner Heimatstadt geklappt hat. So in der Nähe von München mit dieser Vielzahl an Singlehaushalten mag es daran liegen, dass sich hier wohl keiner mehr binden möchte, rede ich mir zumindest ein. Jedenfalls keine Ying-und-Yang-Pärchen. Schwule- und Lesben-Pärchen kenne ich ohne Ende. Waren die schon immer alle homosexuell oder ist das jetzt nur Mode geworden? Bleiben keine heterosexuellen Männer übrig? Und wenn dann mal passable und ehelich gut erzogene Männer der üblichen Scheidung nach zwanzig Jahren zum Opfer fallen, probieren sie dann ihr neues Leben vorsichtshalber erst mal mit einem anderen Mann aus?
Oder liegt es daran, dass ich einfach mittlerweile schon zu alt bin und rundherum die noch freien Männer einfach viel zu jung für mich sind?
Ich war letzten Freitag mit einer anderen auch sehr lieben Arbeitskollegin in München unterwegs. Sie fand, man solle im neuen Jahr sofort irgendwas Lässiges unternehmen, und hatte uns Karten nachträglich zu meinem Geburtstag für ein Heavy-Metal-Konzert organisiert. Ob das das Richtige für mich ist?
Wenn ich schon depressiv und alt und siebenundvierzig bin, muss ich mich ja nicht auch so verhalten, finde ich.
Also habe ich cool zugesagt und traf mich mit meiner fünfzehn Jahre jüngeren Arbeitskollegin Silke in der großen Landeshauptstadt. Zum Einstimmen gingen wir im Irish Pub erst einmal diätgerecht etwas Essen. Sie nahm eine Riesenpizza mit viel Schinken, ich einen vegetarischen Cheeseburger mit Pommes, wie immer, mit viel Mayo. Dazu quatschte mich mein Nebenmann am Tresen an. Ein süßer Junge aus Brasilien, der mit seinen vierundzwanzig Jahren hier in München studiert. Auf die Frage, wie alt wir denn seien, sagte Silke wahrheitsgemäß:
„Thirty-two.“
Ich dachte in dem Moment, ich sollte den Schnitt jetzt nicht komplett ruinieren, und presste „thirty-seven“ raus. Der Brasilianer guckte uns ungläubig an: So alt wären wir schon! Hätte er nicht gedacht! Ich war kurz davor, vor Freude in den Tresen zu beißen, hielt aber doch an mich. Der Laden war gut gefüllt, es gab leicht schummrige Bar-Beleuchtung und der Typ glaubte mir meine erfundenen siebenunddreißig Jahre! Hurra!
Nach dem reichhaltigen Essen machten Silke und ich uns auf und landeten per U-Bahn in Freiham bei meinem ersten Heavy-Metal-Konzert! Wie im Irish Pub herrschte auch hier reger Männerüberschuss! Die Musik war extrem laut und schrill. Ich war schwer beeindruckt, wie die nass geschwitzten Haare des Leadsängers und die seiner zwei Bühnen-Gehilfen immerzu im Takt durch heftigen Kopfbewegungen rotierend hin und her geschwenkt wurden. Der Leadsänger hatte als Ausgleich für seine lange Kopfbedeckung dafür keine Haare auf der Brust. Um diese Info für alle zugänglich zu machen, hatte er von vorneherein auf Hemd oder T-Shirt für seinen knochigen Körper verzichtet. Während ich immer noch beeindruckt war und zeitgleich versuchte, den Text der lauten Töne zu verstehen, merkte ich, dass meine gesamte Umgebung zu den eigenen Videoaufnahmen per Handy nicht mal rhythmisch mit dem Fuß wippte, dafür aber die nicht verständlichen Songs umso textsicherer mitsingen konnte. Unglaublich! Langsam gewöhnte ich mich an die Lautstärke, an die für mich außergewöhnliche Musik und meine genauso außergewöhnliche Umgebung, dachte aber nach einer Weile, dass ich meinen Ohren eine Pause gönnen sollte, und drängelte mich Richtung WC durch. Und schon wieder war ich erstaunt: Die Damenklos waren groß, sauber und warteten auf mich! Ein riesiger Kronleuchter an der Decke konnte es wohl auch nicht fassen: kein Anstehen, keine Schminkschlange, nix. Dafür musste ich mich beim Rausgehen durch die Männerschlange quälen, die Richtung „H“ anstand. Der Wahnsinn! Der Männerüberschuss und das vereinsamte Damen-WC machten einen enormen Eindruck auf mich, dass ich dachte, so müsste das mal auf dem Oktoberfest in München laufen! Vor lauter Glück kaufte ich Silke und mir sofort ein weiteres Bier, da die Durchlaufentsorgung ja so prima geklärt war, genoss weiterhin die Lautstärke und bedauerte später sogar, dass wir ein paar Minuten vor dem Ende des Konzertes gehen mussten, um unsere S-Bahnen Richtung Herrsching und Richtung Wolfratshausen noch zu erwischen. Klar, mit den „gefühlten“ Siebenunddreißig steht man eben noch richtig im Leben!
Aber männertechnisch ist so ein netter Abend trotzdem nicht dazu angetan, meinen unterbelichteten Hormonhaushalt in Ordnung zu bringen. Wenn man, wie ich, zielstrebig auf die Fünfzig zugeht, ist das Heavy-Metal-Klientel mit Anfang/Mitte dreißig einfach nicht das Richtige. Es wurde zwar viel getrunken, aber ich bin nicht der Typ Frau, der einen betrunkenen wehrlosen Dreißigjährigen mit nach Hause nimmt. Ganz davon zu schweigen, dass solche Aktionen (zumindest bei mir) auch noch nie geklappt haben. Aber davon kann und werde ich sicherlich noch viel aus dem Nähkästchen plaudern.
Jetzt habe ich erst einmal diesen Sonntag überstanden, meine ganze Frustration mit Schokolade umhüllt und hoffentlich etwas Kraft für die neue Arbeitswoche getankt.
Leider fängt die neue Woche heute Früh mit Auto-Ausgraben an. Wo kommt denn plötzlich der ganze Schnee her? Mist! Und gerade heute muss ich in der Mittagspause auch noch zur Post fahren. Meine Freundin Angelika, die noch immer in Worpswede wohnt, hat Geburtstag und bekommt daher, wie jedes Jahr, ein kleines Geburtstagspräsent zugeschickt. Aber ich stehe nicht nur mit Männern aus unerfindlichen Gründen auf Kriegsfuß, nein, auch mit der Post ist das so eine Sache. Dabei gibt es eine in Herrsching, in Dießen und dazwischen komme ich zeitweise auch an der Post in Seefeld vorbei. Es sollte also kein Problem sein, denn es handelt sich hier keinesfalls um Blumengeschäfte, die auch Briefmarken verkaufen, sondern jeweils um „richtige“ Post-Institute. Soweit zur Theorie. Für zwei Weihnachtspakete hatte ich letzten Monat das Glück, entweder genau die Mittagspause der Postfiliale meiner Wahl zu erwischen oder den wöchentlichen Ruhe-Nachmittag auszusuchen. Heute, mit dem unvorhergesehenen vielen Schneefall und unter Zeitdruck während meiner kurzen Mittagspause, stehe ich jetzt vor der geschlossenen Post mit dem Schild:
„Wegen Inventur ab 11 Uhr geschlossen.“
Grrrr. Ich liebe Montage. Warum bin ich nicht liegen geblieben? Ich wusste doch eigentlich schon beim Aufstehen, dass ich diesen Montag am besten gleich auf Dienstag verschieben sollte.
Aber auch diese Arbeitswoche in der Buchhaltung schaffe ich irgendwie, wie schon so viele davor. Und plumps ist schon wieder Wochenende.

So ein Samstagmorgen gleich nach dem Erwachen kann schon mühselig sein. Okay, ich habe auch nicht viel geschlafen, vielleicht vier Stunden. Man hat uns ja „dem Himmel sei Dank“ doch um 4:30 Uhr aus der letzten Bar rausgeschmissen. Ich war schon wieder in der großen Landeshauptstadt. Zwei Mal in einem Monat in München! Respekt! Da rührt sich ja derzeit etwas in meinem sonst so langweiligen Leben! Vielleicht schaffe ich es ja vor meinem fünfzigsten Geburtstag doch noch, den einen perfekten Mann für mich zu ergattern! Irgendwie soll man ja die Hoffnung nicht aufgeben, sagen immer alle. Aber in erster Linie brauche ich ja Spaß! Spaß ist gut für die Ausstrahlung. Okay, viel Spaß hatte ich ja früher auch immer schon, so vor mindestens zwanzig Jahren. Sogar recht viel Ausstrahlung, weil man ja „unter dreißig“ doch sehr viel unternehmungslustiger ist. Leider ist damals meine gute Ausstrahlung aufgrund von viel Spaß und wohl auch viel Alkohol nicht dem richtigen Y-Chromosomträger aufgefallen. Irgendwie ja nicht mal den falschen, wenn ich das so bedenke. Mit denen soll man ja bekanntlich auch zwischendurch viel Freude und vor allen Dingen viel Sex haben.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 100
ISBN: 978-3-95840-936-1
Erscheinungsdatum: 16.09.2019
EUR 14,90
EUR 8,99

Herbstlektüre