Wolke und Elias

Wolke und Elias

Manuela Uebelhart


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 130
ISBN: 978-3-99131-607-7
Erscheinungsdatum: 29.09.2022
Gemeinsam erleben Wolke und Elias mit ihren Gefährten ein spannendes Abenteuer in einer Parallelwelt. Verfolgt und gesucht bestehen die Freunde große Prüfungen und lernen dabei, sich trotz unterschiedlicher Talenten und Ansichten aufeinander zu verlassen.
Kapitel 6
Das Tor zum Zauberland

„Aufwachen, aufwachen, ihr müden Gesellen!“, rief Grummel laut in Echsis und Alunas Ohren. Diese räkelten sich beide fast zeitgleich und rieben sich – der eine mit den Krallen und die andere mit dem Huf – die Augen. „Uahhh, uhaaahhhh!“, stieß Aluna einen Gähnlaut von sich. Sie war ganz schnell auf zack, da sie ja am Abend zuvor im Stehen eingeschlafen war. Echsi hatte da schon etwas mehr Mühe, weil er seinen ganzen, langen Körper, der sehr kalt war, erst langsam bewegen musste. „Guten Morgen, Grummel, wo ist Resa?“, fragte er dann seinen kleinen stacheligen „Wecker“. „Die ist bereits am Frühstückmachen. Was möchtet ihr essen? Ein Spinnenomelett oder vielleicht etwas gebackene Wurmpastete? Die wäre grad frisch aus dem Moordampf und ist eine Spezialität aus Resas Küche.“ Echsis Augen strahlten. Das klang ja wunderbar! Aluna hingegen musste sich den Bauch halten, weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass so etwas schmecken sollte. „Gibt es bei euch so etwas wie Salat? Ich bin grad etwas auf Diät.“ „Klaro!“, meinte Resa, die gerade mit einem dampfenden Topf mit undefinierbarem Inhalt aufgetaucht war. Echsi war immer noch echt Feuer und Flamme und hielt seinen flachen Kopf geradewegs in Richtung Topf. „Hhhhmmm“, meinte er verträumt, „riecht ja so lecker!“ Resas rosige Schweinebäckchen leuchteten rot und ihr Zopf wippte vor Freude mit ihrem Herzschlag. Was für eine Wohltat, dieses Kompliment!

Nachdem alle gegessen hatten, berieten die vier Tiere, wie es nun weitergehen sollte. Aluna war, dank der wunderbaren Baumplantage am Ende des Feldes, total auf ihre Kosten gekommen und unterdrückte einen Rülpser. Die Tiere hatten beschlossen, sich in zwei Gruppen einzuteilen. Echsi und Resa sollten zusammen nach Norden durch den Wald laufen und sich dort umschauen. Resa kannte sich hier ebenso gut aus wie Grummel. Dieser wollte Aluna begleiten. Sie beide würden sich eher an den südlichen Teil des Waldes wagen. „Wir haben ja jetzt den ganzen Tag Zeit, aber denkt daran, dass, je länger wir warten, umso schwieriger wird ein Auffinden der beiden Kinder sein. Also lasst uns jetzt losmarschieren“, riet Grummel, der ja bekanntlich ein ausgefuchster Spürhund war. „Ja!“, riefen die drei anderen im Chor. „Noch was: Wir werden uns, wenn wir nicht fündig geworden sind, bei Sonnenuntergang hier wieder treffen. Ich lege zwei Äste ins Kreuz und befestige sie mit etwas Grasschnur. Falls wir uns verpassen, muss jemandem von uns etwas passiert sein. Klar?“ Grummel war der Chef! Ja, so würden sie es machen. Sie einigten sich darauf, dass dann jeder jeden suchen sollte – egal, was passierte. So teilten sich die zwei Gruppen, die eine lief nach Norden und die andere verschwand im südlichen Waldteil. Aluna war noch lange zu sehen, weil sie doch so groß war und die Flecken auf ihrem Fell durch die Bäume schienen.
Jadoo, Della, Tanja und Christian schlichen wie unsichtbar durch den Teil des Geheges, in dem es nachts sehr still war. Hier schliefen alle Zoobewohner, die nur tagsüber wach waren. Christian kannte sich, nachdem er in den letzten Stunden die Zoo-Landkarte studiert hatte, etwas aus. Er zeigte mit dem Finger gegen Osten und winkte, um für die anderen sichtbar zu machen, wo es langging. „Hier lang“, flüsterte er, „hier geht’s zum alten Safari-Gehege. Da ist ein Stall und dort befinden sich allerlei Gerätschaften und ein hoher Heuschober.“ Die beiden Frauen und Jadoo nickten und folgten Christian. Letzterer kannte sich hier aus, denn als Kind hatte er viele Stunden im Zoo verbracht. Wieder kam ihm in den Sinn, wie er hier mit seinem besten Freund Reto gespielt hatte. Retos Großonkel gehörte der Zoo. So war Jadoo schon sehr früh in den Genuss von Gratiseintritten gekommen.

Die vier Gestalten rannten auf leisen Sohlen zum Stall und kletterten wortlos die Treppe zur obersten Etage des Heuschobers hinauf. Jadoo war das Schlusslicht, denn er wollte nicht, dass irgendjemandem etwas zustieß. Oben angelangt fanden die Eltern eine überdimensional große Seilspule, die brechend voll mit einem Seil aufgerollt war. Das Seil führte zum hinteren Ende des Estrichs bis hin zum offenen Fenster und hing im leeren Nichts. Della wollte einen Schrei ausstoßen, konnte aber dank der erschrockenen Blicke der anderen und dem Halten ihrer Hand vor den Mund, gerade noch das Schlimmste verhindern. Tanja zeigte mit dem Daumen nach oben und war froh, dass immer noch alles so ruhig verlief. Sie wollten ja alle nicht, dass jemand von ihrem nächtlichen Ausflug Wind bekam. Auch Christian machte das Okay-Zeichen. Alles gut! „Jadoo, wir müssen uns hier abseilen, sonst finden wir Wolke und Elias niemals!“, flüsterte er jetzt. Dieser nickte. Aber ja doch, das war klar! Es führte sonst keine andere Spur zu den verschollenen Kindern. „Wo geht’s hier hin?“, fragte Della leise und Tanja antwortete: „Keine Ahnung! Aber lass uns das machen; wir haben keine andere Wahl. Ich will unser Kind zurück.“ Also wickelte sich Christian zuerst ins Seil, dann folgten die beiden Frauen und am Schluss hangelte sich Jadoo ein. Alle machten sich daran, behände an dem Seil entlang zu gleiten, darauf bedacht, dass alles ganz langsam vonstattenging. Sie wollten um keinen Preis jemanden aufwecken. Außerdem sahen sie unter sich ja gar nichts. Ein unbekanntes Nebelmeer tat sich da auf und führte in absolute Leere. „Das ist also der Durchgang!“, dachte Jadoo und erinnerte sich wage an seine Kindheit und an Reto.

Seit einigen Stunden waren Grummel und Aluna jetzt schon unterwegs. Immer wieder blieben sie stehen, Grummel schnupperte den Boden entlang und Aluna hielt in höchster Höhe nach etwas Verdächtigem Ausschau. Sie hatte bis jetzt nicht eine Spur gefunden. „Die Sonne geht bald unter, Aluna. Wir müssen umkehren und zu den Ästen zurück. Sonst glauben Resa und Echsi, etwas Schlimmes sei uns zugestoßen. Der Wald hier wimmelt vor Gefahren. Außerdem möchte ich wissen, was bei Resa und Echsi gelaufen ist“, erklärte der Wald- und Wiesenpolizist ohne Umschweife. Aluna nickte mit ihrem langen Hals. Nichts als das wollte sie mehr auf der Welt. Zurück! „Ja, klar, machen wir“, erwiderte sie und hob ihren rechten Huf, um ihrer Zustimmung definitiv Kraft zu verleihen. „Wir nehmen einfach den oberen Waldweg; da waren wir noch nicht … Also, soviel ich weiß und das sehen kann.“ Grummel nickte, stellte seine Stacheln auf und marschierte los. Plötzlich blieb er so abrupt stehen, dass er nach der Bremsung fast einen Purzelbaum schlug. Aber er hatte sich im Griff! Da vorn, da war doch etwas? Grummel setzte ein Pfötchen nach dem anderen ein und schnüffelte voraus. „Ja, was liegt denn da?“, rätselte er. Aluna stelzte dem Stachelpolizist nach und stoppte ebenfalls ihren Gang. Das ging etwas komplizierter, ihre Beine waren ja viel zu lang. „Ach du liebe Zeit!“, schrie sie fast. „Das ist ja Wolkes Tüchlein. Sie hatte es um den Hals, als sie im Zoo war. Ich hab noch gedacht, was ist denn das für ein hübsches Tüchlein und hatte es bedauert, keines um meinen Hals tragen zu können. Der ist nämlich viel zu dick dafür. Da bräuchte es ein Riesentuch!“ „Also echt, Aluna, du hast vielleicht Probleme!“, wetterte Grummel. „Da findet man einen Hinweis für eine Entführung und du denkst an Mode!“, ergänzte der Polizist.

Resa war müde, eigentlich fix und fertig, und schnaufte wild. So ein Schweinchen hat kein einfaches Leben! So viel Aufregung tat ihr nicht gut. Seitdem sie von Grummel eines Nachts vom Schlachthof gerettet worden war, genoss sie ihr wohliges Dasein in der Igelsiedlung im Zauberland. Die Reise dorthin hatte sie bereits sehr mitgenommen und nun dies! Was für wilde Zeiten waren das.
Echsi stand neben der kleinen Sau und musste ab und zu wegsehen, damit er nicht vom zarten Fleisch zu träumen begann. „Bist du müde Resa?“, fragte er darum fast zärtlich. Diese nickte und gab zu verstehen, augenblicklich zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen. „Da drüben ist es. Die gekreuzten Äste liegen vor der nächsten Lichtung, gleich hinter dem Gebüsch“, meinte Resa und rannte geradewegs in die gezeigte Richtung. Als beide Tiere beim Gebüsch ankamen, donnerte es unglaublich vom Himmel her. Die erschrockene Resa duckte sich und kroch unter Echsis langen, grünen Körper. Dieser verschränkte instinktiv seine vier schuppigen Beine, um das kleine Ferkel zusätzlich zu schützen. Eine Ahnung überkam die Echse. „Ohohoho…“, rief sie in die unheilschwangere Luft hinaus. „Das kenne ich doch!“

Plötzlich purzelten eins, zwei, drei, vier schwarz gekleidete menschliche Wesen auf die Erde! Na, wenn das nicht ein Zeichen war?! Doch ob es sich um ein Gutes oder Schlechtes handelte, konnte sich Echsi nicht so leicht erklären. Ein Klatschen beendete den Flug und ein langes Seil schlug auf den Waldboden auf und tänzelte noch eine ganze Weile wild um die vier schwarzen Gestalten herum. Dann war es plötzlich in den Wolken verschwunden.
Langsam erholte sich einer nach dem anderen vom Fall und versuchte aufzustehen. Zuerst die zwei Männer und dann eine Frau und dann die andere.
„Wo sind wir?“, fragte Jadoo und erkannte plötzlich eine lange, grüne Echse mit dem bösen, grinsenden Maul.



Kapitel 7
Jadoo

Grummel hob die rechte Vorderpfote hoch und hielt sie vor seine Augen. Sie waren gerade eben vom gleißenden Sonnenlicht geblendet. Er spähte zur nahen Baumgruppe, die von kleinen Büschen umsäumt war. „Da drüben sind sie!“, schrie er es fast, wohl auch um sich erkenntlich zu machen. Aluna wehte mit dem Tüchlein, um die ganze Aktion noch zu unterstreichen: „Halloooo, wir kommen, wir sind hier!“ Dann wandte sie sich an Grummel und meinte ganz erstaunt: „Du, die sind nicht alleine da, es sind noch ein paar Leute mehr. Wer das wohl ist? Was machen die da?“ Sie zitterte am ganzen Leib, weil sie schon die schlimmsten Befürchtungen von wegen Mord- und Totschlag vorausahnte. „Ach was!“, warf Grummel gehässig ein und beschleunigte seine Schritte, um so rasch wie möglich zu sehen, was da vor sich ging. Die Giraffe stakste mit großen Schritten und gesenktem Hals hinter dem Igel her.

Tatsächlich fanden die beiden noch vor verabredeter Zeit eine kleine Truppe vor. Resa, Echsi, zwei Männer und zwei Frauen – ganz merkwürdig in Schwarz gekleidet – standen ratlos herum und berieten sich. „Ahhh, da sind sie ja!“, rief Resa hocherfreut. „Darf ich vorstellen: Das ist Grummel, der Waldpolizist, und das da ist Aluna, die Giraffe vom Zoo. Sie ist mit den Kindern und Echsi auf dem Seil balanciert und vom Himmel gefallen“, fügte sie zusammengefasst zur Situation hinzu. „Und ich bin Jadoo und das da ist meine Frau Della; und sie ist Wolkes Mama“, meinte der dunkelhäutige, schwarzhaarige Mann. „Ja, und ich bin Christian und das ist Tanja; wir sind Elias‘ Eltern“, meinte der große, blonde Mann und verbeugte sich andeutungsweise. Tanja schluchzte, als sie den Namen ihres Sohnes hörte. Alle begrüßten sich respektvoll und waren sich einig, nun einen Plan für das weitere Vorgehen zu entwerfen. Die Männer konnten das richtig gut. Auch Grummel – das muss man schon sagen – war ein findiger, ausgeschlafener kleiner Igel mit wunderbaren Ideen. Und er kannte das Gebiet hier in und auswendig, was ein echter Vorteil war. Da eine Teilung der Gruppe zuvor nichts gebracht hatte und die Gegend hier viele Gefahren barg, beschlossen sie, beisammenzubleiben. Jeder konnte so dem anderen helfen. Entschlossen, Wolke und Elias zu finden, marschierten sie hintereinander los. Wo genau die Reise sie hinführte, wussten sie nicht.

Jadoo hatte die Führung an der Spitze übernommen. Er besaß einen guten Spürsinn und war außerdem nicht ganz so klein wie Grummel. Dieser lief direkt hinter ihm her und unterstützte den Mann so gut er konnte. Die anderen liefen geschlossen, einer nach dem anderen, hinter den beiden. Den Schluss machte Aluna, weil sie sich stets umschauen und bei nahender Gefahr berichten konnte. Die beiden besorgten Mütter waren eingemittet und wagten nicht, ein Wort zu sagen. Ihre Angst war groß, dass sie sich durch einen falschen Laut verraten könnten. Auch Resa watschelte ihre Schweineschrittchen und war froh, dass Echsi stets neben ihr ging. Sie hatte wirklich einen guten Freund in der gefährlich aussehenden Echse gefunden. Wie beruhigend!

Jadoo ging nun in seinem Tempo, während er seinen Gedanken nachhing. Er dachte an Reto. Dieser war über lange Jahre sein bester Freund gewesen. Doch mit der Zeit hatten sich die beiden entfremdet. Aus dem liebenswerten Reto war ein ganz komischer junger Mann geworden. Jadoo erinnerte sich an das letzte Mal, als ihm Reto begegnet war. Gepierct, die Augen mit schwarzem Kohlestift umrandet und mit einer schwarzgefärbten Haarmähne, die er zu einem Zopf, der ihm lang den Rücken hinabhing, geflochten hatte, stand er da. Er schaute Jadoo mit glasigem Blick an. „Reto, ich hätte dich fast nicht erkannt! Was machst du denn so?“, hatte er gefragt. „Ach, ich will weg. Hierher komme ich eh nicht zurück.“ Diese Antwort klang so abgeklärt und leer, dass Jadoo sie ihm gar nicht so richtig glauben konnte. „So long!“ Die Abschiedsworte klangen noch immer in Jadoos Ohren, gerade so, als ob es gestern gewesen wäre. „Schon komisch; er ist dann einfach verschwunden“, dachte er und stolperte beinahe über einen Baumstrunk, der mitten auf dem schmalen Weg aus der Erde gewachsen war. „Pass auf!“, mahnte Grummel. „Solche Dinger können ganz schön gefährlich sein. Hier wimmelt es von denen. Manchmal sind es kleine, bösartige Gnome, die sich so verstecken und mögliche Eindringlinge erschrecken.“ Grummel kannte sich aus! Aber Jadoo hatte Glück: Es handelte sich in diesem Fall nicht um ein wildes, unbekanntes Wesen.

Nie mehr hatte Jadoo von Reto etwas gehört, geschweige denn, ihn je wieder zu Gesicht bekommen. Für ihn war das nicht so schlimm, weil er sich ja sowieso von dem komischen Wesen, zu dem Reto geworden war, distanziert hatte. Mit wachen Augen marschierte er nun im dichten Wald, den die Bewohner, Resa und Grummel Zauberwald nannten. Sie schwafelten auch immer wieder etwas von Erdpalast. Jadoo wunderte sich, denn dieser Name kam ihm sonderbar bekannt vor. Wo hatte er bloß schon davon gehört? Er schüttelte seinen Kopf und starrte weiter geradeaus. Doch eine innere Stimme mahnte ihn, Außergewöhnliches nie auszuschließen.

In seinem Leben war in dieser Hinsicht auch vieles passiert. Vor seinem inneren Auge nahm er Szenen von Bruchstücken seiner Kindheitsgeschichte wahr. Da war der kleine indische Junge, der zum ersten Mal in der Fremde aus dem Auto stieg. Viele Kilometer war er mit dem Flugzeug nach Europa gereist. Er wurde dort von einem Paar adoptiert und verbrachte eine schöne, wohlbehütete Kindheit. Doch zuvor war es schlimm für ihn gewesen. Er konnte sich daran nicht mehr so genau erinnern. Aber in seinen Träumen war stets diese wunderschöne Frau mit dem Bindi auf der dunklen Stirn. Die langen schwarzen Haare waren in der Mitte des Kopfes gescheitelt und ein goldener Nasenring durchbohrte den rechten Nasenflügel. Die schwarzen Augen blickten ihn liebevoll an und es strömte ein warmer Glanz, der ihre weiche Gestalt unterstrich, von ihr aus. Ein schönes Bild, das Jadoo stets in sich trug, es hervorholte, wenn er sich allein und traurig gefühlt hatte. Die Frau in seinen Träumen hieß Priya, was die Liebevolle heißt. Irgendwie schien ihm der Name passend. Sie hatte ihn regelmäßig in seinen Träumen besucht und ihm versichert, dass er sich in Sicherheit befände. Es beruhigte ihn und er hatte irgendwie seinen Schutzengel in Form dieser Frau gefunden.

Auch in den Tagen vor dem Plan, in den Zoo auf die Suche nach Wolke und ihrem Freund zu gehen, hatte Priya ihn in schwierigen und unruhigen Nächten einige Male besucht. Das war ihm nun klar und bewusst. Was hatte das wohl zu bedeuten? Plötzlich vernahm er Dellas Atem neben sich und fragte sie: „Wie geht es dir Liebes?“ Diese krallte ihre Finger in seinen Arm und gab ihm auf diese Weise zu verstehen, wie verzweifelt sie war. Ein Blick und Della wurde ruhiger und zuversichtlich. „Wir werden Wolke finden“, sagten seine Augen. Zusammen mit gleichmäßigen Atemzügen marschierten sie Hand in Hand ins Unbekannte – begleitet von einem kleinen Trupp ganz spezieller Gesellen. Sie kannten sich ja alle nicht sehr gut, aber vertrauten sich sonderbarerweise.

„Elias, Elias, schläfst du schon?“, flüsterte Wolke aus der wohl dunkelsten Ecke des ungemütlichen Erdpalastes. „Nein, Wolke, ich bin wach“, antwortete der Junge so schnell wie möglich, um das Mädchen nicht zu beunruhigen. Dieses war sichtlich erleichtert, etwas von Elias zu vernehmen. Zwar hatte sich Wolke schon etwas beruhigt und versuchte, die Lage, in der sie sich beide befanden, einzuschätzen. Doch es gab immer wieder Ungereimtheiten und Geräusche wie Kratzen, Rascheln oder leises Pfeifen, die ihr klarmachten, dass es sich hier um eine sehr unwirtliche Gegend handelte. Sie waren schon eine geraume Zeit vom Gnomen, der nur komisch herumgrunzte, gefangen genommen und festgehalten worden.
Elias versuchte sich zu bewegen und musste feststellen, dass er mit einer groben Schnur ganz blöd gefesselt war. Mit einem Blick in Richtung Wolke sah er, dass es dieser ebenso erging und sie sich fast nicht bewegen konnte. Es stank fürchterlich hier, der Boden war schmutzig und feucht. In diesem Loch konnte sich nur ein Tier, das im Erdreich lebte, wohlfühlen – das war klar. „Wie geht es dir, Wolke?“, erkundigte sich der Junge nach deren Befinden. „Ich bin okay, Elias, hab’ nur mein Tüchlein verloren“, gab das Mädchen leise zurück.

Elias tastete seine Hosentasche nach seinem Handy ab und bemerkte erschrocken, dass er es wohl im Fall vom Himmel verloren haben musste. Um seine Freundin nicht zu erschrecken, behielt er die Tatsache für sich und fragte diese: „Wo sind wir bloß?“ Wolke schaute ihn verdutzt an und antwortete: „Das weiß ich nicht!“


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