Cover: Wächter des Friedens

Wächter des Friedens
Band 1 Auf dem Weg mitten ins Leben


EUR 20,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 260
ISBN: 978-3-7116-1281-6
Erscheinungsdatum: 12.12.2025
Das Leben war bislang zu Mära äußerst ungerecht. Wütend und verzweifelt stolpert sie eines Tages in eine andere, magische Welt voller Wunder. Wird sie endlich ihr Glück finden?
1. Kapitel
Hohepriesterin


„Mära, wenn alles gut verläuft, könntest du vielleicht mit etwas Zeit meine Nachfolge antreten. So die Göttin will, wirst du alles Nötige dafür lernen und aufbringen. Es fehlt zwar noch so einiges, aber ich bin zuversichtlich, dass du dich in die richtige Richtung hin entwickeln könntest. Du musst es nur wollen. Mit ausreichend Disziplin und Demut wird es dir gelingen. Du weißt selbst, dass dies eigentlich stets nur in meiner Blutlinie weitergegeben wurde. Doch in dieser Zeit müssen wir, um zu überleben, uns davon befreien. Es gibt nicht mehr viele des alten Blutes. Nicht mehr viele, die wahrhaft glauben. In dir sehe ich meine Hoffnungen, enttäusche mich nur nicht. Du kannst so viel mehr sein. Du musst es eben nur wollen. Ich hoffe, du verstehst das. Noch ist es nicht an der Zeit und deshalb mach dir nicht allzu große Gedanken darüber. Du brauchst noch Zeit. Zeit, um dich zu entwickeln“, sprach Nene fürsorglich zu ihrer Schülerin.

Ihre wahren Gedanken verbarg sie hinter einem beruhigenden Lächeln und einer gutmütigen Ausstrahlung. Wahrlich, sie überlud die Atmosphäre um sich herum fast schon mit dieser einlullenden Energie. Niemand sollte an ihr zweifeln, niemand durfte es. So nutzte die Hohepriesterin ihre Macht, um Einfluss auf die Leichtgläubigen auszuüben. Sie war so geschickt darin, die Menschen zu betrügen, ihre wahren Beweggründe vor ihnen zu verheimlichen. Nene konnte fast jeden von allem überzeugen. Das war noch nicht einmal ihre größte Macht, aber wohl die gefährlichste, die sie besaß. Ein Blick auf sie genügte und die meisten verfielen ihrem äußeren Schein. Ein Wort aus ihrem Mund tat den Rest und kaum einer konnte sich ihr entziehen. Sie erreichte alles mit nur wenig Aufwand. Die Göttin hatte sie wahrhaftig gesegnet. Das Wissen über die Energien und ihre Aura taten ihr Übriges im Laufe der Zeit. Ihre Erfahrung machte sie zunehmend unmenschlich und einnehmender.

So sah sie für jeden genau so aus, wie jemand in ihrer Position aussehen sollte, jemand mit ihrer Macht und ihrer Bedeutung. Sie war die Hohepriesterin. Die einzig wahre Hohepriesterin. Heilig aufgrund ihres Blutes, auserwählt von der Göttin höchst selbst. Geboren, um anzuführen und ein Gefäß der Göttin zu sein, ihren Segen zu verkünden oder ihre Mahnung. All das oblag Nene. Sie tat bescheiden und demütig. Aber sie wusste wohl, wer sie war, ist und sein wird. Sie war sich jederzeit ihrer selbst gewahr und ihrer Bedeutung für die Welt, ihrer Stellung darin. Nene verstand ihre Aufgabe und ihr Sein. So wirkte sie auf andere ein, gestaltete ihr Umfeld und ließ sich als die feiern, die man in ihr sehen wollte. Sie gestaltete ihren eigenen Faden und schrieb ihre eigenen Geschichten und war die Herrin ihrer Welt. Großartig, sollte man meinen. Jeder sollte so sein. Die eigene Wirklichkeit, das eigene Leben genau so richten, wie man es gerne hätte. In kleinen Dingen tun alle genau das. Wir alle gestalten unser Leben, nicht nur im Außen, sondern auch und zum größten Teil sogar im Inneren. Wir erschaffen unsere eigene Gedankenwelt, unsere Maßstäbe und Richtwerte. Wir beeinflussen unsere Erinnerungen und Einstellungen.




2. Kapitel
Nebenrolle oder Hauptfigur?
Die wütende Gerechtigkeit


Jeder ist in seiner Geschichte die Hauptfigur. Im eigenen Leben hat jeder Bedeutung. Doch in den Geschichten, die wir gerne lesen, mit denen wir uns gerne die Zeit vertreiben, in diesen Geschichten ist kein Platz für unbedeutende Nebenrollen. Für Langeweile und triste Wiederholungen. Der Reiz eines einfachen Lebens erschließt sich nicht jedem. Die, die es leben, lernen es zu lieben oder eben nicht. Sie leben es einfach.

Mära träumte von einem besseren Leben, sie träumte von mehr und diese Sehnsucht ließ sie hoffen, nicht nur eine Nebenrolle zu sein. Unscheinbar und klein, keiner würdigte sie wirklich eines weiteren Blickes, war sie gefangen in Armut und Grausamkeit. Ihr Leben erschien ihr leer und ein einziger Kampf zu sein. Sie fühlte sich fremd und allein. Ja, sogar abgetrennt von allem anderen.

Ungerecht, das ist oft das Wort, das einem einfällt, und es macht einen wütend über die Welt. Ungerecht, so sei die Welt. Gerechtigkeit, ein so mächtiges Wort. Ein so wütendes Wort. Ein zerstörerisches Wort. Es zerstört die Seele. Dieser Kampf um Gerechtigkeit und die Ungerechtigkeit in ihrem eigenen Leben nagten an Mära. Sie fraßen ein Loch in ihr Innerstes. Aber wer war sie schon? Ein Niemand. Ein bedeutungsloses Leben, das keine Beachtung fand. Nene wollte das ändern. Zumindest sagte sie es zu ihr. Also, wer würde das nicht glauben wollen? Wer würde nicht gerne jemand sein wollen? Nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen? Anerkennung, Zugehörigkeit, Bedeutung – es ist doch immer die gleiche Masche, mit der man Menschen fangen kann, sie aushöhlen kann, bis sie, ohne zu fragen, ohne zu denken, Befehle ausführen.

Manipulation und Macht kann man leicht ausüben, weil so viele Menschen innerlich klein gehalten werden wollen. Sie kennen es gar nicht anders. Sie kennen nur das nagende Gefühl der Ungerechtigkeit und des Wunsches nach Gerechtigkeit. Die Wut frisst auf und sie betäubt, wenn man hilflos und verzweifelt ist. Menschen verlieren sich in ihren kleinen Leben, beginnen an der Ungerechtigkeit zu verzweifeln und hilflos verdammt zu sein, darin gefangen zu bleiben, weil die Welt eben so ist, wie sie ist. Weil die Welt ungerecht ist und es auch niemand, der es könnte, wirklich ändern möchte. Das ernährt eine zerstörerische Wut, die unaufhaltsam das Leben aushöhlt. Das Leben all der unbedeutenden Menschen. So schön sie auch versuchen, ihr Leben bedeutsam zu gestalten, die Grenzen, die ihnen gesteckt wurden, erlauben nicht sehr viel. Manche finden Erfüllung darin. Doch die meisten leben ein betäubtes Leben voller unendlichem Zorn. Andere würden sagen, sie empfänden nur Neid. Sie würden sie verdammen für ihre Wut und ihren Wunsch nach Gerechtigkeit. Andere Maßstäbe, andere Wertvorstellungen, ein aufgebürdetes Moraletikett.

Wie man auch darüber urteilen mag und ja, wir alle urteilen darüber auf die ein oder andere Art, jedenfalls ist sicher: Mära war ein wütendes Mädchen. Sie fühlte die Bürde der Ungerechtigkeit, seit sie fähig war, sie zu verstehen. Es war alles, was sie je von ihrer Mutter lernte. Die Welt ist ungerecht. Die Wut darüber ließ ihre Mutter in Depressionen versinken. Sie selbst war unfähig, der Wut zu entkommen. Mära hatte keine Antworten, sie hatte keine Macht, sie war ein Niemand. Selbst in ihrer eigenen Geschichte. Worauf sollte sie hoffen? Ein Leben stets am Rand der Gesellschaft, immer ausgeschlossen, unbemerkt, ungeliebt, arm? Kinder in die Welt zu setzen, denen sie nichts anderes zu bieten hatte? Zu nichts mehr da zu sein, als Kinder zu gebären?

Wie viel besser klang es da, die Nachfolge der Hohepriesterin anzutreten? Geachtet zu werden? Dazuzugehören? Wer würde es nicht glauben wollen, dass ein besseres Leben wartet, wenn man nur will? Wenn man nur gehorcht? Nene nutzte die Schwäche der menschlichen Natur. Ihr Wissen über die Menschen und ihre Erfahrung mit ihnen gaben ihr reichlich Macht über sie. So war sie wohl wahrhaftig mehr als ein Mensch geworden. Sie stand über ihnen. Als Hohepriesterin, wie könnte es auch anders sein? War sie doch die Vermittlerin zwischen dem Göttlichen und den Menschen. Mära war nur eine von vielen, die ihrem Narrativ glaubten. Nene bestimmte und lenkte ihr Denken und Handeln, ihre Gefühle. Sie kontrollierte sie, wie eigentlich alles und jeden um sich herum. Nur fiel es den wenigsten auf. Einem wütenden Mädchen konnte es doch auch gar nicht auffallen. Es wollte nur ein besseres Leben. Es sehnte sich nach mehr.

Vielleicht wollte sie mehr, als ihr zustand? Schließlich wollte sie hoch hinaus. Aber es war ein Ziel. Wir alle brauchen Ziele. Wir alle brauchen Träume. Und Mära träumte. Sie träumte davon, geliebt zu werden. Dass es einen Grund für ihr Leben gab. Einen Grund, zu sein, zu leben. Daran hielt sie fest. Sie freute sich über die Möglichkeit, die Chance, die Nene ihr geben wollte. Es war ihr so wichtig, Nene nicht zu enttäuschen. Es zu schaffen. Ihr Ziel zu erreichen. Also tat sie, worum auch immer Nene sie bat. Sie tat, was man ihr sagte, so gut sie es eben vermochte. Sie versuchte, jemand anderes zu sein, als sie im Grunde war. Ließ sich biegen, schikanieren, tadeln, kritisieren, verändern. Sie versuchte, jemand anderes zu sein, die Träume anderer wahr zu machen. Weil sie glaubte, es wären die ihren, es würde sie ihrem Wunsch nach Liebe und Zugehörigkeit näherbringen. Man lehrte sie, sie müsse dafür nur wollen und sie könnte alles erreichen. Und sie wollte mehr, als irgendwer je gewollt hatte. Aber Wollen allein reichte nicht, egal, was man ihr einredete.




3. Kapitel
Wenn Träume enden


Dass Wollen alleine nicht reichte, zeigte sich, als die Bluterbin geboren wurde. Nene hatte schlagartig keine Zeit mehr für etwas anderes als ihr eigenes Drama. Mära wurde wieder zu dem Niemand, der sie immer war. Ohne jegliche Hoffnung, je was anderes mehr zu sein. Sie wurde nicht mehr gebraucht, hatte keinen Nutzen mehr. In einem Moment hatte sie noch ein Leben, eine Zukunft, und im nächsten wurde sie von allen fallen gelassen, als hätte es sie nie gegeben. Als wäre sie nie für die Nachfolge auserwählt worden. Ja, als wäre sie einfach aus der Zeit gelöscht worden. Zumindest verhielten sich alle ihr gegenüber so. Mära könnte fast selbst glauben, sich all dies nur eingebildet zu haben, und genau das sollte es bezwecken. Die Wahrheit wurde das, was Nene behauptete, und die Vergangenheit wurde neu geschrieben. Tatsachen wurden zu Einbildung, und kollektives Vergessen war die Folge.

Mära wurde vergessen. Sie war nicht von Bedeutung, nie gewesen. Mära war von einem Moment auf den nächsten ausgelöscht. Menschen, die sie für Freunde hielt, sprachen nicht mehr mit ihr. Wozu auch? Sie war ein Niemand. Dass sie einst als Nachfolgerin auserkoren war, das war nicht mehr als ihr Wunschtraum gewesen. So tat man jetzt zumindest. Nichts von allem, was Mära erlebt hatte, war passiert. Sechs Jahre von Märas Leben waren einfach fort. Ungeschehen. Menschen taten so, als ob es sie nie gegeben hätte, sie sich nie gekannt hätten. Sie gehörte nicht mehr dazu. Gar nicht mehr. Sie existierte einfach nicht mehr. Mära wurde nicht mehr zu Nene gelassen. Ihre Anrufe nicht mehr entgegengenommen. Sie wurde wie eine Fremde behandelt, eine Außenseiterin, eine Verrückte. Dabei grinste der ein oder andere sogar hämisch aus Schadenfreude, wohl wissend, wer sie einst war und was man ihr versprochen hatte. Versprechen waren nichts wert.

Nene war schon in jenen Tagen gut mit Worten gewesen, als Mära noch Ansehen genoss und dazugehörte. Sie konnte schon da alles so drehen und verdrehen, wie sie es wollte. Sie legte die Worte aus, wie sie es gerade brauchte, wie es ihr am gelegensten kam. Nene hatte es immer schon so ausgelegt, dass es Mära war, die sich irrte. Sie hatte es einfach falsch verstanden. Es war immer schon Märas Fehler, ihre eigene Schuld. Auch jetzt, wo sie gänzlich ausgeschlossen wurde, legte man es ihr selbst als ihre eigene Schuld aus. Auf diese Weise ausgestoßen zu werden, versetzte Mära in völlige Verzweiflung. Man brachte sie dazu, an sich selbst zu zweifeln und an ihre eigene Verrücktheit zu glauben. Dabei hatte sich nur eins geändert: Die Bluterbin wurde geboren. Nene hatte eine Enkelin bekommen. Mehr war nicht geschehen. Mehr war nicht notwendig. Mehr musste nicht geschehen.

Mära wurde fallen gelassen. Sechs Jahre lernen, folgsam sein, gehorchen, gemeinsam eine Zukunft aufbauen, Freundschaften schließen, einer Gemeinschaft angehören, für die Gemeinschaft arbeiten. Sechs Jahre gemeinsam Zeit verbringen, gemeinsam leben. Vorbei. Sechs Jahre Lebenszeit vorbei und weggeworfen. Sechs Jahre Treue und Ergebenheit. Sechs Jahre einfach fort. Vergessen. Sie wandten sich alle von ihr ab, denn sie hatte Nenes Gunst verloren. Märas Verzweiflung über diesen Verlust war unbeschreiblich. Sie verlor jeglichen Halt. All ihre Freunde, all ihre Hoffnungen und Wünsche. Alles war verloren. Sie wurde, wie so oft in ihrem Leben, als nicht gut genug deklariert und fallen gelassen.

So bekam ihre Mutter wieder einmal Recht, die von jeher meinte, man dürfe niemandem trauen, sich auf niemanden verlassen. Die Welt wäre nun einmal so, sie wäre ungerecht, und sie müsse sich mit ihrem Los nun mal abfinden. Sie wäre eben nie gut genug für irgendwas. Sie müsste damit leben, eine Enttäuschung zu sein. Sie solle von ihrem hohen Ross herabsteigen und sich damit abfinden, wie alle anderen Niemande eben auch eine Arbeit zu verrichten, bis man eben eines Tages tot umfiele. Mehr gäbe es eben nicht.

Sechs Jahre lernte sie, dass man nur glauben müsste und die Göttin würde einem mehr schenken. Nur wollen müsste, und das Leben wäre voller Möglichkeiten. Doch dann kam es anders und stellte sich doch als Humbug heraus. Nun war sie so verzweifelt, dass sie nicht einmal mehr selbst wusste, was wahr war. Ob sie nicht selbst schuld daran hätte. Sie hätte einfach mehr glauben oder wollen müssen. Oder sie hätte nicht so leichtgläubig sein sollen und es besser wissen müssen. Man ließ sie nicht nur fallen, sondern zerstörte das kleine Bisschen ihres Selbstwertes mit Zweifeln und Verzweiflung. Man stieß sie aus der Gesellschaft aus. Allein blieb sie mit ihren Zweifeln und ihrem Schmerz zurück. Sich selbst überlassen. Ihre Mutter tat wie immer so, als hätte sie es ihr ja gesagt und von jeher vorhergesehen, dass es ein solches Ende nehmen würde. Sie wäre jetzt froh, weil das sowieso eine Sekte wäre und man sich auf so etwas nie einlassen hätte sollen. Mära solle doch auch darüber froh sein. Sie hätte noch einmal Glück gehabt, diesen Fanatikern entkommen zu sein.

Alles, was Mära die letzten Jahre wichtig war, was ihr Leben ausgemacht, ja erst zu einem Leben gemacht hatte, war nun für immer verloren. Die Menschen, die sie liebte und geglaubt hat, von ihnen geliebt zu werden, ihre Freunde und Wahlfamilie, sprachen nicht mehr mit ihr, über sie und gaben vor, sie nie gekannt zu haben. Sie nahmen ihre Existenz nicht mal mehr zur Kenntnis. Nichts als lästig war sie ihnen geworden. Die Menschen ihrer Gemeinschaft, die Menschen, denen sie sechs Jahre ihres Lebens geschenkt hat, hatten von einem Tag auf den anderen bewusst beschlossen, sie zu vergessen und aus ihrer Erinnerung zu löschen. Mit einem Mal musste Mära erkennen und begreifen, dass diese Menschen sie nie wirklich geliebt haben, sie nie als ihre Freundin sahen. Alles, was sie sich jetzt wünschte, war jemand, der sie liebte, so wie sie war. Wahre Liebe. Danach sehnte sie sich. Der Trost von jemandem, dem sie wirklich wichtig war. Sich in dessen Umarmung geborgen zu fühlen und sich darin zu verlieren. Das würde sie brauchen, um diesem Schmerz, der Leere, irgendetwas entgegenzuhalten. Sie fühlte, wie sie brach. Wie sie in tausend Stücke brach und sie einfach nicht mehr länger zusammenhalten konnte. Die gnadenlose Wirklichkeit traf sie, und wieder einmal in ihrem Leben war sie ohnmächtig ausgeliefert. Sie fühlte sich verraten und verloren. Es gab keinen Trost. Das Gefühl war überwältigend und einfach alles einnehmend. Es war alles so erdrückend.




4. Kapitel
Versunken in Depressionen kommt es anders, als man denkt


Sie hielt es in ihrem Zuhause nicht mehr aus. Es war ihr nie ein wirkliches Zuhause gewesen. Es glich mehr einem schwarzen Loch der Trostlosigkeit und Schwere. Ein Ort, der jegliche Freude einsog und für immer im Dunkeln einschloss. Ein Ort der Kritik. Hier lebte sie mit ihrer Mutter. Sie kannte kein anderes Daheim. Zwei Zimmer, Küche, Bad, keine Heizung, feucht und kalt und arm an allem. Es fehlte einfach an allem. Ganz besonders der Wärme eines mitfühlenden Herzens. Das hatte ihre Mutter schon lange nicht mehr, falls sie es je gehabt hatte. Sie kannte sie nur kalt und wütend, leer und alles Leben raubend. Mära hatte sie nie lachen gesehen. Es gab keinen Platz für Lachen oder Freude, keinen Platz für Träume oder Hoffnungen. Ihr Trost war es immer gewesen, die Zeit andernorts zu verbringen. Diesem Loch zu entkommen und zu entfliehen.

Sie wollte so gerne sich zugehörig fühlen. Sie war es nie. Sie wollte so gerne dazugehören. Sie hätte es besser wissen müssen. Schließlich lernte sie Nene durch eine Freundin ihrer Mutter kennen. Dabei sagte ihre Mutter selbst, so etwas wie Freunde gäbe es nicht, da man niemandem trauen dürfe. Also war es für sie eher eine Bekanntschaft als eine Freundschaft, jemand, der hin und wieder ihre Einsamkeit vertrieb. Diese Bekannte kam alle paar Monate zu Besuch und erzählte dabei auch von Nene. Mära war sogleich gefesselt und wollte Nene unbedingt selbst kennenlernen. Sie bettelte daher jedes Mal, wenn die Bekannte kam, bis diese irgendwann nachgab und eine Einladung, alle kennenzulernen, aussprach. So war es geschehen. Mära hatte auf so viel gehofft. Sie war noch so jung gewesen. Mit 14 Jahren traf sie diese Menschen. Sie wurde Teil von etwas Größerem, wie man ihr beibrachte. Sechs Jahre später verlor sie es wieder. Sie war wieder Teil von nichts. Einzig und allein ihr Glaube an die Göttin war zu tief in ihrem Herzen, als dass er ihr hätte verloren gehen können.
...
5 Sterne
Eine Wohltat - 10.02.2026
Rezzan

Ich habe lange nicht mehr gelesen. Mit diesem Buch wieder zu lesen begonnen und wirklich viel Spaß daran. Ein Buch für die Seele und angenehme Stunden für sich selbst.

5 Sterne
Spannende Phantasiegeschichte - 07.01.2026
Christian

Es handelt sich bei dem Buch um eine sehr spannende Phantasiegeschichte, die aber durchaus auch im realen Leben passieren könnte! Die Handlung wurde halt in das Weltall verlegt und handelt von verschiedenen Wesen. Diese stehen stellvertretend für die vielen unterschiedlichen Typen von Menschen und deren Problemen.Die Geschichte ist von Beginn an spannend und hat mich bis zum Schluss gefesselt.Ich bin schon neugierig auf eine Fortsetzung und kann diese kaum erwarten!

5 Sterne
Sehr schön zu lesen - 07.01.2026
Gitta

Liest sich leicht und flüssig. Die Seiten sind im Flug vergangen. Ich bin schon auf den nächsten Teil gespannt.

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