Cover: Verbunden für den Augenblick

Verbunden für den Augenblick
Verbunden für die Ewigkeit


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 342
ISBN: 978-3-7116-0451-4
Erscheinungsdatum: 04.06.2025
Ein kleines Mädchen wird geboren. Es trägt das Mal der Prophezeiung und man wird es Elena nennen. Es weiß noch nicht, wofür es bestimmt ist. Kann die Liebe siegen, wenn das Schicksal andere Pläne hat?
Vorwort


Bevor du in die Seiten dieses Buches eintauchst, möchte ich einfach Danke sagen.

Für all die Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben – mit offenen Ohren, ehrlichen Worten, Geduld und Vertrauen.

Ein besonderer Dank gilt meiner Schwester Anna – meiner treuesten Leserin, meiner stillen Heldin im Hintergrund. Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie oft sie dieses Manuskript gelesen hat – nur um mir Feedback zu geben, mich aufzubauen oder einfach nur da zu sein. Wahrscheinlich kennt sie inzwischen jede Zeile auswendig – und trotzdem hat sie nie die Ausdauer oder Geduld verloren.

Danke, Anna, dass du so unermüdlich an meiner Seite bist.

Und nun: Viel Freude beim Lesen!




In einem schlichten Zimmer eines kleinen Hauses am Waldrand beginnt etwas Außergewöhnliches. Eine zierliche Frau liegt in den Wehen auf einem großen Holzbett, während eine Hebamme Anweisungen gibt. Drei alte Männer, die Sapientes unseres Volkes, beobachten die Szene. Einer von ihnen, gebeugt und auf einen Stock gestützt, wirkt mitgenommen, doch seine wachen Augen zeugen von tiefer Weisheit. Die anderen beiden sind lebhafter, angespannt ob des Geschehens.
Diese Sapientes sind die letzten ihrer Art, weit über 150 Jahre alt, aber auch ihre Zeit, so scheint es, neigt sich dem Ende entgegen. Sie tragen unsere Geschichte und viel Weisheit in sich. Bis vor zwei Jahrhunderten gab es in jeder Generation mehrere Sapientes. Sie sind etwas Besonderes in unserem Volk, denn sie werden älter als alle anderen. Sie sind hier, weil es momentan im Volk der Fatae nicht üblich ist, mehr als ein Kind zu bekommen. In diesem Fall wird sogar ein drittes erwartet.
Quinn, der Ehemann, eilt herbei, als er erfährt, dass es losgeht. Er war bei allen Geburten dabei, also natürlich auch bei dieser. Mit einem lauten Knall öffnet sich die Tür, ein muskulöser Mann mittleren Alters mit zerzaustem braunem Haar stürmt herein und geht schnellen Schrittes auf seine Frau zu.
Quinn nimmt zärtlich ihre Hand und fragt besorgt: „Kiana, meine Liebe, wie geht es dir?“
„Gut, dass du da bist, das gibt mir Kraft“, antwortet Kiana.
Lächelnd zeigt Quinn auf ihre verschränkten Hände. „Du kannst zudrücken, wenn eine Wehe kommt.“ Quinn nimmt ein nasses Tuch und tupft seiner Frau liebevoll den Schweiß von der Stirn. Jedes Mal, wenn eine Wehe sie überkommt, versucht er sie so gut wie möglich zu unterstützen. Die beiden blicken sich voll Liebe an.
„Wo sind die Kinder, Fiona und Kilian?“, fragt Kiana erschrocken.
„Keine Sorge, die beiden sind in guten Händen und freuen sich schon darauf, ihre neue Schwester kennenzulernen. Fiona war sich da ganz sicher.“ Kiana lächelt wieder, bis eine weitere Wehe sie zusammenzucken lässt. Wenn man eine dreijährige Tochter hat, die in die Zukunft sehen kann, weiß man früher oder später, welches Geschlecht das Kind hat, das man unter dem Herzen trägt. Wieder überkommt Kiana eine Wehe. Dann gibt die Hebamme ihr das Kommando zum Pressen.
Nach nur kurzer Zeit erblickt wie vorhergesagt ein kleines Mädchen das Licht der Welt. Die Hebamme wickelt das kleine Wesen in ein Leinentuch und übergibt es der Mutter. „Ihr habt eine wunderschöne Tochter, sie trägt sogar das Zeichen der Prophezeiung.“ Die Sapientes werden bei diesen Worten hellhörig und versuchen einen Blick auf das Mal zu erhaschen. Kiana nimmt das Kind und legt es an ihre Brust, wo die Kleine etwas ungeschickt zu saugen beginnt. Sie betrachtet nun das Mal auf der linken Hand des Neugeborenen zwischen Daumen und Zeigefinger. Genau wie auf der Prophezeiung. Auch Quinn küsst seine Frau stolz auf die Stirn. Die Geburtshelferin packt alles zusammen und verlässt den Raum.
Die drei Sapientes, die bereits rätseln, was es wohl zu bedeuten hat, dass die Kleine das Mal trägt, wollen sich ihr anschließen, als sie plötzlich am Fenster eine Ansammlung verschiedenster Tiere sehen. Alle blicken neugierig auf das Bündel. Die Art und Weise, wie sie so nebeneinanderstehen, ergibt ein sehr merkwürdiges Bild. Fasziniert beobachten alle die Tiere, die sich scheinbar verbeugen und dann nach und nach verschwinden. Es sind nur noch ein Eichhörnchen, eine Eule und ein Luchs übrig. Das Baby schreit kurz auf, woraufhin die drei Tiere ihre Tierlaute von sich geben und ebenfalls verschwinden. Es wirkt beinahe so, als hätten sie sich verständigt.
Dann machen sich auch die drei Sapientes auf den Weg in ein nahe gelegenes Gebäude. Dort beginnen sie über das Geschehene zu diskutieren. Der älteste der drei, der auch als Anführer der Sapientes gilt, eröffnet das Gespräch, indem er die Prophezeiung zitiert: „Beinahe vernichtet, gerade so geflüchtet. Drei werden geboren, als alles scheint verloren. Nach großem Leid, folgt endlich Freud. Ihr werdet es sehen und erneut auferstehen. Machtvoll werden sie sein und Generationen stärken obendrein.“

„Meine Brüder, es ist offensichtlich, dass das Auftauchen des Mals ein Zeichen von großer Bedeutung ist.“ Die anderen beiden Männer nicken zustimmend, der zweite Sapientes fügt hinzu: „Was ebenfalls auf eine besondere Bestimmung hinweist, ist das Erscheinen der Tiere. Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass so etwas passiert. Früher hatten viele von uns vertraute Tiere, heutzutage leider nicht mehr. Es schien, als hätten sie eine Verbindung zu dem Neugeborenen“, sagt der älteste Sapientes nachdenklich.
„Wir müssen herausfinden, welchen Weg sie einschlagen wird und welche Rolle sie in unserem Volk spielen wird.“
Der dritte Sapientes, der bisher schweigend zugehört hat, hebt den Kopf und spricht mit ruhiger, tiefer Stimme: „Brüder, ich hatte während der Geburt eine Vision. Ich sah eine Zukunft, in der wir einen großen Wandel durchlaufen werden. Das Mädchen sowie ihre Geschwister werden dabei eine Schlüsselrolle spielen.“
Die anderen beiden Männer sind beeindruckt von den Worten des Dritten und sie alle spüren, dass das Schicksal des Mädchens eng mit ihrem eigenen verknüpft sein wird.
„Wir müssen sicherstellen, dass das Mädchen und ihre Geschwister auf diese Aufgabe vorbereitet werden“, sagt der älteste Sapientes nachdenklich. „Wir müssen ihnen unser Wissen und unsere Fähigkeiten vermitteln, die sie auf ihrem Weg unterstützen werden. Sie müssen lernen, sich ihrer Bestimmung bewusst zu werden und die Verantwortung anzunehmen, die auf ihnen liegt.“
Die anderen beiden Männer stimmen zu und sie beschließen, die drei Geschwister eng zu begleiten.
Kiana lächelt ihre Tochter an und sagt: „Du bist auch etwas ganz Besonderes, wie deine Geschwister.“ Dann fliegt die Tür erneut auf. Diesmal stürmt ein kleines rothaariges Mädchen herein. Sie zieht einen etwas unsicheren Jungen hinter sich her. Die beiden klettern auf das Bett und schauen neugierig auf das Neugeborene.
„Ist sie das?“, fragt das Mädchen skeptisch.
„Ja, Fiona, das ist deine kleine Schwester“, antwortet Quinn.
Das Mädchen seufzt. „Sie wird Ärger machen, auch wenn sie noch nicht so aussieht.“
Quinn und Kiana können sich ein Lächeln nicht verkneifen: „Dann ist es ja gut, dass sie eine so umsichtige große Schwester und einen so tapferen großen Bruder hat, die auf sie aufpassen“, antwortet Quinn, und Fiona nickt zustimmend. Kilian krabbelt auf den Schoß seiner Mutter und beginnt, das Neugeborene zu streicheln, das ein wenig quengelig geworden ist. Als er es berührt, beruhigt es sich sofort.
Kiana schaut den kleinen Jungen liebevoll an. „Was sagst du zu deiner kleinen Schwester, Kilian?“
„Elena“, wirft Fiona ein.
Quinn und Kiana schauen sich an und nicken. „Gut, Kilian, was sagst du zu Elena?“ Er sieht sie aufmerksam an.
„Sie ist etwas onderes.“
„Du meinst etwas Besonderes?“, fragt Kiana ihn.
Diesmal nickt Kilian. Fiona verdreht die Augen. Quinn nimmt Fiona in den Arm und küsst sie auf die Stirn. „Ihr seid alle etwas Besonderes.“

In einer entfernten Gegend zur gleichen Zeit wagt ein einjähriger Junge seine ersten Schritte auf seine Mutter zu. Doch es sind nicht die Schritte, die die Mutter in Erstaunen versetzen. Der kleine Junge schwebt knapp über dem Boden, während er seine ersten Schritte macht. Es scheint ihm zu gefallen, denn er gibt immer wieder fröhliche Laute von sich. Das Geräusch lässt den Wolfswelpen aufhorchen. Dieser ist vor ein paar Tagen plötzlich aufgetaucht und hat den Jungen seitdem nicht mehr aus den Augen gelassen. Alle Versuche, den Wolfswelpen zu verscheuchen, sind fehlgeschlagen. Das Tier stapft auf ihn zu, und als der Junge den Wolf sieht, hebt dieser ebenfalls ab. „Damien, komm schnell!“
„Was ist los, Aline?“ Ein hochgewachsener Mann mittleren Alters kommt ins Wohnzimmer. Als er seinen Sohn erblickt, bleibt er fassungslos stehen. Der Kleine schwebt immer noch knapp über dem Boden. Inzwischen ist der Welpe bei dem Jungen angekommen und fliegt neben ihm. „Was ist das? Wie machst du das?“
„Ich mache gar nichts“, entgegnet Aline ihrem Mann. „Er macht das. Unser Sohn hat besondere Fähigkeiten. Weißt du, was ich denke? Er ist der Auserwählte der Prophezeiung.“
Damien schaut seine Frau erstaunt an. „Das kannst du nicht wissen.“
„Das kann ich nicht wissen? Siehst du nicht, was ich sehe?“
Beide blicken wieder erstaunt ihren Sohn an, der großen Spaß an der Situation hat. Ganz im Gegensatz zum Wolf, der lieber wieder festen Boden unter den Füßen hätte und dies durch lautes Heulen zum Ausdruck bringt. Der Junge senkt daraufhin seinen Arm, und der Wolf landet wieder auf dem Boden. Er schaut den Jungen beleidigt an, schüttelt sich einmal und geht dann davon.
„Das hast du gut gemacht, Finn.“ Stolz schauen die Eltern ihren Sohn an. „Kommst du zu uns?“ Damien streckt seinem Sohn die Arme entgegen. Dieser geht diesmal mit unsicheren Schritten auf seine Eltern zu. Damien fängt seinen Sohn auf und wirbelt ihn durch die Luft. „Du bist wirklich etwas Besonderes, mein Junge. Wir werden aus dir einen großen Anführer machen. Dank dir werden wir im Orden weit kommen. Das Schicksal meint es gut mit uns.“




14 Jahre später

ELENA


Ich laufe in den Wald, obwohl ich eigentlich bei meinen Geschwistern sein und üben sollte. Bei dem heutigen Treffen mit den Sapientes erzählt uns einer von ihnen über das Mal der Prophezeiung. Er sagt, dass das Mal der Prophezeiung auf der Auserwählten des Volkes erscheint, der Person, die dazu bestimmt ist, das Böse abzuwenden und das Volk zu retten.
Und anscheinend bin ich diese Auserwählte.
Alles scheint mir auf einmal nur noch verrückt. Ich wusste, dass ich und meine Geschwister die Einzigen in unserem Volk waren, die über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen, was uns besonders macht, aber zu etwas auserwählt zu sein, verunsichert mich dann doch. Warum trifft es ausgerechnet mich? Fiona ist doch viel mächtiger als ich. Welche Verantwortung würde nun auf mir lasten? Und vor allem, wie sollte ich diese Aufgabe erfüllen?
Ich schüttele mich. Was für ein Unsinn, ich habe das Mal nicht einmal gesehen, es soll ein paar Tage nach meiner Geburt verschwunden sein. Trotzdem glaubt unser Volk, dass ich für etwas bestimmt sei. Aber was das sein soll, kann mir niemand sagen, nicht einmal unsere allwissenden Sapientes. Jeden Tag werden mir alle möglichen Lektionen in Kampfkunst und Wissen erteilt. Nie hat mich jemand gefragt, ob ich das alles will.
Meine Fähigkeiten kann ich sowieso nur im Wald richtig ausleben. Warum also in einem kleinen Raum sitzen und Theorien über meine Kräfte hören, wenn ich sie im Wald perfektionieren kann? Ich beginne immer schneller zu laufen und hebe vom Boden ab. Ich fliege immer höher und rufe meine Freunde. Schon bald gesellt sich eine weiße Eule zu mir. Sie fliegt ohne große Anstrengung neben mir her. Ein Eichhörnchen schwingt sich von Baum zu Baum und springt schließlich im hohen Bogen auf mich zu. Ich fange es sicher auf und verstaue es in meinem Shirt. Am Boden hat sich inzwischen ein Luchs zu uns gesellt, der uns in hohem Tempo folgt.
Mit dieser Geschwindigkeit sind wir schon nach kurzer Zeit am Ziel. Mitten im Wald gibt es eine Lichtung mit einer Wasserstelle und einem kleinen Wasserfall. Ich liebe diesen Ort, nirgendwo spüre ich so viel Ruhe und gleichzeitig so viel Kraft in mir aufkommen. Das Gras ist hier so grün wie sonst nirgendwo. Das Wasser ist so klar, dass man bis auf den Grund sehen kann. Der Wasserfall stürzt mit einer gewaltigen Kraft herab, die einen demütig macht. Nichts ist so schön und gleichzeitig so gefährlich wie Wasser.
Ich schwebe zu Boden und begrüße meine Begleiter mit einem fröhlichen Lachen und einer herzlichen Umarmung. „Es ist so schön, mit euch hier zu sein. Ich hasse es, in diesem blöden Raum zu sitzen und etwas über mich und euch zu lernen. Mal ehrlich … was soll ich über euch lernen, was ich nicht schon längst weiß? Ihr seid meine Gefährten und Beschützer, meine besten Freunde.“
Das Eichhörnchen lässt sich auf meiner rechten Schulter nieder und kuschelt sich an meinen Hals. Das gibt mir so viel Kraft. Der Luchs liegt zu meinen Füßen und die Eule sitzt mir gegenüber auf einem kleinen Baumstamm.
Ich lächele alle drei liebevoll an. „Was würde ich nur ohne euch machen? Könnt ihr euch vorstellen, was ich heute erfahren habe? Ich bin die Auserwählte. Ich hatte bei meiner Geburt das Mal der Prophezeiung an der Hand. Vielleicht hat es sich das Schicksal jedoch anders überlegt, weil es danach verschwunden ist“, sage ich etwas hoffnungsvoll.
Meine Eule sieht mich mit ihren großen Augen streng an und beginnt mich zu belehren. Ja, es stimmt, ich kann mit den Tieren sprechen, nicht mit allen, aber diese drei sind etwas Besonderes. Seit meiner Geburt sind sie an meiner Seite. Nigrim, meine Eule, ist schneeweiß mit schwarzen Flecken und sehr weise. Sie hat mir schon viel beigebracht. Außerdem ist sie, wie meine große Schwester, die Vernünftige.
Minx, das kleine rotbraune wuschelige Eichhörnchen, ist immer für mich da. Sie spürt immer, wenn es mir nicht gut geht und tröstet mich.
Dann ist da noch Huka, mein Luchs, der immer auf mich aufpasst.
„Ich verstehe dich, aber ich fühle plötzlich diese Last der Verantwortung auf meinen Schultern. Ich habe das Gefühl, ständig beobachtet und beurteilt zu werden. Ich weiß, dass die Leute große Hoffnungen und Erwartungen in mich setzen, aber das ist nun zu viel. Ich möchte doch einfach nur ein normales Mädchen sein.“
Nigrim erwidert nichts darauf, ich beginne zu summen und streichele dabei Hukas Fell. Plötzlich spitzt er die Ohren und geht in Lauerstellung.
„Was ist denn los?“ Da höre ich es auch, etwas kommt mit rasender Geschwindigkeit auf uns zu. Ich erschrecke leicht, als Kilian abrupt vor mir stehen bleibt. Huka gibt seine Lauerstellung auf und legt sich wieder gemütlich auf den Boden.
Kilian blickt traurig auf mich herab. Was nicht schwer ist, denn er ist gut einen Kopf größer als ich. „Elena, du hast Glück, dass ich so schnell und vor Fiona da bin. Sie ist schon wieder sauer auf dich, weil du weggelaufen bist. Kannst du uns nicht wenigstens einmal Bescheid sagen, bevor du gehst?“
„Nein, das kann ich nicht, denn dann würdet ihr mich nicht gehen lassen.“
Kilian schüttelte traurig den Kopf. „Aber immer wegzulaufen, kann doch auch nicht die Lösung sein. Wenn du mehr mit uns reden würdest, könnten wir dich vielleicht besser verstehen.“
Ich schaue ihn ebenfalls traurig an. „Du verstehst mich, aber Fiona nicht, egal was ich mache. Was soll es also bringen?“
Kilian kommt ein paar Schritte auf mich zu und fasst mich an den Schultern. „Sie will dich nur beschützen, versteh das, sie will dir nichts Böses. Sie hat sich wie verrückt mit den Sapientes gestritten, weil sie nicht wollte, dass du dein Schicksal bereits erfährst und es dir zu viel wird.“
Da kommt Fiona bereits angerannt. Wie eine Furie stürmt sie auf mich zu. Ziemlich außer Atem, wie ich finde. Wer sollte hier trainieren?, denke ich bei mir, sage es aber natürlich nicht laut.
„Da bist du ja! Wie kannst du es wagen, schon wieder wegzulaufen? Habe ich dir das nicht verboten?“, fährt sie mich an.
Ich schaue sie trotzig an. „Du bist nicht meine Mutter, ich lasse mir von dir nichts verbieten.“
Fiona reißt die Augen auf und macht noch einen Schritt auf mich zu. Ich weiß, dass sie gekränkt ist, wenn ich so etwas sagte. Schließlich ist sie seit meiner Geburt immer für mich da. Dann steht Kilian zwischen uns. Schnell verfliegt meine Wut auf Fiona ein wenig. Das ist er, Kilian. Er kann die Gefühle von jedem Lebewesen spüren und beeinflussen. Egal, welche Gefühle einen zu überwältigen drohten, er kann sie abschwächen. So wird meine Wut kleiner. Aber bei Fiona scheint es diesmal nicht zu funktionieren. Ich glaube, er hat es einfach schon zu oft mit ihr praktiziert. Jedes Mal, wenn sie kurz davor ist, wegen mir zu explodieren, stellt er sich schützend vor mich und mildert ihre Wut. Aber heute ist es anders, sie lässt sich nicht beeinflussen.
„Lass es, Kilian! Heute lasse ich mich nicht von dir aufhalten. Heute muss es Konsequenzen geben.“
Kilian schaut mich entschuldigend an und tritt dann zur Seite. Fiona bleibt dicht vor mir stehen, auch sie überragt mich um einiges. Ich versuche mich aufzurichten, um mich nicht von ihr einschüchtern zu lassen. Ihre Augen werden kleiner und zwischen ihren Augenbrauen zeigt sich diese Falte, die sie nur bekommt, wenn sie besonders wütend auf mich ist. „Du wirst diesen Wald die nächsten zwei Wochen nicht mehr betreten. Wenn du dich gut benimmst, erlaube ich dir vielleicht, danach wieder hierherzukommen. Wenn nicht, bleibt das Verbot bestehen.“
Kilian will etwas sagen, doch Fiona stoppt ihn mit nur einem Blick. Fassungslos starre ich sie an. Das kann sie doch nicht ernst meinen … zwei Wochen nicht in den Wald?
„Damit du siehst, wie ernst es mir ist, binde ich dich an meine Worte.“
Alles geht so schnell, dass ich gar nicht reagieren kann. Als sie zu Ende gesprochen hat, legt sie mir einen Reif um mein linkes Handgelenk und schwingt ihre Finger in die Luft. Der Reif schließt sich sofort und passt sich meinem Gelenk so perfekt an, dass er sich keinen Millimeter mehr bewegt.
„Fiona, bitte denk noch einmal darüber nach. Ich bin sicher, Elena wird es diesmal verstehen.“
„Nein, sie hat heute eine Grenze überschritten! Ich bin für sie verantwortlich, solange unsere Eltern nicht da sind. Ich lasse mir von ihr nicht mehr auf der Nase herumtanzen.“
Benommen lausche ich dem Gespräch meiner Geschwister. Fiona wendet einen Zauber an, damit ich dem Wald fernbleibe. Ich bringe nur ein geflüstertes „Bitte“ heraus, als mir die Tränen kommen. Minx beginnt mich zu streicheln, ich taumle unsicher ein paar Schritte zurück.
...
5 Sterne
Verbunden für den Augenblick - 19.11.2025
Karen

Mitreißend und spannend bis zum Schluss. Sehr fesselnde Charaktere, überraschende Wendungen. Tolle Lektüre.

5 Sterne
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Spannend bis zum Schluss!

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