Science Fiction & Fantasy

Thornforest

Lilli Dorgerloh

Thornforest

Trage meine Liebe

Leseprobe:

- 1 -



Prolog
Lily

Niemand hat jemals ein so freies und fröhliches Leben gelebt wie sie. Die Sonne schien auf ihr Gesicht und es war schwer das Lachen des kleinen Mädchens zu übersehen. Die Hängematte schaukelte im lauen Sommerwind und der Himmel malte Bilder aus den vorüberziehenden Wolken. Sie lief noch etwas wackelig über die Wiese und spielte mit sich selbst Verstecken hinter den Kirschbäumen. Ab und zu fiel sie hin, ihre kurzen Beine knickten noch oft weg, aber sie genoss das Leben, was sie noch vor sich hatte. Auf der Terrasse war der Tisch eingedeckt. Vier Plätze, ein Kuchen mit einer Kerze darauf. Sie war frühreif für ihr Alter. Das wussten ihre Eltern, doch blitzte der Stolz in ihren Augen auf, als sie ihre Tochter sahen, wie sie vor ihrem eigenen Schatten davonlief.
Es hätte nicht schöner sein können, das idyllische Anwesen, vor dem alle Menschen stehen blieben. Sie sagten oft, ein Kind, das so aufwächst, kann nur ein glückliches Leben haben. Wie recht sie hatten. Die Schmetterlinge setzten sich auf ihre Nasenspitze und sie musste niesen. Wieder lachte sie und machte mit diesem zauberhaften Lachen aller Welt Konkurrenz. Der Teich, der am Ende von der Wiese lag, war mit Seerosen übersät und man konnte Frösche hören. Sie ahmte die Geräusche nach. Nichts und niemand hätte dieses Bild zerstören können. Ein Baby, das gerade durch die Tür ging, um ein kleines Mädchen zu werden, ihre Eltern, die vor Stolz nicht wussten, was sie sagen sollten. Und ein Mann, der abseits stand. Schweigend, er sollte dazugehören, ihm gehörte der vierte Platz am Tisch. Auch er zeigte seine Aufmerksamkeit dem kleinen Mädchen, jedoch war er allein. Er konnte nicht dazugehören, er war so anders. Die Harmonie der Familie wurde von einem so kleinen Menschen zusammengehalten, denn – das sah man auf den ersten Blick – es gab keine Liebe zwischen den Menschen, die das Mädchen bewunderten.
Sie war wirklich etwas Besonderes, wie sie über die Sommerwiese lief und mit jedem Lachen Liebe in die Luft warf. Liebe, die diese Familie brauchte. Und das, obwohl es vielleicht nicht sofort danach aussah. Der Mann grinste, und wenn man ihn genauer betrachtete, konnte man sehen, dass auch er vor Stolz platzte, es aber nicht zeigen konnte. Er hätte es so gerne gezeigt, doch ihm stand nur der vierte Platz am Tisch zu. Niemand hatte ihn nach seiner Meinung gefragt.
Und obwohl es nicht perfekter hätte sein können, konnte man mit jeder Sekunde mehr sehen, dass ein Fluch auf dieser Familie lag. Ein Fluch, der sie in ein schwarzes Loch zog. Doch konnte man nicht sehen, wieso diese Familie so zerbrochen war.
Das kleine Mädchen lief ein weiteres Mal durch die dicht stehenden Kirschbäume und verschwand in den gigantischen Schatten, welche die Bäume warfen. Die Sonne versteckte sich hinter einer riesigen Wolke und die Harmonie zerbrach, sobald das Mädchen nicht mehr in Sichtweite war.
Die Eltern hörten einen Schrei, hoch und schrill. Und auch der alte Mann hörte ihn, nur hörte er ein Brüllen hinterher. Er lief los. Den Bäumen entgegen, die das kleine Mädchen kurz zuvor verschluckt hatten. Er fand sie weinend auf dem Boden sitzen. Sie schaute in die Büsche, als hätte sie etwas gesehen. Der alte Mann wusste, dass sie etwas gesehen hatte. Er hob sie hoch und trug sie zurück zu den besorgten Eltern. Die junge Frau kam auf ihn zu und riss ihm ihre Tochter aus dem Arm. Sie funkelte ihn böse an, mit Augen, die der Nacht gehörten. Sie verschwand im Haus, zusammen mit dem Mädchen, das augenblicklich aufgehört hatte zu weinen, als der alte Mann sie hochgehoben hatte.
Die beiden Männer sahen sich in die Augen. Zwei Augenpaare, die nicht hätten identischer sein können. In beiden war eine Leere zu sehen, die nicht gefüllt werden konnte. Der junge Mann drehte sich ebenfalls um und ließ seinen Vater dort stehen.
Allein stand er da. Er blickte auf den Boden und bemerkte das Buch, welches er gefunden hatte, als er sie zurückgeholt hatte. Ein nicht ganz gewöhnliches Buch. Doch er kannte es und eine Träne tropfte auf den Titel.
Die Menschen sagten oft, ein Kind, das so aufwächst, kann nur ein glückliches Leben haben.
Wie unrecht sie hatten …

Sie wachte auf. Es war nur ein Traum, nicht real und voller Fantasie. Und doch kam er ihr vertraut vor, sie kannte ihn. Sie träumte gerne, aber war es normalerweise so anders als heute. Heute erwachten Erinnerungen in ihr. Sie kannte die Geschichte, oder dachte zumindest, sie zu kennen.
Die Sonne und der Garten, das alles war echt, nur nicht heute. Es waren Bilder der Vergangenheit. Die Familie, zerstritten. Es passte.
Nur heute war niemand mehr da und sie fragte sich, was aus ihrem Leben geworden war. Warum träumte sie von Erinnerungen, die sie an die schöne Zeit zurückdenken ließ? Die Zeit, die jetzt nicht mehr ist. Sie wurde traurig.



Kapitel 1
Lily

Grandpa sagt immer, Märchen wurden geschrieben, damit man sie nicht glaubt. Sonst würden sie nicht Märchen heißen. Ich weiß, dass Grandpa schon alt ist und oft Unsinn redet, aber in dieser Sache vertraue ich ihm. Grandpa ist ein Märchenbuch auf Beinen und ich liebe es ihm zuzuhören, auch jetzt noch, obwohl ich schon fast 17 Jahre alt bin. Ich glaube, niemand auf der Welt ist so von seinem Grandpa abhängig wie ich …
Ich war 9 Jahre alt, als es passierte. Es kam so unerwartet, dass es nicht mal das Ende eines traurigen Märchens sein konnte. Meine Mum und mein Dad waren Wissenschaftler und Historiker. Sie interessierten sich für alles, was vor unserer Zeit passierte. Grandpa sagte immer, sie lebten in der Vergangenheit. Sie glaubten nur das, was sie auch selber beweisen konnten, und Märchen waren für meine Eltern der größte Schwachsinn in der Geschichte der Menschheit. Nach fast fünf Jahren mit Grandpa zusammen, hielten meine Eltern es nicht mehr mit ihm aus. Ich hörte Mum mit Grandpa streiten, jeden Tag schrie sie ihn an und manchmal hatte ich das Gefühl, sie hätte vergessen, dass er immer noch zur Familie gehört. „Ich habe gesagt, keine Märchen mehr oder ich verbiete dir, mit ihr zu reden!!!!“, rief sie eines Abends, als ich eigentlich schon schlafen sollte. „Aber es macht ihr Spaß, oder Lily??“, fragte er mich, als er sah, dass ich im Türrahmen stand, mit einem Märchenbuch in der Hand. „NENN SIE NICHT LILY!“, brüllte Mum. „Sie heißt Olivia!“ Es war kaum zu glauben, doch am nächsten Morgen packte Dad alles, was wir hatten, ins Auto und wir fuhren weg. Ohne ein Wort an Grandpa setzten sie sich mit mir ins Auto und fuhren einfach weg. Sie ließen meinen Grandpa einfach allein zurück. Allein auf einem riesigen Anwesen, worin die Familie McWheel schon immer gelebt hatte. Meine Kindheit hier war einfach ein Traum und wir vier lebten hier schon fast wie eine richtige Familie, bis meine Eltern gingen – mit mir und ohne Grandpa. Das hatte ich ihnen nie verziehen, denn seit diesem Tag habe ich für eine sehr lange Zeit nichts mehr von ihm gehört.
Doch an dem Tag, als Mum und Dad nach Ägypten reisten, um sich mit dieser Geschichte zu befassen, wurde Grandpa zum Hauptbestandteil meines Lebens. Sie waren in einer Pyramide, natürlich mit Sicherheitsleuten. Doch als einer der Sicherheitsleute die Kontrolle verlor, brach wirklich alles zusammen. Sie gingen einen instabilen Gang entlang, als sich über ihnen die Decke löste. Elf Leute wurden verschüttet und nie wiedergefunden. Auch meine Eltern nicht! Ich hatte nie die Gelegenheit bekommen, mich zu verabschieden …
Ich war sehr lange traurig, allein, am Erdboden zerstört und wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte, bis sich mein geliebter Grandpa wieder meldete und mich mitnahm zu sich nach Hause, auf das Anwesen meiner Kindheit.

Ich heiße Lily. Lily Charly McWheel. Ich wohne jetzt seit fast neun Jahren bei meinem Grandpa in der Nähe von Edinburgh, in Blackford, Schottland. Nein, eigentlich heiße ich Olivia Charlotte McWheel, aber seit ich vier bin, nennt Grandpa mich nur Lily. Er meinte immer, es klänge magischer, wie in einem Märchen. Er sah die Dinge oft anders als gewöhnliche Menschen. Manchmal denke ich, Grandpa kommt aus einer anderen Welt, er hat so etwas Magisches an sich. Aber ich liebe ihn, denn er ist die einzige Person auf der Welt, die sich wirklich um mich kümmert, die mich tröstet und die mich versteht. Ich sage immer, Grandpa ist ein Träumer.

***

Gestern Nacht war wieder so eine Nacht, in der ich hätte heulen können. Ich lag in meinem Bett bei Grandpa im Haus, mein Zimmer ist im 1. Stock direkt neben dem Badezimmer und dem Fernsehzimmer von Grandpa. Ich finde die Lage perfekt, weil ich genau 8 Sekunden brauche, um ins Bad zu kommen und nochmals 8 Sekunden, um zurückzukommen.
Was bedeutet, dass ich es unter 30 Sekunden schaffe, auf die Toilette zu gehen, wenn ich mich beeilte. Das ist jetzt nichts Außergewöhnliches, aber ich bin in jeder Hinsicht der unpünktlichste Mensch auf der ganzen Welt, meistens, und wenn ich meine Zeit für den Gang ins Badezimmer verschwenden würde, dann würde ich noch mehr Zeit verlieren, als ich sowieso schon tat. Ich glaube, irgendwann wird einem die Zeit zum Verhängnis und für eine unpünktliche Person kann das noch schlimmere Folgen haben, als für jede andere. Wahrscheinlich habe ich das auch von Grandpa, wie vieles.
Außerdem kann ich abends gut zuhören, was Grandpa so für ein Programm guckt und wenn es mich interessiert, dann lehne ich meinen Kopf einfach dicht an die Wand. Mein Zimmer ist das zweitgrößte Zimmer im ganzen Haus und ich habe alles, was ein fast 17-jähriger Teenager so braucht: Ich habe einen Schreibtisch, obwohl ich den eigentlich überflüssig finde, weil ich sowieso nicht lerne, einen zweiten Tisch, wo ich meine Modeentwürfe zeichne – Ich liebe designen, fast so sehr wie Märchen. Und ein überdimensional großes Bett, in dem ich mich manchmal selbst verliere.
Ich verliere ständig Sachen, meistens Dinge, die man für die Schule braucht. Genau dann, wenn wir ein bestimmtes Arbeitsblatt brauchen, habe ich es nicht dabei, obwohl ich schwören könnte, dass es einen Tag zuvor auf meinem Bett oder so lag. Einige Male musste Grandpa deswegen sogar in die Schule kommen, um mit meiner etwas merkwürdigen Klassenlehrerin Mrs. Judy zu reden, wie vergesslich ich doch sei.
Mrs. Judy ist ein kleines bisschen komisch; Jane Judy heißt meine Lehrerin, wenn man mich fragt, ein sehr unpassender Name für eine fast 60-jährige alte Dame. Mrs. Judy trägt ausschließlich die Farben Rosa und Beige, riecht nach Ingwer oder so und hat strubbeliges, kurzes braunes Haar. Rosa und Beige, für meinen Geschmack nicht gerade die optimale Kombination. Aber egal, Grandpa muss immer lachen, wenn er mit ihr redet und das kommt oft vor.
Wir haben eine Strichliste gemacht, wie oft wir schon in die Schule mussten, um mit ihr über mich zu reden. Ich sag nur so viel, sie ist ziemlich lang …
Mrs. Judy gehört auf jeden Fall auch zu denen, die Märchen für den größten Unsinn der Geschichte halten. Vielleicht hasst sie mich ja deswegen so sehr!

Gestern Nacht konnte ich ziemlich schlecht schlafen, ich kann oft nicht gut schlafen, einfach weil ich viel zu reale Träume habe und auch letzte Nacht wieder von meinem Unterbewusstsein durch eine irreale Welt gejagt wurde. Immer wenn ich es schaffe, mich aus dieser ebenfalls irrealen Folter zu befreien, befinde ich mich in meinem gigantischen Bett, nass geschwitzt und voller Angst vor dem Wieder-Einschlafen. Das hört sich ziemlich kindisch und albern an, ich wusste es genauso gut wie jeder andere. Aber es war echt und meine Träume waren auch nicht so, wie gewöhnliche Träume. Sie waren Reflektionen, kleine einzelne Szenen aus meiner Vergangenheit und sie ließen mich immer wieder in dieses schwarze Loch fallen, aus dem ich seit so vielen Jahren probiere herauszukommen. Aber genau wegen diesen Träumen lebte ich in der Vergangenheit, zumindest nachts, und meine Vergangenheit ist keine Zeit, in der man gerne leben möchte …
Um mich wieder in die Gegenwart zu ziehen, lese ich oft mein riesiges Märchenbuch, das ich von Grandpa zum 4.Geburtstag bekommen habe. Vor mir hat es Dad gehört, obwohl er immer gesagt hat, er habe es nicht einmal aufgemacht. Dafür sah es zwar schon ziemlich mitgenommen aus, aber ich habe Dad nie danach gefragt, ob er als Kind auch Märchen gelesen hat. Grandpa sagt ja, er glaubt, Dad habe seine Leidenschaft für Legenden und Märchen wegen Mum aufgegeben, und ist auch nur wegen ihr Wissenschaftler geworden. Ich glaube, Grandpa hat recht, wie fast immer; Mum mochte Grandpa nie besonders, obwohl er sich immer bemühte ihr alles recht zu machen. Dad liebte Mum wohl so sehr, dass er mit der Zeit vergaß, seinen Vater zu lieben. Warum er so etwas vergessen konnte, wusste ich nicht.
Grandpa war nach dem Tod meiner Eltern selber so traurig, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Nicht mal bei Grandmas Tod. Zumindest sagt er das. Ich war noch gar nicht auf der Welt gewesen, als meine Grandma gestorben ist. Ich wusste nichts über sie, nur ihren Namen: Anne. Mehr habe ich meinen Großvater nie gefragt, weil ich Angst hatte, wie er reagieren würde. Ich mochte es nicht, wenn er traurig war. Ich mochte es generell nicht, wenn erwachsene Menschen weinen oder ihre Trauer und ihren Schmerz zeigen. Dann sieht man immer, wie klein und zerbrechlich sie eigentlich doch sind, und dass die Stärke und die Unverwundbarkeit auch nur eine Fassade darstellen. Ein Schild, hinter dem sie sich verstecken können, bis zu dem Moment, in dem die Kraft nicht mehr ausreicht und sie es fallen lassen. Dann sieht man das wirkliche Gesicht und das macht die ganze Sache dann noch trauriger und grausamer, als es generell schon ist.

Ich las dieses große, braune Buch immer und ich habe noch nie ein anderes gelesen. Vielleicht, weil es Dad gehörte. Vielleicht erinnert es mich an ihn. Besonders dieses eine Märchen. Es war magisch:


Thornforest’s Legend

Um das Jahr 1800 rum, lebte irgendwo in Schottland, in den tiefsten Wäldern, wo niemand auch nur einen Fuß hineinsetzte, ein sehr wohlhabendes Ehepaar.
Sie lebten in diesem Wald, genau zwischen zwei großen Hügeln stand ihr Schloss. Das war das Anwesen der McDobbin-Familie, die schon seit hunderten von Jahren dort lebten und die Außenwelt wohl nur von Bildern kannten. Doch sie waren glücklich dort und hatten nie mit dem Gedanken gespielt, ihren Wald zu verlassen.
Die McDobbins heirateten, alleine und nur für sich und sie bekamen Kinder. Das älteste Kind war mittlerweile eine schüchterne Frau, die sich wohl kaum danach sehnte, ihr Zimmer jemals zu verlassen, um die Welt zu entdecken …
Das zweite Kind war das genaue Gegenteil zu ihrer Schwester. Mit der Zeit wurde die jüngere Tochter arrogant und selbstverliebt und so kam es, dass sie eines Tages zu ihrer großen Schwester ging und sie stark provozierte. Die ältere Tochter war Kontakt zu Menschen nicht gewohnt und wusste nicht, wie sie mit der Situation umzugehen hatte: Sie erstach ihre eigene Schwester in ihrem Zimmer …
Die Familie wusste nicht, was zu tun war, die Eltern waren überfordert und sperrten das Mädchen in ihrem Zimmer ein. Doch das Mädchen konnte nicht länger alleine sein und verzweifelte an ihrem schlechten Gewissen, bis sie eines Tages tot im Schlossgarten aufgefunden wurde, der sich unter ihrem Balkon befand.
Gefunden hatte sie ihr jüngerer Bruder, der total geschockt von dem Handeln seiner Schwester war. Aus diesem Grund entschloss er sich dazu, nicht in diesem Wald zu bleiben. Er hatte Angst vor dem Alleinsein und so wanderte er hinaus aus dem Wald, mit der Entschlossenheit, etwas Großes zu bewirken und die Welt zu verbessern.
Er ließ seine Eltern zurück, allein mit dem letzten Sohn. Seine Eltern waren krank vor Sorge, dass auch dem älteren Sohn etwas passiert in der großen Welt und deswegen versprach der Sohn ihnen, sie zu besuchen, wenn er in der Gegend sei.
Doch sobald der ältere Sohn einen Fuß aus dem Wald setzte, gab es kein Zurück. Dornen wuchsen immer höher und es war kein Durchkommen für jeden, der in den Wald zu dem Anwesen wollte.
Es vergingen viele Jahre, ohne dass die Eltern je von ihrem abenteuerlustigen Sohn etwas hörten. Sie waren sich ganz sicher: Er musste gestorben sein …
Ihr letzter verbliebener Sohn musste, ob er wollte oder nicht, daheim auf dem Anwesen bleiben und die Eltern bauten eine Mauer um das Schloss, sodass ihr Sohn wohlbehütet aufwachsen konnte!
Doch der Sohn war neugierig und durchforschte das ganze Schloss. Er kannte jeden Winkel und jedes Geheimnis. Doch sein Leben wurde von Tag zu Tag langweiliger. Er wurde ein junger Mann und war sehr gebildet. Schließlich fing er an zu lesen und studierte alles, was er in der Schlossbibliothek auffinden konnte.
Die Jahre vergingen und er fragte sich, wozu er lebte, doch aus Liebe zu seinen Eltern blieb er und tat so, als ginge es ihm gut.
Immer öfter lag er in seinem Zimmer, dachte nach, was noch kommen wird …
Mit einem Mal fiel ihm etwas auf, etwas, was er vorher nie wahrgenommen hatte. Eine winzige Tür, hinter einem seiner großen Kleiderschränke. Obwohl er jeden Winkel kannte, hat er sie noch nie gesehen, oder auch nur wahrgenommen.
Er schob alles beiseite und fand etwas Unglaubliches: Eine Art Thron, einen aus Holz gemachten Stuhl, der auf eine ganz besondere Art majestätisch wirkte. In diesem Thron lag ein Buch, es sah mitgenommen aus, und die Schriftzeichen auf dem Buchdeckel waren verstaubt.
Der junge Mann, fing an in diesem Buch zu blättern, er studierte den Thron der offensichtlich mit dem Buch verbunden war.
Doch er hielt es geheim, er war sich nicht sicher, ob sein Vater etwas von dieser Tür, die für ihn in eine andere Welt führte, wusste und er wollte es für sich behalten. Sein Projekt wuchs, er lernte eine ganz neue Sprache, er war ganz vertieft in die Arbeit, die Runen zu entziffern. Doch dann, ganz plötzlich verstarben seine Eltern, sie waren alt und schwach. Der einzig verbliebene war nun der jüngste Sohn der McDobbins!
Liam-Cormac Will McDobbin. Er blieb allein zurück. Allein in einem Wald, in den niemand auch nur einen Fuß hineinsetzen konnte …

Meistens schaffte ich es bis zu der Stelle und schlafe dann doch ein, dieses Märchen ist mein absolutes Lieblingsmärchen, es hat irgendetwas Realistisches, es ist so anders als alle anderen Märchen, die ich von Grandpa kenne. Er erzählt eigentlich immer gerne etwas über gruselige Kreaturen, so eine Art Fabelwesen, sie faszinieren mich total!
Aber heute konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht schlafen, ich war hellwach und konnte Grandpas Fernseher hören, aber ich wollte nicht zuhören, ich wollte nachdenken. Ich habe so Tage, da muss ich einfach nachdenken, weil ich sonst total überfordert bin mit allem, was hier so um mich herum passiert.
Heute Abend war es, glaube ich die Gesamtsituation, die mich immer wieder zum Nachdenken brachte: Der Tod meiner Eltern ist jetzt schon fast acht Jahre her, am 26. Oktober 2010 sind sie abgereist, mit dem Versprechen, mich nicht lange alleine zu lassen. Mein Grandpa meinte nur, ich sei doch nicht alleine, aber Mum meinte immer, Grandpa sei nicht die verantwortungsvollste Person. Ich glaube, Mum mochte Grandpa nicht besonders und ich finde es schade, dass sie ihm nie eine Chance gegeben hat.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 328
ISBN: 978-3-99107-570-7
Erscheinungsdatum: 12.05.2021
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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