Science Fiction & Fantasy

Suria

Karin Hirt

Suria

Leseprobe:

Vorgeschichte


Seit drei Jahren ist Yussuf Sultan in Granada. Seine Eltern sind bei einem Unfall gestorben, sodass er schneller und früher als geplant die ganze Verantwortung hatte übernehmen müssen. Seine Schwester wohnt mit Suria, ihrer Vertrauten, und Julian, ihrem 6-jährigen Sohn zwei Tagesritte entfernt im Palast ihres Mannes, dem Fürsten. Suria kann wegen einer Verletzung der Stimmbänder nicht sprechen. Sie war schon in Granada Monas beste Freundin gewesen und hatte dort regelmäßig auch noch in den Gärten gearbeitet und im Hamam massiert.

Yussufs Lieblingsehefrau erwartet nun ihr erstes Kind. Das Kind hat sich aber noch nicht gedreht. Die Ärzte wissen nicht, was sie gegen die Steißlage tun könnten, und haben Yussuf darauf vorbereitet, dass sie das Kind retten werden, aber dass seine Frau Soraya wohl nicht überleben wird. In seiner Hilflosigkeit reist er zu Mona. Was er genau sucht, weiß er zuerst selber nicht. Offiziell gibt er an, dass er Suria nach Granada zurückholen möchte, da vielleicht ihre beruhigenden Massagen helfen könnten.






1.


Auch am zweiten Tag seines Aufenthaltes ließ sich Yussuf von mir massieren. Dabei war er allerdings überrascht, es war anders, berührender, respektvoll wie immer, aber doch passender, stimmiger. Anstatt sich nach der Massage noch einmal im Bad auszuruhen, winkte er mich zu sich und ging mit mir auf eine Bank in einem kleinen Innenhof.
„Setz dich, Suria!“ Nachdenklich nickte mir Yussuf zu und nahm mir gegenüber Platz.
„Sag, verstehst du mich ein bisschen, dass ich dich mit nach Granada mitnehmen will?“ Mit einem Nicken antwortete ich ihm. „Irgendetwas wolltest du mir vorhin sagen, stimmt’s? Sag, was war das?“
Ich sah ihn direkt an, atmete tief ein und nickte ihm zu. Wie schon früher fühlte ich mich nervös in Yussufs Nähe. Wie sollte ich ihm all das erklären? Als ich auch nach einer Weile immer noch nichts sagte, tauchten die wohlbekannten Falten auf seiner Stirne auf. Viel deutlicher spürte ich aber in meinem Bauch das Getümmel der zurückgehaltenen Erklärungen, die sich einen Weg suchen wollten, ohne eine geeignete Ausgangstür zu finden.
„Hast du deine Sprache verloren, oder was?“
Nun sah ich Yussuf tatsächlich überrascht an. Das wusste er doch! Mit einem Finger auf dem Mund schüttelte ich den Kopf und sah ihn klar und ehrlich an.
„Aber mit Mona redest du doch auch! Wieso mit mir nicht? Was soll das?“
Immer noch sah ich ihn direkt an, hielt mir aber langsam die Hände vor mein Herz und nickte dann. „Dann geht das wirklich gar nicht anders? Dann redest du wirklich nur mit Blicken und Händen?“ Nicken.
„War das bei meinem Vater auch so?“
Seufzend schluckte ich. Als ich ihn nur weiter ansah und nicht gleich antwortete, wurde Yussuf noch ungeduldiger. „Los, ich habe dich etwas gefragt! Wie war das mit meinem Vater? Hast du dich bei ihm auch nur mit Händen und Blicken verständlich gemacht?“

In dem Moment ging etwas weiter drüben ein Geschrei los. Julian, der 6-jährige Sohn von Mona, riss sich laut schreiend von einer Dienerin los und stürmte auf Yussuf und mich zu. Ich stand sofort auf und ging Julian entgegen. Mit festem Griff hielt ich ihn auf, hielt nachher sein Gesicht in beiden Händen und sah ihn lange an. Dann kniete ich mich zu ihm hin, umarmte ihn voller Wärme und hielt noch eine Weile seine Hände. Julian war wie gebannt von meinem Blick und atmete immer ruhiger und tiefer. Schließlich sah er kurz zu Yussuf hinüber, nickte leicht und drehte sich mit einem Seufzer um. Langsam, aber gefasst und konzentriert ging er zur Tür zurück, von der er gekommen war. Dort drehte er sich noch einmal kurz um, winkte mir zu und verschwand danach in den Innenräumen.
Aufgewühlt ging ich zu Yussuf zurück und sah ihn langsam nickend an. Dann deutete ich auf meinen Mund und schüttelte den Kopf. Dabei sah ich Yussuf aber weiterhin unverwandt an und deutete danach zögerlich an, dass ich etwas aufschreiben würde. Yussuf runzelte die Stirn. „Heißt das, dass du schreiben kannst? Du, eine Frau?“ Nicken. „Dann hast du bei meinem Vater auch geschrieben?“ Deutliches Nicken. „Das gibt’s doch nicht!“
Ich nickte stumm, aber auch ziemlich aufgewühlt. Dann bückte ich mich und holte eine Handvoll Sand auf den Tisch. Da hinein zeichnete ich mit dem Zeigefinger Spuren.
„Es ist so, Herr! Reden kann ich nicht, schreiben schon.“
Als sich unsere Blicke nun trafen, sah ich ungläubiges Staunen, Fassungslosigkeit, gepaart mit Ärger und Unruhe. Schließlich schüttelte Yussuf den Kopf und wischte allen Sand auf den Boden. „Los! Zieh dir etwas an und warte am Eingang vom Hamam auf mich! Dann suchen wir etwas Besseres zum Schreiben als diesen Dreck hier!“

Der Gesichtsausdruck vom Sultan versprach nichts Gutes! Seine Unruhe, der Druck, den er versprühte, und seine ganze innere Ungeduld ließen bei mir alle Magennerven gleich miteinander in Aufruhr geraten. Alle Farbe war mir aus dem Gesicht gewichen und ich eilte, so schnell es ging, zum Vorbereitungszimmer, wo ich meine eigenen Kleider gelassen hatte. Im Nu war ich vor der Tür, doch Yussuf war sogar auch schon da. Scharf musterte er mich. „Also, führ mich auf schnellstem Weg zu meinem Zimmer und dann zeig mir einen Ort, wo wir uns ungestört unterhalten können, möglichst so, dass das unter uns bleibt!“
Ich nickte und deutete wieder auf den Hamambereich. So führte ich Yussuf unten durch die Kellerräume in den Gästetrakt hinüber, wo sich Yussuf ein paar Bögen Pergament holte und sich dann in ein leeres Zimmer führen ließ.

„So, nun raus mit der Sprache! Wieso kannst du schreiben?“
Eingeschüchtert setzte ich mich auf den Boden und schrieb. „Das habe ich zu Hause bei meinen Eltern gelernt, Herr!“ Stirnrunzeln sah ich als Antwort.
„Und? Wo war das? Das war doch nicht bei uns im Palast, oder?“ „Nein, Herr! Ich stamme ursprünglich aus Tarifa. Ich bin die Tochter des Fürsten von Tarifa. Euer Vater hat dort Krieg geführt, und außer mir hat gar niemand meiner Familie überlebt.“ „Was?! Was erzählst du mir da? Wer bist du?“
„Ich bin die jüngste Tochter des Fürstenpaares von Tarifa, und der Speer, der meine Mutter von hinten durchbohrt hat, hat auch mich aufgespießt und ist in meinen Hals gedrungen. Darum kann ich nicht reden. Irgendwann hat Euer Vater mich dann unter meiner Mutter aufgefunden und nach Granada mitgenommen. Seit da habe ich dort im Palast gelebt. Es wusste aber nur Euer Vater, und später dann auch Eure Mutter, wer ich wirklich bin und dass ich schreiben kann. Das durfte ich sonst niemandem gegenüber zugeben.“
Fassungslos schüttelte der Sultan den Kopf. Erst nach einer Weile räusperte er sich. „Das ist ja unglaublich! Weiß das Mona?“ „Nein!“ Kopfschütteln.
„Und wieso hast du dich jetzt mir gegenüber zu erkennen gegeben?“ Aufatmend schluckte ich ein paarmal. Schließlich schrieb ich langsam: „Ich hoffe, Euer Vater verzeiht mir das! Er selbst hat mich immer zu Ehrlichkeit angehalten. Und auch Ihr ertragt es nicht, wenn Ihr nicht eine klare Antwort bekommt. Wenn ich Euch jetzt helfen soll, werde ich vermehrt mit Euch zusammen sein. Da erscheint mir das jetzt sehr wichtig, dass Ihr endlich wisst, wer ich bin.“ Offen und klar sah ich Yussuf direkt an. „Das ist es allerdings! Das wäre schon längst nötig gewesen! Aber das ist nun eine andere Sache.“
Immer noch sah er mich unverwandt an. Dann fokussierte er mich noch genauer. „Und was war da vorhin? Wieso hast du diesmal so anders massiert?“

Ich schluckte. „Jetzt erwartet Ihr von mir eine ganz ehrliche Antwort, richtig?“ „Natürlich!“ „Hm! Das ist schwierig! Ich werde es so schreiben, wie ich es Eurem Vater gesagt hätte. Bis jetzt habt Ihr mich nie groß beachtet. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich für Euch einfach eine der Hamam-Masseurinnen bin, und so habe ich Euch mit möglichst weichen, großflächigen Griffen massiert. Gestern wart Ihr anders. Ihr habt mich direkt und forschend angesehen, wie mit einem Röntgenblick, und nach der Massage habt Ihr mir zugenickt. Damit habt Ihr mir gezeigt, dass Ihr mich anders wahrnehmt als früher. Darum habe ich Euch heute auch genauer angesehen. Ich habe Eure Blicke heute früh so gedeutet, dass Ihr offen seid für ein paar tiefere Massagegriffe. Ich hoffe, ich habe mich dabei nicht getäuscht. Oder habe ich das falsch aufgenommen?“
„Nein, gar nicht. Im Gegenteil. Ich war sehr überrascht von deinen Griffen und von dem, was sie in mir ausgelöst haben. Ich hatte so etwas noch nie, und hier habe ich so etwas schon gar nicht erwartet. Darum habe ich dich draußen darauf angesprochen. Nur mit Mimik so etwas zu erklären, geht ja wohl eher nicht. Wie gesagt, ich bin überrascht - in jeder Hinsicht! Und es bestätigt meinen Entscheid, dich mit nach Granada zu nehmen. Ich hoffe wirklich sehr, dass du Soraya und damit auch mir helfen kannst!“
„Danke! Ich werde mir Mühe geben! Was in meiner Macht steht, werde ich gerne weitergeben.“

Nach einem langen Blick meinte er: „Wieso? Ich meine, tust du das aus Dankbarkeit meinem Vater gegenüber, ihm, der deine ganze Familie umgebracht hat?“
Ich nickte. „Ja, ich weiß, das klingt unlogisch, aber eigentlich war ich ja schon tot, und zwar von jemand anderem getötet, und Euer Vater hat mich dann am Schluss am Leben gelassen und mich wieder integriert. Er hat mich ja nicht nur einfach geduldet und irgendwohin abgeschoben, sondern er hat mir eine sinnvolle Aufgabe ermöglicht. Dafür bin ihm sehr dankbar! Und seine Unterweisungen, die ich am Morgen jeweils erhalten habe, waren zwar allesamt sehr anstrengend, aber sehr hilfreich und sehr aufbauend und wertschätzend.“
„Was waren das für Unterweisungen? Am Morgen früh?“
„Ja, ich musste ihm um halb sechs Frühstück bringen. Und während den eineinhalb Stunden, die er sich gewöhnlich dafür Zeit genommen hat, musste ich Diktate schreiben, Auswendiggelerntes aufschreiben oder sonst alle möglichen Fragen beantworten. Und dabei hat er von mir immer wieder verlangt, dass ich lerne, meine verschiedenen Wünsche oder Ärgernisse richtig zu formulieren. Da war er sehr streng mit mir.“
„Ach so, darum hast du vorhin so betont, dass du es so formulierst, wie du es meinem Vater gegenüber gesagt hättest. Und da warst du ganz allein mit ihm am Morgen?“ „Ja.“ „Jeden Tag?“ Nicken. „So viel Zeit hat er wohl nur mit ganz wenigen Leuten regelmäßig verbracht!“ Ich nickte wieder.
„Wieso hat er dich am Leben gelassen, weißt du das?“ Ich atmete auf und nickte. „Ja, er hat er mir erzählt, dass er, als er meine Mutter umgedreht und mich dabei gefunden hat, sofort an Eure Mutter gedacht hat, die kurz vor dem Krieg ihr erstes Kind verloren und darunter sehr gelitten hatte. Er hat mir gesagt, dass er das Gefühl gehabt hat, dass er nicht noch ein Kind töten dürfe, wenn er je eigene lebendige Kinder haben möchte.“
Ein schockierter Blick traf mich. „Meine Mutter hat ein Kind verloren? Von dem wusste ich gar nichts!“
„Ja, ich weiß. Das haben sie niemandem erzählt. Aber Eure Mutter hatte von da an große Angst, wieder schwanger zu werden -, und sie war auch in der Schwangerschaft mit Euch sehr ängstlich und verkrampft. Sie hat viel Unterstützung gebraucht. Ich habe deswegen gelernt zu massieren. Sie hat sich zum Glück bei meinen Berührungen immer sehr entspannt und beruhigt und dann war dann nur noch das Problem, dass Ihr Euch im Bauch noch nicht gedreht hattet. Von da an haben die Ärzte ihr immer wieder neue Angst eingeflößt. All die Tees und all die Übungen haben aber nichts genützt. Darum hat sie mich gebeten, ihr die Füße und den Bauch zu massieren.“
Mehr sagte ich nicht, sondern ich sah ihn nur offen an. Mit einem Aufatmen nickte er plötzlich. „Dann hast du das also alles schon einmal erlebt?“ „Ja, Herr, sogar zweimal! Auch bei Mona, Eurer Schwester, war es schwierig. Sie hat sich nicht entspannen können, und bis sich Julian gedreht hat, hat es sehr lange gedauert.“ Wieder antwortete er mir mit einem tiefen, schweigenden Seufzer. Erst nach einer Weile flüsterte er leise: „Suria, wie schlimm ist das für Mona, wenn du weg bist?“ Ich atmete tief durch. „Ziemlich schlimm, Herr!“ „Wieso?“ Ich schluckte. „Herr, Euer Vater hat mir klipp und klar verboten, irgendwelche Lügen aufzuschreiben. Das sei noch schlimmer, als Unwahrheiten zu denken oder auszusprechen. Ich antworte Euch gerne, aber ich möchte niemanden schlechtmachen.“
Der Sultan sah mich scharf an, bohrend, abwartend. Nach einer Weile begann er zu sprechen. „Das ist zwar nett von dir, aber ich möchte darüber doch mehr wissen. Wo ist das Problem für Mona? Als Sultan geht mich das nichts an, aber sie ist meine Schwester und es tut mir weh, sie so zu sehen. Sie ist hübsch wie eh und je, aber sie strahlt keine Freude aus. Ist das so? Sie hat ein Kind und ist nicht glücklich, wieso das?“
„Sie ist allein, Herr.“ Mehr schrieb ich nicht.
„Sie ist verheiratet und hat einen Sohn, wie kann sie da allein sein?“ „Julian ist ein Goldschatz, quirlig, lebendig, bewegungsfreudig, aber er kommt so langsam in das Alter, wo er mehr bei seinem Lehrer ist als bei seiner Mutter.“ Der Sultan sah mich immer noch abwartend an. Als ich nichts hinzufügte, bohrte er nach: „Und der Fürst?“ „Ist nie mehr bei ihr. Er hat seine Pflicht getan.“ „Was heißt das?“, brauste er nun auf. „Erklär mir das deutlicher! Los, raus mit der Sprache!“
„Der Fürst hat eine gute Verbindung zu Euch gesucht. Damit hat er eine angesehene Stellung als Schwager des Sultans. Er ist aber nicht interessiert an Mona. Er hat sie nur solange besucht, bis sie ein Kind von ihm hatte, damit er allen beweisen kann, dass sie seine Frau ist - und Ihr das auch so seht. Dass Ihr der Pate des Kindes seid, war ihm sehr wichtig. Er ist aber nicht an Julian interessiert. Julian ist viel zu neugierig und lebhaft für ihn. Julian sieht seinen Vater sehr selten.“
Der Sultan starrte mich an. „Das glaub ich nicht! Mir gegenüber hat das ganz anders geklungen!“
Ich nickte. „Ja, ich weiß.“
„Und Mona? Kann sie da gar nichts dagegen tun?“
„Nein, sie hat nichts zu sagen. Sie sieht den Fürsten nur bei den offiziellen Empfängen, wenn die ganze Familie auftreten muss, aber sonst will er von ihr nichts wissen.“
„Und die anderen Frauen?“
„Die kümmern sich nicht um Mona. Sie buhlen um die Gunst des Fürsten, wer mit ihm essen darf, wer mit ihm spazieren darf. Die Themen rund um die Schönheitspflege und das allgemeine Gezicke sind sehr anstrengend!“
„Wieso weißt du das alles?“ „Ich arbeite im Garten, wo sie sitzen und plaudern, ich massiere alle und höre ihre Gespräche, und da ich nichts weitererzählen kann, geben sie sich keine große Mühe, vor mir still zu sein.“
Fassungslos schüttelte Yussuf den Kopf. „Wie war das bei meinem Vater?“ „Ganz anders! Er hat regelmäßig mit allen Frauen Kontakt gepflegt, obwohl allen klar war, dass er zu Eurer Mutter eine besonders herzliche Beziehung hatte. Aber jede seiner Frauen hatte gewisse Stärken, die er auch hervorgehoben hat.“
„Und meine Mutter, wie ist die aus deiner Sicht mit den anderen klargekommen?“
„Recht gut. Sie hatte auch nicht die gleichen Interessen wie die anderen Frauen, aber sie haben einander nicht so verachtet und schlecht gemacht.“
„Und warum sagt mir Mona so etwas nicht?“
Ich sah ihn lange an. „Ich nehme an, aus Selbstschutz, um es nicht noch deutlicher zu betonen. Das würde ihr noch mehr wehtun.“
Als er nichts hinzufügte, schrieb ich nach einer Weile weiter: „Mona versteht es sehr gut, dass ich jetzt von Soraya gebraucht werde, Herr. Eure Entscheidung ist schon gut. Ich weiß, dass es mir nicht zusteht, so etwas zu kommentieren, aber ich nehme an, dass Ihr an so etwas denkt.“
„Stimmt. Gibt es etwas, womit ich die Lage entschärfen könnte? Irgendeine Lösung?“
Ich schmunzelte. „Ja, vielleicht. Julian liebt Pferde, er darf aber noch nicht alleine in die Ställe hinübergehen und er hat sich auch noch nicht getraut, seinem Vater gegenüber etwas davon zu sagen. Mona schon gar nicht. Aber auch sie würde gerne Julian beim Reiten zusehen.“ Zögernd sah ich den Sultan an. Er schüttelte lächelnd den Kopf. „Mein Vater war ein großer Diplomat. Er hat mich ebenfalls getrimmt, auf eine passende Formulierung zu achten. Du hast aber wirklich viel von ihm gelernt! Mit anderen Worten soll ich als Patenonkel Julian ein Pferd schenken, das er betreuen und reiten kann, und dabei erwähnen, dass Mona sich auch mit Pferden auskennt, da wir als Kinder schon mit dem Reiten aufgewachsen sind und ich diese Tradition nun gerne bei meinem Patenkind weiterführen möchte. Ist es das, was du andeuten willst?“
„Ja“, schmunzelte ich. „Damit würdet Ihr Julian und Mona ganz sicher viel Freude machen.
„Plötzlich sah er mich groß an. „Hast du meinem Vater auch solche Vorschläge gemacht? Warst du da auch schon so mutig?“
„Ja, Herr. Wenn er mich gefragt hat, ob ich einen Vorschlag hätte, schon. Von mir aus nicht.“ „Und, hast du ihm auch Unangenehmes melden müssen?“
„Ja, natürlich. Wenn er mich etwas gefragt hat, dann habe ich antworten müssen. Das war ein absoluter Befehl, unumstößlich.“
„Was war das Schlimmste, was du ihm sagen musstest?“
Nun schluckte ich und spürte, wie ich bleich wurde. „Bitte, Herr, zwingt mich nicht auch noch, das zu sagen. Das war damals schon schlimm genug.“
Als ich den kritischen, forschen Blick sah, schrieb ich weiter. „Es ging um ein Fehlverhalten einer seiner Frauen, aber nicht um Eure Mutter. Reicht das als Erklärung?“
Scharf war sein Blick. Plötzlich schien er sich an etwas zu erinnern. „War das da, wo plötzlich ganz viele Personen den Aufgabenbereich ändern mussten?“ „Ja“, nickte ich. „Und wieso wusstest du etwas davon?“ „Aus demselben Grund wie hier. Ich wirke nicht als volle Person, die eine Gefahr darstellt. Ich durfte ja niemandem gegenüber zugeben, dass ich schreiben kann. Das wusste nur Euer Vater und am Schluss Eure Mutter. Sie war sehr erstaunt, da sie selbst nicht schreiben konnte.“ „Wieso hat dein Vater dir das beigebracht? „ Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, weil alle wichtigen Positionen für später durch meine Brüder schon abgedeckt waren. Als ich als Nachzüglerin noch kam, hat er wohl noch damit gerechnet, mich in die Tempelverwaltung zu schicken, und dafür musste ich schreiben und lesen können. Ich bin aber nicht sicher. Ich war noch sehr jung und habe nicht alles verstanden, was meine Eltern miteinander besprochen haben.“
„Gut! Es ist Zeit! Viel länger darf ich mich nicht dem öffentlichen Leben hier entziehen. Dann gehe ich mir mal das mit dem Pferd überlegen!“ Er schmunzelte! „Die Idee ist tatsächlich gut! Das Problem ist nur, dass Julian irgendwie Angst vor mir hat und mir gar nicht zuhört. Da müsstest du etwas vorarbeiten.“ „Gerne! Und wann?“ „Na, möglichst bald. Bereite ihn auf heute Abend vor! Das ziehen wir gleich durch!“ Er schmunzelte wieder. „Die Idee könnte also auch von mir stammen!“ „Ist sie doch auch! Ich sage sicher nichts!“ Ein erstaunter Blick traf mich, dann schüttelte er wieder schmunzelnd den Kopf. „ Gut, gehen wir! Das ist ganz schön viel, was du mir da alles an Neuigkeiten erzählt hast! Damit hätte ich nun definitiv nicht gerechnet! Das bleibt unter uns, klar?“ „Selbstverständlich, Herr!“


Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 428
ISBN: 978-3-99064-875-9
Erscheinungsdatum: 22.06.2020
Durchschnittliche Kundenbewertung: 3
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