Science Fiction & Fantasy

Serasin Feuermagier

Lanning C. Bel

Serasin Feuermagier

Teil 2

Leseprobe:

Durch das offene Fenster fiel kalter Regen auf den Holzboden des Dachgeschosses und bildete eine kleine unscheinbare Lache.
Obwohl ständig Regentropfen in die Pfütze fielen, wurde diese nicht größer, denn das Wasser versickerte in den rissigen Holzboden, zog dabei herumliegenden Staub mit sich und tropfte von der Unterseite der Holzbretter in ein Zimmer im darunterliegenden Stockwerk.
Das hell leuchtende, gemütliche Feuer veränderte den ganzen Raum den der Wassertropfen gefallen war. Der helle Feuer­schein vertrieb die Finsternis in die hintersten Winkel und spendete willkommene Wärme; außerdem warf er verspielte Schatten, welche vergnügt an allen anderen Objekten im Zimmer züngelten und dem ganzen Raum eine recht wohlige Atmosphäre verliehen.
Unter diesen Objekten war auch ein bequemer, lederbespannter gepolsterter Kaminsessel, in dem ein alter Mann konzentriert ein ledergebundenes Buch las. Zu seinem Bedauern sollte er nicht lange ungestört bleiben.
Der Wassertropfen fiel dem gemütlichen Kamin­sessel entgegen und warf einen eigenen, ganz besonderen Schatten.
Der wurde an die gegenüberliegende Wand geworfen, genau dorthin, wo eine ansehnliche Landkarte bereits seit vielen Jahrzehnten ihren Stammplatz hatte, und bedeckte einen kurzen Moment lang die Stadt Kanderas. Dann wurde der kleine Schatten von einer verspielten Feuerzunge quer über die Karte geworfen, bis er weit im Westen, der bekannten Welt, kurz zur Ruhe kam und anschließend über den verzierten Kartenrand hinauswanderte.
Wie eine funkelnde Perle fiel der Tropfen durch die klare Luft auf den beinahe kahlen Kopf des Alten.
Dieser zuckte nicht einmal, so vertieft war er in sein Buch. Von seiner Glatze floss die Wasserperle zwischen den Augenbrauen hindurch und über seine vor Urzeiten gebrochene Nase. An deren Spitze hing sie kurz, bevor sie wieder hinunterfiel, direkt auf die Buchseite. Kaum aufs Papier geperlt, zersprang er in viele kleine Stücke, die sich über die ganze Seite verteilten und dort wie Tautröpfchen hafteten und im Kaminfeuer schimmerten.
Erst da reagierte sich der Alte.
Erschrocken versuchte er zu verhindern, dass das wertvolle Buch Schaden nahm, und strich mit seinem trockenen Leinenärmel über die Seite, um das schädliche Wasser zu entfernen. Damit erreichte der alte Mann genau das, was er verhindern wollte. Seine kurze, unüberlegte Aktion verstrich die sorgfältig geschriebenen Worte, die er selbst vor langer Zeit in mühsamer Kleinarbeit auf eben diese Seite gemalt hatte. Seine stundenlangen Bemühungen wurden durch seine eigene Hand zunichte gemacht.
Ohne die Miene zu verziehen, blickte er zur Decke hinauf und erkannte trotzt seiner vom Alter getrübten Sicht den Wasserfleck an der Decke. Anstatt sich zu ärgern, lächelte er und legte sein altes Tagebuch offen auf den kleinen Tisch neben dem Sessel, damit die verschmierte Seite vom warmen Kaminfeuer getrocknet werden konnte. Dann erhob er seine kräftige und ausnahmsweise laute Stimme.
„Serasin, komm sofort hinunter!“, schrie er zur Decke.
Das Zimmer im Stock darüber war leer, nur das Bett und ein paar säuberlich aufgehängte Kleider waren im Raum, und natürlich auch die unerwünschte Regenlache. Trotzdem wurde der Ruf des Drachentöters gehört. Noch weiter oben, auf dem Dach des Hauses, saß der Dunkelelf im strömenden Regen. Wie jedes Jahr waren die Tage im Sommer heiß, viel zu heiß gewesen, und endlich – nach fünf anstatt der üblichen drei regenlosen Nächte – regnete es wieder in Strömen. Starker Wind kündigte den Regen eine Weile im Voraus an, sodass jeder einen Unterstand suchen konnte, doch im Gegensatz zu vielen anderen wollte Serasin das überhaupt nicht. Der Dunkel­elf genoss den strömenden Regen und den reißenden Wind, welche ihm die lang ersehnte und dringend nötige Abkühlung brachten.

Wie lange er schon auf dem Dach saß, bevor sein Herr ihn rief, wusste er nicht, es war ihm auch herzlich egal. Die letzten Tage waren einfach unerträglich heiß gewesen. Obwohl seine Kleider klitschnass waren, beinhaltete sein Plan nicht im Geringsten, sehr bald wieder ins Trockene zu kriechen. Dennoch ging er sofort hinein, schließlich hatte sein Herr nach ihm gerufen und ihn sollte man nicht warten lassen, denn das wäre überaus unhöflich.
Nachdem der Dunkelelf seine nassen Sachen hastig über eine Leine im Zimmer geworfen hatte, zog er schleunigst trockene an.
Keine zwei Minuten später stand der erste Diener schon vor dem Drachentöter und verneigte sich leicht, wie es sich gehörte.
„Gut, dass du schnell gekommen bist. Wasser tropft von der Decke. Ich wünsche, dass du dich um den Schaden kümmerst.“
„Ja, natürlich, kann ich sonst noch etwas tun?“
„Trockne deine Haare, sie sind klitschnass, und bring mir, wenn es Zeit zum Essen ist, das Essen hoch. Ich möchte heute hier essen.“
„Natürlich.“
Nach einer leichten Verbeugung drehte sich Serasin auf seinen Absätzen um und verließ hastig das Zimmer.
Den Geräuschen nach zu urteilen, die hinter seinem Rücken zu hören waren, zog der Drachentöter den schweren Sessel zur Seite und machte es sich wieder darin bequem. Möglichst leise schloss er die schweren Türflügel. Zum Glück hatte sein Herr nicht bemerkt, wessen Schuld es war, dass Regenwasser von der Decke tropfte, sonst hätte das gewaltigen Ärger gegeben.
Im fensterlosen Gang hinter der Doppeltüre war selbst für ihn, nun, da die Zimmertüre geschlossen war, zu wenig Licht. Weshalb er beschloss, wieder ins Zimmer zu gehen und einen Kerzenständer auszuleihen. Als er versuchte, die Doppeltüre, durch die er gerade gegangen war, vorsichtig zu öffnen, ging es nicht. Zuerst dachte er, sie klemme nur, doch sie war von innen verschlossen worden.
Nun, weswegen sein Herr, der Drachentöter, abschloss, ging ihn nichts an. Trotzdem war Licht nötig, um bei all den teuren, sorgfältig aufgereihten Antiquitäten im Korridor heil ans andere Ende zu gelangen. Diskret klopfte er an der Türe.
Von drinnen war keine Reaktion zu vernehmen. Sein Herr wollte also nicht gestört werden. Aus diesem Grund beschloss Serasin, ihn nicht weiter zu bedrängen und sich stattdessen ohne Licht den Gang entlangzutasten. Bevor er auch nur zwei Schritte weit gekommen war, hörte er ein ungewöhnliches Geräusch aus dem Zimmer. Etwas Schweres war zu Boden geworfen worden und ein Schrei ertönte, dann ein weiterer und schließlich ein dritter.
Daraufhin wurde die Türe von innen aufgerissen. Acht Männer ritten aus dem Raum. Zwei von ihnen lagen quer über ihre Sättel. Sie ignorierten ihn einfach und hätten ihn glatt über den Haufen geritten, wenn er nicht rechtzeitig zur Seite gehechtet wäre. Kopfschüttelnd klopfte Serasin den Staub von seinen Kleidern und schaute ihnen verärgert nach.
Da knallten die Türflügel hinter ihm gegen die Wand. Verwundert betrachtete Serasin den roten Fleck mit dem gefiederten Bolzen, der normalerweise nicht in der Türe stecken sollte. Ohne weiter darauf zu achten, stürmte er ins Zimmer. Das Arbeitszimmer seines Herrn war nicht mehr wiederzuerkennen, denn darin herrschte gewaltige Unordnung, und der Drachentöter war nirgends zu erblicken.
Im Raum selbst war außer ihm niemand, daran gab es keinen Zweifel. Dafür konnte Serasin durch die geschlossene Balkontür ein vom dünnen Holz gedämpftes Tão erkennen.
So schnell ihn seine Beine trugen durchquerte er den Raum, wobei die Sache nicht gerade dadurch erleichtert wurde, dass das ganze Mobiliar zerschmettert und umgeworfen im Raum herumlag. Ohne zu zögern, stieß er die Türe zum Balkon auf.
Auch dieser hatte sich verändert: Der Balkonboden bestand aus felsigem, mit hüfthohem Gras bewachsenem Gestein, und wie der Boden gehörte der Rest der Umgebung auch nicht dorthin.
Anstatt der üblichen Häuser des inneren Rings führte der felsige Boden zu beiden Seiten des Dunkelelfen sehr steil abwärts. Links von ihm fiel das Gelände einige Hundert Meter bis zu einer weiten Ebene ab, die bis zu den am Horizont erkennbaren Bergen reichte.
Rechts von ihm sah es auch nicht groß anders aus. Eine weite Ebene, so weit das Auge reichte. Verwundert drehte er sich um seine eigene Achse. Er befand sich nicht in Kanderas, und hinter ihm gab es auch kein Haus, sondern einen steil ansteigenden, schneebedeckten Berg, der übergangslos an die weite Ebene anschloss.
Verwundert sah er sich um, nun befand er sich mitten im Nirgendwo. Da er ohnehin schon da war, beschloss er, ein kleines bisschen durch die unberührte Gegend zu wandern.
Unbekümmert lief Serasin den schmalen Grad entlang und achtete besonders auf seine Füße, denn ein Sturz aus dieser Höhe würde ein einmaliges Vergnügen werden.
Jäh fesselten ihn ungewohnte Laute. Das eigentümliche Geklirre von Eisen drang aus der Ferne zu ihm durch, dann eine fürchterlich laute Explosion, daraufhin etwas Schweres, das dumpf auf den Boden fiel. Es kam eindeutig von weiter unten, jenseits des Klippenrandes, wenige Schritte vor ihm. In der seines Empfinden zufolge nötigen Vorsicht robbte der Dunkelelf an den kantigen Rand des Grades.
Einerseits trieb ihn die altbekannte Neugierde voran, andererseits versuchte ein kleiner Teil seines Geistes, der Vernunft hieß, ihn zur Umkehr zu bewegen, da sich dahinter alles Mögliche abspielen konnte, von dem er keine Ahnung hatte, wie gefährlich es war. Andererseits befand er sich, den Geräuschen nach zu urteilen, so weit über dem Geschehen, dass ihm kaum wirklich gefährlich werden und ihn unvorbereitet überraschen konnte.
Seine Neugierde siegte, wie so viele Male zuvor.
Vorsicht war besser als Nachsicht. Langsam hob er den Kopf über den grasüberwachsenen Rand, um einen kurzen Überblick vom geräuschvollen Geschehen zu erhaschen.
Den anderen Seiten sehr ähnlich fiel der Untergrund sehr steil bis zur flachen Ebene, die bis hinter den Horizont führte, hinunter. Auf dieser fand ein sonderbarer Kampf statt.
Insgesamt waren vier Gestalten auszumachen. Einer davon war ein unverkennbar ein Drache, kein sehr großer oder eindrucksvoller, dennoch eindeutig ein Drache. In gewisser Weise glich dieser dem Drachen, den Serasin im Traum im stillen Wald gesehen hatte. Grün, be­schuppt, mit langen Krallen. Ein Drache, wie sie sehr oft beschrieben und gezeichnet wurde, überhaupt nichts Spezielles. Dagegen waren die drei anderen Gestalten, die gemeinsam gegen ihn kämpften, viel interessanter. Ihrer ausgefallene Kleidung nach zu urteilen waren es zwei Elfen. Beim letzten der drei Nichtdrachen wusste der Dunkelelf nicht, worum es sich handelte.
Dieses Wesen kämpfte auf zwei Beinen und hielt in seinen Händen einen langen grauen Stab, mit dem es ausgezeichnet zu hantieren verstand. Pausenlos wirbelte der Stab durch die Luft und von einer Hand in die Andere. Allem Anschein nach versuchte dieses katzenähnliche Wesen ebenfalls, den Drachen zu treffen. Aus irgendeinem Grund hieb es jedoch ständig meterweit daneben, obwohl der Drache keinen Wank machte und verschlagen grinste.
Bei den zwei Elfen hingegen hatte keiner ein Problem mit dem Zielen, obwohl sie kaum besser zum Treffen kamen und es trotzdem ununterbrochen versuchten.
Das unbekannte Wesen drosch weiterhin mit dem Stab und gekonnten Fußtritten nach einem nicht vorhandenen Gegner und benutzte dabei immer schnellere und kräftigere Schlagabfolgen. Sogar der Kampfstab hielt die wilden Hagelschläge kaum noch aus, trotzdem machte der Kerl weiter und traf alles, bis auf den Boden und seine zwei Kampfgefährten.
Die beiden Elfen waren zu sehr mit dem Drachen beschäftigt, um ihren irregeleiteten Kampfgefährten zu bemerken. Ständig schlug ihr Gegner mit seinen Krallen und schnappte nach den zweien, ab und zu versuchte er sie sogar mit einem gezielten Schwanzhieb von den Beinen zu fegen. Zum Glück wurden die beiden von keinem einzigen Angriff getroffen, was zweifelsfreie ihr gewaltsames Ende eingeleitet hätte. Sie selbst starteten etliche Versuche, dem Drachen nahe genug zu kommen, um ihn zu treffen. Mit seinem gezielt eingesetztem Dauer­angriff verunmöglichte er es ihnen jedoch, indem sie jedes Mal gezwungen waren, auf halbem Weg den Versuch aufzugeben.
Am Anfang hatte Serasin in Betracht gezogen, den dreien zur Hilfe zu eilen, doch er erkannte fast sofort, dass seine bescheidenen Fähigkeiten nicht ausreichend waren, um ihnen zu helfen. Vermutlich würde er ihnen eher im Weg sein. Aus diesem Grund blieb der Dunkelelf vorerst in seinem Versteck und beobachtete fasziniert das hervorragend Stab wirbelnde, leider verwirrte und ihm unbekannte Wesen.
Es war eindeutig intelligent, denn es trug eine sonderbare Kleidung, die sicherlich nicht elfischen Ursprungs war und dementsprechend von dem Wesen gewebt worden sein musste. Das hellbraune Gewand und der breite, weiße, geknüpfte Gürtel waren die einzigen Gegenstände, die man auf den ersten Blick als Kleidung erkennen konnte. Bei genauerem Hinsehen erkannte man, dass es nur ein Übergewand war, das im Kampfgetümmel wild herumflatterte und die darunterliegende Kleidung offenbarte.
In den weiten Ärmellöchern erkannte man einen Armschutz aus schwarzem Leder, auf dem mit vielen, kleinen Perlen ein verkehrtes „S“ gestickt war. Weiters konnte man unter seiner braunen Robe einen aus vielen kleinen Schuppen bestehenden Harnisch erkennen, bei dem die kleinen Plättchen vom jeweils darüberliegenden ein Stückchen überlappt wurden. Im Ganzen bot die Rüstung einen guten bis ausgezeichneten Schutz vor allen möglichen geführten Waffen. Wie wenig sie gegen die geballte Kraft eines Drachen nützen würden, war hingegen sehr leicht abzuschätzen.
Eigentlich war es nicht die Kleidung, die Serasins ­Interesse fesselte, sondern viel mehr der Kopf des Wesens. Er glich dem einer Hauskatze, doch keine Katze hatte so lange Haare am Hals. Die verlängerten Haare des Kriegers war nicht wie die Mähne eines Pferdes, vielmehr glichen sie denjenigen eines Kappas. Sie führten um den ganzen Hals herum, mit dem Unterschied, dass es sich bei dem Katzending nicht um Federn, sondern wild zerzauste Haare handelte.
Betont wurde die außergewöhnliche Haarpracht neben der auffälligen Länge und der Lage am Hals auch durch die ­Farbe, die nicht honigbraun wie das restliche Fell war, sondern schneeweiß. Aber ansonsten hatte er das Abbild einer Katze. Sicher, ob es wirklich ein ‚er‘ war, war Serasin sich selbstverständlich nicht, doch die festen, kantigen Gesichtszüge und die kräftige, männlich wirkende Statur sprachen eindeutig dafür.
Nebenbei weckte die Kampfart des Katers Serasins Interesse. Mit kunstvollen Bewegungen und Drehungen wirbelte er sich und den Stab durch die Luft, wobei ein jeder Treffer sicher stark genug wäre, um jemandem den Schädel zu zerschmettern.
Komischerweise drosch der Kater tatsächlich auf etwas und nicht bloß Luft ein, was der Dunkelelf erst bei genauerem Hinsehen realisierte. Ständig stieß der Stab auf irgendeinen Widerstand, auch seine Tritte trafen etwas, denn nach jedem wechselte er in der Luft seine Flugrichtung, und bei bloßer Luft war das bekanntlich unmöglich.
Da beschlossen die Elfen, ihre Strategie zu ändern. Nach ein paar schnell gewechselten Worten nickte der Elf und hüpfte vom Drachen weg. Dieser ließ ihn jedoch nicht entkommen und setzte ihm sofort nach. Nach etlichen Versuchen, etwas Abstand zwischen sich und den Drachen zu bringen, kam der Elf anscheinend auf eine Idee und wechselte ruckartig die Richtung. Nun sprang dieser auf den Felsen zu, auf dem Serasin sich versteckt hielt.
Unterdessen lief die Elfe zu ihrem anderen Kampfgefährten und blieb neben ihm stehen. Einen kurzen Moment lang schloss sie ihre Augen und legte ihre Hand an ihre Stirn. Danach berührte sie den Kater an der Stirn.
Dieser hörte augenblicklich mit den Angriffen auf den Imaginären auf und starrte entgeistert den Drachen an, der immer noch dem Elfen hinterherjagte. Ohne einen Augenblick zu zögern, setzen der Krieger und die Elfe dem Elfen und dem Drachen nach. Der Elf erkannte es und rannte, mit dem Drachen dicht auf den Fersen, einmal um den Felsen herum, wieder zu seinen Kampfgefährten.
Kaum waren die drei wieder zusammen, verließ der Elf die Gruppe schon wieder. Inzwischen versuchten die zwei anderen, den Drachen abzulenken. Nun schwebte der Elf zu Serasin auf den Felsen hinauf und landete direkt neben dem Dunkelelfen. Verwundert stand Serasin auf und wollte sich ihm zu erkennen geben. Dieser jedoch beachtete ihn nicht und begann, mit seinen ausgestreckten Fingerspitzen verschlungene Runen in die Luft zu schreiben.
Die Runenzeichen blieben sichtbar, obwohl er keine Farbe zum Schreiben hatte, zusätzlich schwebten sie einfach in der Luft, ohne irgendwie zu haften. Es musste sich wohl um spezielle Elfenmagie handeln. Zeichen um Zeichen, Zeile um Zeile schrieb er ununterbrochen einen Runentext. Nur ab und zu hielt er für einen Augenblick inne, um zu überlegen, ansonsten entstanden Dutzende verschlungene, leuchtende Zeichen innerhalb weniger Sekunden.
Nach etwa einer halben Minute war sein Werk offenbar beendet und er berührte den Anfang seines Textes und füllte das zusammenhängende Gebilde mit Schin. Zumindest den Teil des komplizierten Zaubers verstand der Dunkelelf.
Augenblicklich leuchtete der Zauber auf und zog viele kleine neblige Lichtpünktchen an, die plötzlich überall in der Umgebung entstanden. Leicht lächelnd schien der Elf mit seiner Arbeit zufrieden zu sein und beobachtete den Kampf, den seine Gefährten führten, und hielt gleichzeitig den Zauber im Gange. Fortuna war bisher auf ihrer Seite gewesen und ihnen war nichts Ernsthaftes passiert, doch das änderte sich sehr schnell. Nach einem gemeinsamen Ausfall brachten die beiden Kämpfenden auf der Gebirgsebene einen kleinen Abstand zwischen sich und ihren ebenwürdigen Gegner.
Der Drache nutze seine Fähigkeit Feuer zu speien und spuckte den beiden eine grüne Feuerkugel hinterher, was die zwei nicht erwartet hatten. Sie waren nur in der Lage, das Geschoss versteinert anzustarren.
Der Elf neben Serasin reagierte sofort und schleuderte einhändig, mit einer unglaublich schnellen Bewegung, seinen schwarzen Dolch gegen seine beiden Kameraden.
Obwohl der Dunkelelf vorerst nicht einschätzen konnte, warum dieser das tat, erkannte er den Sinn beim Aufeinanderprallen des Dolchs und der grünen Feuerkugel. Noch bevor sie einander überhaupt berührten, bildeten sich wolkige, faserar­tige Fäden von der Feuerkugel zum Dolch. Immer mehr dieser Verbindungen entstanden und mit denen saugte der Dolch die Kugel zusehends auf, bis nichts mehr von ihr übrig war. Daraufhin klapperte er leicht rauchend auf den steinigen Boden.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 362
ISBN: 978-3-99003-308-1
Erscheinungsdatum: 01.07.2011
EUR 18,90
EUR 11,99

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