Serasin Feuermagier

Serasin Feuermagier

Lanning C. Bel


EUR 17,90
EUR 10,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 312
ISBN: 978-3-99003-307-4
Erscheinungsdatum: 01.07.2011
Mehr als tausend Jahre sind seit den Tagen des Feuers, seit dem großen Krieg, vergangen. Vergessen sind die Helden jener Schlachten oder zu unglaubhaften Legenden verkommen, trotzdem wurde jenen verräterischen Feinden nie verziehen. Nach all den Jahrhunderten des gutmütigen Friedens wandelt sich die Welt wegen Wenigen erneut. Wandel heißt Leid, doch ist Hoffnung sein steter Begleiter.
Der Wind flog vom Meer in die Ebene hinein und über den Wald hinweg ins Landesinnere. Er enthielt einen leichten würzigen Salzgeruch, doch da war noch etwas anderes dabei. Beinhaltete er nicht auch noch den leichten Mief von Schweinefett? Die Brise frischte auf und trug jetzt deutlich den Gestank von Fett, von ranzigem Fett. Da war Serasin sicher. Der Halbelf stand auf einem der höheren Äste einer Eiche am Waldrand. Erst seit Kurzem hatte er sich auf seinem Posten eingerichtet und es sich bequem gemacht. Dementsprechend nervte ihn das baldige Eintreffen der Goblins.
Ja, Goblins. Es waren wieder einmal einige im Anmarsch, davon war er überzeugt, denn der Fettgestank konnte nur von ihnen stammen. Sie waren das einzige Volk dieser angrenzenden Ebene, die ihre Rüstungen mit Fett derart eindeckten. Das viele Fett verhinderte, dass ihre Rüstungen rosteten, und ermöglichte es ihren Feinden, sie meilenweit vorher zu riechen. Der Geruch wurde stärker, sie kamen also in seine Richtung. Gut, dann musste er seine Position nicht wechseln, um sie abzufangen.
Seufzend löste er den Bogen vom Köcher, der auf seinem Rücken befestigt war. Mit geübter Hand wurde eine Sehne in den Bogen gespannt und mit einem weiß gefiederten Pfeil belegt. Sein grüner Umhang, den er eng um sich geschlungen ­hatte, um die beißende Kälte des Windes fernzuhalten, löste sich dabei unbeabsichtigt und ließ ihn frösteln.
„Der Wind, ein guter Freund des Spähers“, murmelte der Halbelf sarkastisch vor sich hin, „aber ein schlechter Freund des Schützen“, fügte er in Gedanken hinzu. Leider konnte man nicht beides auf einmal haben.
„Nun, lieber Schütze, wie viele Goblins sind es diesmal? Drei, vier oder fünf? Na ja, es wird keine Rolle spielen. Sie werden alle sterben, arme Narren.“
Obwohl er sie nicht sehen konnte, wusste er doch, dass sie da waren. Sie versteckten sich im hohen Gras. Ihr Versuch, in den Wald einzudringen, war ziemlich hoffnungslos, aber das konnten sie nicht wissen. Denn noch keiner ihrer Artgenossen, die sich zum Waldrand hingewagt hatten, waren jemals zurückgekehrt. Der Halbelf konzentrierte sich und erfasste mindestens drei Dutzend andere Präsenzen. Darunter auch diejenigen der Bäume und der riesigen Grasfläche, welche man mit der Magiesicht nur als ein riesiges Objekt wahrnahm. Die Pflanzen waren wegen ihrer regelmäßigen Ausstrahlung leicht von den unruhigen Geisterbildern der Tiere zu unterscheiden.
Aber die große Ansammlung von anderen tierischen Wesen beunruhigte ihn nicht im Geringsten, denn viele dieser Geister oder Seelen, wie es ein Mensch nennen würde, stammten ihrer Umrissen nach sicherlich von Waldtieren, die in der näheren Umgebung ebenfalls vor dem frostigen Wind Obdach gesucht hatten, und nicht von den nahenden Goblins.

Wie vermutet, gab es in Richtung der Ebene nur vier Geister, doch diese bewegten sich nicht auf ihn zu. Die Schemen, die sich vor seinem inneren Auge bildeten, hatten unklare ­Konturen in der typischen Form von Goblinkriegern.
Ihre Figuren strahlten um den Kopf heller, sie leuchteten förmlich, während sie um den Rumpf herum eher dunkler waren. Dies lag daran, dass ihre Brustpanzer, die meist aus Lederriemen und angenähten Knochenplättchen bestanden, die Ausstrahlung des Geistes, des Tãos, behinderten. Aus demselben Grund schimmerte der restliche Körper fast gleich schwach wie die Geistermasse des Grases, welche sie zur Deckung benutzten.
Ein Schweißtropfen rann seine Schläfe hinunter, denn es zehrte sehr an den Kräften, seinen Geist so lange zu konzent­rieren. Leider war das die einzige Möglichkeit, die Goblins trotz ihrer unbeabsichtigten Tarnung auszumachen. Serasin entschied sich, nicht noch länger zu zögern. Der Halbelf beschloss kurzerhand, denjenigen mit dem Tão, das am wenigsten flackerte, zuerst zu beseitigen, weil dieser am ruhigsten war und dementsprechend am ehesten einen kühlen Kopf bewahren würde, und legte auf ihn an.
Dieser Goblinkrieger schien ihm außerdem noch der erfahrenste zu sein und würde bei einem Angriff sicherlich richtig reagieren und nicht in Panik flüchten. Denn dann würden sie ein sehr leicht zu treffendes Ziel abgeben. Dieser Kerl würde den anderen befehlen, den Wald im Auge zu behalten und sich langsam zu entfernen. So könnten sie den Pfeilen problemlos ausweichen und der Halbelf würde ihnen folgen müssen, um sie zu beseitigen. Bei ihrem Gestank und dem Wind, der auf der ungeschützten Ebene erfahrungsgemäß viel stärker war, eine sehr unattraktive Angelegenheit.
Das Wetter mochte ihn an diesem Tag überhaupt nicht.
Es würde nicht leicht sein, den Goblin bei diesen Windverhältnissen, bei dieser Entfernung, zu treffen, aber noch näher wollte er sie nicht kommen lassen, weil ihre verwesenden Körper den wunderbaren herbstlichen Waldgeruch verpesten würden. Die Goblins sollten ruhig dort draußen sterben und den Geiern der Ebene als Fraß dienen. Ihr Gestank wäre dann in einem guten halben Tag verschwunden.
Im nächsten günstigen Augenblick schnellte sein Pfeil von der Sehne steil in den Himmel in Richtung seines Ziels. Der Schütze wartete aber nicht, bis das Geschoss einschlug und dem Unglücklichen den Tod brachte, sondern legte schon den zweiten Pfeil auf den Bogen und nahm sich den nächsten ­Goblin, den mit der unruhigsten Aura, zum Ziel …
„Serasin!“, quietschte jemand neben seinem Ohr und ließ ihn den Pfeil in einem vollkommen falschen Winkel in den Wind schießen. „Serasin, bist du schon bereit? Dann komm hinunter in die Küche!“, befahl ihm die Stimme gebieterisch und der Pfeil wurde von einer gut bekannten Schwärze verschluckt.
„Sonst bekommen wir Ärger!“, drängte ihn die Stimme weiterhin.
„Wie? Was?“, murmelte er vor sich hin. „Bereit sein? Bereit wofür?“
„Brauchst du etwa noch eine Extraeinladung? Muss ich denn hinaufkommen? Du weißt ganz genau, dass ich das nicht mehr so gut kann!“, säuselte die Stimme bedrohlich, die ihm so nur entfernt bekannt vorkam.
„Ich weiß, dass du mich hören kannst. Komm endlich!“
„Oh, mein Gott. Ich habe verschlafen“, murmelte er ange­widert und schlug verschlafen seine viel zu schweren Augen auf, „nur noch kurz …“
„Nichts da! Wir sind schon eine gute halbe Stunde zu spät dran!“
Serasin schreckte hoch. Es gehörte eigentlich nicht zu seiner Art, doch dies war bereits das zweite Mal in dieser Woche, das könnte ganz schön Ärger geben.
„Bin schon auf dem Weg nach unten, Elesia“, schrie er in das Sprechrohr neben seinem Bett und war sofort auf den Beinen.
„Hoffentlich kann ich die verschlafene Zeit wieder einholen, sonst habe ich wirklich ein Problem“, brummte er vor sich hin, während er seine aufgehängten Kleider einsammelte.
Mit einer geübten Bewegung warf er sich das weiße Seidenhemd über, stieg in seine gleichfarbene Seidenhose und ­zurrte die beiden mithilfe eines blauen Stoffgürtels, der auch zur Uniform des Hauses gehörte, in seiner Taille fest. Zum guten Schluss sprang der Halbelf eilig in die schwarzen Lederpantoffeln.
Die schwarze, bestickte Weste, die ihn als persönlicher Diener des Hausherrn kennzeichnete, nahm er auf den Arm und flog die Wendeltreppe, die zur Küche führte, hinunter. Eile war nicht mehr so angesagt, denn der Geruch von gebratenem Speck, der für die Leibgarde bestimmt war, schlug ihm schon entgegen, demzufolge hatte er bloß eine Verspätung von etwa einer viertel und keiner halben Stunde. Elesia hatte wieder einmal etwas übertrieben. Trotzdem würde das ganz schön knapp werden. Aber es war zu schaffen, vorausgesetzt, der Herr hatte keine besonderen Wünsche für sein Frühstück, zum Glück hatte dieser, eher ein Gewohnheitsmensch, das so gut wie nie.
Serasin flog förmlich die Treppe hinunter und schwang an dessen Ende die schwere Holztüre, die schon bessere Zeiten gesehen hatte, auf, was fast dazu geführt hätte, dass der neue Küchenjunge in den Kochtopf fiel, den er schweißgebadet umrührte, damit nichts anbrannte. Zum Glück konnte Serasin ihn gerade noch am Kragen packen und so das Schlimmste verhindern.
„Entschuldigung, Genn, war keine Absicht“, sagte Serasin atemlos zum wankenden Neuling.
„Ist schon in Ordnung. Jetzt bin ich mindestens wach. Du hast doch nicht etwa wieder verschlafen?“
„Ich? Nein, bin nur etwas zeitig dran, das ist alles.“
„Dann ist ja alles in Ordnung.“
„Nein, ist es nicht. Weißt du, wo Elesia ist?“
„Mmm …“
„Weißt du, wo sie ist?“
„Ich?“, fragte dieser und lächelt den Halbelfen wissend an.
„Wer den sonst?“
„Ja, ich weiß, wo sie ist.“
„Wo ist sie jetzt? Ich habe keine Zeit mehr!“
„Soso, keine Zeit“, Genn grinste, „ich dachte du wärst nicht zu spät dran.“
„Ach, bei Marfas, der Einsichtigen. Ich hätte dich in die Suppe fallen lassen sollen. So wärst du mindestens für etwas nützlich. Jetzt sag mir, wo sie ist!“
„Als Suppenfleisch zu enden wäre wirklich nicht schlecht. Dann könnte ich auch mal unter den Gästen des Hausherrn sein.“
„Komm schon! Ich habe wirklich keine Zeit. Sag’s endlich!“
„Na gut, zuletzt habe ich sie im Vorratslager gesehen, aber deine …“ Den Rest nahm Serasin nicht mehr wahr, denn er eilte schon durch die Küche in Richtung Lagerraum, der in einem kleinen angrenzenden Nebengebäude untergebracht war.
„Genn, du Trottel“, grinsend schüttelte er den Kopf, „irgendeinmal werde ich dich wirklich in diesen Topf werfen.“
Zu seiner Freude musste er nicht den ganzen Weg bis nach hinten ins Lager zurücklegen, da ihm Elesia schon auf halber Strecke, unübersehbar den Weg versperrte.
Schon von Weitem war sie für jedermann leicht auszumachen. Ihr grauweißes Haar, das sie sich mit einem verzierten Holzstöckchen hochgesteckt hatte, schimmerte deutlich im hellen Schein der vielen Feuer. Außerdem trug sie ihre typische Kleidung, die aus einem breiten, blauschwarzen Rock, einer weißen Bluse und einer speziellen Küchenschürze bestand, die eines ihrer Lieblingsstücke war und die sie daher ständig trug.
Vor langer Zeit einmal war die Schürze weiß gewesen, behaupteten jedenfalls die älteren Bediensteten. Aber das war vor vielen Jahren oder Jahrzehnten einmal der Fall gewesen. Da es beim Kochen immer wieder Flecken gab, die man weder vermeiden noch herauswaschen konnte, war dieses spezielle Kleidungsstück im Laufe der Jahre einfach immer bunter geworden, bis sie eine einzige Ansammlung aus bunten Flecken in allen Farben war.
Zu der bunten Schürze und den stechend weißen Haaren kam noch, dass Elesia mit ihrer rundlichen Figur kaum zu übersehen war. Schlitternd und atemlos kam Serasin vor ihr zum Stehen.
„Voilà, da bin ich!“
„Das sehe ich. Ich sehe aber auch, dass du zu spät bist und dass du verschlafen hast.“
Woher …?“
„… ich das weiß?“, schnitt sie ihm das Wort ab. „Ich kenn halt nicht bloß seit heute Morgen, außerdem sind deine Haare vollkommen durcheinander, hier hast du einen Kamm. Mit dem Aussehen kannst du nicht das Essen servieren.“ Schmunzelnd fügte sie hinzu: „Was würdest du ohne mich nur machen?“
Dankend nahm der Halbelf den Kamm entgegen und begann seine schwarzen Haare zu entwirren.
„Was ist eigentlich mit dir in letzter Zeit los?“, prüfend glitten ihre Adleraugen über ihn. „Du bist schon zum zweiten Mal in dieser Woche zu spät“, und darauf formte sie ein Lächeln, das von ihrem rechten zu ihrem linken Ohr zu gehen schien. „Es ist ein Mädchen, oder? Wer ist sie?“, selbstsicher starrte sie ihm forschend in die Augen.
„Ein Mädchen? Welches Mädchen?“, gab er verdattert zurück.
„Ach, kein Mädchen? Jaja, das kenne ich. Es ist natürlich kein Mädchen“, sagte sie übertrieben betont und nickte dabei mit ihren drei Kinnen.
„Wirklich! Ich weiß nicht, wovon du redest.“
„Ja, ja. Jaja. Ich werde so lange fragen, bis du mir sagst, wer sie ist.“
Sie nahm ihm den Kamm aus der Hand und fuhr ihm damit gnadenlos durch die Haare.
„Autsch, lass das, ich bin doch kein Kind mehr“, fuhr er sie an.
„Nicht in diesem Ton, junger Mann. Außerdem wirst du im Gästesaal gebraucht.“
Sie schubste ihn in zur Treppe und drückte ihm ein Silber­tablett mit einigen Früchten und einem Suppentopf in die Hand.
„Hier erledige deine Pflicht und bring dies dem Herrn. Er hat es schon vor einer guten halben Stunde bestellt.“
Als er murrend die Treppe hinauf stieg, fügt sie noch halblaut hinzu:
„Ich bin kein Kind mehr, meint der. Aber mit gekämmten Haaren zur Arbeit erscheinen, kann er nicht.“
„Das habe ich gehört“, schrie Serasin die Treppe hinunter.
„Entschuldigung, habe dich nicht verstanden. Hast du mir gerade gesagt, wie das Mädchen heißt?“
„Bis später!“
Kopfschüttelnd ließ er die Treppe in großen, selbstsicheren Schritten hinter sich. Im Grunde mochte er Elesia, sie war eine aufgeweckte, nette, kleine, runde Person und sie konnte besser kochen als jede andere Köchin, die ihm begegnet war. Doch ihre bemutternde Art kostete einige Nerven. Dazu versuchte sie ihm in den letzten Monaten ständig eine Liebschaft nachzuweisen, die es überhaupt nicht gab.
Er beschleunigte nochmals seine Schritte, da sein Herr es nie mochte, auf etwas zu warten, wenn es schon Tage vorher hatte eingeplant werden können. Dieses Mal hatte er zum Glück sein übliches Frühstück bestellt. Es bestand aus einer Gemüsefleischbrühe wie bei den meisten im Haus, es war Elesias Spezialität, was ausreichte, um es ohne eine einzige Reklamation jeden zweiten Tag auftragen zu lassen. Dazu hatte gab es ein paar Brotscheiben und eine gefüllte Obstschale. Obst war sonst nicht dabei, dementsprechend war es sicherlich das Essen für einen Gast.
Schnellen Schrittes lief Serasin die zweite Treppe hinauf, beim sechsten Treppenabsatz bog er in einen engen Bedienstetengang ein. Wie viele Häuser im innersten Ring der Stadt Kanderas hatte auch dieses Haus versteckte Gänge, die es den Bediensteten ermöglichten, schnell und ohne die Hausbewohner zu stören, an jeden Ort des Hauses zu gelangen.
Leider waren diese Korridore nicht mit denen im restlichen Haus zu vergleichen, sie waren schlecht gearbeitet und unzureichend beleuchtet. Die minderwertigen und spärlichen Öllampen lieferten nicht annähernd genügend Licht, damit man sich zurechtfand. Deshalb nahmen die normalen Bediensteten eine eigene Lampe mit.
Serasin hingegen hatte das nicht nötig, mit seinem feinen Blick konnte er selbst ohne zusätzliches Licht auskommen. Jeden herausragenden Stein erkannte er problemlos. Selbst wenn er wie jetzt den Gang hinunter flog. Doch das war nicht das einzig Spezielle an seinen Augen.
Momentan waren sie dunkelbraun, das war jedoch nicht seine echte Augenfarbe. Eigentlich waren seine Augen von Geburt an vollkommen anders, sie hatten überhaupt keine runden Pupillen, sondern vertikale Schlitze, die von einer orangeroten Iris umschlossen wurden. Nur dank dem Illusionszauber eines Magiers des angesehenen Stadtordens wurde seine Abnorma­lität kaschiert.
Serasins Erinnerungen an den Tag, an welchem er den Magier besucht hatte, waren noch erstaunlich genau.
Der Hausherr hatte ihn mit einem älteren Diener in den östlichen Bezirk geschickt.
Ein Bezirk, der denen vorenthalten war, die sich etwas Besseres leisten konnten, aber nicht zu den Regierenden oder zum neuen Adel gehörten. Zu dieser Kategorie gehörten sehr viele der Magiergilde, denn mit Hilfe ihrer meist einzigartigen Kräften konnten sie Dinge erschaffen, die den normal Sterblichen nicht möglich waren. Der Magierorden erledigte sozusagen alle Projekte, die der Herrscherrat ihnen in Auftrag stellte, mit diesen und privaten Aufträgen hatten die Mitglieder des Magier­ordens einen gewissen Reichtum erlangen können. Von der Politik aber mussten sie sich heraushalten, das war eines der neuen Gesetze, die ein besseres Zusammenleben ermöglichen sollten, indem sie für ein gewisses soziales Gleichgewicht sorgten.
Damals hatte der Diener ihn zum offiziell besten Illusionsmagier gebracht. Dieser wohnte in dem mit Abstand eindruckvollsten Gebäude im Ostviertel, was nicht nur an der schier unglaublichen Höhe, sondern vielmehr an den magischen Verzierungen lag. Über und über war die Turmfassade mit bewegenden Reliefs und Statuen bedeckt, die verschiedene Szenen aus den Zwergenlegenden darstellten, darunter auch die Erschaffung der neuen Götter, ihren Sieg über die Urgewalten des Nichts und Dutzende glorreichen Geschichten von Helden und Zwergenkriegen.
Am Turm angekommen waren Serasin und der alte Diener von einem Novizen, einem Magierlehrling, in ein weitaus spezielleres, wenn nicht unbedingt eindrucksvolleres Zimmer geführt worden, wo der Novize und der Diener seines Herrn ihn alleine ließen.
An dieses Zimmer konnte der Halbelf sich ganz genau erinnern. Es war vollkommen mit Büchern vollgestopft gewesen, nicht einmal die Wände hatte man wegen der vollen Bücher­regale sehen können. Genau so war es mit der Decke, in die Hunderte Bücher scheinbar hineingeklebt worden waren. Die Türen und der Arbeitstisch waren mit ledernen Landkarten überzogen und der warm leuchtende Kronleuchter an der Decke spendete sein helles Licht und ließ alle Schatten gemütlich hin und her tänzeln, was dem ganzen Zimmer eine gemütliche Atmosphäre verlieh. Vielleicht war gerade das der Grund, warum seine Erinnerungen an dieses Zimmer immer noch sehr frisch waren.
Damals vor acht Jahren hatte sich der junge Serasin, kurzerhand auf den Boden gesetzt und auf den Magier gewartet. Fasziniert und überwältigt hatte er das ganze Zimmer unter die Lupe genommen und jedes einzelne Detail in sich aufgesogen und überhaupt nicht bemerkt, wie er für fast eine Stunde vergessen wurde.
Als Serasin gerade dabei gewesen war, einen der Aberhundert Buchtitel zu entziffern, war der Magier hereingekommen. Er sah nicht ganz so aus, wie es sich Serasin vorgestellt hatte. Die Brille und der lange, graue Bart waren zwar so, wie er es bei einem Magier erwartet hatte, seine Kleidung hingegen war es nicht. Doch es war nicht nur der weiße Morgenmantel, den der Magier trug, der anders war, als Serasin es von den Bildern und Geschichten her gekannt hatte, der Magier war weder Mensch noch Elf gewesen.
Denn für einen erwachsenen Menschen oder einen Elfen war er eindeutig zu klein und für seine geringe Größe war er zu muskelbepackt gewesen. Doch was war er dann? Serasin hatte dem komischen Kauz nicht über den Weg getraut und ihn argwöhnisch betrachtet. test

07.10.2011Noch viele Geschichten im Kopf

Wohler Anzeiger

Serasin Feuermagier

07.10.2011Noch viele Geschichten im Kopf

Wohler Anzeiger

Serasin Feuermagier

Das könnte ihnen auch gefallen :

Weitere Bücher von diesem Autor

Serasin Feuermagier

Lanning C. Bel

Serasin Feuermagier

Serasin Feuermagier

Lanning C. Bel

Serasin Feuermagier

Buchbewertung:
*Pflichtfelder