Cover: Magische Begabungen

Magische Begabungen


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 342
ISBN: 978-3-7116-1126-0
Erscheinungsdatum: 07.10.2025
Treten Sie ein in die fesselnde Welt der Magie, wo jeder zwei Fähigkeiten besitzt, die ihm den Alltag erleichtern sollen. Doch nicht jeder magisch Begabte geht so umsichtig mit seinen Kräften um, wie es sich gehört – der Magische Rat hat also allerhand zu tun.
VOR ELF JAHREN


„Der dreizehnte Geburtstag wird auf jeden Fall magisch“, sagte meine Mutter stets zu mir. „Du wirst schon sehen!“
Dabei trug sie ein geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen. Ich runzelte dann meist frustriert die Stirn, denn mir war nicht klar, was sie damit andeuten wollte.
Aber egal, wie inständig ich sie auch löcherte, sie lächelte weiterhin rätselhaft und schwieg eisern. Doch so forderte sie mich nur umso stärker heraus, und ich flehte und bettelte sie an, es mir endlich zu verraten.
„Du wirst schon sehen“, entgegnete sie dann nur und zwinkerte mir verschmitzt zu. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, wie ungeduldig ich diesem Tag entgegenfieberte.
Heute war es endlich so weit.
Mit geröteten Wangen stand ich vor dem hohen Spiegel, der dort an der Wand hing. Ich begutachtete zufrieden mein neues cremefarbenes Kleid, das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Es war mit großen mintgrünen und rosafarbenen Blumen bedruckt und reichte mir bis knapp über die Knie. Dazu trug ich helle Sandalen, die sogar einen klitzekleinen Absatz hatten. Und die rotblonden Haare hatte meine Mutter mir zu einem kunstvollen Zopf geflochten.
Ich schnappte den leuchtenden Lipgloss vom Sideboard, um ihn mir auf die üppigen Lippen aufzutragen. Dabei fiel mir auf, wie meine grünen Augen vor Aufregung strahlten. Die Leute sagten immer, ich wäre das Ebenbild von Sophia, was ich für ein großes Kompliment hielt. Denn sie war eine absolut hinreißende Frau, wie jeder in unserem näheren Umfeld neidlos betonte.
Als hätte sie meine Gedanken gehört, klopfte es leise an der Tür, und meine Mutter kam mit leuchtenden Augen zu mir in den Raum.
Ihr Blick streifte über die taubenblauen Wände des Zimmers und die vielen Poster mit meinen Lieblingsbands. Sie ließ ihn kurz auf dem Bett mit der himmelblauen Bettdecke verweilen, wo unzählige Outfits lagen, die ich schon anprobiert hatte, die mir aber alle nicht zugesagt hatten. Mit einem amüsierten Lächeln über meine mangelnde Entscheidungsfreudigkeit kam sie auf mich zu und nahm mich liebevoll in den Arm.
„Wow, du siehst bezaubernd aus, Schatz“, sagte sie mit Bewunderung in ihrer Stimme und drückte mir einen Kuss auf meinen Scheitel.
Ich lächelte sie selig an, froh darüber, dass ich im Mittelpunkt des Interesses stehen würde. Denn heute war mein Ehrentag, und ich hatte mir fest vorgenommen, ihn in vollen Zügen zu genießen.
Mit einem glitzernden Blick aus ihren grünen Augen reichte meine Mutter mir eine kleine Schatulle und sagte liebevoll: „Happy Birthday, Schatz.“
Ich nahm die Schachtel gespannt entgegen und öffnete sie mit zitternden Händen.
Ich betrachtete den Inhalt, und mir entwich ein kurzer Laut der Überraschung. Ich sah verwundert in die erwartungsvollen Augen meiner Mutter und fragte mich, wie sie in der Lage war, mir etwas so Kostbares zu schenken. Dann nahm ich strahlend eine funkelnde Halskette heraus, die sie mir aber sofort wieder abnahm, um sie um meinen Hals zu legen.
Ich nahm sie verzückt in den Arm und hauchte ehrfürchtig: „Die ist absolut hinreißend. Danke, danke, danke!“
Meinen leiblichen Vater hatte ich nie kennengelernt. Es gab immer nur Mama und mich. Wir beide waren ein eingeschworenes Team. Sie hatte mir berichtet, dass er vor meiner Geburt gestorben sei. Mehr wollte sie mir leider nicht über ihn erzählen, egal, wie intensiv ich sie auch löcherte.
Einen Vater hatte ich nie vermisst. Meine Mutter hatte alles dafür gegeben, um ihn zu ersetzen. Mir hatte es nie an etwas gemangelt. Sie hatte versucht, all meine Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen, und was sie finanziell nicht hinbekam, hatte sie mit ihrer Liebe und Fürsorge aufgewogen.
Mit anderen Männern hatte sie sich ebenfalls nie getroffen. Zumindest hatte ich davon nichts bemerkt. Sie hatte mir nie jemand Wichtigen in ihrem Leben vorgestellt, weswegen ich dann auch nie einen Ersatzvater hatte.
Ich nahm einen tiefen Atemzug und stellte mich wieder vor den Spiegel. Diesmal, um den Schmuck genauer zu betrachten. An meinem Hals blinkte eine Kette aus Sterlingsilber, an der ein herzförmiger Anhänger mit einem kleinen Smaragd hing. Der Farbton passte umwerfend gut zu meinen grünen Augen. Sie war schlicht und ergreifend perfekt.
Ich drehte mich ein letztes Mal vor dem Spiegel und ließ den Rock des Kleides schwingen. Ich nahm einen letzten tiefen Atemzug und entschied, dass ich so auf jeden Fall bestens für die Party gerüstet war.
Meine Mutter lächelte mir strahlend zu, und ich schritt die Treppe hinab zu meiner lang ersehnten Geburtstagsparty.
Die Party war ein Mega-Erfolg. Wir hatten das Wohnzimmer geschmackvoll dekoriert. Da dies das größte Zimmer in unserer relativ kleinen Wohnung war, hatten wir beschlossen, die Tische und Stühle beiseite zu räumen und die Feier hier zu veranstalten.
Von der Decke hingen zahlreiche bunte Luftballons. Die altmodischen Wände hatten wir mit ein paar Lichterketten geschmückt. Dadurch geriet die grässliche grüne Tapete etwas mehr in den Hintergrund.
Der Raum war in schummriges Licht getaucht. Meine Mutter hatte sogar eine Discokugel besorgt. Und es wurden einige moderne, rockige Lieder gespielt, die uns auf der Stelle in die richtige Partystimmung versetzten.
Natürlich war auch meine beste Freundin Franziska dabei. Wir beide ähnelten uns in Größe und Statur. Das fanden wir damals unheimlich praktisch, weil wir immer gerne unsere Klamotten tauschten. Aber ihre Haare waren dunkler als meine, und sie trug einen fransigen Kurzhaarschnitt.
Außerdem hatte ich sechs weitere Jungen und Mädchen zu der Party eingeladen. Und zu meiner unermesslichen Freude war mein großer Schwarm Erik ebenfalls dabei. Er war ausgesprochen gutaussehend – mit seinem blonden Wuschelkopf –, dazu besaß er Charme und Esprit. Gleich an meinem ersten Tag in der neuen Schule hatte ich mich auf der Stelle in seine himmelblauen Augen verliebt.
Franziska grinste mich an und nahm mich überschwänglich in den Arm.
„Happy Birthday, Charlie“, gratulierte sie mir und drückte mir mit einem erwartungsvollen Leuchten ein geschmackvoll verpacktes Geschenk in die Hand.
Ich schaute gespannt in ihre haselnussbraunen Augen, erwiderte ihr Lächeln und nahm das Päckchen aufgeregt entgegen.
„Danke, Franzi“, antwortete ich gerührt und umarmte sie abermals.
Nach und nach gratulierten mir auch alle anderen Gäste und überreichten mir ihre Präsente. Ein paar davon waren ausgesprochen kunstvoll verpackt.
Die legte ich aber erst einmal auf der schon etwas abgenutzten Anrichte ab. Ich hatte vor, sie später im Beisein aller zu öffnen.
Wir tanzten ausgelassen zu cooler Musik, ich hatte im Wohnzimmer Snacks und Getränke verteilt, und wir hatten jede Menge Spaß.
Nach einer Weile nahmen Franzi und ich auf der Couch Platz, um uns eine Erfrischung zu gönnen, und unterhielten uns.
„Ich denke, Erik steht auf dich“, flüsterte Franzi mir verschwörerisch ins Ohr und stupste mich neckisch in die Seite.
Ich erwiderte erwartungsvoll ihr spitzbübisches Lächeln und räusperte mich verlegen. Ich wünschte mir so sehr, dass sie recht hatte.
„Glaub mir“, beteuerte sie eindringlich, weil sie meine Unsicherheit bemerkte. „Ich habe vorhin mitbekommen, wie er sich mit Jonas unterhalten hat. Er hat gesagt, dass er dich echt cool findet.“
„Denkst du, er wird mich um ein Date bitten?“, fragte ich hoffnungsvoll.
„Da bin ich mir sicher“, bestätigte sie nachdrücklich.
„Von wem redet ihr?“, wurden wir schroff von Tina unterbrochen, die mit einer leeren Flasche ins Wohnzimmer geplatzt kam.
Ich fragte mich, was sie damit wohl vorhatte?
„Niemand“, antworteten wir beide wie aus einem Munde.
„Doch nicht etwa Erik?“, bohrte sie weiter.
„Nein!“, widersprach ich ein bisschen zu schnell.
„Du glaubst, dass er auf dich abfährt?“, sagte sie verächtlich. „Sieh ihn dir an. Er ist ein wahres Prachtexemplar. Er kann praktisch jede haben. Warum sollte er ausgerechnet an dir interessiert sein?“
Mit diesen Worten drehte sie sich abrupt um und ließ mich zweifelnd zurück. Hatte sie recht? Hatte ich es mir nur eingebildet, dass er mich für etwas Besonderes hielt? War es für ihn nur ein Spiel?
„Hör nicht auf sie!“, beschwor Franzi mich. „Ich habe es genau mitbekommen.“
Aber ich war mir da auf einmal gar nicht mehr sicher.
„Wer hat Lust auf ‚Flaschendrehen‘?“, fragte Tina forsch.
Wir sahen uns unschlüssig an. Ich hatte das Gefühl, dass niemand sonderlich scharf darauf war. Mir war der Spaß jedenfalls gründlich vergangen. Am Ende stimmten aber alle zu. Einige aus der Gruppe reagierten etwas zögerlich, andere dafür mit wachsender Begeisterung.
„Das Geburtstagskind fängt an“, bestimmte Tina.
Tina war eher ein unscheinbares Mädchen. Sie war ein wenig größer als wir anderen, außerdem hatte sie eine leicht mollige Figur. Sie hatte mausbraune, kurz geschnittene Haare und graue Augen. Meistens trug sie abgewetzte Jeans und dazu ausgeblichene T-Shirts.
Doch sie war stets bestimmend und rechthaberisch, was sie heute wieder einmal unter Beweis stellte.
„Wofür entscheidest du dich?“, fragte sie mich resolut. „Wahrheit oder Pflicht?“
„Pflicht“, antwortete ich spontan, ohne darüber nachzudenken, und drehte die Flasche.
Nachdem sie endlich aufgehört hatte zu rotieren, zeigte der Flaschenkopf auf meinen großen Schwarm. Mein Herz klopfte schneller. Na, blendend! Das fehlte mir noch.
„Deine Pflicht ist es, ähm … mit Erik zu knutschen!“, befahl Tina und sah mich dabei herausfordernd an.
Was?! Erschrocken keuchte ich auf. Ich sollte ihn küssen?
Ich drehte mich ruckartig in seine Richtung. Mein Herz klopfte auf einmal wie wild, und in meinem Bauch schienen tausend Schmetterlinge herumzuflattern.
Die anderen feuerten Erik johlend an. Selbstbewusst grinsend kam er auf mich zu. Er nahm mich in den Arm und schaute mir tief in die Augen.
Ein angenehmes Kribbeln breitete sich in meinem Bauch aus. Jede Sekunde würde ich meinen ersten Kuss bekommen, und das von Erik, meinem absoluten Schwarm. Ich zappelte nervös auf meinem Platz herum. Er beugte sich zu mir herunter …
Aber in meiner Aufregung verlor ich die Fassung. In meinem Kopf tobten tausend unterschiedliche Gefühle, die ein riesiges Chaos in mir anrichteten. Zu meiner großen Verwunderung löste ich mich vor den Augen der Menge auf und wurde … unsichtbar?
Wie war das nur geschehen? Ich begriff das nicht. Das konnte doch nur ein übler Traum sein. Ja, so musste es sein. Ein Traum. Ein paar der Mädchen kreischten erschrocken auf.
Ich hörte einige entsetzte Schreie und starrte fassungslos in die Runde.
„Freak!“
„Monster!“
„Was ist hier los?“
Alle riefen wild durcheinander und zeigten anklagend mit den Fingern in meine Richtung. Ich kam mir vollkommen hilflos und bloßgestellt vor.
Aus den Augenwinkeln bekam ich mit, wie meine Mutter besorgt ins Zimmer stürmte und verzweifelt versuchte, das Chaos, das hier herrschte, zu überblicken. Ich wurde daraufhin allmählich wieder sichtbar, da mich durch ihr Auftauchen eine große Erleichterung durchströmte.
„Oh, mein Gott!“, rief sie entsetzt, nachdem sie die Lage überblickt hatte.
Sie fasste sich aber recht schnell wieder. Ich fragte mich, wie sie das nur so lässig hinnehmen konnte.
„Kinder, setzt euch bitte alle auf den Boden!“, sagte sie in beruhigendem Ton zu uns.
Sie sprach mit einem hypnotischen Unterton in ihrer Stimme zu uns. Ich meinte aber doch, ein leichtes Zittern darin wahrzunehmen.
Nach kurzem Zögern gehorchten alle mit glasigen Augen, und wir setzten uns auf den ausgefransten Teppich, der vor der Wohnzimmercouch lag. Meine Mutter sagte etwas in einer fremden Sprache. Ich verstand nicht, was sie uns erzählte, aber ich fühlte mich, als würde ich in eine warme Decke gehüllt. Ich hatte das Gefühl, dass sich alles wieder einrenken würde, und gab ein erleichtertes Seufzen von mir.
Dann schickte Mama unsere Gäste nach Hause. Niemand schien irgendetwas an diesem Abend noch merkwürdig zu finden.
Ein ungutes Gefühl hatte ich nur bei Tina, die misstrauisch einen Blick mit einem der anderen Mädchen wechselte. Sie schüttelte irritiert den Kopf, als hätte sich dort ein Bienenschwarm niedergelassen.
Als ich später einmal meine Mutter nach diesem Abend fragte, erfuhr ich, dass sie meinen Freunden ein paar angenehme Gedanken in ihren Geist suggeriert hatte. Sie gab ihnen das Gefühl, sie hätten eine gelungene Party gefeiert.
Dann nahm Mama mich bei der Hand und führte mich zur Couch. Dort erzählte sie mir, dass es Magie tatsächlich gab.
„Ich hatte vor, mit dir nach der Party darüber zu sprechen. Das sollte dein schönstes Geburtstagsgeschenk werden“, erklärte sie mir niedergeschlagen.
Anschließend nahm sie mich tröstend in den Arm.
„Ich hatte aber immer angenommen, dass du eine von meinen Fähigkeiten erben würdest, sprich die Kraft, zu heilen, oder Gedanken zu lesen“, berichtete sie weiter. „Ich hätte nie vermutet, dass du eine andere Gabe erhalten könntest. Das ist ein wenig überraschend.“
„Überraschend?!“ Ich starrte sie geschockt an.
Für mich war das mehr als überraschend. Sie hatte magische Kräfte und hatte mir nie etwas davon gesagt. Außerdem wusste sie, dass ich ebenfalls übersinnliche Fähigkeiten besaß, aber auch das hatte sie mir verschwiegen und mich damit in diese unmögliche Lage gebracht.
„Ich weiß nicht, was dort vorhin passiert ist“, fuhr sie mit Resignation in ihrer Stimme fort. „Ich hätte niemals damit gerechnet, dass du unsichtbar werden könntest.“
Sie rang ihre Hände. „Mir war nicht klar, dass so etwas passieren könnte. Sonst hätte ich unter allen Umständen versucht, es zu verhindern, damit niemand von deiner Kraft erfährt.“
Und sie beschwor mich eindringlich, keiner Menschenseele etwas von meiner Fähigkeit zu erzählen. Sie bat mich, extrem vorsichtig zu sein, wenn ich meine Gabe einsetzte, damit niemand bemerkte, dass ich diese magische Kraft besaß.
Bis heute hatte ich mich strikt an diese Anweisung gehalten und meine Begabung nicht preisgegeben. Nicht einmal meiner besten Freundin hatte ich ein Sterbenswörtchen davon erzählt.
Ein halbes Jahr später waren wir dann in eine andere Stadt umgezogen.




Kapitel 1

CHARLOTTE


Die Zwillinge Lea und Finn heckten wieder einmal etwas aus. Das war mir sofort klar, denn ich sah, wie sie sich schuldbewusst nach allen Seiten umsahen und geheimnisvoll miteinander tuschelten. Dabei blitzte ihnen regelrecht der Schalk aus den Augen. Die beiden hielten meine Kollegen und mich tagtäglich auf Trab. Das war schon so, als sie vor einem Jahr mit ihrer Großmutter das erste Mal unseren Kindergarten betreten hatten. Sie besaßen einen schier unerschöpflichen Quell an Inspiration und Ideenreichtum, wenn es hieß, originelle Streiche auszuhecken. Ständig fiel ihnen etwas Neues ein, womit sie uns in den Wahnsinn treiben konnten.
Ich hatte mir soeben einen Kaffee in meinen „Morgenmuffel“-Kaffeebecher gegossen, außerdem hatte ich mir ein seichtes Klatschblatt herausgesucht. Jetzt setzte ich mich an einen der freien Tische, wo ich genüsslich in der Zeitschrift blätterte.
Wir hatten vorhin eines unserer täglichen Spiele im Stuhlkreis beendet. Die Stühle waren ordentlich an ihren Platz zurückgeräumt, und die Kinder hatten die nächste Stunde zu ihrer freien Verfügung. Sie hatten sich im Raum verteilt und verbrachten ihre Zeit nun mit Spielen, zu denen sie gerade Lust hatten. Im Gegenzug beschloss ich, dass ich mir ebenfalls eine kurze Pause redlich verdient hatte.
Da sah ich sie, wie sie auf Zehenspitzen in Richtung Bauecke schlichen und dabei diebisch kicherten. Ich beäugte die beiden kritisch. Lea hielt eine grün-weiß gestreifte Tube in ihrer linken Hand, die sie hinter ihrem Rücken zu verstecken versuchte. Misstrauisch kniff ich die Augen zusammen. War das etwa Zahnpasta? Ich schüttelte resigniert den Kopf und schaute zu Finn herüber. Unter seinem T-Shirt erkannte ich eine riesige Beule.
Ich stöhnte genervt. Konnte man denn nicht einmal in Ruhe seinen Kaffee genießen? Diese beiden hatten nur Unsinn im Kopf. Das war ja schlimmer, als einen Sack Flöhe zu hüten. Ich seufzte ergeben und stellte den Kaffeebecher zurück auf die Anrichte.
Hm, der Sache sollte ich besser sofort auf den Grund gehen.
Meine übersinnlichen Kräfte hatte ich vor elf Jahren entdeckt. Das war der Tag, an dem ich meinen dreizehnten Geburtstag feierte. Ich hatte damals auf nicht sonderlich angenehme Art herausgefunden, dass ich diese Fähigkeiten besaß.
Es war mir möglich, mit der Umgebung vollkommen zu verschmelzen, sodass ich praktisch unsichtbar wurde.
Leider hatte ich schmerzhaft gelernt, dieses Wissen lieber für mich zu behalten. Ich verzog voller Unbehagen mein Gesicht bei dem Gedanken, wie meine Freunde mich an jenem Tag als Ungeheuer betitelt hatten, als ich wie von Zauberhand vor aller Augen verschwunden war. Die meisten Menschen hatten eben ein riesiges Problem mit dem Unbekannten. Ich selbst war vermutlich am ärgsten darüber geschockt, dass ich solch eine Gabe besaß. Zum Glück hatte meine Mutter damals mit ihren telepathischen Kräften aber alles wieder ins Reine gebracht, und meine Freunde hatten schlicht vergessen, dass sie mich für ein Monster gehalten hatten. Doch daraufhin war ich ihnen nur noch mit Vorsicht begegnet. Na ja, so etwas stellte selbst eine gefestigte Freundschaft auf eine harte Probe.
Die Gabe der Unsichtbarkeit kam mir jetzt aber gerade recht. Mittlerweile war ich ziemlich geschickt darin, es vor anderen zu verbergen, wenn ich sie benutzte.
Ich schlich hinaus in den Flur, damit niemand mitbekam, wie ich mich tarnte. Dann sah ich mich verstohlen nach allen Seiten um. Ich war schon im Begriff, unsichtbar zu werden, als …
„Charlie?“, hörte ich unverhofft jemanden sagen.
Ich drehte mich fragend zu der piepsigen Stimme um und sah hinter mir die vierjährige Mia stehen. Sie zupfte an meiner Bluse und zappelte unruhig herum. Mir kam der schreckliche Verdacht, dass …
„Ich muss mal“, informierte sie mich mit einer leidenden Stimme, womit sie meine Mutmaßung leider bestätigte.
Auch das noch! Das passte mir jetzt überhaupt nicht in den Kram. Ich hatte doch vor, die Zwillinge endlich zu überführen.
Mia sah mich allerdings so verzweifelt an, dass sie mein Herz tief erweichte. Da fiel es mir verdammt schwer, Nein zu sagen. Ich seufzte ein weiteres Mal ergeben.
„Okay“, meinte ich kapitulierend. „Aber wir müssen uns beeilen.“
...
4 Sterne
gut - 13.08.2026
Johanna Böhmker

gute Übersichtlich gute Texte inhaltlich gut zu lesen

4 Sterne
gut - 25.02.2026
Luise van Heldt

Das Buch ist gut zu lesen sehr gute Geschichten und spanend zu lesen prima .

4 Sterne
gut - 25.02.2026
Luise van Heldt

Das Buch ist gut zu lesen sehr gute Geschichten und spanend zu lesen prima .

4 Sterne
gut - 12.02.2026
Maria Lammer

sehr schöne Geschichten man kann sich selbst in das Buch und den Geschichten wieder finden.

4 Sterne
gut - 09.02.2026
Johanna Böhmker

Das Buch ist sehr gut zu lesen und schöne Texte gut Beschrieben

4 Sterne
gut - 29.01.2026
Anna-Lena Möller

Das Buch gut lesbar schöne Geschichten sehr Übersichtlich .

4 Sterne
gut - 26.01.2026
Birgit Göken

Sehr gute Geschichten und gut lesbar und sehr gut übersichtlich interessante Geschichten .

5 Sterne
sehr gut - 23.01.2026
Inge Beier

Das Buch ist gut zu lesen und gute Geschichten Die Autorin hat wunderbare Erzählungen .

5 Sterne
Einfach magisch  - 22.01.2026
Melanie Ostermann-Albers

Wundervolle gut verständliche Geschichte. Wer Magie, Krimis und Liebesgeschichten mag, wird das Buch lieben. Ich konnte es fast nicht aus den Händen legen.

5 Sterne
sehr gut - 20.01.2026
Wilhelm Ostermann Kolpingstraße 13 49632 Essen

Das Buch ist sehr gut zu lesen und gut in Texten geschrieben, man kann sich mit der Autorin sehr gut in das Buch rein versetzen und besonders lesbar .

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