Intrigen der Macht

Intrigen der Macht

Tino Steinchen


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 490
ISBN: 978-3-99026-214-6
Erscheinungsdatum: 17.01.2012
Der Hof des Blutpalastes ist ein Leuchtfeuer des Prunkes und der Macht. Die Höflinge leben scheinbar in einem Paradies unendlicher Möglichkeiten. Hinter der Fassade jedoch gleicht der Blutpalast einem Kriegsschauplatz zwischen den Machthabern, die ihre ganz persönlichen Ziele verfolgen ...
Es war schon fast wieder Mittag und er hatte noch keinen Schritt in seine Gemächer gesetzt, geschweige denn ein Auge zugetan. Die Empfangsfeierlichkeiten hatten sich lange hingezogen, ohne dass die Leute Erschöpfung oder Müdigkeit gezeigt hätten, dank der Geragukräuterbrühen der Heiler. Werru liebte seine Wurzeln, die Rassat, aber wenn es ums Feiern ging, waren sie einfach unersättlich. Hatte er sich bei seinem Eintreffen einigermaßen von den Friedensverhandlungen ausgeruht gefühlt, war diese Erholung mit der endlosen Feier wieder verschwunden. Endlich hatte er die Türen zu seinen Gemächern erreicht. Er freute sich schon auf sein weiches Bett, das er so lange gegen ein paar Decken und einen großen Ledersack eingetauscht hatte. Bevor er jedoch auch nur die Tür zu seinen Gemächern öffnen konnte, sprach ihn eine seiner Wachen an.
„Herr. Der Hohe Herr Omago wartet in Euren Gemächern auf Euch“, informierte ihn die Wache. Werru hatte ganz auf Omago vergessen, und dieser würde sicher nicht ohne ein ausführliches Gespräch wieder verschwinden. Werru fasste in eine seiner Taschen und zog ein Fläschchen mit Geraguperlen he­raus. Während seiner Verhandlungen hatte er diese Aufputschmittel dauernd verwendet und so würde einmal mehr auch keinen Unterschied mehr machen. Mit einem leichten Achselzucken entfernte er den Verschluss des Fläschchens und nahm die restlichen drei bis vier Perlen zu sich. Er steckte das Fläschchen verschlossen wieder zurück in seine Tasche und öffnete schwungvoll die Türen. Er wollte Omago doch ordentlich begrüßen.
„Wen haben wir denn da? Ein Erdferkel, wie mir scheint!“, rief Werru laut in die Räumlichkeiten, da er nicht genau wusste, wo sich Omago befinden würde. Die Wachen schlossen die Türen hinter Werru, während sich dieser im Zimmer umsah. Das holzvertäfelte Gemach war voller hoher, mit Büchern vollgestopfter Regale, durchbrochen von einigen kleinen Tischchen und einem mächtigen Kamin, vor dem zwei gut gepolsterte, ausladende Sessel thronten. Von einem der Sessel erhob sich ein schwerfälliger, stattlich gebauter Mann. Bei dessen Anblick drängte sich Werru der Gedanke auf, dass dieser in den vergangenen Wochen seiner Abwesenheit beträchtlich zugenommen hatte. Der ältere, gut genährte kräftige Mann mit breiten Schultern und ordentlichem Bauch kam langsam und bedrohlich wirkend auf Werru zu. Seine kurzen braunen Haare gingen nahtlos in den ebenso braunen Vollbart über und umrahmten damit das volle Gesicht mit den nussbraunen Augen. Als der Hohe Herr Omago Belean, Magier der vier Elemente, Mitglied der Gilde des Turms, in voller Größe vor ihm stand, wurde sich Werru wieder bewusst, wie groß dieser eigentlich war, überragte er ihn doch um einen halben Kopf.
„Wie könnt Ihr es wagen, mich derart zu brüskieren!“, erwiderte Omago auf Werrus Beleidigung. Erdferkel war die abfällige Bezeichnung für Erdmagier, und auch wenn Omago mittlerweile alle vier Elemente beherrschte, hatte er doch als Erdmagier seine Laufbahn begonnen.
„Ihr, Ihr Feuerteufel“, rächte sich Omago, indem er die ebenbürtige Beleidigung für Feuermagier verwendete, war Werru einst ein solcher gewesen.
„Bereitet Euch darauf vor, für diese Beleidigung zu sterben“, schoss Werru zurück. Er verengte seine Augen, zog seine Augenbrauen nach unten und furchte die Stirn, bevor Omago ihn kurzerhand umarmte. Die Umarmung des großen Bären glich eher einem Verschlingen, da nicht viel Fläche unbedeckt gelassen wurde. Beide lachten über ihr Wiedersehen und klopften einander fest auf den Rücken, wobei Omago manchmal so fest schlug, dass Werru die Luft wegblieb.
„Wie geht es dir, Ru?“, erkundigte sich Omago fürsorglich, war Werru doch fast wie der Sohn für ihn, den er nie gehabt hatte. Omago kannte Werru, seit dieser schreiend in den Windeln gelegen hatte.
„Ich bin völlig erschöpft, O, einen Tag länger und ich hätte die Verhandlungen abbrechen müssen“, gestand Werru seine Verfassung. Er konnte sie vor Omago ohnehin nicht geheim halten und wollte das auch nicht.
„Ru, Junge, du siehst furchtbar aus“, musterte Omago Werru. Er blickte seinem Schützling ins Gesicht, in die Augen, betastete dessen nicht vorhandenen Bauch und schüttelte entschieden den Kopf.
„So fühl ich mich auch“, bekräftigte Werru, während er sich aus Omagos tastenden Fingern befreite. Mit schlurfenden Schritten schaffte es Werru bis zu den Sesseln vor dem Kamin und setzte sich. Seine Reisetasche aus altem abgewetzten Leder stellte er neben sich ab. Omago folgte ihm und nahm auf dem zweiten Sessel neben ihm Platz.
„Ja, komm, setz dich und ruh dich ein wenig aus … aber nicht zu viel“, forderte Omago seinen Schützling viel zu spät auf. Seine kleine Überraschung für Werru machte sein grobes Verhalten allerdings wieder gut. „Ich hab dir Kreewein besorgt.“
Diese Nachricht heiterte Werru auf. Kreewein war eine besondere Spezialität der alten Tage, an denen die Völker der Rassat noch nicht Mitglieder des Blutreichs waren. Obwohl an den Kreetrauben, der Hauptzutat des Weines, nichts Schlechtes zu finden war, waren sowohl die Trauben als auch der Wein verpönt.
„Du altes Schlitzohr. Woher hast du ihn bekommen?“, wollte Werru wissen, fasziniert von den Tricks seines alten Mentors. Aber Omagos Kopfschütteln zeigte ihm schon, dass er sich dieses Wissen würde erkämpfen müssen.
„Nichts da, das ist ein Geheimnis“, wehrte Omago mit finsterem Blick ab. „Schließlich muss ich auch noch zu etwas gut sein, und sei es nur, um fast verbotenen Wein zu besorgen.“
„Stimmt. Für das bist du gerade noch gut“, gab Werru seinem Mentor mit einem bösen Grinsen recht. Er konnte sich die aufgelegte Beleidigung einfach nicht entgehen lassen.
„Bastard. Erzähl mir lieber von deiner Reise, als mich zu beleidigen“, verlangte Omago mit einem kleinen Hieb auf Werrus Oberarm. Zumindest war Werru immer noch frech, ein gutes Zeichen, fand Omago.
Werru begann, ausführlich über seine Reise nach Turad zu erzählen, dem Land der Bokku. Er sprach darüber, dass das Land unter den rivalisierenden Stämmen zersplittert war. Einer der einflussreicheren waren die Rumka, mit denen er verhandelt hatte. Als er angekommen war, liefen die Kriegsvorbereitungen bereits auf Hochtouren. Werru aber hatte einen kühlen Kopf bewahrt und dem Steinriesen von Anführer, Hattat, so lange geschmeichelt, bis die ausständigen Lieferungen eingetroffen waren. Besonders beeindruckt war Werru von Hattats Wutausbrüchen, bei denen er mit allen vier mächtigen Steinhänden auf die Tisch gedonnert hatte.
Nebenbei hatte Werru eine Antwort auf Omagos Frage gefunden, ob die Bokku wirklich durch und durch aus Stein waren. Er konnte durch verschiedene Erzählungen und durch das Beiwohnen bei der Heilung eines Bokku eindeutig bestätigen, dass diese Rasse aus einer Art lebenden Steins bestand, kein Fleisch, keine Flüssigkeit, nur Stein. Außerdem erzählte Werru über die Abkommen, die die Bokku mit den Matmat getroffen hatten, die es ihnen erlaubten, jederzeit durch das Matmatgebiet zu marschieren, welches das Blutreich von Turad trennte. Das Abkommen war nicht weiter verwunderlich, wollten die Matmat den Bokku die Möglichkeit lassen, im Falle eines Krieges direkt in das Blutreich einmarschieren zu können. Die Waldknirpse hatten seit der Zerstörung ihres Goldenen Baums kaum etwas für das Blutreich übrig.
Werru streifte nur kurz die Reise selbst, das Reich der Steinfresser, dessen Tiere und Pflanzen, die felsenartig waren, und das Gebiet der Matmat, in dem er sich immer von den Waldknirpsen beobachtet gefühlt, aber nie einen zu Gesicht bekommen hatte. Danach folgte die Flussfahrt auf dem dunklen Strom Annla, über die Mündung des Mula, vorbei an den Flussstädten Alessit­ra, Venat und Orona bis zur Hauptstadt Sirad. Er schloss seine Geschichte mit der Erwähnung der unglaublich anstrengenden Empfangsfeier ab, um Omago einen kleinen Hinweis zu geben, dass er müde war und schlafen wollte.
„Hört sich nicht ganz so anstrengend an, wie du mir weismachen willst“, ignorierte Omago unsensibel Werrus Versuch, ihr Gespräch abzukürzen, was ihm einen entnervten Blick seines Freundes eintrug.
„Gewiss war deine Aufgabe hier wesentlich anstrengender“, ärgerte Werru den Riesen, der sich für feine Spitzen und Hinweise völlig unempfänglich zeigte.
„Ja, war sie. Spaß beiseite, Junge, die Lage hier im Palast wird immer bedenklicher“, kam Omago auf den Punkt, um Werru mit den Neuigkeiten zu füttern, die dieser wissen wollte. Deswegen war Omago eigentlich vor Ort.
„Inwiefern?“, erkundigte sich Werru genauer. Die Atmosphäre im Palast war auch schon vor seiner Abreise nicht besonders friedlich gewesen.
„Die Adeligen bekriegen sich“, erklärte Omago bitter, wobei er seiner Stimme einen besonders ernsten Ton gab. Werru wusste nicht genau, worauf Omago hinauswollte.
„Das haben sie doch schon immer?“, kommentierte Werru das Gesagte, eher als Frage denn als Feststellung formuliert.
„Ja, aber nicht so. Sie sind mittlerweile richtig aggressiv geworden“, unterstrich Omago die kritische Lage und zeigte auf, dass die herrschenden Streitigkeiten über das Normalmaß hinausgingen. „Eine Dienerin wurde vor Kurzem hingerichtet, weil sie das Blut der Ersten Konkubine vergossen hatte.“
„Offiziell? Am Palastplatz?“, zeigte sich Werru verblüfft. Diese Ereignisse waren selten, doch sie waren auch schon früher vorgekommen. Noch war er nicht so richtig überzeugt, dass sich die Lage im Blutpalast tatsächlich zugespitzt hatte.
„Nein, so weit ist es zum Glück nicht gekommen. Sie hat den Freitod gewählt“, winkte Omago ab. Allerdings fand er den Tod wegen eines Verbrechens an sich schon dramatisch genug.
„Das wird der Ersten Konkubine aber gar nicht gefallen haben“, scherzte Werru, der Omagos Meinung nach die Lage immer noch nicht richtig einschätzte.
„Nun, das wird ihr nicht mehr so wichtig sein“, stieg Omago in die Scherze seines Freundes ein. Gleichzeitig wollte er diesem einen unanfechtbaren Grund liefern, der ihm zu verstehen gab, wie ernst die Lage im Palast tatsächlich war.
„Warum?“, fragte Werru mit einer dümmlichen Miene nach. Er wollte keine ernsten Gespräche über das Treiben des Palastes führen, war er doch gerade erst angekommen.
„Weil die Erste Konkubine ihre Stellung verloren hat“, ließ Omago seinen Freund trocken wissen. „Sie versucht gerade bei ihren Freunden unterzukommen.“
Omago wusste, dass Werru nicht gerne das Palastleben verfolgte, umso mehr musste er deshalb darauf achten, dass der Junge alle wichtigen Informationen bekam.
„Nicht schlecht. Hier geht es aber richtig zur Sache“, ging Werru endlich auf Omagos Ernsthaftigkeit ein. Er hatte doch ohnehin keine Chance, der Information durch seinen Mentor zu entgehen.
„Der Blutkaiser greift nicht ein, sondern schürt die Unstimmigkeiten noch“, wies Omago auf ein weiteres prekäres Detail hin. „Scheint so, als ob er Angst hätte, seine Macht zu verlieren.“
Omago hegte schon lange solche Mutmaßungen, sprach sie aber erst jetzt offen aus.
„Glaubst du?“, wollte Werru es deutlicher wissen. Einfach eine Vermutung ohne Grundlagen anzustellen half ihnen nicht weiter.
„Viele Blutkaiser haben diese Taktik angewendet, um sich noch ein wenig länger an der Macht halten zu können“, baute Omago seine Argumente auf. „Sind die mächtigen Adeligen untereinander beschäftigt, können sie sich nicht mit ihm auseinandersetzen oder sich gar zusammenschließen.“
Werru sah die Taktik dahinter, aber der Blutkaiser musste wissen, dass er dadurch dem Reich Schaden zufügen konnte.
„Deswegen auch Krieg. Zur Ablenkung!“, folgerte Werru, desillusioniert darüber, dass der Kaiser Nachteile für sein Reich durchaus hinnahm. „Das passt ins Schema.“
Die Zusammenhänge und Hinweise waren deutlich. Der Blutkaiser begann, sich an seine Macht zu klammern.
„Hast du ihn beim Empfang dazu befragt?“, lenkte Omago das Gespräch wieder in eine entspanntere Richtung, nachdem die wichtigen Dinge ausgesprochen worden waren.
„Ich konnte leider nicht“, verkündete Werru gespielt verletzt. Omago mochte die schlechten Schauspiele seines Schützlings und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Warum? Hemmungen, gegen das Protokoll zu verstoßen?“, stachelte Omago Werru noch zusätzlich an.
„Was für eine absurde Idee“, versuchte Werru das Gehabe eines übertrieben noblen Mannes nachzuahmen. „Nein, er war nicht da.“
Den letzten Satz formulierte Werru übertrieben ernst, um dem Gesagten eine gewisse trockene Komik zu verleihen.
„Lass mich raten, Pennon, dein alter Freund, ist für ihn eingesprungen?“, kratzte Omago an einer empfindlichen Stelle von Werru.
„Natürlich“, spuckte Werru die Antwort förmlich aus.
„Und? Hat er versucht, deine Gedanken zu lesen?“, ließ Omago sich die Chance nicht entgehen, Werru zu necken.
„Keine Ahnung“, antwortete Werru betont gelangweilt. Er freute sich bereits auf Omagos überraschtes Gesicht sowie auf den Tadel, den dieser ihm sicher wieder erteilen würde.
„Keine Ahnung?“, wollte Omago wissen, dem schon Übles schwante.
„Hätte er meinen Geist gefunden, hätte er es vielleicht versucht“, ließ Werru fast beiläufig fallen und wartete auf die Reaktion seines Gegenübers.
„Was hast du getan?“, richtet sich Omago in seinem Sessel auf, gefasst darauf, dass Werru Pennon wieder einmal herausgefordert hatte.
„Kiri hat meinen Geist in seinem versteckt. Ein neuer Schattenzauber“, offenbarte Werru voller fast kindlicher Freude. Er liebte es doch, mit Pennon Katz und Maus zu spielen.
„Ru, du Kindskopf. Er wird bald dahinterkommen, dass du Schattenmagie verwendest, um seiner Magie zu entgehen“, tadelte Omago seinen Schützling, wie dieser es bereits vorhergesehen hatte. Omago würde nie sein Spielerherz verstehen, dachte Werru schmerzlich, ohne zu wissen, dass dieser ihn sehr gut verstand, da er früher selbst solch ein Kindskopf gewesen war. Im Alter war Omago allerdings klar geworden, dass dieses Verhalten unnötig gefährliche Folgen haben konnte.
„Und? Ich verwende sie ja nicht selber, also verstoße ich auch nicht gegen ein Gesetz“, verteidigte sich Werru vor seinem Mentor, als würde die Verteidigung gegen Omago jemals eine Wirkung zeigen.
„Kiri kann dir unmöglich diesen Zauber vorgeschlagen haben“, vermutete Omago richtig. Er kannte sowohl Kiri als auch Werru lange genug. „Du hast ihn sicher ausgefragt und dir dann den Dümmsten herausgesucht.“
„Der Zauber ist unglaublich effektiv“, lenkte Werru ab, obwohl niemand die Effektivität des Zaubers infrage gestellt hatte, sondern vielmehr die Wahl als solche.
„Ja, und auch ganz unglaublich unauffällig“, fügte Omago mit hoher, bissiger Stimme hinzu. „Seine Mentalistenkollegen werden ihn bald aufklären und Gegenmaßnahmen dafür finden.“
Werru war ein wenig zerknirscht darüber, dass Omagos Antwort vor Bitterkeit triefte.
„Kiri schafft das schon“, erklärte Werru, stolz auf seinen kleinen Homunkulus, den Omago ihm bei Antritt seines Amtes als Kriegsberater geschenkt hatte.
„Der arme Kleine“, schüttelte Omago resignierend den Kopf. „Wo ist er überhaupt?“
Omago fühlte sich immer noch mit dem Homunkulus verbunden, was darauf zurückzuführen war, dass er einen kleinen Teil seiner eigenen Magie geopfert hatte, um den Homunkulus bei seiner Erschaffung mit Leben zu füllen.
„Kiri!“, rief Werru in Richtung seiner Reisetasche und klopfte mit den Fingern darauf. „Komm schon. Schlafenszeit ist vorbei.“
Langsam krabbelte Kiri aus der ledernen Tasche, war sie doch so bequem und kuschelig. Werrus magischer Begleiter, ein Homunkulus, blickte mit seinem kleinen Kopf auf und suchte seinen Herrn, während er seine kleinen Arme und Beine streckte und seinen Schwanz vom rechten Bein wickelte. Kurz nachdem er seinen Herrn im Sessel neben sich gefunden hatte, schüttelte er sich noch, um seine Flügel zu lockern. Es war eine freudige Überraschung für ihn, dass auch sein Lebensspender anwesend war. Er hatte ihn entdeckt, als er sich umgesehen hatte. Um diesem zu zeigen, wie groß er geworden war, einen unfassbaren Viertelschritt, spreizte er seine Flügel und zeigte sich voller Stolz in seinem kurzen, glänzend schwarzen Fell. Omago zeigte sich beeindruckt und auch Werru bewunderte die kleine Kreatur wieder einmal, die kleinen spitzen Ohren, die winzigen Zähne mit den spitzen Eckzähnen und die kleine, mannähnliche Statur. Mit leiser rauer Stimme raunend genoss Kiri die Aufmerksamkeit. Flink kletterte er auf den Stuhl, auf seinen Herren und rieb seinen Kopf an dessen Kinn als Treuebezeugung.
„Iwee“, begrüßte Kiri auch seine Lebensspender Omago und machte es sich auf Werrus Schulter bequem. Kiri hatte seine eigene Sprache, die man nur als Magiebegabter verstehen konnte, und auch nur dann, wenn man es wollte. Er war eben kein kleines, dummes Haustier, sondern ein hochintelligentes, magisches Wesen, das die Kunst der Schattenmagie beherrschte. Omago hatte ihn Werru nicht ohne Hintergedanken zum Geschenk gemacht.
„Pennon ist nicht das Problem“, setzte Werru die Diskussion über ihre Lage fort. Pennon war durchaus gefährlich, aber auch er musste sich zumindest offiziell an gewisse Regeln halten.
„Pennon ist nicht allein. Der Graue Rat steht hinter ihm und damit auch der Blutkaiser“, verschärfte Omago seine Belehrung. Er musste doch diesem Besserwisser Werru ein wenig Verstand einbläuen.
„Pennon und Malit hassen sich“, konterte Werru beschwichtigend, eine Tatsache, auf die er bei diesen Gesprächen immer gerne pochte.
„Du weißt genau, dass sie ihre Streitigkeiten für gemeinsame Feinde noch immer kurzfristig ablegen konnten“, erinnerte Omago Werru, wodurch er dessen Argument entkräftete. „Zumindest lange genug, um alle Widersacher aus dem Weg zu räumen.“
Omagos Gesicht hatte eine Strenge angenommen, die Werru die Widerworte verschlucken ließ. Zudem wusste Werru, dass sein Mentor recht hatte.
„Wenn der Rat nicht wäre, würden sie das nicht schaffen“, murmelte Werru grummelnd in seinen nicht vorhandenen Bart. Omago konnte darüber nur schmunzeln.
„Was willst du tun? Den Rat vernichten?“, schlug Omago eine Lösung vor, die weit jenseits ihrer Möglichkeiten lag.
„Vielleicht“, erwiderte Werru keck, nur um wieder ein Lächeln in Omagos Gesicht zu zaubern.
„Das ist sinnlos. Da ist es noch einfacher, den Blutkaiser mit seinem eigenen Schwert zu erschlagen und danach den Palast unbescholten zu verlassen“, verglich Omago die Möglichkeit den Rat zu zerstören, „und das Ganze in einem rosa Häschenkostüm.“
Werru stand mit einem Lachen auf und nickte mehrere Male, um seinem Mentor zuzustimmen, dass ihre Möglichkeiten begrenzt waren.
„Danke, das Häschenkostüm hat mir die Augen geöffnet“, verabschiedete sich Werru und verschwand in seinem Schlafgemach, ohne sich noch länger davon abhalten zu lassen. Omago sah ihm noch hinterher, wobei er leicht seinen Kopf schüttelte. Er wusste, Werru würde sich den Spaß mit Pennon nicht nehmen lassen, was er auch sagte oder tat. Da er seinen Schützling nicht davon abhalten konnte, würde er zumindest versuchen, Pennon von Werru fernzuhalten. Kiri würde seinen Herrn beschützen, das wusste Omago. Um den Grauen Rat und den Blutkaiser konnten sie sich später Gedanken machen, wenn es notwendig war. Er schob die unbekannten Größen für den Augenblick von sich und verließ Werrus Gemächer.

5 Sterne
Intrigen der Macht Band 1 Der Palast des Blutkaisers - 11.02.2013
Ulrich fischer

Gefällt mit sehr gut, endlich eine interessante neue Welt, die bis ins kleinste Detail stimmig ist und Lust auf mehr macht.

5 Sterne
Fantasy deluxe - 21.09.2012
Christian

Großartig geschrieben und von Anfang an spannend. Werde den zweiten Band gleich im Anschluss lesen. Absolute Empfehlung für alle, die auf gehobene Fantasy stehen!

5 Sterne
Glaubwürdige Personen in einer bezaubernden Welt - 28.03.2012
Thomas

Selten so detailreiche verspielte und trotzdem kurzweilige inteligente Fantasy gelesen, fesselt ab der ersten Seite und macht Lust auf mehr.

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