Science Fiction & Fantasy

Hunger – Die Bestie in mir

Peter Organ

Hunger – Die Bestie in mir

Ein Horror-Thriller

Leseprobe:

Widmung

Und obschon mein Leben des Öfteren traurig und düster war,
bist nun du erschienen
und hast Licht und Wärme gebracht.
Für dich, mein Sohn.
Dein Vater



Vorwort

Schon seit Gedenken der Zeit haben mich Horrorromane sowie Horrorfilme fasziniert. Werwölfe, Vampire, Hexen und andere unheimliche Kreaturen haben mich magisch in ihren Bann gezogen. Meine Mutter sagte mir immer, dass ich durch die Vorliebe zu diesem einzigartigen Genre verblöden würde, was jedoch nicht passiert ist. Ich hoffe es zumindest.
Als ich etwa acht Jahre alt war und das System der Videokassette auf den Markt kam, hat mir damals mein lieber Vater meinen ersten Horrorfilm auf Videokassette gekauft. Wahrscheinlich wusste er damals nicht, was das für ein schrecklicher Film war, den er mir da untergeschoben hatte, um mich ganz einfach zu beschäftigen und ein wenig Ruhe vor mir zu haben. Allerdings kann ich ihm das nicht übel nehmen, denn ich war ein wirklich schwieriger Junge, der sehr viel Unfug mit Leidenschaft angestellt hat, wie zum Beispiel mein Geschäft vor dem Eingang zur Zahnarztpraxis meiner Mutter zu erledigen und mir danach den Po mit dem Schal einer Patientin abzuwischen. Oder auf einem Polizeistreifenwagen das Zeichen von Zorro mit einem spitzen Stein in die Motorhaube einzuritzen. Andere für mich damals heroische Taten waren zum Beispiel das Durchstechen der Reifen aller vorhandenen Autos in einer Garage mit einem Messer, außer den Reifen des Wagens meiner Mutter, mit der schlagkräftigen Aussage, als sie mich damals gefragt hatte, warum ich dies getan hätte: „Mama! Hätte ich dir die Reifen durchgestochen, wärest du wahrscheinlich nicht zur Arbeit gekommen!“ Das Schlimme an der ganzen Sache war aber, dass ich dann zwei Wochen später, da ich eine kleine Vorliebe fürs Feuer hatte, die ganze Garage noch dazu abgebrannt habe. Na ja, das waren halt so einige wenige Sachen aus meinem früheren Leben, die bei meinen Eltern für Kopfzerbrechen sorgten. Mein Vater sagte mir dann immer, dass er die grauen Haare auf seinem Kopf dank meiner Abenteuerlust erlangt hätte und dass er vielleicht irgendwann ein Buch mit meinen Memoiren schreiben würde.
Nun kommen wir aber wieder zurück zum Thema. Als dann meine Mutter damals den Film „Freddy Krüger – Nightmare on Elm Street“ ein wenig angesehen hatte und mein Vater dann müde von der Arbeit nach Hause kam, knallte sie ihm eine. Im Grunde genommen kann ich sie verstehen, denn sie dachte wie eine richtige Mutter, die sich eben Sorgen um ihren kleinen Sohn machte, weil sie Freddy Krüger schon beim ersten Anblick abstoßend fand. Eine Zeit lang wollte sie mir sogar diese Filme verbieten, doch mein egozentrisches Ego hatte sich durchgesetzt und ich ließ mir von ihr nichts vorschreiben und von niemandem etwas verbieten. Nach einiger Zeit hatte ich schon eine beachtliche Sammlung verschiedener Horrorfilme. Später, als ich dann älter wurde, fing ich an, Bücher zu lesen. Jedoch nicht die, die man mir aufgezwungen hatte, wie zum Beispiel „Onkel Toms Hütte“, an dem ich fast zwei Jahre lang herumgelesen hatte, da mich dieses Buch damals nicht faszinierte. Die Überzeugung, dass dieses Buch trotz allem ein Bestseller der Literatur war, kam erst später mit meiner Reife. Meine Bücher waren Horror- und Gruselgeschichten, die ich mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke in mich hineingezogen habe. Wahrscheinlich bekam ich aus diesem Grund schlechte Noten in der Schule. Angefangen von Groschenromanen wie „Geisterjäger John Sinclair“ über Autoren wie Stephen King, Edgar Allan Poe, Clive Barker bis hin zu Dean Koontz, der heutzutage mein Idol und eine Art Mentor für mich ist. Ich habe alle seine Bücher gelesen und finde, dass er der wahre „Meister des Horrors“ ist. Und dann, nach dem Ende meines Studiums zum Zahnarzt, kam ich plötzlich auf die Idee, mich ganz einfach vor den Computer zu setzen und loszuschreiben. Ohne eine schlagkräftige Idee fing ich einfach an zu schreiben, da es mir Spaß machte. Und das Folgende ist das, was dabei herausgekommen ist. Ich hoffe, es wird Ihnen „Freude am Lesen“ bereiten.



Dankesworte

Zunächst möchte ich dem lieben Gott, Jesus, der heiligen Mutter Maria, dem heiligen Antonio, dem heiligen Geist sowie dem heiligen Papst Johannes Paul II., der heiligen Mutter Teresa sowie dem heiligen Petrus & Paulus danken, dass ich wahrscheinlich die Gabe habe, Bücher zu schreiben. Sie werden sich nun sicherlich fragen, wie es dazu kommt, dass ein Gläubiger Mann wie ich Horrorgeschichten schreibt – ganz einfach, Gott im Himmel und die geistige Welt amüsieren sich beim Lesen ebenfalls.
Dann möchte ich mich bei meiner Frau Inga Organ bedanken, die ich über alles liebe und die mich immer beim Schreiben unterstützt und an mich geglaubt hat. Und die mir jedes Mal gesagt hat, dass ich ohne Probleme in die Fußstapfen von Dean Koontz und Stephen King treten könnte. Ob sich dies jedoch bewahrheiten wird, wird die Zukunft zeigen. Ich hoffe es zumindest. Danke für unseren kleinen Schatz, der mein Leben lebenswert gemacht hat.
Ein weiterer Dank gilt meiner Mutter, Dr. Barbara Organ, die ich ebenfalls von ganzem Herzen liebe, beste Mutter der Welt, der wahrscheinlich besten Zahnärztin der Welt, für die der Zahn das Symbol der ewigen Schönheit und Ästhetik ist und der ich schon bei meiner Geburt die ersten Probleme bereitet habe, da ich per Kaiserschnitt, wie Napoleon Bonaparte damals, zur Welt gekommen bin. Und obwohl ich ein sehr schwieriger Junge und Teenager war, hat meine Mutter es trotz allem irgendwie mit mir ausgehalten und mich nicht in ein Waisenheim geschickt, sondern mir meine Sünden verziehen, ich hoffe es zumindest. Aber eben, die Mutter ist immer die Wichtigste. Und an alle Mütter da draußen. Hier ist ein Satz, den mir mein Pfarrer damals an den langweiligen Sonntagsmessen, die ich nicht gerne besuchte, des Öftern zitiert hatte: „Da Gott nicht überall sein konnte; erschuf er die Mütter!“
Des Weiteren möchte ich meiner Großmutter Major Stefania Kowalczynska großen Dank und Respekt aussprechen, die im Zweiten Weltkrieg sehr vielen Juden, Zigeunern und Polen das Leben gerettet hat. Eine wahrhaft mutige Frau, die wegen ihres Mutes und ihrer Hingabe für die Menschheit zwei Jahre ihres Lebens bei Brot und Wasser in einem Gefängnis absitzen musste. Ihre Worte, die sich in alle Ewigkeiten in mein Gehirn eingeprägt haben, waren: Leben und leben lassen, wir sind alle Brüder und Schwestern. Durch ihre Verdienste am Vaterland wurde sie persönlich von Präsident Lech Kaczynski mit dem höchsten Ehrenzeichen der Republik Polen, dem Orden Polonia Restituta (Orden der Wiedergeburt Polens), ausgezeichnet. Sie war der beste Mensch, den ich jemals in meinem Leben gekannt habe – in ewiger Liebe, dein Enkel.
Mein weiterer Dank gilt meinem Vater, Dr. med. Stefan Organ, von dem ich wahrscheinlich die Gabe geerbt habe, Bücher zu schreiben (doch das müssen Sie selber beurteilen), da dieser Mann schon einige Bücher in seinem Leben geschrieben und verfasst hat, allerdings über ein ganz anderes Thema. Und obwohl ich mich mit meinem alten Herrn ab und zu streite, da wir ganz verschiedene Charaktere haben, wissen wir beide, dass unsere Vater-Sohn-Liebe wahrhaftig ist. Außerdem möchte ich auch seinem Doktorvater für dessen Unterstützung und Hilfe danken, Dr. Heinz Balmer.
Weiterer Dank an meine Schwiegereltern, Irena Yanovicha und Alexander Yanovich, der als Held in meinem Buch sein Unwesen treibt, sowie Ivita, der Schwester meiner Frau.
Dank auch an den besten Onkel der Welt, Nicolaj Gnatjuk, und seine Frau Inesa, sowie an den weiteren besten Onkel der Welt, Prof. Boguslaw Antoszewski und seine Frau Danuta.
Nun ein großer Dank an meine besten Freunde, die ich gleich aufzähle; danke, dass es euch gibt und dass ich die Ehre haben darf, mein Leben mit euch zu teilen! Die meisten Personen behaupten immer, dass man nicht allzu viele Freunde haben solle, allerdings sollten es dafür die besten sein. Ich zähle zu den Menschen auf der Welt, die das Glück und das Privileg haben, eine Spezialeinheit von besten Freunden zu besitzen, was nicht selbstverständlich ist. Jeder von ihnen ist wie ein perfekt zugeschnittener Elitekämpfer, der mir jedes Mal aufs Neue seine Loyalität und seine Freundschaft bewiesen hat. Danke! Ihr seid die Besten!
Großer Dank an meinen Freund Stephan Kunze (Naturarzt aus Berufung), danke, dass du die ganze Zeit an mich geglaubt hast und mich bei meinen irrsinnigen Ideen im Leben immer zu zweihundert Prozent unterstützt hast und dass durch deine Hingabe die Realisierung dieses Buches überhaupt erst zustande gekommen ist. Danke, dass ich mit dir zusammen die Welt verbessern darf.
Großer Dank an meinen Freund Silvio Schönenberger, den besten Elitekämpfer, den die Schweizer Armee jemals hatte, der mich jedes Mal aus Notsituationen wieder herausgeholt hat (mein sozusagen älterer und weiser Bruder) und mir immer zur Seite stand und dessen Worte „Wie bringst du Gott zum Lachen? – Erzähle ihm von deinen Plänen!“ sich für alle Zeiten in mein Gehirn eingeprägt haben.
Großer Dank an meinen Freund Roger Züger, den besten Krav-Maga-Kämpfer der Welt, der mir ebenfalls immer zur Seite stand, immer an mich geglaubt und mir die höchste Kunst des Kämpfens beigebracht hat – das Krav Maga und das Eskrima. Danke, dass sich unsere Wege gekreuzt haben. Ebenfalls Dank an deine liebe Frau Lucia.
Großer Dank an meinen Freund Ahmed Mohamed, der mir beigebracht hat, dass man alle Menschen gleichbehandeln und keine Vorurteile haben sollte.
Großer Dank an meinen Freund Roli Weber, durch den ich zu einem Autofanatiker geworden bin und mit dem ich die Vorliebe für schnelle Autos teile.
Großer Dank an meinen Freund Rafael Primorac, der mir die Chance des Lebens gegeben hat und sich in mein Buch verliebte. Ein großartiger Hollywood-Produzent!
Großer Dank an meinen Freund und Hollywood-Produzent Ross Ottermann, der mir ebenfalls die Chance des Lebens gegeben hat und noch viel mit mir vorhat.
Großer Dank an meine Freunde Derrick Redford sowie Dominik Madani, die mir in Hollywood die Türen geöffnet haben und mit denen ich ebenfalls noch viel vorhabe.
Großer Dank an meinen Freund Sebastian Kozdoj (Cousin) und an meinen Freund Jon Freemann, ohne die ich heute nicht da wäre, wo ich nun angelangt bin.
Großer Dank an meinen Freund & Mentor Dr. med. dent. Patrik Kadl, den besten Chirugen auf Erden, der mir die Kunst der Medizin beigebracht hat. Und obschon wir Fälle hatten, die schwierig und blutig waren, hat er mir geduldig sein Können eingeflößt. Ich war kein einfacher Schüler, und glauben Sie mir, an einem Menschen mit einem Skalpell herumzuschnipseln, das ist die höchste Kunst, die man erlernen kann!
Großer Dank an meine Freunde Jean Claude Van Damme und Kris Van Damme sowie Paul Sampson, mit denen ich die gleichen Sympathien und Vorlieben teile und die ich als besondere Persönlichkeiten sehe.
Großer Dank an meinen Rechtsanwalt und Freund Dr. jur.Alfred S. Farha sowie meine Freunde Beatrice und Gino Pietrini, sowie Iryna Yastremska und Cvetan Celevski.
Großer Dank an Monique Harder, die mich gelehrt hat zu unterscheiden und gezeigt hat sich von Schmarotzern und Aasgeiern abzuschotten und fernzuhalten.
Großer Dank an meinen Freund José Luis Pérez Méndez, der mir, meinem Sohn und meiner Frau das Leben gerettet hat vor dem schlimmsten Hurrikan (Irma) aller Zeiten. Und obschon eine fliegende Palme uns den Zufluchtsweg gekreuzt hat, ist er plötzlich wie Batman aufgetaucht (ein wahrer Held).
Großer Dank an meinen Freund Michael Egli (Snakeman), durch den ich zum Schlangenfreund wurde und durch den ich mich sehr gut mit Klapperschlangen, Cobras und Anacondas angefreundet habe. Bewundernswerte, freundliche Kreaturen, die man nur ins Herz schließen kann!
Nun, zuallerletzt, möchte ich zwei ganz besonderen Lebewesen danken, die ich von ganzem Herzen liebe: Yellow und Blacky, meine zwei Hündinnen. Yellow ist eine Labradorhündin und eine Seelenverwandte von mir. Als sie in ihrem ersten Leben gestorben war, bin ich auf die Knie gefallen und habe von ganzem Herzen ehrlich zu Gott, Jesus, der heiligen Mutter Maria, dem heiligen Antonio und dem Heiligen Geist gebetet, damit sie ihre Seele als Reinkarnation in ihrem zweiten, heutigen Leben zurückbringen. Meine Gebete wurden erhört und nun bin ich jeden Tag froh und dankbar, dass meine „Yellow Nummer zwei“ bei mir ist. Jedes Mal, wenn ich sie ansehe, sehe ich das liebste, friedlichste Wesen auf der ganzen Welt, welches nur Liebe ausstrahlt. Blacky ist eine Miniaturschnauzerdame, die einen liebvollen Charakter hat und mich mit dem Werfen ihres Spielzeuges vierundzwanzig Stunden lang auf Trab halten kann. Die Frage stellt sich dann, wer von uns beiden der Hund ist. Die beiden Hündinnen haben mich auch zu meinem Buch inspiriert.
Und nun noch ein Dankeswort an die Personen, die ich nicht erwähnt habe. Vielen Dank, dass es euch alle gibt!
Dazu noch ein allerletztes Dankeswort an Mister Arnold Schwarzenegger, dessen Worte, obwohl sie nicht ganz von ihm stammen, „Wo ein Wille ist, ist ein Weg!“ für mich zu einer Art Lebensweisheit und Lebensphilosophie geworden sind.



1

Es war ein kalter Winterabend. Noch drei Tage bis Weihnachten. Sheriff Mike Jones fuhr den langen, geraden Highway 51 Richtung Woodruff, einer Kleinstadt im Bundesstaat Wisconsin, die eine Population von über zweitausend Bewohnern hatte. Der helle Mond erleuchtete die schneebedeckte Fahrbahn, umgeben von den dichten Wäldern. Im Radio lief der Song „Jingle Bells“, welcher stimmungsfreudig das bevorstehende Weihnachtsfest begrüßte. Jones sang und pfiff den Song mit.
Aus dem Funkgerät erklang plötzlich eine weibliche Stimme. „Sheriff Jones, hier spricht Jessica – antworten bitte.“ „Ja, was gibt’s Jessica?“, antwortete Jones. „Alles in Ordnung bei Ihnen, Sir?“ „Ja, warum denn?“ Das Signal wurde durch ein Rauschen gestört, bis schließlich wieder die Stimme von Jessica auftauchte. „Sheriff, die Wetterstation hat mir einen Blizzard gemeldet, er soll am Highway 51 vorbeiziehen.“ Wieder störte ein Rauschen das Signal. „Seien Sie vorsichtig!“, sagte Jessica. Der Sheriff holte eine Zigarette aus einer Schachtel und antwortete: „Mach dir keine Sorgen, Jes, wir sehen uns im Department – Ende.“
Er zündete seine Zigarette an und blies den blauen Rauch zum halb offenen Fenster hinaus. Etwa 80 Meilen hatte er noch bis Woodruff, seiner Heimatstadt, in der er das Gesetz war. Es war schon spät, zwanzig Minuten nach zwölf Uhr Mitternacht. Die Sicht wurde immer schlechter, ein kalter, pfeifender Wind blies durch das offene Fenster. Jones warf die Kippe in den kalten Schnee hinaus, machte das Fenster zu und drehte die Heizung voll auf. Im Radio hörte man das Geplapper des Moderators, der irgendwelche komischen Geschichten erzählte, um seine Mithörer zu unterhalten. Ab und zu ließ er alte Presley-Songs laufen, die den Sheriff bei Laune hielten.
Die Fahrt war monoton. Jones kämpfte mit der Müdigkeit, die ihn in den warmen Schlaf einzuhüllen suchte. Mehrmals öffnete er das Fenster und schloss es wieder. Er schlug sich leicht auf die Wange, um so den Sekundenschlaf wegzudrängen. Beinahe wäre er schließlich trotzdem eingeschlafen, als plötzlich etwas gegen die lange Motorhaube seines 92er Chevy Impalas knallte. Erschrocken und nun hellwach riss er das Steuer nach rechts rüber, um nicht gegen irgendeinen Baum zu prallen. Es half aber nichts, der Wagen kam ins Schleudern. Mit voller Wucht knallte er gegen einen der Bäume am Wegrand. Der rechte Scheinwerfer ging dabei kaputt, der linke erhellte den endlosen Wald. Rauch stieg aus der Motorhaube in den Himmel hinauf. Der Airbag im Steuerrad hatte sich geöffnet und den Sheriff für einen Moment k. o. geschlagen. Die Hupe dröhnte in den Wald hinaus, da der Kopf des Sheriffs diese drückte. Für eine kurze Zeit war der Ordnungshüter bewusstlos, durch den lauten Lärm kam er jedoch schnell wieder zu sich, fasste sich an seine Stirn und bemerkte eine warme Flüssigkeit. Die rechte Augenbraue war aufgeplatzt, Blut quoll aus der Wunde heraus. „Mann, oh Mann“, sagte der Sheriff zu sich, fasste sich an den Kopf und öffnete hastig die Fahrertür, um sich aus der Fahrerkabine in den Schnee hinaus fallen zu lassen. Den kalten Schnee rieb er sich auf die Wunde, um den Schmerz zu betäuben.
Für einige Minuten blieb er im Schnee knien, bis er sich wieder aufrappelte und aufstand. Seine Knie zitterten. Er hatte zunächst Probleme, gerade zu stehen. Sheriff Jones war ein harter Kerl. Bevor er seinen Job im Sheriffdepartment in Woodruff angetreten hatte, hatte er bei den Marines als Elitesoldat gedient. Er war um die eins achtzig groß und wog ungefähr 100 Kilogramm. Nicht dass er fett gewesen wäre, nein, er war von kräftiger, muskulöser Statur. Seine Marines-Kollegen nannten ihn den „Fels“. Was sich auch als Tatsache erwies, denn er konnte viel wegstecken. Seine 42 Jahre sah man ihm allerdings an – Whiskey und Zigaretten hatten ihre Spuren hinterlassen und er hatte mehrere Narben, die seinen Körper überzogen.
Sein Kopf dröhnte immer noch von dem harten Airbag-Schlag, den man sicher mit der Faust von Mike Tyson vergleichen konnte. Doch der Sheriff tat alles, um die Schmerzen zu verbannen, und zündete sich eine Zigarette an. Das Nikotin half ihm, sich auf die Situation zu konzentrieren. Nun holte er die Taschenlampe aus der Fahrerkabine und schaute sich den Schaden aus der Nähe an. Der Wagen war schwer in Mitleidenschaft gezogen worden und eignete sich eher, um auf dem Schrottplatz zu landen. Die große Tanne war in der einen Hälfte des Motorblocks eingeklemmt. Jones leuchtete mit dem Lichtkegel der Taschenlampe auf den kaputten Scheinwerfer und konnte Blut darauf erkennen. Es musste was Großes gewesen sein, das er überfahren hatte.
Er lief zum Heck des Wagens und ließ den Lichtkegel über die weiße Fahrbahn gleiten. Einige Meter weiter hinten sah er eine Blutlache, die zusammen mit immer kleiner werdenden Blutstropfen im Schnee und komischen Fußabdrücken einen Pfad in den Wald hinein bildete. Er kannte sich zwar mit den meisten Tieren, die in diesen Wäldern lebten, gut aus. Doch dieses konnte er anhand der Fußabdrücke nicht bestimmen.
Jones holte das Funkgerät, welches neben seiner Glock hing, hervor. „Mayday, Mayday“, wiederholte er mehrmals. „Jes, hier ist Mike, kannst du mich hören?“ Nach wenigen Augenblicken erklang die nette Frauenstimme von Jes im Funkgerät. „Ja, Sheriff – alles in Ordnung?“ „Nein, ich hatte einen Unfall. Ein Tier ist mir in die Motorhaube geknallt. Ich verlor die Kontrolle und prallte gegen eine Tanne. Brauche sofort Verstärkung!“, sagte er. Die Stimme von Jessica klang plötzlich verängstigt. „Ja, ja – ist Ihnen nichts passiert?“, fragte sie. „Alles okay, Jes, außer einer kleinen Wunde am Kopf“, erwiderte der Sheriff. „Ich schicke sofort Andrew zu Ihnen. Passen Sie bitte auf sich auf“, entgegnete Jes. Kurzerhand erklärte er ihr noch die ungefährte Position seines Unfalls, wonach er das Gespräch beendete.
Der Sheriff packte das Funkgerät wieder in das Halfter ein und ging zum Streifenwagen zurück, wo er den Kofferraum öffnete und ein M16-A2-Sturmgewehr herausholte. Vorsichtig inspizierte er das Gewehr. Alte Erinnerungen aus dem Afghanistankrieg kamen hoch, als er den Verschluss nach hinten zurückzog und in die Patronenkammer schaute. Aus einer Tasche nahm er zwei Magazine und eine Packung mit 50 Schuss Kaliber .223 Remington heraus. Hastig lud er die Magazine auf und steckte eins ins Gewehr. Aus einer anderen Tasche holte er ein starkes Klebeband, mit welchem er die Maglite-Taschenlampe am Vorderschaft der Waffe befestigte.
Jones schaute um sich und ging wieder zurück zur Blutlache. Von dort aus folgte er der Blutspur in den dunklen Wald hinein. Benebelt von dem Unfall kämpfte er sich durch das Dickicht, immer den roten Tropfen und Spuren folgend. Das Dickicht wurde immer dichter, sodass es schwierig war voranzukommen. Doch Jones war stur und gab nicht auf.
Nach etwa zwei Meilen erreichte er vom Wald aus eine Lichtung. Der Mond erleuchtete hell den weißen Schnee darauf. Es war still, so still, dass Jones sein eigenes Herz schlagen hörte. Die Luft, die er ausatmete, bildete eine weiße Wolke vor ihm, als würde er wieder eine Zigarette rauchen. Konzentriert lauschte er in die Stille hinein und schwenkte den Lichtkegel seiner Maglite über den Schnee. Die Spur deutete auf die vor ihm liegende Waldwand und verschwand im Dickicht dahinter. Seine Schritte durchbrachen die beklemmende Stille, indem sie dumpfe Geräusche unter seinem Gewicht verursachten.
Er bewegte sich weiter vorwärts und blieb stehen, als er plötzlich ein merkwürdiges Geräusch hörte, welches vom Waldrand zu hören war. Irgendetwas bewegte sich im Dickicht. Der Kegel der Maglite glitt über Baumstämme, Äste und Gestrüpp. Und obwohl Jones ein Mann war, der im Grunde genommen vor nichts Angst hatte, spürte er, wie sich seine Haare unter seinem Hut sträubten. Sein Pulsschlag erhöhte sich, das Adrenalin schoss mit großer Geschwindigkeit durch seine Adern.
Bevor er sich weiter ins Gestrüpp traute, holte er noch einmal tief Luft. Die Zweige und Äste schlugen ihm nun ins Gesicht, als er sich nach vorne kämpfte. Plötzlich sah er zwei kleine, bernsteinfarbene Lichter in der Finsternis und erkannte, dass es Augen sein mussten, die er nie zuvor so gesehen hatte. Das Wesen vor ihm gab ein aggressives Geräusch von sich, als es den Sheriff bemerkte. Jones erschrak so sehr, dass er dadurch nach hinten fiel. Panische Angst überkam nun den Ex-Marine, die er zuvor so nicht gekannt hatte. Hektisch stand er wieder auf und rannte in die Richtung, aus der er gekommen war. Immer wieder schlugen ihm Zweige und Äste mit heftiger Wucht ins Gesicht, manche trafen auch seine Augen, sodass er für einen Moment nichts sehen konnte und wieder zu Boden fiel. Das Etwas war nun hinter Sheriff Mike Jones her. Der Jäger wurde zum Gejagten.
Verzweifelt versuchte er, wieder aufzustehen, als er plötzlich spürte, wie das Etwas ihn am linken Bein packte und ein wenig Fleisch wegriss. Vor Schmerz schrie er auf. Doch er gab nicht auf und kämpfte nun um das nackte Überleben. Einige Zentimeter vor ihm lag das M16-Gewehr, welches ihm zuvor aus der Hand gefallen war. Er fasste nach dem Griff und schwang den Lauf in die Richtung, wo sich das Wesen befand. Sein Finger drückte mit ungeheurer Kraft auf den Abzug und ein höllischer Lärm durchbrach die Stille. Das Mündungsfeuer erleuchtete hell das Dickicht. Die automatische Waffe verschoss etwa zwölf Kugeln und einige davon trafen das Wesen, welches einen unbekannten, doch vor Schmerz winselnden Laut von sich gab. So schnell es aufgetaucht war, so schnell war es wieder weg. Und wieder herrschte die beklemmende Stille.
Eine Zeit lang verharrte der Sheriff in der Stille, bis er schließlich wieder aufstand. Das Bein schmerzte sehr. Er konnte nicht mehr richtig laufen. Hüpfend auf einem Bein und sich an die Bäume klammernd kämpfte er sich durch das Dickicht in Richtung Straße zurück. Da er jedoch viel Blut verlor, musste er sich mehrmals an einen Baum lehnen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 422
ISBN: 978-3-903155-20-6
Erscheinungsdatum: 18.12.2017
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