Holiday in Silver Beach

Holiday in Silver Beach

Rebecca Lang-vom Felde


EUR 14,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 120
ISBN: 978-3-99064-923-7
Erscheinungsdatum: 03.12.2020
Die zwei Singles Micha und Sam wollen zur Entspannung einen Partyurlaub mit netten Mädels, viel Alkohol & Spaß. Als die Dämmerung am alten Ferienhaus einbricht & Sam Holz aus dem ranzigen Schuppen holt, fühlt er sich beobachtet. Er sollte Recht behalten…
Kapitel 1
Urlaub

„Oh, FUCK!“ Sam sah fluchend einem kleinen Schlüsselbund mit Marienkäferanhänger nach. Micha, sein bester und einziger Freund im Moment, grinste ihn an und fragte direkt: „Was hast du denn jetzt schon wieder verkackt?“ Sam sah ihn wütend an und schrie: „Ich? Fuck. Der beschissene Schlüssel … Du Arsch, grins nicht so dumm. Was ist daran so witzig? Wo sollen wir heute pennen, wenn wir nicht ins Haus können, im Auto vielleicht?“ Wie schon so oft machte sich Micha über ihn lustig. Seine Stimmung war eh nicht die beste. Micha legte seinen Kopf schief und wuschelte ihm durch die blonden Haare. „Alter, wir rufen den Vermieter an und fragen nach einem Ersatzschlüssel, alles cool. Kein Stress, wir kriegen das schon hin!“ Sam war eigentlich sauer auf sich selbst, denn ihm passierte ständig so was. Im Moment war das passende Wort für ihn LOSER. Jedes Fettnäpfchen, Hunde die einem ans Bein pinkelten – das passte zu ihm. Handeln ohne nachzudenken kam hinzu. Er war selber an allem Schuld. Dabei wollte er gerade nur die nette Aussicht genießen. Mit neunzehn das erste Mal von zu Hause weg, der erste Urlaub nur mit seinem besten Freund.
Es schien, als sie ankamen, fast perfekt. Sonne, Strand und Meer, und jetzt so eine Scheiße.
Geknickt fragte er: „Hast du dein Handy parat? Mein Akku ist leer. Im Wagen liegt die Nummer bei den ganzen anderen Unterlagen!“ Micha lachte wieder. „Mann, Alter, du hast Probleme. Aber klar, ich kümmer mich darum, mein Kleiner.“ Er tätschelte ihm noch mal den Kopf und lief grinsend zum Auto zurück. Sie hatten direkt vor dem dunkelgrauen Ferienhaus geparkt, aber waren erstmal an die Klippen gegangen, um aufs Meer hinauszusehen.
Sam setzte sich an den Klippenrand und ließ die Beine runter- baumeln. Man konnte nur das laute Klatschen der Wellen gegen die Felsen hören. Bei dem Abgrund wurde es ihm schwindelig. Es ging ca. zwanzig Meter tief runter. Ruhe und Entspannung, das brauchte er nach den letzten Wochen. Erschöpft blickte er auf die tobenden Wellen und die spritzende Gischt. Ein netter Sonnenuntergang, wäre schön, wenn man diesen Ausblick mit ein paar Mädels genießen könnte. Mädels, da war doch was. Es ging ihm wieder Clariss durch den Kopf. Clariss Petit, seine Ex und der wirkliche Grund dieser Reise. Flucht schien ihm der einzige Ausweg, deswegen hatte er überhaupt das Ferienhaus für zwei Wochen gebucht. Micha musste er dazu nicht lange bitten um mitzufahren. Sam konnte die Stille zwischen ihm und ihr nicht länger ertragen. Bei der Gesellschaft von Micha konnte man alles vergessen. Er war immer für jeden Spaß zu haben. Seine Depressionen verschwanden für zumindest drei Stunden, so lange dauerte nämlich die Fahrt hier nach Silver Beach. Doch jetzt, gerade, als er wieder alleine war, musste er an SIE und ihre langen dunkeln Locken denken. Es war ein Genuss, ihre vollen Lippen zu küssen. In Gedanken glitten seine Hände von ihren Wangen über ihren Nacken tiefer den Rücken hinab zu der wunderschönen Taille und blieben auf ihrem prallen Hintern liegen. Er krallte sich an ihm fest und drückte sie enger an sich … Jaaa, Kopfkino. Jedes Mal leuchteten ihre großen, grau-blauen Augen vor Freude, wenn sie sich sahen! Aber bei ihrer letzten Begegnung war es anders, sie glühten nur noch vor Abscheu und Hass. Tja, wie gesagt, selber schuld. Er traf sich mit Sina Franklin, einer richtig versauten Bitch. Micha gab ihm den Tipp mit der immer willigen Sina. Leichter zu haben war keine andere, das wusste jeder Typ im Umkreis vom X Kilometern. Sie machte auch kein Geheimnis daraus, denn ihr Spitzname war das Loch.
Dumm war nur, dass Clariss ihn mit ihr sah, und das in einer eindeutigen Stellung hinter dem Café. Seit diesem Tage war Funkstille, und nichts half da. Er probierte wirklich alles! Die ganze kitschige Palette, von Rosen über Pralinen zu Plüschtieren und Liebesbriefen, Gedichten – es landete alles im Müll. Woher er das wusste? Er hatte es beobachtet bzw. ihren Müll durchwühlt. Nicht, dass er sie stalkte, er lief nur zufällig jeden Tag mehrmals an ihrem Haus vorbei. Die zahllosen Anrufe und E-Mails blieben leider ebenfalls unbeantwortet. Sie konnte doch nicht für immer sauer auf ihn sein, oder? Er wollte nicht einfach aufgeben. Er überlegte: „Vielleicht blockiert sie mich, oder aber was doch viel logischer ist: Ihr Handy ist einfach kaputt. Sie kann deswegen nicht mehr antworten!“ Klar, dass war der Grund, warum sie ihm nicht mehr antwortete. Einen richterlichen Beschluss gab es gegen ihn noch nicht, aber mal ehrlich, weit entfernt davon war er auch nicht mehr. Ihre Eltern hatten ihn schon mehrfach vom Grundstück gejagt. Da saß er nun allein an den Klippen. Drei Jahre für die Katz. Schuldgefühle und Selbstmitleid plagten ihn wieder. Sie mit einem anderen sehen, dass wollte er sich nicht mal vorstellen. Was könnte er sonst noch tun? Sie war doch die Richtige, oder? Diese Sina war es sicher nicht. Die war echt irgendwie dumm. Sein Arzt riet ihm dringend zur Therapie.
Micha riss ihn aus seinen Gedanken, als er plötzlich mit einem Satz auf den Stein neben ihm sprang. Dieser wackelte deswegen gewaltig, und nur mit viel Glück konnte er die Balance halten. „Ey, willst du dich umbringen?“, schrie ihn Sam kreidebleich an. Micha lächelte überlegen mit geschwollener Brust. Er konterte: „Mensch, Alter, was denn? Entspann dich mal, alles easy, nichts passiert.“ Irgendwie musste er seine weichen Knie ja überdecken, nur deswegen strahlte er Sam mit seinen perfekten weißen Zähnen an. Ja, bei ihm war immer alles cool, keiner konnte MICHA was. Das ganze Geheimnis war, keinen an sich ranzulassen – auch nicht Sam. Bei dem Blick in den Abgrund wurde ihm auch schon anders. „Dieser Vermieter Mr. Lawkackski war erst sauer, aber ich konnte ihn mit meinem Charme und deiner armseligen Lage beschwichtigen. Er ist in zwei Stunden hier.“ „Was, in zwei Stunden, na toll. Und der heißt Mr. Lawnefski.“ Maulte Sam. Sie saßen mitten im Nirgendwo fest, so eine Scheiße. Aber diesen Sommer war Silver Beach echt angesagt, behauptete der Typ im Radio zumindest. Es lief ständig Werbung zwischen den Videos von diesem Ort. Nur Partys, knappe Bikinis und Alkohol. Merkwürdigerweise waren keine anderen Menschen zu sehen. Die kleine private Bucht unter ihnen, nicht übel.
Der Vermieter Arthur Lawnefski wohnte in Hosten, die Stadt lag zweihundert Kilometer weiter nördlich. „Egal jetzt, wie der heißt. Ich will Party machen, schon heiße Chicks oder eine Bar gesehen? Du hast doch von hier den besten Überblick.“ Sam antwortete nicht. Er stand auf, und ohne sich noch mal umzudrehen, lief er zum Auto. Irgendwie hatte ihn das mit Clariss wieder abgefuckt. Er war sogar kurz vorm Heulen, als er beim Auto ankam. Michas Vater Albert Friedhelm Michael von Steinhagen hatte ihnen einen seiner Sportwagen überlassen. Blutrot mit glänzendem Lack funkelte er in der Abendsonne. Der ganze Fuhrpark wurde schließlich zweimal in der Woche poliert, gereinigt und inspiziert. Dafür hatte Sam jetzt aber kein Auge. Wut und Verzweiflung mischten sich in seiner Magengegend. Warum lief es nur so mies für ihn im Moment? Der Seewind fegte über die Klippen. Es war auf einmal viel kälter geworden. Micha folgte ihm schnell und hielt ihn am Arm fest. „Hey, sorry, ich labere etwas viel, wenn der Tag lang ist, das weißt du, und dafür liebst du mich. Komm, Alter, schenk mir ein Lächeln! Bussi. Bussi. Ich bau dich wieder auf. Das Thema mit deiner Kleinen da nimmt dich ziemlich mit, oder? Wie hieß die noch? Die kommt schon zurück. Du bist doch ein klasse Typ. Und wenn
nicht … dann eben nicht. Lenk dich ab, das ist die beste Medizin. Vertrau mir. Sieh mich an, ich mach nichts, und die kommen mir nachgelaufen! Was echt nervt auf die Dauer. Also, genieß endlich deine Freiheit! Ich trauer nie um irgendeine. Die sind alle nur für die eine bestimmte Sache gut. Na ja, vielleicht auch für zwei. Du weißt schon: Ficken und putzen.“ Sam musterte ihn neidisch. Ja, ja der perfekte Micha: Nach ein paar Tagen waren ihm die Mädels schon zu anhänglich oder zu langweilig. Er war nur solange interessiert, bis er sie knacken konnte. Einmal rumkriegen, das war seine Devise. Eventuell auch ein zweites oder drittes Mal, wenn sie sich gut anstellte und er nichts Besseres in Aussicht hatte.
Micha hatte es auch leicht mit seinen ein Meter neunzig, einem braungebrannten und muskulösen Body (dank des einzigen Fitnessstudios FitMaster in New Stone, dem Kaff), dazu noch dunkle, kurze Haare und so hellblaue Augen wie das karibische Meer. Er ließ seinen Charme und ein tolles Lächeln spielen, dann lief die Sache schon. Er redete und redete, und am Ende hätte man sogar eine Waschmaschine von ihm gekauft. Die ganzen Weiber meinten immer, sie könnten sein Herz gewinnen, ihn ändern, aber keine Chance. Sie heulten sich öfter bei Sam aus, aber er konnte meist nur mit den Schultern zucken. Micha war eben so. Er kriegte sie alle, und am Ende, wenn er sie abservierte, dachten die immer noch, es wäre ihre Schuld. Verrückt! Wenn es mal eine Kleine gab, die ihm trotzdem die kalte Schulter zeigte, dann half sein Geld. Er hatte es immer bündelweise dabei, einfach lose in seiner Hosentasche. Das war nämlich die Krönung, arbeiten gehen musste er nur zum Spaß oder Zeitvertreib. Er kaufte sogar einmal eine Firma, um ein Mädchen zu beeindrucken, und als er es dann erobert hatte, verkaufte er sie wieder. Sein Vater war ein Staranwalt und seine Mutter Prof. Dr. Susanne Meyer-von Steinhagen Kiefer-Chirurgin. Mutlos sagte Sam: „Ich weiß. Aber es ist nicht einfach. Ich liebe Clariss doch. Mann, es war irgendwie immer das Gleiche. Du weißt schon, die Luft war raus, und ich wollte, musste Abwechslung, was Neues haben. Immer nur eine Stellung und nur einmal die Woche reichen doch nicht, oder? Ich wollte nur ein bisschen Spaß, und nun hab ich gar nichts mehr. Ach, scheiße, sie fehlt mir einfach. Einfach alles an ihr. Ich wach nachts auf, und sie ist nicht mehr da.“ Micha schüttelte nur den Kopf. „Ja, Mann, tolle Rede. Hörst du dir selbst zu? Du warst doch nicht glücklich. Du hast es gerade selbst gesagt, nur einmal die Woche und prüde, die hätte ich sofort abserviert. Ich höre selbst meine Alten nach über zwanzig Jahren Ehe öfters die Woche poppen, wenn ich drüben bei denen bin. Ich weiß, ich weiß … noch mal, sorry. Deine Gefühle und so. Du bist mein Freund, und deswegen bist du mir wichtig, aber es ist immer dasselbe mit dir. Sei ein Mann und flenn hier nicht rum! Sieh es endlich ein, ihrer Ansicht nach bist du Geschichte, weil du sie beschissen hast, gut. Pech! Lass es hinter dir. Du bist gerade neunzehn geworden und ich zwanzig. Wer will sich da schon fest binden? Das Leben fängt doch erst an. Wir haben noch viel Zeit, uns eine zu suchen, mit der man alt wird und so ‘n Kram. Wir sind hier im Urlaub und wollen Spaß haben, oder? Wie sieht’s aus? Ein Bier, Schnucki?“ Er zwinkerte ihm zu und boxte ihn gegen die Schulter. Was Sam nicht wusste: Mit so ‘nem Kram meinte Micha natürlich ein großes Haus mit weißem Zaun (was er schon hatte), drei bis vier Kinder und so weiter. Allein sterben wollte er auch nicht, aber das würde er niemals vor ihm zugeben! Er hatte Zeit. Außerdem war er zuversichtlich, in zehn bis zwanzig Jahren würde sich schon was ergeben. Eine, die ihm in allen Dingen gewachsen war und sich nicht am ersten Abend flachlegen ließ. Außerdem sollte sie auch noch umwerfend schön, nicht zu dick, klug und variabel im Bett sein. Aber so was gab’s in seiner Welt bis jetzt nicht.
Micha hatte es wieder geschafft, die Stimmung löste sich nach dem Gespräch, also setzen sie sich vergnügt ins Auto, um die zwei Stunden rumzukriegen. Die ersten Flaschen klirrten. Nach zwei bis drei Bier holte Sam den Wodka und den Tequila raus. Sie brauchten für ihre Privatparty etwas Stärkeres, mit Energie war er noch am besten. Es war dunkler geworden und stiller, allerdings konnte sie nichts aus der Ruhe bringen. Sie kriegten eh nichts mit. Der neueste Sommerhit wurde gerade bei Silver-Beach-Radio gespielt, wobei Micha mitgrölte: „Make love with me, Baby! Oh, ja.“ Als sie plötzlich durchgeschüttelt wurden. Irgendetwas sehr Großes rammte den Wagen und verschwand direkt in den Büschen. Das Geräusch, welches dabei entstand, war wie Nägel auf einer Tafel. „Hm, was war den das? Viel-leicht ein lila Häschen, dass uns Guten Abend sagen wollte?“, lallte Micha. Er war schon sehr betrunken. Seine gute Laune konnte nichts erschüttern. Doch Sam war entsetzt und mit einem Mal wieder nüchtern. Er schrie auf: „Shit! Alter, werd mal wieder klar. Was lief da eben her? Es hat sich anhört, als ob das Auto in zwei Teile zerrissen wurde. Haste das nicht mitgekriegt?“ Er zerrte an seinem Kumpel rum und redete weiter: „Alter! Hal-lo! Das war kein Hase! Irgendwas stimmt hier nicht. Wir müssen nachsehen, was das für ein Vieh war!“ Micha sah ihn mit gläsernem Blick an. Schwankend mit einem erhobenen Zeigefinger erwiderte er: „Nö, warum? Ey, das ist wie in jedem Horrorfilm. Sie sterben dann immer, wenn die das Auto verlassen. Dazu habe ich gerade gar keinen Bock! Es ist dunkel, guck! Wir haben keine Taschenlampen. Also… Wie willst du dieses Ding dann überhaupt sehen? Vielleicht ist es sogar gefährlich…“



Kapitel 2
Vermieter

Mit einem Mal wurde es sehr hell. Zwei Scheinwerfer tauchten hinter den großen Tannen auf. Sie brauchten einen Moment, um zu erkennen, was sie so blendete. Ein schwarzer Jeep schob sich langsam neben ihren Wagen und kam zum Stehen. Trotz der Dunkelheit und ihrer vorübergehenden Blindheit, verursacht durch das Flutlicht, war zu sehen, dass sich zwei Personen im Wagen befanden. Die beiden Jungs stockte ein bisschen der Atem, als ein Mann wie ein riesiger Bär ausstieg. Er war wie ein Schrank, zwei Meter mal zwei Meter. So eine Art Typ, der von Beruf Türsteher vor einem Club war oder Bodygard. Der Vollbart war richtig ungepflegt, und seine Augen waren dunkel wie große Löcher. Vor dieser Erscheinung hatten sie direkt Respekt und tauschten panische Blicke. Sam zitterten sogar leicht die Knie. Keiner hatte sich den Vermieter so vorgestellt! Am Telefon quakte er mit einer schrillen Stimme, sodass jeder dachte, Mr. Lawnefski wäre ein Zwerg oder besser gesagt Kleinwüchsiger. In Gedanken schüttelte Sam seinen Kopf, in der Realität traute er sich nicht mal, die Muskeln zum Türöffnen zu bewegen. „Wie man sich manchmal täuschen konnte.“
Es war spät geworden, über zweieinhalb Stunden waren vergangen seit Michas Gespräch mit Mr. Arthur Lawnefski. Sie sollten höflicherweise auch aussteigen. Dazu forderte Micha Sam mit einer Kopfbewegung auf. Ganz locker sprang er aus dem Mustang, Sam konnte immer noch kaum einen Muskel bewegen. Geschafft, er war auch draußen. Gut, dass die Scheinwerfer des Jeeps noch brannten, hier draußen war es Sam nicht geheuer. Unheimlich. Die Kälte kletterte förmlich seinen Rücken bis zum Nacken hinauf. Er hatte Gänsehaut am ganzen Körper. Irgendwas war noch da und wartete im Dunkeln auf sie. Er spürte es.
„Na, Jungs, habt ihr die Aussicht genossen? Ihr seht mitgenommen aus“, erkundigte sich Mr. Lawnefski bei ihnen mit einem fiesen Grinsen auf den Lippen und seiner Quiekstimme, als die Jungs neben ihm standen. Micha verkniff sich mühsam sein Lachen, was ihm in seinem Zustand schwerfiel. Dieser Mann mit der Stimme, urkomisch. Mutig starrte Sam seinem Vermieter ins Gesicht und antwortete ihm: „Ja klar, es ging schon irgendwie. Es wird früh dunkel hier in der Gegend, oder? Ähm, wir haben es gar nicht gemerkt, weil wir uns so intensiv unterhalten haben. Wissen Sie, ob es hier gefährliche Tiere gibt?“ Sein Blick landete wieder auf seinen Füßen, aber seine Alkoholfahne wehte zu Arthur Lawnefski rüber, und dieser freute sich noch mehr darüber. Sein Blick ging kurz zum Sportwagen. Er nickte und dachte sich amüsiert: „Oh, es hat begonnen! Sollen sie sich ruhig noch betrinken. Hehe!“ Micha konnte nicht mehr und pustete los: „Intensive Gespräche, ja die haben wir zwei hier geführt, stimmt!“ Er rülpste laut. „Das interessiert mich eigentlich nicht“, sprach ihr Vermieter kühl mit einer rauen Reibeisenstimme, das verwirrte Sam. Ergänzend fügte er hinzu: „Selbst dann nicht, wenn ihr beide hier das bekannte Rein-und-Raus-Spiel miteinander ausprobiert hättet. Ich finde es besonders unerfreulich, hierhin kommen zu müssen, um euch einen weiteren meiner Schlüssel zu bringen. Aber was tut man nicht alles für die Familie!“ Wieder huschte ein fieses Grinsen über seine Fratze. Sam traute sich nun wieder aufzusehen. Er schämte sich für alles, dass er den Schlüssel verloren hatte, dass sie betrunken waren – und für seinen Freund sowieso. Micha war ihm oft unangenehm, aber er war ein guter Freund, und nur das zählte. Im Auto des Vermieters bemerkte er nun eine Bewegung. Die andere Person fiel ihm ins Auge. Ein Mädchen. Etwas jünger als sie vielleicht. Er versuchte ein Wort zu finden, um sie zu beschreiben. Schön? Hübsch? Eher umwerfend, betörend. Irgendwie war es eine Mischung aus allem. Sie öffnete ihre Wagentür, stieg aber nicht aus, ihr durchdringender Blick galt nur ihm, ein verführerisches Schmunzeln umspielte ihre Lippen, diese Augen und die süßen Grübchen, unglaublich.
In ihrer Kleinstadt New Stone gab es für ihn nicht viel zu sehen, und vor allem keine Mädchen, die heiß waren, außer der einen natürlich. Aus dem Schmunzeln wurde ein Lächeln, und ihre Augen strahlten dabei. Jetzt war in seinem Magen Achterbahn angesagt, oder wirbelten Schmetterlinge? Vielleicht war es auch schon die Übelkeit vom Alkohol? Überwältigt glotzte er sie weiter nur stumm an. Er brachte keinen Ton raus. Sprechen wurde eh überbewertet. Blicke sagten viel mehr. Auf dem Armaturenbrett im Jeep glitzerte etwas. Mr. Lawnefski lehnte sich ins Auto und gab es Micha. Ach, der Schlüssel, diesmal mit einem Bienchenanhänger. Danach betrachtete er Sam neugierig. Schaute von ihm zu ihr und näherte sich Sam bis auf wenige Zentimeter. Er öffnete direkt neben seinem Ohr den Mund und flüsterte: „Das ist Lilli-Ann, meine Tochter, bist wohl interessiert, was?“ Sam nickte ihr zu, und er konnte seine grünen Augen nicht mehr von ihr abwenden. Sie hypnotisierte ihn gerade völlig. Mr. Lawnefski flüsterte weiter, diesmal noch unheimlicher: „Mach dir keine Hoffnungen. Sie ist unerreichbar für einen wie dich!“
Diese Worte zeigten wie vorhin Wirkung, erneut überzog Sams Nacken und seine Arme eine Gänsehaut. Er drehte sich schnell weg aus Furcht, eine verpasst zu kriegen. Eine Wohltat, endlich konnte er wieder woanders hinsehen. Er blinzelte noch ein zwei Mal. Micha grinste nur verschmitzt. Seine Aussprache war etwas besser, denn bei ihm wirkte der Alk nicht so lange. Micha rief ihm zu: „Hey, Alter, ich weiß, du hast’s im Moment nicht so leicht, aber du könntest mir mit den Koffern und Taschen helfen.“ Er war schon zum Haus gelaufen und hatte die Tür geöffnet. Das Licht erhellte nicht nur das Haus, sondern auch die beiden Autos, und nun bemerkte Micha auch Lilli-Ann. Er zwinkerte ihr zu. Arthur Lawnefski betrachtete die beiden abwertend und lachte düster. „Einen netten Aufenthalt noch.“ Er drehte sich um, schloss mit einem Wumms Lilli-Anns Autotür und stieg ein. Beim Wegfahren konnte Sam noch einmal ihr Lächeln sehen. Sie winkte ihm zu und wirkte sehr angetan. Wow. Fuck, warum war sie die Tochter von so einem?
4 Sterne
Holiday in Silver Beach - 06.12.2020
C.vf

Der Roman überraschte mich mit jedem Kapitel.Einfach kurz gesagt SUPER.

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