Cover: Eritrid

Eritrid
Die Sonnenprinzessin


EUR 24,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 510
ISBN: 978-3-7116-0984-7
Erscheinungsdatum: 18.02.2026
Im Sonnenreich wächst Prinzessin Mira mit einer Macht auf, die gleichermaßen Leben schenkt und zerstören kann. Als ein Schicksalsschlag ihr Leben zerreißt, muss sie sich zwischen Licht und Dunkelheit entscheiden – und damit über das Schicksal aller Reiche.
Die Ruhe vor dem Sturm


Es war ein wunderschöner, sonniger Morgen in Eritrid
– im Augenblick zwar noch etwas frisch, doch
dieser typische Geruch, der in der Luft lag, versprach
auch heute wieder einen heißen Tag. Ich liebte diese
Jahreszeit besonders, denn im Somwin legten die heißen
Sonnenstrahlen eine ganz besondere Atmosphäre auf
mein Heimatreich und auch die Gemüter der Eritriden
waren irgendwie leichter und freier.
So schnell mich meine Beine trugen, rannte ich fröhlich
und vergnügt über die große, saftig grüne Wiese, die so
typisch war für mein Zuhause, dem Sonnenreich. Ich beeilte
mich, denn ich wollte den Moment nicht verpassen,
wenn die Herde wilder Nassimen von ihrem nächtlichen
Schlafplatz an der Grenze zur Waldebene hier ankommen
würde, um zu grasen.
Nassimen waren schon immer meine Lieblingstiere gewesen
und sie lebten nur hier bei uns im Sonnenreich.
Sie waren große, eindrucksvolle, weiße Reittiere mit silberner
Mähne und silbernem Schweif. Das Besondere
an ihnen war jedoch, dass sie auch in die Lüfte steigen
konnten, denn sie hatten große Flügel mit weißen und
manchmal sogar glitzernden Federn.
Sooft es meine höfischen Pflichten als Sonnenprinzessin
zuließen, versuchte ich diesen magischen Moment
mitzuerleben. Schon jetzt konnte ich es kaum erwarten,
endlich volljährig zu werden, denn mit 370 Jahren würde
ich mich an einen Nassime binden dürfen, so wie es
auch unsere Krieger taten.
Da ich aber erst 80 Jahre alt und somit noch ein Kind
war, musste ich noch sehr lange darauf warten und mich
in Geduld üben.
Die Fröhlichkeit und meine innere Macht, die meinen
Körper auf magische Weise in einem sanften Licht
erglühen ließen, erweckten nun auch die Blumen, die
ich auf meinem Weg passierte, aus ihrem nächtlichen
Schlaf. Sie reckten ihre noch geschlossenen Blüten in
meine Richtung und begannen, sich langsam zu öffnen,
sodass nach kurzer Zeit die prächtigsten Blumen entlang
des Weges, den ich mir bahnte, in allen Farben für
mich erblühten.
Doch leider war mir trotz der Schönheit meiner Sonnenmacht
auch bewusst, dass diese ebenso gefährlich
sein konnte. Denn während mein Glühen den Eritriden,
den Tieren und den Pflanzen um mich herum Wärme und
Geborgenheit schenkte, konnten Wut, Trauer und Ärger
meine innere Energie zu einem fatalen Feuer werden lassen,
das alles um mich herum verbrannte. Dies hatten vor
einigen Jahren alle – einschließlich mir selbst – schmerzlich
erfahren müssen, als ein ausgewachsener Trotzanfall
– weil ich mehr Karamellwaffeln haben wollte – zu
einem alles verzehrenden Brand geführt hatte, den meine
Eltern und mehrere Adlige mit ihrer eigenen Macht
bekämpfen mussten. Natürlich gab mir damals – bis
auf meine Mutter – niemand die Schuld daran, weil ich
noch sehr klein war, allerdings führte der Vorfall jedem
vor Augen, wie wichtig es war, meine starke Macht zu
trainieren. Vor allem, da sie bis zu meiner Volljährigkeit
immer stärker werden würde.
In Eritrid, das in vier Reiche aufgeteilt war, nämlich
dem Sonnenreich, dem Windreich, dem Wasserreich sowie
der Waldebene, verfügten alle hochgeborenen Eritriden,
die Adligen, die obersten Befehlshaber und die
meisten Krieger über gewisse Fähigkeiten. Jedoch waren
die Gaben der Königsfamilien am stärksten ausgeprägt.
Und da sich jeder Einwohner über die Vererbbarkeit
dieser Fertigkeiten bewusst war, war es den sogenannten
›Befähigten‹ strengstens verboten, außerhalb ihres
Ranges zu heiraten oder mit Nichtbefähigten Kinder in
die Welt zu setzen. Die Angst, dass das einfache Volk
solch mächtige Waffen zur Verfügung hätte und diese
sich plötzlich ohne Kontrolle durch weitere Geburten
verbreiten könnten, war einfach zu groß.
Hinter vorgehaltener Hand wurde allerdings auch über
sogenannte ›Gesetzlose‹ gesprochen, denn einige dieser
Befähigten hielten es mit den Regeln nicht so genau und
zeugten gegen das Gesetz mit gewöhnlichen Eritriden
Kinder.
Die Gesetzlosen mussten ihre Macht dann ein Leben
lang verstecken, da der illegale Besitz dieser Fähigkeiten
als Diebstahl am Königreich selbst angesehen und hart
bestraft wurde.
Meine Mutter, Königin Maresa, eine elegante, schlanke
und wunderschöne Frau mit spitzen Gesichtszügen,
ebenfalls grünen Augen und dunkelbraunen, schulterlangen
Haaren, hatte die Fähigkeit, Objekte zu steuern.
So konnte sie beliebige Gegenstände aus dem Nichts
heraus materialisieren oder schweben und wieder verschwinden
lassen.
Mein Vater, König Kelan, ganz der stoische Herrschertyp
mit einer etwas kühlen Fassade, groß gewachsen und
muskulös, mit silbernen Haaren, stahlblauen Augen und
einem kurz gestutzten Vollbart, konnte Gedanken lesen
und beeinflussen.
Vereint, mit unserem Heer, welches fast ausschließlich
aus Befähigten bestand, waren diese Fähigkeiten im
Kriegsfall absolut tödliche Waffen und verschafften uns
vor den anderen Reichen stets großen Respekt.
Und ich sollte eines Tages ebenso dazu beitragen.
Ich war das erste und einzige Kind meiner Eltern und
würde somit einmal Königin werden. Meine Eltern
hatten fast eintausend Jahre vergeblich versucht, einen
Thronerben zu bekommen, und als ich dann zur Welt
kam und auch noch eine der Ursprungsmächte, nämlich
die Sonnenmacht mein Eigen nennen konnte, hielten
mich viele für ein Wunder. Was wohl auch der Grund
dafür war, wieso meine Mutter bei meiner Ausbildung
so vehement war und mich so stark forderte.
Alle erwarteten viel von mir.
Mich jedoch kümmerten diese ganzen Umstände noch
wenig. Für mich zählten nur Spielen, Toben, Abenteuer
erleben, das Sonnenreich nach neuen spannenden Orten
erkunden und den Einflug der Nassimen zu bestaunen.
Und die würde ich gleich endlich wieder sehen können.
Obwohl es jetzt bergauf ging und ich leicht aus der
Puste war, fröstelte es mich ein wenig, denn das Gras
war noch kühl und nass und der silbrige Morgennebel
war gerade erst dabei, sich aufzulösen. Bei jedem Schritt
spürte ich die kalten Wassertropfen zwischen meinen
nackten Zehen, und weil mein sonnengelbes Kleid, das
mir bis zu den Zehen reichte, ärmellos war, richteten
sich die kleinen Härchen auf meinen Armen auf. Aber
das war mir egal, denn als ich die kleine Anhöhe endlich erreicht hatte, wurde ich mit einem wunderschönen Anblick
belohnt.
Suchend ließ ich meinen Blick über das weite Tal gleiten.
Sanfte Sonnenstrahlen strichen über das Land und
brachten den morgendlichen Tau zum Glitzern. Ich
wusste, dass es jeden Moment so weit sein musste …
Mich packte eine heftige Aufregung und ich sah in den
Himmel. Mein Herz schlug höher, ich gluckste vor Freude
und meine dunkelgrünen Augen strahlten.
Ich hatte sie nicht verpasst.
Die Herde wilder Nassimen brach durch die rosafarbene
Wolkendecke und im Sturzflug donnerten hunderte
von ihnen in einer perfekten Formation in Richtung der
Wiese beim Sonnenpalast. Die Strahlen der Sonne wurden
von ihren glitzernden Mähnen reflektiert, und wie
immer war es für mich ein atemberaubender Moment,
der mich alles andere vergessen ließ.
Die Herde landete, verteilte sich zum Grasen und ich
ließ mich glücklich nach hinten auf den Boden plumpsen.
Allerdings wurde mir schnell langweilig, und um
mir die Zeit zu vertreiben, spielte ich gedankenverloren
mit meinen mahagoniroten Haaren, die zu einem dicken
Zopf gebunden waren.
Ich zupfte mir gerade sonnenförmige Marusen aus meinem
Zopf, die meine Lieblingsblumen waren und nur für
mich in den Palastgärten angebaut wurden – ich nannte
sie liebevoll meine Mini-Sonnen –, als ich hörte, wie meine
schwer atmende Zofe, Nila, den Hügel zu mir hinaufeilte.
Wie immer war sie mit ihren weiten, moosgrünen Röcken
und laut schimpfend, dass ich aufgrund ihres Alters
und ihrer Gebrechlichkeit langsamer machen solle,
hinter mir hergelaufen. Sie beschwerte sich auch wieder
über ihren schlimmen Rücken, der wohl wegen mir des
Öfteren stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Doch ich musste lächeln, weil ich wusste, dass Nila
übertrieb. Obwohl sie schon zur älteren Generation
gehörte, war sie immer noch sehr rüstig. Sie hatte
ursprünglich einmal blonde Haare gehabt, aber inzwischen
waren sie von dicken silbernen Strähnen
durchzogen, sodass man sie wohl eher als grauhaarig
bezeichnen musste.
Nila hatte eine normale Figur. Sie hatte weder zu viel
noch zu wenig auf den Hüften und kleidete sich gerne in
Grüntönen. Sie meinte, so fühle sie sich ihrer alten Heimat,
der Waldebene, immer noch verbunden.
Als sie mich erreichte, kam sie schwer keuchend zum
Stehen. Mit hochroten Wangen und mit auf den Knien
abgestützten Händen versuchte sie mich zu tadeln.
Allerdings hörte es sich durch ihre vom Rennen stark
gebeutelten Lungen sehr lustig an. »Miri, wenn … du …
so … weiter … machst, … erreiche … ich meinen … eintausend
… sechshundertsten … Geburtstag … nicht …
mehr, willst … du … das?«
Ihr Zustand brachte mich dermaßen zum Kichern,
dass sie nach ein paar Momenten auch ins Lachen miteinsteigen
musste. Sie beugte sich zu mir hinunter und
strich mir fürsorglich meine losen Haare aus dem Gesicht.
Mit ihren gräulichen Augen begutachtete sie mich
mütterlich, und wie immer, wenn sie mich in dieser Weise
betrachtete, spürte ich tief in mir die endlose Liebe, die
sie für mich empfand. Nila war mein Halt, meine Rückendeckung.
Bei ihr fühlte ich mich frei.
So oft wie möglich versuchte sie, mich vor den zahlreichen
Pflichten und Regeln im Schloss zu schützen, während
alle anderen – inklusive meiner strengen Eltern – oft
vergaßen, dass ich noch ein Kind war.
Dies war auch der Grund, weshalb ich andauernd versuchte,
aus meinem Zuhause auszubrechen, denn je weiter ich mich vom Sonnenpalast entfernte, umso leichter
und freier wurde mein Herz.
Die höfischen Regeln, die verschiedenen Lehrstunden
in Schwertkampf und Naturkunde sowie die verhassten
Unterrichtsstunden in ›Benehmen am Hofe‹ waren mir
zu viel und engten mich ein.
Am meisten jedoch verabscheute ich Meister Trilian.
Ich hielt ihn insgeheim immer noch für eine Serpie – diese
schaurige Bestie, die in jede Körperform schlüpfen
konnte, passte einfach perfekt zu ihm. Er unterrichtete
das Fach ›Adelsgeschichte‹, und bevor ich für ihn noch
ein einziges Mal alle Mitglieder der Königshöfe und ihre
verschiedenen Verbindungen aufsagen musste, würde
ich mich lieber in eine Höhle mit Waldbestien aus dem
Tiefen Wald der Waldebene begeben.
Nila unterstützte mich nach Kräften, und wann immer
es ihr möglich war, gingen wir zusammen in die Gärten,
spielten in den zahlreichen Palastzimmern verstecken,
dachten uns Gruselgeschichten über die Bestien aus den
Wäldern aus oder sie las mir aus einem der Sagen- und
Märchenbücher vor. Sie war meine Ersatzmutter und
gleichzeitig meine beste Freundin.
»Bitte, Nila …«, bettelte ich, weil ich wusste, was sie
gleich sagen würde. »Lass uns noch nicht zurückgehen,
ich habe keine Lust auf Geschichtskunde … die wirklich
interessanten Geschichten darf ich ja eh noch nicht hören.
Immer sagt einer ›Nein, Mira, dafür bist du noch zu
klein‹ oder ›Aber Mira, das ist wirklich nichts für kleine
Prinzessinnen, hast du denn keine Puppen, mit denen
du spielen kannst?‹ Dabei weiß doch jeder, dass ich für
Puppen schon längst viel zu alt bin. Außerdem würde
ich zu gerne die echte Geschichte der vier Götter hören,
warum sie die vier Reiche erschaffen haben und warum
es mir verboten ist …«
»Psssssst, Miri!«, zischte Nila. »Bist du denn zu weit
in den Tiefen Wald gegangen? Beruhige dich erstmal. Du
sollst dich nicht aufregen.«
Dieses Sprichwort benutzte sie immer, wenn sie jemanden
für völlig verrückt hielt. Aber ich schaute sie nur
schmollend an und machte einen Trotzmund. »Wie soll
man denn diese ganzen blöden Regeln begreifen und verstehen,
wenn einem niemand den Grund dafür erklärt?«,
erwiderte ich.
»Ach, Miri.« Nila seufzte resigniert. »Wenn du einmal
volljährig …«
»Ja, ja ich weiß, wenn du einmal volljährig bist, liebe
Miri, dann darfst du in die berühmte Sonnenbibliothek
und darfst endlich die spannenden Bücher lesen. Das
sind ja nur noch 290 lange Jahre«, ergänzte ich ihren
Satz mit maulendem Tonfall.
Nila schaute suchend in den Himmel, als würde sie Beistand
von irgendjemanden dort oben bekommen, oder
zumindest eine Idee, wie sie der zu neugierigen Prinzessin
Einhalt gebieten könnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit
atmete sie tief und beherzt ein, als bräuchte sie die Kraft
für die nächsten Worte. Sie schloss die Augen und sprach
mit ehrlicher Stimme: »Miri, alles in unserer Welt besteht
aus Energie.« Sie zeigte ausladend in die Natur um
uns herum. »Alle besonderen Fähigkeiten existieren nur,
weil es diese Energieströme gibt und einige von uns fähig
sind, diese zu lenken und mit ihrem Willen zu nutzen.
Selbst Geschichten und Erlebnisse erzeugen in uns verschiedene
Energieflüsse, wir nennen sie Emotionen. Nun
gab es Dinge und Geschehnisse in Eritrid, die so schlecht
waren, dass sie dir sehr große Angst machen könnten
oder du dann sehr traurig wärst. Dann bräuchtest du viel
Macht und Stärke, um der Dunkelheit zu widerstehen,
die in dir ist. Du bist noch klein, dein Geist und dein Körper sind einer so bösen Kraft noch nicht gewachsen.
Ich will dich davor schützen, und deshalb darfst du diese
ganzen Geschichten erst hören, wenn du volljährig
bist, deine Macht groß genug ist und du volle Kontrolle
darüber hast.« Sie nahm mein Gesicht behutsam in ihre
Hände und blickte mich bittend an. »Bis dahin musst
du dich leider mit den erlaubten Märchen und Sagen
zufriedengeben. Meinst du, dass du mit dieser Erklärung
noch etwas Geduld aufbringen kannst? Ich meine, unsere
ausgedachten Abenteuergeschichten sind doch auch
spannend, oder?«
Ich war verblüfft von ihrer Ehrlichkeit, so offen war
sie noch nie zuvor zu mir gewesen. Normalerweise gab
sie mir immer nur ausweichende Antworten. Jedoch verstand
ich nicht, was sie damit meinte, dass eine Dunkelheit
in mir wäre, und von welchen Energieströmen hatte
sie gesprochen?
Einem Gefühl folgend, besah ich meine Hände. Sie
glühten immer noch leicht von meiner vorangegangenen
Freude. Also konzentrierte ich mich auf meine Adern
und konnte nun erkennen, dass das Licht durch mein
Blut in meinem Körper verteilt wurde. Das war mir vorher
noch nie aufgefallen. Zudem vernahm ich auf einmal
ein Geräusch, ein leises Summen, das ich jetzt zum ersten
Mal hörte. Ich suchte nach der Geräuschquelle und
schaute mich mit großen Augen auf der Wiese um.
Die Natur war inzwischen voll zum Leben erwacht.
Überall waren kleine Schwirrer zu sehen, die eifrig damit
beschäftigt waren, Nahrung von den vielen verschiedenen
Pflanzen zu sammeln, und von allen ging dieses leise
Summen aus. Es war nicht der typische Ton, den Schwirrer
beim Fliegen von sich gaben. Nein. Es hörte sich anders
an, wie eine magische, kaum wahrnehmbare Musik.
Ich fokussierte mich auf diese Melodie, sah genauer hin und meinte, tatsächlich bunte Energielinien sehen zu
können, die von den Lebewesen in die Natur abgegeben
wurden.
Jedes Tier hatte dabei seine ganz eigene Farbe.
Jedoch saugten die Pflanzen und der Boden die Lichtströme
nicht einfach nur auf, nein, die Umgebung absorbierte
sie und gab andersfarbige Energieströme wieder
ab. Alles war im Einklang miteinander, wie ein großes
Orchester, bei dem ein Instrument dem anderen Instrument
zuspielte, sich gegenseitig beeinflusste und alle
einzelnen Töne zusammen ein wundervolles Musikstück
erzeugten.
Neben mir flog eine Mingine vorbei, ein winziger
Schwirrer mit 12 Flügeln, einem Saugrüssel für den Blütennektar
und einem pelzigen Körper mit dunkelroter
Fellfarbe und einem kleinen runden, schwarzen Kopf.
Neugierig schaute ich ihr nach, denn ein kaum sichtbarer
rosa Lichtstrom folgte ihr. Sie landete auf einer
Maruse und labte sich gierig am Nektar. Der rosa Lichtstrom
änderte die Richtung und wurde nun von der
Blume regelrecht verschluckt, während die Mingine im
Wechselspiel mit dem Blütennektar eine grüne Energielinie
in sich aufnahm.
Ich war überwältigt. Wieso war mir dies noch nie aufgefallen.
Es fühlte sich an, als wäre ich all die Jahre zuvor
blind gewesen, als wären meine Augen, meine Sinne nicht
bereit gewesen, diese wunderschöne Wahrheit zu sehen.
Ehrfürchtig flüsterte ich: »Nila, siehst du das auch?«
Doch Nila schaute sich nur suchend um und erwiderte:
»Was denn, Miri?«
Gerade wollte ich ihr antworten, da vernahm ich
schnelles Nassimengetrampel, das stetig näherkam, ich
erkannte weit in der Ferne einen Reiter auf einem unserer
Palastnassime über den großen Hügel angaloppieren.
...

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