Cover: Eldorias letzte Hoffnung

Eldorias letzte Hoffnung
Khaldors Bestimmung


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 318
ISBN: 978-3-7116-0026-4
Erscheinungsdatum: 13.08.2025
Eldoria steht am Abgrund.Das ferne Land Eldoria ist in Gefahr. Der Zwerg Khaldor von Bheldram entsandt, das drohende Unheil aufzuhalten. Mit seinen Freunden begibt sich Khaldor auf eine Mission voller Gefahren. Gibt es noch Hoffnung für Eldoria?
1 Visionen

Die Sonne ging langsam über den Bergen von Eldoria auf. Der Nebel hing noch über der großen Wiese neben dem schmalen Pfad, der sich den Berg hinabschlängelte. Der Pfad führte durch kleine Höhlen und an engen Schluchten vorbei. An seinem Ende fing der Wald an.
Khaldor ging den Weg jeden Tag und schaffte die vier Kilometer schneller als jeder andere seines Stammes. Er bewohnte mit seiner Sippe den unteren Teil des Berges, den sie Eisenzinne nannten. Seine Ahnen gruben sich damals tief in den Stein und mit der Zeit entstand eine behagliche Behausung, die von Generation zu Generation weitergewachsen war. Mittlerweile war die Höhle so groß, dass selbst die gezähmten Zwoggel in der Sicherheit des Berges ein Gehege hatten und nicht mehr im scharfen Wind, der um die Berge wehte, schlafen mussten.
Khaldor war ein Zwerg des Felsenhammer-Clans. Wie es in seiner Sippe üblich war, trug er seine Haare nach hinten gebunden und sein Bart war kunstvoll geflochten. Die kurzen Beine waren kräftig und die Arme stark. Zugegeben, er war selbst für sein Volk etwas zu klein und sein runder Bauch wölbte sich leicht über seinen Hosenbund, aber dies störte ihn nicht. Abgesehen von der Jagd war das Essen seine größte Leidenschaft und wie jeder wusste, waren die Speisen der Zwerge immer eine Reise wert. Aus dem ganzen Land kamen die Leute, um in eine Schenke der Zwerge einzukehren und es sich schmecken zu lassen.
Bei der Jagd hingegen war er nicht derart nachsichtig. Er ließ sich von nichts ablenken und verfolgte seine Beute, zu der neben den wilden Zwoggeln auch die viel größeren Elous gehörten, unerbittlich.
Die Elous sind die Tiere, die man am häufigsten in den Wäldern findet. Wegen ihrer Größe und des riesigen Hornes auf dem Kopf, das einem Geweih ähnelt, sind sie nicht ungefährlich. Im Grunde sind es friedliche Tiere, aber auch die geschicktesten Jäger wurden schon von einem Elou verletzt. Eine solche Verletzung war immer sehr tief und gefährlich, da die Geweihe mit einem weißlichen Sekret überzogen waren, das eine Wunde nicht heilen ließ. Die besten Heiler der Zwerge mussten stets all ihr Können und Wissen anwenden, um eine solche Wunde zu heilen. Und selbst dann war immer noch nicht gewiss, ob der Verletzte sich auch wirklich von der Wunde erholte.

Deshalb ging Khaldor sehr vorsichtig. Er schlich gebückt durch das Dickicht, die Ohren gespitzt und bereit, seinen Speer zu heben und zuzustoßen. Er war froh, dass er sich etwas sommerlicher gekleidet hatte. Er trug heute nur eine kurze Hose aus Elouleder und ein Hemd aus einfachem Stoff. Die Ärmel des Hemdes hatte er hochgekrempelt, sodass die Sonne seine Arme und Beine wärmen konnte. Trotz der kühlen Bergluft hatten die Sonnenstrahlen eine solche Kraft, dass er schnell einen Sonnenbrand bekam. Aber dies bemerkte er nicht.
Er war vollkommen auf die Jagd fokussiert. Normalerweise nutzte er einen Bogen, aber auch mit dem Speer war er geübt und hin und wieder ging er mit ihm auf die Jagd. Besonders, wenn er ein Elou erlegen wollte.
Stunde um Stunde verging und gerade als er sich aufrichten und den Heimweg antreten wollte, raschelte es im Gebüsch gegenüber seiner Position.
Khaldor hielt den Atem an. Es raschelte erneut. Ein Fleehm hüpfte aus dem Gebüsch und hielt inne. Seine langen Ohren waren steil nach oben gestellt. Die Nase in den Wind haltend sah sich das Fleehm um.
Er nahm an, dass die Luft rein war, weil das kleine plüschige Tier anfing, sich zu putzen. „Jetzt oder nie“, dachte er. „Lieber mit einem Fleehm als Beute nach Hause kommen, als gar keinen Fang machen.“
Langsam erhob sich Khaldor und setzte mit dem Speer zum Wurf an. Den linken Arm nach vorne gestreckt, um die Balance zu halten, den rechten, der die Waffe hielt, weit nach hinten. Er schätzte den Abstand, zielte und war im Begriff, den Speer mit voller Kraft auf die Lichtung zu schleudern. Genau an die Stelle, wo das Fleehm saß. Er stockte, stutzte und senkte beide Arme. Da, wo gerade eben noch seine Beute gesessen hatte, war nur noch das platt gedrückte purpurne Gras.
Er sah sich bedrückt um und senkte den Kopf. Nun musste er doch ohne Beute zurück zu seiner Sippe. Mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern, den Speer hinter sich herziehend, trat er den Rückweg an. Er sah sich noch einmal um.
Der Himmel war klar. Keine einzige Wolke war zu sehen. Er sog einen tiefen Zug der frischen Luft ein und freute sich, wieder im Wald zu sein. Er mochte die Höhle in dem Berg, wo er geboren und aufgewachsen war, aber mindestens genauso liebte er die Freiheit, die er nur im Wald verspürte. Die Luft roch nach frischem Gras und den Blättern der Bäume. Selbst die umgeknickten Bäume, die dem letzten Sturm zum Opfer gefallen waren und die Bäume, die schon länger auf dem Waldboden lagen, konnte er riechen, gleichwohl die Erde an den Wurzeln und die vermoderten Baumstämme, die bereits mit Moos bewachsen waren. Mittlerweile dämmerte es schon und er wusste, dass er nicht zu Hause sein würde, bevor der Mond über den Bergen aufging.
Er dachte noch immer über sein Versagen auf der Lichtung nach, als er von einem Schimmern in der Ferne aus seinen Gedanken gerissen wurde. So leise, wie es einem Zwerg nur möglich war, schlich er sich näher heran. Schritt für Schritt, den Atem anhaltend, näherte er sich dem Schimmern. Je dichter er kam, desto greller wurde der Schein, der zu pulsieren schien, nur ganz leicht, aber stetig. Mit jedem Schritt, mit dem er dem Schimmern näherkam, wurde er nervöser und seine Nackenhaare stellten sich auf. Die Luft um ihn herum schien zu knistern, wie bei einem starken Sommergewitter. Khaldor wurde unruhig. Trotzdem ging er weiter. Er wusste nicht, ob es richtig war oder vernünftig, aber er konnte nicht anders. Er musste herausfinden, woher der das Schimmern kam.
Mit langsamen und zögernden Schritten ging er weiter. Einmal meinte er, einen Umriss in dem Schein zu erkennen, tat es aber als eine Spiegelung im Auge ab.
Einige hochgewachsene Büsche standen ihm im Weg, sodass er überlegen musste, ob er um sie herum oder mitten hindurchgehen sollte. Khaldor entschied sich für den direkten Weg und ging durch. Kleine Zweige griffen nach seinem Gesicht, andere verfingen sich in seinem Bart. Doch er ging unaufhaltsam weiter. Die Dornen des Busches kratzten an seinen nackten Armen und Beinen, aber er ignorierte es. Zwergenhaut war hart und robust und so ein kleiner Dorn konnte ihr nichts anhaben. Das Buschwerk wurde immer lichter und Khaldor trat hinaus aus dem Wald. Da sah er es. Seine Augen weiteten sich und ein leises Ächzen kam über seine Lippen.

In den Hallen von Duraznâr wusste niemand, was gerade am Waldrand geschah. Tornir lief ungeduldig durch das Zwergenreich. Sein Sohn hätte schon vor Stunden in der Schmiede sein sollen.
„Wo is dieser verflixte Bengel nur?“, rief er wutentbrannt und stapfte mit festen Schritten in Richtung der Ställe. Xeglom wusste bestimmt, wo sich Khaldor aufhielt.
Die Ställe lagen in der Nähe des steinernen Tores, weshalb jeder Zwerg, an dem er vorbeikam, seinen Ärger zu spüren bekam. Einem Zwerg fiel vor Schreck sein Korb voller Pilze auf den Boden und sie purzelten munter über den Weg.
„Pass doch auf, du Nichtsnutz!“, fluchte Tornir und gab dem Zwerg einen Stoß, sodass dieser rückwärts auf sein Hinterteil fiel.
„Hey, was soll …“, fragte er und verstummte, noch bevor er den Satz vollenden konnte.
Der Blick seines Gegenübers sagte ihm, dass es klüger wäre zu schweigen. Tornir war der beste Schmied in der Gemeinschaft, aber so gut wie er war, so jähzornig war er auch. Als es einmal dazu kam, dass ein neues Oberhaupt gewählt werden musste, hatten alle ihn gewählt, weil sie sich vor seinem Zorn fürchteten. Aber abgesehen davon war er auch die einzige logische Wahl gewesen. Kein anderer Zwerg wäre in der Lage gewesen, den Clan so zu führen wie Tornir.
Tornir ging weiter, geradewegs auf die Ställe zu. Schon von Weitem sah er, wie Xeglom die Zwoggel fütterte.
Zuerst trennte er die Böcke von den Geißen und Kitzen. Die Böcke kannten auch bei ihren Lämmern keine Gnade, wenn es um das Futtern ging, und mit ihren großen gekrümmten Hörnern stießen sie jeden Rivalen vom Trog fort, wobei es auch schon mal zu Verletzungen kommen konnte. Gerade von den Lämmern wurde auch schon mal ein kleines, schwaches im Fressrausch zu Tode getrampelt.
Als erfahrener Zwoggelhirte verstand sich Xeglom darauf, selbst die stursten Tiere zu zähmen und zu Reittieren abzurichten. Dass die Zwerge auf den Tieren reiten konnten, ersparte ihnen viel Zeit und Mühe. So kamen sie schneller ins Tal, um dort Handel zu betreiben oder an den großen Weiher, um frisches Wasser und Fisch zu holen. Auch als Lastentier waren die Zwoggel gut geeignet.
Tornir steuerte geradewegs auf Xeglom zu, der mit dem Rücken zu ihm stand.
„Wo isser?“, stieß er hervor und Xeglom zuckte zusammen. Erschrocken drehte er sich um und blickte Tornir an.
„Wen meinst du?“, fragte er.
„Wen soll ich schon meinen! Khaldor ’türlich. Er sollte mir inner Schmiede helf’n.“
„Ist er denn noch nicht zurück?“, erkundigte sich Xeglom mit zitternder Stimme.
„So lange wollte er doch nicht fortbleiben.“
„Ich zieh ihm die Ohr’n lang, wenn ich ihn erwisch“, donnerte Tornir.
„Sach mir sofort, wo er is!“
Xeglom kratzte sich am Kopf.
„Auf der Jagd, aber er wollte nicht lange bleiben. Das hat er mir versprochen.“ Xeglom konnte die Wut in Tornir immer weiter steigen sehen.
„Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte er eifrig, um sein Oberhaupt etwas zu beschwichtigen.
Der alte Zwerg konnte sich nicht mehr beherrschen und Xeglom hätte schwören können, die Augen aufflammen zu sehen.
„Was fällt’n dir ein?“, schrie Tornir, und die Ader an seinem Hals schwoll immer mehr an.
„Wenn ich sach, er soll mir helf’n, muss er nich seinen Lakaien schicken.“
Mit diesen Worten drehte er sich um und ließ den verdutzten Xeglom zurück, ohne dass dieser auch nur ein Wort erwidern konnte.
Xeglom wartete noch, bis Tornir außer Sicht war, ließ alles stehen und liegen und rannte wie ein geölter Blitz los.
Sein Weg führte ihn direkt zur großen Versammlungshalle, wo sich am Abend immer alle trafen und gemeinsam lachten, tanzten und auch das eine oder andere Starkbier tranken.
Abgesehen von der zwergischen Küche war das Starkbier die zweite Spezialität der Zwerge. Doch keines der anderen Völker konnte auch nur einen Humpen trinken, ohne einen klaren Kopf zu behalten. Zu stark war dieses Gebräu.
Xeglom verringerte seine Geschwindigkeit. Je näher er der Halle kam, umso langsamer wurde er. Gleichzeitig hielt er Ausschau nach Ilfi. Sein Blick schweifte umher, hielt hier und da mal inne, bevor er weiter ging. Da, am hinteren Ende der Halle, sah er sie.
Ilfi an einem Tisch, ihre Hände an einem Krug, der vor ihr stand. Sie blickte verträumt in das große Feuer, das um jede Säule brannte.
Er steuerte zielstrebig auf sie zu und fing an, mit den Armen zu wedeln. Mehrmals rief er ihren Namen. Entweder konnte sie ihn nicht hören, oder sie war so tief in Gedanken versunken, dass sie das Treiben um sie herum überhaupt nicht bemerkte. Erst als er neben ihr stand und ihr auf die Schulter tippte, schrak Ilfi hoch und sah ihn mit einem verträumten Blick an.
„Hallo, Xeglom. Wie geht es dir?“, fragte sie mit freundlicher Stimme.
„Warum bist du so in Eile?“
„Khaldor“, platzte es aus ihm heraus. „Hast du ihn gesehen?“
Ilfis Lächeln wurde breiter. Ihre Augen strahlten schon beim Klang des Namens. Es war für jeden mehr als ersichtlich, dass sie für Khaldor schwärmte. Um ihre Augen bildeten sich kleine Fältchen und ihre Wangen wurden so rot, dass sie einen deutlichen Kontrast zu ihrem hellen Gesicht, das von weißen Haaren eingerahmt war, bildeten. Sie blickte zu Boden und sah ein wenig verlegen aus.
„Ist er auf dem Weg hierher?“, fragte sie leise und hob für einen kurzen Moment den Kopf, nur, um ihn im nächsten Augenblick wieder zu senken.
„Er ist nicht da“, erwiderte Xeglom.
Ilfi kicherte in sich hinein. „Dann kommt er sicher gleich. Wir wollten uns zusammen den Sonnenuntergang ansehen.“
Xeglom schüttelte den Kopf. „Begreifst du es denn nicht? ER IST NICHT DA, er ist weg! Er wollte auf die Jagd. Heute früh. Aber er wollte noch vor dem Mittagessen wieder zurück sein. Hast du ihn vielleicht gesehen?“
Jetzt hatte sie es scheinbar begriffen. Pfeilschnell sprang sie auf und lief aus der Halle heraus und die vielen Stufen hinauf zum steinernen Tor. Im vollen Lauf drehte sie nur kurz ihren Kopf und rief Xeglom zu:
„Na, komm schon, willst du da etwa Wurzeln schlagen? Wir müssen Khaldor finden.“
Nur mit einem dünnen Kleid am Leib lief sie durch das große Tor und hinaus in die immer kälter werdende Dunkelheit. Xeglom war ihr dicht auf den Fersen.

Khaldor traute seinen Augen nicht. Mitten im Lichtschein stand ein Elou, aber es war kein gewöhnliches. Es war schneeweiß und gut einen Meter größer als alle Elous, die er bisher gesehen hatte. Die Augen des Tieres leuchteten in einem hellen Blau und das mächtige Geweih auf seinem Kopf, das vierzehn Enden hatte, sah aus, als würde es aus flüssigem Gold bestehen. Das Elou schien ihn mit seinem Blick zu fixieren.
Khaldor schaute sich unsicher um. Sah das Elou wirklich ihn an? Er machte einen kleinen Schritt nach vorn, um zu testen, wie das Tier reagieren würde.
Zu seinem Erstaunen drehte es sich ihm zu und kam ebenfalls einen Schritt näher. Khaldor blieb stehen. Das Elou ging weiter. Der Zwerg wich einen Schritt zurück. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Ein Elou, das nicht sofort davonrannte, war ihm noch nie begegnet. Dies war ungewöhnlich.
Er machte einen weiteren Schritt zurück.
„Du brauchst keine Angst zu haben.“
Khaldor riss die Augen auf. Hatte das Elou gerade wirklich gesprochen? Er blickte sich um, sah aber sonst niemanden.
„W …w …w …“, stammelte er und bevor er auch nur ein richtiges Wort herausbekam, hörte er die Stimme wieder reden.
„Mein Name ist Bheldram. Ich bin gekommen, weil das Land deine Hilfe benötigt.“
Khaldor bekam kein Wort heraus. Er starrte das Elou nur mit offenem Mund an. Nach einer gefühlten Ewigkeit der Stille brach er das Schweigen und setzte zu einer Frage an, wobei er versuchte, seine Stimme fester klingen zu lassen.
„Ein Elou, das sprechen kann, gibt es nicht. Xeglom, bist du das? Spielst du mir wieder einen Streich?“
Dass er einem Streich zum Opfer fiel, fand er nicht allzu abwegig, da er und Xeglom sich gegenseitig regelmäßig Streiche spielten. Und genau dies konnte hier der Fall sein.
„Xeglom! Zeig dich! Ich weiß, dass du hier irgendwo steckst.“
Aber es rührte sich nichts. Khaldor sah sich um, versuchte, im Dämmerlicht hinter jeden Busch und jeden Baum zu blicken. Doch da war niemand. Außer Bheldram, der ihn mit neugierigen Augen ansah.
„Das ist kein Streich, Khaldor. Ich bin es wirklich. Auch wenn ich nicht in meiner wahren Gestalt vor dir stehe. Aber ich bin Bheldram.“
Jetzt konnte Khaldor nichts mehr sagen. Es vergingen nur wenige Augenblicke, wo er zwischen seinen Füßen und Bheldram hin- und herschaute.
„Kann das wirklich sein?“, fragte er sich und gab sich selbst darauf die Antwort.
„Es muss stimmen. Es steht schon in den alten Schriften, dass Bheldram manchmal die Gestalt eines Tieres annimmt, um unter den Sterblichen zu wandeln.“
Er war sich nicht sicher, ob er dem Elou vertrauen sollte oder nicht. Aber er wollte ihm glauben. Als er seine Stimme wiederfand, nahm er allen Mut zusammen und sprach Bheldram an. „Du bist … Bheldram … der Vater … ALLER Zwerge … der alle Zwerge aus dem Stein gehauen … und ihnen Leben eingehaucht hat? Der Schöpfer der Berge und des Himmels? Unser Krak’dar?“
Bheldram sagte nichts. Er sah Khaldor nur mit ernstem Blick an und nickte leicht. Khaldor straffte sich, hob das Kinn und stand mit stolzgeschwellter Brust da, wie ein Krieger, der von seinem König eine Auszeichnung bekam.
„Khaldor, Sohn des Tornir, Jäger des Felsenhammer-Clans, steht dir zur Verfügung. Was immer ich für dich tun kann, werde ich tun“, sprach er fast feierlich.
Bheldram kam dichter heran und ließ sich auf seine Vorderbeine sinken, um sich ins weiche Gras zu legen.
„Setz dich, Khaldor, lass uns ein Palaver halten. Wir haben einiges zu besprechen.“
Der Zwerg setzte sich zu Bheldram und machte es sich im hohen Gras gemütlich. Eine Weile schwiegen beide, bis Bheldram das Wort ergriff.
„Du musst gehen.“
Khaldor sah ihn verdutzt an und fragte sich, was das bedeuten sollte. Sie hatten sich doch eben erst gesetzt.
„Nicht sofort“, fuhr Bheldram fort. „Aber es bleibt dir nicht mehr viel Zeit. Du solltest schon morgen bei Sonnenaufgang unterwegs sein.“
Bheldram machte eine kurze Pause, in der er ein Büschel Gras mit den Vorderzähnen ausriss und genüsslich darauf herumkaute, bevor er fortfuhr:
„Ein weiter Weg liegt vor dir. Du musst nach Norden gehen. Nur so weit, bis du in das Dorf Iptasi kommst. Von dort gehst du weiter nach Osten. Welche Gefahren vor dir liegen, vermag ich nicht zu sagen, aber du musst auf der Hut sein.“
„Aber woher weiß ich, wann ich am Ziel bin? Was soll ich dort tun?“, platzte es aus Khaldor heraus. „Was wird aus meiner Familie? Ich kann doch meine Geschwister nicht alleinlassen.“
Eine Träne lief langsam seine Wange hinab und blieb in seinem Bart hängen. Jetzt sah Bheldram ihn ernst an.
„Hör zu, Khaldor“, sagte Bheldram. „Du scheinst den Ernst der Lage nicht zu verstehen. Das Schicksal des gesamten Landes liegt in deiner Hand. Du bist der beste Jäger jenseits der Meere, und einen guten Jäger braucht das Land jetzt. Wenn du versagst, wird nichts mehr so sein, wie du es kennst. Der Marschall Trez’gath möchte die bekannte Welt ins Chaos stürzen. Mit seinen Horden fällt er schon über die westlichen Lande her und hinterlässt nichts als verbrannte Höfe und totes Vieh. Die Menschen, denen er auf seinem Weg begegnet, verschwinden spurlos. Einige munkeln, dass er ein Heer aus Drak’nar befehligt, die ihre Opfer lebendig verspeisen.“
Khaldor dachte nach. „Aber was soll ich im Osten, wenn der Feind von Westen kommt?“, fragte er schließlich.
„Du bist ein guter Jäger“, entgegnete Bheldram. „Aber allein kannst du nicht gegen Trez’gath bestehen. Du wirst Hilfe brauchen. Deshalb musst du dich nach Osten begeben, um Menora aufzusuchen. Sie kann dir helfen. Allerdings wird es nicht einfach, sie für dein Vorhaben zu gewinnen. Aber ihr zwei zusammen, ihr könntet es schaffen“, endete Bheldram.
Khaldor erhob sich und schüttelte seine Beine aus. Vom Sitzen im Gras waren sie eingeschlafen. Er lief hin und her, während er sich Bheldrams Worte immer und immer wieder durch den Kopf gehen ließ. Er hatte eine Entscheidung getroffen! Vorsichtig, immer auf Bheldrams Reaktionen achtend, ließ er sich vor ihm wieder ins Gras sinken und nickte.
„Gut. Ich werde gehen. Für meine Sippe. Beim Barte meines Vaters schwöre ich, dass ich Menora finden und sie überzeugen werde, mir zu helfen“, schloss er und wartete Bheldrams Reaktion ab.
Dieser schien tatsächlich zu lächeln und nickte. „So soll es sein!“, sagte er und schnaubte.
Beide sahen sich an und Khaldor lächelte. Lange unterhielten sie sich noch über die Schöpfung der Zwerge und der gesamten Welt. Die Sterne standen hoch und der helle Mond rückte dem Zenit immer näher, als Khaldor einschlief.

So fanden ihn Xeglom und Ilfi. Schlafend im platt gedrückten Gras, auf einer Lichtung mitten im Ellorim-Wald. Ilfi blieb vor Schreck abrupt stehen und bekam Angst.

5 Sterne
Eldorias letze Hoffnung - Khaldors Bestimmung  - 04.01.2026
Mery Cordovez von Hausen

Eines der Bücher, die man nur schwer wieder aus der Hand legen kann, wenn man erst einmal in die Welt von Khaldor und seinen tapferen Freunden eingedrungen ist! Super gelungen, bitte mehr davon!!

5 Sterne
Eine fesselnde Reise in die Welt von Eldoria - 02.01.2026
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„Eldorias letzte Hoffnung - Khaldors Bestimmung“ ist ein spannendes High-Fantasy-Epos, das mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen hat. Der Autor Ronny Schmitz hat eine Welt erschaffen, die sowohl tiefgründig als auch packend ist. Khaldor, der Hauptcharakter, ist komplex und gut entwickelt. Seine Reise ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional herausfordernd, was ihn zu einer echten Identifikationsfigur macht.Besonders beeindruckt hat mich die Detailtreue der Welt und der Kulturen in Eldoria. Die Zwergenkultur, die Schilderungen der Landschaft und die magischen Elemente tragen dazu bei, dass man als Leser tief in die Geschichte eintaucht. Es gibt viele unerwartete Wendungen, die das Buch zu einem echten Page-Turner machen.Die Mischung aus Action, tiefgründigen Dialogen und gut recherchierter Weltbuilding ist hervorragend gelungen. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung und kann das Buch jedem empfehlen, der sich für epische Fantasy-Geschichten interessiert.

5 Sterne
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Habe es im Urlaub gelesen und es hat mich gut unterhalten. Kann man nur weiterempfehlen

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Auch wenn High Fantasy normalerweise nicht mein bevorzugtes Genre ist, hat mich *„Eldorias letzte Hoffnung – Khaldors Bestimmung“* positiv überrascht. Die Geschichte rund um den Zwerg Khaldor, der vom Zwergengott Bheldran den Auftrag erhält, die geheimnisvolle Menora zu finden und Eldoria vor dem dunklen Marschall Trez’gath zu retten, ist spannend erzählt und gut durchdacht. Die Welt wirkt lebendig, die Charaktere sind überzeugend und besonders Khaldor als Hauptfigur hebt sich angenehm von typischen Fantasy-Helden ab. Der Schreibstil ist flüssig, und das Buch liest sich schnell – ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Für Fans epischer Geschichten mit Göttern, dunklen Mächten und mutigen Zwergen auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Auch für Leser*innen, die sonst weniger im Fantasy-Bereich unterwegs sind, einen Versuch wert!

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4 Sterne
Ein Fantasy-Abenteuer mit Herz und Humor - 28.08.2025
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Als Fantasy-Fan hat mich dieses Buch wirklich begeistert. Die Geschichte rund um Eldoria, das vom finsteren Trez’gath bedroht wird, ist spannend und atmosphärisch erzählt. Besonders beeindruckt haben mich die detailreichen Beschreibungen der Orte und Landschaften – sie haben die Welt lebendig gemacht und mich tief in die Geschichte hineingezogen.Meine Lieblingsfigur war der Zwerg Xeglom, dessen trockener Humor und mutige Art für viele unterhaltsame Momente sorgten. Auch Thragol, der kleine Diener der Magierin, hat mich oft zum Schmunzeln gebracht – vor allem in Kombination mit Xeglom war er ein echtes Highlight.Ein kleiner Kritikpunkt: Die letzte Kampfszene, in der der Antagonist besiegt wird, kam für meinen Geschmack etwas zu schnell und hätte mehr Raum verdient. Trotzdem bleibt das Finale spannend und rundet die Geschichte gut ab.Insgesamt ist „Eldorias letzte Hoffnung – Khaldors Bestimmung“ ein gelungener Fantasyroman, der klassische Elemente mit eigenen Ideen verbindet. Ich würde das Buch allen empfehlen, die epische Geschichten mit Zwergen, Magie und Abenteuer lieben.

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