Dragdmarius Pentogalutes
Die Geschichte eines kleinen Volkes
EUR 27,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 566
ISBN: 978-3-99146-965-0
Erscheinungsdatum: 10.09.2024
Ilo Carnese, Reisender durchs Universum, Hüter des Friedens und Vernichter des Krieges, schreibt als Überlebender die Geschichte seines kleinen Volkes draußen im Weltall nieder. Im Zentrum: der Putschversuch gegen Präsident Palkanto.
Es ist sehr, sehr lange her. Und es ist schwer und traurig, sich daran zu erinnern. Aber wer bin ich? Ich bin einer von zwanzig Überlebenden des Volkes, den einzigen Überlebenden. Ich bin Ilo Carnese, Reisender der Zeit, Hüter und Überbringer des Friedens, Vernichter des Krieges. Es war ein langer, manchmal trauriger Weg zu diesem Titel! …
Ich bin heute einhundertzweiundachtzigtausendsechshundertsiebenundachtzig (182.687) Jahre alt, beachtlich, nicht wahr? Vor allem, wenn man bedenkt, daß wir eigentlich eine Lebenserwartung von ca. zweihundertzwanzig (220) Jahren hatten. Aber es ist wohl besser, wenn ich ganz von vorne anfange; keine Angst, nicht in der Vorzeit, sondern in der Moderne, würde man bei euch sagen.
Vorwort
Alles, was ich herausfinden konnte, zu dem, was ich einst vor langer Zeit in der Schule gelernt hatte, will ich hier niederschreiben. Ich hoffe, daß euer Volk bzw. eure Völker daraus etwas lernen können und nicht die gleichen Fehler machen wie wir einst. Leider ist es nicht so vollständig, wie ich es gern hätte, denn vieles ging in der Vergangenheit durch Kriege und andere Katastrophen verloren. Anfangs ist es nur eine grobe Zusammenfassung unserer Urvergangenheit, leider nur bruchstückhaft und nur aus Artefakten und Mythen überliefert, ich versuche aber trotzdem, ein Gesamtbild zu überliefern. Ich hoffe, daß es mir irgendwie gelingt. Ich habe für den Schreiber dieses Textes noch eine Botschaft, die sich aber auch alle Völker eures Planeten zu Herzen nehmen sollen. Ich lebe jetzt seit 15 000 Jahren bei euch und mußte feststellen, daß es viele Parallelen zu unserer Vergangenheit gibt. Darum schreibe ich mit Hilfe des Schreibers unsere Geschichte auf. Lernt aus unserer Vergangenheit, es ist egal, ob etwas fehlt oder nicht. Je weiter wir in die Zukunft meines Volkes kommen, desto genauer wird der Ablauf beschrieben. Doch nun zu der Botschaft:
Die Zukunft ist Gegenwart und
Vergangenheit zugleich. Wenn
wir aus der Vergangenheit
lernen, sie in der Gegenwart
nutzen. Dann und nur dann kann
es sie geben: die Zukunft!
Liebe, Verständnis, Vertrauen,
Akzeptanz und Respekt. Das
sind die Dinge, die wichtig sind,
nicht nur gegenüber Menschen,
sondern auch gegenüber Natur
und Tieren.
Wichtig ist Toleranz. Toleranz
jedem gegenüber: Bruder,
Schwester, Eltern, Großeltern
sind nur ein kleiner Teil dessen.
Toleranz allen Völkern (Erde)
gegenüber. Europäer, Asiaten,
Afrikaner, Amerikaner,
Ureinwohner etc. Egal aus
welchem Land auf eurer Erde sie
kommen, sie sind im Grunde
genommen alle gleich!
Seid niemals gleichgültig.
Gleichgültigkeit ist der Anfang
vom Ende. Wenn ihr in einer
Demokratie lebt, beobachtet eure
Politiker. Wenn sie zu
selbstsicher sind und machen,
was sie wollen, müßt ihr dagegen
rebellieren! Stürzt sie! Indem ihr
sie abwählt oder die
Mehrheitsverhältnisse ändert.
Toleranz allen Religionen
gegenüber: Alle Religionen
haben eins gemeinsam, sie reden
von Liebe und Verständnis. Die
wenigen, die Hass und Krieg
predigen, muß man bekämpfen.
Denn sie sind der Dorn, der die
Entzündung ins Fleisch der
Zukunft bringt. Wenn man eine
andere Religion als seine eigene
respektiert, ist schon die Hälfte
des Weges gegangen.
Auch in Ländern ohne
Demokratie, wo Regenten,
Diktatoren herrschen, muß man
dagegen rebellieren. Sei es im
Untergrund oder offen, Frieden
und Freiheit sind das höchste
Gut!!!
Lebe nach diesen Dingen, und
höre denen zu, die nicht deine
Sprache sprechen.
Aber nicht mit den Ohren,
sondern mit dem Herzen.
Dann wirst du mit dem Herzen sehen:
Die Zukunft hat schon begonnen!!
In Freundschaft zu euren Völkern
Ilo Carnese
Der Schreiber hatte viele Fragen zu eurer Vergangenheit, aber die werde ich nicht beantworten. Ihr müßt sie selbst herausfinden und entdecken, damit ihr daraus lernen könnt. Doch nun will ich mit der Geschichte meines Volkes beginnen. Ich hoffe, es ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich.
Kapitel I
Unser Volk bestand zu Beginn der alten Zeitrechnung aus über 640 Volksgruppen, die alle friedlich zusammenlebten. Dann passierte ein großer globaler Kollaps durch einen Planetoiden-Einschlag. Die Auswirkungen dieses Einschlages brachten unsere Art an den Rand der totalen Vernichtung. Unser Planet versank für ca. 120 Bloug (Jahre) in Dunkelheit und Kälte. Nur ab und an schaffte es unser Zentralstern, diese Dunkelheit zu durchdringen, und nur durch unsere Anpassungsfähigkeit und unseren Erfindungsreichtum gelang es Neta (9) Volksgruppen zu überleben. Allerdings waren die Ressourcen unserer Welt nicht mehr so üppig verteilt wie früher, es herrschte Dauerknappheit. Durch diesen Umstand gab es Streit zwischen den Volksgruppen, und es kam zu kriegerischen Handlungen. Anfangs nur mit Keulen und Speeren, später kamen neue Waffen zum Einsatz: Pfeil und Bogen, Steinschleudern, Katapulte und mehr. Irgendwann senkte sich der ganze Staub aus der Atmosphäre ab, und so zogen einige Volksgruppen nach Norden, um sich neues Land anzueignen und zu besiedeln. Obwohl es jetzt mehr Land gab und auch mehr Ressourcen, gab es immer wieder Kriege zwischen den nördlichen und südlichen Volksgruppen. Gründe dafür konnte ich aus den alten Aufzeichnungen nicht entnehmen, da diese sehr lückenhaft waren. Ich vermute mal, es ging um Grenzen, Nahrung, Wasser oder einfach um „Ich mag dich nicht“. Irgendwann wurde eine Zeitrechnung etabliert. Man hatte herausgefunden, wie lang Kriut (Tage) und Zacrus (Monate) sein mussten, um einen geregelten Kalender aufzeichnen zu können. Vor dem Einschlag gab es einen in Stein gehauenen Kalender, der aussagte, daß das Bloug 316 Kriut hatte, aber jetzt hatte das Bloug 510 Kriut, die „Jahreszeiten“ waren völlig verschoben und paßten gar nicht mehr. Die kalte „Jahreszeit“ dauerte vorher zwei Zacrus mit einer Durchschnittstemperatur von minus 2° bis minus 15° Trimol, jetzt dauerte sie fast Vuch (5) Zacrus mit Temperaturen von minus 20° bis minus 80° Trimol. Auch die warme „Jahreszeit“ hatte es in sich; mit Temperaturen von plus 40° bis plus 60° trimol wurde es ganz schön warm. So ging es viele „Jahrhunderte“ mit Krieg und Frieden, mal mehr und mal weniger. Man hatte die Zeit in Zeitalter unterteilt, um besser Buch führen zu können. Im Zeitalter Tritalum gab es einen riesigen Knall in der Siedlung Petrum, sie wurde fast vollständig zerstört. Über 20 000 Tote, man dachte, es habe einen neuen Einschlag gegeben. Aber dies war nicht der Fall. In der Siedlung Petrum gab es einen Mann, der mit Chemikalien experimentierte. Eine solche Mischung war in die Luft geflogen, als er nicht zu Hause war. Als er Pensie (6) Kriut nach der Explosion nach Hause kam, war dieses nicht mehr da. Eine Untersuchung brachte hervor, daß er eine explosive Mischung erfunden hatte, die keinerlei Erschütterungen vertrug. Man vermutete, daß ein Lastkarren am Labor vorbeigefahren war und so die Lösung zur Explosion brachte. Dieses blieb den südlichen Volksgruppen nicht verborgen, und so schleusten sie Untergrundleute nach Norden, um hinter das Geheimnis zu kommen. Sie fanden heraus, daß es sich um ein schwarzes Pulver handelte, das aus mehreren Chemikalien gemischt war. Sie kopierten das Rezept und schickten es nach Süden. Erst nach mehreren Zacrus fanden sie heraus, von wo der Chemiker seine Zutaten hatte. Es gab da eine Insel im Ozean, von wo er sie hatte. Man glaubte, daß diese wohl aber global vorkommen würden, dies war aber nicht der Fall. Schon bald experimentierten die südlichen Volksgruppen auch mit dem schwarzen Pulver.
Man schrieb das Zeitalter des Carbiens, wir hatten gerade das Schwarzpulver und die „Feuerwaffen“ erfunden. Es war eine tolle Erfindung, das Pulver, meine ich, wir versetzten Berge, bauten Tunnel, manchmal ging auch etwas daneben. Zum Beispiel: Im Bloug 15 sollte ein Bergplateau geschaffen werden, dazu brachte man etliche Sprengladungen an. Mit den Bohrungen war man über sechs Wochen beschäftigt, dann folgte die Sprengung. Es gab einen Knall, daß man glaubte, es hätte einen Einschlag gegeben. Nichts war mehr da, wirklich nichts. Der Berg, die Sprengmannschaft, die Baufirmen, alles weg!! Fünf Dörfer verschüttet, 54 768 Tote. Es dauerte vier Bloug, bis alles aufgeräumt war. Die Ursache: Hätte man Probebohrungen eingebracht, hätten sie Gas vorgefunden. Man lernt immer etwas Neues dazu.
Im Bloug 21 brannte eine Stadt zu Zweidrittel ab. Die Ursache: Feuerwerk, falsche Pulvermischung, Explosion, 526 780 Tote. Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Erwähnenswert wäre auch noch, daß ein Binnenmeer in ein Bergwerk gelaufen ist, weil man die Sprengladung falsch berechnet hatte. Zum Vergleich: Die Ostsee wäre trockengelegt. Das war im Bloug 44. Und vielleicht hilft es zu wissen, daß ein Zeitalter 75 Bloug dauerte.
Im Bloug 56 fingen die Probleme mit dem Pulver an. Es gab eine Insel, recht groß, wo die meisten der Chemikalien vorkamen. Zwei der Substanzen gab es nur hier! Irgendjemand behauptete plötzlich: „Die Insel gehört uns!!“ Na ja, sie gehörte eigentlich keinem, aber es gab Streit zwischen vier Nationen. Es wurde zehn Bloug verhandelt, ab und zu gab es kleinere Scharmützel. Aber es half alles nichts, es gab Krieg. Der stellte alles in den Schatten, was bisher „Krieg“ geheißen hatte. Zum ersten Mal kamen „Feuerwaffen“ zum Einsatz, Pistolen, Gewehre, Kanonen. Was früher Mann gegen Mann war, gab es nicht mehr. Man sah meist nicht, gegen wen man antrat oder auf wen man schoß. Die Kanonen wurden immer schlimmer. Anfangs nur Kugeln, um Befestigungsanlagen zu durchbrechen, kamen bald Sprengkugeln zum Einsatz. Als Beispiel 1. Halbbloug 1SpKg = 10–15 Tote, 2. Halbbloug 1SpKg = 75–90 Tote, 3. Halbbloug 1SpKg = über 500 Tote.
Der Krieg dauerte zwei Zeitalter, Corusiom und Danuverin, also 150 Bloug, er führte uns an den Rand der Vernichtung. Von einst 970 Millionen Wesen lebten nur noch 156 Spint (Millionen), dann gab es endlich Waffenstillstand und schließlich Frieden. Nie wieder Krieg wurde überall proklamiert, denn die Zerstörung auf unserer Welt war unvorstellbar. Wir brauchten zwei weitere Zeitalter, um unsere Welt wieder aufzubauen. Sie hießen Derasun und Greidverun. Also insgesamt 300 Bloug vergeudete Zeit für nichts und wieder nichts. Nie wieder Krieg, schön wäre es gewesen. So durchlebten wir vier Jahrtausende, ein paar Glaubenskriege, Kriege um Landesgrenzen etc. Wir erfanden wie ihr Atomwaffen, Wasserstoffbomben und einiges mehr, um Krieg zu führen. Im Zeitalter Grederias testete man auf der Insel Blaschtekio (die mit den Chemikalien) eine neue Waffe. Es war eine wasserstoffgeführte Neutronenbombe. Die Vorbereitungen dauerten 56 Kriut, dann die Zündung, es gab einen Bums, wie man ihn noch nie erlebt hatte. Die Bombe hatte man aus Sicherheitsgründen in 500 Trahou (Meter) Tiefe platziert (Perseu sei Dank), erst hob es die Insel fast 100 Trahou aus dem Wasser, dann versank sie unter ohrenbetäubendem Knirschen und Grollen im Meer. Zum Glück hatte man alle Personen evakuiert. Aber viel schlimmer waren die Nachwirkungen. Es entstanden mehrere Tsunamis mit über 90 Trahou Höhe; als diese schließlich die Kontinentküsten erreichten, war die Katastrophe da, 17 Städte zerstört, 9 große Häfen vernichtet, über 1,9 Millionen Tote und die Rohstoffquelle für neue Bomben versiegt. Das bedeutete erst mal zwei Zeitalter, Briederium und Ritzerium, Frieden, der sogar noch länger hielt. Die Zeitalter Briegzum, Denuzerind und Zeniederid. Also 450 Bloug Frieden.
(Dann kam es wieder zu einem Globalen Krieg. Er kostete uns die Hälfte der Bevölkerung, 2,5 Milliarden Wesen. Vor 2350 Blougs hatten wir die Zeitalter abgeschafft, es waren ihnen die Namen ausgegangen). Es wäre aber falsch zu glauben, daß nur für den Krieg geforscht und entwickelt worden wäre. Einige forschten für die Allgemeinheit: Fahrzeuge zu Land, zu Wasser, Flugzeuge für Fracht und Passagiere, Raketen zum Transport von Satelliten und um unsere Greh (3) Monde zu besuchen und zu erforschen. Vergangenheit, Biologie, Evolution, Astronomie – Forschung gab es auch. Aber es gab auch Spinner, die wollten zu den Sternen fliegen, andere Welten besuchen. „Was für ein Blödsinn!“, dachten viele.
Nach dem Globalen Krieg hatte sich unsere Welt geteilt, in die Nördliche Alliance und in das Südliche Staatenbündnis. Trotz eines Friedensvertrages herrschte großes Mißtrauen gegen den Nachbarn. Zu dieser Zeit passierte etwas, das unser Denken vollständig auf den Kopf stellte und veränderte! Sein Name war: Graderios Warppzide. Er war einer von den Spinnern!
Kapitel II
Drei Bloug nach dem großen Krieg kaufte er von dem Südlichen Staatenbündnis einen halbzerstörten Raketenbunker mit vier noch intakten Atomraketen. Wir schrieben das Bloug 2353. Er wandelte die Sprengköpfe so um, daß man Energie aus ihnen gewinnen konnte. Sie reichte aus, um den gesamten Komplex über Blougs hinaus mit Strom zu versorgen. Greh (3) der Atomraketen demontierte er vollständig, die Zathi (4.) baute er mit Hilfe der Raketenwissenschaftlerin Djeriebu Danzupiu zu einer Forschungsrakete um. 2358 heirateten sie und forschten gemeinsam an einem neuen Antrieb für die Rakete. Bei einem Feldversuch mit einem Prototyp 2362 kam es zu einer Katastrophe. Bei der Explosion wurden 54 Mitarbeiter und seine Frau getötet. Dieses Unglück traf ihn derart hart, daß er das Projekt einstellte, erst Zathi Bloug später machte er zu Ehren seiner Frau weiter. Den zweiten Prototypen hatte er 2372 fertiggestellt; da Geld und Material knapp geworden waren, wollte er den Versuch mit dem Start der Rakete verbinden, und zwar mit sich als Pilot. Seine Vision war, einen Antrieb zu schaffen, der ermöglichte, mit Lichtgeschwindigkeit (Lgk) und schneller zu fliegen. Man war zwar in der Lage, mit einem Ionenkonverter ⅓ der Lgk zu erreichen, aber das war nicht ausreichend, um unser Planetensystem zu verlassen, geschweige denn andere Systeme zu erreichen. Der erste Prototyp war explodiert, den Fehler fand man erst 2369 heraus. Da mit Antimaterie gearbeitet wurde, hatte seine Frau ein Eindämmungsfeld (Kraftfeld) entwickelt, das die ungeheure Energie in gewünschte Bahnen lenken sollte. Das Eindämmungsfeld war zu schwach, viel zu schwach. Das erste Feld hatte eine Stärke von 1,5 Spint Scruscure (bei euch Megavolt genannt); das neu entwickelte Feld war jetzt frei einstellbar von 5, 95 Bansscure (bei euch Terravolt genannt). Wie sich später herausstellte, waren die 9,5 Bansscure gerade ausreichend, um die Energie zu bändigen. Dieser Start wurde für den Kriut 21 des Zacrus Perzal festgesetzt. Ich glaube, es ist besser, wenn ich euch mal unseren Kalender erkläre (zum besseren Verständnis).
...
Ich bin heute einhundertzweiundachtzigtausendsechshundertsiebenundachtzig (182.687) Jahre alt, beachtlich, nicht wahr? Vor allem, wenn man bedenkt, daß wir eigentlich eine Lebenserwartung von ca. zweihundertzwanzig (220) Jahren hatten. Aber es ist wohl besser, wenn ich ganz von vorne anfange; keine Angst, nicht in der Vorzeit, sondern in der Moderne, würde man bei euch sagen.
Vorwort
Alles, was ich herausfinden konnte, zu dem, was ich einst vor langer Zeit in der Schule gelernt hatte, will ich hier niederschreiben. Ich hoffe, daß euer Volk bzw. eure Völker daraus etwas lernen können und nicht die gleichen Fehler machen wie wir einst. Leider ist es nicht so vollständig, wie ich es gern hätte, denn vieles ging in der Vergangenheit durch Kriege und andere Katastrophen verloren. Anfangs ist es nur eine grobe Zusammenfassung unserer Urvergangenheit, leider nur bruchstückhaft und nur aus Artefakten und Mythen überliefert, ich versuche aber trotzdem, ein Gesamtbild zu überliefern. Ich hoffe, daß es mir irgendwie gelingt. Ich habe für den Schreiber dieses Textes noch eine Botschaft, die sich aber auch alle Völker eures Planeten zu Herzen nehmen sollen. Ich lebe jetzt seit 15 000 Jahren bei euch und mußte feststellen, daß es viele Parallelen zu unserer Vergangenheit gibt. Darum schreibe ich mit Hilfe des Schreibers unsere Geschichte auf. Lernt aus unserer Vergangenheit, es ist egal, ob etwas fehlt oder nicht. Je weiter wir in die Zukunft meines Volkes kommen, desto genauer wird der Ablauf beschrieben. Doch nun zu der Botschaft:
Die Zukunft ist Gegenwart und
Vergangenheit zugleich. Wenn
wir aus der Vergangenheit
lernen, sie in der Gegenwart
nutzen. Dann und nur dann kann
es sie geben: die Zukunft!
Liebe, Verständnis, Vertrauen,
Akzeptanz und Respekt. Das
sind die Dinge, die wichtig sind,
nicht nur gegenüber Menschen,
sondern auch gegenüber Natur
und Tieren.
Wichtig ist Toleranz. Toleranz
jedem gegenüber: Bruder,
Schwester, Eltern, Großeltern
sind nur ein kleiner Teil dessen.
Toleranz allen Völkern (Erde)
gegenüber. Europäer, Asiaten,
Afrikaner, Amerikaner,
Ureinwohner etc. Egal aus
welchem Land auf eurer Erde sie
kommen, sie sind im Grunde
genommen alle gleich!
Seid niemals gleichgültig.
Gleichgültigkeit ist der Anfang
vom Ende. Wenn ihr in einer
Demokratie lebt, beobachtet eure
Politiker. Wenn sie zu
selbstsicher sind und machen,
was sie wollen, müßt ihr dagegen
rebellieren! Stürzt sie! Indem ihr
sie abwählt oder die
Mehrheitsverhältnisse ändert.
Toleranz allen Religionen
gegenüber: Alle Religionen
haben eins gemeinsam, sie reden
von Liebe und Verständnis. Die
wenigen, die Hass und Krieg
predigen, muß man bekämpfen.
Denn sie sind der Dorn, der die
Entzündung ins Fleisch der
Zukunft bringt. Wenn man eine
andere Religion als seine eigene
respektiert, ist schon die Hälfte
des Weges gegangen.
Auch in Ländern ohne
Demokratie, wo Regenten,
Diktatoren herrschen, muß man
dagegen rebellieren. Sei es im
Untergrund oder offen, Frieden
und Freiheit sind das höchste
Gut!!!
Lebe nach diesen Dingen, und
höre denen zu, die nicht deine
Sprache sprechen.
Aber nicht mit den Ohren,
sondern mit dem Herzen.
Dann wirst du mit dem Herzen sehen:
Die Zukunft hat schon begonnen!!
In Freundschaft zu euren Völkern
Ilo Carnese
Der Schreiber hatte viele Fragen zu eurer Vergangenheit, aber die werde ich nicht beantworten. Ihr müßt sie selbst herausfinden und entdecken, damit ihr daraus lernen könnt. Doch nun will ich mit der Geschichte meines Volkes beginnen. Ich hoffe, es ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich.
Kapitel I
Unser Volk bestand zu Beginn der alten Zeitrechnung aus über 640 Volksgruppen, die alle friedlich zusammenlebten. Dann passierte ein großer globaler Kollaps durch einen Planetoiden-Einschlag. Die Auswirkungen dieses Einschlages brachten unsere Art an den Rand der totalen Vernichtung. Unser Planet versank für ca. 120 Bloug (Jahre) in Dunkelheit und Kälte. Nur ab und an schaffte es unser Zentralstern, diese Dunkelheit zu durchdringen, und nur durch unsere Anpassungsfähigkeit und unseren Erfindungsreichtum gelang es Neta (9) Volksgruppen zu überleben. Allerdings waren die Ressourcen unserer Welt nicht mehr so üppig verteilt wie früher, es herrschte Dauerknappheit. Durch diesen Umstand gab es Streit zwischen den Volksgruppen, und es kam zu kriegerischen Handlungen. Anfangs nur mit Keulen und Speeren, später kamen neue Waffen zum Einsatz: Pfeil und Bogen, Steinschleudern, Katapulte und mehr. Irgendwann senkte sich der ganze Staub aus der Atmosphäre ab, und so zogen einige Volksgruppen nach Norden, um sich neues Land anzueignen und zu besiedeln. Obwohl es jetzt mehr Land gab und auch mehr Ressourcen, gab es immer wieder Kriege zwischen den nördlichen und südlichen Volksgruppen. Gründe dafür konnte ich aus den alten Aufzeichnungen nicht entnehmen, da diese sehr lückenhaft waren. Ich vermute mal, es ging um Grenzen, Nahrung, Wasser oder einfach um „Ich mag dich nicht“. Irgendwann wurde eine Zeitrechnung etabliert. Man hatte herausgefunden, wie lang Kriut (Tage) und Zacrus (Monate) sein mussten, um einen geregelten Kalender aufzeichnen zu können. Vor dem Einschlag gab es einen in Stein gehauenen Kalender, der aussagte, daß das Bloug 316 Kriut hatte, aber jetzt hatte das Bloug 510 Kriut, die „Jahreszeiten“ waren völlig verschoben und paßten gar nicht mehr. Die kalte „Jahreszeit“ dauerte vorher zwei Zacrus mit einer Durchschnittstemperatur von minus 2° bis minus 15° Trimol, jetzt dauerte sie fast Vuch (5) Zacrus mit Temperaturen von minus 20° bis minus 80° Trimol. Auch die warme „Jahreszeit“ hatte es in sich; mit Temperaturen von plus 40° bis plus 60° trimol wurde es ganz schön warm. So ging es viele „Jahrhunderte“ mit Krieg und Frieden, mal mehr und mal weniger. Man hatte die Zeit in Zeitalter unterteilt, um besser Buch führen zu können. Im Zeitalter Tritalum gab es einen riesigen Knall in der Siedlung Petrum, sie wurde fast vollständig zerstört. Über 20 000 Tote, man dachte, es habe einen neuen Einschlag gegeben. Aber dies war nicht der Fall. In der Siedlung Petrum gab es einen Mann, der mit Chemikalien experimentierte. Eine solche Mischung war in die Luft geflogen, als er nicht zu Hause war. Als er Pensie (6) Kriut nach der Explosion nach Hause kam, war dieses nicht mehr da. Eine Untersuchung brachte hervor, daß er eine explosive Mischung erfunden hatte, die keinerlei Erschütterungen vertrug. Man vermutete, daß ein Lastkarren am Labor vorbeigefahren war und so die Lösung zur Explosion brachte. Dieses blieb den südlichen Volksgruppen nicht verborgen, und so schleusten sie Untergrundleute nach Norden, um hinter das Geheimnis zu kommen. Sie fanden heraus, daß es sich um ein schwarzes Pulver handelte, das aus mehreren Chemikalien gemischt war. Sie kopierten das Rezept und schickten es nach Süden. Erst nach mehreren Zacrus fanden sie heraus, von wo der Chemiker seine Zutaten hatte. Es gab da eine Insel im Ozean, von wo er sie hatte. Man glaubte, daß diese wohl aber global vorkommen würden, dies war aber nicht der Fall. Schon bald experimentierten die südlichen Volksgruppen auch mit dem schwarzen Pulver.
Man schrieb das Zeitalter des Carbiens, wir hatten gerade das Schwarzpulver und die „Feuerwaffen“ erfunden. Es war eine tolle Erfindung, das Pulver, meine ich, wir versetzten Berge, bauten Tunnel, manchmal ging auch etwas daneben. Zum Beispiel: Im Bloug 15 sollte ein Bergplateau geschaffen werden, dazu brachte man etliche Sprengladungen an. Mit den Bohrungen war man über sechs Wochen beschäftigt, dann folgte die Sprengung. Es gab einen Knall, daß man glaubte, es hätte einen Einschlag gegeben. Nichts war mehr da, wirklich nichts. Der Berg, die Sprengmannschaft, die Baufirmen, alles weg!! Fünf Dörfer verschüttet, 54 768 Tote. Es dauerte vier Bloug, bis alles aufgeräumt war. Die Ursache: Hätte man Probebohrungen eingebracht, hätten sie Gas vorgefunden. Man lernt immer etwas Neues dazu.
Im Bloug 21 brannte eine Stadt zu Zweidrittel ab. Die Ursache: Feuerwerk, falsche Pulvermischung, Explosion, 526 780 Tote. Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Erwähnenswert wäre auch noch, daß ein Binnenmeer in ein Bergwerk gelaufen ist, weil man die Sprengladung falsch berechnet hatte. Zum Vergleich: Die Ostsee wäre trockengelegt. Das war im Bloug 44. Und vielleicht hilft es zu wissen, daß ein Zeitalter 75 Bloug dauerte.
Im Bloug 56 fingen die Probleme mit dem Pulver an. Es gab eine Insel, recht groß, wo die meisten der Chemikalien vorkamen. Zwei der Substanzen gab es nur hier! Irgendjemand behauptete plötzlich: „Die Insel gehört uns!!“ Na ja, sie gehörte eigentlich keinem, aber es gab Streit zwischen vier Nationen. Es wurde zehn Bloug verhandelt, ab und zu gab es kleinere Scharmützel. Aber es half alles nichts, es gab Krieg. Der stellte alles in den Schatten, was bisher „Krieg“ geheißen hatte. Zum ersten Mal kamen „Feuerwaffen“ zum Einsatz, Pistolen, Gewehre, Kanonen. Was früher Mann gegen Mann war, gab es nicht mehr. Man sah meist nicht, gegen wen man antrat oder auf wen man schoß. Die Kanonen wurden immer schlimmer. Anfangs nur Kugeln, um Befestigungsanlagen zu durchbrechen, kamen bald Sprengkugeln zum Einsatz. Als Beispiel 1. Halbbloug 1SpKg = 10–15 Tote, 2. Halbbloug 1SpKg = 75–90 Tote, 3. Halbbloug 1SpKg = über 500 Tote.
Der Krieg dauerte zwei Zeitalter, Corusiom und Danuverin, also 150 Bloug, er führte uns an den Rand der Vernichtung. Von einst 970 Millionen Wesen lebten nur noch 156 Spint (Millionen), dann gab es endlich Waffenstillstand und schließlich Frieden. Nie wieder Krieg wurde überall proklamiert, denn die Zerstörung auf unserer Welt war unvorstellbar. Wir brauchten zwei weitere Zeitalter, um unsere Welt wieder aufzubauen. Sie hießen Derasun und Greidverun. Also insgesamt 300 Bloug vergeudete Zeit für nichts und wieder nichts. Nie wieder Krieg, schön wäre es gewesen. So durchlebten wir vier Jahrtausende, ein paar Glaubenskriege, Kriege um Landesgrenzen etc. Wir erfanden wie ihr Atomwaffen, Wasserstoffbomben und einiges mehr, um Krieg zu führen. Im Zeitalter Grederias testete man auf der Insel Blaschtekio (die mit den Chemikalien) eine neue Waffe. Es war eine wasserstoffgeführte Neutronenbombe. Die Vorbereitungen dauerten 56 Kriut, dann die Zündung, es gab einen Bums, wie man ihn noch nie erlebt hatte. Die Bombe hatte man aus Sicherheitsgründen in 500 Trahou (Meter) Tiefe platziert (Perseu sei Dank), erst hob es die Insel fast 100 Trahou aus dem Wasser, dann versank sie unter ohrenbetäubendem Knirschen und Grollen im Meer. Zum Glück hatte man alle Personen evakuiert. Aber viel schlimmer waren die Nachwirkungen. Es entstanden mehrere Tsunamis mit über 90 Trahou Höhe; als diese schließlich die Kontinentküsten erreichten, war die Katastrophe da, 17 Städte zerstört, 9 große Häfen vernichtet, über 1,9 Millionen Tote und die Rohstoffquelle für neue Bomben versiegt. Das bedeutete erst mal zwei Zeitalter, Briederium und Ritzerium, Frieden, der sogar noch länger hielt. Die Zeitalter Briegzum, Denuzerind und Zeniederid. Also 450 Bloug Frieden.
(Dann kam es wieder zu einem Globalen Krieg. Er kostete uns die Hälfte der Bevölkerung, 2,5 Milliarden Wesen. Vor 2350 Blougs hatten wir die Zeitalter abgeschafft, es waren ihnen die Namen ausgegangen). Es wäre aber falsch zu glauben, daß nur für den Krieg geforscht und entwickelt worden wäre. Einige forschten für die Allgemeinheit: Fahrzeuge zu Land, zu Wasser, Flugzeuge für Fracht und Passagiere, Raketen zum Transport von Satelliten und um unsere Greh (3) Monde zu besuchen und zu erforschen. Vergangenheit, Biologie, Evolution, Astronomie – Forschung gab es auch. Aber es gab auch Spinner, die wollten zu den Sternen fliegen, andere Welten besuchen. „Was für ein Blödsinn!“, dachten viele.
Nach dem Globalen Krieg hatte sich unsere Welt geteilt, in die Nördliche Alliance und in das Südliche Staatenbündnis. Trotz eines Friedensvertrages herrschte großes Mißtrauen gegen den Nachbarn. Zu dieser Zeit passierte etwas, das unser Denken vollständig auf den Kopf stellte und veränderte! Sein Name war: Graderios Warppzide. Er war einer von den Spinnern!
Kapitel II
Drei Bloug nach dem großen Krieg kaufte er von dem Südlichen Staatenbündnis einen halbzerstörten Raketenbunker mit vier noch intakten Atomraketen. Wir schrieben das Bloug 2353. Er wandelte die Sprengköpfe so um, daß man Energie aus ihnen gewinnen konnte. Sie reichte aus, um den gesamten Komplex über Blougs hinaus mit Strom zu versorgen. Greh (3) der Atomraketen demontierte er vollständig, die Zathi (4.) baute er mit Hilfe der Raketenwissenschaftlerin Djeriebu Danzupiu zu einer Forschungsrakete um. 2358 heirateten sie und forschten gemeinsam an einem neuen Antrieb für die Rakete. Bei einem Feldversuch mit einem Prototyp 2362 kam es zu einer Katastrophe. Bei der Explosion wurden 54 Mitarbeiter und seine Frau getötet. Dieses Unglück traf ihn derart hart, daß er das Projekt einstellte, erst Zathi Bloug später machte er zu Ehren seiner Frau weiter. Den zweiten Prototypen hatte er 2372 fertiggestellt; da Geld und Material knapp geworden waren, wollte er den Versuch mit dem Start der Rakete verbinden, und zwar mit sich als Pilot. Seine Vision war, einen Antrieb zu schaffen, der ermöglichte, mit Lichtgeschwindigkeit (Lgk) und schneller zu fliegen. Man war zwar in der Lage, mit einem Ionenkonverter ⅓ der Lgk zu erreichen, aber das war nicht ausreichend, um unser Planetensystem zu verlassen, geschweige denn andere Systeme zu erreichen. Der erste Prototyp war explodiert, den Fehler fand man erst 2369 heraus. Da mit Antimaterie gearbeitet wurde, hatte seine Frau ein Eindämmungsfeld (Kraftfeld) entwickelt, das die ungeheure Energie in gewünschte Bahnen lenken sollte. Das Eindämmungsfeld war zu schwach, viel zu schwach. Das erste Feld hatte eine Stärke von 1,5 Spint Scruscure (bei euch Megavolt genannt); das neu entwickelte Feld war jetzt frei einstellbar von 5, 95 Bansscure (bei euch Terravolt genannt). Wie sich später herausstellte, waren die 9,5 Bansscure gerade ausreichend, um die Energie zu bändigen. Dieser Start wurde für den Kriut 21 des Zacrus Perzal festgesetzt. Ich glaube, es ist besser, wenn ich euch mal unseren Kalender erkläre (zum besseren Verständnis).
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