Die Zone meine Kumpels und ich
Es kommt niemand um dich zu retten
EUR 24,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 374
ISBN: 978-3-99185-253-7
Erscheinungsdatum: 14.09.2026
Zwischen Ruinen, Mutanten und tödlichen Geheimnissen kämpfen Gregorius und seine Freunde ums Überleben in der „Zone“. Doch hinter jeder Anomalie lauert mehr als nur der Tod – Freundschaft, Wahnsinn und dunkle Wahrheiten verändern alles.
Anfangsgedöns
Dies ist mein Tagebuch, zumindest sollte es eins sein, hab dann doch alles ausführlicher gehandhabt.
Ich warne davor, es kann furchtbar blumig sein.
Dachte mir, ich änder’s, war dann aber zu faul, das Original umzuschreiben.
Nachtrag: Hab’s dann doch getan, etwas zumindest.
Der Sumpf war alles andere als erheiternd, habe aus Selbsthypnosegründen nur das Erheiternde niedergeschrieben.
Die Nummer beim Reaktor … seht’s mir nach, das ging so schnell bei dem Ritual. Bei uns war das mit dem Kühlsystem anders und wie so was genau funktioniert, habe ich nicht nachrecherchiert. Das, was ich weiß, passt sowieso nicht zu den Aussagen in eurem Wikipedia.
Es war manchmal so irre, was uns da widerfuhr, dass es besser ist, dies alles als Abenteuergeschichte zu lesen, nicht allzu viel zu hinterfragen und gewisse Dinge einfach hinzunehmen.
Prolog oder so
Der Prof.
Tagebuch. 311 / 19.08.2020 / Tag 1
Alle Vorbereitungen zum Aufbruch sind getroffen.
Tagebuch. 312 / 20.08.2020 / Tag 2
Treffen an der Grenze mit meinem alten Bekannten, er hat mich schon auf die Insel Nowaja Semlja geschmuggelt – Wanja – hat selbst noch nach 50 Jahren dort Spuren hinterlassen. Meine Vermutung bestätigt, es existiert, wir konnten 2,0 g ausfindig machen.
Nach zehn Jahren neue Hoffnung.
Tagebuch. 313 / 21.08.2020 / Tag 3
Alles verläuft nach Plan, warten auf Zeitfenster zur Ablösung der Militärpatrouillen.
Mein Begleiter ist skeptisch, was das gesamte Vorhaben angeht, über die Zone und mein Vitamin B.
Wenn nur 50 Prozent von dem stimmt, was ich aus erlesenen Quellen bezogen habe, reicht mir das schon. Was das Vitamin angeht, soll er sich keinen Kopf machen. Wenn es leicht wäre, dann könnte es jeder.
Tagebuch. 324 / 01.09.2020 / Tag 14
Durchbruch durch die militärischen Linien gelungen, diese neuen Anti-Wärmeanzüge sind Gold wert.
Tagebuch. 346 / 22.09.2020 / Tag 35
Kam erst jetzt wieder zum Schreiben.
Dachte, dass es schwer wird, aber so, damit hatte ich nicht gerechnet.
Kaum waren wir am Sumpfland angekommen, als meine alte Bekanntschaft sich als kaltblütiger Geschäftsmann herausstellte. Er wies seine Leute an, Lenox und mich zu berauben, stellte uns vor die Wahl, meinte, er wäre kein Unmensch nach all unserer vergangenen Zusammenarbeit.
Ich bot ihm Geld, Bürgschaften, Land, Zusicherungen, nichts zu machen. Ein Warum blieb er mir ebenso schuldig.
Sie ließen uns wenigstens ein Minimum an Nahrung, ein Messer, Kleider, Schuhe, aber vor allem meinen Tornister.
Wir waren im Niemandsland zwischen Militär und der Zone, vor uns der Sumpf, ein todbringender Ort.
Mit allen zehn Mann machbar, aber zu zweit, nicht ausgerüstet, nur mit Glück zu schaffen.
Als ich den Tornister von meinem Rucksack abnahm, konnte ich die SOS-Barke durch den Rucksackmantel aktivieren. Die werden ihr blaues Wunder erleben, wenn sie wieder zurück im Einzugsbereich des Militärs sind.
16 Tage Sumpf
Wir wissen wenigstens, wo wir sind, in welche Richtung wir müssen, die Sonne im Genick durch den Sumpf, leichter gesagt als getan.
Das, was ich davon gehört habe, wird durch die Realität übertroffen: Pflanzen, Tiere, die Farben des Wassers, Gasblasen und Monster, eine Vielzahl von Monstern, deren Beschreibung, Katalogisierung zum Teil den Verstand kosten würde.
Nach vier Tagen, ich weiß nicht, wie schnell wir vorankommen, treffen wir im Dunst auf ein altes Gebäude.
Zu komplex, als dass es nur eine Lagerhalle wäre, ausgeschlachtet bis auf den Beton und das Dach.
Die Heimat oder Brutstätte von etwas, Etwas, das Menschen jagt, sie dorthin bringt, zerreißt und frisst. Dieser Geruch, dieser Anblick, ein Schlachthaus, keine Fliegen!
Kadaver in verschiedensten Verwesungsgraden unterschiedlicher Parteien sowie Geschlechts.
Dem einen sein Tod, dem anderen sein Brot.
Wir sind schnell, gründlich, ausgehungert, präzise. Waffen, Munition, Ausrüstung, Kleidung, vor allem Essen in Dosen sowie sauberes Wasser in Feldflaschen. Es dauert keine halbe Stunde und wir ziehen weiter.
Mein Begleiter hat wieder eine Schusswaffe und beruhigt sich, mir geht es ebenso.
Lenox meint, der Geruch der Toten würde den der Lebenden überdecken. Wir hoffen, dass das stundenlange Wandern durch Bachläufe den Rest unserer Spur verdeckt.
Gott weiß, welches Unding vielleicht Jagd auf uns macht, nachdem wir seinen Hort geplündert haben.
Weitere sechs Tage vergehen, wir kommen nur langsam voran. Umwege sind an der Tagesordnung, wagen die tiefen Gewässer nicht zu durchschwimmen, versinken wollen wir nicht, geschweige denn gefressen werden. Außerdem verrät uns unser gefundenes sowie funktionsfähiges Strahlenmessgerät am leisen Knacken, dass es ungesund sei, zu lange zu baden.
Die Flora und Fauna ist, wie schon erwähnt, zum Teil lebensbedrohlich … tödlich!
Knochen an Gewässerrändern mit Spuren von nagenden Zähnen erweisen das.
Wir schlafen abwechselnd, klamm und kalt, dennoch schenkt die gefundene Ausrüstung etwas Wärme und Hoffnung.
Tagsüber sammeln wir unterwegs, wenn möglich, trockene Äste im Sumpf. Die Kategorie ist nass und weniger nass durch den Dauernebel, obendrein noch gefährlich.
Insekten, Stabheuschrecke gut 1000-mal so groß, findet es nicht amüsant, als ich ihr Bein abbrechen will. Zum Glück hat Lenox seinen angefertigten Speer im Anschlag, um sie lautlos zu töten.
Denn dem Sumpf fremde Geräusche, Gerüche, Licht im Überfluss locken Fressfeinde an.
Wir lernen schnell, aber nie aus, lauschen, riechen, schärfen unsere Sinne, ebenso die Geschmacksknospen. Stabheuschrecke schmeckt roh und geröstet, wie Stoffwechselendprodukte riechen.
Generell Nahrung zu finden ist schwierig, aber auch erheiternd. Vor allem das Fischen verspricht immer etwas Neues, weil man nie weiß, was anbeißt, wie groß und ja auch, ob es nach einem greifen kann.
Sensationell, gefressen worden zu sein, anscheinend schmecke ich mutiertem Riesenwels, wie er uns, der damals jämmerlich erstickte … an mir.
Nach 13 Tagen ändert sich die Vegetation, es wird trockener, der Sumpfrand. Wir treffen auf die ersten Anzeichen von humanem Leben, Abfall und eine verlassene Wohnhölle. Jahrelang nicht benutzt, ausreichend für uns, ein Feldbett, ihr Götter seid gepriesen, ein Feldbett.
Das Feldbett! … MAHhhnnn!
Tag 16 oder so etwa.
Wir stoßen auf eine Abteilung von Grenzgängern.
Als wir uns bei den Stalkern vorstellig machen, ist klar, dass Misstrauen unser Begleiter ist.
Wir klären schnell die Fronten, wo wir herkommen, wer wir sind, glauben sie uns nicht, bemerken aber, wie wir aussehen und uns verhalten.
Als sie sich beraten, erfahre ich durch Lauschen, dass sie uns mit kaltblütigen Tieren vergleichen, Raubtiere, auf alles gefasst, schreckhaft, aber nicht ängstlich.
Das Monster vom Sumpf hat in sie geblickt, sagt der Anführer, der nicht wissen kann, dass ich ihn zum Teil verstehe.
Sie lassen uns unsere Waffen und Ausrüstung, anscheinend ist unser Auftreten überzeugend genug.
Wir riechen und sehen aus wie Tiere, werden zum Sumpf, der uns, ich glaube, nach weiteren zehn Tagen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich verschlungen hätte.
Im Lager angekommen, sprechen wir mit ihrem Anführer. Er begrüßt uns, weist dann an, dass man sich um uns kümmert.
Wir spülen den Sumpf von uns ab, äußerlich wie innerlich, die in Deutschland erhaltenen Impfungen haben uns wahrscheinlich das Leben gerettet.
Da wir uns als Gäste vorstellig machen, stehen wir unter dem Schutz des Gastrechts, welches sich im beiderseitigen Einvernehmen äußern werde, sagt man uns. Wir bekommen ein Zelt zugewiesen, Essen.
Wir hatten zum Glück die Geistesgegenwart, aus dem Hort mehr an Material mitzunehmen als nötig. Sie verlangen zwar nichts, dennoch geben wir ihnen, was wir an Ausrüstung entbehren können.
Zu meiner Verwunderung sind die kaputten Funken sowie ein Taktikboard, eine Art Tablet vom Militär, sehr viel wert bei ihnen. Man zahlt uns noch etwas darauf und gibt uns eine Munitionsration.
Nun sitzen wir hier 35 Tage später, am 22.09.2020, Lenox mittlerweile ein Freund und Vertrauter, lecken unsere Wunden und warten auf etwas.
Schließlich sind wir schon fünf Tage zu Gast, fügen uns in die Gemeinschaft ein, während wir unsere Wunden und Infektionen auskurieren. Zum Teil die seelischen bleiben abzuwarten, manches werde ich nie vergessen können. Geräusche, Schmatzen, Gurgeln, die Angst vor dem Tod, nicht der Tod, sondern das Wie, zerrissen, verschlungen, zerquetscht, zersetzt, sucht es euch aus.
Ich hoffe, Molnikof brät in der Hölle.
Dachte wohl, wir krepieren, dennoch werde ich meine Suche fortsetzen.
Eines Tages, ich habe es aufgegeben, ein zeitgeführtes Tagebuch zu schreiben, kommt unser Gastgeber Nostromo auf uns zu sprechen.
Als wir vor ihn treten, fragt er uns, ob wir ihm einen Gefallen erweisen. Aufgrund unserer Dankbarkeit sagen wir, ohne zu zögern, ja, ohne zu wissen, was uns erwartet. Dann kommt seine Forderung, er brauche Informationen über das Militär, wir seien neu hier, also nicht bekannt. Wir sollen den Vorposten ausspionieren, fotografieren und uns durch einen Brief, den er uns mitgibt, eine Möglichkeit einräumen, vielleicht etwas vom Innenleben des Postens zu erfahren.
Im Nachhinein glaube ich, dass er diese Informationen nicht wirklich gebraucht hat.
Sondern dass er uns diese Erfahrung nicht vorenthalten will, wie abgebrüht und skrupellos das Militär sein kann. Wobei es da auch wieder auf das einzelne Individuum ankommt.
Ich überlebte mit Lenox’ Hilfe natürlich ca. 16 Tage Sumpf, aber einen Tag beim Militär nicht.
Unsere Aufgabe scheitert.
Ich erinnere mich an den Zugführer Vogelsang vom Zug Hotel, unser erster Kontakt, und wie wir zum Vorposten eskortiert werden, ab da gibt es Schmerz und ein gnadenloses Verhör, meine Beine und Arme sind blau vom Schlagstock des Soldaten.
Sie haben ihren Spaß mit uns, diese Sadisten nehmen uns den letzten Rest und kratzen meine Würde an.
Der Brief von Nostromo, den man uns abnimmt, verhindert wahrscheinlich, dass wir sofort getötet werden.
Sie entlassen uns aus ihrer Peinigung und schicken uns in die Zone zurück, mitten in ihr Sperrgebiet, wo es nur eine Frage der Zeit ist, bis man uns finden würde.
Ich höre nur noch Schüsse, sehe, wie der Boden sich mir nähert. Mehrere Treffer schütteln meinen Leib, reißen mir die Beine weg. Als hätte man mich aller Kräfte beraubt, nur noch fähig zu atmen, liege ich da. Lenox’ Schreie ersterben in einem Gurgeln, als ihm einer der Soldaten die Kehle durchschneidet.
Alles, was ich noch sehe, ist das kalte Metall einer Pistole, bevor mich Schwärze umfängt.
Ich erinnere mich an nichts, Lenox berichtet mir, dass ich wie von Geisterhand aufgestanden und zum HQ gelaufen wäre. Ich kann es immer noch nicht glauben, Kopfschuss. Er selbst ist auch nicht besser dran, sie schnitten ihm doch bei lebendigem Leib die Kehle durch. Wie war es möglich, dass wir uns überhaupt noch bewegen konnten? Jeder wäre diesen Wunden erlegen.
Lenox meint, Nostromos Stalker hätten uns wieder zusammengeflickt. Ein paar Tage später fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Etwas innerhalb der Zone lässt dich nicht sterben. Ich sehe in diesem einen Jahr andere Stalker mit ebenso üblen Wunden, die wie in Trance zum HQ zurückgekehrt sind, um sich heilen zu lassen.
Dieses Etwas, was auch immer dieses grausame und gleichzeitig wunderschöne Geschenk der weiteren Chance ist, hat seinen Preis.
Lenox meint, er könne sich an gewisse Dinge in seinem Leben nicht mehr erinnern, als wäre sein Geist zerrüttet. Er hält ein Foto in seinen Händen und fragt, wer diese Frau darauf sei.
Ich helfe ihm, sich zu erinnern, er fragt mich, ob ich etwas vergessen habe. Aber woher soll ich das wissen, wenn ich nicht mal weiß, was ich vergessen habe zu wissen, trotz meiner Verletzung … seltsam.
Nachdem wir uns nach Wochen wieder erholt haben, fragt Nostromo nach unseren Ergebnissen und ob die Erfahrungen, die wir gemacht haben, uns bereichern.
„Ja, der Tod war eine interessante Erfahrung, überhaupt nicht traumatisch oder so was.“
„Da bin ich ja beruhigt, dennoch habt ihr beide einen starken Willen, etwas, das euch innerlich antreibt, nicht aufzugeben und weiterzumachen, verliert das niemals, sonst kann ich nichts mehr für euch tun.“
Nostromo wendet sich anderen Dingen zu.
Später erfuhren wir, dass etliche Monster, Zombies, was weiß ich, zum Großteil Menschen waren, die kein Ziel, keinen Willen zum Weitermachen mehr hatten. Sie blieben, wo sie gefallen waren, und wurden von derselben Macht, die sie am Leben erhält, zu einem Schrecken verwandelt, der dich, Lebender, heimsucht, wenn du nicht auf der Hut bist.
Man lässt uns in Ruhe mit derartig unmöglichen Aufgaben und beauftragt uns mit täglicher Routine innerhalb der Stalker-Gemeinschaft, wodurch Akzeptanz ebenso wie Vertrauen wachsen.
Bei all dem Helfen bin ich auf zwei Seelen gestoßen, die mir irgendwie zusagen, Olga Popova und ihr verwirrter Begleiter Kriss, um den sie sich kümmert.
Olga war, ist, zumindest behauptet sie anfangs dies, eine abtrünnige Wissenschaftlerin, die sich darauf spezialisiert hat, aus allen möglichen Substanzen der Zone effektive Medikamente herzustellen.
...
Dies ist mein Tagebuch, zumindest sollte es eins sein, hab dann doch alles ausführlicher gehandhabt.
Ich warne davor, es kann furchtbar blumig sein.
Dachte mir, ich änder’s, war dann aber zu faul, das Original umzuschreiben.
Nachtrag: Hab’s dann doch getan, etwas zumindest.
Der Sumpf war alles andere als erheiternd, habe aus Selbsthypnosegründen nur das Erheiternde niedergeschrieben.
Die Nummer beim Reaktor … seht’s mir nach, das ging so schnell bei dem Ritual. Bei uns war das mit dem Kühlsystem anders und wie so was genau funktioniert, habe ich nicht nachrecherchiert. Das, was ich weiß, passt sowieso nicht zu den Aussagen in eurem Wikipedia.
Es war manchmal so irre, was uns da widerfuhr, dass es besser ist, dies alles als Abenteuergeschichte zu lesen, nicht allzu viel zu hinterfragen und gewisse Dinge einfach hinzunehmen.
Prolog oder so
Der Prof.
Tagebuch. 311 / 19.08.2020 / Tag 1
Alle Vorbereitungen zum Aufbruch sind getroffen.
Tagebuch. 312 / 20.08.2020 / Tag 2
Treffen an der Grenze mit meinem alten Bekannten, er hat mich schon auf die Insel Nowaja Semlja geschmuggelt – Wanja – hat selbst noch nach 50 Jahren dort Spuren hinterlassen. Meine Vermutung bestätigt, es existiert, wir konnten 2,0 g ausfindig machen.
Nach zehn Jahren neue Hoffnung.
Tagebuch. 313 / 21.08.2020 / Tag 3
Alles verläuft nach Plan, warten auf Zeitfenster zur Ablösung der Militärpatrouillen.
Mein Begleiter ist skeptisch, was das gesamte Vorhaben angeht, über die Zone und mein Vitamin B.
Wenn nur 50 Prozent von dem stimmt, was ich aus erlesenen Quellen bezogen habe, reicht mir das schon. Was das Vitamin angeht, soll er sich keinen Kopf machen. Wenn es leicht wäre, dann könnte es jeder.
Tagebuch. 324 / 01.09.2020 / Tag 14
Durchbruch durch die militärischen Linien gelungen, diese neuen Anti-Wärmeanzüge sind Gold wert.
Tagebuch. 346 / 22.09.2020 / Tag 35
Kam erst jetzt wieder zum Schreiben.
Dachte, dass es schwer wird, aber so, damit hatte ich nicht gerechnet.
Kaum waren wir am Sumpfland angekommen, als meine alte Bekanntschaft sich als kaltblütiger Geschäftsmann herausstellte. Er wies seine Leute an, Lenox und mich zu berauben, stellte uns vor die Wahl, meinte, er wäre kein Unmensch nach all unserer vergangenen Zusammenarbeit.
Ich bot ihm Geld, Bürgschaften, Land, Zusicherungen, nichts zu machen. Ein Warum blieb er mir ebenso schuldig.
Sie ließen uns wenigstens ein Minimum an Nahrung, ein Messer, Kleider, Schuhe, aber vor allem meinen Tornister.
Wir waren im Niemandsland zwischen Militär und der Zone, vor uns der Sumpf, ein todbringender Ort.
Mit allen zehn Mann machbar, aber zu zweit, nicht ausgerüstet, nur mit Glück zu schaffen.
Als ich den Tornister von meinem Rucksack abnahm, konnte ich die SOS-Barke durch den Rucksackmantel aktivieren. Die werden ihr blaues Wunder erleben, wenn sie wieder zurück im Einzugsbereich des Militärs sind.
16 Tage Sumpf
Wir wissen wenigstens, wo wir sind, in welche Richtung wir müssen, die Sonne im Genick durch den Sumpf, leichter gesagt als getan.
Das, was ich davon gehört habe, wird durch die Realität übertroffen: Pflanzen, Tiere, die Farben des Wassers, Gasblasen und Monster, eine Vielzahl von Monstern, deren Beschreibung, Katalogisierung zum Teil den Verstand kosten würde.
Nach vier Tagen, ich weiß nicht, wie schnell wir vorankommen, treffen wir im Dunst auf ein altes Gebäude.
Zu komplex, als dass es nur eine Lagerhalle wäre, ausgeschlachtet bis auf den Beton und das Dach.
Die Heimat oder Brutstätte von etwas, Etwas, das Menschen jagt, sie dorthin bringt, zerreißt und frisst. Dieser Geruch, dieser Anblick, ein Schlachthaus, keine Fliegen!
Kadaver in verschiedensten Verwesungsgraden unterschiedlicher Parteien sowie Geschlechts.
Dem einen sein Tod, dem anderen sein Brot.
Wir sind schnell, gründlich, ausgehungert, präzise. Waffen, Munition, Ausrüstung, Kleidung, vor allem Essen in Dosen sowie sauberes Wasser in Feldflaschen. Es dauert keine halbe Stunde und wir ziehen weiter.
Mein Begleiter hat wieder eine Schusswaffe und beruhigt sich, mir geht es ebenso.
Lenox meint, der Geruch der Toten würde den der Lebenden überdecken. Wir hoffen, dass das stundenlange Wandern durch Bachläufe den Rest unserer Spur verdeckt.
Gott weiß, welches Unding vielleicht Jagd auf uns macht, nachdem wir seinen Hort geplündert haben.
Weitere sechs Tage vergehen, wir kommen nur langsam voran. Umwege sind an der Tagesordnung, wagen die tiefen Gewässer nicht zu durchschwimmen, versinken wollen wir nicht, geschweige denn gefressen werden. Außerdem verrät uns unser gefundenes sowie funktionsfähiges Strahlenmessgerät am leisen Knacken, dass es ungesund sei, zu lange zu baden.
Die Flora und Fauna ist, wie schon erwähnt, zum Teil lebensbedrohlich … tödlich!
Knochen an Gewässerrändern mit Spuren von nagenden Zähnen erweisen das.
Wir schlafen abwechselnd, klamm und kalt, dennoch schenkt die gefundene Ausrüstung etwas Wärme und Hoffnung.
Tagsüber sammeln wir unterwegs, wenn möglich, trockene Äste im Sumpf. Die Kategorie ist nass und weniger nass durch den Dauernebel, obendrein noch gefährlich.
Insekten, Stabheuschrecke gut 1000-mal so groß, findet es nicht amüsant, als ich ihr Bein abbrechen will. Zum Glück hat Lenox seinen angefertigten Speer im Anschlag, um sie lautlos zu töten.
Denn dem Sumpf fremde Geräusche, Gerüche, Licht im Überfluss locken Fressfeinde an.
Wir lernen schnell, aber nie aus, lauschen, riechen, schärfen unsere Sinne, ebenso die Geschmacksknospen. Stabheuschrecke schmeckt roh und geröstet, wie Stoffwechselendprodukte riechen.
Generell Nahrung zu finden ist schwierig, aber auch erheiternd. Vor allem das Fischen verspricht immer etwas Neues, weil man nie weiß, was anbeißt, wie groß und ja auch, ob es nach einem greifen kann.
Sensationell, gefressen worden zu sein, anscheinend schmecke ich mutiertem Riesenwels, wie er uns, der damals jämmerlich erstickte … an mir.
Nach 13 Tagen ändert sich die Vegetation, es wird trockener, der Sumpfrand. Wir treffen auf die ersten Anzeichen von humanem Leben, Abfall und eine verlassene Wohnhölle. Jahrelang nicht benutzt, ausreichend für uns, ein Feldbett, ihr Götter seid gepriesen, ein Feldbett.
Das Feldbett! … MAHhhnnn!
Tag 16 oder so etwa.
Wir stoßen auf eine Abteilung von Grenzgängern.
Als wir uns bei den Stalkern vorstellig machen, ist klar, dass Misstrauen unser Begleiter ist.
Wir klären schnell die Fronten, wo wir herkommen, wer wir sind, glauben sie uns nicht, bemerken aber, wie wir aussehen und uns verhalten.
Als sie sich beraten, erfahre ich durch Lauschen, dass sie uns mit kaltblütigen Tieren vergleichen, Raubtiere, auf alles gefasst, schreckhaft, aber nicht ängstlich.
Das Monster vom Sumpf hat in sie geblickt, sagt der Anführer, der nicht wissen kann, dass ich ihn zum Teil verstehe.
Sie lassen uns unsere Waffen und Ausrüstung, anscheinend ist unser Auftreten überzeugend genug.
Wir riechen und sehen aus wie Tiere, werden zum Sumpf, der uns, ich glaube, nach weiteren zehn Tagen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich verschlungen hätte.
Im Lager angekommen, sprechen wir mit ihrem Anführer. Er begrüßt uns, weist dann an, dass man sich um uns kümmert.
Wir spülen den Sumpf von uns ab, äußerlich wie innerlich, die in Deutschland erhaltenen Impfungen haben uns wahrscheinlich das Leben gerettet.
Da wir uns als Gäste vorstellig machen, stehen wir unter dem Schutz des Gastrechts, welches sich im beiderseitigen Einvernehmen äußern werde, sagt man uns. Wir bekommen ein Zelt zugewiesen, Essen.
Wir hatten zum Glück die Geistesgegenwart, aus dem Hort mehr an Material mitzunehmen als nötig. Sie verlangen zwar nichts, dennoch geben wir ihnen, was wir an Ausrüstung entbehren können.
Zu meiner Verwunderung sind die kaputten Funken sowie ein Taktikboard, eine Art Tablet vom Militär, sehr viel wert bei ihnen. Man zahlt uns noch etwas darauf und gibt uns eine Munitionsration.
Nun sitzen wir hier 35 Tage später, am 22.09.2020, Lenox mittlerweile ein Freund und Vertrauter, lecken unsere Wunden und warten auf etwas.
Schließlich sind wir schon fünf Tage zu Gast, fügen uns in die Gemeinschaft ein, während wir unsere Wunden und Infektionen auskurieren. Zum Teil die seelischen bleiben abzuwarten, manches werde ich nie vergessen können. Geräusche, Schmatzen, Gurgeln, die Angst vor dem Tod, nicht der Tod, sondern das Wie, zerrissen, verschlungen, zerquetscht, zersetzt, sucht es euch aus.
Ich hoffe, Molnikof brät in der Hölle.
Dachte wohl, wir krepieren, dennoch werde ich meine Suche fortsetzen.
Eines Tages, ich habe es aufgegeben, ein zeitgeführtes Tagebuch zu schreiben, kommt unser Gastgeber Nostromo auf uns zu sprechen.
Als wir vor ihn treten, fragt er uns, ob wir ihm einen Gefallen erweisen. Aufgrund unserer Dankbarkeit sagen wir, ohne zu zögern, ja, ohne zu wissen, was uns erwartet. Dann kommt seine Forderung, er brauche Informationen über das Militär, wir seien neu hier, also nicht bekannt. Wir sollen den Vorposten ausspionieren, fotografieren und uns durch einen Brief, den er uns mitgibt, eine Möglichkeit einräumen, vielleicht etwas vom Innenleben des Postens zu erfahren.
Im Nachhinein glaube ich, dass er diese Informationen nicht wirklich gebraucht hat.
Sondern dass er uns diese Erfahrung nicht vorenthalten will, wie abgebrüht und skrupellos das Militär sein kann. Wobei es da auch wieder auf das einzelne Individuum ankommt.
Ich überlebte mit Lenox’ Hilfe natürlich ca. 16 Tage Sumpf, aber einen Tag beim Militär nicht.
Unsere Aufgabe scheitert.
Ich erinnere mich an den Zugführer Vogelsang vom Zug Hotel, unser erster Kontakt, und wie wir zum Vorposten eskortiert werden, ab da gibt es Schmerz und ein gnadenloses Verhör, meine Beine und Arme sind blau vom Schlagstock des Soldaten.
Sie haben ihren Spaß mit uns, diese Sadisten nehmen uns den letzten Rest und kratzen meine Würde an.
Der Brief von Nostromo, den man uns abnimmt, verhindert wahrscheinlich, dass wir sofort getötet werden.
Sie entlassen uns aus ihrer Peinigung und schicken uns in die Zone zurück, mitten in ihr Sperrgebiet, wo es nur eine Frage der Zeit ist, bis man uns finden würde.
Ich höre nur noch Schüsse, sehe, wie der Boden sich mir nähert. Mehrere Treffer schütteln meinen Leib, reißen mir die Beine weg. Als hätte man mich aller Kräfte beraubt, nur noch fähig zu atmen, liege ich da. Lenox’ Schreie ersterben in einem Gurgeln, als ihm einer der Soldaten die Kehle durchschneidet.
Alles, was ich noch sehe, ist das kalte Metall einer Pistole, bevor mich Schwärze umfängt.
Ich erinnere mich an nichts, Lenox berichtet mir, dass ich wie von Geisterhand aufgestanden und zum HQ gelaufen wäre. Ich kann es immer noch nicht glauben, Kopfschuss. Er selbst ist auch nicht besser dran, sie schnitten ihm doch bei lebendigem Leib die Kehle durch. Wie war es möglich, dass wir uns überhaupt noch bewegen konnten? Jeder wäre diesen Wunden erlegen.
Lenox meint, Nostromos Stalker hätten uns wieder zusammengeflickt. Ein paar Tage später fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Etwas innerhalb der Zone lässt dich nicht sterben. Ich sehe in diesem einen Jahr andere Stalker mit ebenso üblen Wunden, die wie in Trance zum HQ zurückgekehrt sind, um sich heilen zu lassen.
Dieses Etwas, was auch immer dieses grausame und gleichzeitig wunderschöne Geschenk der weiteren Chance ist, hat seinen Preis.
Lenox meint, er könne sich an gewisse Dinge in seinem Leben nicht mehr erinnern, als wäre sein Geist zerrüttet. Er hält ein Foto in seinen Händen und fragt, wer diese Frau darauf sei.
Ich helfe ihm, sich zu erinnern, er fragt mich, ob ich etwas vergessen habe. Aber woher soll ich das wissen, wenn ich nicht mal weiß, was ich vergessen habe zu wissen, trotz meiner Verletzung … seltsam.
Nachdem wir uns nach Wochen wieder erholt haben, fragt Nostromo nach unseren Ergebnissen und ob die Erfahrungen, die wir gemacht haben, uns bereichern.
„Ja, der Tod war eine interessante Erfahrung, überhaupt nicht traumatisch oder so was.“
„Da bin ich ja beruhigt, dennoch habt ihr beide einen starken Willen, etwas, das euch innerlich antreibt, nicht aufzugeben und weiterzumachen, verliert das niemals, sonst kann ich nichts mehr für euch tun.“
Nostromo wendet sich anderen Dingen zu.
Später erfuhren wir, dass etliche Monster, Zombies, was weiß ich, zum Großteil Menschen waren, die kein Ziel, keinen Willen zum Weitermachen mehr hatten. Sie blieben, wo sie gefallen waren, und wurden von derselben Macht, die sie am Leben erhält, zu einem Schrecken verwandelt, der dich, Lebender, heimsucht, wenn du nicht auf der Hut bist.
Man lässt uns in Ruhe mit derartig unmöglichen Aufgaben und beauftragt uns mit täglicher Routine innerhalb der Stalker-Gemeinschaft, wodurch Akzeptanz ebenso wie Vertrauen wachsen.
Bei all dem Helfen bin ich auf zwei Seelen gestoßen, die mir irgendwie zusagen, Olga Popova und ihr verwirrter Begleiter Kriss, um den sie sich kümmert.
Olga war, ist, zumindest behauptet sie anfangs dies, eine abtrünnige Wissenschaftlerin, die sich darauf spezialisiert hat, aus allen möglichen Substanzen der Zone effektive Medikamente herzustellen.
...

