Science Fiction & Fantasy

Die Rose des Schicksals

Alexandra Mozelt

Die Rose des Schicksals

Leseprobe:

Das große Wiedersehen

Ich schwebte in der Dunkelheit und vor meinem inneren Auge spielte sich meine Vergangenheit ab wie ein Film. Es waren Bilder meiner Kindheit, aber vor allem von Steve. Steve … Meine große Liebe. „Ich werde ihn nie vergessen!“
Als ich meine Augen öffnete, ließ ich meinen Blick über das Zimmer schweifen. Ich bemerkte, dass ich wieder in demselben Zimmer, in dem ich auch zuvor aufgewacht bin, lag.
„Das nervt, versucht man mal von hier wegzukommen, landet man wieder hier. Vielleicht schaffe ich es ja bei einem neuerlichen Versuch, hier rauszukommen!“, dachte ich. Auch das Gespräch mit meinen Eltern fiel mir wieder ein. „Wenn ich meine Eltern noch einmal sehe, vergesse ich mich ganz!“
Ich versuchte aufzustehen, doch bevor meine Füße den Boden berührten, öffnete sich die Tür und Elijah kam herein.
Er erkannte sofort, was ich vorhatte und ermahnte mich mit wütendem Ton: „Leg dich sofort wieder hin! Was glaubst du, wer du bist? Es ist schon schlimm genug, dass du schon einmal versucht hast, zu fliehen. Du bist zwar stark, aber so stark auch wieder nicht.“
Überrascht vom befehlenden Ton gehorchte ich und legte mich zurück ins Bett. „Von allen Leuten, die hier hereinkommen können, muss es ausgerechnet er sein!“, kam mir in den Sinn. „Warum? Es geht mir doch gut. Ich verstehe nicht, was ihr alle habt!“, sagte ich genervt und setzte mich auf.
„Wirklich, Katherine? Du verstehst es nicht? Anscheinend muss man es dir aufmalen, damit du es verstehst. Aber ich kann es dir gerne noch mal erklären. Je mehr du deinen Körper anstrengst, desto schwächer wird er und die Zeit, die du hast, verkürzt sich“, sagte Justin, der gerade ins Zimmer kam. Ihm folgten Hardi, Max und Zack.
„Zack, es geht ihm gut, bin ich froh!“, dachte ich erleichtert und warf Zack ein Lächeln zu. „Auch wenn Justin recht hat, ist es mir egal. Andere würden Angst um ihr Leben haben, aber ich nicht. Ich lebe schon so lange und irgendwann stirbt jeder!“, schoss es mir durch den Kopf. „Wenn du meinst“, erwiderte ich Justin uninteressiert.
Zack setzte sich rechts von mir auf das Bett. Elijah und meine Brüder standen links neben dem Bett. „Warum umzingeln mich alle so? Als würde ich versuchen, zu verschwinden. Nur weil ich es einmal gemacht habe und ein zweites Mal versucht habe, ist es ja kein Weltuntergang“, dachte ich und verzog etwas die Mundwinkel.
„Ich hoffe, meine Schwester hat nichts angestellt, während wir weg waren?“, fragte Justin Elijah, der mich sofort böse ansah. „Ich kann nur hoffen, dass Elijah nicht sofort alles ausplaudert, sonst kann ich mir wieder etwas von Justin anhören!“, hoffte ich.
„Na ja, nichts würde ich nicht sagen. Die Prinzessin denkt, sie wäre in der guten Verfassung, durch das Schloss zu laufen. Sie wurde in einem Raum im Schloss ohnmächtig und gerade eben wollte sie wieder aufstehen“, verriet mich Elijah.
„War ja klar, jetzt stehe ich da, als würde ich sterben wollen. Ach, Elijah, warum kannst du nicht still sein?“
Justin sah mich wütend an und fragte mich: „Das kann aber nur dir einfallen, oder?“
„Wenn du es eh weißt, warum fragst du mich noch?“, fragte ich mit sarkastischem Unterton.
Justin schüttelte verzweifelt den Kopf und zog die Augenbrauen hoch. Er setzte sich auf das Bett und umarmte mich.
„Was soll das denn jetzt? Halt! Stopp! Du solltest mich doch anschreien und nicht umarmen!“, dachte ich verwirrt, während Justin mich immer fester an sich drückte.
Nachdem er mich losließ, wendete er sich Elijah zu. „Wie steht es um sie? Was können wir tun?“, fragte er ruhig. Ich konnte ein schwaches Zittern in seiner Stimme erkennen, was mich beunruhigte.
Elijah sah mich verzweifelt an und atmete tief ein, bevor er fortfuhr: „Es sieht sehr schlecht aus. Ich wüsste nichts, was man noch machen könnte.“
Zack nahm meine Hand und drückte sie ganz fest. Er war wohl, wie alle anderen im Raum, geschockt von dieser Nachricht. Ich konnte die Sorge in deren Gesichtern ablesen. Auch ich war fassungslos und starrte Elijah ungläubig an. In diesem Moment wurde mir wohl zum ersten Mal bewusst, wie vergänglich mein Leben doch ist.
„Es gibt vielleicht noch einen Weg“, warf Elijah ein und riss mich aus meinen Gedanken. Alle im Raum starrten ihn erwartungsvoll an. „Dann sag es doch!“, dachte ich angespannt.
„Die Königsfamilie von Akron kennt sich doch mit Lebensenergie aus. Vielleicht haben sie ein Mittel oder wissen, wie man sie heilen kann. Aber ich bezweifle, dass sie uns helfen, wenn sie erfahren, dass es für Katherine ist“, sagte er, woraufhin jeder, außer Zack, nickte.
Ich erinnerte mich an die Königsfamilie von Akron. Ich kannte sie besser als meine Familie. Steve ist oder besser war einer der Prinzen von Akron. Seine Mutter hatte Steve selbst getötet. An meinem Geburtstag. Und das nur, weil Steve und ich an diesem Tag heiraten wollten. Ich war dabei, als sie ihn getötet und mir die Schuld in die Schuhe geschoben hatte. An dem Tag wurde ich unsterblich.
Justin bemerkte, dass ich an Steve dachte und legte mir seine Hand auf die Schulter. „Ich werde dich retten, schon vergessen? Du bist meine kleine Schwester und wenn du weg bist, wen soll ich dann noch ärgern?“, neckte er mich, was mich zum Lächeln brachte. „Auch wenn wir uns manchmal streiten, sind wir immer noch Geschwister und wir haben uns lieb.“
„Dann gehen wir halt nach Akron und holen das Gegenmittel. Wir müssen ihnen ja nicht sagen, dass es für Katherine ist“, sagte Zack, der bis jetzt ziemlich still war.
„Stimmt! Gehen wir!“, rief Max zuversichtlich. Elijah, Max, Hardi und Justin nickten. Während sie einen Plan schmiedeten, verließen sie das Zimmer und ließen mich mit Zack alleine zurück.
„Geht es dir gut, Zack?“, richtete ich meine Konzentration auf ihn. Er lächelte mich sanft an. Seine Augen strahlten so viel Liebe aus, dass ich mich geborgen fühlte. Er beugte sich zu mir und küsste mich zärtlich. „Du solltest dich ausruhen, ich bin bald wieder da“, sagte er und verließ den Raum.
Mit dem Gedanken, dass es Zack gut geht und er bald wieder bei mir sein würde, schlief ich friedlich ein.

Ich träumte nicht, aber ich hörte eine Stimme, die meinen Namen rief. Mein Herz klopfte so wild, dass ich das Gefühl hatte, es würde aus meinem Körper herausspringen. Diese Stimme. Sie war mir so sehr bekannt wie meine eigene. Es war seine Stimme. Die Stimme, die ich seit so langer Zeit nicht mehr gehört habe. Die Stimme von Steve, meinem verlorenen Prinzen.
„Ach, warum habe ich dich nur verloren? Ich vermisse dich so sehr. Ich wünschte, du würdest noch leben und bei mir sein!“, antwortete ich Steves Stimme.

Als ich aus dieser Erinnerung erwachte, schlug ich die Decke zur Seite und stand auf. Ich ging zum Fenster und erkannte in der Ferne eine Stadt, die farbenfroh gestaltet war.
„Es ist wirklich sehr lange her, dass ich hier war. Steve liebte den Ausblick von meinem Zimmer. Er sagte immer, dass dieser Ausblick fast so schön ist wie ich. Ich frage mich, wie Steve heute so wäre? Ob er sich wohl stark verändert hätte?“
Ich wurde jedoch aus den Gedanken gerissen, als mir auffiel, dass jemand im Raum war. Blitzschnell drehte ich mich um. Doch plötzlich konnte ich mich nicht mehr bewegen. „Was soll ich jetzt machen? Wenn ich Magie einsetze, werde ich vielleicht wieder ohnmächtig!“, verzweifelte ich.
Ich hörte leise Schritte, die auf mich zukamen. Ich kniff meine Augen zusammen, um zu erkennen, um wen es sich handelt. Ängstlich versuchte ich mich aus der Starre, in der ich mich befand, zu befreien. Doch weder meine Arme noch meine Beine gehorchten mir. Ich konnte nichts anderes tun, als regungslos dazustehen und darauf zu warten, was passiert. „Wer hat so viel Macht? Wer würde es wagen?“, wütete es im Inneren meines Körpers.
Langsam bewegte sich eine Gestalt aus der Dunkelheit auf mich zu. Ich konnte nicht viel erkennen, doch ich bemerkte, dass die Gestalt eine dunkle Jeans und ein dunkles Hemd trug. Die Gestalt kam immer näher und näher. Immer mehr Details seines Gesichtes kamen zum Vorschein. Die Gestalt hatte kurze, dunkelbraune Haare und seine Augen strahlten in einem wunderschönen Blau. Und plötzlich war es, als wäre mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Ich fiel aus allen Wolken und konnte nicht fassen, was ich sah.
„Nein, nein, das kann nicht sein. Das muss ein Trick sein! Er kann nicht real sein!“, ging es mir durch den Kopf, während mir mein Herz bis zum Hals schlug.
„Hallo, Katherine. Es ist wirklich lange her. Ich habe dich vermisst!“, sagte die Gestalt mit einer Stimme, die mein Herz zum Explodieren brachte.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 170
ISBN: 978-3-99064-025-8
Erscheinungsdatum: 09.08.2017
EUR 11,90
EUR 7,99

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