Science Fiction & Fantasy

Die Götterklaue

V.R. Falcon

Die Götterklaue

Tsukiyomi Soten – Band 1

Leseprobe:

Charaktere

A
Abia: Mitglied von Lerens schwarzer Organisation und den „Sieben Todsünden“; repräsentiert die Wollust; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig
Abiah: Mitglied von Lerens schwarzer Organisation und den „Sieben Todsünden“; repräsentiert die Völlerei; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig
Achi: Mitglied von Lerens schwarzer Organisation und den „Sieben Todsünden“; repräsentiert den Geiz; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig
Achzib: Mitglied von Lerens schwarzer Organisation und den „Sieben Todsünden“; repräsentiert den Zorn; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig
Adebola: Mitglied von Lerens schwarzer Organisation und den „Sieben Todsünden“; repräsentiert die Faulheit; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig
Adish: Mitglied von Lerens schwarzer Organisation und den „Sieben Todsünden“; repräsentiert den Neid; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig
Aiko: Freundin von Masarus Gruppe; alte, heilkundige Miko (Priesterin mit spirituellen Kräften); Mensch; lebendig
Akaya: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Akito: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig

B
Botan: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig

C
Chiaki: Weiser alter Heiler; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig
Chiko: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig

D
Daimyo: Vater von Takeo und Masaru; Hundedämon (Humanus-Dämon); verstorben
Die fünf namenlosen Brüder: Wächter eines Siegels, das einen Teil von Tsukiyomis Kraft versiegelt; Söhne einer Himmelspriesterin; Menschen; alle lebendig

H
Hibiko: Handlanger von Tsukiyomi; Gott (wird wegen seiner Fähigkeit, sich in eine Waffe zu verwandeln, als „Gott“ bezeichnet); Waffenform: Revolver; bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig

I
Isamu: Anführer des Wolfsrudels des Ostens; Ehemann von Tsubaki; Wolfsdämon im Körper eines Mannes mit Wolfsschweif (Humanus-Dämon); bekämpft Leren; lebendig

K
Kai: Handlanger von Tsukiyomi; Gott (wird wegen seiner Fähigkeit, sich in eine Waffe zu verwandeln, als „Gott“ bezeichnet); Waffenform: Revolver; bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Kaito: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Katsu: Handlanger von Tsukiyomi; Gott (wird wegen seiner Fähigkeit, sich in eine Waffe zu verwandeln, als „Gott“ bezeichnet); Waffenform: Breitschwert; bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Keiko: Teil von Masarus Gruppe; heilkundige Miko (Priesterin mit spiritueller Kraft); bekämpft Leren; Lebensgefährtin von Masaru; Mensch; lebendig
Kin: Handlanger von Tsukiyomi; Gott (wird wegen seiner Fähigkeit, sich in eine Waffe zu verwandeln, als „Gott“ bezeichnet); Waffenform: riesige goldene Sense; bekämpft Leren für Tsukiyomi; lebendig
Kuroi Inu: Mutter von Takeo; Frau von Daimyo; Hundedämonin (Humanus-Dämonin); lebendig

L
Leren: Anführer der schwarzen Organisation; Feind Tsukiyomis und vieler anderer; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig

M
Makoto: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Masaru: Reist mit Ren, Misaki, Yuriko, Sakura und seiner Lebensgefährtin Keiko; Leiter der Gruppe; bekämpft Leren; Halbbruder von Takeo; Halb-Hundedämon (Mutter: Mensch, Vater: Hundedämon); lebendig
Ma-Su: Eine Art flügelloser Eisdrache mit zwei Köpfen und Hälsen; Takeos Diener; Drachendämon (Bestialis-Dämon); lebendig
Meiyo: Handlanger von Tsukiyomi; Gott (wird wegen seiner Fähigkeit, sich in eine Waffe zu verwandeln, als „Gott“ bezeichnet); Waffenform: Tanto (Ninja-Dolch); bekämpft Leren für Tsukiyomi; lebendig
Minami: Mädchen aus Isamus und Tsubakis vereinigtem Rudel; Wolfsdämonin (Humanus-Dämonin); lebendig
Misaki: Teil von Masarus Gruppe; Dämonenjägerin; bekämpft Leren; Lebensgefährtin von Ren; Mensch; lebendig

O
Odis: Mitglied von Lerens schwarzer Organisation und den „Sieben Todsünden“; repräsentiert die Hochmut; Dämon (Humanus-Dämon); lebendig

R
Raven: Diener und Begleiter von (Lord) Takeo und (Lady) Tsukiyomi; bekämpft Leren; Froschdämon (Semis-Dämon); lebendig
Ren: Teil von Masarus Gruppe; ehemaliger Dämonenjäger und jetziger Mönch; bekämpft Leren; Lebensgefährte von Misaki; Mensch; lebendig
Rin: Schließt sich Takeo an; bekämpft Leren, nachdem sie ihn als ihren Gegner identifiziert hat; Elfe mit rosaroten Augen; lebendig
Ryu: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpft Leren für Tsukiyomi; lebendig

S
Sakura: Teil von Masarus Gruppe; bekämpft Leren; Katzendämonin mit drei Schweifen (Bestialis-Dämonin); lebendig

T
Takeo (richtiger Name: Touga): Reist mit Tsukiyomi und Raven; Halbbruder von Masaru; bekämpft Leren; Hundedämon (Huma-nus-Dämon); lebendig
Takumi: Anführer des Wolfsrudels des Nordens; bewundert Tsukiyomi und ist einer ihrer Freunde seit sie ihm geholfen hat; Wolfsdämon (Humanus-Dämon); lebendig
Tama: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Taro: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Tomo: Junge aus Aikos Dorf; Mensch; lebendig
Tomoe: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpft Leren für Tsukiyomi; ist der Leiter von Tsukiyomis Handlangern (er dient Tsukiyomi jedoch auf demselben Rang wie die anderen Handlanger); lebendig
Tsubaki: Anführerin des Wolfsrudels des Südens; Ehefrau von Isamu; Wolfsdämonin im Körper einer Frau mit Wolfsschweif (Humanus-Dämon); lebendig
Tsukiyomi (Nachname/Name des Familienclans: Soten): Reist mit Takeo und Raven; kommt aus dem Soten-Clan; bekämpft Leren; Dämonin (Humanus-Dämonin); lebendig

U
Usui: Anführer des Wolfsrudels des Westens; Wolfsdämon (Humanus-Dämon); lebendig

Y
Yuki: Handlanger von Tsukiyomi; Dämon (Humanus-Dämon); bekämpfte Leren für Tsukiyomi; lebendig
Yuriko: Teil von Masarus Gruppe; bekämpft Leren; junge Fuchsdämonin im Körper eines Kindes mit Fuchsohren und Fuchsschweif (Semis-Dämonin); lebendig
Yuudai: Handlanger von Tsukiyomi; Gott (wird wegen seiner Fähigkeit, sich in eine Waffe zu verwandeln, als „Gott“ bezeichnet); Waffenform: Bogen (Pfeile entstehen durch Tsukiyomis seelische Kraft); bekämpft Leren für Tsukiyomi; lebendig


Prolog

Stetig fallender Schnee in einer sternenlosen Nacht ohne Mond und Sterne, in einer Umgebung, wo selbst die Luft nach nichts roch. Eine Gegend ohne Gefühle. Ein Ort, wo man nichts hören konnte, wo alles tot erschien, wo die tanzenden Schneeflocken der einzige Trost zu sein schienen.
Doch da ballten sich die großen Schneeflocken auf einmal ohne Wind zu einem riesigen, gnadenlosen Schneesturm zusammen. Der Schnee sah aus wie die riesige eiserne Klaue eines monströsen lauernden Tiers. Ab diesem Moment war es eine absolut trostlose Nacht, und dennoch fehlte jedes Gefühl von Angst oder sonst einer Empfindung, die man in so einer Situation normalerweise fühlen würde. Und obwohl Schnee lag, fehlte die Kälte. Obwohl es dunkel war und es keine Lichtquelle gab, konnte man alles ganz genau sehen. Irgendetwas stimmte mit diesem Ort nicht …
Plötzlich war das entfernte Klagen von Verletzten, das undeutliche Schreien von Sterbenden, das schwache Klirren von aufeinanderprallenden Waffen und die schneidenden Geräusche von Klingen, die durch Fleisch und Knochen schnitten, zu hören. Ein riesiges Feuer schoss mitten im Schneesturm in die Höhe, der Brand schien jedoch keinen Auslöser zu haben, und dennoch war er da. Rot-gelbe Flammen züngelten an den Bäumen in der Nähe und die Schreie von Menschen wurden deutlich hörbar. Ein Angstgefühl platzte heraus, die Kälte des Schnees und die Hitze des Feuers kämpften miteinander.
Da kam aus den heißen, goldenen und scharlachfarbigen Flammen eine Gestalt mit einem Silber und lilafarbenen Kimono, über dem eine Art Rüstung lag, hervor. Die Rüstung dieser Person bestand aus einem Brustpanzer mit vier Stacheln und aus zweien –, mit leicht nach außen gebogenen Stacheln besetzten –, glänzenden eisernen Schulterpanzern auf beiden Seiten sowie einem gewissermaßen lotusblüten-förmigen, vierteiligen Vorder- und Hinterschutz. Die Gestalt kam aus den Flammen und das, ohne zu brennen. Die langen, offenen Haare – deren Farbe man nicht erkennen konnte – wehten um sie herum, doch es blies kein Wind. Die beiden Schwerter, die sie in Händen hielt, waren lang, und das rote Blut, das von den Schneiden tropfte, färbte den weißen Schnee unter ihr purpurrot. Das Gesicht der fremden Person war ebenfalls nicht zu erkennen, und selbst der Körper dieser Gestalt schien nur eine Silhouette zu sein, und dennoch konnte man ihre ganze Kleidung genau erkennen. Die Gestalt schien mit ihrem langsamen, ruhigen Schritt, der noch kälter als der Schnee zu sein schien, aus den Flammen zielstrebig nach vorne zu gehen. Sie schien ein Ziel vor Augen zu haben. Die Figur hatte einen Pelz über den Schultern, und dieses Fell trug sie wie eine Art Umhang. Es schien auch, als würde diese Person Gefolge haben, doch es tauchte nicht auf. Niemand folgte der Gestalt. Doch die Ausstrahlung und das sichere Auftreten gaben ihr den Anschein eines Anführers. Einer Person, die viele Seelen anführte. Und auch das Gefühl der Überlegenheit, das diese Person ausstrahlte, bekräftigte diese Annahme.
„Takeo? Ist das Takeo? Nein. Takeo trägt zwar einen Pelz, doch er trägt ihn seitlich über der rechten Schulter. Oder vielleicht hat er einfach nur seinen Stil geändert? Wer hat sonst so eine kalte Ausstrahlung, die zwar beängstigend, aber dennoch faszinierend und mysteriös ist?“ Dieser Gedanke schien sich zusammen mit der Gestalt und dem Schneesturm aufzulösen und alles, was zurückblieb, war das Nichts. Die ewige Dunkelheit. Bis auch diese zu verschwinden schien.
Keiko wachte auf, die Sonne schien ihr ins Gesicht und ihre Freunde, mit denen sie reiste, lagen um sie herum und schliefen. Sie stand auf um sich ihre Miko-Kleidung anzuziehen. Sie bestand aus einer weiten roten rockartigen Hose und einem blusenartigen weißen Oberteil. Nachdem Keiko sich ihre bis etwas über die Schulter hängenden schwarzen Haare gekämmt hatte, band sie diese mit einem weißen Band zusammen. Danach kämmte sie sich ihren Pony aus ihren klaren braunen Augen. Als sie das getan hatte, guckte sie ihre Freunde noch mal an. Sie schliefen noch, und so schob sie die Bambusmatte vor dem Ausgang der Holzhütte leise zur Seite und schlüpfte vorsichtig raus.
Nachdenklich ging sie aus dem kleinen Dorf, in dem sie mit ihren Freunden bei der alten Miko Aiko – Mikos waren Priesterinnen mit Heilerwissen – wohnten, wenn sie nicht gerade herumreisten, um niederträchtige und gefährliche Dämonen zu jagen. Auf einem grünen Hügel, etwas über dem kleinen Dorf, setzte Keiko sich, und während sie auf das Dorf schaute, das sich nun zu regen begann, dachte sie an ihren Traum. Sie war so in ihren Gedanken versunken, dass sie nicht merkte, wie sich ein kleiner Junge aus dem Dorf an sie heranschlich, um sie zu erschrecken.
Mittlerweile war Keiko in ihren Gedanken jedoch nicht mehr bei ihrem Traum, sondern bei einem völlig anderen Thema. Sie dachte an die jetzige Zeit, in der sie lebte, sie hieß Zeit der mörderischen Staaten und wurde, wie der Name schon sagte, von Kämpfen und Schlachten bewegt. Alle möglichen Herrscher bekriegten sich, um ihre Macht und ihr Reich zu vergrößern. Es tobten auch einige Bürgerkriege, und die vielen bösen Dämonen machten es auch nicht leichter, denn sie verwüsteten ganze Landstriche und zerstörten ganze Dörfer. Sie töteten alle Bewohner ohne Mitleid, und das bis auf das kleinste Kind. Eines nach dem andere fielen ganze Dörfer. Doch da Keiko und ihre Freunde bei Aiko in einem sehr kleinen Dorf lebten, das keinen so wirklich interessierte, blieben sie vom meisten verschont.
Diese Zeit war eigentlich Japans kriegerisches Mittelalter und Keiko hatte sich schon früher immer gewundert, was hier alles existierte. Es gab Menschen, also ganz normale Personen wie sie, Misaki – eine Dämonenjägerin, mit der sie reiste – oder Leute wie Ren – ein ehemaliger Dämonenjäger, der nun ein Mönch war – der auch mit in ihrer Gruppe war. Dann gab es auch noch Halbdämonen, die zur Hälfte Mensch und zur anderen Hälfte Dämon waren, sie waren wie Masaru, der der Chef in der Gruppe und ihr Geliebter war. Er war halb Hundedämon und halb Mensch. Und zu guter Letzt gab es natürlich auch noch vollwertige Dämonen wie Yuriko, eine kleine Fuchsdämonin in ihrer Gruppe. Allerdings war sie nicht sehr stark und normalerweise auch noch ein totaler Angsthase. Sie war ein Dämon, der aussah wie ein kleines Kind mit Fuchsschweif und Fuchsohren, und weil sie halb menschlich und halb dämonisch aussah, nannte man diese Art von Dämon semis. In ihrer Gruppe gab es aber auch noch eine Dämonenkatze namens Sakura, sie konnte ihre Größe ändern. Wenn sie klein war, war sie nur so groß wie eine Hand, aber wenn sie groß wurde, war sie so groß wie ein ausgewachsener Mensch. Und da sie vollkommen das Aussehen eines Dämons hatte, nannte man diese Art von Dämon anders, sie war ein bestialis. Ein Merkmal für ihre dämonische Herkunft war zum Beispiel, dass sie drei Schwänze hatte. Oder auch ihre Pfoten, die in ihrer verwandelten ausgewachsenen Form brannten, da sie eine Art Feuer-Dämonenkatze war.
Es gab allerdings auch noch einen weiteren Dämon, den sie kannte, doch er gehörte nicht zu ihrer Gruppe. Er hieß Takeo und war Masarus kaltherziger Halbbruder. Er war außerdem ein vollwertiger Hundedämon und wahnsinnig stark. Aber er hatte eine mehr als nur eiskalte und distanzierte Art. Er verstand sich auch nicht mit Masaru und immer, wenn sie sich trafen, flogen die Fetzen. Takeo selbst sah eigentlich ähnlich wie ein Mensch aus. Bis auf seine spitz zulaufenden und etwas längeren Ohren, sie glichen Elfenohren. Er hatte auch zwei gerade, parallele rote Streifen an den Wangen und Handgelenken, aber ob er auch noch woanders welche hatte, wusste sie nicht, da er ansonsten seinen ganzen Körper bedeckte. Und da Dämonen wie Takeo so ähnlich aussahen wie ein Mensch, nannte man diese Art von Dämon humanus Dämon. Er selber hatte immerhin einen Körper wie ein Mensch. Mit Ausnahme von Ohren und Körperzeichnungen. Doch er war ein verschlossener, kaltblütiger Dämon.
Keiko schüttelte innerlich ihren Kopf, sie fand es nicht gut, dass sich die beiden Halbbrüder immer bekriegten, aber die beiden wollten nie auf sie hören. „Buh!“ Der kleine Junge stürzte sich auf Keiko und sie erschreckte sich, als Folge dieser bösen Überraschung, fast zu Tode. „Ich hab mich zu Tode erschreckt! Habe ich dir nicht gesagt, du sollst dich nicht an mich anschleichen?!“ Keiko tat so, als wäre sie wütend, doch der kleine Junge namens Tomo grinste nur und richtete ihr etwas von Misaki aus. Sie hatte ihn offensichtlich beauftragt sie zu suchen. „Misaki lässt ausrichten, dass alle wach sind und nun aufbrechen möchten! Sie wollen immerhin Leren weiter jagen, da sie sich alle von ihren Verletzungen erholt haben und Leren offensichtlich immer stärker wird, weil er immer mehr von diesen Eisensplittern der heiligen Götterklaue sammelt. Und Misaki meint auch noch, dass ihr die Splitter der heiligen eisernen Götterklaue finden und vervollständigen müsst, bevor Leren das tut. Außerdem sind die Splitter über ganz Japan verteilt und so wird auch die Suche nach diesen vielen Splittern sehr viel zeitaufwendiger und schwerer!“ „Danke, dass du es mir ausgerichtet hast, Tomo. Ich bin dann mal weg, ja?“
Keiko stand auf und ging zurück ins Dorf. Vor Aikos Hütte warteten bereits die anderen und Ren gab ihr ihren Bogen und ihren Köcher mit den heiligen Pfeilen und meinte lächelnd: „Ich bin körperlich vielleicht keine große Hilfe, aber wenigstens kann ich mit meinem Geist und mit meinen reinigenden Kräften eines Mönches helfen. Deine heiligen Pfeile sind mit deiner reinigenden spirituellen Kraft eine wirkliche Waffe, aber ich habe kürzlich mentales Training gemacht. Also mache ich dir jetzt Konkurrenz!“ Noch während Keiko mit einem selbstsicheren Grinsen zuhörte, setzte sich die Gruppe in Bewegung.
Yuriko war allerdings schon ziemlich früh vom Gehen erschöpft, sie war immerhin nur ungefähr sechzig Zentimeter groß. Also trug Misaki sie, während Masaru, der ziemlich viel Temperament hatte, mit Yuriko schimpfte, da sie so ‚schwach‘ war. Er hörte damit auch nicht auf, bis er roch, dass sich eine Meute von Dämonen auf sie zubewegte. Diese Dämonen waren allerdings noch eine andere Art von Dämonen als alle anderen, und da sie weder wie Menschen noch wie Tiere oder Pflanzen aussahen, hatte diese Art keinen Namen.
Masaru zog augenblicklich sein Nori, ein Schwert, das er immer bei sich trug, er hatte es von seinem Vater geerbt. Besonders an diesem Schwert war, dass es sich transformierte, wenn sein Träger es aus seiner Schwertscheide zog. Es war ein sehr mächtiges Schwert, da es aus einem Fangzahn seines Vaters gemacht worden war. Es war ein Dämonenschwert. Dämonenschwerter waren, wie der Name schon verriet, keine normalen Schwerter. In ihnen konnten Kräfte gespeichert werden, und die mächtigsten Dämonenschwerter hatten sogar so etwas wie ein Bewusstsein. Dämonenschwerter konnten also die Kraft ihres Trägers, ihres Schmiedes und ihrer Materialien innehaben. Außerdem hatte jedes Dämonenschwert mindestens ein dämonisches Material, aus dem es bestand. Zum Beispiel ein Knochen, ein Fangzahn oder etwas anderes aus dem Körper eines Dämons. In Masarus Fall war es noch einmal etwas anders. Denn das Dämonenschwert von seinem Vater konnte hunderte von Leben auf einen Schlag nehmen. Es wurde deswegen auch Schwert der blutigen Erde genannt.
Sein Vater hatte noch zwei weitere – ungewöhnlich mächtige – Dämonenschwerter aus seinen dämonischen Fangzähnen machen lassen. Das eine war Sora, das absolute Gegenteil von Nori. Es war nämlich ein Schwert, das hunderte von Leben auf einen Schlag retten konnte, und deswegen hieß es auch Schwert des erlösenden Himmels. Doch es hatte einen schwachen Punkt oder mehr einen negativen Haken. Es konnte ein verlorenes Leben nur einmal zurückholen. Die einzige Ausnahme war der Besitzer und akzeptierte Führer des Schwertes. Denn wenn er in Gefahr war und das Schwert bei sich trug, rettete das Schwert ihn auf eigene Faust. Es holte seinen Besitzer dann so weit von der Grenze des Todes, bis dessen Zustand stabil war, und brachte seinen Führer dann an einen sicheren Platz, wo er genesen konnte. Dieses Schwert hatte jedoch Masarus kaltherziger Halbruder Takeo geerbt, und deswegen kam seine Kraft niemandem zugute. Und Takeo selbst brauchte die Kraft des Schwertes nicht. Außerdem war Takeo, seit Keiko ihn kannte, nicht ein Mal von Masaru verletzt worden und davor wohl auch nicht.
Das letzte der drei Schwerter hieß Raidon und war ein Schwert, das auch Drachenschwert oder Schwert der Hölle genannt wurde. Es gab auch noch einen anderen Namen, doch der wurde seltener verwendet und der lautete Schwert der gnadenlosen Welteroberung. Diese Klinge konnte alles auf einen Schlag zerstören. Dieses Schwert konnte man daher auch nur kontrollieren, wenn man ihm seine Schwächen nicht zeigte oder wenn man mit seiner Seele stärker war als die Wut und die Zerstörungskraft, die das Schwert in sich trug. Dieses Schwert sucht sich außerdem genauso wie Nori und Sora seinen Besitzer aus, und wenn es einen Besitzer akzeptiert hatte, dann nahm es keinen anderen Führer mehr an. Es sei denn, der Besitzer war tot und das Schwert fand jemand anderen, dem es dienen wollte. Es war eigentlich schon fast ein Schwert mit einem eigenen Willen. Jedoch war dieses unglaubliche Schwert keinem der beiden Brüder anvertraut worden. Und um genau zu sein war es verschollen. Vielleicht war es irgendwo versiegelt oder versteckt, aber so genau wusste das keiner. Doch noch überraschender war, dass als das Schwert vor einer langen Zeit kurz auftauchte, keiner der beiden Brüder von dem Schwert akzeptiert wurde.
Masaru wurde damals von dem Schwert übernommen und Takeo konnte das Schwert zwar halten und führen, doch es hatte ihn genauso wie Masaru abgelehnt. Was allerdings noch interessanter war, war der Fakt, dass der Hundedämonenfangzahn, aus dem zum Beispiel Raidon gefertigt wurde, bei Dämonen wie Takeo, Masaru oder ihrem gemeinsamen Vater sofort vollständig nachwuchs. Ein Zahn brauchte nicht einen halben Tag, bis er wieder nachgekommen war. Doch nach Keikos Wissen war diese Regelung mit den Zähnen nur bei Hundedämonen so.
Noch während Keiko in diesen Gedanken versunken war, griff Masaru sein Schwert fester und setzte das ‚Kamikaze‘ ein. Diese Technik war die stärkste Waffe von Nori. Denn dieser Angriff war es, der es einem ermöglichte, hunderte Leben auf einmal zu nehmen. Masaru hatte die Dämonen gerade auf einem Schlag durch diese Attacke getötet, als von hinten eine höhnische, kalte Stimme ertönte. „Langsam wie immer. Kaum zu fassen, dass du mit unserem edlen verstorbenen Vater oder mit mir verwandt bist! Du bist nichts weiter als ein nerviger kleiner Parasit, der weder zu der schwachen Art der Menschen noch zu der Art der Dämonen gehört! Du weißt ja bestimmt, wie sehr ich Menschen und ihre Schwäche verabscheue, aber Halbblüter wie du sind sogar noch schlimmer!“ Diese Stimme riss Keiko aus ihren Gedanken und sie wirbelte herum, um den Sprecher zu sehen, und obwohl sie bereits wusste, wer es war, konnte sie es nicht glauben, dass sie ausgerechnet hier mit ihm zusammentreffen mussten.
„Takeo!“ Masaru drehte sich um und rief noch aggressiver als vorher: „Zieh dein Schwert! Heute werden wir endgültig sehen, wer der Stärkere von uns ist, du Dreckshaufen! Ich töte dich und dann kannst du dich zu unserem wertlosen alten Mann gesellen!“ „Sprich nicht so von Vater! Daimyo war der stärkste Hundedämon seiner Zeit, und wenn du willst, dann kannst du es ja gerne versuchen, mir, einem vollwertigen Hundedämon, eine Wunde zuzufügen und gegen mich zu kämpfen, du elendes Halbblut! Du kannst nicht einmal einen einzigen Treffer bei mir landen. Geschweige denn mich töten.“ Ohne ein weiteres Wort griff Masaru an und Takeo zog Tora. Es war sein zweites Dämonenschwert und es wurde von einem sehr dunklen und bösen Schmied namens Jinbo gefertigt. Doch der starb eines Tages durch die Klinge des Schwertes, das er selber geschmiedet hatte. Und nun war Takeo der einzige, der dieses teuflische Schwert führen konnte.
Das Klirren der Schwerter wurde von den Klippen und Abhängen um den Kampfplatz verstärkt und das Echo des Aufeinanderprallens der Schwerter hörte sich so an, als ob jemand Knochen zerstückelte. Takeo war allerdings nicht nur erheblich schneller, sondern auch sehr viel stärker als Masaru, und als Masaru außer Atem war, knurrte Takeo Masaru mit seiner kalten, ruhigen und gefühllosen Stimme an: „Schwächling! Du beschmutzt den Namen unseres erhabenen Vaters! Und obwohl dein Name ‚Sieg‘ bedeutet, kannst du mich nicht einmal berühren! Du bist armselig!“ Der Kampf wurde unterbrochen, als es plötzlich anfing zu schneien.
Die dichten Schneeflocken fielen und Keiko wurde auf einmal wieder in ihren Traum gezogen. Ohne dass sie es merkte, wurde ihre Seele in ihren Traum geholt. Sie fiel um und das Licht erlosch in ihren Augen. Alle aus ihrer Gruppe rannten zu ihr. Sogar Masaru, der eben noch mit seinem verhassten Halbbruder gekämpft hatte.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 368
ISBN: 978-3-95840-359-8
Erscheinungsdatum: 20.03.2017
EUR 18,90
EUR 11,99

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