Die geheimen Schriften des Tassilo Le Grand

Die geheimen Schriften des Tassilo Le Grand

Markus Jerg


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 358
ISBN: 978-3-99026-187-3
Erscheinungsdatum: 16.01.2012
Eine Welt, in der gefährliche Kreaturen lauern und das Recht des Stärkeren gilt: Das ist die Welt, in der Tassilo Le Grand, der Held dieser fantastischen Abenteuergeschichte, zu Hause ist. Haarsträubende Abenteuer erwarten ihn und seine zwei Gefährten, den treuen Diener Bilan und die schöne Alina.
<strong>Sans Visage</strong>

Ich habe ja schon viel in meinem recht kurzen Leben gesehen und erlebt. Aber was ich hinter den dicken Mauern des Baschikoklosters im Tal der toten Leichen entdeckte, war sensationell, ja, sogar unglaublich. Noch heute, zehn Tage nach dieser Entdeckung, bin ich ganz durcheinander.
Vor vierzehn Tagen erhielt ich ein Schreiben des Tadmeisters des Baschikoklosters, worin er mich aufforderte, alles stehen und liegen zu lassen, um auf direktem Weg ins Tal der toten Leichen zu reisen, damit er mir dort eine fantastische Sache zeigen könne. Mein Ruf als Sammler seltener Kreaturen war also bis in dieses weit entfernte Tal gedrungen.
Neugierig ob dieses Briefes beendete ich meine Recherchen über das dreihörnige Pferd, welches die Bauern am Fukosee mehrfach gesehen zu haben glaubten, und reiste auf schnellstem Weg, das heißt mit meiner Flugkatze, die mir der traurige Prinz auf meiner letzte Forschungsreise nach Glott geschenkt hatte, zu besagtem Kloster.
Der kahlköpfige Tadmeister begrüßte mich stürmisch und ließ mir sofort ein üppiges Mahl servieren, wie das in seinem Kloster Sitte war. Ich hatte aber nur wenig Appetit und fütterte mit den köstlichen Leckereien lieber meine hungrige Flugkatze, die sich unter dem überladenen Tisch versteckt hatte. Als der Tadmeister und seine Getreuen endlich zufrieden waren und der Tisch dank meiner verborgenen Katze um einiges leichter geworden war, führte man mich durch unendlich viele Korridore und Treppenhäuser, sodass ich den Weg zurück alleine nicht mehr hätte finden können. Aber das störte mich nicht, denn meine Neugierde war riesig, und ich wollte unbedingt erfahren, was der Tadmeister mir zu zeigen beabsichtigte.
Vor einer großen Holztüre hielt er inne und befahl seinen drei Begleitern zurückzubleiben. Zu zweit überschritten wir die Schwelle und betraten einen dunklen, feuchten Saal. Nun entfachte der Tadmeister eine Kerze, die er unter seinem wallenden Gewand bei sich getragen hatte, sodass der Raum etwas erhellt wurde.

Der Saal war fast gänzlich leer. Nur in der hinteren Ecke konnte ich die Umrisse von etwas erkennen. Ob Möbelstück, Mensch oder irgendein Wesen, war noch nicht herauszufinden. Aber zum Glück schritt nun der Tadmeister, wobei er mir winkte ihm zu folgen, genau auf dieses Etwas zu. Als wir nahe genug waren, erkannte ich, dass es sich um eine Person handeln musste, die auf einem hölzernen Schemel kauerte. Sie bewegte sich nicht. Als sich der Tadmeister aber geräuschvoll räusperte, glaubte ich eine ganz kurze Bewegung wahrzunehmen. Nun betrachtete ich neugierig diese Kreatur. Der Körper war mit einem sackähnlichen Umhang bedeckt, das Gesicht hingegen war unverhüllt.
Das Gesicht! Konnte man überhaupt von einem Gesicht sprechen? Eine rosarote Kugel ohne Augenhöhlen und ohne erkennbare Nase. Nur ein Mund, vergleichbar mit einem knallroten Schlund, war mit viel Fantasie auszumachen.
Der Tadmeister konnte das Entsetzen und die Überraschung in meinen Augen erkennen und flüsterte mir zu, dass es ihm ganz gleich ergangen sei, als er diese Kreatur vor dem Klostertor angetroffen habe. Sie sei mehr tot als lebendig gewesen. Von wo sie gekommen sei, könne er auch nicht sagen. Noch nie im Leben habe er solch ein Wesen gesehen.
Dazu muss man wissen, dass sich im Tal der toten Leichen die verschiedensten, seltsamsten und grässlichsten Kreaturen unserer Welt herumtreiben. Viele davon habe ich selber gefangen und studiert.
Ob denn nur der Kopf so außergewöhnlich sei, wollte ich weiter wissen, worauf mein Begleiter den Kopf schüttelte und dann das Tuch, welches dieses Wesen bedeckte, mit einem Ruck wegzog. Diesmal entfuhr meiner Kehle ein Schrei des Grauens. Denn zum Vorschein kam ein fleischiger, unförmiger Klumpen, an dessen Seiten kleine Füßchen zu kleben schienen, die nun aber leblos hinunterhingen.
Man habe versucht, dieses unglückliche Wesen mit Wasser, aber auch Speise zu füttern, erklärte mir der Tadmeister, aber es habe alles verweigert. Sogar wenn man probiert habe, eine Brühe direkt in den roten Schlund zu gießen, sei diese sogleich wieder ausgespuckt worden. Unmöglich, diese arme Kreatur zu verpflegen. Sie werde wohl früher oder später zugrunde gehen, meinte der Tadmeister lakonisch. Da er aber nicht gewusst habe, ob sich der Körper dieses Wesens nach seinem Tod verändern würde, habe er mich schnellstens rufen lassen, damit ich mir noch ein Bild des lebendigen Exemplars machen könne.
Ich zog rasch meinen Zeichenblock und meine Kreideschachtel aus der Umhängetasche, die ich stets bei mir trage, und begann die Kreatur zu skizzieren, während der Tadmeister sie mittels der Kerze beleuchtete. Das Ding verharrte zwischenzeitlich immer noch unbeweglich. Es zitterte nicht, es atmete nicht, es gab kein Geräusch von sich. Auch roch es nicht. Als ich mit meiner Skizze zufrieden war, gab ich dem Tadmeister ein Zeichen, dass er dieses Wesen wieder mit dem Tuch bedecken könne.
Als wir den Saal verließen, schwiegen wir beide für längere Zeit, dann fragte der Tadmeister, was er nun damit machen ­solle. Ich entgegnete ihm, es wäre das Beste, dieses Ding sterben zu lassen, sodass man es nach seinem Tod ausstopfen und der Nachwelt erhalten könne. Die Klosterbrüder waren nämlich sehr bekannt für ihre Kunst des Ausstopfens. Im Museum der alten Hauptstadt kann man das einzig bekannte Exemplar eines felllosen Seeaffen besichtigen. Eine wunderbare Arbeit, ausgeführt von einem Klosterbruder vor ein paar Jahrzehnten.
Der Tadmeister versprach mir, dies meinem Wunsch gemäß zu machen und das ausgestopfte Wesen an meine Arbeitsstätte zu schicken, damit ich es in meine Sammlung in der Stadt Willa aufnehmen könne. Eine Sammlung, das muss ich hier anfügen, die nirgendwo sonst auf unserer Welt in solcher Form und Ausstattung zu finden ist. Ich versprach dem Tadmeister, ihn und sein Kloster dankend in meinem nächsten schriftlichen Werk zu erwähnen und ihm ein paar Rolgaden, ein begehrtes Zahlungsmittel in dieser Gegend, zukommen zu lassen. Auf seine letzte Frage, wie ich denn nun dieses unbekannte Wesen nennen wolle, antwortete ich ohne Überlegen: Sans Visage.
Ich benenne nämlich von mir entdeckte Kreaturen gerne in den alten, nicht mehr gebräuchlichen Sprachen unserer Welt. Ein Steckenpferd von mir, natürlich auch um zu zeigen, wie gebildet ich bin, denn es gibt nur noch wenige, die diese alten Sprachen kennen.
Dann setzte ich mich endgültig wieder auf meine Flugkatze, in der Hoffnung, das dreihörnige Pferd vielleicht doch noch zu finden und skizzieren zu können, bevor ich es dann töten ließe, um es für meine Sammlung auszustopfen.


<strong>Das Rätsel vom Baschikokloster</strong>

Ich hätte nie gedacht, dass ich so bald wieder ins Tal der toten Leichen zurückkehren würde. Erst zwei Wochen waren vergangen, seit ich die dicken Mauern des Baschikoklosters hinter mir gelassen hatte, mich wieder nach Süden zum Fukosee begeben und es dort tatsächlich geschafft hatte, ein dreihörniges Pferd aufzuspüren. Aber leider handelte es sich um ein besonders wildes Exemplar dieser Art.
Solange ich es versteckt hinter Büschen beobachtete, verhielt es sich ruhig und schien mich gar nicht wahrzunehmen. Mit seinen Krallen grub es im feinen Flusssand nach Krokodilskrebsen, die es, wenn es einen ausgebuddelt hatte, mit einem grunzenden Schmatzen verspeiste. Ich hatte schon zwei Skizzen von dem seltenen Pferd gemalt und wollte mich nun näher heranschleichen, um es mit einem meiner vergifteten Armbrustpfeile zu lähmen und ins Jenseits zu befördern, sodass ich dann mein Studium am toten Tierkörper ­fortsetzen konnte. Erst danach wollte ich es für meine bedeutende Sammlung ausstopfen lassen. Aber leider kam es gar nicht mehr so weit, denn kaum wagte ich mich vorsichtig aus meinem Versteck, da hob das Pferd seine extrem langen Ohren, die bekannt dafür waren, jedes noch so kleine Rascheln zu vernehmen. Nicht ich hatte das Geräusch verursacht, sondern eine gelbe Knollennasennatter, die sich von einem Ast eines knorrigen Flussbaumes hinunter in den Sand fallen ließ, vermutlich, um ein Bad im schlammigen Wasser des Flusses zu nehmen. Aber dieses Geräusch ließ das Pferd aufhorchen, und es bemerkte nicht nur die Schlange, sondern auch meine Wenigkeit, die gerade vorsichtig mit angelegter Armbrust aus den Büschen trat.
Dreihörnige Pferde scheuen die Menschen. Eigentlich verständlich, sind wir ja an ihrem fast gänzlichen Verschwinden nicht unschuldig, denn unsere Vorfahren liebten das süßliche Fleisch dieser Tiere derart, dass sie ständig Jagd auf sie machten, bis sie fast aus unserer Welt verschwanden.
Nun, was will ich noch mehr dazu sagen, als dass das Pferd laut aufheulte und, bevor ich meinen Pfeil losschicken konnte, bereits davongaloppierte. Es war mir natürlich klar, dass das Pferd in den nächsten Tagen nicht mehr am See erscheinen, sondern sich nun vermutlich im Kakteenwald verstecken würde.
So wollte ich also meine Arbeit am Fukosee abbrechen, war mir aber ganz sicher, in ein paar Wochen zurückzukehren, um nochmals Jagd auf die Kreatur zu machen. Eigentlich hätte mich meine Flugkatze, die durch das tagelange Nichtstun schon recht fett geworden war, zu meinem Anwesen in der Nähe der Stadt Willa bringen sollen, wo ich meine Arbeitsstätte hatte.
Aber da erreichte mich die schockierende Nachricht, dass das Baschikokloster fast völlig zerstört worden war und die Mönche als verschollen galten. Ich war vor allem über die Tatsache entsetzt, dass nun vermutlich mein Exemplar eines Sans Visage ebenfalls für immer verloren war. Diese einzigartige Kreatur, die der Tadmeister der Mönchsgemeinschaft gefunden und ins Kloster genommen hatte, hatte selbst mir, der ich ja so viele Kreaturen und Monster kannte, Rätsel aufgegeben. Sie wäre nach dem Ausstopfen ein Zuschauermagnet in meiner berühmten Sammlung gewesen. Aber nun war alles futsch! Natürlich schmerzte mich auch das Verschwinden der Klosterbrüder, und deshalb entschloss ich kurzfristig, statt nach Hause zu fliegen, nochmals einen Abstecher ins Tal der toten Leichen zu machen.
Der Anblick des einst so stolzen Klosters war niederschmetternd. Die meisten der Gebäude hinter der dicken Klostermauer waren verbrannt, nur noch die Ruinen zeugten von der ehemaligen Pracht. Ich bemerkte, dass meine Flugkatze, als ich sie mitten in den Überresten der großen Anlage zur Landung zwang, sehr nervös war und unruhig herumäugte. Dazu schnaubte sie wild. Ich wusste gleich, dass hier etwas nicht stimmen konnte, denn Flugkatzen sind normalerweise sehr besonnene Tiere.
Ich blickte mich um, konnte aber nirgendwo eine Bewegung ausmachen. In der Nachricht, die ich erhalten hatte, war erwähnt worden, dass Nomaden, die mit ihrer Wildhasenherde zufällig am Baschikokloster vorübergezogen waren, als erste die Zerstörung entdeckt hätten. Sie hätten sofort in den ­Ruinen nach den Mönchen gesucht, aber weder Leichen noch verletzte Mönche entdeckt.
Ich erkannte sofort die Überreste des Hauptgebäudes, in das mich der Tadmeister vor ein paar Tagen geführt hatte. Als ich die unruhige Flugkatze an einer Säule festgebunden hatte, stieg ich über große Steinblöcke hinweg und drang in das Innere des Hauses ein. So gelangte ich in den Speisesaal, wo ich vor wenigen Tagen aufs Beste verpflegt worden war. Die Tische und Stühle waren vom Feuer verbrannt worden und es roch noch immer nach Rauch, aber auch der süßliche Geruch des Todes hing im Gebäude. Ich fand den Hinterausgang des Saals, durch den ich mit dem Tadmeister zu den vielen Korridoren und Treppenhäusern gelangt war. Obwohl ich mich kaum mehr an den Weg erinnern konnte, versuchte ich doch mein Glück und schritt oder kletterte, je nach Situation, immer tiefer in das Hauptgebäude.
Ich war mir ziemlich sicher, dass sich die abergläubischen Nomaden kaum bis hierher getraut hatten. Allmählich wurde der süßliche Todesgeruch immer intensiver, und als ich tatsächlich vor der Halle ankam, in der das Sans Visage gefangen gehalten worden war, sah ich mit Schrecken den blutigen Hügel. Mehrere Mönche, grausam entstellt, lagen aufeinandergeschichtet in eben jener Halle. Und nun dämmerte mir, was hier vorgefallen war, und plötzlich erinnerte ich mich an die Schriften des Großen Winbrod, der genau wie ich sein Leben der Suche nach seltenen Monstern gewidmet hatte und der auch die Legenden, welche von uralten Greisen an Lagerfeuern erzählt wurden und von ausgestorbenen, fürchterlichen Kreaturen berichteten, aufgeschrieben hatte.
Eine Legende erzählte von einem Lindwurm, einer Art Drache, gefräßig und feuerspeiend. Dieses Monster macht während seines Lebens eine seltsame Entwicklung durch. Erst wird es von einem Lindwurmmännchen als Ei in einer Höhle abgelegt. Dieses Ei kann dann jahrelang, vielleicht sogar jahrzehntelang dort liegen bleiben, ohne dass etwas geschieht. Aber irgendwann, warum, das weiß niemand, schlüpft aus diesem Ei eine Art Raupe. Eine Beschreibung dieser Raupe fehlt leider in den Aufzeichnungen des Großen Winbrod. Es heißt nur, dass aus dieser Raupe ein kleiner Lindwurm werde. Und dieser sei dann äußerst gefräßig. Natürlich sei er ein Fleischfresser, der dann rasant wachse und schon nach zwei Tagen Feuer speien könne.
Dies war hier also passiert. Sans Visage war eine Lindwurmraupe gewesen. Vermutlich hatte der Lindwurm kurz nach meiner Verabschiedung den Raupenkörper verlassen und sich dann einen Mönch nach dem anderen geschnappt und die Männer zuerst vermutlich gefressen, dann aber hier quasi als Vorrat gelagert. Das aber bedeutete, dass das Monster noch irgendwo in diesen Ruinen hausen musste. Deshalb war meine Flugkatze so nervös gewesen. Wenn schon die gesamte Mönchsgruppe keine Chance gegen das Untier gehabt hatte, so stand ich als Einzelkämpfer hier wohl gänzlich auf verlorenem Posten. Mir blieb also nur die Flucht, und zwar so schnell wie möglich, bevor der Lindwurm auftauchte. Dann hätte ich mein Leben bestimmt verwirkt.
Ich hetzte also zurück durch die zerstörte Anlage, immer horchend, ob ein Geräusch das Nahen des Monsters ankündigte. Ich sah schon die ersten Sonnenstrahlen durch die Ruinen dringen, was bedeutete, dass ich schon nahe beim Ausgang war, als mich das Donnern einstürzender Mauern warnte.
Da kam also der schreckliche Lindwurm. Ich war mir ziemlich sicher, dass meine vergifteten Armbrustpfeile nichts gegen das gewaltige Tier ausrichten würden. Dennoch riss ich meine Armbrust während des Rennens vom Rücken. Sechs Pfeile lagen bereit zum Abschuss. Hinter mir brachen Säulen und Decken ein. Jetzt sah ich den rettenden Ausgang.
Aber nein, ich warf mich nicht ins Tageslicht, sondern wandte mich blitzschnell um, denn meine Neugierde war stärker, ich musste einen leibhaftigen Lindwurm sehen. Wer konnte denn das schon von sich behaupten?
Und da kam er. Eine übergroße, fette Schlange mit einem gewaltigen Maul, in welchem spitze Zähne blitzten und aus dem Feuerstrahlen herauszischten. Mit dem gewaltigen Stachel am Schwanzende schlug sie automatisch alles kurz und klein, während sie sich geschickt vorwärtsbewegte. Sie maß sicher an die zehn Meter und war so hoch wie das dreihörnige Pferd, welches ich erfolglos gejagt hatte.
Jetzt musste ich handeln. Ich hob die Armbrust, der erste Pfeil zischte los und traf das linke, schwarz funkelnde Auge des Reptils. Ich kann von mir behaupten, ein begnadeter Schütze zu sein. Sofort wechselte ich die Position meiner Armbrust und schon sauste der nächste Pfeil ins rechte Auge. Das Untier stoppte die Verfolgung und entsandte seiner Kehle einen ohrenbetäubenden Schrei – und ich schwöre hier an dieser Stelle, dass ich mehrere Stunden danach noch absolut taub war. Eine schwarze Flüssigkeit rann aus den nun blinden Augenhöhlen. Das Tier war zwar blind, aber nicht tot. Das Gift der Pfeile war viel zu schwach für so ein Kaliber. Aber immerhin, der Lindwurm sah mich nicht mehr, hatte Schmerzen, die ihn rasend machten, sodass er nun begann, wie wild im Kreis he­rumzukriechen. Schneller und immer schneller. Wie ein Kreisel. Dazu peitschte der Schwanz wütend gegen Wände und Decke, sodass ich es nun vorzog, aus dem Gebäude zu fliehen, denn nur wenige Sekunden danach brachen die letzten ­Mauern über der Riesenschlange zusammen und begruben sie.
Ob das ihr Tod war, dessen war ich mir nicht ganz sicher. Aber völlig blind und höchstwahrscheinlich schwer verletzt würde das Monster in den kommenden Tagen sicher verenden. Dann wollte ich mit meinem Diener zurückkommen, um die sterblichen Überreste des Lindwurms zu suchen. Ich freute mich schon auf die Gesichter meiner Wissenschaftskollegen, wenn sie den Kadaver dieses legendären Tieres in meiner Sammlung zu Gesicht bekommen würden. Mein Name wäre in aller Munde, mein Ruhm würde sich noch mehr steigern, das Geld würde in meiner Kasse klimpern.
Leider wusste ich in dem Moment noch nicht, dass sich dieses elende Monster in seiner Qual und Wut selber verbrannte, sodass ich Tage später nur noch einen großen Haufen stinkender Asche vorfinden würde. Immerhin fanden sich darin noch ein paar der großen Zähne und der gewaltige Schwanzstachel. Trophäen für meine Sammlung in Willa, aber trotzdem eine klare Niederlage für mich.
Zum Glück wusste ich das noch nicht, als ich meine Flugkatze, die am ganzen Körper vor Angst zitterte, losband, mich auf ihren Rücken setzte und Richtung Heimat davonflog.

5 Sterne
Fantastische Fantasy - 23.04.2012
Katrin Bach

Endlich mal ein spannender Fantasy-Roman ohne Hokus Pokus à la Harry Potter.Ich habe mich genüsslich gegruselt, aber auch amüsiert.

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