Cover: Die Bruderschaft

Die Bruderschaft
Band 2 "Gift"


EUR 25,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 214
ISBN: 978-3-99185-047-2
Erscheinungsdatum: 12.01.2026
Laurin hat es geschafft: Er ist der neue Kaiser von Palminien. Doch auch das Leben als Kaiser ist nicht leicht. Viele Pflichten und Aufgaben wollen erfüllt werden. Und die ehemaligen Regenten hecken schon einen Plan aus, um wieder an die Macht zu kommen …
Zusammenfassung
Die Bruderschaft Band I (Flucht)

Laurin, ein Waisenknabe, der im Kloster Königsberg aufwuchs, wird zusammen mit seinem Lehrer Pipin auf eine geheime Mission in die Hauptstadt des palminischen Kaiserreiches entsandt.
Die beiden sollen dort versuchen, eine Versammlung der Könige zu erwirken, bei der die Angriffe auf verschiedene Klöster des Reiches besprochen werden.
Bevor es dazu kommt, werden sie hinterrücks zusammengeschlagen und ins Gefängnis gesteckt.
Das Oberhaupt der kaiserlichen Familie, Prinzessin Amalaswintha, erfährt, dass Laurin der Sohn ihrer lange vermissten Tochter ist. Es gelingt ihr in letzter Minute, Laurin und Pipin aus dem Gefängnis zu befreien.
Laurin ist seit zweihundert Jahren der erste männliche Nachkomme in der direkten Linie der kaiserlichen Familie und wird zum Kaiser ausgerufen.
Einige der sieben Königreiche, die das Kaiserreich bilden, erklären ihm den Krieg und marschieren auf die Hauptstadt Palmina zu.
Laurin vermag sich mithilfe magischer Drachen zu wehren und die Hauptstadt vor dem Großangriff zu schützen.



Glossar

Hauptpersonen

Laurin, Kaiser von Palminien
Amira, Laurins Mutter
Anastasia, Laurins Tante
Amalaswintha, Laurins Großmutter

Pipin, Laurins Lehrer und Freund vom Kloster Königsberg
Pankraz, Freund Laurins aus dem Kloster Königsberg

Adalwin, der gute «Geist» und Seneschall des Kaiserpalastes
General von Bärenfels, Befehlshaber der palminischen Armee
Quirin, Kommandant der kaiserlichen Leibgarde
Valentin, Stellvertreter Quirins
Warin, Laurins Privatsekretär
Oberst von Winterthal, Chef des palminischen Geheimdienstes
Baron von Blaustern, neuer Truchsess

Kadin, masuristanischer Kronprinz
Litha, Lehrerin Laurins


Laurins Widersacher:

Aswin, Laurins Cousin
Cosmin Semmelbrock, Metzgersohn und Freund Aswins
Malwin Himmelzorn, Sohn eines Bankiers und Freund Aswins
Jorin, Zauberer von Tenebrien
Esmeralda, kossetische Hofhexe
Der Kaiser Kossetiens
Exkönig Sigismund und dessen Mutter
Kümmerling, Ex-Stabsoffizier, genannt die Ratte, Herr von Rato


Die sieben palminischen Königreiche:

Haptinien, König Askwin
Volezien, König Quintin
Tetonien, König Severin
Suram, König Veltin


Ursprünglich von Gegnern Laurins regiert:

Bamalanca, Hauptstadt Bamala
Salvatien, Hauptstadt Königsberg
Kessinien, Hauptstadt Lauwinda


Weitere Länder:

Kaiserreich Kossetien
Masuristan
Malwesinien



Kapitel 1

Sie öffnete eine Phiole mit Pfefferminzöl, verteilte einen Tropfen davon auf ihre Finger und massierte sich damit die Schläfen. Manchmal half es, wenn sie Kopfschmerzen hatte wie jetzt.
Prinzessin Amalaswintha saß allein in ihrem Arbeitszimmer. Es war ein Moment der Stille. Der Duft der Pfefferminze und die entstehende Kühle beruhigten sie, und tatsächlich, die Kopfschmerzen nahmen langsam ab.
Sie musste unbedingt Pipin für das Pfefferminzöl danken.
In letzter Zeit hatte sie öfter Kopfschmerzen, aber es war ja auch kein Wunder, sie hatte kaum Zeit, sich zu entspannen. Sie massierte weiter, bis die Kopfschmerzen gänzlich weg waren.
Sie blieb entspannt sitzen, atmete durch und genoss die Ruhe.
Es klopfte aufdringlich an ihrer Tür. Die Tür wurde geöffnet, bevor sie etwas sagen konnte.
«Kaiserliche Hoheit, entschuldigen Sie bitte, wenn ich störe …»
Die Prinzessin schaute ihre Privatsekretärin, Aurela, einen Moment unverhohlen giftig an. Die schluckte verlegen.
Dann sammelte sich die Prinzessin, und man konnte förmlich sehen, wie sich die kaiserliche Fassade über ihr Gesicht legte.
«Ja, bitte, was gibt es?» Beinahe hätte sie dazu noch jetzt schon wieder hinzugefügt.
«Die beiden neuen Sekretärinnen sind eingetroffen und kaiserliche Hoheit haben den Wunsch geäußert, sie zu begrüßen.»
«Ja, natürlich. Sind sie schon im Ostflügel?»
Sie hatte den Ostflügel, in dem sich das Arbeitszimmer ihres verstorbenen Mannes befand, und ein paar der dortigen Salons in einen Arbeitsbereich für das zusätzliche Personal umgewandelt. Der Ostflügel war jahrelang nicht benutzt worden. Um Arbeitskräfte zu sparen, war alles abgesperrt und eingemottet worden.
«Ja, kaiserliche Hoheit, ich habe sie im Arbeitszimmer 2 untergebracht.»
Sie verbeugte sich andeutungsweise, immer noch etwas verlegen, denn sie spürte, dass sie die Prinzessin wirklich gestört hatte.
Amalaswintha stand etwas mühsam auf. Seit dem Giftanschlag war sie immer noch etwas geschwächt, aber vielleicht war es auch nur ihr Alter.
Die Prinzessin und ihre Privatsekretärin gingen zusammen zum Ostflügel, wo ihr die beiden neuen Mitarbeiterinnen vorgestellt wurden.
Beide sahen tüchtig genug aus und verbeugten sich nervös, als sie der Prinzessin vorgestellt wurden.
«Ich wünsche Ihnen einen guten Arbeitsbeginn. Es wird Ihnen sicher nicht langweilig werden.» Sie lächelte leicht. «Und falls Sie Fragen haben, können Sie sich an meine Privatsekretärin, Aurela, wenden. Sie kann Ihnen alles beantworten.»
Aurela nickte aufmunternd.
«Ich würde vorschlagen, dass Sie zuerst mit der Aussortierung der Korrespondenz beginnen.» Sie deutete auf drei riesige Stapel Briefe.
Amalaswintha verabschiedete sich von ihnen und überließ Aurela die weiteren Ausführungen. Sie machte sich auf den Weg zurück zum Arbeitszimmer und setzte sich ächzend nieder. Die Kopfschmerzen waren wieder etwas zurückgekommen. Es war höchste Zeit für eine Entlastung, für einen neuen Truchsess.

Seit dem Angriff auf Palmina war viel vorgefallen. Die Bewohner waren mit dem Schrecken davongekommen und man spürte, dass sich ihre Beziehung zum jungen Kaiser geändert hatte. Viele Bewohner brachten ihm nun Bewunderung und Ehrfurcht entgegen. Ein Jüngling hatte sie alle vor dem sicheren Tod gerettet.
Man verehrte ihn beinahe, was sich auch in der Flut der Briefe und Päckchen spiegelte, die zum Palast geschickt wurden.
Amalaswintha konnte ihren armen Enkel nicht allein die ganze Arbeit machen lassen und versuchte, ihm so viel wie möglich abzunehmen.
Unter anderem hatte sie sich vorgenommen, sein Geburtstagsfest zu organisieren. Sie hätte nie gedacht, dass die Vorbereitungen fast aufwendiger als für einen Krieg waren. Die ganze Geburtstagskorrespondenz wurde von ihr übernommen, die anderen Bereiche hatte sie delegieren können. So sorgte der Seneschall Adalwin für die Unterkünfte, Verpflegung und die Feiern im Palast, General von Bärenfels für die Sicherheit, und ein spezielles Stabsbüro wurde für die Feiern in der Stadt eingerichtet.
Die Briefe wurden an sie weitergeleitet, die Päckchen wurden von Laurins Privatsekretär Warin entgegengenommen, der auch entsprechende Dankesbriefe verfasste.
Sie hatte inzwischen vier zusätzliche Sekretärinnen eingestellt.
Amela, ihre Assistentin, die schon seit zwanzig Jahren für sie arbeitete, war hoffnungslos überfordert. Früher musste sie ein paar Briefe pro Woche bearbeiten, heute waren es Hunderte.
Ein schüchternes Klopfen ertönte an ihrer Tür.
«Herein.»
Dieses Mal streckte ihre Privatsekretärin nur kurz den Kopf herein.
«Kaiserliche Hoheit, mit Verlaub, wir haben wieder so einen Brief erhalten …»
Sie winkte sie herein und streckte ihre Hand aus. Aurela übergab ihr einen Brief.

An Ihre kaiserliche Hoheit, Prinzessin Amalaswintha von Palminien

Verehrte kaiserliche Hoheit

Vielleicht mögen sich Eure kaiserliche Hoheit an die Gartenausstellung in Palmina erinnern, die kaiserliche Hoheit vor fünf Jahren eröffnete.
Meine Tochter Amalia und ich hatten die große Ehre, Ihnen vorgestellt zu werden.
Aus diesem Grund erlaube ich mir, Ihnen ein paar Zeilen über meine Tochter zu schreiben.
Wie Sie wissen, war sie schon damals ein schönes junges Mädchen und ist inzwischen zu einer entzückenden jungen Frau herangewachsen. Ich kann ohne Bedenken sagen, dass sie in allen Belangen, die einer hochgestellten Person zugemutet werden, ausgezeichnet ausgebildet wurde.
Ihre Musik- und Hauswirtschaftslehrer loben sie in höchsten Tönen. Sie geht regelmäßig in die Ballettstunden und hat dadurch eine anmutige, ja, ich möchte sagen, beinahe königliche Haltung. Sie hat die Konversationskurse an der höheren Töchterschule besucht und das Examen mit Bravour bestanden. Sie hat regelmäßig Reitunterricht und einige Preise bei Turnieren gewonnen.
Ich würde mich daher äußerst freuen, wenn Eure kaiserliche Hoheit unsere und vor allem die Bekanntschaft meiner lieben Tochter Amalia im Rahmen der Feierlichkeiten zum 15. Geburtstag Ihrer Majestät des Kaisers erneuern könnte und auch eine Vorstellung beim Kaiser in Erwägung ziehen würden.

In großer Dankbarkeit, Ihre untertänigste Dienerin
Baronin Irina von Grottenfeld

«Wieder so ein Brief.» Prinzessin Amalaswintha gab ihn ihrer Privatsekretärin Amela kopfschüttelnd zurück. «Wie viele dieser Briefe, die eine Verkuppelung mit Laurin wünschen, haben wir schon erhalten?»
Sie schaute ihre Privatsekretärin an.
«Ich schätze ungefähr 120, kaiserliche Hoheit.»
«Hmm. Sie werden etwas aussortieren müssen. Den höhergestellten Schreibern werden wir einen Platz bei einem größeren Anlass reservieren, wo sie zwar Laurin sehen, aber nicht mit ihm in Kontakt treten können.
Was für Anlässe wären geeignet?»
«Nun, kaiserliche Hoheit, wir hätten da zum Beispiel die Blumenschau zum Anlass des Geburtstages seiner Majestät oder die Fahnenweihe.»
«Ausgezeichnet, ausgezeichnet. Sorgen Sie dafür, dass dort ein paar Plätze für die Gäste des Kaisers reserviert werden. Aber mein Enkel darf auf keinen Fall über diese Briefe informiert werden, wir müssen das für uns behalten. Er hat schon genug Belastung, der arme Junge.»
«Sehr wohl, kaiserliche Hoheit.» Sie nickte verständnisvoll. «Und wie soll ich mit den anderen verfahren?»
«Na, senden Sie vielleicht einen Standardbrief, in dem Sie schreiben, dass im Moment keine Möglichkeiten zur Vorstellung ihrer Tochter mehr bestünden, jedoch die öffentlichen Veranstaltungen allen offenstünden. Irgendetwas in der Art.»
Die Privatsekretärin machte sich kurz Notizen, verbeugte sich und zog sich aus dem Arbeitszimmer der Prinzessin zurück.
Amalaswintha spürte ihr Alter in Situationen wie diesen.
Sie hatte vor, einige altersentsprechende Prinzessinnen einzuladen, aber sie wollte nicht übertreiben. Es handelte sich nicht um eine Brautschau, sondern um den 15. Geburtstag und den ersten Geburtstag als Kaiser. Sie wollte Laurin die Feierlichkeiten nicht vermiesen.
Aber bis dahin gab es noch viel zu tun.



Kapitel 2

Für Laurin war die Zeit auch nicht stehen geblieben. Er hatte ein äußerst vollgepacktes Programm.
Er musste vieles in kurzer Zeit nachholen, was den früheren Kronprinzen in Jahren beigebracht worden war.
Neben all den Regierungsgeschäften musste Laurin auch seine Zauberkraft trainieren.
Für das Training hatten sich Laurin und Pipin den kleinen Wald im kaiserlichen Park ausgesucht. Darin befand sich eine Lichtung, die den idealen Platz und Abschirmung bot. Dort trafen sich Laurin und Pipin jeden Morgen nach dem Frühstück. Für etwa eine Stunde übten sie die Zaubersprüche, dann folgte der normale Unterricht, der in einem Zimmer in der Nähe der Bibliothek stattfand.
Meistens aßen er und Pipin anschließend zusammen das Mittagessen, außer wenn Pipin gerade mit einem dringenden Experiment beschäftigt war, was etwa zwei- bis dreimal pro Woche der Fall war.
Am Nachmittag folgten für Laurin stundenlange Regierungsgeschäfte und Sitzungen. Einige wurden ihm immer noch von seiner Großmutter abgenommen. Praktisch jeden Tag musste er wichtige Entscheidungen fällen. Manchmal zusammen mit dem kaiserlichen Rat, manchmal alleine.
So entschied er zum Beispiel, dass die Tausenden Gefangenen wieder in ihre Heimat zurückgeschickt werden konnten, allerdings wurden die Offiziere noch für die Gerichtsverhandlungen zurückbehalten.
Sigismunds Mutter wurde ebenfalls erlaubt, ihrem Sohn ins Exil zu folgen. (Stabsoffizier Kümmerling gelang, obwohl er als Geheimdienstchef in einer Hochsicherheitsanlage untergebracht worden war, die Flucht. Er wurde zur Fahndung ausgeschrieben, aber er tauchte erfolgreich unter und verschwand spurlos.)
Ansonsten hatte sich das Leben wieder etwas normalisiert, wenigstens für die Bevölkerung Palminas.

Sonntags hatte Laurin keinen Unterricht. Er verbrachte den Sonntagmorgen mit einer Reitstunde und Regierungsgeschäften, der Nachmittag war, sofern es irgendwie möglich war, für die Familie reserviert.
Er fuhr häufig mit Pipin zum Mittagessen zu seiner Großmutter, manchmal kamen sie – und neuerdings auch seine Mutter und Tante Anastasia – zu ihm in den Kaiserpalast, wo er sie bewirtete.

Seit Langem hatte Laurin wieder einen Sonntagnachmittag ohne andere Verpflichtungen und freute sich auf den Besuch bei seiner Großmutter.
Er fuhr mit Pipin in einer der Kutschen los, begleitet von einer Schwadron Leibgardisten. Ein paar der Leibgardisten begleiteten ihn, wo immer er auch hinging, aber sie hielten sich stets diskret im Hintergrund.
Das Mittagessen fand im Palaisgarten unter dem Schatten der großen alten Bäume statt. So war es trotz der üblichen Mittagshitze schön kühl.
Pipin und Laurin wurden von Jakob, Großmutters Hund, mit einem freudigen Bellen und Hochspringen und dann von seiner Großmutter, Mutter und Tante begrüßt, die bereits am Esstisch auf sie warteten.
Neben dem mit einem weißen Tischtuch bedeckten großen Esstisch befand sich ein weiterer, mit allerlei Speisen und Getränken gedeckter Tisch, von dem sie Gajus, der Kammerdiener seiner Großmutter, bediente. Ein paar Bedienstete brachten immer wieder neue Gerichte direkt aus der Küche. Es roch verführerisch.
Großmutter hatte eine exzellente Köchin, die auch Gerichte zubereitete, die nicht mehr so häufig auf den Tisch kamen, da sie sehr aufwendig zu kochen waren.
Sie unterhielten sich über Banalitäten und aßen köstliche palminische Speisen.
Nach der Mahlzeit wurden üblicherweise etwas Tee und eine Süßspeise gereicht.

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