Die Ameisen kommen

Die Ameisen kommen

Joseph Melchior Graf


EUR 17,90
EUR 10,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 216
ISBN: 978-3-99048-047-2
Erscheinungsdatum: 16.06.2015
Yves ist ehemaliger Drogenabhängiger und bekommt einen Job bei Ameisenforscher Charles an der Universität. Als das spanisch-französische Grenzgebirge von Riesenkillerameisen bedroht wird, will Charles die Gefahr für die Bewohner abwenden und die Ameisen vernichten.
1. Erklärendes Vorwort

Dieser Roman spielt im Jahr 2067 und beginnt am Freitag, den 25. Februar, im Spital von Perpignan an der französisch-spanischen Grenze. Die Handlung ist utopisch und die Personen sind frei erfunden. Die Globalisierung ist weitgehend Tatsache. Einzig im zentralen Schwarz-Afrika gibt es noch ein knappes Dutzend Länder mit Armut, Bildungsnotstand und katastrophaler Gesundheitsversorgung. Ihre korrupten Regierungen und die diktatorischen Herrscher haben sämtlichen Fortschritt verhindert. Die beiden Amerika, Europa, Asien und Australien sind politisch in einer stabilen Lage. Die gesunden, fortschrittlichen Länder Afrikas sind in dieser weltweiten Gemeinschaft auch integriert. In Wirtschaft und Wissenschaft ist globales Denken eine Selbstverständlichkeit, wobei eine gesunde Konkurrenz Antrieb bedeutet. Seitdem Sonnenenergie und Kernfusion wirtschaftlich genutzt werden können, ist die Energiefrage gelöst, und Luft- und Wasserverschmutzung bereiten keine Sorge mehr. Sogar finanziell ist sich die Menschheit nahe gekommen: die amerikanische, europäische und chinesische Währung werden zum Kurs 1:1 gehandelt. In allen Volksschulen auf der ganzen Erde ist die englische Sprache mindestens fünf Jahre obligatorisch. Dies bedeutet, dass sozusagen alle Menschen auf der Erde miteinander kommunizieren können.
Die eigentliche Geschichte dreht sich aber um Yves, der vom total Süchtigen den Weg wieder in die gesunde Gesellschaft findet.

Die Protagonisten in diesem Roman sind:
Charles Lager, Dr./*2023/Professor Uni Perpignan, und Ehefrau Claire/* 2028/Dialysefachfrau
Luc Coglier, Dr./(und Marie † 2050)/*2022/Professor Uni Perpignan/Lebenspartnerin Yvonne 2030
Yves/*2048/Sohn von Luc und Marie
Lydia, Studentin/*2047
Paul Marnier, Lic. Theol./*2022 Bischofsvikar und Ehefrau Pia/* 2027 Katechetin
Pierre Meunier, Dr./*2023/Meeresbiologe und Ehefrau Renate/*2029/Biologin
Roland Pagnol/*2033 (Roy)/Chemie-Assistent
Pascal Nicolet, m.econ./Ökonom Stiftungspräsident und Charlotte/*2021/Gerantin


2. Claire fährt heim: 25. 2. 2067

Freitagnachts 23.25 Uhr im großen Spital zu Perpignan. Alles ist dunkel und still. Gedämpftes Licht in den Gängen. Einzig in der Dialyseabteilung ist noch ein Vierer-Saal hell beleuchtet. Hier arbeitet Claire Lager noch, räumt auf und macht die Maschinen bereit für den morgigen Tag. Vor einer Viertelstunde sind die zwei letzten Patienten abgeholt worden. Nun ist auch Claire fertig. Sie löscht die Lichter, begibt sich in die Garderobe und dann zur spitalinternen Tiefgarage. Als sie 10 Meter von ihrem elektrischen kleinen Vierplätzer entfernt ist, deblockiert sie die Ladeöffnung und öffnet die Türen. Durch einen einfachen Knopfdruck auf ihrem Zielgerät stellt sie die programmierte Fahrt nach Hause ein.
Schon fährt der Kleinwagen auf der Ausfallstraße Nordwest und Claire kann getrost ihren Gedanken nachhängen, denn das Auto ist sicher auf Fahrt eingestellt, und sie muss nur ein wenig auf den Verkehr achten sowie ein bisschen überwachen. Sie freut sich sehr auf ihre morgige Einladung. Denn beim letzten Freundestreff im Herbst hat Paul – der Freund ihres Mannes und ehemaliger Mitschüler – sie eingeladen. Sie, d. h. sie selber mit ihrem Mann Charles sowie ein anderes Freundespaar, Luc und seine Frau Yvonne, treffen sich alle am 26. Februar um 12.00 Uhr. Claire ist zudem auch auf einen weiteren Besucher gespannt, welcher von Paul angekündigt wurde. Paul hat nämlich auch seinen Jugendfreund, Pierre Meunier, eingeladen. Pierre war ebenfalls ein ehemaliger Schüler am Gymnasium in Genf, allerdings eine Klasse tiefer.
Nun erblickt Claire in der Ferne ein grünes Leuchten. Es kommt immer näher und sie kann die Schriftzüge an zwei Restaurants ablesen: „Palme“ und „Olive“. Sie muss noch bis zu jenem Kreisel fahren und dann nach links – zwischen der Palme und Olive – in die Hangstrasse einmünden. Die Aufforderung „links einspuren“ ist nun zu hören, und Claire besinnt sich ein bisschen mehr auf die Fahrweise. Schon fährt sie auf den Kreisel zu, umfährt ihn und biegt in die Hangstrasse ein. Die Hangstrasse ist etwa 1.8 km lang und führt direkt ohne Kurven zu ihrer Wohnstätte, der Hangstadt, die an einem Hang der Pyrenäen erbaut wurde. Es handelt sich um achthundert Terrassenhäuser, die in Vierzigerreihen von unten nach oben errichtet wurden. Einige Häuser sind beleuchtet. Auch stehen etwa drei beziehungsweise vier Funiculaires im vollen Licht, und hin und wieder – wenn jemand in ein Funiculaire steigt – geht ein Licht automatisch an. Dies kann Claire von ihrem Auto aus deutlich feststellen. Nun hat sie den oberen Kreisel erreicht, die Straße geht jetzt nach links und nach rechts ab und heißt hier oben Hanggrund. Claire biegt rechts ab und – nach etwa 100 Metern – biegt nochmals rechts ab und fährt schließlich über eine Brücke auf ihren Parkplatz hinunter. Der Parkplatz ist hell beleuchtet. Sie folgert, dass also gerade jemand hier sei oder gewesen sein müsse. Sie steuert auf eine nahegelegene Parklücke, steigt aus, blockiert ihr Ladegerät am Ladestreifen am Boden und schließt ihren Kleinwagen ab. Sie wendet sich wieder nach oben und geht unter der Straße Hanggrund auf die andere Seite zu den Terrassenhäusern, auf die Untergrundstraße. Sie geht links, und schon steht sie unter ihrer Hausreihe C. Nun muss sie die Straße überqueren, zwei Treppen hochsteigen, und dann steht schon eine Liftkabine für sie bereit. Sie öffnet die Tür, steigt ein und stellt auf dem Computer die Zahl 114 ein. Es wird ihr gemeldet zur Abfahrt bereit und der Funiculaire bewegt sich nach oben. Nach ein paar Minuten steigt sie aus, geht links zu ihrer Haustüre und öffnet diese leise. Sie will sich – weil alles ruhig und dunkel ist – nicht bemerkbar machen. Sie geht zuerst ins Badezimmer und macht sich bereit zum Schlafen. Als sie das Schlafzimmer betritt, sieht sie bereits den schlafenden Charles. Ruhige, tiefe Atemzüge verraten, dass er friedlich und tief schläft. Claire schlüpft in aller Ruhe unter die Decke, und schon bald ist sie eingeschlafen.


3. Treff bei Pia und Paul

Claire und Charles sitzen im Kleinwagen und fahren Richtung Perpignan. Schweigend und in Gedanken versunken sitzen beide da. Plötzlich wendet sich Claire an ihren Mann und sagt: „Du, Charles, kennst du diesen Pierre Meunier?“ Charles – etwas verwundert – sammelt seine Gedanken und sagt: „Nein, ich kenne ihn nicht. Ich weiß nur von Paul, dass er aus demselben Ort stammt wie er. Wir waren ja seinerzeit am Gymnasium, am kantonalen Gymnasium in Genf, und da kamen jeweils einzelne Schüler aus dem benachbarten Frankreich und besuchten unsere Schule. Die Mehrheit der Schüler waren zwar Schweizer. In jedem Jahrgang gab es also ein bis zwei – ausnahmsweise mal drei – Franzosen, die aus dem benachbarten Grenzgebiet nach Genf kamen. Mit dem Velo war das eine Viertelstunde bis eine halbe Stunde Fahrt, und so kam auch dieser Pierre Meunier – wie ich weiß mit Paul zusammen – an unsere Schule. Paul wuchs in einem grenznahen Dorf auf. Sein Vater waltete dort – wie ich mich erinnere – als Sigrist, Messdiener, Kirchenbetreuer beziehungsweise als Mann für alle Fälle in der katholischen Kirchgemeinde. Wie ich weiß, war Pierre Pauls Nachbar, und beide fuhren tagtäglich mit dem Fahrrad in die Schweiz. Mittags verpflegten sie sich in der Mensa – wie alle Auswärtigen –, und am Abend fuhren sie dann wieder mit ihren Zweirädern nach Hause. Aber jetzt musst du aufpassen, Claire. Dort vorne kommt die Abzweigung. Wir sind nicht mehr in der Altstadt. Noch etwa 500 Meter und du musst nach rechts abbiegen.“
Claire achtet nun darauf, die richtige Abzweigung zu erwischen und sieht schon bald ein Schild, welches auf die Bischofsresidenz hinweist. Sie biegt rechts ab und fährt auf einer Straße mit einer leichten Steigung etwa 500 bis 600 Meter weiter aufwärts. Danach öffnet sich der Blick. Die Häuser weichen links und rechts zurück. Auf beiden Seiten der Anfahrtsstraße befinden sich nun mehrere Parkplätze. Oben, am Ende des Platzes, ist ein riesiges Tor ersichtlich. Links und rechts davon dehnt sich eine gewaltige Mauer aus. Diese ist etwa 5 bis 6 Meter hoch und begrenzt den unteren Teil der Bischofsresidenz. Die Straße führt direkt auf das große Tor zu und folgt danach rechts und links der Mauer und führt um die Residenz herum. Die Residenz befindet sich innerhalb dieser gewaltigen Mauern, welche im Wesentlichen ein Rechteck bilden. Dieses Rechteck ist in der Längenausdehnung von links nach rechts etwa 180 bis 200 Meter lang und von oben nach unten – in der kürzeren Ausdehnung – etwa 140 Meter lang. Links und rechts hinter den seitlichen Parkplätzen jenseits der Mauern ist je eine Reihe Häuser gleichartigen Baues ersichtlich – die sogenannten Chorherrenhäuser –, jeweils sechs an der Zahl. Sie sind in einem verlotterten Zustand, die Renovierung wäre dringend nötig.
Claire stellt unten vor dem Tor den Motor ab und Charles steigt aus, geht auf das Tor zu und bemerkt, dass hinter ihrem Fahrzeug die Limousine von Luc in Warteposition steht, mit Yvonne auf dem Beifahrersitz. Charles mustert nun die Türglocken, welche sich auf der rechten Seite des Tores in der Mauer befinden: ganz oben steht Domprobst, in der Mitte Bischofsvikar und unten Pförtner. Charles klingelt beim Bischofsvikar, und sofort kommt auf dem Lautsprecher der Hinweis, der Pförtner komme gleich vorbei und öffne das Tor. Nach kaum drei bis fünf Sekunden erscheint der Pförtner, der links hinter dem großen Tor in einem Pförtnerhaus wohnt. Er öffnet das Tor und die zwei Fahrzeuge fahren hindurch bis ans Ende des Pförtnerhauses. Dort befindet sich nochmals eine zweiflügelige Metalltür, welche sowohl von innen als auch von außen geöffnet werden kann. Der Pförtner öffnet mittels Fernbedienung das Tor. Das Tor verschwindet in der Mauer in einer etwa 15 cm breiten Höhlung. Am Boden sind Schienen und auf diesen laufen Räder. Sobald das Tor in der Mauer verschwunden ist, fahren die Autos durch die Toröffnung. Charles steigt aus und ruft seiner Frau zu: „Ich gehe schon hinauf, du musst den Anweisungen des Pförtners folgen. Wahrscheinlich musst du nach links abbiegen und dort hinten parkieren. Wir treffen uns oben vor dem Haus des Bischofsvikars.“
Die beiden Autos biegen nach links ab und der Pförtner weist sie auf die Parkplätze ganz hinten beim anderen Haus. Charles schlendert in der Zwischenzeit eine schöne asphaltierte Straße entlang, direkt auf das Bischofspalais zu. Dies ist ein riesiger Bau: sicher in der Front etwa 30 Meter breit. Er ist in klassizistischem Stil erbaut, vierstöckig und oben mit einem Walmdach versehen. Im Ziegeldach hat es noch Dachluken, vermutlich befinden sich also dort noch weitere Räume. Unten, im Erdgeschoss, ist ein Saal mit einer recht großen Eingangstüre auszumachen. Links und rechts davon befinden sich ebenerdige Fenster, die auch als Türen benutzt werden können. Dahinter ist ein Gartensaal. Darüber, im ersten Stock, befinden sich ähnlich breite Fenster wie unten, nur sind sie weniger hoch. Eine Fensterbrüstung schließt darunter das Stockwerk ab. In der dritten Etage sind noch einmal solche Fenster angebracht, aber mit einem größeren Abstand und es scheint so, als ob sich hinter jedem Fenster ein Zimmer verbirgt. Charles lässt diesen großartigen Eindruck auf sich wirken. Nun steht er bereits vor dem Palais und wendet sich nach links, wo er auf die übrige Gesellschaft trifft, d. h. seine Frau, Luc und Yvonne. Sie werden von Paul – einem großen, sportlich wirkenden Mittvierziger – erwartet. Daneben steht ein Mann, braun gebrannt und mit einer kräftigen Postur ausgestattet. Aha, das muss wohl Pierre sein, denkt Charles und geht auf die Gruppe zu. Paul hat mit der Vorstellung begonnen und alle haben sich gegenseitig begrüßt. Jetzt begrüßt er Luc und stellt Pierre vor, den Direktor der meeresbiologischen Station. Nach diesen freundlichen Begrüßungen und belanglosen Satzfetzen gehen sie alle ins Haus hinein. Das Haus liegt in der oberen linken Ecke der Ummauerung. Es ist in die Ecke eingebaut, dreistöckig und ganz ähnlich ebenerdig scheint wiederum eine Art Gartensaal zu sein. In der Mitte befindet sich ein recht großes Zimmer oder sogar ein Saal. Zuoberst – in der dritten Etage – sind etwa zwei Zimmer mit Fenstern nach vorn. Nach hinten scheint es ebenfalls Zimmer zu haben. Darüber ist ein Walmdach mit roten Ziegeln ersichtlich, genau gleich wie beim Palais. Jetzt sind sie oben beim Haus angekommen. Da werden sie von Pia und von Renate, der Frau von Pierre, erwartet. Wiederum Begrüßungsworte. Dann kommt gleich die Aufforderung von Pia, man solle sich beim hinteren Tisch aufstellen und sich bedienen. Man könne auswählen. Der Aperitif sei bereit. Renate hätte ihr geholfen und den Aperitif dort aufgestellt. In ungezwungener Art steht man herum und betrachtet die Wände mit den Bildern. In der Ecke steht ein schöner alter Kachelofen. Man lässt sich von Paul die verschiedenen Sachen erklären. Fragen da, Fragen dort. Paul und Pia geben abwechselnd Antworten und Erklärungen ab. Eigentlich kennen die Gäste ja die Einrichtung schon. Sie waren ja schon einige Male eingeladen, aber es gibt immer wieder neue Sachen zu entdecken. Plötzlich fragt Luc seinen Freund Paul: „Du, Paul, ich habe das Gefühl, die ganze Geschichte mit dem Bischof sei ein Anachronismus.“ Paul schaut ihn verwundert an und sagt: „Inwiefern ein Anachronismus?“
„Ja“, meint Luc. „Es kommt mir so vor wie die alten Adeligen, die Fürstenhäuser, die Feudalherren, die haben doch das Volk regiert, manipuliert, und die mussten in den letzten 50 Jahren alle abdanken. Sie mussten sich zurückziehen, verloren ihre politische Macht und ihre sogenannten Untertanen, obwohl diese ja schon lange frei waren. Mir scheint, das geht in der Kirche genauso mit den Bischöfen. Auch sie werden in der nächsten Zeit zurücktreten müssen, beziehungsweise verlieren so oder so ihren Einfluss, und die Kirche selber ist doch ebenfalls in der Krise, wie ich gehört habe.“
Jetzt regt sich Widerstand. Pia und Charles wenden sich an Luc und machen einige kritische Bemerkungen und fragen, wie er darauf komme, dass die Kirche in der Krise sei. Im Gegenteil, es sei – und sie werden da auch von Claire unterstützt – eine neue Blüte festzustellen. Luc bemerkt, dass dies gar nichts so sei. Es gäbe keine Priester mehr. Er spreche nicht nur von der katholischen Kirche. Das Gleiche gelte für die evangelische und anglikanische Kirche. Auch in Amerika, bei den Baptisten, bei den Mormonen, überall sei ein Rückwärtstrend zu bemerken. Da erwidert Paul: „Da muss ich dich natürlich belehren. Es gab eine Zeit – diese liegt zwar bereits 50 bis 70 Jahre zurück –, da sah es aus Sicht der katholischen Kirche ziemlich arg aus. Damals gab es eine Überalterung des Klerus und ein Priestermangel war feststellbar. Da kam von der Basis die Forderung, man müsse etwas unternehmen, und zwar, man müsse das Priesteramt wieder attraktiver machen. Vor allem müsse man die Jungen nachziehen. Tatsächlich hat man begonnen, die Bischöfe jünger zu wählen. Wenn vorher das Durchschnittsalter meistens auf 65 bis 70 Jahre anzusetzen war, begann man Bischöfe mit Pfarrern unter 40 zu besetzen. In Einzelfällen wurden sogar unter 35-Jährige gewählt. Innerhalb von 10 Jahren konnte man so das Durchschnittsalter der Bischöfe auf unter 50-jährig herunterbringen. Diese jungen Bischöfe brachten neue Ideen ein und schlossen sich zusammen. Sie pflegten Aussprachen und diskutierten aktuelle Fragen miteinander. Sie begannen auch, sich überkonfessionell mit wichtigen Exponenten der evangelischen, anglikanischen Christen zu vernetzen, und so kamen Gruppierungen zusammen, die allgemeine religiöse Fragen diskutierten. Ebenfalls entstanden Gruppierungen, die vor allem junge und wissenschaftlich gut ausgebildete Persönlichkeiten umfassten. Dies wurde zu einem Erfolg. Innerhalb von 10 bis 15 Jahren hatte man die wichtigsten, brandneuen Fragen zur Diskussion gestellt. Als erste Priorität hatte man über die Homosexualität gesprochen, hatte das Verhältnis von Schwulen und Lesben zur Kirche hinterfragt. Mit Medizinern, Biologen und Psychologen wurde die Problematik dieser damaligen Randgruppen untersucht, und man hatte diese schließlich wieder in die Kirche aufgenommen. Man regelte dies individuell in den einzelnen Bistümern, und zwar im Sinne, dass man sie wieder zu Vollmitgliedern der Kirche machte (wenn sie das wollten). Als das bekannt wurde, sind sehr viele dieser Menschen in den Schoß der Kirche zurückgekommen. Gleichzeitig stellten diese fortschrittlich jungen Bischöfe die Forderung an den Papst, er solle das Durchschnittsalter der Kardinäle ebenfalls senken, d. h. in Zukunft nur noch Kardinäle unter sechzig Jahre beziehungsweise sogar unter fünfzig Jahre zu wählen. Ebenfalls solle eine Altersbeschränkung eingeführt werden, damit sie das Amt als Kardinal nach dem Alter 75 nicht mehr ausüben dürfen. Sie behielten zwar ihren Kardinalstatus, konnten aber zu den wichtigen Geschäften nichts mehr beifügen. Somit geschah es auch ganz natürlich, dass nach etwa vier Papstgenerationen ein neuer Papst gewählt wurde, der weniger als fünfzig Jahre alt war. Weil die Kardinäle auch jünger wurden, hatten sie ein ähnliches Gedankengut wie die jungen Bischöfe. So kam frischer Wind ins Papsttum, und viele alte Zöpfe wurden in den letzten zwanzig Jahren abgeschnitten. Der heutige Papst ist deshalb sehr fortschrittlich und ist mit dem Vorgehen der jungen Bischofsgruppierungen – insbesondere mit diesen überkonfessionellen Gruppierungen und Versammlungen – sehr einverstanden. So kamen noch weitere wichtige Dinge in Gang.“
Inzwischen hatte sich die ganze Gesellschaft zu Tisch begeben, der fein und schön aufgedeckt war und wo die Vorspeise serviert wurde. Man hört Paul ruhig zu und hat sich der Vorspeise angenommen. Fast unmerklich wurde diese aufgegessen. Einzig Paul kam nicht dazu, weil er immer sprechen musste. Nun schaltet sich Luc ins Gespräch ein: „Ja, du hast vorhin gesagt, die Homosexuellen seien aufgenommen worden, aber ich weiß doch, dass mit der Pädophilie der Priester ein großes Problem besteht und bestanden hat.“
Da sagt Paul, weil alles ruhig geworden ist: „Auf dieses Problem komme ich gleich zu sprechen.“

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