Der Krieger der Universen
Jenseits der Existenz
EUR 28,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 372
ISBN: 978-3-7116-1116-1
Erscheinungsdatum: 13.08.2026
Eine epische Science-Fantasy-Saga über Liebe, Verlust und das Schicksal des Auserwählten. Was als Reise durch das Universum beginnt, wird zum Kampf um die innere Ordnung der Universen und führt weit über die Grenzen des Bekannten hinaus.
In einer weit entfernten Galaxie, tief verborgen zwischen leuchtenden Sternennebeln und endlosen Asteroidengürteln, lag ein Sonnensystem, dessen strahlende Planeten in perfekter Harmonie kreisten. Dieses System wurde nicht von einer, sondern von drei Sonnen gehalten, eine uralte kosmische innere Ordnung, die nach den bekannten Gesetzen längst hätte zerbrechen müssen. Doch hier kreiste der Planet Triyon nicht um eine einzelne Sonne, sondern zwischen ihnen, eingebettet in ihre gemeinsame Ordnung. Triyon war ein Ort von stiller Schönheit. Sie überwältigte nicht, sie prägte sich langsam ein. Üppige grüne Ebenen zogen sich über sanft geschwungene Hügel. Wälder waren von bunten Blüten übersät, und zahllose Obstplantagen glänzten im warmen Licht der drei Sonnen. Keine Nacht war je vollkommen dunkel, und kein Tag brannte. Schatten fielen aus mehreren Richtungen, und Zeit wurde nicht in Tagen gemessen, sondern in Übergängen zwischen den Lichtern. Die Bewohner Triyons glaubten, dass ihr Planet deshalb so reich an Leben war, weil er niemals einem einzigen Stern gehörte.
Die erste Sonne, Auralis, war eine große, goldene Lichtquelle. Sie bestimmte den Rhythmus des Lebens. Ihr langsamer Umlauf sorgte für lange, milde Tage und ließ die Ebenen grün leuchten. Unter ihrem Licht wuchsen die Obstplantagen süß und schwer, und die Wälder breiteten sich wie farbige Teppiche aus. Die zweite Sonne, Ceryn, war kleiner und weiß schimmernd. Sie stand tiefer am Himmel und wanderte schneller. Wenn sie sichtbar wurde, kühlte die Luft ab, und ein sanfter Dunst legte sich über Hügel und Täler. In diesen Stunden öffneten viele Pflanzen ihre Blüten, und die Wälder begannen leise zu leuchten, als hätten sie das Licht gespeichert und gäben es zurück. Die dritte Sonne, Myr, war die fernste und schwächste. Sie erschien nur zu bestimmten Zeiten des Zyklus wie ein rötlicher Wächter am Rand des Himmels. Ihre Strahlung war ungewöhnlich weich und drang tief in den Boden ein. Sie nährte Wurzeln, Samen und verborgene Wasseradern und machte Triyon fruchtbar bis in seine tiefsten Schichten. Auf diesem Planeten lebte ein besonderes Volk, die Karabas. Stolz, groß und majestätisch, zeichneten sie nicht nur ihre imposante Statur von über zweieinhalb Metern aus, sondern auch eine Weisheit, die tief in ihrer Kultur verwurzelt war. Triyon wurde von König Eyza und Königin Eyva regiert, deren Titel nicht nur Namen waren, sondern Symbole einer jahrtausendealten Tradition. Auf Triyon bedeutete Herrschaft mehr als Macht. Wer die Namen Eyza und Eyva trug, übernahm die Verantwortung für die innere Ordnung von Natur, Gesellschaft und Wissen. Außerhalb der Herrschaft trugen König und Königin ihre ursprünglichen Namen, doch sobald sie den Thron bestiegen, traten sie in die Rollen ihrer ehrwürdigen Titel.
Die Karabas verfügten über eine außergewöhnliche Gabe: die Telepathie. Diese Fähigkeit ermöglichte es ihnen, Gedanken und Gefühle über große Entfernungen hinweg zu teilen, ohne ein einziges Wort zu sprechen.
Während der telepathischen Kommunikation sprachen sie sich ausschließlich mit Namenskürzeln an, die aus den ersten beiden Buchstaben ihrer Namen bestanden. Bei großen Versammlungen oder öffentlichen Veranstaltungen war diese Form der Verständigung schwierig. In solchen Situationen kommunizierten die Karabas auf herkömmliche Weise durch Sprache. Die Fähigkeit zur Telepathie entwickelte sich erst ab dem zehnten Lebensjahr, da sich zuvor die dafür notwendige Beschaffenheit der Ohren nicht vollständig ausgebildet hatte. Nach dieser Entwicklung war es ihnen sogar möglich, mit fremden Menschen und anderen Wesen zu kommunizieren. Dabei spielte es keine Rolle, welche Sprache das Gegenüber sprach, denn die besondere Struktur der Ohren übersetzte jede Sprache automatisch in ihre eigene Sprache. Sie waren die einzigen Menschen in dieser Galaxie, die diese Fähigkeit besaßen. Es war eine Gabe, die sie mit der gesamten Galaxie verband und sie zugleich einzigartig machte.
Die Karabas lebten im Einklang mit der Natur. Landwirtschaft, Ackerbau und Viehzucht bestimmten ihren Alltag, doch sie nutzten keine modernen Maschinen. Stattdessen halfen ihnen kräftige Tiere bei den schweren Arbeiten. Diese Tiere ernährten sich vielseitig, doch das Volk der Karabas selbst lebte ausschließlich pflanzlich und erreichte so ein Durchschnittsalter von fünfhundert Jahren. Ihre Gesellschaft beruhte auf einem Tauschsystem, bei dem Güter auf Waagen gelegt wurden, bis ein vollkommenes Gleichgewicht erreicht war, denn der Wert des Menschen selbst galt als höchstes Gebot. In derselben Galaxie existierten viele andere Völker. Einige lebten friedlich und naturverbunden, andere waren hoch technologisch entwickelt. Unter ihnen waren die Tikanya, ein Volk, das die Grenzen aller bekannten Technik längst überschritten hatte. Ihre Größe wuchs nicht aus Gier und nicht aus Eroberung, sondern aus dem Willen, Fortschritt und Verantwortung in Einklang zu bringen. Sie verstanden die Sprache der Sonnen. Mit gewaltigen Sternenkollektoren, die wie leuchtende Kronen um ihre Sterne schwebten, gewannen sie jene Kraft, die im Überfluss strahlte, ohne das Gleichgewicht eines Systems zu stören.
Ihre Raumgleiter wurden vom Sonnengleiter-Antrieb getragen, einer außergewöhnlichen Technologie, bei der die vordere Sphäre des Gleiters die nächste Sonne an sich zog, während die hintere Sphäre die zurückliegende von sich abstieß. So glitten ihre Raumgleiter nicht einfach durch den Raum, sondern wurden von Stern zu Stern weitergetragen. Deshalb errichteten die Tikanya auf bewohnten Welten Weltraumaufzüge, damit der Weg zu den Sternen den Welten keinen Schaden zufügte und ihre Raumgleiter erst jenseits der Atmosphäre in den Zug der Sonnen eintreten mussten. So verbanden sie Erde und Himmel, ohne Verwüstung zu hinterlassen, und reisten mit einer Geschwindigkeit, die auf andere Völker wie ein Wunder wirkte. Für die Tikanya war Technik kein Zeichen von Überlegenheit, sondern ein Ausdruck innerer Reife. Doch die Karabas hatten sich bewusst von dieser Technologie abgewandt. Sie vertrauten der Natur, ehrten die Tradition und lebten in Harmonie mit den Elementen. So kreiste Triyon ruhig zwischen drei Herzen aus Feuer, gehalten von einer Ordnung, die älter war als jede bekannte Zivilisation. Ein Ort, an dem Schönheit nicht trotz der kosmischen Anomalie existierte, sondern ihretwegen. Triyon beherbergte über zehn Millionen Karabas, die in kleinen Dorfgemeinschaften lebten. Ihre Felder und Plantagen waren reichlich gesegnet, und die fruchtbaren Böden trugen mehr Früchte, als die Bevölkerung je verzehren konnte. Überschüssige Früchte wurden zu den Weltraumaufzügen gebracht und gegen feine Fasern eingetauscht, aus denen die Karabas ihre Kleidung selbst herstellten. So lebten die Karabas in Frieden, Zufriedenheit und Harmonie, ihre Tage erfüllt vom Licht der drei Sonnen und der Weisheit ihrer Ahnen. In den entfernteren Regionen der Galaxie kursierten seit einigen Jahren beunruhigende Berichte. Vereinzelte Welten berichteten von einem Krieger, der aus dem Nichts erschien und ebenso spurlos wieder verschwand. Niemand wusste, woher er kam. Manche hielten diese Geschichten für übertriebene Legenden reisender Händler, andere sprachen von einer Macht, die selbst ganze Flotten nicht aufhalten konnte. Die Tikanya, deren Netz aus Beobachtungsstationen viele Bereiche der Galaxien überwachte, hörten von diesen Gerüchten und begannen, einzelne Berichte aufmerksam zu sammeln. Auf Triyon nahm man diese Gerüchte kaum ernst. Die Karabas glaubten an die innere Ordnung des Universums und daran, dass keine einzelne Macht stark genug sein konnte, sie zu erschüttern. Während das Leben auf Triyon seinen ruhigen und geordneten Lauf nahm, folgten die Entscheidungen der Ältesten weiterhin den alten Traditionen.
In dieser geordneten Welt kündigte der Rat der Ältesten, dass die Zeit der Königswahlen gekommen sei, um einen neuen König zu wählen. An diesem Tag wählten die Karabas ihre neuen Herrscher, während die drei Sonnen sich zu einer Konstellation ordneten, die nur alle fünf Jahre wiederkehrte – ein Himmelsschauspiel von unvergleichlicher Schönheit und Macht.
Das gesamte Volk versammelte sich auf der weiten Ebene vor dem königlichen Palast. Die Luft war erfüllt von Spannung, Erwartung und Ehrfurcht. Wer zum König gekürt werden wollte, musste nicht nur Weisheit und Klugheit beweisen, sondern den Intelligenztest bestehen, eine Herausforderung, die nur die Gelehrtesten und Weitsichtigsten meisterten. König Eyza, der neun Krönungen erlebt hatte und sein Volk seit Jahren mit ruhigem Urteil durch viele Prüfungen geführt hatte, wurde zum zehnten Mal gewählt. Das Volk liebte ihn, vertraute ihm und wusste, dass seine Entscheidungen stets von Weitsicht getragen waren. An diesem besonderen Tag schien der Kosmos selbst den Atem anzuhalten. Auralis, das goldene Licht, stand hoch und majestätisch wie ein Wächter der Lebenskraft und tauchte die sanften Hügel und Obstplantagen in warmes, fast flüssiges Gold. Ceryn, das wandernde weiße Licht, glitt schneller über den Himmel wie eine leise Schneeflocke aus purem Licht. Myr, das ferne rötliche Licht, tauchte den Rand des Himmels in eine tiefe, geheimnisvolle Wärme. Zusammen bildeten die drei Sonnen ein kosmisches Dreieck, das aus jedem Blickwinkel anders erschien: mal wie eine leuchtende Krone, mal wie ein sich bewegendes Herz, mal wie ein Schlüssel, der die Welt öffnete. An genau diesem Tag traten die frisch gewählten Herrscher vor die Ältesten. Dies war der Moment der Krönung, der einzige Zeitpunkt, in dem die innere Ordnung der Sonnen ihre volle Macht offenbarte und die Wahl des Königs und der Königin in Einklang mit dem Kosmos stand. Eyza und Eyva traten vor, und über ihnen glühte das Dreieck der Sonnen wie ein lebendiges Zeichen von Ordnung, Wandel und Erinnerung. Die Karabas hielten den Atem an, als der Älteste begann, die Legende der drei Lichter zu erzählen. „Bevor Triyon Form annahm“, sprach er langsam, „war der Raum leer.“ Nur ein namenloses Licht existierte, hell und grenzenlos, doch es erkannte sich selbst nicht. Dann spaltete sich das Licht in drei, nicht aus Zorn, sondern aus Erkenntnis. Auralis erhielt den Atem des Werdens, Ceryn die Bewegung des Wandels, Myr die Tiefe der Erinnerung.
Gemeinsam begannen sie zu kreisen, nicht gegeneinander, sondern miteinander. „Dort, wo ihre Wege sich kreuzten, entstand Triyon.“ Während der Älteste sprach, bewegten sich die Sonnen leicht, als antworteten sie auf seine Worte. Auralis schimmerte stärker, als wolle es Eyza segnen, Ceryn zog feine Lichtfunken über Eyvas Schultern, und Myr ließ den Boden unter ihnen sanft erbeben. Die Konstellation pulsierte, als wäre sie lebendig, ein atemberaubendes Schauspiel, das die Herzen aller Anwesenden schneller schlagen ließ. Der Älteste wandte sich Eyza und Eyva zu. „Ihr seid die Ersten, die die Namen und die Bedeutung der drei Sonnen in ihrer ganzen Tiefe verstehen. Auralis gibt euch Kraft und Rhythmus, Ceryn schenkt euch Mut und Anpassungsfähigkeit, und Myr verleiht euch die Weisheit, zu bewahren, was Bestand haben muss. Eure Herrschaft beginnt nicht mit Macht, sondern mit Verantwortung: mit der Aufgabe, die innere Ordnung der drei Lichter zu wahren.“ Eyza spürte das goldene Taktgefühl von Auralis in seiner Brust, Eyva die flüchtige Eleganz von Ceryn in ihren Gedanken, und beide nahmen Myrs stille Tiefe in sich auf. Sie senkten das Haupt, während die drei Sonnen über ihnen leuchteten wie uralte, weise Begleiter. „Ich ernenne euch hiermit zu König und Königin von Triyon“, sprach der Älteste. „Geht in das Licht. Führt unser Volk mit Weisheit, Mut und Liebe. Hört auf die Stimmen der Sonnen, und sie werden euch leiten.“ So traten Eyza und Eyva ihr Amt an, an einem Tag, der nur alle fünf Jahre wiederkehrte. Die drei Sonnen tauchten Triyon in ein himmlisches Schauspiel, das noch Jahrhunderte später in den Geschichten der Karabas fortleben sollte. Jeder Karabas wusste: Wer Zeuge dieses Anblicks wurde, vergaß ihn nie. Die neuen Herrscher begriffen, dass ihre Krönung mehr war als nur ein Ritual. Sie war ein kosmisches Versprechen, getragen von Ordnung, Wandel und Erinnerung.
Viele Jahre nach ihrer ersten Krönung standen Eyza und Eyva zum zehnten Mal unter dieser Konstellation. Doch erst jetzt begriffen sie die Bedeutung der drei Sonnen in einer Tiefe, die ihr Verständnis von Herrschaft für immer veränderte. Nach den Wahlen folgte ein alter Brauch, tief verwurzelt in der Kultur der Karabas: der traditionelle Wettkampf. Dabei ging es darum, den Gegner aus dem Kreis zu drängen, ausschließlich durch eine hochentwickelte, ritualisierte Kampfkunst, die seit Generationen weitergegeben wurde. Gewalt, rohe Kraft und unkontrollierte Angriffe waren verboten. Erlaubt waren nur präzise Bewegungen, das Lesen von Energie, Gleichgewicht und Absicht. Jeder Schritt folgte einer inneren Ordnung, jede Abwehr ging nahtlos in eine Führung über. Die Augen der Kämpfer waren verbunden. An Kopf, Hals, Hüfte und Gelenken trugen die Teilnehmer besondere Ringe aus resonierendem Material, die das gewöhnliche Sehen ersetzten. Bei jeder noch so kleinen Bewegung erzeugten diese Resonanzringe feine Schwingungen, die sich wie Wellen durch den Körper und den Boden ausbreiteten. Die Kämpfer lernten, diese Schwingungen zu spüren, zu deuten und zu beantworten. Jahre des Trainings waren nötig, um diese Sprache der Resonanz zu verstehen, denn sie verlangte vollkommene innere Ruhe. Wer von Angst, Zorn oder Ehrgeiz beherrscht wurde, erzeugte chaotische, unlesbare Muster und verlor. Dieser Wettkampf wurde der „Kampf der Seher“ genannt, weil die wahren Seher jene waren, die ohne Augen sahen. Der Sieg bestand darin, den anderen mit minimaler Bewegung, mit einem einzigen richtigen Impuls aus dem Kreis zu führen, ein Zeichen höchster Meisterschaft, Selbstkontrolle und innerer Klarheit. Die Besten traten gegeneinander an, und den Sieger ehrte man mit dem Titel: Held der Seher. Nachdem König Eyza den Tag bestimmt hatte, begannen die Vorbereitungen. Während sich das Volk auf den Wettkampf vorbereitete, erreichte eine Nachricht aus einer fernen Galaxie den Rat der Ältesten. Eine ganze Raumstation der Tikanya war zerstört worden, ohne dass man eine Spur des Angreifers gefunden hatte. Einige Zeugen sprachen von einem einzelnen Krieger, dessen Kraft jedes bekannte Maß zu sprengen schien. Solche Berichte waren schwer zu glauben, und so legte man die Nachricht zu den vielen unerklärlichen Ereignissen der Galaxien, über die man später nachdenken wollte. Trotz der Gerüchte ließen sie von den Vorbereitungen nicht ab, sondern führten sie mit unbeirrbarer Entschlossenheit fort. Wochen später war es so weit. Viele junge Karabas kamen gemeinsam mit ihren Eltern, um am Wettkampf teilzunehmen. Einer nach dem anderen stellte sich vor. Dann trat jener vor, der als Held der Seher galt und noch nie einen Kampf verloren hatte. Sein Name war Alakan. Mit der Zeit wurde dieser Wettkampf in der gesamten Galaxie bekannt und beliebt. Alle fünf Jahre veranstalteten verschiedene Welten einen großen Wettbewerb daraus, dessen Sieger den Titel Held der Galaxie erhielt. Der Erste, der diesen Titel gewann, war Alakan selbst. Als er sich aus dem Wettbewerb zurückzog, widmete er sich der Aufgabe, seinen Sohn Nurza zu unterrichten. An diesem Tag standen Alakan, seine Frau Aleya und ihr Sohn Nurza vor König Eyza und Königin Eyva.
Alakan verbeugte sich tief, und Aleya neigte ehrerbietig den Kopf. „Königin Eyva, wir grüßen euch“, sprach Alakan. „Unser König, wir grüßen dich, Träger der langen Herrschaft und Stolz unseres Volkes“, sagte Aleya. Alakan legte die rechte Hand auf die Schulter seines Sohnes, Aleya die linke. Einen Augenblick lang schwiegen beide. Die Ebene wurde still. „Nach der Ordnung unserer Ahnen stehen wir vor euch“, sprach Alakan. „Nach dem Willen unserer Linie nennen wir vor euch den, der nach uns gehen soll“, sagte Aleya. Dann hob Alakan den Blick. „Ich ging einst den Weg des Wettkampfes“, sprach er. „Nun soll unser Sohn den Weg betreten, den seine Zeit für ihn geöffnet hat“, sagte Aleya. „Wir tragen seinen Namen vor euch“, sprach Alakan. „Wir bitten, dass ihm der Pfad nach Recht und Ordnung geöffnet wird“, sagte Aleya. König Eyza trat einen Schritt vor und antwortete: „Wir grüßen euch. Sei uns willkommen, Alakan, Stolz unseres Volkes und Held der Galaxie. Doch hinter der Größe eines Helden steht die Würde und Stärke einer Frau. Deshalb gebühren auch dir, Aleya, unser Gruß, unsere Achtung und unsere Ehre.“ „Es ist mir eine Ehre, und mit größtem Vergnügen erlaube ich eurem Sohn Nurza die Teilnahme.“ Dann umarmte er Alakan herzlich. „Vor langer Zeit, bevor ich König wurde, habe ich jeden Kampf gegen dich verloren, weil du der beste Krieger unserer Zeit bist.“
Alakan lächelte. „Ich habe jede Wahl zum König gegen dich verloren, mein alter Freund, weil du der Weiseste unter uns bist.“ Seit ihrer Kindheit verbanden sie tiefer Respekt, große Achtung und echte Freundschaft. Kurz darauf begann der Wettkampf. König Eyza und Alakan traten gemeinsam vor die versammelten Millionen. Ein gewaltiger Jubel erhob sich, Fahnen wehten, Trommeln hallten über die Ebene, und die Luft vibrierte vor Erwartung. König Eyza sprach von Tradition, Ehre und dem Wert der inneren Ordnung. Danach trat Alakan vor, ruhig und würdevoll, mit dem Blick eines Mannes, der mehr Kämpfe erlebt hatte als jeder andere. Die jungen Teilnehmer verbeugten sich vor dem König und vor dem Volk. Unter ihnen stand Prinz Feyza, der erstgeborene Sohn des Königs, aufrecht, fokussiert und entschlossen. Dann begann der Kampf der Seher. Der Kreis füllte sich mit Bewegung. Körper stießen zusammen, Füße wirbelten Staub auf, Ringe klangen leise, während sie ihre Schwingungen aussandten. Einer nach dem anderen schied aus. Manche schnell, andere erst nach langem Ringen. Stunden vergingen, die Sonnen wanderten über den Himmel, doch die Spannung ließ nicht nach. Am Ende standen sich zwei Kämpfer gegenüber. Prinz Feyza und Nurza. Ein Moment völliger Stille. Dann begann der entscheidende Moment. Ein tiefer, gespannter Atemzug ging durch die Menge, dann trafen die beiden Kämpfer aufeinander. Sie bewegten sich im Kreis, tastend, lauschend auf jede Schwingung, jede kleinste Regung des Gegners. Keiner wollte den ersten Fehler machen. Dann explodierte der Kampf. Sie stürmten aufeinander zu, wichen aus, griffen an, fielen, standen wieder auf. Staub wirbelte auf, die Ringe an ihren Körpern vibrierten unaufhörlich. Jeder Treffer, jeder Schritt konnte das Ende bedeuten. Die Menge tobte, hielt den Atem an, schrie vor Spannung. Minuten wurden zu einer Ewigkeit. Keiner von beiden gab nach. Doch Nurza fand den entscheidenden Moment. Mit der Kraft, dem Mut und der Entschlossenheit eines Kriegers warf er seinen Gegner aus dem Kreis. In diesem Sieg lag bereits die Ahnung, dass Nurza das Vermächtnis seines Vaters weitertragen würde. Alakan hatte Nurza jahrelang auf diesen Moment vorbereitet, und jetzt nahm er ihn stolz in die Arme. Aleya liefen Freudentränen über das Gesicht, denn sie spürte, dass sich dieser Augenblick für immer in ihr Herz schreiben würde. Mit dem Ende des Wettkampfs fiel die Spannung von der Menge ab, und das Fest entfaltete sich wie ein Atemzug, der zu lange angehalten worden war. An diesem Abend feierten sie Nurzas Sieg. Es wurde gegessen, getanzt, und Musik zog durch die Räume, bis selbst die letzten Reste der Anspannung verflogen waren. Die Freude dieser Nacht erfüllte alle bis tief ins Herz. König Eyza hielt eine kurze Ansprache und dann sprach er zu Nurza: „Unser Volk blickt mit Stolz auf dich, und auch ich ehre deinen Sieg. Du wirst den Weg deines Vaters weiterführen und als zweiter Held der Galaxie in die Geschichte eingehen.“ Königin Eyva gratulierte Nurza herzlich und führte ihn an den Tisch, an dem die Prinzessinnen saßen. Dann sagte sie lächelnd: „Du darfst eine Prinzessin zum Tanz auffordern.“ Auf genau diesen Augenblick hatte Nurza insgeheim gehofft. Er kannte die Prinzessinnen nur flüchtig und war entsprechend nervös. König Eyza hatte viele Kinder, und fünf davon waren Töchter. Der Reihe nach begrüßte Nurza die Prinzessinnen. Er verbeugte sich höflich, lächelte, sagte ein paar freundliche Worte, doch nichts davon blieb ihm im Gedächtnis. Sein Herz schlug ruhig, fast gelangweilt, bis zu dem Moment, als er vor der jüngsten Prinzessin stehen blieb. Als Nurza Prinzessin Elmas in die Augen sah, geschah etwas Unerwartetes. Die Geräusche um ihn herum verschwammen. Lachen, Musik, selbst sein eigener Atem rückte in weite Ferne. Ihre Augen waren klar und warm, und in ihnen lag eine stille Sanftheit, die ihn bis ins Innerste traf. Ihm stockte der Atem, seine Gedanken verstummten, und für einen Moment vergaß er, wer er war und wo er sich befand. Die Schönheit der Prinzessin war atemberaubend, doch es war nicht nur ihr Aussehen. Es war ihre ruhige Ausstrahlung, ihr leichtes Lächeln, das Nurza vollkommen aus dem Gleichgewicht brachte. In diesem Augenblick öffnete sich etwas zwischen ihnen, lautlos und ungefragt. Auf Triyon war dies weder ein bewusster Akt noch eine Entscheidung. Wenn zwei Herzen einander erkannten, öffnete sich ein telepathischer Kanal von selbst, ohne Einladung, ohne Willen. Er entsprang nicht dem Verstand, sondern der inneren Ordnung. Instinkt und Gefühl bestätigten einander, und wer dies erlebte, wusste es augenblicklich. Nicht weil sie es wollten, sondern weil es zwischen ihnen geschah. Elmas spürte es im selben Moment. Ein leiser Widerhall in ihrem Inneren, vertraut und neu zugleich. Sie erschrak nicht. Sie verstand. So, wie man etwas versteht, das man nicht erklären muss. Mit großer Mühe sammelte er all seinen Mut und brachte die Worte hervor, um sie zum Tanz aufzufordern.
Elmas lächelte und legte ihre Hand in seine. In diesem Augenblick richteten sich alle Blicke auf sie. Als sie gemeinsam die Tanzfläche betraten, war Nurza so nervös, dass er aus Versehen über den Saum ihres langen Kleides stolperte und ihr leicht auf den Fuß trat. Ein Raunen ging durch den Saal, das sich sofort in warmes, ungläubiges Lachen verwandelte. Der stärkste junge Krieger des Volkes wirkte in diesem Augenblick so unbeholfen, dass selbst das Lachen zärtlich wurde. Nurza lachte verlegen, während Elmas ihn sanft ansah. In ihrem Blick lag kein Spott, nur Wärme. In diesem Augenblick spürte Nurza etwas, das größer war als alles, was er kannte, ein Band, das ihn von da an untrennbar begleitete. Nicht Stärke, nicht Mut im Kampf, sondern dieses Gefühl, verletzlich zu sein und dennoch angenommen zu werden. Sie tanzten weiter, zunächst unsicher, dann immer ruhiger, bis sich ihre Bewegungen wie von selbst fanden. Alle um sie herum sahen, wie gut sie zueinander passten. Sie feierten bis in das erste blasse Licht des Morgens hinein, als Auralis langsam über den Horizont stieg und die letzten Schatten der Nacht auflöste. Doch für Nurza endete dieser Abend nicht mit dem Tanz. Etwas war zwischen ihnen erwacht, das sich jeder Erklärung entzog und dennoch unübersehbar war. In den Zyklen danach begegneten sich Nurza und Prinzessin Elmas oft, ohne sich zu berühren, ohne öffentlich zu sprechen. Die Karabas sahen darin nichts Ungewöhnliches, denn niemand stellte sich gegen das, was im Geist geschah. Der geöffnete Kanal blieb bestehen, ruhig und klar. Über ihn teilten sie Gedanken, Erinnerungen und leise Gefühle, ohne ihn je benannt zu haben.
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