Cover: Das unsichtbare Band der Gefährten

Das unsichtbare Band der Gefährten
Die Clan's


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 96
ISBN: 978-3-7116-0578-8
Erscheinungsdatum: 12.11.2025
Dieses Buch zeigt, dass wir unsere Welt mit Tieren teilen. Als Valerio in eine Clanverschwörung und einen Mord gerät, kämpft er mit Familie, tierischem Partner und seiner Liebe ums Überleben. Ein Zufall? Eine innere Stimme scheint mehr zu wissen.
Kapitel 1


Meine Heimat

Mein Name ist Valerio la Porti. Ich möchte euch meine Geschichte erzählen, die in meinen jungen Jahren ihren Lauf genommen hat. Meine Schwester Wanda und ich sind in einer kleinen Küstenstadt aufgewachsen. Die Küstenstadt hieß Schellpertu. Sie war eine Handelsstadt, die schwer mit einem Auto zugänglich war. Am Hafen der Stadt war ein regelmäßiger Schiffsverkehr mit verschiedenen Waren der Gegend. Es herrschte daher ein typisches Handelsgeschäft.
Alles fing an einem sonnigen Morgen an, dem ersten Tag meiner großen schicksalhaften Geschichte. Es war Sommeranfang, die Bäume zogen wieder ihren grünen Blättermantel an und die Wiesen wurden farbenfroh. Die Bienen summten, die Vögel zwitscherten munter ein Lied.
Ein Sonnenstrahl kitzelte meine Nase, ich versuchte langsam, meine Augen zu öffnen. Meine Augenlider fühlten sich an, als hingen Bleigewichte an ihnen. Ich bekam sie nur für einen kurzen Moment auf. Ich schloss wieder meine Augenlider, sie waren noch so schwer.
„Valerio, folge deiner Bestimmung.“ Wer sprach zu mir?! Ich schreckte auf und saß senkrecht auf meinem Bett. Ich versuchte, mich zu beruhigen, und schaute mich nach der Stimme um, aber vergebens. Mein Nacken war voller Schweiß und meine Hände fühlten sich nass an.
Ich atmete tief ein und ließ die frische Luft durch meinen Körper strömen. Nachdem ich mich beruhigt hatte, roch ich einen herrlichen Duft. Es roch nach etwas frisch Gebackenem und langsam bekam ich meine Augenlider wieder auf.
Ich saß immer noch auf meinem Bett und sah mich um. Es drangen Sonnenstrahlen durch die Holzklappe an meinem Fenster und ich merkte, wie sie den Raum etwas aufwärmten. Es ist nicht hell, es sind Umrisse der Möbel zu erkennen.
In der Mitte des Raumes lag ein Teppich. Ich brauchte nicht viel in meinem kleinen Zimmer und besaß nur einen kleinen selbstgebauten Holzkleiderschrank, einen Holzstuhl und ein Bett. Auf dem Tisch stand eine Vase mit frischen Blumen, die meine Mutter Rachel im ganzen Haus verteilte und es so farbenfroher gestaltete.
Die Tür war leicht geöffnet, es drangen Stimmen aus einem anderen Raum ein. Es waren Frauenstimmen, lautes Gelächter drang in den Flur, der an mein Zimmer angrenzte. Ich konnte nicht ganz verstehen, was sie sagten oder worüber sie lachten. Schließlich beugte ich mich auf und ging zum Fenster, klappte die Holzklappe hoch und flutete den Raum mit Sonne Ich betrachtete den Innenhof und atmete tief ein und aus. Ich merkte, dass mein Kopf und meine Gedanken noch nicht bereit waren. Mein Körper wäre am liebsten losgerannt, aber ich gab mir noch ein paar Minuten am Fenster und genoss stattdessen noch die Ruhe.
Ich ging in Richtung der Stimmen durch die Tür, in den Flur. Eine Stelle des Holzbodens knarrte, als ich über diese schritt. Ich blieb an der Türschwelle des Schlafzimmers meiner Eltern stehen. Es war bunt eingerichtet, mit vielen Bildern an der Wand. In dem Zimmer standen ein Doppelbett und ein großer Kleiderschrank. In einer Ecke des Raumes befand sich ein kleiner Tisch, darauf waren Pinsel und verschiedene Farben. Ein Ölgemälde stand auf einer Staffelei, darauf war ein Mann, der auf einem Pferd saß, abgebildet.
Ich trat ein Stück an das Bild heran und erkannte, dass der Mann rote Haare hatte. Er war sehr gut gekleidet. Ich fragte meinen Vater oft, wer das ist und weshalb er diesen Mann zeichnete, aber er wich immer geschickt der Frage aus.
Ich kehrte wieder um, folgte dem Geruch des Essens,, und stand in der Küche.
„Guten Morgen, Schlafmütze, bist du endlich aufgestanden? Komm, setz dich und iss das frisch gebackene Brot und die Suppe mit mir.“ Meine Mutter strahlte, als sie mich sah, und umarmte mich ganz fest. „Mutter, ich gehe zu den Hühnern und füttere sie.“ Meine Schwester Wanda lächelte mich kurz an, nahm mich in den Arm und ging aus dem Zimmer.
Ich war noch etwas verschlafen und hob nur die Hand ihr hinterher. Ich setzte mich und schenkte mir und meiner Mutter Milch in zwei Becher ein, einen für mich und einen sie. Rachel setzte sich schwungvoll auf ihren Stuhl und nahm einen großen Schluck Milch aus ihrem Becher.
„Valerio, hilf bitte deinem Vater beim Holzhacken, wir brauchen Feuerholz, damit ich unser Mittagessen kochen kann. Danach kannst du dich mit Arthur treffen.“ „Das mache ich, Mutter, Arthur muss auch erst heute Vormittag etwas erledigen, wir treffen uns später.“ Wir besaßen noch einen alten Kaminofen mit zwei Herdplatten, der mit Feuerholz beheizt wurde. Wir lebten sehr einfach. Zur Beleuchtung dienten Kerzen, und am Abend spielten wir Karten oder Brettspiele.
Meine Mutter stand so schwungvoll wieder auf, wie sie sich hingesetzt hatte. Sie nahm einen Kochlöffel, rührte in dem Kochtopf mit Suppe darin herum und pfiff munter ein Liedchen vor sich hin. Meine Mutter war eine Frohnatur und die aufgeschlossenste Person, die ich kannte.
„Mutter, danke für das Essen, ich richte mich jetzt zusammen und gehe Vater helfen.“ Ich umarmte sie und ging aus der Küche.
Ich richtete meine hellen braunen Haare zu einer ordentlichen Frisur im Spiegel. Ich zog mein weißes Leinenhemd an und meine dunkelbraune Latzhose. Als ich einen Schritt durch die Haustür machte, blieb ich kurz stehen, ließ die Sonnenstrahlen auf meiner Haut wirken und spürte ihre angenehme Wärme. Ich hörte, wie jemand angestrengt an etwas arbeitete und sah, wie mein Vater Turin zu einem kräftigen Hieb mit seiner Axt ausholte und ein Holzstück in zwei Teile auseinandersprang.
„Valerio, komm zu mir. Bestimmt hat dich deine Mutter zu mir geschickt. Hilf mir bitte beim Kleinhacken der Holzstämme.“ Er trug seine blaue Hose und ein hellgraues Hemd. Sein kupferfarbener Vollbart passte perfekt zu seinem Haar.
Er legte seine Hand auf meine Schulter und mit der anderen drückte er mir eine zweite Axt in die Hände. „Los geht’s, mein Sohn, zeig deinem alten Herrn, wie stark du bist.“
„Mein Sohn, wollen wir ein bisschen an deiner Kampfkunst arbeiten?“, fragte er mich, nachdem wir einen großen Stapel an Holzscheiten angehäuft hatten.
„Ja, sehr gerne“, erwiderte ich. „Sieh genau zu.“ Turin streckte die Faust nach mir und meiner Wange aus.
„Valerio, wenn dein Gegner dir einen Faustschlag versetzen möchte, schütze dich immer mit deiner anderen Hand, zum Beispiel in deinem Gesicht, und nutze die ungeschützten Stellen seines Körpers aus.“ Turin zog seine Faust zurück, hob sein Bein und gab mir einen leichten Tritt an mein Knie.
Ich spürte sofort, wenn dies ein harter Schlag gewesen wäre, wäre ich wie ein nasser Sack zu Boden gegangen.
„Jetzt wäre dein Gegner zusammengesackt und nun holst du mit deiner Faust kräftig aus und schlägst ihn mit voller Kraft in sein Gesicht.“ Turin stellte sich wieder vor mich.
„Danke, Vater, das merke ich mir, ich werde weiterhin üben.“
Er grinste über beide Ohren und widmete sich wieder seinem Stapel Holzscheite. „Alt“, denke ich mir. Mein Vater ist noch sehr gesund und agil für sein Alter. Er zeigt den ganzen Männern in den mir bekannten Küstendörfern bei jedem Wettkampf, der einmal im Jahr stattfindet, wer der Stärkste im Lande ist. Nachdem wir alles zerhackt hatten, trugen mein Vater und ich alles in die Küche in eine Nische. Dort stapelten wir es auf. Ich verabschiedete mich von meinem Vater und meiner Mutter, die mittlerweile im Garten mit dem Gießen der Blumen beschäftigt war.
Ich habe die Schmiedekunst von meinem Vater beigebracht bekommen und besaß Stücke, wie zum Beispiel Äxte und Dolche. Bevor ich mein Zuhause verließ, ging ich in meine kleine Schmiede. An der Wand hing eine Doppelaxt, die ich geschmiedet hatte, und ein paar Dolche. Ich nahm eines der Dolche und betrachtete es. Der Griff war mit Holz bestückt, der Dolch war etwa einen halben Ellenbogen lang und war an allen Seiten geschärft. Ich nahm den Dolch und steckte den Dolch in ein Halfter dass sich an meinem Gürtel am Rücken befand.
Ich lief in das Dorf und ließ meine Blicke schweifen.
Schellpertu lag an einer großen Küste, umringt von einer Felswand. Ringsherum errichteten die Bewohner ihre kleinen Häuser und bauten sich so eine schöne Stadt. Schiffe legten an, Händler kamen ein paarmal in der Woche und verkauften ihre Waren. Die Händler handelten mit allem, was sie bekamen, von Stoffen über Gold, Gewürze, Ersatzteile, jegliche Lebensmittel und vieles mehr.
Die Häuser waren sehr schön gebaut. Ihre Fassaden wurden in verschiedenen Farben bemalt und die Dächer alle mit roten flachen Ziegeln versehen. Die Gebäude waren schon etwas älter, aber die Schellpertuniser hegten und pflegten ihre kleinen Häuser wie Schätze.
Es gab hier alles, was für das Leben benötigt wurde. Wir waren wie viele Küstendörfer auf den gefangenen Fisch der Meere angewiesen, ebenfalls bauten wir selbst Getreide und Gemüse an und führten ein bescheidenes Leben, aber waren dennoch sehr zufrieden. Die Küstenstädte wurden von unserem Fürsten Speranza regiert. Wir bekamen ihn sehr selten zu Gesicht, weil er meist in seinem Palast in Bari war. Ein- bis zweimal im Jahr besuchte er die Küstenstädte und beehrte uns mit seiner Anwesenheit.
Mein Vater ging meistens früh zum Fischen und tauchte nach Perlen, die wir am Hafen verkauften. Manchmal ging ich mit. Meine Mutter und meine Schwester kümmerten sich um den Haushalt. Meine Schwester Wanda und ich besuchten noch die Schule in unserer kleinen Küstenstadt. Meinen Eltern war es sehr wichtig, eine grundlegende Bildung zu haben.
Mein Vater sagte immer: „Mein Junge, dumm sterben kann jeder.“ Ich fand es richtig, weil es mir beim Handeln auf dem Markt half und ich so immer wieder etwas dazu lernte. Die Schule war neben dem Marktplatz. Ich lernte dort auch meinen besten Freund Arthur kennen. Ich hatte allerdings noch keine Ahnung, ob ich in die weite Welt ging, um eigene Erfahrungen zu sammeln.
Es lag ein Duft von Essen in der Luft. Heute war Markttag, fiel mir ein, und ich lief auf den Marktplatz zu. „Frische Fische! Hier bei mir gibt es den besten Fisch!“ „Eier, frische Eier!“, rief jemand aus dem anderen Stand.
Ich entdeckte einen Stand, der ebenfalls Perlen verkaufte. Ein alter Mann mit weißen Haaren und rundlichem Gesicht stand hinter dem Stand und zählte ein paar Perlen in einer Schale.
„Hallo, mein Name ist Valerio. Die Perlen sind wunderschön und so groß. Wo hast du diese gefunden?“ Der alte Mann lächelte. „Mein Junge, ich komme von weit her. Ich habe sie von der Küste weit im Süden. Mehr kann ich dir nicht verraten. Hier, nimm diese als kleines Geschenk.“
Er reichte mir eine kleine Perle. Sie war dunkelrot und glänzte im Sonnenlicht. „Vielen Dank, ich hoffe, ich kann mich irgendwann dafür revanchieren.“
„Schon gut, wie sagt man so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben“, sagte er und grinste.
Es war schön, das Treiben zu beobachten, aber ich musste weiter. Ich entfernte mich von unserem Dorf und lief auf einem schmalen Pfad entlang, der in Richtung Wald führt. Am Waldrand gab es einen geheimen Weg zu einem Felsvorsprung, der nur aus einem bestimmten Blickwinkel zu erkennen war. Mein Freund Arthur und ich trafen uns meistens dort, weil es unser geheimes Versteck war, wenn wir ungestört sein wollten, so wie heute. Ich wartete in dem Unterschlupf und dachte gerade darüber nach, wie sich Arthur und Luci begegnet sind.
Mein Freund Arthur wohnte in der Küstenstadt Sinata. Sie ist durch eine Straße mit Schellpertu verbunden.
In meiner Welt gab es Tiere, die mit auserwählten Menschen sprechen konnten. Nur sie konnten verstehen, was sie sagten, und die anderen Personen nicht. Es war wie ein unsichtbares Band zwischen ihnen.
Es geschah meistens nur durch Zufall, dass sich die Auserwählten und ihre tierischen Partner trafen. Ich hatte meinen tierischen Partner noch nicht gefunden, aber Arthur hatte seinen. Es war ein Waschbär.
„Luci“ nennt er ihn. Luci hat sich in das Haus seiner Eltern geschlichen, um etwas Essbares zu finden. Arthur hatte in dieser Nacht einen Albtraum und ist dadurch wach geworden, als hätte es so sein müssen.
Um wieder einzuschlafen, ging er in die Küche, um etwas zu trinken zu holen, da er hörte ein Rascheln aus dem Trockenraum.
In der Küche stand ein Knüppel. Diesen nahm er sich und näherte sich langsam dem Trockenraum, in dem Lebensmittel gelagert wurden. Er hörte das Rascheln und das Klimpern mit jedem Schritt deutlicher und erreichte die Tür. Er atmete tief ein und konzentrierte sich. „Keine Angst, Arthur“, sprach er sich leise Mut zu.
Er schob die Tür langsam einen Spalt auf, und da erblickte er einen Waschbären, der sich an der Obstkiste bediente. Arthur atmete tief ein und stieß die Tür weiter auf. Er rannte auf ihn zu, gleichzeitig holte Arthur aus, im selben Moment starrte ihn der Waschbär an und machte einen Sprung auf die andere Seite des Raumes. Die Obstkiste zerbrach in mehrere Teile und der Waschbär rannte in die Küche. Arthur lief so schnell er konnte hinterher, aber der Eindringling hatte sich versteckt. Er nutzte die Dunkelheit zu seinem Vorteil aus.
Der Wind von draußen war zu hören, aber sonst nichts. Leise drehte sich Arthur hin und her, und plötzlich kam der Einbrecher aus einer Deckenecke auf ihn gesprungen und schrie: „Nutze immer deine Umgebung aus, du Blödmann.“ Zur Verteidigung schlug Arthur nach ihm, aber verfehlte, und der Eindringling kratzte ihn so heftig an den Händen, dass er den Knüppel fallen ließ. Der Eindringling wich zurück und nahm den Knüppel in seine Pfoten.
Er rannte auf Arthur zu. „Halt, ich kann dich verstehen.“ Abrupt blieb der Einbrecher stehen und starrte Arthur kurz an. „Was, wie? Du kannst mich verstehen?“ Luci ließ den Knüppel sinken. Es war in diesem Moment für beide klar, dass Arthur für Luci der Auserwählte Mensch war. Sie weckten kurzerhand Arthurs Mutter und sie versorgte die Kratzwunden seines Kampfes. Seit dieser Nacht waren die miteinander verbunden.
Ich wurde abrupt aus meinen Gedanken gerissen, als mich Luci zu Boden warf. Sein Fell war sehr rau und seine Barthaare kitzelten mich etwas. Arthur kam auf mich zu gerannt und holte tief Luft. „Luci, du wirst immer schneller. Entschuldige, Valerio, dass ich dich warten gelassen habe, aber zu Hause wollte ich meiner Mutter bei den schweren Arbeiten helfen.“
„Ich habe den Knüppel etwas kleiner geschnitzt, weil Luci diesen unbedingt immer mit dabeihaben möchte.“ Ich betrachte den Knüppel, der nun zu Lucis Körpergröße passte. Ein Band hat Arthur am Knüppel zum Umhängen angebracht. Arthur und Luci setzten sich neben mich und wir betrachteten den Himmel.
Es waren nur ein paar Wolken zu sehen, die Sonne strahlte am Himmel und es wehte ein laues Lüftchen. Wir beschlossen, an den nahe gelegenen Fluss zu gehen und uns Fische zu fangen. Am Fluss angekommen, zogen wir unsere Schuhe aus und gingen in das Wasser. Es war sehr angenehm und nicht zu kalt. Wir warteten auf die passende Gelegenheit und stachen mit unseren geschnitzten Holzspießen zu. Luci war als Waschbär ein Meister des Fischfangs, er hatte seinen Knüppel und haute präzise auf die Fischköpfe drauf.
Waschbären heißen so, weil sie nie mit den Köpfen unter die Wasseroberfläche gehen würden. Sie mögen es nicht, und deshalb sieht es immer so aus, als ob sie mit ihren empfindlichen Pfoten am Flussgrund etwas fangen und sich ständig die Hände waschen würden.
Ich sah zum ersten Mal, dass Luci an seiner Schwanzspitze ein paar hellere Haare hatte, aber sie wirkten sehr starr und fest.
Nach einer reichen Ausbeute gingen wir wieder in unseren Unterschlupf, machten uns ein Lagerfeuer und brutzelten die Fische über dem Feuer. Es dämmerte langsam und wir genossen noch den Sonnenuntergang.
Das Knistern des Feuers und das Summen der Grillen liebte ich. Es machte mir Freude zuzuhören.
„Was glaubst du, was mein tierischer Partner wird?“, fragte ich Arthur. Er zuckte mit den Schultern.
„Valerio, das wissen wir alle bis zum besagten Zeitpunkt nicht. Aber das ist doch das Interessante und Spannende an der ganzen Sache. Vielleicht eine Giraffe?“ Ein Grinsen breitete sich über sein Gesicht. „Bitte, hoffentlich nicht“, sagte ich.
„Arthur, warst du schon einmal in der Wüstenstadt Sambala?“, fragte ich ihn neugierig.
„Wie kommst du auf Sambala, Valerio? Einmal mit meiner Mutter aber das ist schon sehr lange her “, entgegnete mir Arthur verwundert.
„Auf dem Markt reden sie ab und an von Sambala und wie schön es dort ist“, sagte ich.
„Ja, es ist herrlich, das Meer ist klar und erstrahlt in einem schönen hellen Blau. Es ist sehr gut mit den anderen Städten vernetzt und ein angesehener Ort. Leider ist es aber auch eine Handelsstadt, in der Tiere gefangen gehalten werden. Es ist natürlich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Clan spielt im Hintergrund eine große Rolle. Ich kenne diesen Clan nicht, aber sie sollen harte Methoden haben, um ihre Interessen durchzusetzen“, sagte Arthur.
„Oh, wie können manche Menschen solche Taten in unserer Zeit begehen? Ich verstehe das nicht.“ Ich schüttelte den Kopf.
„Geld, Ansehen und Macht sind die Dinge, die viele Menschen mit Glück und Liebe verwechseln, denn ich bin auch so zufrieden. Ich meine, ich nehme doch auch nur das, was ich brauche, und nicht mehr, und selbst wenn ich einen Fisch esse. Ein Tier das seinen menschlich Partner gefunden hat, ist zu jeder Zeit bei dem auserwählten Menschen. Tiere spüren, wenn dieses auserwählt wurde. Menschen ebenfalls. Sagte Luci zu Arthur er senkte den Kopf und leckte sich die Pfote.
„Ich denke, du hast recht, Luci“, stimmte Arthur ihm zu und er berichtete mir in kurzen Sätze was Luci zu ihm gesagt hatte. Wir aßen weiter, und nachdem alle ihre Mahlzeit eingenommen hatten, gingen wir den Pfad in Richtung Waldrand zurück.
Arthur und ich verabschiedeten uns und wir gingen getrennte Wege. Ich schlenderte noch ein Stück den Waldrand entlang, dabei hörte ich einen Uhu rufen und wie der Wind die Blätter in Bewegung brachte.
Hier und da raschelte es. Doch ich fühlte mich derart beobachtet, dass ich kurz stehen blieb und in den Wald starrte.
Ich beschleunigte meine Schritte und gelangte an die Stadtmauer von Schellpertu, drehte mich kurz um und sah für einen kurzen Moment ein Augenpaar in der Dunkelheit des Waldes.
Ich ging die Gassen entlang, welche die Lichter der Häuser erhellten die Gassen, und erreichte den Marktplatz. Die Stände waren zu und verlassen, in der Mitte des Marktplatzes lag ein alter Brunnen, aber dieser war nicht mehr in Gebrauch. Es wurden Metallstäbe über den Brunnen gebaut, sodass keiner hineinfällt. Ich hörte die Wellen des Meeres gegen die Hafenmauern peitschen. Eine stadtbekannte Kneipe, „Roter Stiefel“ hieß sie, befand sich auf der rechten Seite des Marktplatzes, und es drangen lautes Gelächter und Musik aus den gekippten Fenstern.
Ich lief an der Kneipe vorbei, aber in dem Moment, als ich weitergehen wollte, hörte ich zwei Männer mit aufgeregten Stimmen, die zornig und sehr bedrohlich klangen. Meine Neugierde war geweckt, vielleicht konnte ich eine gute Tat vollbringen. Hoffte ich insgeheim und folgte den Stimmen. Der Lärm kam aus dem Hinterhof der Kneipe. Ich schlich mich ganz leise der Hauswand entlang, sodass sie mich nicht sehen konnten. Ich atmete ganz leise und mein Herz pochte schneller.
Ich sah zwei Männer, einer hatte eine schwarze Jacke, auf der Schulter war eine kleine rote Flagge abgebildet. Ebenso trug er einen schwarzen Hut. Mehr konnte ich nicht erkennen, weil er mit dem Rücken zu mir stand. Er war eindeutig ein Clanmitglied der Bruderschaft der Roten Flagge. Sie plünderten und betrogen in Schellpertu die Bürger der Stadt. Der Fürst war machtlos dagegen, zumindest, soweit ich wusste.
Der andere Mann war etwas kleiner, von schmaler Statur und hatte helles Haar. Der in Schwarz gekleidete Mann nahm sein Opfer am Kragen und stieß es an den Holzzaun. Dieses prallte unsanft gegen diesen. Es konnte aber nicht weg, der Mann in Schwarz versperrte den Weg. „Kleiner, wo willst du denn hin? Erzähl mir einfach, was du in der Höhle gesehen hast, wie du dort hingekommen bist und, noch wichtiger, wie du dort lebend wieder rausgekommen bist“, sagte der Mann in Schwarz mit bedrohlicher Stimme. Mit zitternder Stimme antwortete er.
„Ich kann nicht genau sagen, wie ich dort hingekommen bin. Ich wurde in Sinata von Banditen gefangen genommen und mir wurde ein Stoffsack über den Kopf gestülpt.“
Der Mann in Schwarz machte eine tanzende Bewegung und plötzlich hörte ich ein Peitschen. Der Herr mit den hellen Haaren fasste sich mit der Hand an die Wange und er blutete. Er hatte eine lange Wunde an der Wange und eine Ratte kam zum Vorschein. Sie schlüpfte aus dem Kragen des schwarzen Mannes. „Mein Partner versteht ebenfalls keinen Spaß, und das soll nur eine Kostprobe sein, wenn du uns die Wahrheit nicht sagst.“
Die Ratte drehte ihren Kopf in den Nachthimmel und streckte die Nase in die Höhe.
Ich sah etwas aufblitzen, nur kurz, aber es war da. „Und weiter im Text, wie ging es dann weiter?“, fuhr der Mann in Schwarz fort. „Die Fahrt ging nicht lange und ich bin in eine Höhle gebracht worden.
Es führte ein langer Weg in das Innere. Wir waren drei Gefangene, in die Höhle gingen drei Banditen mit. Es ging abwärts, bis wir an einer Gabelung angekommen waren und uns aufteilen mussten. Wir steigen einige Treppen hinunter, dann befanden wir uns in einem großen Hohlraum, einer Höhle in der Höhle, sozusagen.
An der Seite lief Wasser an der Decke entlang und der Boden war flach.
...

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