Science Fiction & Fantasy

Das Ei des Phönix

Jennifer West

Das Ei des Phönix

Ruf des Schicksals

Leseprobe:

Prolog

In einem Land der Zauberei und Legenden und einer Zeit der dunklen Macht herrschten die Phönixe über das Volk des Lichts. Sie waren die majestätischsten Wesen von ganz Asturiaz, doch durch ihre Anmut und Kraft hielt der König des Reiches die Phönixe für eine Bedrohung. Er jagte sie, und der einzige Ausweg für die schönen Geschöpfe bestand darin, ihre magischen Kräfte in einem Gegenstand zu manifestieren. Sie waren sich ihres bevorstehenden Endes bewusst. Aus diesem Grund erschufen sie ein Ei. Aus der Kraft ihres Feuers und ihrer Tränen.
Der König und seine Schergen, die Essentia Obscuras, zerstörten die anmutigen Wesen, aber das magische Relikt wurde in Sicherheit gebracht und überdauerte die Zeit.
Es gab eine Weissagung, nach welcher derjenige, der das Ei finden würde, so viel Macht erringen sollte wie nie ein Geschöpf zuvor. Dies war jedoch nicht der einzige Teil der Prophezeiung. Demnach sollte nur ein bestimmes Wesen dazu in der Lage sein, das Ei zu finden. Mithilfe des Relikts wäre das Wesen dazu bestimmt, den König aufzuhalten und zu vernichten. Der sogenannte Heiligtümer hätte die Kraft, das Leid von den Wesen des Lichts zu nehmen und die Dunkelheit, die der König mit sich brachte, ein für alle Mal zu beenden.
Der König jedoch maß dieser Prophezeiung zuerst nicht viel Bedeutung bei und suchte das Ei. Er wollte es haben, um es für seine Zwecke und Wünsche gebrauchen zu können. Sein Ziel war es, alle Wesen des Lichts zu vernichten, um die Ungläubigen auszumerzen. Er wollte ein Reich voller Dunkelheit und den wahren Glauben an ihn. Doch auch nach Jahrzehnten des Suchens wurde das Ei nie gefunden.
Die Wesen des Lichts setzten all ihre Hoffnung in den Heiligtümer des Eis. Die Weissagung gab den Geschöpfen des Lichts Kraft. Doch nach langer Zeit des Hoffens verloren sie immer mehr den Glauben an die auserwählte Person und verzweifelten an der schlimmen Lage des Königreichs.
Sie glaubten nicht mehr daran, dass der Heiligtümer sie je retten würde. Denn das Ei lag noch immer in seinem Versteck, von dem niemand wusste.
Bis heute.



Mutige Leistung

Sie schaute sich verstohlen um, wo war das Tier hingelaufen? Es konnte doch nicht einfach so schnell verschwinden. Plötzlich hörte sie ein Rascheln und drehte sich um. Da war es!
Das graue Kaninchen starrte sie angsterfüllt aus seinem Versteck hinterm Busch an. Noch immer hatte es die gemeine Falle an seinem Bein, wodurch es schon einiges an Blut verloren hatte. >Diese dämlichen Kinder<, dachte sie sich und merkte dabei, wie ungeheure Wut in ihr aufstieg.
Das junge Mädchen hatte die anderen Dorfkinder dabei erwischt, wie diese das kleine Tier gequält und Jagd gespielt hatten. Nur durch ihren Einsatz war das Kaninchen entkommen, doch dadurch würde sie wohl ordentlich Ärger bekommen, wenn sie zurück ins Dorf ginge.
Jedoch war es nun viel wichtiger, dem armen Tier zu helfen, anstatt sich mit den Gedanken an eine vermutlich starke Auseinandersetzung zu beschäftigen. Vorsichtig kniete sie sich nieder und streckte langsam ihre Hand in Richtung des verletzten Tieres aus. Angsterfüllt schreckte es zurück und sie dachte schon, dass sie es auf andere Weise versuchen müsste, als sie auf einmal ein Knistern hörte und sah, wie das Tier vorsichtig auf sie zu humpelte.
Schüchtern schnupperte es an ihrer Hand. Sie musste schmunzeln, als die Tasthaare ein kitzelndes Gefühl bei ihr auslösten. Sie reagierte blitzschnell und legte ihre Hände um den zierlichen Körper des Kaninchens. Behutsam zog sie es zu sich heran, doch wie sie befürchtet hatte, zappelte das kleine Tier nervös. Trotz ihres jungen Alters wusste sie, wie sie es festhalten musste. Ganz vorsichtig hielt sie das Kaninchen in ihrer Armbeuge fest und öffnete behutsam mit ihren Händen die winzige Falle und legte diese so zur Seite, dass sie oder das Tier sie nicht erneut auslösen konnten.
Sie atmete erleichtert auf, als sie sah, dass die Verletzung des Kaninchens nicht allzu schlimm war. Wissend, was zu tun war, griff sie in ihre Tasche und holte ihr mitgenommenes Verbandszeug heraus. Zudem griff sie noch nach der kleinen Alkoholflasche, die sie flink aus ihrem Haus gestohlen hatte. Sie öffnete diese und träufelte etwas von der Flüssigkeit auf die Wunde, woraufhin das Tier voller Schmerz zappelte. Das kleine Mädchen nickte mitfühlend und murmelte mit leiser Stimme: „T’schuldigung, aber es muss sein, mein Kleines.“
Augenblicklich wickelte sie den weißen Stoff auseinander und band es um das Bein des Tieres. Liebevoll nahm sie es in ihre Arme und strich behutsam über dessen samtweiches Fell. Es schmiegte sich dankbar an sie, doch auf einmal wurde es unruhig. Sie hatte daraufhin keine andere Wahl als es loszulassen. Sie sah dabei zu, wie das Tier zurück in das Gebüsch humpelte. Zufrieden lächelnd stand sie auf, doch noch bevor sie sich auf den Rückweg machen konnte, hörte sie eine bekannte, gehässige Stimme: „Na, Gweny, hast das arme Tierchen wohl gerettet? Wenn du so weitermachst, wirst du es nie zu etwas bringen. Wie willst du denn je jagen oder gar einen Kampf gewinnen können? Du bist doch nur ein schwaches kleines Ding!“
Blitzschnell drehte Gwen sich um und starrte den dicken großen Jungen mit den Sommersprossen und seinen blonden langen Locken wütend an. „Du hast doch keine Ahnung, Archan. Du bist ein ganz gemeiner Junge.“ Mehr als das fiel ihr nicht ein, ihr war unwohl zumute, doch sie wollte nicht so einfach klein beigeben.
„Och, wie niedlich, versucht sich Gweny doch tatsächlich gegen mich zur Wehr zu setzen. Du weißt doch, dass du keine Chance gegen uns hast“, erwiderte er gehässig lächelnd.
Gwen spürte, wie ihr Herz schneller klopfte, sie wusste nur noch nicht wirklich, ob es daran lag, dass sie wütend oder ängstlich war. Vielleicht lag es sogar an beidem. Aber das, was sie mit Sicherheit wusste war, dass sie nicht weiter schikaniert werden wollte. Sie wollte sich endlich für seine gemeinen Aktionen rächen, da sie so viel wegen Archan und seinen Handlangern schon durchmachen musste. Sie hatten nie eine Möglichkeit ausgelassen, um sie zu ärgern: Sie hatten sie mehrmals in den Schlamm geschubst, ihr ihre liebste Kette weggenommen, sie beleidigt und sogar ihre Eltern vor ihr schlecht gemacht. Sie hasste diese Kinder so sehr!
Wütend ballte sie ihre Hände zu Fäusten und richtete diese vor ihre Brust.
„Seht euch Gweny an, sie will es doch wirklich mit uns aufnehmen. Haha“, bemerkte er lachend und seine drei hageren Freunde, die aussahen wie der Tod höchstpersönlich, stimmten ein.
Sie wusste, dass sie kaum eine Chance haben würde, doch das war ihr mittlerweile vollkommen egal. Das einzig Wichtige war, dass Archan endlich verstand, dass sie nicht alles mit sich machen ließ. Sie bemerkte, wie der Anführer seinen Handlangern ein Zeichen gab, und diese kamen nun böse lächelnd auf sie zu und zeigten dabei ihre schmutzigen Zähne. Gwen zuckte zusammen. >War das wirklich eine gute Idee?<
Das einzige Mädchen der Gruppe kam immer näher, sie hatte ein Gesicht, welches so blass wie Schnee war und ihre schwarzen langen Haare hingen in fettigen Strähnen an den Seiten herunter. Wodurch es so wirkte, als würden ihre kalten grauen Augen zwischen einem Vorhang hindurchblicken. Guinivera sah noch, wie diese zum Schlag ausholte, bevor sie ihre beiden Unterarme reflexartig nach oben streckte. Schnell wendete sie ihr Gesicht ab und spürte augenblicklich den stechenden Schmerz in ihren Armen.
>Wehre dich, Gwen<, sagte ihr ihre innere Stimme, und sie schaute ängstlich auf. Sofort begriff sie, dass das hässliche Mädchen erneut zu einem Schlag ausholte, doch dieses Mal war sie schneller und wich flink aus.
Ohne groß zu überlegen, ballte sie ihre rechte Hand und schlug auf den Rücken ihrer Gegnerin, woraufhin diese direkt zusammensackte.
>Jahh!<, freute sich Gwen, doch zu ihrem Bedauern hielt ihre Freude nicht lange an. Auf einmal spürte sie selbst einen stechenden Schmerz in ihrem Rücken und ohne etwas dagegen tun zu können, gaben ihre Beine nach. Angsterfüllt drehte sie ihren Kopf und blickte in die drei gehässigen Gesichter über ihr. Plötzlich spürte sie erneut einen starken Schmerz, aber dieses Mal in ihrer Schulter und sie landete nun vollends im Dreck.
Sie schmeckte Erde in ihrem Mund und spuckte diese angewidert aus. Was sollte sie tun?
Sie konnte sich nicht wehren, so stark war sie einfach nicht. Mit aller Kraft stützte sie ihre Arme ab und versuchte sich aufzurichten, doch dies war nicht möglich, da sie ein neuer Schlag im Rücken erfasste. Voller Verzweiflung stiegen ihr Tränen in die Augen und immer wieder zuckte sie schmerzerfüllt bei jedem neuen Schlag zusammen. Plötzlich spürte sie, dass die Schläge für mehrere Sekunden aufhörten, aber noch bevor sie sich aufrichten konnte, spürte sie eine kalte Berührung an ihrem Nacken.
Die Angst in ihr wurde nun umso größer. Sie hatte nicht die leiseste Chance, etwas gegen die stärkere Person zu tun. Erst nach wenigen Augenblicken begriff sie, dass es sich dabei um eine Hand handelte. Mit ungeheurer Kraft wurde sie auf ihre Beine gezogen. Als sie mit ihrem tränennassen Gesicht aufsah, schaute sie direkt in das siegessichere Gesicht von Archan.
Triumphierend lächelte er sie an und sagte: „Wehe dir, du wehrst dich noch einmal gegen mich, dann wird es dir noch schlechter ergehen. Versteh es endlich, Gweny, du gehörst einfach nicht hierher und wirst es auch nie!“
Gwen konnte nicht anders, als durch ihre Schmerzen und seine gemeinen Worte noch mehr zu weinen, worauf ihr Feind nur ein zufriedenes Lachen entgegnete. Schließlich spürte sie, wie sein Griff lockerer wurde. Da ihre Beine ihr Gewicht nach der starken Belastung ihres Körpers nicht mehr halten konnten, sackte sie erneut zu Boden. Voller Verzweiflung musste sie dabei zusehen, wie diese gemeine Bande singend zurück Richtung Dorf lief und sie verletzt liegen ließ.
Was sollte sie jetzt bloß tun? Sie hatte sich nicht wehren können, das stimmte, aber sie wollte sich einfach nicht weiter schikanieren lassen! Sie musste zurück nach Hause und mit ihren Eltern reden. Vielleicht wüssten diese ja Rat. Ganz vorsichtig stellte sie ihre Hände auf und stütze sich mit diesen ab, um aufstehen zu können. Zu ihrem Glück unterstütze sie ihr Körper, und sie konnte mühselig aufstehen. Sie atmete tief durch und machte sich dann entschlossen auf den Weg zurück zu ihrem Haus.
Die Schritte fielen ihr schwer. Sie fühlte sich unglaublich ausgelaugt, als wenn fast alle Kraft von ihr genommen worden wäre. Trotzdem schaffte sie es wohl irgendwie, einen souveränen Eindruck zu machen, da niemand sie ansprach, ob etwas nicht mit ihr stimmen würde. Sie blickte angespannt zwischen den kleinen Holzbauten umher, doch von Archans Bande war zum Glück nichts zu sehen. Das Dorf, in dem sie lebte, war nicht schön, es bestand nur aus einzelnen Häusern und vereinzelten Ställen für die Tiere. Die Leute im Dorf waren ansonsten ganz nett, doch Gwen hatte zu niemandem dort ein wirklich enges Verhältnis. Es gab ein paar Mädchen in ihrem Alter, doch sie hatte nie mehr als ein paar Worte mit ihnen gewechselt. Sie waren nett, keine Frage, aber sie hatte schnell gemerkt, dass die Mädchen kein Interesse an ihr hatten und lieber unter sich bleiben wollten.
Es war natürlich ärgerlich, aber Gwen war nie die Art von Person gewesen, die sich aufdrängen wollte. Wenn sie merkte, dass jemand abweisend zu ihr war, ließ sie diese Person auch in Ruhe. Sie war gerne alleine und hing gerne ihren Gedanken nach. Doch manchmal wünschte sie sich schon jemanden, mit dem sie reden oder spielen konnte, außer mit ihren Eltern. Sie liebte ihre Familie, keine Frage, doch sie hatte immer das Gefühl, dass ihr etwas fehlte. Dieses Gefühl war nicht sonderlich stark, doch sie merkte immer wieder, wie ihr schwer ums Herz wurde.
Plötzlich spürte sie eine Berührung auf ihrer Schulter und drehte sich erschrocken um. Ein leiser Schrei löste sich aus ihrer Kehle. Doch als sie sah, wer vor ihr stand, legte sie peinlich berührt ihre Hand auf den Mund.
„Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken, Liebes. Ist alles in Ordnung mir dir?“, fragte ihre Mutter und lächelte sie dabei liebevoll an. ihre Mutter hatte ein schönes ovales Gericht mit faszinierenden Grün-braunen Augen. Ihre langen dunkelbraunen Haare hatte sie zu einem geflochtenen Zopf gebunden und vereinzelte Haarsträhnen, die nicht mehr gehalten hatten, fielen ihr nun ins Gesicht.
„Schon gut, ich war wohl nur zu sehr in Gedanken vertieft, Mutter. Wo ist denn Vater, ich möchte euch gerne etwas fragen?“, antwortete sie etwas nachdenklich.
„Er ist noch ein paar Besorgungen erledigen, aber er müsste jeden Augenblick zurückkommen“, erwiderte sie und strich Gwen dabei behutsam über die Haare. Sie genoss diese Berührung und atmete nun etwas entspannter durch.
„Was möchtest du uns denn fragen? Geht es um etwas sehr Dringliches?“, fragte sie und sah sie dabei besorgt an.
Gwen wich augenblicklich ihrem Blick aus und antwortete schnell: „Ja, es ist dringlich. Ich kann damit nicht länger warten.“
„In Ordnung, dann lass uns schon mal ins Haus gehen und dort auf Vater warten.“
Das ließ sie sich nicht zweimal sagen und folgte ihrer Mutter. Das dunkelgrüne Kleid, welches sie trug, bewegte sich fließend bei jeder ihrer Bewegungen. Ihr Haus war klein und gemütlich. Es besaß nur eine Küche, ein Schlafzimmer für ihre Eltern, ihr Zimmer und einen kleinen Flur. Doch Gwen konnte sich nichts Besseres vorstellen. Hier fühlte sie sich wohl und wollte auch nie von hier weg.
Sie gingen zusammen in die Küche. Gwen ließ sich dort langsam auf einen Stuhl sinken. Als sie saß, atmete sie erst einmal tief durch. Sie spürte immer noch stark ihren Rücken und vermutete, dass sich da viele Hämatome bilden würden. Aber was sollte sie dagegen tun? Sie musste da durch, eine andere Wahl hatte sie nicht! Es würde nicht leicht werden, ihren Eltern alles zu erzählen. Doch sie hatte keine andere Wahl, wenn sie gegen die Bande vorgehen wollte.
Auf einmal hörte sie Schritte im Flur und sprang freudig auf. Augenblicklich trat ihr Vater in den Raum. Er hatte einen Korb mit Holzscheiten in der Hand und lächelte sie und ihre Mutter freundlich an. Er trug eine alte dunkelbraune Hose und ein schwarzes, etwas staubiges Hemd. Seine schwarzen Haare waren schulterlang. Er trug einen dichten Bart, welcher seine dunklen Augen noch mehr betonte.
„Na, was ist denn hier los, sieht ja aus, als würde gleich ein Verhör stattfinden. Was ist denn los?“, fragte er immer noch lächelnd, doch Gwen sah, wie sich auch etwas Sorge in seinem Gesicht breitmachte.
„Guinivera hat uns etwas zu sagen. Komm setz dich, Randon“, antwortete ihre Mutter ihm und zeigte auf den Stuhl neben sich.
Nun wurde Gwen etwas mulmig zumute, und sie spürte, wie ihr Herz anfing zu rasen.
„Na dann. Was hast du uns denn zu erzählen?“, fragte ihr Vater sie und schaute sie erwartungsvoll an, während er neben seiner Frau Platz nahm.
Gwen atmete erneut tief durch und fragte ihre Eltern gespannt: „Ihr kennt doch mit Sicherheit Archan, oder?“
„Diesen dicken Burschen, der keine Manieren hat? Wer kennt ihn nicht? Ich habe keine guten Geschichten über ihn gehört, aber was soll mit ihm sein?“, fragte ihr Vater und sah sie dabei weiter interessiert an.
„Nun ja, er und seine Bande haben es in letzter Zeit auf mich abgesehen. Sie …“ Ausführlich berichtete sie von den letzten Wochen. Wie gemein er mit seiner Bande zu ihr gewesen war. Mit jedem Satz wurden die Augen ihrer Eltern größer, und als sie geendet hatte, schlug sich ihre Mutter erschrocken die Hand vor den Mund.
„Das ist unglaublich, Gwen. Du bist gerade einmal zwölf Jahre alt, du hast doch überhaupt keine Chance gegen den drei Jahre älteren Archan mit seinen Anhängern. Das ist doch nicht fair. Dagegen muss etwas unternommen werden! Ich werde mit seiner Mutter sprechen.“
„Nein, Mutter, bitte nicht. Wenn du das machst, wird alles nur noch schlimmer werden“, erwiderte Gwen ängstlich.
„Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit“, schaltete sich nun ihr Vater ein.
„Wovon sprichst du, Vater?“, fragte sie neugierig.
„Du willst dich wehren, nicht wahr? Wie kann man sich besser wehren, als bei einem Schwertkampf.“
„Du willst, dass ich gegen ihn mit einem Schwert kämpfe? Niemals! Er nimmt schon seit Jahren an den Dorfkämpfen teil. Ich kann doch noch nicht einmal ein Schwert halten“, sagte Gwen erschrocken. Was dachte sich ihr Vater nur dabei? Das würde doch nie funktionieren. Nein! Es musste einen anderen Weg geben! Aber welchen?
„Sie hat recht. Was denkst du dir dabei? Einfach so gegen ihn anzutreten, wäre glatter Selbstmord für sie!“, erwiderte ihre Mutter entrüstet. Gwen nickte daraufhin eifrig, doch ihr Vater ließ sich nicht beirren: „Ich sage ja nicht, dass du ihn einfach so herausfordern sollst. Du könntest an einem der Dorfturniere teilnehmen und dort gegen ihn oder einen seiner Leute
antreten.“
„An den Dorfkämpfen teilnehmen? Rodan, ich bitte dich! Sie ist ein Mädchen und die dürfen nun einmal nicht kämpfen“, entgegnete ihre Mutter kopfschüttelnd.
„Ja, das weiß ich. Aber wenn sie nicht als Mädchen antreten würde, sondern sich als Junge verkleiden würde, ginge das.“
„Ja vielleicht, aber dann hätten wir immer noch das Problem, dass ich nicht kämpfen kann“, sagte Gwen nachdenklich. An sich gefiel ihr die Idee sogar, aber es war nicht zu leugnen, dass es nie funktionieren würde.
„Jetzt vielleicht nicht, aber wenn ich dich trainieren würde schon. Ich habe mein ganzes Leben lang an diesen Kämpfen teilgenommen und ich bin wirklich gut mit dem Schwert. Ich kann dir so einiges beibringen“, antwortete ihr Vater und lächelte ihr dabei aufmunternd zu. Doch ihre Mutter schüttelte nur überrascht mit dem Kopf.
„Möglicherweise ist das wirklich keine schlechte Idee, Mutter. Einen Versuch ist es zumindestens wert“, entgegnete Gwen nun zufrieden.
„Nun ja, wenn ihr mehrere Monate trainiert, könnte es vielleicht wirklich klappen. Du sollst es diesem Archan mit seinen Leuten schließlich zeigen.“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 444
ISBN: 978-3-948379-56-8
Erscheinungsdatum: 11.03.2020
EUR 19,90
EUR 11,99

Krampus & Nikolo