Chol

Chol

J.S. alias E.A. Oannes


EUR 17,90
EUR 10,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 572
ISBN: 978-3-95840-556-1
Erscheinungsdatum: 29.11.2017
Von einem Eisplaneten aus wird ein Wüstenplanet mit Wasser versorgt. Strafgefangene fahren hierzu Dimensionstore durch das Eis. Doch Probleme wie technische und biologische Fehlplanung sowie feindselige Aliens torpedieren den Traum von einer goldenen Zukunft.
1



Cholis und Cholar waren zwei Planeten, welche man erst mehrere Jahre nach ihrer Entdeckung als besiedlungsfähig einstufte, nachdem das Forschungsschiff, welches sie erkundet hatte, schon längst wieder zur Erde zurückgekehrt war. Diese Einstufung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als man auf der Erde erkannt hatte, dass für menschliche Bedürfnisse ideale Planeten in diesem Universum selten existierten, und wenn man sie fand, dann waren sie normalerweise bereits von anderen Rassen besiedelt. Man musste also etwas tun, um weniger geeignete Planeten besiedeln zu können. Planeten anderen Rassen abzunehmen galt als keine gute Sache und wurde von anderen Völkern, in einem sogenannten Rat organisiert, entsprechend verhindert oder bestraft. Zumindest hatte dies bisher den Anschein gehabt. Daher hatte man sich darauf verlegt zu versuchen, akzeptable Bedingungen auf Planeten zu schaffen, welche dann besiedelt werden konnten. Zwar war die Menschheit in vielen Aspekten der Technologie anderen Rassen unterlegen, aber die Menschheit hatte Dimensionstore entwickelt, welche zwar keine Beförderung von Personen zuließen, sie zerschredderten die Materie, welche hindurchgeschickt wurde, aber dafür eine größere Reichweite hatten als die Tore anderer Rassen.
Cholis war ein Eisplanet, Cholar ein Wüstenplanet. Allerdings bestand die Möglichkeit, beide besiedlungsfähig zu machen. Sie umkreisten einen gemeinsamen Stern, welcher von der Erkundungsmission Chol genannt worden war, in Anlehnung an das Wort Sol für Sonne. Das „is“ in Cholis’ Namen stand für Eis und das „ar“ im Namen Cholar stand für Boden. Da die beiden Planeten unterschiedliche Umlaufzeiten um Chol hatten, konnte man eine bestimmte Anzahl von Monaten pro Jahr die Dimensionstore dazu benutzen Eis von Cholis zu Cholar zu transferieren. Die Tore selbst hätten zwar eine erheblich größere Reichweite gehabt, man hätte also immer transferieren können, aber wenn eine Sonne zwischen den Sende- und Empfängertoren stand, dann kam die Materie nicht mehr am Bestimmungsort an. Ein Stern konnte nicht durchdrungen werden. Man konnte knapp an einem Stern vorbeischießen, aber eben nicht hindurch.
Der Plan für Cholis war, dass man mit den Dimensionstoren Gräben in das Eis schnitt, welche man dann mit Algen besäen wollte, um eine bessere Umwandlung des Lichts in Wärme zu erhalten, denn Cholis lag eigentlich nahe genug an Chol dran, um Leben zu tragen. Cholar lag eigentlich etwas zu nahe an Chol dran, aber mit genug Wasser von Cholis konnte man das ausgleichen und auch Cholar bewohnbar machen.
Da sich die Begeisterung auf der Erde über die Möglichkeit, zwei solche Planeten zu besiedeln, sehr in Grenzen hielt, hatte man es auf Cholis bisher nur geschafft, Strafgefangene anzusiedeln. Die wenigen Ausnahmen davon waren die Besatzung für den Satelliten, welcher Cholis umkreiste, das Einsatzkommando, welches aus Militär bestand und auch die wenigen Wächter des Gefängnisses stellte, und das Personal des sogenannten Labors, welches aus Spezialisten dafür bestand, die Anfänge der Besiedlung auf Cholis zu ermöglichen. Die Gefangenen, welche ausnahmslos das Eis schnitten, also mit großen motorisierten Schlitten, vor welchen die Dimensionstore montiert waren, das Eis von Cholis nach Cholar transferierten, würden die Fischereirechte für die Anzahl an Kubikmetern erhalten, welche sie aus dem Eis geschnitten hatten, um sie dann an Interessierte auf der Erde zu verkaufen oder in Familien einzuheiraten, welche dann auf Cholis Fischerei betreiben wollten, sobald genug Wasser geschmolzen war, um Fischzucht betreiben zu können.
Meredea hatte vor, in eine Familie einzuheiraten. Auf der Erde erwartete er kein gutes Leben mehr. Er war fünfunddreißig Jahre alt und hatte noch fünfzehn Jahre abzusitzen. Mit fünfzig wollte er nicht zurück auf die Erde. Er hatte weiter Eis geschnitten, als es mit einer anderen Rasse um Cholar Krieg gegeben hatte, welche meinte, da sie den Planeten früher schon einmal erkundet, aber dann doch nicht besiedelt hatte, dass sie das Recht haben würde, Cholar zu besiedeln, sobald er besiedelungsfähig war. Natürlich entsprach das nicht so ganz den Übereinkünften der intergalaktischen Gemeinde. Die anderen Rassen des Rates, welche im Sektor vertreten waren, hatten allerdings Ärger vermeiden und ein Kräftemessen sehen wollen und so war es um Cholar zu einem sogenannten Stechen gekommen. Die beiden Rassen, welche in diesem Stechen teilnahmen, also ein Recht auf den Planeten angemeldet hatten, durften eine begrenzte Anzahl an Soldaten und bestimmte Waffen auf dem Planeten landen, und die Rasse, welche diesen Krieg gewann, hatte damit das Recht auf den Planeten gewonnen.
Alle anderen Gefangenen auf Cholis, außer Meredea, hatten ihre Arbeit eingestellt, da Cholis für die Menschheit wertlos war, sobald Cholar wegfiel. Auf Cholis war man auf Landwirtschaftsprodukte angewiesen, welche nicht weit transportiert werden mussten, nicht nur für sich selbst, sondern auch, um die Fische zu füttern, und diese Produkte sollten eben von Cholar kommen. Meredea hatte auf einen Sieg der Menschen gewettet, obwohl die Chancen nicht gut gestanden hatten, im ersten interstellaren kriegerischen Wettstreit auch noch zu gewinnen. Aber er hatte seine Wette gewonnen und hatte viele Fischereirechte erworben, indem er weitere Gräben geschnitten hatte. Damit hatte er als einziger die Bevölkerung auf Cholar weiterhin mit Wasser versorgt, während des Krieges dort.
Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, dass man einen großen Graben am Äquator in Cholis hineinschnitt und diesen dann durch den Einsatz von Sporen schmelzen und somit expandieren ließ. Meredea hielt das für keine ideale Lösung, ihm erschienen mehrere engere Gräben effektiver, und so hatte er in einiger Entfernung zum Äquator seine eigenen Gräben um den Planeten geschnitten. Zwanzig Meter breit und dreißig Meter tief. Da er als Einziger während des Krieges weiter geschnitten und somit die Bevölkerung auf Cholar am Leben erhalten hatte, hatte er auch bessere Bedingungen für seinen Vertrag erhalten. Für jeden Graben, welchen er schnitt, würde er das doppelte Volumen an Fischereirechten erhalten. Das war ihm das Risiko wert gewesen, den Schlitten alleine zu fahren. Die Schlitten mussten normalerweise von mindestens drei Personen besetzt sein. Da aber während des Krieges niemand hatte schneiden wollen, war er gezwungen gewesen, das alleine zu tun. Meredea fuhr auch diesmal wieder alleine, obwohl seine Freundin, eine andere Gefangene, am Morgen strikt dagegen gewesen war. Aber sie würde eben ihren eigenen Schlitten fahren müssen, wenn sie weitere Rechte zu ihren bisherigen erwerben wollte. Sie musste ja nicht so schnell fahren wie er und auch nicht die Risiken auf sich nehmen, welche er auf sich nahm, aber die erworbenen Rechte teilen wollte er jetzt nicht mehr. Sobald die anderen Gefangenen wieder fuhren, war sein spezieller Vertrag mit der Leitung hinfällig, und noch fuhren diese nicht, denn es war noch nicht einmal klar, wann die ersten Sporen für Algen auf Cholis eintreffen würden. Der Graben um den Äquator war zwar fertig, aber der Krieg war erst seit ein paar Wochen vorbei, und die Planung für Cholis musste erst einmal wieder in Gang kommen. Meredea hatte vor, diese Zeit zu nutzen, er konnte noch ein paar Gräben schaffen, und Cholar würde von jetzt an wieder für sechs Monate in Reichweite der Dimensionstore sein. Also würde er dafür sorgen, dass er mehr Rechte erhielt, teurer wurde, in eine bessere Familie einheiraten und somit in Zukunft ein gutes Leben führen konnte. Auch wenn es nicht auf der Erde war.
Er schritt über das Eis im Hangar zu seinem Schlitten. Am Tag zuvor hatte er alles gepackt und den Schlitten von der Leitung abnehmen lassen. Sie hatten ihm grinsend die Papiere unterschrieben. Heute würde er umräumen müssen und sich auf die mehr als fünf Monate dauernde Fahrt vorzubereiten. Nach seiner Fahrt hatte er wieder ein paar Monate Freizeit, wenn Chol wieder im Weg sein würde. Zur spärlichen Unterhaltung für die nächsten paar Monate hatte er sich mehrere der Mappen mitgenommen, in welcher sich verschiedene Familien der Erde vorstellten, welche die von Meredea erarbeiteten Fischereirechte durch Einheirat übernehmen wollten. Er hatte eine Auswahl erhalten, obwohl die Leitung das eigentlich generell nicht gewollt hatte. Jeder sollte die gleiche Chance haben. Aber mit der Menge seiner Rechte war es angebracht, dass es eine der reichsten oder in Fischzucht erfahrensten Familien war, in welche er einheiraten würde. Es würde die Besiedlung Cholis beschleunigen. Doch warf er die Mappen zuerst achtlos auf seine Pritsche, welche er auch auf dieser Fahrt kaum benutzen würde. Er würde hauptsächlich im Fahrersitz schlafen, den er sich mit wenigen Handgriffen in eine Liege umgestaltete. Seine Angewohnheit war es geworden, sich wenige Stunden am Tag vom Satelliten aus steuern zu lassen und ansonsten sehr entspannt und wenig ermüdend den größten Teil des Tages selbst zu fahren. Der Satellit fuhr den Schlitten mit maximal 120 Kilometern pro Stunde, doch Meredea musste schneller sein, wenn er sein sich selbst auferlegtes Pensum schaffen wollte. Zwei Gräben würden es schon sein müssen, bevor Cholar wieder außer Reichweite war.
Als er seinen Sitz umgebaut hatte, setzte er sich seine Funkausrüstung auf und rief den Satelliten. „Hallo, hier Meredea. Ich bin jetzt abfahrbereit. Ihr lenkt mir den Schlitten zur ersten Einschnitt-Stelle. Wollt ihr auch das Einfräsen übernehmen?“ „Positiv, und wir haben zwei schöne Strecken für dich. Keine Verwerfungen, keine Spalten, keine Risse. Das wird eine butterweiche Fahrt, und Cholar braucht das Wasser wieder mal dringend. Also haben wir alles so einfach und risikoarm wie möglich arrangiert. Mit zwei Gräben erwirbst du einen achtzig Meter breiten Streifen an Fischrechten um den ganzen Planeten herum. Damit kommst du auf vierhundertachtzig Meter Breite an Fischereirechten, wenn man alles zusammenzählt. Verkauf dich teuer. Such dir deine Familie gründlich aus, und du hast recht mit Karen, wenn sie so gearbeitet hätte wie du und jetzt Rechte zum Verkauf anbieten würde, könnte sie auf der Erde gut davon leben. Ihre Zeit ist um, deine noch nicht, du kannst dir noch viel aufbauen.“ Meredea nickte vor sich hin, das andere Problem mit Karen war, dass ihre Strafe um war und sie somit jederzeit auf die Erde zurückkehren konnte. Sie brauchte nur einen Flug. Und Flüge würde es demnächst zur Genüge geben. Dann beugte er sich zum Bildschirm, um ihn einzuschalten. Er sah sich die Strecken an, welche als rote Linien markiert waren. Sie waren etwas weiter von seinen bereits existierenden Gräben entfernt, als er es gerne gehabt hätte, aber Eis ohne Verwerfungen um den Planeten herum war für ihn ein Vorteil, den man nicht außer Acht lassen konnte, um konstant schnell fahren zu können. „Sieht doch gut aus, und so weit sind sie von den anderen Gräben jetzt auch wieder nicht. Damit komme ich zurecht.“ Eigentlich hatte er die Gräben direkt nebeneinander haben wollen, sodass er einen zwanzig Meter breiten Graben hatte und dann eine zwanzig Meter breite Mauer. So würde das Eis, seiner Ansicht nach, am schnellsten schmelzen. Nun waren etwas mehr als hundert Meter dazwischen, aber für eine gleichmäßige Fahrt würde er das wegstecken. „Weiter im Norden wird das Eis dann wieder sehr gleichmäßig, und du kannst dann deine Gräben wieder direkt nebeneinander legen.“ „In Ordnung“, erwiderte er, „Ich werde das mit der Leitung aushandeln, sobald ich zurück bin. Ich weiß, ihr seid für den Schlitten verantwortlich, nicht die Leitung“, fügte er noch hinzu, bevor sich eine Diskussion entwickelte. „Da brauchst du keine Angst zu haben, wir hier oben haben die Verbindung zu Cholar und sind für das Projekt verantwortlich, nicht die Gefängnisleitung. Und Cholar braucht dringend Wasser. Wir müssen was in die Gänge setzen. Die paar hundert Meter zwischen den Gräben könntest du von mir aus als Bonus erhalten, was aber noch abgeklärt werden müsste.“ „Schon in Ordnung, wir werden uns da sicher einig. Wenn der Streifen mit ebenem Eis breit ist, kann ich auch ein paar Gräben nur zehn Meter voneinander entfernt graben. Es müssen keine zwanzig sein. Und dann holen wir auf. Ich hätte schon gerne mein eigenes Eis geschmolzen, nicht nur irgendetwas angerechnet.“ „Wir könnten es auch mit deinen Rechten am Äquator verrechnen, aber jetzt ist erst einmal wichtig, dass wieder mal etwas passiert und wieder gearbeitet wird. Eine Lösung werden wir sicherlich finden. Du hast einiges vor, und es wird Zeit, dass wir abfahren. Hast du alles bereit?“ „Nein, aber bis wir dort sind, werde ich mit meinen Vorbereitungen fertig sein. Warnt mich fünfzehn Minuten, bevor wir mit dem Einfräsen beginnen.“ „Geht in Ordnung. Bis dann.“ Der Satellit meldete sich ab und Meredea fing an, seine Nahrungsriegel und Getränke neben dem Fahrersitz hochzustapeln. Auch wenn er sich jeden Tag ein paar Stunden dem Satelliten anvertraute, die Hauptarbeit würde er vom Pilotensitz aus leisten müssen, insbesondere wenn der Satellit keine Verbindung zu ihm hatte. So war er eine Zeit lang beschäftigt, bevor er wieder aus dem Fenster sah, um zu schauen, wie weit sie waren. Sie fuhren über den Damm, welcher im breiten Graben um den Äquator stehen gelassen worden war, damit man Fahrzeuge vom Gefängnis, also der Station auf Cholis, nach Norden fahren konnte. Das Gefängnis lag auf der Südseite des Planeten, Meredea fuhr auf der Nordseite. Dieser Damm, über welchen er jetzt fuhr, war mehrere Kilometer breit, überbrückte aber nur wenige hundert Meter Graben und dann eben Meredeas neue Gräben. Es würde bald losgehen. Er zog sich aus und breitete seinen Schlafsack auf dem Pilotensitz aus. Er legte sich hin und überprüfte, ob er bequem lag. Zufrieden nickte er vor sich hin, setzte sich seine Kopfhörer wieder auf und rief den Satelliten.
„Ich wollte nur melden, dass ich dann soweit wäre.“ „Wir sind auch gleich da, geschätzte Zeit, bis wir mit dem Einfräsen beginnen, noch zehn Minuten. Kannst also nochmals schnell wohin.“ Meredea grinste und trank einen Schluck Wasser. Über die nächsten paar Monate musste sein Körper in eine eiserne Disziplin gezwungen werden. Er hatte nicht ganz sechs Monate Zeit, um einen Planeten mit etwas weniger als 36000 Kilometern Umfang zwölf Mal zu umfahren, das bedeutete, dass er hier und da mit hundertvierzig Kilometern pro Stunde fahren musste, um das auszugleichen, was die Steuerung durch den Satelliten an Zeitverlust verursachte. Er würde zwar hier und da hundertsechzig fahren, um schneller fertig zu sein, aber nicht die ganze Zeit. Das hielt auch er nicht durch.
Die versprochenen zehn Minuten später drehte der Schlitten und bewegte sich dann parallel zum Äquator, während das Tor ins Eis abgelassen wurde. Er bewegte sich langsam tiefer, bis der Satellit die Höhe ausglich. Nun würde der Graben zehn Meter tief werden. Meredea brauchte nur noch die Höhe und die Richtung zu halten. Er entspannte sich und lenkte seine Aufmerksamkeit nur noch auf die Steuerung, während er beschleunigte, bis er 140 fuhr. „Nun ja, es ist ein schneller Tod, aber wenn es dann auch bei mir mal so weit sein sollte, ins Gras zu beißen und wir uns hinterher mal wiedertreffen, kannst du mir ja erzählen, wie es so war“, meldete der Kommandeur des Satelliten sich. Meredea grinste wie üblich. „Schon in Ordnung. Wir wissen ja, von wem es kommt und was wir erreichen wollen, also heißt es für mich, Gas geben“, erwiderte er. „Alles klar. Wir sind gleich im Funkschatten und werden dann für ein paar Stunden keine Verbindung haben. Falls du noch etwas brauchst, gib Bescheid.“ „Deinen Segen.“ „Meinen Segen hast du. Aus.“ Meredea setzte sich das Kopfhörerset ab und konzentrierte sich wieder voll auf die Anzeigen. Stundenlang fuhr er, ohne sich zu regen, er sah nicht auf die Uhr, das hatte keinen Sinn. Hier und da ließ er sich auf hundert Kilometer pro Stunde herunterfallen, schaltete auf Automatik und aß oder trank schnell etwas. Zu lange konnte er die Automatik nicht eingeschaltet lassen, er würde sein Pensum nicht erreichen. So fuhr er stundenlang, auch nachdem der Satellit bereits wieder in Reichweite war. Der Satellit meldete sich erst wieder, als sie fast wieder voneinander getrennt waren. „Das nächste Mal musst du aber eine Pause machen. Du machst gut Strecke, wir brauchen es nicht zu übertreiben.“ Meredea bestätigte und fuhr weiter.
Elf Tage später war die erste Umrundung geschafft. Der Satellit lenkte Meredeas Schlitten aus der ersten Rinne des Grabens hoch auf den Damm. Meredea gönnte sich eine ausgiebige Dusche von fünf Minuten und begab sich in seine Kombüse, wo er seine erste volle Mahlzeit seit dem Beginn seiner Fahrt zubereitete. Nebenher blätterte er die Mappen durch. Die mächtigste und reichste Familie lag natürlich oben auf. Es handelte sich um eine chinesische Familie, welche bereits Erfahrung mit groß angelegter Fischzucht hatte und international agierte. Cholis war für sie natürlich eine Notwendigkeit, um im Rennen, die Weltbevölkerung ernähren zu können, vorne mit dabei zu bleiben. Doch die Bewerbung an sich erwies sich als mager. Keine der Frauen, welche von dem Familienoberhaupt angeboten wurde, hatte einen persönlichen Brief beigefügt. So geschäftlich wollte Meredea es nun doch nicht haben. Doch fiel ihm ein separater Umschlag in der Mappe auf. Darin bewarb sich eine andere Frau, mit dem Namen Liu, aus dieser Familie direkt bei ihm, zusammen mit einem recht langen Brief. Meredea sah sich nur die Fotographien des Gesichts an, ihre Aktfotos ignorierte er zuerst. Als Meredea den Brief gelesen hatte, war er sich ziemlich sicher, dass es diese Frau sein würde, wenn er diese Familie wählen würde. Er überflog noch zwei andere Familien, eine indische, mit sehr schönen Frauen und eine arabische, doch diese interessierte ihn nicht so sehr. Keine hatte eine solche Erfahrung mit Fischzucht wie die chinesische, und keine andere schien so reich zu sein. Eine andere chinesische Familie schien eher darauf zu bestehen, dass der Strafgefangene dankbar zu sein hatte, dass er die Möglichkeit hatte, in dieser Familie aufgenommen zu werden, eine Mappe, welche Meredea sofort auf die Seite legte. Er hatte zu viel zu bieten, um so etwas akzeptieren zu können.
Immer wieder sah er auf die Uhr. Viel Zeit hatte er eigentlich nicht mehr, wenn er noch ein paar Stunden schlafen wollte. Er legte sich auf seine Pritsche und schloss die Augen. Der Satellit würde ihn sicherlich früh genug wecken.
Meredea sah sich die Mappen ein letztes Mal durch, als er fünfeinhalb Monate später auf dem Weg zurück zur Basis war und vom Satelliten gesteuert wurde. Er war sich sicher, dass er sich für die Chinesin, Liu, in dem separaten Umschlag entscheiden würde, er war sich nur nicht sicher, warum sie sich separat beworben hatte und warum bei den anderen Frauen dieser Familie kein Brief dabei gewesen war. Vielleicht war es eine bewusste Steuerung dieser Familie gerade auf diese Frau hin, aber ihr Brief war auch einer der besten gewesen, wenn man diesen mit den Briefen der anderen Familien verglich, sofern sie überhaupt vorhanden waren. Doch er konnte das auch noch mit den Leuten im Labor durchsprechen. Mit Karen würde er über dieses spezifische Problem natürlich nicht sprechen, er würde ihr nur die Mappe der Familie vorlegen, damit sie einen Brief schreiben könnte, um denen ihre Rechte durch Verkauf anzubieten, und den Brief der Frau, welche Liu hieß. Sollte sie ihr ruhig schreiben können, wenn sie es ernst damit meinte, für weitere fünfzehn Jahre auf Cholis festzusitzen. Die Chinesen akzeptierten Konkubinen. Aber das Problem mit Karen schob er von sich. Es ging hier um den Rest seiner Zukunft, und Karen konnte Cholis jederzeit verlassen.

test

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