Science Fiction & Fantasy

Cecilia und der Zaubertrank

Delia Muñoz

Cecilia und der Zaubertrank

Leseprobe:

KAPITEL 3
Eine Tür

Cecilia ging in ihr Zimmer und ließ sich genervt aufs Bett fallen, worauf es laut knackte und eine Latte vom Bett abbrach. Seufzend erhob sie sich und begann zornig, die Lattenreste wieder einzusammeln.
Dann schimpfte sie vor sich hin: „Dieser elende Streit! Der reicht mir langsam. Wenn ich nur zaubern könnte … Ich würde zaubern, dass diese Streithähne sich in Luft auflösen!“ Kochend vor Wut ging sie zum Fenster und sah hinunter. Dort! Dort spazierte Sophia gemächlich weg. Schnell öffnete Cecilia das Fenster und rief deren Namen.
Sophia schaute hoch: „Hallo! Was machst du? Ich gehe schwimmen, kommst du mit?“ Sie winkte mit beiden Armen. Als sie dazu lächelte, schien sie, für eine Millisekunde, blau aufzuleuchten. Verdattert schüttelte Cecilia den Kopf, kniff die Augen zusammen und schaute genauer hin. Nein, sie hatte es sich bestimmt nur eingebildet. „Cecilia, träumst du?“„Ja, entschuldige, ich kann glaub nicht …“ Cecilia dachte nach.
Nein – sie musste ja noch Estrella striegeln und den Stall putzen. „Ich kann nicht kommen.“
Sophia schaute bedauernd zu ihr hoch. „Na ja, vielleicht ein anderes Mal!“ Sie ging weiter.

Cecilia schloss das Fenster und ließ ihren Blick zum Horizont schweifen. Sie sinnierte, wie wohl ihre richtigen Eltern gewesen waren. Dann wandte sie den Blick ab und setzte sich auf das Bett. Da hörte sie ein Zischen hinter sich. Blitzschnell drehte sie sich um, gerade rechtzeitig, um noch einen blauen Schimmer an der Dachmauer wahrzunehmen. Blau? Blau! Sophia? Diese Sophia wurde ihr immer unheimlicher … Cecilia ging zur Wand und berührte sie. Nichts. Sie ging zurück, setzte sich an den Schreibtisch. Nach kurzem Nachdenken fiel ihr ein, dass sie noch den Aufsatz in Deutsch fertigschreiben musste. Also holte sie ihn aus ihrer Schultasche und las ihn durch. Es waren kaum Fehler zu entdecken und fertig war er auch schon fast. Bloß ein Punkt fehlte – der Satz wirkte sonst zu lang. Mit ihrer Tinte korrigierte sie den Punkt etwas zu heftig, da sie noch immer erregt war. Die Tinte verschmierte und zog einen langen Strich über das gesamte Blatt. Schon wieder blau! Verärgert nahm Cecilia die Tinte und schleuderte sie mit aller Kraft gegen ihre Zimmerwand, an den gleichen Ort, der kurz zuvor schon blau aufgeleuchtet hatte. Die Füllfeder zersplitterte, die blaue Flüssigkeit lief aus und die ganze Dachmauer wurde blau. Cecilia erschrak. Sie eilte zu der Mauer und betastete sie. Ihre Finger wurden nicht blau. Seltsam. Als sie ihre Hand zurücknahm, zischte es erneut. Der Boden zitterte. Cecilia hielt sich am Bett fest. Aber auch das Bett ruckelte. Sie fiel zu Boden. Alle Möbel wackelten beunruhigend, und die Bücher drohten aus dem Bücherregal zu fallen. Ein tiefes Grollen begleitete das Zittern und Ruckeln, das bestimmt im ganzen Haus zu hören sein musste. Doch niemand kam. Es zitterte heftiger, und ein Buch fiel unsanft auf den Boden. Langsam wurde es Cecilia zu viel.
Immer noch auf die Wand starrend, sagte sie erbost: „Jetzt hör auf!“
Cecilia wusste, dass es dämlich klingen musste. Aber sie sagte es trotzdem nochmals: „So hör doch auf!“
Zu Cecilias höchster Überraschung hörte es auf zu beben. Die Wand war weiß. Aber nicht mehr lange. Cecilia schaute weiterhin gebannt auf die Wand, als diese sich verwandelte. Sie wurde erst braun, dann machte es“klick“ und ein Teil der Wand hatte sich in eine holzige, schöne Tür verwandelt. Sie hatte einen Knauf, ansonsten war sie schmucklos.
Cecilia starrte die Tür mit offenem Mund an. Unglaublich! Vorsichtig rappelte sie sich auf und ging ein paar Schritte auf diese zu. Sie griff nach dem Knauf. Ihre Hand zitterte. Als sie den Knauf drehen wollte, gingen ihr Hunderte von Gedanken durch den Kopf. Sollte sie es probieren? Aber was, wenn da irgendetwas Gefährliches dahinter war? Sie hatte ja keine Ahnung, was das alles bedeuten sollte. Aber das war doch ein Grund mehr, es zu erforschen! Bevor sie einen Entschluss fassen konnte, kam Olivia ins Zimmer gestürmt und sagte, es gebe zu essen. Cecilia zog rasch die Hand zurück und wollte sich vor die Tür stellen, um sie zu verstecken. Aber sobald Olivia die Zimmertür geöffnet hatte, war die Türe verschwunden. Cecilia presste sich erschrocken an die Wand und verfluchte sich dafür, die Zimmertür nicht abgeschlossen zu haben. Offenbar sah man Cecilia den Schrecken an, denn Olivia fragte verwundert, was los sei. „Nichts, was soll denn sein?“, erwiderte Cecilia und ging aus dem Zimmer, herunter zum Esstisch. Während sie hinunterlief, überlegte Cecilia, weshalb sie Olivia angelogen hatte. Sie hätte ihr doch gerade so gut von der Tür erzählen können. Allerdings mit dem kleinen Nachteil, dass man sie für verrückt erklären würde. Das Essen über schwieg Cecilia und grübelte darüber nach, ob sie die Tür doch hätte öffnen sollen, ob die anderen das Ruckeln gespürt hatten und was das alles auf sich hatte. Aber da die anderen mit keinem Wort auf das Thema zu sprechen kamen, dachte Cecilia, dass sie wohl nichts gespürt hätten. Denn ihre Themen führten überall hin, bloß zu keinem Erdbeben. Noch ein Rätsel mehr!

Nach dem Essen, bei welchem Cecilia nur wenig heruntergebracht hatte, ging sie hoch in ihr Zimmer und setzte sich vor die Wand. Diese war wieder ganz normal. Cecilia holte einen blauen Stift und wollte die Wand anmalen. Sie zögerte. Was, wenn es doch nicht ginge? Wie von selbst näherte sich ihre linke Hand (sie war Linkshänderin) der Wand. Aber sie schrieb nicht. Cecilia schaute neben sich. Sie hatte ihr Schwert, ihre Jacke und ihren Schild mitgenommen. Das Ganze steckte in einem braunen Sack. Den Gürtel hatte sie angezogen. Ihrer Familie hatte sie erzählt, sie würde für einen Test lernen, weshalb sie nicht gestört werden wolle. Da hörte sie draußen Schritte. Nun zögerte sie nicht mehr; gehetzt setzte sie den Stift an und schrieb in verbundener Schrift ihren Namen auf die Wand:
„Cecilia.“

Es ruckelte und knackste und mit einem leisen“Plopp“ erschien eine Tür. Das Mädchen, über den Erfolg verblüfft, legte den Stift wieder zurück und ging dann ehrfürchtig auf die soeben erschienene Tür zu. Sie hatte keine Ahnung, was sich dahinter befinden könne. Vielleicht ein Balkon? Ein Geheimgang? Ein Loch? Oder ein Furcht einflößendes Tier? Hastig packte sie ihr Schwert aus und schob es in ihr Futteral, das sie an ihrem Gürtel trug. Nachdem sie den Kampfkurs abgeschlossen hatte, durfte sie die gesamte Ausrüstung behalten, da man diese sowieso nicht wieder gebrauchen konnte. Bisher hatte sie das Ganze nie wirklich benutzt, vom Üben mal abgesehen. Aber im Moment war sie heilfroh darum. Den Sack, in dem noch ihre Jacke und der Schild lagen, nahm sie fest in die rechte Hand. Wissend, dass sie es sich nie verzeihen könnte, wenn sie diese aus dem Nichts erscheinende Türe nicht passieren würde und eventuell etwas Großartiges verpasste, verflogen ihre letzten Zweifel. Cecilia nahm mutig den Knauf in die Hand und drehte ihn herum, nach links.



KAPITEL 4
Entscheidungen

Cecilia schloss die Tür hinter sich. Sie zog das Schwert aus dem Futteral und hielt es schützend vor sich, schräg nach rechts. Den Sack stellte sie neben der Tür auf den Boden. Langsam drehte sie sich um – und riss die Augen auf. Sie hatte alles erwartet, aber nicht das. Sie trat näher und ließ das Schwert sinken. Da war ein riesiger, metallener Kessel inmitten von undurchdringlicher Dunkelheit. Cecilia schätzte, dass er ungefähr 100 Kilos wiegen musste, und es hatten mindestens 100 Liter darin Platz. Sie berührte vorsichtig den Kessel. Er war kalt und leer. Sie schaute sich um. Außer dem Kessel sah sie nichts. Vielleicht lag das daran, dass es hier dunkel war, aber Cecilia glaubte nicht, dass dies der Grund sei. Als sie die Hand wieder zurückzog, leuchtete der Kessel blau auf. „Dieses verflixte Blau!“, rutschte es Cecilia heraus. Ihre Worte hallten durch den … durch den Raum? Jetzt war sich Cecilia sicher, dass sie sich in einem Raum befand. Sie streckte die Hände aus, drehte sich wachsam um und lief vom Kessel weg, ohne zu wissen, wo sie landen würde. Tatsächlich! Da waren Wände. Cecilia tastete die Wände ab. Sie schienen aus Stein zu sein und waren kalt. Plötzlich hörte sie ein Zischen hinter sich. Sie drehte sich erschrocken um. Der Kessel brannte. Er stand buchstäblich in Flammen. „Das gibt es nicht“, dachte Cecilia, „der ist doch aus Metall!“
Sie rannte hin. Im Kessel lag, vollkommen unversehrt inmitten der Flammen, ein Zettel – er war klein, aber gut sichtbar. Als sich Cecilia zu dem Papier herunterbeugte, fiel ihr das Haar vor das Gesicht, wobei ein Haarbüschel in die Flammen kam. Cecilia schrie auf und sprang ein paar Schritte zurück. Sie betastete, aufs Schlimmste gefasst, das Haar. Es war nass. Es brannte nicht! Erstaunt ging sie zurück und langte vorsichtig in die Flammen. Die Hand wurde nass. Cecilia überlegte. Schließlich fasste sie einen Entschluss und griff nach dem Zettel. Er war trocken, im Gegensatz zu Cecilia. Beim Hineinbeugen waren ihre Haare, Arme und Hände nass geworden. Sie faltete den Zettel auseinander, achtete darauf, dass sie ihn nicht volltropfte, und murmelte den Text leise vor sich hin.
„Du willst jetzt etwas unternehmen,
So befolge dieses Schreiben.
Finden musst du 10 Sachen,
Pro Person also 2 Sachen.
Willst du diese Reise beginnen?
Überleg’s dir gut, du kannst dich lang besinnen.
Wenn du willst, so sage Ja,
Der Kessel erklärt es dir da.“

„Was sollte ich wollen?“, fragte sich Cecilia, aber kaum hatte sie das gedacht, war ihr schon die Antwort durch den Kopf gegangen. Ihre Familie! Sie konnte, wie auch immer, ihre Situation verbessern! Sie las den Zettel nochmals und nochmals, aber sie konnte nichts Weiteres entdecken. Daher verstaute sie ihn in ihrer Hosentasche.

Bevor sie es sich recht überlegt hatte, sagte sie laut und deutlich: „Ja, ich tu’s.“
Sie spürte ein Beben, der Kessel bewegte sich. Er ruckelte und wackelte so stark, dass Cecilia ihn festhalten wollte. Aber kaum hatte sie ihn berührt, hörte er auf zu ruckeln.
Er sprach.
Erst glaubte Cecilia, dass das nur Einbildung sei, aber als der Kessel sie direkt ansprach, änderte sie ihre Meinung.
Der Kessel sagte: „So, du musst jetzt aber eine große Verantwortung auf dich nehmen, Cecilia. Wenn etwas schiefgeht, ist alles verloren. Du hast sehr unüberlegt gehandelt!“
Cecilia wurde wütend: „Was soll ich tun? Geht’s auch schneller?“
Der Kessel brummte. Cecilia dachte schon, sie wäre zu weit gegangen, als der Kessel würgte und ein weiterer Zettel sich einen Weg aus dem Kessel bahnte und vor Cecilias Füßen auf dem Boden landete. Cecilia hob ihn auf. Er war wieder blau geschrieben. Als Cecilia ihn las, weiteten sich ihre Augen vor Schreck: nein! Auf was hatte sie sich eingelassen? Sie nahm sich zusammen. „Ich will das machen! Ich mache das, ohne zu zögern“, sagte sie leise zu sich selbst. Der Kessel grunzte zustimmend.



KAPITEL 5
Das erste Abenteuer

Cecilia lag im Bett und dachte nach. Unruhig wälzte sie sich hin und her. Sie konnte nicht einschlafen. Der Zettel ging ihr nicht aus dem Kopf:
Zu suchen hast du 10 Zutaten,
welche aber schwer zu raten,
finden und erreichen sind.
Pro Person sollen’s 2 sein,
leg sie dann in mich hinein.
Aber aufgepasst, mein Kind,
wenn sie denn nicht richtig sind,
wirst du’s niemals wiederholen
und das Ganze ist verloren.

Cecilia erschauerte. Was denn für Zutaten, bitte schön? Und was sollte das bringen? Und wo suchen? Auf der ganzen Welt?! Cecilias Bedenken steigerten sich, je mehr sie über die Bedeutung der Worte nachdachte, sodass ihr Kopf zu brummen begann. Irgendwann schlief sie doch ein. Noch beim Einschlafen hörte sie eine vertraute Stimme von draußen, die sie aber nicht zuordnen konnte: „Die Fragen werden aufhören, nur Geduld!“
Was war das? Wer konnte wissen, was Cecilia gerade tat?

Im Traum sah sie sich selbst vor etwas stehen. Es war schwarz, ein Kessel – der Kessel. Sie gab etwas bei, es war klein und Cecilia konnte es nicht erkennen … Das Bild veränderte sich. Cecilia ritt auf ihrem Pferd auf ein Hotel zu. Als sie ganz nah war, verschwamm das Bild … Cecilia flüchtete, hinter ihr brannte es. Sie hatte etwas in ihrer Satteltasche. Plötzlich rief jemand hinter ihr: „He, zurückkommen!“ Ein Pfeil sauste haarscharf an ihr vorbei. Cecilia schrie auf.

Verschwitzt setzte sie sich im Bett auf. „Aufwachen, es ist Morgen!“, rief Olivia. „Endlich.“„Ich bin ja schon wach“, sagte Cecilia leicht ärgerlich und schwang sich aus dem Bett. Eine halbe Stunde später sattelte sie ihr Pferd und ritt los.
In der Pause fragte Sophia: „Hattet ihr gestern einen schönen Nachmittag?“„Ja, glänzend.“ Der Sarkasmus in Cecilias Tonfall war unüberhörbar.
Aber glücklicherweise fragte keine ihrer Freundinnen nach. Julia war auf dem Reithof gewesen und Sophia war ja schwimmen gegangen. Cecilia erzählte, dass sie Hausaufgaben erledigt hätte – was ja auch stimmte. An den schrecklichen Streit wollte sie gar nicht denken.

Beim Mittagessen herrschte Stille. Die Einzige, die ohne Unterlass redete, war Paloma. Aber Cecilia hörte gerne zu und sagte nichts. Nach dem Abräumen schaute Cecilia in ihre Agenda. Sie wollte schauen, ob dort etwas vermerkt sei. Gerade ging sie in ihr Zimmer, als sie erstaunt auf der Schwelle stehen blieb. Hausaufgaben gab es nicht. Aber was stand denn da? Mit einer blauen, verschnörkelten Schrift war Folgendes geschrieben:
Hotel Kessel, Turm, Kette, Paloma.

Cecilia runzelte die Stirn. Was bedeutete das? Es gab doch gar kein Hotel Kessel, und was hatte das mit Paloma zu tun?„Cecilia, machst du die Hausaufgaben?“, unterbrach die Stimme ihrer Adoptivmutter Cecilias Gedankenfluss. „Ich habe keine“, antwortete sie.
Paloma kam zu ihr ins Zimmer und sah, dass etwas in der Agenda stand. „Doch, sie lügt. Sie hat Hausaufgaben!“, rief Paloma und grinste.
Cecilia hörte, wie Maya die Treppe hinaufkam. „Geh weg!“, zischte Cecilia wütend zu der Schrift. Zu ihrer Verwunderung verblasste die Schrift, und als Maya kam, blickte sie Paloma verärgert an. Da wusste Cecilia, was das mit Paloma zu tun hatte. Und Paloma liebte Ketten. „Ich gehe zur Kirche“, rief Cecilia und rannte aus dem Zimmer. Die Schultasche ließ sie einfach auf der Schwelle stehen, und ohne sich nochmals umzusehen, rannte sie zum Stall. „Komm, Estrella, wir reiten aus.“
Estrella kam herbeigetrabt und Cecilia tätschelte liebevoll ihren Hals. Sie stieg auf. Sie trieb Estrella zu einem Galopp an und binnen 15 Minuten waren sie beim einzigen Hotel im Dorf angekommen. Cecilia stieg ab, band Estrella an einem Pfosten an und ging hinein. Während des Ritts hatte sie sich überlegt, wie sie vorgehen wolle. Sie nahm sich vor, ein Zimmer im obersten Stock zu belegen und zu sagen, dass sie am Abend wieder gehen würde. Das stimmte auch. Sie würde vom Zimmer aus in den Turm laufen, dort die Kette holen und dann wieder gehen. Wenn sie jemand sah, würde sie sagen, sie suche etwas, was sie hier verloren habe.

Der Plan verlief vorerst recht gut. Cecilia bekam das Zimmer zu einem günstigen Preis und stellte fest, dass sie allein war. Perfekt! Cecilia schlich sich so leise wie möglich den Turm hinauf. Sie kannte den Turm. Aber sie fand nichts. Eine ganze Stunde suchte sie erfolglos nach einer Kette in irgendeiner Form, doch mit der Zeit bekam sie Zweifel. Was, wenn das alles nur Einbildung war? Wenn sie sich bloß so sehr gewünscht hatte, dass etwas passieren würde, dass sie das alles nur geträumt hatte? Und was sollte sie überhaupt mit einer Kette anfangen? Hilflos setzte Cecilia sich auf einen blauen Treppenteppich. Dann erhob sie sich seufzend wieder und stieg die Treppe hinunter. Etwa auf halber Höhe trat sie auf eine lockere Latte. Diese brach, und ehe sie begriff, was überhaupt geschah, fiel Cecilia. Um sie herum war alles dunkel. Sie schrie und landete unsanft auf einem steinigen Boden. Verängstigt schaute sie nach oben. Ihre Knochen schmerzten und sie war sich sicher, dass sie mehrere blaue Flecken hatte. Sie erkannte, dass sie durch eine Falltür gefallen war, die sich wieder geschlossen hatte. Stille umgab sie. Hier war es stockdunkel, es stank scheußlich nach Schimmel, und nun kam sie auch nicht wieder hinauf. Sollte sie jetzt wirklich hier eine Kette suchen? Langsam gewöhnten sich Cecilias Augen an die Dunkelheit und sie erkannte, dass es hier eine Öffnung gab. Da ihr nichts anderes übrig blieb, ging Cecilia den dunklen, engen Gang hinunter. Sie lief mit ausgestreckten Armen immer weiter und weiter und wusste nicht, wie lange sie schon hier unten war. Plötzlich ging es nicht mehr weiter. Sie stand vor einer Wand. Sie wollte umkehren, aber auch hinter ihr war eine Wand, die aus dem Nichts aufgetaucht war. Sie steckte fest! Cecilia überkam Panik. Sie begann, wie eine Irre an die Wand zu hämmern. Aber langsam wurde sie schlapp. Keuchend lehnte sie sich an die Wand. Wasser durchdrang ihre Kleidung. Die Luft roch abgestanden und würde bestimmt bald knapp werden. Wie konnte sie nur so einfältig sein, einfach einen Gang hinunterzulaufen, ohne zu wissen, wohin es ging? Sowieso hatte sie noch nie von einer Falltür in dem Turm gehört. In der Dunkelheit fühlte sie sich ständig beobachtet. Sie fuhr herum, da sie sich sicher war, etwas gehört zu haben, doch da war nichts zu erkennen. Bloß eine weitere Wand. Cecilia sackte erschöpft in sich zusammen und versuchte erfolglos, ihre wieder aufkommende Panik zu unterdrücken. Ihre Beine schmerzen schon. Als sie auf die Uhr sehen wollte, konnte sie nicht einmal die Zeiger erkennen, die eigentlich im Dunkeln leuchten sollten. Da kam ihr die Idee: schreien! Genau, sie würde schreien, bis sie irgendwer bemerken musste.
Plötzlich sah sie ein blendendes, blaues Licht. Cecilia hielt sich schützend die Hand vor die Augen. Aber so, wie es gekommen war, verschwand das Licht auch wieder. Doch jetzt erkannte sie, dass sich ein neuer Gang aufgetan hatte. Sie ging ohne zu überlegen hindurch. Als der Gang endete, lag am Boden ein verziertes Kästchen. Cecilia wollte es aufheben, aber als sie noch zwei Meter davon entfernt war, stieß sie gegen eine durchsichtige Wand. Cecilia stöhnte. Schon wieder ein Hindernis! Als sie aufschaute, entdeckte sie ein Wort an der Wand:
Singen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 90
ISBN: 978-3-99038-182-3
Erscheinungsdatum: 28.01.2014
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