Cover: Blueduna

Blueduna


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 410
ISBN: 978-3-7116-0811-6
Erscheinungsdatum: 28.07.2026
Ein Schatten liegt über PortDanner: Zwischen adeligen Pflichten und nächtlichem Leben unter Freibeutern beginnt für die Erzählerin ein gefährliches Spiel aus Geheimnissen, Meer und dunkler Vorahnung. „Blueduna“ entführt in eine raue Welt voller Abenteuer.
Kapitel 1
Im Jahre 1700


In den dunklen Gassen der Kleinstadt PortDanner, der Insel Kanera, wo Piraten ein- und ausgingen, arbeitete in einer Kneipe namens Sorka eine Frau, bekannt als Luna. Auf ihrem Weg zur Arbeit durchquerte die dunkelhaarige Schönheit manch finstere Gasse der Stadt, in denen Aussätzige hausten und, um das fahle Hungergefühl in ihrer Bauchgegend zu lindern, nach Brot bettelten. Der Anblick dieser armen Menschen erweckte in der jungen Frau jedes Mal, einen Strudel der Gefühle. Das Bedürfnis zu helfen, vermischt mit großer Sorge und Angst, begleitete sie von da an bis zu ihrer Arbeitsstelle. Ihre Angst übertraf dabei jedes andere schreckliche Gefühl in diesen Momenten, denn das Einzige, was sie und diese armen Seelen unterschied, war, dass Luna ein Dach über dem Kopf besaß.
Vor zwei Jahren hatte sie eine wunderschöne Tochter zur Welt gebracht, mit der sie in einem recht schäbigen Haus wohnte, das abseits der Stadt an einem der für sie schönsten Strände dieser Welt lag. An diesem Ort fühlte sie sich zu Hause und frei, trotz der Tatsache, dass sie außerhalb der Mauern von PortDanner auf sich allein gestellt war. Ihr trautes Heim und das ihrer kleinen zweiköpfigen Familie gehörte nicht zur Stadt, was ihr den Steuereintreiber vom Hals hielt, der jungen Frau jedoch große Eigenverantwortung übertrug. Im Falle eines Überfalles, eines Unglücks oder eines versuchten Mordes durch üble Gestalten würde dieser Familie niemand helfen. Doch diese Sorgen verließen Luna außerhalb der steinernen Mauern, die sie sonst als Bewohnerin der Stadt erdrückt hätten.
Als selbstständige Frau wollte sie ausschließlich für ihre Tochter sorgen und war daher froh darüber, überhaupt das Geld für das Essen des Kindes und sich heranschaffen zu können.
Ihr Gefährte war ein Freibeuter, hinter dessen Person mehr steckte, als Luna überhaupt ahnen konnte, und er allein war es, der selbst in seiner ständigen, über Jahre andauernden Abwesenheit für den Schutz, den seine kleine Familie benötigte, sorgte, ohne deren Wissen.
Einige Jahre zuvor, als er das erste Mal über die Schwelle der Kneipe Sorka getreten war, hatte das aufflatternde Herz der jungen Bedienung verraten, dass sie diesen Mann lieben würde, und das bis an ihr Lebensende. Sie hatte ihn damals nicht gekannt, und doch war es Liebe auf den ersten Blick für sie und ihn gewesen.
Bei diesen Bildern vor Augen vergaß sie ihre Ängste. Während ihre Gestalt nach rechts bog und sich erneut an das Lächeln ihres Liebsten erinnerte, als sie ihm berichtete hatte, dass das Mädchen, mit dem er spielte und lachte, Evolet heiße und seine Tochter sei.
Luna schlenderte erneut um eine Ecke, erblickte von da aus das Schild der Kneipe Sorka und vernahm bereits wie immer das Geschrei der Männer von drinnen.
„Das nennen diese versoffenen Kerle singen? Meine Güte“, dachte sie und betrat widerwillig die Kneipe.
Als sie gerade fünf Sekunden hinter der Bar stand und zwei Gästen Rum nachfüllte, wurde sie wie üblich von betrunkenen Typen angemacht.
„Hey Süße, w-wie steht’s? Hast du fünf Minuten Zeit, um so einen alten Sack wie mich zu verwöhnen?“, meinte einer der Seefahrer zu ihr.
Mittlerweile war sie an dieses plumpe Anmachen gewöhnt und ignorierte es jedes Mal.
Das half jedenfalls, da die Männer dann meist verstummten, wenn sie bemerkten, dass ihr Ziel nicht reagierte. Auch so besaßen sie nicht die Geduld, sich mehr als drei Minuten einer Frau zu widmen, die sich zu schade war, auf ihre einfältigen Sprüche hereinzufallen.
Nach einer halben Stunde und vier weiteren geleerten Rumfässern stürmte ihr Geliebter herein.
„Luna, ich muss mit dir reden, allein und sofort!“, sagte er und schaute sich sehr nervös im Raum um.
„Was ist? Ist etwas passiert? Wo ist Evolet?“, fragte sie plötzlich besorgt darüber, dass ihrem kleinen Schatz etwas zugestoßen war, und funkelte ihren Gefährten mit ihren rehbraunen Augen an.
„Keine Sorge, der Kleinen geht es gut! Ich habe sie zu deinen Freunden, den Kimballs, gebracht.“ Ihr Pirat nickte und fuhr über ihre Stirn.
„Aber was ist dann …“, begann Luna, als ihr Liebster sie am Arm ergriff und sie in eine Ecke zerrte.
„Liebling, ich muss gehen“, meinte er schließlich und schloss seine Frau in die Arme, „trotz dass ich nicht gehen will …“
„Was? Du musst …? Aber was ist mit deiner Tochter? Sie braucht einen Vater, und in den letzten Tagen, in denen du bei uns warst, hat sie dich liebgewonnen. Sie hat noch nie jemandem so viel Vertrauen geschenkt wie dir! Du bist ihr Vater! Und was ist mit mir? Ich liebe und brauche dich an meiner Seite!“, protestierte Luna geschockt, während jegliche Farbe aus ihrem Gesicht wich.
Tränen stiegen in ihre Augen, als sie seinen gequälten Blick sah, der ihr verriet, dass das Schicksal sie erneut trennen würde.
Einen Augenblick später kam ein Junge hereingelaufen und schrie durch die Kneipe: „Die Marine!“
Die meisten Männer, hauptsächlich Piraten, sprangen vor Schreck auf und eilten zur Tür hinaus.
Ein Seemann, Luna bemerkte ihn erst jetzt, stand nahe bei ihnen und beobachtete sie. Ihr Liebster sah sich zu ihm um, worauf der Mann nickte.
„Ich muss“, meinte er und wandte sich wieder zu ihr, „Nimm das, du wirst es brauchen!“
Er reichte ihr einen Beutel voll mit Goldmünzen.
„Erzähl meinem kleinen Engel von mir und sag ihr, wie sehr ich sie liebe!“, sagte er sanft und berührte zart ihre Wange, „Nimm dies noch als Geschenk von mir! Hiermit werde ich immer bei euch, bei ihr sein!“
Er stülpte ein Armband von seinem Handgelenk, an dem mehrere kleine Anhänger baumelten, um es ihr stattdessen umzulegen. Luna musterte dieses ausschließlich oberflächlich, bemerkte jedoch sehr schnell, dass die Anhänger Piratensymbole waren. Einer war aus purem Silber und hatte die Form eines Säbels, der andere war das Bildnis eines Totenkopfes und aus reinem Gold. In weitere Anhänger waren kleine Diamanten eingebettet.
„Das kann ich nicht annehmen!“
„Du musst! Es soll ein Zeichen unserer Liebe sein“, flüsterte er, zog Luna an sich und küsste sie voller Leidenschaft.
„Sirius …“, flehte sie, als er sich von ihr abwandte.
Als er in der Tür stand, hielt er einen Moment inne, drehte sich um und sagte traurig:
„Ich liebe dich, Luna.“




Kapitel 2


Der Himmel hatte ein zartes Rosa angenommen, als die Sonne am Morgen mit ihren Strahlen die Bewohner von PortDanner zu wecken versuchte.
In der Ferne begann ein Hahn laut zu krähen, und hier und da öffneten sich langsam in der Stadt vereinzelte Fenster, während die Straßen noch wie ausgestorben wirkten.
Eine Stunde später waren die vorher leeren Gassen überfüllt mit Menschen.
„SCHNELLER, SCHNELLER! Herr Miller wird euch sonst wieder nachsitzen lassen“, schrie ein siebzehnjähriger Junge zwei sechzehnjährigen Jungen zu, die hinter ihm herliefen.
„Warte, Jared! Wir sind nicht so schnell wie du!“, keuchte einer der Hinteren
„Ja, weil ihr so faul seid“, konterte Jared und wich dabei geschickt einer älteren Dame aus, die in seiner Bahn, voll bepackt mit Körben, stand.
Die drei Jungen liefen Richtung Marktplatz. Dort angekommen, rief ihnen der Bäcker, der gerade einer Frau ein Roggenbrot verkauft hatte, zu: „Na, ihr drei, schon wieder verschlafen? Müsst euch wohl wieder ’ne Ausrede einfallen lassen!“
„Hallo, Herr Homick, auf Wiedersehen, Herr Homick“, brüllte Jared zurück und rannte weiter über den großen Marktplatz, die anderen beiden immer noch im Schlepptau. Herr Homick schüttelte lächelnd den Kopf und meinte: „Immer dasselbe.“

„Alan und Aidan Kimball sind mal wieder zu spät!“
Herr Miller lief an den zwei Jungen mindestens hundertmal vorbei, während er sie anschrie.
„KEINE DISZIPLIN, ZU SPÄT, NIE ETWAS LERNEN, ZU SPÄT, NIE AUFPASSEN, ZU SPÄT! Ihr werdet nachsitzen! NACHSITZEN!“, schimpfte er hysterisch in der Klasse und betonte das Wort Nachsitzen so laut, dass Aidan und Alan schwören könnten, dass der taube Fischer Herr Munzels es am Ende des Dorfes gehört hatte.
Als sie sich nach einer halben Stunde Predigt endlich setzen durften, meinte Aidan grinsend: „Ich hoffe, dass es bei Jared genauso gut läuft.“
„RUHE!“, schrie Herr Miller durch die Klasse und fing an, etwas auf der Tafel zu fabrizieren.

Zum Glockenschlag, der die Pause ankündigte, trafen sich die drei jungen Männer mit noch einem anderen Freund namens Dorian. Dorian war Jareds bester Freund und hielt sich für den hübschesten Jungen von PortDanner. Er hatte dunkelbraune Augen, braunes Haar und eine ein Jahr ältere Schwester, die den Namen Melody trug und Jared sehr gefiel. Von Dorian selbst hörte man ausschließlich dumme Sprüche, doch er konnte auch nett sein, wenn er wollte. Aber wirklich ausschließlich, wenn ihm danach war oder er gerade das bekommen hatte, was er begehrte.
„Oh Mann, mein Lehrer hat mir Nachsitzen erteilt“, jammerte Jared.
„Der Miller hat uns ’ne halbe Stunde in den Ohren gelegen“, gab Alan von sich, der bereits überlegte, wie sie ihren Eltern dieses Mal ihre Verspätung erklären sollten.
„Ich dachte schon, er hört nie auf“, antwortete Aidan genervt.
„Das war bei meinem Lehrer nicht anders! Ich dachte schon, sein Kopf platzt, so rot war dieser“, lachte Dorian, der mit Jared in eine Klasse ging.
„Hör auf zu lachen, Dorian! Caroline hat mich auch ausgelacht. Mann, war mir das peinlich!“, meinte Jared voller Scham.
„Wer ist denn Caroline?“, fragte plötzlich eine Stimme hinter den Jungen.
Überrascht drehten diese sich um und erblickten zwei junge Frauen hinter sich.
„Oh … Hallo, Melody! Caroline? Caroline ist niemand“, stotterte Jared und errötete.
Melody und ihre Freundin begannen zu lachen.
„Wer wird denn da gleich rot?“, fragte Melodys Kumpanin, worauf Jared noch mehr errötete, „Mach dir keinen Kopf, wir kennen Caroline und wissen, dass sie die Klassenräume zu jeder Zeit am Tag reinigen muss.“
„Hey, Evolet“, begrüßte Dorian die Freundin seiner Schwester und legte sein Macholächeln auf.
„Wie wäre es, wenn ich dich heute gegen Abend abhole und wir uns gemeinsam den romantischen Sonnenuntergang ansehen?“, schlug er vor und trat ganz nah an die junge Frau ran, als wollte er gleich über sie herfallen.
„Tut mir leid, ich muss heute arbeiten, und außerdem bräuchtest du mich nicht abzuholen, weil wir im selben Haus wohnen“, entgegnete Evolet abwinkend und grinste.
„Du hast immer eine andere Ausrede! Zum neunten Mal habe ich dich gefragt, ob du mit mir ausgehst! Ich frage kein zehntes Mal.“
„Okay! Wenn du mich also nicht mehr fragst, wäre das endlich geklärt“, gab Evolet zurück und wandte sich von Dorian ab.
Nun war er es, der puterrot bis unter die Haarspitzen wurde und seine Stimme verloren zu haben schien. Da meldete sich Aiden zu Wort: „Nur mal so, Evolet, warum habt ihr Mädchen heute Morgen nicht auf uns gewartet?“
„Ich habe doch an eure Tür geklopft! Ich dachte, ihr wärt wach, oder was waren das für seltsame Geräusche, die da heute Morgen aus eurem Zimmer drangen? Wenn ihr wieder einschlaft, ist das jedenfalls eure Schuld, nicht unsere. Mal ganz davon abgesehen, dass es uns Mädchen, wie der Schuldirektor sagt, nicht gestattet ist, eine Schule zu besuchen“, erklärte Evolet Aidan und lächelte.
„Ich bin ganz ihrer Meinung! Warum sollen wir andauernd auf euch warten? Zumal wir euch nicht wecken müssten auf unserem alltäglichen Weg unserer großen Verpflichtungen“, stimmte Melody mit verschränkten Armen zu, sie ins Visier nehmend.
„Was um Himmels willen für große Verpflichtungen könntet ihr beide bloß haben“, schnaubte Dorian, der liebend gern von der Schule fernbleiben wollte wie die Mädchen, doch das war ihm nicht vergönnt.
Auf seine Aussage hin funkelte die Freundin seiner Schwester ihn angriffslustig an und reichte Melody ein Bündel, woraufhin diese ihren Bruder in die Rippen boxte.
„Dir in deiner Pause zum Beispiel dein Essen zu bringen!“
Melody hatte wie ihr kleiner Bruder dunkelbraune Augen allerdings anders als er blondes, hüftlanges Haar, das wie immer hochgesteckt war zu einer wunderschönen und einfachen Frisur.
„Ihr hättet warten können, weil ihr unsere Freundinnen seid, oder etwa nicht?“, warf Jared in einem bestimmenden Ton in die Runde, um ihr vorheriges Gesprächsthema aufzugreifen.
„Ach ja?“, neckte Evolet ihn, die von seinem Tonfall kaum beeindruckt schien.
Jared war eben von Natur aus ein harmoniesuchendes Gemüt und ein Angriff, egal in welcher Form, lag ihm keinesfalls.
Doch das Glück war ihm hold, da die Klingel das Ende der Pause ankündigte.
„Was habt ihr jetzt?“, fragte Melody Alan.
„Wissenschaft“, antwortete dieser.
„Oh, klasse! Vielleicht sprengst du Herrn Swishkopp in die Luft!“, erklärte Evolet grinsend.
Mit diesen Worten verschwanden die jungen Frauen vom Hof und die Jungen in ihre jeweiligen Klassenräume.

Zur selben Zeit segelte ein kleines Schiff draußen auf dem Meer. Es war ganze acht Stunden von der Insel Kanera entfernt und wurde von der Strömung des Meeres angetrieben und gelenkt. Von Weitem sah das kleine Boot leer und verlassen aus. Kein Segel hing am Mast, obwohl der Wind stark von Norden kam. Niemand ruderte oder war zu sehen. Doch der Anschein trog. Drei junge Männer waren an Bord des Schiffes, das wie einer kleinen Nussschale auf dem Wasser ähnelte.
„Haben wir noch was zu trinken?“, fragte einer der drei matt.
„Nein, Hayden“, erwiderte einer seiner Freunde.
„Wirklich schon alles leer, Morgan?“
„Aye! Wenn du nachsehen willst, hier!“, meinte dieser und warf Hayden eine leere Flasche entgegen.
Hayden nahm sie stellte sie auf den Kopf und blickte in ihr Inneres.
„Da kannst du so lange reingucken, wie du willst, sie ist leer, und leer bleibt leer, es sei denn, du kannst zaubern“, brummte Calian.
Calian war Haydens älterer Bruder. Er war achtzehn Jahre alt, hatte rabenschwarzes, schulterlanges Haar und in seinem Gesicht funkelten zwei auffällige sturmgraue Augen. Sein kleiner Bruder Hayden hingegen hatte rotbraunes Haar, braune Augen und war siebzehn Jahre alt. Morgan, der Dritte im Bunde, hatte tiefblaue Augen, dunkelblondes Haar und war so alt wie sein Freund Calian.
Enttäuscht musterte Hayden die leere Flasche.
„Schon ganze drei Tage sind wir unterwegs!“, eröffnete er den anderen und ließ den Kopf hängen.
„Aye! Wir haben keine Vorräte mehr und kein Trinkwasser“, zog Morgan Bilanz und warf einen Blick aufs Meer.
Daraufhin erhob sich Calians Gestalt und zog aus seiner Hosentasche sein Fernglas hervor, mit dem er das Meer absuchte.
„Hat doch sowieso keinen Zweck“, seufzte sein bester Freund und kramte einen Kompass aus seiner Manteltasche hervor.
„Wir hätten Morenta schon längst erreichen müssen! Wahrscheinlich hat uns die Strömung abgetrieben“, warf Hayden ein.
„Kann sein“, antwortete Morgan, der weiterhin versuchte, konzentriert die Kompassnadel anzustarren.
Nach drei Tagen ohne Essen, mit Ausnahme eines kleinen Beutels Pökelfleisch, und nicht ausreichend Trinkwasser, glich allein die Tatsache, dass die jungen Freibeuter nicht ihren Verstand verloren hatten und immer noch unter den Lebenden weilten, für diese einem Wunder. Dennoch hatte es den Anschein, dass ihre Gedanken stumpf wurden wie die Klinge eines zu oft genutzten Dolches. So erschienen kleine Ziffern auf einer runden, kleinen Seefahrer-Gerätschaft fast wie unlösbare Rätsel.
„Ein Schiff!“, rief Calian plötzlich.
„Was?“, entfuhr es Morgan und Hayden gleichzeitig.
Hayden warf die Flasche beiseite ins Wasser und sprang auf. Morgan tat es ihm gleich und stellte sich direkt neben Calian, um besser sehen zu können.
Achthundert Meter vor ihnen segelte ein großes Schiff, das unter vollem Segel fuhr.
„Ein Handelsschiff“, bemerkte Calian, der das Gefährt mit dem Fernglas musterte und es an seiner Flagge erkannte.
„Ich glaube, es kommt direkt auf uns zu“, meinte Hayden.
Genau in diesem Augenblick erblickte Calian durch das Fernglas einen Mann auf dessen Deck der offenbar genau wie er durch ein Fernglas schaute und sie entdeckt hatte.
„Das scheint so, sie kommen auf uns zu!“, bestätigte Calian und reichte dann seinem besten Freund Morgan das Fernglas.
Während dieser das Schiff nicht aus den Augen ließ, wühlte der junge Pirat in seinen Sachen.
„Was machst du da, Cal?“, fragte Hayden.
„Hier … zieh das an!“, befahl ihm sein Bruder und drückte ihm Klamotten in die Hand.
„Was? Das zieh ich doch nicht an! Das ist doch die Kleidung, die wir diesen reichen Schnöseln aus Lysana abgenommen haben“, entgegnete er angewidert.
„Hör zu! Auf Handelsschiffen sind meist Leute von der Marine. Du weißt doch, was diese Leute mit Piraten wie uns machen“, sagte Calian düster.
„Sie würden uns hängen“, antwortete Hayden lässig.
Calian nickte und begann, nach weiteren passenden Sachen für Morgan und sich zu suchen.
„Sie sind gleich da“, meinte dieser und duckte sich.
„Morgan!“, rief Calian und warf diesem die Kleidungsstücke zu.
„Danke.“
Die übrig gebliebene Kleidung streifte er sich selbst über.

„Kommodore! Wir haben gleich das kleine Boot erreicht“, rief ein Mann in blauer Uniform einem korpulenteren Mann zu, der ebenfalls eine blaue Uniform trug, an der viele Orden hingen.
„Gut, gut! Wollen wir mal sehen, wer da an Bord ist“, grinste dieser.
„Kommodore, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Mr. Breaker möchte doch so schnell wie möglich mit seiner Familie nach Kanera“, wandte ein Mann in einem braunen Mantel ein.
„Kapitän Roberts, Mr. Breaker vertraut mir vollkommen! Ich weiß, was ich tue. Deshalb möchte ich Sie bitten, einfach Ihrer Arbeit als Kapitän nachzugehen und mich gewähren zu lassen“, sagte der Kommodore hochnäsig.
„Was glauben Sie denn zu finden auf dieser Nussschale?“, fragte Kapitän Roberts.
„Piraten!“
„Piraten, Kommodore?“, höhnte der Kapitän spöttisch.
„Ja! Ich kann diese abscheulichen Kerle auf fünf Meilen riechen“, antwortete der Kommodore und starrte gebannt auf das kleine Boot, das noch 600 Meter von ihrem Schiff entfernt war.
Der eigentliche Kapitän des Schiffes schüttelte vielsagend den Kopf und verschwand.
...

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