Science Fiction & Fantasy

Bewahrt

Alexander Blumenthal

Bewahrt

Ein Stück Zeit. Band 1

Leseprobe:

Die Verfolgung / Der feine Herr

Der belgische Inspektor hatte diese beunruhigende Situation mit professioneller Contenance verarbeitet, dieses hier war offensichtlich seinem Geltungsbereich überstellt, sein Kumpan hatte ihm sonst immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Aber die Rolle des technischen Assistenten war so deutlich, dass er einen Fall bearbeitete, den es zu entlarven galt. Er überflog in Gedanken den Kriminalbericht, den Befund der Pathologie. In Gedanken las er: „Todesursache unbekannt.“ Er blickt links, rechts, vergaß nicht auch das, was dazwischenlag, zu beobachten. Doch alles sah wie immer um die Uhrzeit aus. Die Straße war frei, er öffnete seinen Wagen, fuhr los. Ein schwarzer Golf fädelte sich auf seinen Kurs ein, als der Mann sein Headset aktivierte. Er hörte die schleichende Stimme des feinen Herrn, sie gab Anweisungen: „Lassen Sie das Ziel, er ist im Fokus meiner Kontrolle, wenn er in meinem Radius erscheint.“ Der Gentleman indessen hatte sich ein Glas Wein bestellt, seinen letzten Bissen Käse vertilgt, griff erneut zu seiner Zeitung, aber das Lesen war nicht das Einzige, was ihn interessierte, sondern das Geschehen drum herum: Griff einer zu seinem Telefon, wurde eine ähnliche Bestellung aufgegeben, gab es Personen, die ihren Tisch ordnungsgemäß verließen. Der Kellner, der zu ihm ging, erkannte, dass sein Stammkunde sein Glas Wein wie üblich gleich bezahlte. Er hob eine Münze, das Geschehen hatte seine typischen Facetten, die ihm unbezahlbar schienen, einer Grabbeigabe gleich. Er trank mit kräftigen, aber aufeinander wartenden Zügen den Rotwein. Die Zeitung ließ er nicht liegen. Als er ging, stand gerade ein Mann, um zu sehen, wo er Platz finden konnte, er bot sie ihm an, der Mann dankte, verwies auf sein i-Pad/Tablet, ging zum selben Tisch, setzte sich. Er hob das Glas des Gentlemans, zeigte dieses dem Kellner, der nickte, brachte dem Mann die Weinkarte. Der Gentleman ging in die links gelegene Straße, bog bei der nächsten rechts ab. Das Café blieb im gewohnten Antlitz. Dann klingelte sein Handy, er ging sofort ran. Eine ihm vertraute Stimme gab mit warnendem Tonfall an: „Verfolger!“ Er gab ihm einen Straßennamen. Der Gentleman ging schneller, fast schon flehend blickte er zurück. Ein Mann im schwarzen Rollkragenpullover, mit beigefarbenem Karosakko hinter ihm. Er passte sein Tempo an, hinter ihm fuhr ein schwarzer Volvo in die Straße und bog rechts in die nächste Seitenstraße, rannte. Vor ihm lag ein kleiner Platz, der nicht von Autos überquert werden konnte. In der Mitte ein Brunnen mit einer Jungfer, die einen goldenen Fisch hielt, der einen kleinen Wasserfall spuckte. Drum herum standen geschwungene gusseiserne Bänke mit Holzbeschlägen, welche von einer „Ährigen Felsenbirne“ in voller Blüte umsäumt waren. Der Platz war von vier Seiten zu erreichen. Er blieb stehen, er konnte in die Straßen spähen, von allen Seiten kamen Autos. Allerdings konnte er nicht erkennen, in welchen seine Verbündeten waren. Der Wagen hinter ihm kam zum Stillstand. Er wollte losrennen, eine Stimme rief laut: „Stehen bleiben, sonst bist du tot!“ Der Gentleman sah über seinen Rücken, ein Mann hing mit gezogener Waffe aus dem Fenster des stoppenden Wagens. Die anderen Wagen – ein Fiat, ein Golf sowie ein Citroën – kamen nur Sekunden später zum Stillstand. Der Mann sprang aus dem Volvo, wollte soeben den Gentleman als Geisel greifen, als ein gezielter Warnschuss aus einer Waffe mit Schalldämpfer seine Waffe traf. Dann waren grüne und rote Laserstrahlpunkte auf den jeweiligen Körpern zu erkennen. Keiner wagte es, zu schießen. Die Fahrer hatten jeweils eine Kamera in ihrem Auto, doch sie wussten, wenn einer fotografierte, konnte das die lebensgefährliche Situation tödlich enden lassen. Der Gentleman ging vorsichtig einen Schritt von seinem Verfolger weg, die Männer konnten nicht anders, als ihrem Ziel Genauigkeit zu verschaffen. Als der Gentleman sich aus dem Kontrollbereich zu entziehen drohte, sprach sein Gegner hinter ihm: „Stopp!“ Die anderen blieben cool, der Gentleman setzte auf Sieg. Er bewegte sich vorsichtig seinen Leuten entgegen. Sein Jäger hob seine Waffe erneut an, zielte nun nicht mehr auf seine Kniekehle, sondern direkt auf seinen Hinterkopf. Dann meldete sich eine Stimme in den Headsets der feine Herr: „Ziehen lassen.“ Sie hoben nicht sogleich ihre Waffen, aber gingen zielend zu ihren Autos. Das nahmen die Rechtschaffenen zum Anlass, dasselbe zu tun. Der Gentleman ging einem der Wagen entgegen, dann fiel ein lautloser Schuss, der eigentlich kein Schuss im eigentlichen Sinne war, er ummantelte sich mit dem Wind, getarnt in der geschmeidigen Schärfe seiner Erfinder durchstach er die durch den anhaltenden Wind zu Boden schwebenden Blütenblätter, 20 an der Zahl, traf ihn. Der Gentleman lief schnell, ohne dass er was bemerkte, zur geöffneten Wagentür, setzte sich hinein. Einer von die Recht-schaffenen schoss ebenfalls unbemerkt mehrere Sender gleichzeitig, welche jeweils an eines der Autos prallte, indem er ein Geschoss verwendete, das sich seinen Weg auch in einem Bogen suchen konnte. Weil die Verwirbelungen, die es durch seine rotierenden Flugbewegungen erzeugte, kleine Klappen öffneten, die so die Flugbahn änderten. Sie waren auf die Karosserie eines Autos abgestimmt, indem diese von einer der Waffen im Zielfokus angepeilt wurde, der Erkennungsprozessor speicherte die erforderlichen Parameter des Geschosses. Die engelsgleichen weißen Blütenblätter flogen die verwirbelnde Spirale hinauf, außer von einer kleinen Spinne, die zuvor auf dem Blütenblatt ein Stück des Weges ohne Energieverlust zurückzuschweben gedachte, unbemerkt. Der Gentleman saß bereits im Wagen, noch während er die Tür schloss, fuhr der Wagen mit aufnehmender voller Fahrt rückwärts zur nächsten Seitenstraße, um dann seinen Weg im nicht mehr auffälligen Fahrstil zu einem Ziel fortzusetzen. Der Gentleman fing an aus der Nase zu bluten. Als das Blut auf den Boden tropfte, entwich eine unsichtbare gasförmige Substanz, welche sich an die Haut und die Haare der anderen heftete und sich regelrecht in die Haut, auf mikroskopischer Ebene, hineinfraß. Sie konnten das nicht registrieren, weil dem Bluten ihres Kameraden volle Beachtung zuteilwerden musste, sonst hätten sich alle hin und wieder gekratzt. Der Gentleman kippte um. Der Kamerad neben ihm fühlte seinen Puls, dann wurde der erste Satz des ganzen Szenarios gesprochen: „Er ist vom Tod, von der Flaschen Seite des Spiegels geholt.“ Sogleich kippte sein Gesicht, welches an der hinteren linken Scheibe haftete, mit dem Schwerpunkt nach vorne. Noch während der Situation hatte einer von ihnen ihre Basis kontaktiert. Sie wurden sofort zu einem abgesonderten Labor, welches sich in einem Lastwagen befand, beordert. Der schwarze Golf bog vom Weg der gelben Ente des belgischen Inspektors ab. Ihr Weg sollte nie wieder eine gemeinsame parallele Bahn mit ihrer Kraft divergieren. Ihrer Abstammung nach hätte das ein nachbarschaftliches Verhalten auf den Wegen ihrer noch nicht bestimmten Lebensdauer werden können. Der belgische Inspektor warf das Handy in dem Moment, als auch der letzte Millimeter des Golfes in die Seitenstraße fuhr, welche eine Einbahnstraße zu einem kleinen Platz beim großen Markt war, auf seinen Beifahrersitz. Der belgische Inspektor linste mit listiger Stimmung, er vertraute darauf, dass das Handy eine sichere Leitung zu anderen Orten war, die nur unter bestimmten Voraussetzungen der Zeitgleichheit eine individuelle Objektivität ermöglichte, da dann eine Unvoreingenommenheit der jeweiligen Person aktuell war. Er entschied die Telefonate von seiner Wohnung aus zu tätigen. Die Fahrt hatte nach seinem subjektiven Gefühl etwas von einer kleinen Ewigkeit. Er drängte hinauf in den vierten Stock, wo er sich zunächst auf das, was er fragen musste, konzentrierte, dass er es ohne Umwege sowie nach protokollarischer Form heranziehen werde. Auf dem restlichen Weg wollte er sich noch ein belgisches Frühstück einpacken, um seine Telefonate mit zwischenzeitlichen Mahlzeiten zu verinnerlichen. Er parkte vor einer Reihe Autos, ließ seinen Polizeiausweis hinter der Frontscheibe liegen. Hier war er kein bekannter Stammkunde, seine Bestellung war die, die den vielen Bestellungen ihr stärkendes, wohlverdientes Gerüst der Notwendigkeit bewerkstelligte. Nach der erneut aufgenommenen Fahrt, die sich wegen seines Appetits zu einem rasanteren Fahrstil entwickelte, zu seinem gemieteten Parkplatz ließ ihn sein Ausblick auf den Horizont spähen. Als er in seine gewohnte, heimatliche Straße einbog, nahm er sein Handy heraus, aktivierte eine App, daraufhin tropfte heißes Wasser in seine gut gefüllte Kaffeemaschine. Er schloss die Haustür auf, was ihn mitnichten groß dazu bewog, bei der nächsten Hausversammlung Wogen von gut gezielten Sätzen auftreffen zu lassen. Aber er ärgerte sich nicht, dennoch wollte er eine Diskussionsrunde schaffen – mit den zugehörigen Rollen. Er stand vor seiner Haustür, dann war er auch schon über die Schwelle in seine wohlduftende Wohnung verschwunden. Die Tür schloss sich halb automatisch.



Der Novize schnaufte durch seine Nase, welche ihn durch das sonnenbestrahlende Kitzeln wachlachte. Er öffnete zaghaft seine Augen, noch unwirklich. So als hätte der gestrige Tag ein geträumtes Abenteuer bedeutet. Es war sein freier Tag, so zwinkerte er noch in das himmlische Blau. Der Raum war so sonnendurchflutet, dass die Lebenskraft in ihm immer mehr erstarkte. Er sprang, ohne innezuhalten, aus dem Liegen zum Stehen. Leicht stolpernd taperte er zur Kiste. Fiebernd vor Neugier tastete er nervös nach dem Verschluss. Die Kiste war sogleich offen. Die schwarze, scheinbar alle Farben verschlingende Trüffel lag für ihn wie alle Gewichte der Welt vor ihm. Das Wissen, was er barg, war Gottes Gabe. Voll der Überzeugung musste er das Geheimnis erfahren. Er sah das schwarze Gestein an, dachte: „Trüffel.“ Er schloss die Kiste, verstaute sie nicht in seinem Zimmer, sondern in seinem über dem Stuhl, dem einzigen in diesem, seinem Raum, der ihm nicht sicher genug erschien, hängenden Leinenbeutel. Dann schnappte er sich noch einen Überzug, den er in der Tasche um den Stein wickelte. Dann noch einen zweiten, stopfte ihn dazu. Er verließ seinen Raum, um zunächst seinem Kooperator auszuweichen. Mit dem Gedanken, dass er sich eine Antwort einfallen lassen musste, weswegen er ihn noch nicht gesehen hatte. Noch zögerte er einen Moment, nein, es musste schlüssig sein. Er schlich den Gang entlang, bog nicht auf die große Treppe nach rechts ab, sondern ging noch 5 Meter geradeaus. Dann durch eine kleine Tür, links. Dort wendelte sich eine Wendeltreppe hinab. Er hoffte ihm nicht zu begegnen, er wusste, dass das nur ein Weg ist, den er normalerweise nicht nahm.
Nach etwa einer Wendelung fing er an in einem anderen Rhythmus hinunterzulaufen. Passierte eine weitere Tür. Er hatte gerade das Sichtfeld dieser verlassen, da hörte er im oberen Bereich eine Tür knarren. Er veränderte sofort erneut seinen Gang, etwas langsamer. Eine Stimme rief seinen Namen mit gleichmäßiger Tonlage hinunter: „Justus, Justus Liebenau! Bist du das?“, wurde mit energischerem Ton angehängt. Es war nicht die Stimme vom Kooperator, aber es war die Stimme von einem nahen Gebetsbruder. Er reagierte sofort, er hätte noch das Erdgeschoss passieren müssen, um in den Keller und zur Küche zu gelangen. Er ging in den Bereich des Erdgeschosses. Die knarrende Tür wurde sofort von der oben losgeschickten Stimme übertönt. Nicht bestimmend, aber mit relevantem Inhalt, innezuhalten. Dann noch mal die Frage: „Bist du das, Justus Liebenau?“ Er reagierte nicht, ließ in anderem Verhalten die Tür mit ein bisschen Verzögerung schließen. Bog sofort rechts ab. Ging die große Treppe aus Stein mit einem Holzgeländer, welches leicht geschwungen war, mit einfachen Zügen seiner Hand entlang, sanft hinab. Bog links ab, unter die Treppe. Öffnete an ihrer Seite eine Tür, die so hoch wie er war. Er wusste, dass sie nicht knarrte. Horchte, nichts. Noch einen Moment, dann hörte er die Tür im oberen Bereich, wie sie geöffnet wurde und dann ins Schloss fiel. Er schlüpfte in den Gang, ging in einem Fluss die Türe leise schließend die Wendeltreppe in das zweite Kellergeschoss, wo die Lebensmittel gelagert wurden, hinab. Wenn alles stimmte, hatte dort heute sein Gebetsbruder Dienst. Nach diesem Gedanken betrat er die untersten Gänge, von denen aus zahlreiche Türen zu verschiedenen Lagerräumen führten. Die Gänge waren breit, mit Fackelschein beleuchtet. Das bedeutete, dass er hier jederzeit jemanden treffen konnte. Nach zwei weiteren Kreuzungen bog er links ab, nahm gleich die Tür rechts. Nach dem Öffnen sah er zwei Menschen, die mit dem Rücken zu ihm standen. Der Fackelschein erhellte ihre Größen. An dem ihm bekannten leicht buckligen Rücken erkannte er zur Erleichterung Bruder Schwerfuß. Oder war es doch Bruder Schwerfass? Ne, das war Bruder Schwerfuß. Die zweite Person erkannte er sofort, das war sein Freund. Diese Konturen unter der Robe waren unverkennbar, er dachte: „Nur keinen Fehler mit den beiden.“ Dann hatte er das Essen und konnte zum See. Nachdem er sich geräuspert hatte, drehte sich der leicht Bucklige um. Er sah in das ihm vertraute, picklige, runzlige sowie mit einer roten Knollnase versehene Gesicht. Er lächelte ihn mit Ruinenzähnen an. Justus Liebenau antwortete, ohne gefragt worden zu sein. Er wolle alleine raus, aber nicht ohne Stärkung. Knollnase ging nicht auf ihn zu, das war ein gutes Zeichen. Aber er wiegte seinen Kopf, so als wolle er die Gewichtigkeit messen, die dort vor ihm stand. Sein Gebetsbruder stellte sich ihm zur Seite. Fügte amüsiert hinzu: „Lassen wir ihn, es sind nur wenige Stunden. Es ist sein freier Tag.“ Die dicke rote Nase begann wie fragend zu wippen: „Er soll eigentlich zum Kooperator. Es ist ihm dringend. Er hat es heute Morgen betonend erwähnt.“ Nachdem er seinen Mund geschlossen, seine Augen jedoch geöffnet hatte, wägte Knollnase das Ganze erneut ab. Drehte sich, gab ihm ein Stück Höhlenkäse: „Du bist alt genug, geh den Gang entlang. Drücke den dritten Stein links von oben an.“ Vor Verwunderung stürmte der Novize los, sein Gebetsbruder rief ihm nach: „Der Käse!?“ Geistesgegenwärtig verstaute er ihn tief im Beutel. Es hielt ihn nichts, er rannte den Gang entlang. Kam zur Stirnseite, drückte, ohne innezuhalten, den gedeuteten Stein. Er konnte weit nach innen gedrückt werden, bevor sich dann durch mechanische Vorgänge die Gewölbewand nach innen öffnete. Dunkelheit sog ihn hinein, er griff sich eine der Fackeln. Sah aus dem Augenwinkel auf dem Boden einen abgebrannten Stumpen, stellte diesen auf den Träger. Huschte hinein, drückte die Tür zu.
Er stand im Schein der Fackel, wohlige Wärme umfing ihn. Doch das Unbekannte, das so voll von tiefer Dunkelheit seine Zukunft verbarg, lockte ihn. Er überwand die Grenzen seines bewussten Nahbaren, Sicheren. Er schritt den Gang entlang. Nachdem er, sogar anders als erwartet, nur wenige Meter von dem ihm Bekannten hinfortgegangen war, sah er rechts eine Art Tür. Er beschien die Tür, dort war in der oberen Mitte ein metallenes Schild, golden schimmernd, welches von Umwelteinflüssen vermoost, wenig goldenen Blick freigab. Er verschaffte sich Übersicht. Wischte zunächst, dann rieb er fest. Die gut sichtbaren, vernünftig eingravierten Buchstaben kamen zum Vorschein. Er las: „Zum Innenhof.“ Nun fing er an zu staunen, sodass er dem Licht vorausspähen wollte. Er ließ dem Innenhof sogleich keine fortschreitende Beachtung zuteilwerden. Er ging weitere drei, vier Meter, sah dieses Mal nach rechts, nachdem er aus seinem Augenwinkel einen noch dunkleren Schatten gesehen hatte, wo er dann die Konturen der dazugehörenden Tür erkannte. Zielsicher entfernte er dann das Moos. Auch hier las er die Gravur des goldenen Schilds: „Freier Marktplatz.“ Er dachte: „30 km“, schüttelte seinen Kopf. Er wollte sein nun entstandenes Hauptziel nicht vergessen. Aber er wusste, dass er hier noch mal im Alleingang eine Erkundung durchführen würde. Dann besann er sich, topografisch musste er noch 100 Meter voraus. Schnellen Schrittes ging er zu den 3 Türen, die er traf, sah sich zwei weitere an. Bei einer stand „Gestüt“. Bei der anderen „Brennerei“. Er sah sich die Fackel in seiner rechten Hand an. Beschloss, dass er sie gegen die etwa noch um die Hälfte größere an der Tür zur Brennerei tauschen werde. Er war sich des eventuellen Begreifens bewusst, Möglichkeiten zu schöpfen, er ließ sich nicht beirren. Er würde sich einem seiner Brüder stellen müssen, das alles hier konnte nicht ohne Worte stattfinden. Doch zu einem anderen Zeitpunkt. So konnte er sich seinem ersten Ziel stellen. Er ließ das topografische Gedankengut auf der Grundlage seines Vertrauens wirken. So musste er noch etwa 2 Kilometer voraus. Eine dieser Türen dort konnte es sein, die ihn in seine gewollte Nähe führte. Unbedarft, von dem was ihn dort erwarten würde, ging er nicht ruhigen, sondern aufgeregten schnellen Schrittes. Er fand auf beiden Seiten des Ganges Türen, die goldenen Schilder irritierten ihn. Wohl nicht, weil sie verrieten, dass das zu jenen Orten führte, die er nicht erhofft hatte, sondern dass sie noch da waren. Den Gesamtwert der bisherigen Schilder konnte er nicht bewusst greifen. Aber es waren Jahre, in denen man gut hätte leben können. So viel Vertrauen. Er schüttelte mit Schwermut seinen Kopf, nach dem ihm nicht fremden Meditationszyklus besann er sich, dachte: „Wie in einem Märchen.“ Sah so von Wurzelwerk umschlungen, mit großen Augen eine weitere Tür. Er griff nach ihr, machte das Schild sichtbar. Er dachte: „Das Richtige.“ Dort stand: „Baum zum See.“ Nach wenigen unbewussten Augenblicken fand er den Mechanismus. Er öffnete, der Schein seiner Fackel schien wie unbedeutend in die Dunkelheit. So empfand er Hoffnung auf das Neue. Er ließ sich, dem Schein nach, hineinziehen. So schloss er, ohne sich noch mal umzusehen, die Tür zu anderen Abenteuern …

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 448
ISBN: 978-3-95840-902-6
Erscheinungsdatum: 25.02.2020
EUR 21,90
EUR 13,99

Herbstlektüre