Cover: ... zu schade ...

... zu schade ...
Gedichte überlebter Wahrheiten


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 48
ISBN: 978-3-99146-963-6
Erscheinungsdatum: 20.08.2024
Pelle Anders, Masseur und Physiotherapeut, hat in seinem Debüt 70 Gedichte vereint. Er schreibt berührend und klug über die dunklen Seiten des Lebens und geht dabei auf seine persönlichen Erfahrungen mit Depressionen, Mitmenschen und vagen Suizidgedanken ein.
Tiefschlag 0

Zu viel gegrübelt, bei Tag und bei Nacht.
Umstände ertragen, anderes vermisst.
Zu oft, am Ende umsonst, Gedanken gemacht.
Zuletzt Gewissheit: Es ist, wie es ist.
Erschöpft, verwirrt, Sprachlosigkeit.
Ungläubig, zerschlagen, man fühlt sich leer.
Wut, Verzweiflung … was weiß ich … noch vieles mehr.
Es gilt, den Kopf, die Seele zu befreien.
Deshalb muss ich es tun.
Und hoffe, es hilft, davon zu schreiben.
Ich möchte wieder in mir ruh’n.




Tiefschlag

Wenn Dir was den Spaß am Leben verdirbt,
ist es besser, dass man stirbt …




Tiefschlag II

Heyda, Du mein Spiegelbild.
Schön, dass wir zusammen sind.
Freundschaft ist das, was zählt.
In dieser absurden Welt.
Ein bisschen einsam, dieses Leben.
Es müsst noch einen von uns geben.




Tiefschlag III

Du bist immer für mich da.
Keine Ausflüchte, keine anderen Termine.
Du bist da, ohne dass ich Dich anfordern muss.
Zuverlässig und treu.
Dir kann man alles anvertrauen.
Keine überflüssigen, geheuchelten Fragen, keine klugen Ratschläge.
Du bist für mich da.
Beim Einschlafen und beim Aufwachen.
Ich sehe Dich.
Du bist mein bester Freund.
Du Ecke. An der Decke.




Tiefschlag IV

Da ist er wieder. Seine Macht drückt Dich nieder.
Der Berg Probleme.
Fast war er vergessen. Doch das ist mehr als vermessen.
Er türmt sich vor Dir auf. Die neusten Sorgen obendrauf.
Lacht Dir ins Gesicht: „Das schaffst Du nicht.“
Der Berg Probleme.
Nicht zu bezwingen. Zum Glück bleiben rauchen und trinken.
Lass den Rausch gewaltig sein. Dann erscheint Dir der Berg nur noch klein.




Tiefschlag V

Mühe gegeben, Arsch hochgekriegt.
Nummer gewählt. Erzählt, was anliegt.
Kaum ausgesprochen, bin wie benommen.
Was hab’ ich verbrochen, Haufen Tipps bekommen.
Hab’ doch gar nicht gefragt, ehrlich gesagt.
Mann, Mann, Mann. Ich ruf’ nicht mehr an.
Ein anderes Mal, natürlich, ein weit’rer Versuch.
Mal wieder enttäuscht. Pech gehabt oder ein Fluch?
Es scheint, die Geschichte meines Lebens
erzähle ich offensichtlich vergebens.




Tiefschlag VI

Ich erinn’re mich gerade, denk an so vieles. Schad’,
dass ich nicht vergesse.
Falls es Dich gibt, mein Gott. Gibt’s auf die Fresse.




Tiefschlag VII

Um eine Rede zu halten, muss ich erst Papier entfalten.
Liebe Leute, gewährt mir ein Ohr. Ich habe „Tschüss“
zu sagen vor.
Und ich gebe zu, ich wollte ganz viel Ruh’.
Dafür und in meinem Falle geht ein schöner Gruß an alle.

Morgen ganz früh sause – ich mit der Bahn nach Hause.
Ihr hört weiter zu, macht mit und werdet alle möglichst fit.
Meine Zeit ist um und reif, Ihr haltet schön die Ohren steif.
Das soll’s gewesen sein. Ich steck’ den Zettel wieder ein.
Gruß und Kuss, weil ich nach Hause muss.




Tiefschlag VIII

Denk’ ich ans Träumen, welch ein Glück.
Einmal heile Welt und ungern zurück.
Sorgen, Nöte, die bösen – Tag für Tag.
Kaum zu ändern, zu schaffen, zu besiegen.
Der Traum hat eine Lösung parat:
übers Wasser zu laufen, davon zu fliegen.
Im Traum ist kaum was im Argen.
Jetzt müsst’ ich nur noch einschlafen.




Tiefschlag IX

Es heißt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich weiß: ist lange tot. Nicht erst seit jetzt.
Ich glaub’, es gibt sie nicht.
Ließ mich allzu oft im Stich.
In Zukunft leben ohne sie?
Wär’ total entspannt wie noch nie.
War viel zu oft ein träumender Sklave.
Erst Hoffnung …, dann Sturz auf die Nase.




Tiefschlag X

Heute, endlich, geht’s los. Hört es auf. Höchste Zeit,
dass es passiert.
Lange genossen, lange ertragen. Man gibt, man bekommt.
Du gewinnst, Du verlierst.
Schön, dass Du gehst. Hast mir Tage gerettet. Doch ich
mag dich nicht mehr seh’n.
Immer für mich da. Danke. Verlässlich, verletzend.
Es muss ohne dich geh’n.
Trotz allem. Du warst ’ne nette … letzte Zigarette.




Tiefschlag XI

Ich mag dieses Wort nicht. Alles verändert sich.
Es irritiert und hemmt. Man wird sich selbst fremd.
So, wie ich die Sache sehe: hat jeder so seine Probleme.
Der Mensch macht oder lässt es. Erinnert sich
oder vergisst es.
Der Mensch ist oder scheint. Wird bejaht oder verneint.
Mit Disziplin und Mühe verteilt man weiter Menschenliebe.
Doch irgendwann fragt man sich, gibt es so was
auch für mich?
Und damit ist das Umfeld schon bei seiner Interpretation.
Gemäß der Definition heißt es dann Depression …
Na, da „bedanke“ ich mich aber sehr.
„Störung der sensorischen Integration“ erklärt mir mehr.




Tiefschlag XII

Da sitze ich also. Die Nase im Sonnenschein.
Vom Tag müde und platt auf dem Sofa daheim.
Mir selbst versprochen, statt Abend für Abend
die Schwäche zu pflegen, am Frühling mich labend.
Ein Vogel singt mich in den Schlaf.
Ich fühl’ mich friedlich, versunken und brav.
Was eben noch laut, viel, doof, ein Schlag ins Genick
wird nun belanglos, nichtig und ganz schön weit weg.
So atmet die Brust und kostet das Herz
vom Wunder und Zauber alljährlich im März.
Und wenn ich noch oft staun’, gewinn’ oder verliere,
dieses Gefühl, am liebsten für immer, hier und jetzt
baumelt die Seele.




Tiefschlag XIII

Die Erde, sie dreht sich. Die Menschheit, sie regt sich.
Es wird geliebt und geboren. Es wird gehasst und gestorben.
Schon immer war’s so. Lass es geschehen.
Heiß die einen willkommen. Die anderen lass gehen.




Tiefschlag XIV

Was macht die Kunst? Was macht die Kunst?
Hört sich an, als wär’s ein Muss.
Von jetzt auf nun, sofort – mitnichten!
Es braucht ein wenig mehr beim Dichten.
Themen gibt’s wie Sand am Meer.
Schön, wenn’s was Nettes wär’.
Erst ein Gefühl, dann die Idee, für Tage
als Projekt im Kopf ich trage.
Es keimt, braucht Zeit zum Reifen,
entwickelt sich trotz mancher Zweifel.
Und endlich, endlich zu Papier –
so entsteht ein Gedicht bei mir.




Tiefschlag XV

Endlich zu Hause. Das Wetter schlecht. Jetzt aber los,
und jetzt erst recht.
Die Schwachen, steht irgendwo geschrieben, bleiben
auf dem Sofa liegen.
Ist’s draußen nass und trüb, schlägt es ihnen aufs Gemüt.
Ich sehe das anders, denn bei Regen kann man trotzdem
sich bewegen.
Gibt es mal Grund, sich die Haare zu raufen, ist es besser,
mit sich selbst zu laufen.
Denn der Regen, sanft und leise, hilft bei Stress auf
seine Weise.




Tiefschlag XVI

hanging around, frightened of not to be found.
Let’s be in love, so that the head above.
That’s what to be adored,
to feel to be born once more.




Tiefschlag XVII

Erledigt, platt und enttäuscht. Gebettelt, gehofft und
das mehrmals.
Hilfe? Dann aber schnell. Mir steht Wasser bis zum Hals.
So schau ich nach rechts und zur linken Seite.
Und sehe … nichts, gar nichts, nur endlose Weite.
Die Augen, die Ohren auf Empfang melden trügerisch: Stille.
So, Mensch, hier sollst Du nicht sein, sagen Gefühle.
Dann also los. Auf, auf! Den ersten Schritt.
Doch stell’ ich fest: Der Fuß macht nicht mit.
Luft angehalten, untergetaucht. Der Blick geht nach unten.
Und stelle fest: verflucht! Bin angebunden!
Von weither ein Rufen: Liebe mich, ich bin Dein Leben!
Es zerrt an mir, möcht’ mich mit sich nehmen.
Recht hat es, ich wusst’ es schon immer. Bleibe ich hier,
wird’s nur noch schlimmer.
Doch Altlasten, Sorgen und Zweifel hielten mich.
Sei’s drum, es gilt: Leben ist Pflicht!
Die Strippe gekappt, frei, lass mich treiben,
um nicht Opfer der eigenen Geschichte zu bleiben.
So geht es davon. Doch. Weiß nicht, ob ich’s will.
Das Wasser bleibt tief. Und es ist immer noch still …




Tiefschlag XVIII

Ist mal wieder alles irgendwie zu viel,
hältst Du’s irgendwie kaum noch aus?
Vertrau auf Dein eigenes Gefühl
und fahr den Stinkefinger aus.
Ob gefrustet, traurig oder auch egal,
sollte es Dir dann nicht reichen,
mach’s mit links gleich noch einmal.
Und zur Sicherheit dann noch mit beiden.




Tiefschlag XIX

Kann es noch etwas anderes geben
als dies mühsam komplizierte, aber Leben?
Nie braucht’ ich mehr ’ne verlässliche Hand.
Mir steht’s bis zum Hals wie Treibsand.
Die Lage fatal, die Arme paddeln.
Verzweifelt in Not, die Beine strampeln.
Statt mich zu befreien, wird’s fies und fieser.
Trotz aller Müh’n versink’ ich tief und tiefer.
Geduld allein wird mir nicht genügen.
Zu fürchten ist, der Treibsand wird siegen.
...

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