Wie nackter Stein

Wie nackter Stein

Josef Anton


EUR 14,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 146
ISBN: 978-3-99064-173-6
Erscheinungsdatum: 23.01.2018
In den verschieden ineinander übergehenden Thematiken von Josef Antons Gedichten spiegeln sich die unterschiedlichen Facetten des Menschen und sein „Suchen und Spüren“ wider.
Exposé


Das Buch ist in fünf Abschnitte untergliedert, wobei die Gedichte der einzelnen Abschnitte jeweils „Gemeinsamkeiten“ in thematischer Hinsicht und/oder in ihren Grundzügen aufweisen. Dabei sind die Grenzen zwischen den einzelnen Abschnitten nicht starr, sondern fließend.
* KLOPF DEN STAUB VON DEINEN FÜSSEN
beinhaltet im Wesentlichen Gedichte „allgemeiner“ Inhalte, jedoch zu unterschiedlichsten Themen, Stimmungen, etc.
* NOCH SIND DIE NARBEN NICHT VERHEILT
Dieser Abschnitt umfasst (sozial-)kritische Themen. Dabei geht es nicht nur um Kritik, sondern auch um Sprache jenen zu geben, die aufgrund ihrer Lebensumstände „sprachlos“ sind, Hoffnung anzusprechen, wo Hoffnungslosigkeit ist, das Pflänzchen „Sehnsucht nach Frieden“ zu pflegen.
* STÜRMERAUFEN
Fängt den Herbst ein und im übertragenen Sinn auch das Herbstliche; eine Jahreszeit, Stimmungen, die den Autor besonders ansprechen.
* UNAUFFÄLLIG
Ist eine Sammlung humoristischer, ironischer, fallweise auch satirischer Gedichte. Neben allem Ernst, ist für den Autor Humor eine unverzichtbare „Lebensphilosophie“.
* MIT HÄNGENDEN GEDANKEN
Hier stehen „persönliche“ Aspekte im Vordergrund.
* GEDANKEN IV knüpft an die Gedanken I, II, III der vorangegangenen Veröffentlichungen an.

Manche Gedichte sind in Reimform, andere in Prosa geschrieben, einige folgen der gültigen Grammatik, andere wiederum verzichten bewusst auf Interpunktionen, Groß-/Kleinschreibung etc. Der Sprache, dem Stil sollte möglichst nicht „Gewalt angetan werden“; es wird jeweils jene Form bevorzugt, die das Thema, die Stimmung bestmöglich „einfängt“, egal, ob das Gedicht wenige Zeilen oder Seiten umfasst.
Manches Gedicht verleitet (absichtlich) zum Darüberlesen und überrascht beim Wiederlesen.
Die Themen sind vielfältig, gelten aber überwiegend dem Menschen in seinen verschiedensten Facetten, in seinem „SUCHEN UND SPÜREN“.









Klopf den Staub von deinen Füßen


WIE NACKTER STEIN liegt die Seele bloß
vom Meer und Wind umspült
Sie taucht in unbekannte Tiefen ein
Mit Schwingenschlag und vollgesetzten Segeln
treibt sie an neue Ufer
Wo
Ufer uferlos
Grenzen grenzenlos sind
Weiten keine Horizonte kennen
Klammern sie nicht umfassen
Keine Enge Schwere Schwermut ist
die sie nicht atmen lassen
Umspült vom Meer und Wind wird die Seele groß


*****


DECK MICH ZU mit Schmetterlingeflügeln
mit deren verschwenderischer Farbenpracht
mit Atem der in Tiefen siedelt
mit Träumen einer durchträumten Nacht

Ich will die Schwerelose spüren
und nicht Ketten die mich knechten
das Morgenwerden und den hellen Süden
den Flügelschlag der mich aus Nächten hebt

Ich suche Leichtigkeit in meiner Mitte
die Tür nur angelehnt
das Lachen aus einer warmen Hütte
den Arm der sich nach Umarmung sehnt







Noch sind die Narben nicht verheilt



DER SPRUCH war schon gesprochen
bevor
der vorhang fiel
sich tür und zugang öffneten
die saite angeschlagen wurde
du spagat und rolle setzen konntest
du an das tor geklopft hast
die scheinverhandlung mit trara inszeniert wurde
du aufgeregt nach worten suchtest
man dir versöhnung vorgaukelte
der transport ankam
der händedruck nur lüge war
der brief ungeöffnet blieb

all das war nur theater
der spruch war schon gesprochen


*****


NOCH SIND die Narben nicht verheilt,
die dürre Nächte in das Erinnern brannten.
Noch harren Träume in dünnen Sommerhemden
aus, die sie bald frieren lassen.
Vielleicht schon bald wird das Blatt sich wenden,
wenn
Stürme in sanften Brisen enden,
Kriege elendiglich verenden,
wenn
Menschen menschlich werden.

Ich fühle dies so tief, dass ich zu glauben wage:
Es wird so kommen.
Ich brenne es mit heißen Eisen in mich ein,
damit Narben das Erinnern tief verankern:
Dereinst wird es so sein.







Stürmeraufen


AM BAUMKRONENWINDZERZAUSEN
weißt du: Es ist der Herbst zurück.
Er begleitet dich ein kleines Stück
und lässt dich bald alleine.
Nimm diese Farben,
dieses Blätterfallenrauschen
mit jeder Pore mit
und stell dich ein auf nächtelanges Einsamsein.
Du magst es ahnen - vielleicht schon fühlen -:
Wir alle nähern uns dem Herbst
und mühen uns die Ernte einzufahren,
solange wir bei Kräften sind.
Auch uns erfasst ein Stürmeraufen,
ein Verfärben wie im Blätterwald,
und ein Wachsen und Erwachen neuer Sehnsucht,
ein Hoffen auf ein unverhofftes Glück.


*****


DAS AUFGERÄUMTE ÄHRENFELD
lässt noch den Sommer ahnen.
Noch hängen von den Früchten Düfte in der Luft
und Wetterzeichen deuten an, dass Wachsen,
Reifen, Ernten der nächsten Zeit nicht angehören.

Vieles ist nun eingebracht:
Dieses gilt es zu bewahren!
Wo hinter Hügeln Krähen kreisen, auf Drähten sich
die Schwalben sammeln, sind bald die Lüfte
leergefegt; beginnt ein langes Warten und Verlangen
nach ihrer Wiederkehr.







Unauffällig


AM SCHROTTPLATZ für Beziehungsleichen,
lagern massenhaft die Liebeswracks
und warten aussichtslos-vergeblich
auf irgendwessen Ersatzbedarf.
Bestenfalls sucht jemand nach Reserveteilen
für Beziehungsrenovierungen
und findet wohl in manchen Sonderfällen
ein Wrackteil zur Liebesrestaurierung.


*****


DER UNSINN droht dem Sinn:
„Ich werde dich noch fertig machen!“
„Da kann ich wirklich nur noch lachen“,
sagt der Sinn, „weil vom UN schon längst
befreit ich bin.“


*****


AUS TIEFEN (AUGEN-)HÖHLEN grinsen
Fratzen höhnisch in den leeren Tag
Aus Schädelspalten taumeln Irrgestalten
schreiend ächzend krächzend
bis zum zwölften Glockenschlag
Dann legen sie sich nieder
oft in ein falsches Grab
der Anton beschläft die Frida
der Karl verfehlt die Anna liegt nun beim Jonathan
Das Spiel spielt täglich weiter bis alle durchgemischt
und das Gepolter und Gelächter
im Aufwachtraum erlischt







Mit hängenden Gedanken


ICH KANN DIE TRÄUME nicht alleine lassen,
wenn sie ganz unerwartet mich beschleichen,
sich wie Kletten an mich hängen und nicht
von meiner Seite weichen.
Ich tauche ein in diese Wirrwarrwelt,
in dieses Fragen, Bangen, Hoffen -,
wo sich auflöst, was die Vernunft zusammenhält
und ineinanderfügt, was lose in Gefühlen
schlummert.
Ich hab die Träume nicht bestellt,
nicht ihnen Tür und Tor geöffnet;
sie haben sich zu mir gesellt
und folgen mir ganz offen.


*****


SUCHEN UND SPÜREN.
Spüren und suchen.
Wie der Rutengänger
suche ich,
spüre ich,
empfinde ich
Regungen, die nicht einmal
das Blatt der Zitterpappel,
die Nüstern des Hundes
zu erkennen vermögen.
Wie eine Antenne horche ich
in die Zeit,
in den Raum
hinein.
Die Ohren angespannt, gleich einer Wildkatze,
die Augen hypnotisch an Unscheinbares geheftet,
die Nase gegen den Wind gerichtet,
jede Pore der Haut geöffnet -
selbst die Geschmackspupillen sind hellwach:
Nichts soll entgehen, verdeckt, versteckt,
unentdeckt bleiben.

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