Tief empfundene Gedichte

Tief empfundene Gedichte

Ernst Mayerhofer


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 96
ISBN: 978-3-903861-65-7
Erscheinungsdatum: 25.05.2021
Die tief empfundenen Gedichte Ernst Mayerhofers vermögen tatsächlich vor allem eines: ans Herz zu gehen. Der Autor brachte seine tiefgehenden Gedanken und Empfindungen in schönster Manier und Sprache zum Ausdruck.
Stammbuchvers
(Veröffentlicht 1946, 5. Jänner in „Sonntagspost“ – Kufstein)

Unendlich liebe die Menschen
Und freu dich an ihrem Glück,
So strahlt deine Liebe zu ihnen
Verschönt auf dich selbst zurück!
Und darin erblicke dein eigenes Glück!



Da raffst du anmutvoll dein bräutlich Kleid
Und setzt ins Boot den Fuß, den wohlgestalten.
Schon löse ich die Ketten, die es halten,
Und bin dein Fährmann, dem sein Herz voll Leid.
Du sprichst: „Wir werden nie uns fürder seh’n! –
Ach, jedem Erdenwaller ist hienieden
Sein eigner Weg, sein eignes Leid beschieden,
Und oft trifft sich’s, dass zwei zusammen gehen,

Auch hält sie oft ein zartgefügtes Band.
Doch bald …“ – „O nicht! Das ist nicht auszusagen!“
Rief ich, die Hände vor den Kopf geschlagen.
„Leb wohl! Wir sind am jenseitigen Strand!“

Ich taste taumelnd wie im süßen Traum
Zum letzten Druck nach deinen goldnen Händen
Und will mein ganzes Weh und Glück verschwenden.
Dann küsst der Strom noch deines Kleides Saum …



Musikalische Vision vorm Schlaf

Erst muss ich alle läst’gen Melodien verscheuchen,
Die mir wie Vögel durchs Gehirn wild schillernd fliehn
Und wieder dann wie bunte Kröten träge kreuchen.
Sie halten ohne Zahl mein Schlafen hin.

Und manches ist aus schon bekannten Tongebäuden
Wie ein herausgebrochener bemalter Stein.
Ich aber will mich an Gehörtem nicht vergeuden,
Und was mir klingt, soll wie ich selber sein.

Denn nicht in ungezählten Variationen
Des alten Themas soll die Kraft verblüh’n.
Ich will mich selbstisch wie nie Dagewes’nes schonen,
Nur was in mir ist, soll aus mir auch sprüh’n.

Doch endlich flattern mir ins Ohr die neuen Klänge
Und schwellen an zur unerhörten Symphonie,
Es braust beglückend auf, als wären’s Engelsänge
Im tiefsten aufgestört ist meine Fantasie.

Jetzt bin ich fluterwartend wie ein Nachen,
Den nur der Ufersand am Auslauf hemmt,
Und plötzlich beißt der hochgeworf’nen Woge Rachen
Ihn los … Der Töne Schwall hat mich hinweggeschwemmt.



Adagio

Sieh, wie so sonnvergoldet dort im Westen
Der leichte Flor von letzten Tagesresten
Wie goldne Inseln im Damast des Himmels schwimmt.

Dies Scheiden lässt mich Jetzt und Hier vergessen,
Ich hab mich fast zum einzigen Gott vermessen
Und meine Seele ist zu schönem Schall gestimmt.

Nun die letzten Lichter niederschweben …
Ich denke über Traum und Tod und Lebensgefahr
Und so … Bin weltfern und doch ganz der Welt verschenkt.

Dann Grau. Die ersten blassen Sterne tauchen,
Wie Opferschalen Hütten heilig rauchen.
Wie alles doch so still die müden Flügel senkt …



Nachtgesang der Liebe

O du! O quäl mich nicht mit deinen Augensternen!
Weh, dunkles Feuer, das sich durch meine Seele frisst!
O neig dich mir! Nicht funkle aus schmerzvollen Fernen
Dein Nornenblick, der sehrend und Nachthimmel ist!

Du mondig Haupt im Walde deiner Ebensträhne!
O hülle mich darein und gib die Atemglut
Deines gebenedeiten Nahseins, denn ich wähne
Zu sterben ohne das Gefühl von deinem Blut!



Der Mutter

Du erster Name in der Völker Wortschatz,
Du heiligster von allen Erdennamen:
O Mutter, lieb- und schmerzensreiche Mutter!
Fern hegest du mein Bild mit tiefen Ängsten
In deinem Herzen; einer ewigen Blume
Vergleichbar, die kein Sturm noch je entblättert,
So blüht dein Herz und breitet seinen Duft
Durch alle Weiten wie ein Band umschlingend.
Gebenedeit sind nunmehr deine Züge
Auch mir in meine Seele eingeschrieben.
Wie leidest du nicht doppelt, was ich leide!
Unwürdig nenne mich, dein böses Kind,
Das dich nicht lieben kann, wie du’s geliebt.
O brauche harte Worte, stoß mich von dir,
Dass ich, zerrissen bis ins Innerste,
An deinem Halse hängend lieben lerne;
Verlor’ner Sohn nur kann dich, Mutter, fassen!
Doch immer redest du mit goldnen Zungen
Und lässt nicht ab, dein Kind zu pflegen,
Zu hüllen in die Wolke deiner Sorge,
Als wäre einzig es des Himmels würdig.
Als flüsterten mir Engel sie ins Ohr,
Wo du auch immer seist, du bist mir gegenwärtig.
Gott schütze dich, mein Kind! – So hebst du mich
Aus meinem Leid und bin zur Hälfte dein.
Wo ich auch immer sei, ich bin dir gegenwärtig.
Gott schütze dich!

Anthologie zum Muttertag



Tante Pallas

Nun bin ich wie ein ausgebrannter Krater,
Ein jeder Vers verwässerter Alkohol;
Denn wo Apoll nicht steht Gevatter,
Ist man nicht mehr des Gottes voll.

So lass ich auch Fragmente guter Stunden
In Frieden ruh’n, wie ich sie hingekleckst;
Hat sich mein hoher Herr zurückgefunden,
Gleich bin ich nach wie vor verhext.

Dieweil ich mich nun in Geduld muss fassen,
Um neu zu düngen meinen brachen Sinn,
Kommt Pallas ruhig und gelassen
Und stellt mir ihre Lampe hin.

Das gute Tantchen will, ich soll studieren;
Sie türmt um mich die ganze Philosophie,
Und auch ein Butterbrot will sie mir schmieren,
Denn ich bin blutarm, und das dauert sie.

Das Butterbrot hab ich zuerst gegessen,
Dann schlug ich einen Folianten um
Und trieb mich planlos und vermessen
Just in den schwersten Kapiteln herum.

Da las ich viel von Identität,
Von Immanenz, Substanz, auch von Monerem
Und Gottbegriffen, die kein Hirn versteht;
Doch übern Menschen konnt’ mich nichts belehren.

Und alle möchten sie es gerne wissen,
Ob diese Dinge nicht sind oder sind –
Da hab ich endlich alles hingeschmissen.
Ach Tantchen, noch ein Butterbrot, geschwind!



Geläuterte Seele

Wer nie den tiefsten Schmerz der Seele fühlte,
Wen nie ein allgemein’res Weh durchwühlte,
Dass er sich selbst kaum als ein Schatten glich,
Sein Stolz wie die zerriss’ne Wolke wich:
Der ist nicht ganz den Menschen beizuzählen,
Es wird ihm noch die rechte Weihe fehlen.

Nie herrlicher nach dem Gewitterregen
Die Landschaft wieder blinkt im grünen Segen
Und bläulich heiter sich der Dunst verzieht:
So hebt geläutert wie ein Dankeslied
Die bange Seele sich zu den Gezelten
Des reinern Himmels und der reinern Welten.



Vorfrühlingsvision

Schwarz sitzt die Amsel auf nacktem Ast. Ihr aufgeregter Ruf lockt durch die feuchte Kühle des Morgens. Die rote Sonne, die nicht blendet, zögert staunend wie ein erwachtes Kinderauge am Horizont. Die kalten Strahlen brechen leicht durch dunkle Gesträuche und ernste Gruppen von Bäumen. Die Schatten der Frühe sind schlank wie Gerten. Da und dort blitzen schon klebrige Knöspchen der Kastanien und kaum entfaltete Blatttriebe werfen grüne Lichter über die Schatten.
Nun ist die Zeit, da Menschen aus offenen Fenstern schauen, als müsse sich irgendwo ein Zug versammeln, der dann feierlich durch die Straßen kommt. Auch Mädchenaugen werden schöner und voll Listen, als flögen kleine Vögelchen aus ihren Sternen …
Wo die kühlen Pfeile der Sonne auftreffen, entzünden sie linde Wärme, und ein Dunst bereitet sich nahe der Erde und wächst berauschend den Tag über.
Von fernher, und noch klein, kommt durch das junge Gehölz geschritten Flora mit niedlichem Ernst, in gesticktem Kleid, einen Korb mit Blumen am Arm. Der Wind bläst ihr im Rücken und weht ihre blonden Haare weit nach vorn. Dieses Blond in der Luft vermag man zu spüren. Es sind die warmen Windstöße, die sich ins Frostige mischen wie züngelnde Flämmchen …
Nicht lange, so quillt die Erde über von Werden und Liebe, und Flora, die alles in kindlicher Sorglosigkeit entfesselte, steht erfüllt von ratlosem Entzücken, schlägt die Hände zusammen und verschüttet ihre ersten Veilchen …



Meine Kinder

Unser Vater, das ist ja nicht so ein Mann,
Den man fürchten, bestaunen, ernst nehmen kann,
Der ist wie ein Kuchenherz süß und weich,
Er weint auch und lacht ganz uns Kindern gleich.

Er spricht mit sich selber und träumt von Feen
Und Tieren, die nachts durch die Wälder geh’n,
Von Bäumen, in denen sich’s wohnen lässt …
In seinem Herzen gibt’s immer ein Fest!

Er tut so viel wollen, und macht doch nicht viel,
Er ist wie wir Kinder verliebt in sein Spiel.
Ja, der Vater von uns ist ein herzguter Mann,
Der uns und alle mitsammen liebhaben kann.

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