Lyrik & Dramatik

Poesea

Christian Haslinger

Poesea

The Liquid Word

Leseprobe:

Belarus

In Trauer sehe ich all die Menschen,
die um ihre Freiheit, Rechte und Leben kämpfen.
Hohe Ideale einer oft vermessenen Selbstverständlichkeit.
Eingefordert und verhindert in einer bestialisch unmenschlichen Einfachheit.

Die Machtgier greift erneut zu Waffen.
Mit Schlägen will man Stille schaffen.
Erniedrigt Frauen, tötet Männer,
lässt Angst erbauen, missbraucht die Hämmer.

Der Rest der Welt ins Schweigen geht.
Es zählt das Geld, um das sich alles dreht.
Schockstarre ist das Los der Freiheit.
Stillstand das Resultat der Feigheit.

Im Fernsehen hören wir die Schreie,
die aus Folterzellen kommen.
Dem Bösen tragen wir zur Weihe,
dem Guten haben wir die Sicht genommen.

Blaue Striemen blutig rot,
zerrissene Riemen, der Freiheit Tod.
Die Große Welt, sie diskutiert,
es kann nicht sein was hier passiert.

Der Vorteil an dem Fernsehbild:
ich schalt es ab, wenn es zu wild.
Doch im realen wahren Leben,
sind Menschen es, die in Todesangst schweben.

Und niemand wagt den ersten Schritt,
die Wirtschaft könnte Schaden nehmen.
Es ist ein wahrer Höllenritt,
niemand mag Gott Mammon zähmen.
So diskutieren wir und sind bestürzt,
keiner da, der den Diktator stürzt.
Und wieder werden Menschen sterben,
an der Gleichgültigkeit, die herrscht auf Erden.

Ein Mahnmal für unser eigen Sein,
die anderen werfen Stein für Stein.
Wir selbst sehen zu, sind kurz bestürzt,
All das tabu,
Mitleid verkürzt.



Wenn du denkst

Wenn du denkst, es wird besser, dann kann es geschehen,
dass es schlimmer wird.
Wenn du denkst, es wird schöner, dann kann es geschehen, dass es dunkler wird.
Wenn du denkst, es ist alles in Ordnung, dann kann es geschehen, dass die Unordnung dich übermannt.

Wenn du denkst, du wirst geliebt, so kann es geschehen,
dass nur du das glaubst.
Wenn du denkst, es geht nicht schlimmer,
dann wird es schlimmer als je zuvor.
Hör auf zu denken und glaube daran. Glaube an das Schöne – das Gute – die Liebe zu dem einen Menschen.
Glaube an dich und es werden andere an dich glauben.
Glaube an dich und lebe.
Lebe und liebe.
Sei genügsam mit dir, sei genügsam mit dem,
was du hast. Und sei genügsam mit der wahren Liebe, die du nur einmal im Leben triffst. Alles andere sind Trugbilder, deren Halbwertszeit vergänglich erscheint.
Glaube, lebe, liebe.




In deinem Herzen

Mein Leben lege ich in deine Hand.
Mein Herz und meine Seele gebe ich dir
als wertvollsten Pfand.
Du bist die eine und wirst es immer sein.
Ich bin der deine und lasse dich niemals nie allein.

Ich sah es schon beim ersten Blick,
zaghaft, scheu, unsagbar klar.
Dein Lachen gab mir dann den Kick,
für mich ein Traum, er wurde wahr.
Ich schenke dir mein Hab und Gut,
mein Licht, mein Atem, mein ganzes Ich.
Ich fasse zusammen all den Mut, und sage laut:
„Ich liebe dich.“



Geliebte Mutter

Und als ich begann zu atmen,
da lag ich bereits in deinen Armen.
Und als ich begann zu sehen, da hatte ich nur Augen für dich.
Und als ich begann zu laufen, da lief ich in deine Arme.
Und als ich begann zu fallen, da fiel ich in deine Hände.

Und als ich begann zu denken, da dachte ich nur an dich.
Und als ich begann zu reden, da sprach ich nur mit dir.
Und als ich begann zu leben, da warst du an meiner Seite.
Und als ich begann zu lieben, da ließest du mich gehen.

Und als ich begann zu sterben, da warst du nicht bei mir.
Doch wenn ich dann gestorben bin,
dann bin ich wieder nah an dir.
Danke an all die Mütter die für ihre Kinder da sind.
Danke für euer Tun.




Zeit

Als die Zeit in Strömen dachte,
traf vergangenes das Heut.
Cronos selbst unendlich lachte,
zeitlos seine große Freud.

Sah in jedem Winkel leise,
temporäre Traurigkeit.
Doch die Zeit, auf ihre Weise,
wuchs in die Unendlichkeit.

Floß dahin im Zeitenstrome,
Stund für Stund und Tag für Tag.
Fraß sich durch die Zeitatome,
denn die Zeit in sich autark.

Fragst du mich, wie Zeit entstand,
würd die Antwort ich nicht wissen.
Ob sie einen Anfang fand,
Zeit gefaltet, ich zerrissen.

Und am Ende aller Tage
ist die Zeit noch immer hier.
Keine Antwort auf die Frage,
die gestellt ich tief in mir.

Korn für Korn zerrinnt die Zeit
in ein Meer der Wüstendünen.
Durch die Sanduhr sie entzweit,
tanzt für sich auf eignen Bühnen.

Zeit vergeht und kommt nie wieder,
nur der Morgen ist gewiss.
Tag entsteht mit tausend Liedern.
Weil die Zeit unendlich ist.



Tränen

Milliarden Tränen führen leise
in ungewisse Wegbarkeiten.
Und jeder Weg, auf seine Weise,
ein Mahnmal unserer Eitelkeiten.

Erhaben tragen wir den Stolz,
und in uns tobt ein ewiger Sturm.
Das Herz erkaltet, hart wie Holz,
so stürzen wir vom Seelenturm.

Das Salz der Tränen, es wiegt schwer.
Dämonen zähmen, macht uns leer.
Es reinigt Wunden, tief in mir.
Der Leib geschunden, heut und hier.

Der Blick erblindet, leer und starr.
Nichts mehr empfindet, was einst war.
Wie hohe Mauern, kalt und leer,
Dämonen lauern, todesschwer.

Und dann am Ende nichts mehr bleibt.
Von all dem Wahnsinn, der uns treibt.
Zu Staub zerfallen und verweht.
Menschen verhallen, nichts mehr besteht.



Hospizgedanken

Das Licht der Kerzen flackert still,
zeigt an, dass sie noch leben will.
Der Docht, er brennt noch lichterloh,
dem Tod geweiht, noch lebensfroh.

Die Zeit, sie war ein Auf und Ab,
nicht viele Jahre sie gehabt.
Der Kerzenschein erhellt den Raum
und weckt in ihr so manchen Traum.

Am weißen Sandstrand liegen
und den warmen Sand zu fühlen.
Auf den Mond zu fliegen,
den Durst mit Caipirinha kühlen.

Oft denkt sie an den einen Mann,
sie war ihm nah, doch kam nie an.
Im Licht der Kerze kann sie sehen,
nicht mehr lange, dann muss sie gehen.

Die feuchten Augen zeigen viel,
sie ist am Ende, nah dem Ziel.
Noch einmal blickt sie still ins Licht,
der Kopf, er bleibt, bewegt sich nicht.

Mit einem letzten Atemzug ist sie gegangen,
endlich befreit, nicht mehr gefangen.
Ein fremder Mensch schließt ihr die Augen,
und vor dem Haus, da fliegen drei weiße Tauben.

Nun ist sie weg und nicht mehr hier,
das Zimmer leer so ohne ihr.
Und als sie ging, zur selben Stund,
da kam ein Kind, klein und gesund.

Das Leben, es geht immer weiter,
auf dieser Welt sind wir Begleiter.
Für eine kurze Lebenszeit,
bis in die letzte Ewigkeit.



Sinnliche Spiele

An deine zarten Lippen ich gedenke,
an denen ich dir Liebe schenke.
Erforsche sinnlich deinen Mund,
mit Küssen Zärtlichkeit tu ich dir kund.

In deinem Körper steigt Verlangen,
Sehe es am Erröten deiner Wangen.
Und auch dein Atem, er wird schwer,
du sagst es nicht, doch du willst mehr.

Und meine Lust verbrennt mein Ich,
Verdammt noch mal, ich will nur dich.
Mein Herz, es brennt wie tausend Feuer,
werde zügellos, ein Ungeheuer.

Ich seh dich an und weiß genau,
ich bin dein Mann, du meine Frau.
Und mit der Liebe Leidenschaft
erwacht in mir die Manneskraft.

Wir küssen uns durch Raum und Zeit,
vergessen alles, gehen zu weit.
Die Lust ist groß, dich zu verführen,
komm, lass mich doch dein Herz berühren.

Und wie das Glühen einer Sonne
brennst du für mich in Lust und Wonne.
Mein Glück im Leben nun vollkommen,
du hast mein Herz im Sturm genommen.

Ich wusste nie, was Liebe ist,
bis zu dem Tag als du zu mir gekommen bist.
War trunken oft von bloßem Schein,
Und niemals kehrte Frieden ein.

Doch dann warst du, und kamst zu mir.
Bringst mich zur Ruh, bin ich bei dir.
Mein Leben hat nun endlich Sinn.
Warum? Weil ich in deinem Herzen bin.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 220
ISBN: 978-3-903861-14-5
Erscheinungsdatum: 17.08.2021
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