Meine Gedanken der Regen
EUR 20,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 152
ISBN: 978-3-7116-1042-3
Erscheinungsdatum: 20.11.2025
Erzählungen darüber, wie ein Leben im Van, Zeit in der Natur und wärmende Begegnungen mit Menschen mir den Weg zurück zu mir weisen. Gedichte darüber, wie ich lerne, die Wellen des Lebens zu surfen. Ein Buch von Mensch zu Mensch.
Eine Kleinigkeit vorweg
Ich habe Bücher schon immer geliebt. Viele Menschen würden vermutlich schon nach diesem Satz das Buch zuklappen und sich genervt fragen, warum zum Teufel die x-te Möchtegern-Autorin diese Seiten ausgerechnet mit einem Ich-Satz beginnt. Weiß sie denn nicht, wie egoistisch das ist? Ich sitze hier und habe diesen Gedanken. Ich sorge mich, was andere Menschen über dieses Buch, über mein Buch denken. Doch ich fange dennoch mit diesen Zeilen an, weil sie mir nun mal einfach nicht aus dem Kopf gehen:
Ich habe Bücher schon immer geliebt. Sobald ich lesen konnte, haben mich vor allem solche Bücher angezogen, die voller bezaubernder Illustrationen oder Fotos waren, gefüllt mit Geschichten, mit Wissen, mit Ideen und Inspiration, mit Fantasie und Weisheit. Ich mochte Struktur, doch genauso faszinierte es mich, umzublättern, ohne vorher zu wissen, was mich erwartet. Manchmal blätterte ich zaghaft, fast schon ängstlich um, in der bösen Vorahnung, dass nach der Seite über die Vogelspinne eine über den weißen Hai folgen würde. Und natürlich fand ich die Vorstellung, das Foto mit meinen Fingern zu berühren, absolut ekelerregend. An einigen Tagen konnte ich nicht genug bekommen. War beeindruckt von Erzählungen, die mich an andere, weit entlegene Orte entführten. War gespannt, ob das Rezept auf der nächsten Seite tatsächlich so lecker schmecken würde, wie ich es mir erhoffte. Oder ich war Feuer und Flamme, ein neues Bastelprojekt zu starten und stundenlang neben meinem Kassettenrekorder auf dem Kinderzimmerboden, inspiriert durch ein Buch, zu werkeln. Wenn ich so recht darüber nachdenke, hat sich seitdem gar nicht so viel an meiner Bücherliebe verändert. Ich schlendere nach wie vor gerne durch einen kleinen Buchladen und blättere bedächtig durch die liebevoll gestalteten Buchseiten.
Über die letzten Jahre hat sich so einiges angesammelt, das ich nur zu gern einmal zu Papier bringen würde. Ich habe viel über das Leben gelernt, über mich, über Menschen – ich liebe es, ein wenig zu philosophieren. Mich hat auch vieles aufgeregt – manches regt mich noch immer auf – und ich habe gelernt, so viel sei schon mal vorweggenommen, dass das okay ist. Ich habe viel Neues ausprobiert und hege nach wie vor eine große Liebe zu Handarbeiten und Selbstgemachtem. Ich entdecke das Kochen für mich und versuche, es an meinen Alltag im Van anzupassen. Neue Orte haben sich einen Weg in mein Herz gebahnt und Gefühle sind keine absolut zu vermeidende, unnötig teure Achterbahn mehr für mich. Doch dazu später mehr. Mein Leben hat sich um 180, wenn nicht sogar 360 Grad (Mathe war noch nie meine Stärke) gedreht und ich kann seit langer Zeit wieder aus tiefstem Herzen sagen, dass ich glücklich bin. Da ich es liebe, Glück zu teilen, habe ich beschlossen, ein Buch voller Leben zu schreiben. Eines, das alles beinhaltet. Das nichts beschönigt und trotzdem vor allem die wundervollen Seiten des Lebens beleuchtet, ein wohliges, liebevolles, ermutigendes und geborgenes Gefühl vermittelt. Ein Buch von Mensch zu Mensch mit viel Natur und Humanität.
So, genug geschnackt.
Viel Freude, gute Erkenntnisse und viel Leben wünsche ich dir beim Lesen dieses Buches!
Warum denn aber nun noch nicht
einmal ein Inhaltsverzeichnis?
Glaubt mir, dieses Buch nicht komplett sinnvoll und effizient zu strukturieren, kostet mich nach wie vor einen Haufen Überwindung. Doch gerade hatte ich ein unfassbar schönes Telefonat mit einem langjährigen Kumpel. Wir hören uns nicht oft, doch wenn, dann ist da nie diese Barriere, an der man erkennt, dass man gerade leider nicht mit einem guten Freund, sondern doch eher mit einem Bekannten spricht. Naja, jedenfalls erzählte ich aus meinem Leben, er berichtete mir aus seinem. Als Lehramtsstudent für Biologie und Französisch hat er immer so einiges zu berichten. Nicht zum ersten Mal begannen wir, uns darüber aufzuregen, dass es vielen werdenden Lehrenden (und solchen, die es schon sind) nicht wirklich Freude bereitet, Wissen zu vermitteln. Er fuhr fort, dass seine Kurse im kommenden Semester zur Hälfte aus Bildungswissenschaften bestehen würden, wo es vordergründig darum ginge, Modelle den jeweiligen Forschenden zuzuordnen. Allein bei dem Wort „Modell“ in Verbindung mit menschlichen Wesen schlackern mir schon die Ohren. Sicher, man kann vieles am Menschen erforschen, auch seine Psyche, das stelle ich hier keineswegs in Abrede. Trotzdem sehe ich es kritisch, Menschen nach Prinzipien zu beurteilen. Wir sind doch alle wandelbar und unterschiedlich. Gerade in Zeiten, in denen „Diversity“ großgeschrieben wird, sollte uns das eigentlich allmählich klar werden, oder? Außerdem erzählte er mir, dass in einigen Fächern anscheinend so wenig Inhalt zu vermitteln ist, dass ein großes Augenmerk auf Formalitäten wie das „korrekte“ Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses gelegt wird. (Welche Fächer das seiner Meinung nach sind, bleibt erst einmal mein Geheimnis. Auch wenn dies kein wissenschaftliches Buch ist, sondern eines, das vor meiner eigenen Meinung nur so sprüht!) In Biologie hingegen sei gar keine Zeit dafür, sich großartige Gedanken um ein den Regeln entsprechendes Inhaltsverzeichnis zu machen. Es gäbe einfach zu viele Inhalte, um sie perfekt zu verzeichnen. Man mache es einfach so, wie es eben in dem individuellen Fall Sinn machen würde. Was erst einmal so lapidar und auch etwas ironisch klingt, ist für mich auch im größeren Sinne sehr einleuchtend und wegweisend. Was lernen wir also aus den mal mehr, mal weniger genormten Inhaltsverzeichnissen von Lehramtsstudierenden?
Manchmal leben wir gar nicht nach unseren eigenen Regeln, nach dem, was eigentlich gerade für uns ganz persönlich Sinn ergibt. Vielmehr folgen wir den schon lange festgeschriebenen Normen und Regeln, einfach weil wir überzeugt sind, dass es so „richtig“ sei. Wir verlieren uns in diesen scheinbaren Gesetzen, entweder weil wir a) nicht genügend Inhalte im Leben haben oder b) diese Inhalte an die Vorstellungen anderer anpassen oder wenigstens nach anderer Menschen Vorstellung ordnen. Warum also nicht darüber nachdenken, ein eigenes Inhaltsverzeichnis zu erstellen oder es einfach ab und an mal ganz sein zu lassen?
Und während ich gerade noch fleißig am Pläne machen bin, hat das Leben mir schon den Mittelfinger gezeigt.
Meine Lebensphilosophie in Prozent –
und das, obwohl ich Mathe hasse!
Die Rechnung ist simpel. Das ist vermutlich auch der Grund, warum sogar ich als Mathe-Niete von allein auf die Lösung gekommen bin.
Einen großen Teil meines Lebens habe ich versucht, auf beständigen 50 % zu leben. Das ist das, was meiner Meinung nach viele Menschen tun. Fünf Tage arbeiten, Sicherheiten schaffen, am Wochenende versuchen, sich von der anstrengenden, teils nervtötenden Woche zu erholen. Wir akzeptieren, dass wir regelmäßig „leiden“, weil es ja durchaus schlimmer sein könnte und dieses beständige „Leiden“ sich nicht unaushaltbar schmerzhaft anfühlt. Gibt es uns ja auch eine Menge Sicherheit, Routine und Struktur.
Nun haben mich diese monotonen (aber ja angeblich sicheren) 50 % so unzufrieden und letztendlich tief traurig (meiner Meinung nach ein deutlich treffenderes Wort als „depressiv“) gemacht. Nach und nach strudelte ich zusehends auf die 0 % Leben zu. Da 0 % mit dem Tod gleichzusetzen wären und ich ja offensichtlich noch im Stande bin, diese Worte zu verfassen, stoppte ich anscheinend vorher. Sagen wir also, mein Leben beziehungsweise meine Lebendigkeit waren bei round about 1 %.
Nach vielen Jahren, viel Hilfe, vielen wunderbaren Begegnungen, viel Reflexion, viel Anstrengung, vielen Erkenntnissen und vor allem mehr und mehr Erlebnissen, die sich wieder nach Leben anfühlten, bin ich zu folgendem Schluss gekommen:
Ich bin nicht länger bereit, mein Leben stabil auf 50 % zu halten. Ich werde mein Leben mit 80, 90, vielleicht in einigen Momenten auch 100 % leben. Wenn ich offen dafür bin und mir manchmal noch dazu bewusst gute Momente kreiere, ist das ziemlich realistisch. Realistisch ist aber auch, dass es Tage oder auch nur Momente geben wird, an denen einfach nicht mehr als 20 % drin sind. Es passieren Dinge, die sind doof und fühlen sich alles andere als lebendig an. Allerdings habe ich an den Tagen mit einem hohen Lebendigkeits-Prozentsatz so viel Vertrauen in mich und das Leben gesammelt, dass ich diese Tage gut aushalten kann. Ich erfahre die Gewissheit, dass es schlechte Momente sind und ich deshalb noch lange kein schlechtes Leben führe.
Zusammengefasst für alle Lebens-Mathematiker unter uns (und solche, die es noch werden wollen):
50 % ≠ lebendiges Leben -> worst case führen sie zu <10 % (durchgehend)
80 % bis 100 % = lebendiges Leben -> manchen Tagen mit <20 % (nicht durchgehend)
Entscheidet selbst, welche Lebens-Rechnung ihr durchführen möchtet!
Und dann sehe ich
Wie du übers Wasser läufst
Und plötzlich
Ist es leicht
Und ich laufe
Übers Wasser
Gespräche mit einem Schmetterling
Heute Morgen machte ich einen Spaziergang. Es war noch kühl, fast schon kalt. Leichter Nebel waberte zwischen den Bäumen. Trotz warmer Kleidung fröstelte ich anfangs. Der Vortag war anstrengend gewesen. Gespräche hatten mich aufgewühlt, vergangene Bilder eingeholt, die Zukunft hatte mir Sorgen bereitet. Dementsprechend war mein Kopf ähnlich vernebelt wie der Wald. Müdigkeit beschwerte meinen Körper, und dennoch war mein Geist ruhelos und unnachgiebig. Nur eine kleine Runde – das hatte ich mir gesagt. Kein Druck, es gibt nichts zu erreichen. Kein Ziel, keine Erwartungen – auch keine selbst gesteckten. Irgendetwas zog mich jedoch weiter und weiter, bis ich auf einer Lichtung ankam. Die Sonne wärmte meine steifen Glieder, die Grashüpfer sprangen vor mir über den Weg, und Schmetterlinge unterschiedlichster Art jagten durch die frische Morgenluft. Die Sonnenstrahlen brachen sich zwischen dem Geäst und trafen auf das fast schon gülden schimmernde, kniehohe Gras. Ich setzte mich auf einen Baumstamm und schloss die Augen. Versuchte, das Licht mit jeder Zelle aufzunehmen, und atmete tief die klare Luft ein. Als ich die Augen wieder aufschlug, saß ein kleiner Schmetterling auf meinem Fuß. Er machte keine Anstalten wegzufliegen, und so begann ich, mich mit ihm zu unterhalten. Zugegeben, es war mehr ein Monolog, den ich hielt, doch irgendwie war es befreiend, zu wissen, dass diese Worte niemals jemand hören würde, dass ich keine bestimmte Wortwahl treffen musste, dass ich nicht überlegen musste, was ich sagte. Also erzählte ich meinem blau schimmernden Freund, dass er frei sei. Dass er hierher gehöre, dass er fliegen dürfe, wohin er wolle. Er solle das genießen, es ausnutzen und immer den besten Nektar saugen und dann auch bitte genau so viel, wie er wolle. Zwischendurch flatterte er auf einen Baum, verweilte kurz und entschied sich dann doch, zu mir zurückzukehren. Er flatterte um meinen Kopf, ließ sich dann auf meiner ausgestreckten Hand nieder. Bevor ich ging, verabschiedete ich mich von dem kleinen Wunder auf meiner Hand. Ich dankte ihm, dass er mich sehr besonders fühlen lassen hat. Denn genau so hatte ich mich gefühlt. Besonders. Dankbar, dass sich dieses kleine Wesen entschieden hatte, eine Weile seines Lebens mit mir zu verbringen. Auch wenn das nun für dich vielleicht sehr spirituell oder naturverbunden klingen mag, eine Frage habe ich aus meinem Gespräch mit dem Schmetterling mitgenommen. Denn als er mich aus seinen dunklen Augen anblickte, schien er zu fragen: „Und wann hast du aufgehört zu glauben, dass du auch ein Schmetterling bist?“
And these are the moments
I realise
I’m not more not less than nature.
A living organism
A pile of cells
Maybe not randomly
But somehow casually
Though structured
Forming a me.
A living being
Who’s breathing and living
And walking and loving
Just for a tiny period
In this universe
Which is existing
Since years and years
And years
And years.
A creature
That’s tiny
That’s me.
And everything else
Is so much bigger
Than me.
And it always was
And it will always be
And it is
...
Ich habe Bücher schon immer geliebt. Viele Menschen würden vermutlich schon nach diesem Satz das Buch zuklappen und sich genervt fragen, warum zum Teufel die x-te Möchtegern-Autorin diese Seiten ausgerechnet mit einem Ich-Satz beginnt. Weiß sie denn nicht, wie egoistisch das ist? Ich sitze hier und habe diesen Gedanken. Ich sorge mich, was andere Menschen über dieses Buch, über mein Buch denken. Doch ich fange dennoch mit diesen Zeilen an, weil sie mir nun mal einfach nicht aus dem Kopf gehen:
Ich habe Bücher schon immer geliebt. Sobald ich lesen konnte, haben mich vor allem solche Bücher angezogen, die voller bezaubernder Illustrationen oder Fotos waren, gefüllt mit Geschichten, mit Wissen, mit Ideen und Inspiration, mit Fantasie und Weisheit. Ich mochte Struktur, doch genauso faszinierte es mich, umzublättern, ohne vorher zu wissen, was mich erwartet. Manchmal blätterte ich zaghaft, fast schon ängstlich um, in der bösen Vorahnung, dass nach der Seite über die Vogelspinne eine über den weißen Hai folgen würde. Und natürlich fand ich die Vorstellung, das Foto mit meinen Fingern zu berühren, absolut ekelerregend. An einigen Tagen konnte ich nicht genug bekommen. War beeindruckt von Erzählungen, die mich an andere, weit entlegene Orte entführten. War gespannt, ob das Rezept auf der nächsten Seite tatsächlich so lecker schmecken würde, wie ich es mir erhoffte. Oder ich war Feuer und Flamme, ein neues Bastelprojekt zu starten und stundenlang neben meinem Kassettenrekorder auf dem Kinderzimmerboden, inspiriert durch ein Buch, zu werkeln. Wenn ich so recht darüber nachdenke, hat sich seitdem gar nicht so viel an meiner Bücherliebe verändert. Ich schlendere nach wie vor gerne durch einen kleinen Buchladen und blättere bedächtig durch die liebevoll gestalteten Buchseiten.
Über die letzten Jahre hat sich so einiges angesammelt, das ich nur zu gern einmal zu Papier bringen würde. Ich habe viel über das Leben gelernt, über mich, über Menschen – ich liebe es, ein wenig zu philosophieren. Mich hat auch vieles aufgeregt – manches regt mich noch immer auf – und ich habe gelernt, so viel sei schon mal vorweggenommen, dass das okay ist. Ich habe viel Neues ausprobiert und hege nach wie vor eine große Liebe zu Handarbeiten und Selbstgemachtem. Ich entdecke das Kochen für mich und versuche, es an meinen Alltag im Van anzupassen. Neue Orte haben sich einen Weg in mein Herz gebahnt und Gefühle sind keine absolut zu vermeidende, unnötig teure Achterbahn mehr für mich. Doch dazu später mehr. Mein Leben hat sich um 180, wenn nicht sogar 360 Grad (Mathe war noch nie meine Stärke) gedreht und ich kann seit langer Zeit wieder aus tiefstem Herzen sagen, dass ich glücklich bin. Da ich es liebe, Glück zu teilen, habe ich beschlossen, ein Buch voller Leben zu schreiben. Eines, das alles beinhaltet. Das nichts beschönigt und trotzdem vor allem die wundervollen Seiten des Lebens beleuchtet, ein wohliges, liebevolles, ermutigendes und geborgenes Gefühl vermittelt. Ein Buch von Mensch zu Mensch mit viel Natur und Humanität.
So, genug geschnackt.
Viel Freude, gute Erkenntnisse und viel Leben wünsche ich dir beim Lesen dieses Buches!
Warum denn aber nun noch nicht
einmal ein Inhaltsverzeichnis?
Glaubt mir, dieses Buch nicht komplett sinnvoll und effizient zu strukturieren, kostet mich nach wie vor einen Haufen Überwindung. Doch gerade hatte ich ein unfassbar schönes Telefonat mit einem langjährigen Kumpel. Wir hören uns nicht oft, doch wenn, dann ist da nie diese Barriere, an der man erkennt, dass man gerade leider nicht mit einem guten Freund, sondern doch eher mit einem Bekannten spricht. Naja, jedenfalls erzählte ich aus meinem Leben, er berichtete mir aus seinem. Als Lehramtsstudent für Biologie und Französisch hat er immer so einiges zu berichten. Nicht zum ersten Mal begannen wir, uns darüber aufzuregen, dass es vielen werdenden Lehrenden (und solchen, die es schon sind) nicht wirklich Freude bereitet, Wissen zu vermitteln. Er fuhr fort, dass seine Kurse im kommenden Semester zur Hälfte aus Bildungswissenschaften bestehen würden, wo es vordergründig darum ginge, Modelle den jeweiligen Forschenden zuzuordnen. Allein bei dem Wort „Modell“ in Verbindung mit menschlichen Wesen schlackern mir schon die Ohren. Sicher, man kann vieles am Menschen erforschen, auch seine Psyche, das stelle ich hier keineswegs in Abrede. Trotzdem sehe ich es kritisch, Menschen nach Prinzipien zu beurteilen. Wir sind doch alle wandelbar und unterschiedlich. Gerade in Zeiten, in denen „Diversity“ großgeschrieben wird, sollte uns das eigentlich allmählich klar werden, oder? Außerdem erzählte er mir, dass in einigen Fächern anscheinend so wenig Inhalt zu vermitteln ist, dass ein großes Augenmerk auf Formalitäten wie das „korrekte“ Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses gelegt wird. (Welche Fächer das seiner Meinung nach sind, bleibt erst einmal mein Geheimnis. Auch wenn dies kein wissenschaftliches Buch ist, sondern eines, das vor meiner eigenen Meinung nur so sprüht!) In Biologie hingegen sei gar keine Zeit dafür, sich großartige Gedanken um ein den Regeln entsprechendes Inhaltsverzeichnis zu machen. Es gäbe einfach zu viele Inhalte, um sie perfekt zu verzeichnen. Man mache es einfach so, wie es eben in dem individuellen Fall Sinn machen würde. Was erst einmal so lapidar und auch etwas ironisch klingt, ist für mich auch im größeren Sinne sehr einleuchtend und wegweisend. Was lernen wir also aus den mal mehr, mal weniger genormten Inhaltsverzeichnissen von Lehramtsstudierenden?
Manchmal leben wir gar nicht nach unseren eigenen Regeln, nach dem, was eigentlich gerade für uns ganz persönlich Sinn ergibt. Vielmehr folgen wir den schon lange festgeschriebenen Normen und Regeln, einfach weil wir überzeugt sind, dass es so „richtig“ sei. Wir verlieren uns in diesen scheinbaren Gesetzen, entweder weil wir a) nicht genügend Inhalte im Leben haben oder b) diese Inhalte an die Vorstellungen anderer anpassen oder wenigstens nach anderer Menschen Vorstellung ordnen. Warum also nicht darüber nachdenken, ein eigenes Inhaltsverzeichnis zu erstellen oder es einfach ab und an mal ganz sein zu lassen?
Und während ich gerade noch fleißig am Pläne machen bin, hat das Leben mir schon den Mittelfinger gezeigt.
Meine Lebensphilosophie in Prozent –
und das, obwohl ich Mathe hasse!
Die Rechnung ist simpel. Das ist vermutlich auch der Grund, warum sogar ich als Mathe-Niete von allein auf die Lösung gekommen bin.
Einen großen Teil meines Lebens habe ich versucht, auf beständigen 50 % zu leben. Das ist das, was meiner Meinung nach viele Menschen tun. Fünf Tage arbeiten, Sicherheiten schaffen, am Wochenende versuchen, sich von der anstrengenden, teils nervtötenden Woche zu erholen. Wir akzeptieren, dass wir regelmäßig „leiden“, weil es ja durchaus schlimmer sein könnte und dieses beständige „Leiden“ sich nicht unaushaltbar schmerzhaft anfühlt. Gibt es uns ja auch eine Menge Sicherheit, Routine und Struktur.
Nun haben mich diese monotonen (aber ja angeblich sicheren) 50 % so unzufrieden und letztendlich tief traurig (meiner Meinung nach ein deutlich treffenderes Wort als „depressiv“) gemacht. Nach und nach strudelte ich zusehends auf die 0 % Leben zu. Da 0 % mit dem Tod gleichzusetzen wären und ich ja offensichtlich noch im Stande bin, diese Worte zu verfassen, stoppte ich anscheinend vorher. Sagen wir also, mein Leben beziehungsweise meine Lebendigkeit waren bei round about 1 %.
Nach vielen Jahren, viel Hilfe, vielen wunderbaren Begegnungen, viel Reflexion, viel Anstrengung, vielen Erkenntnissen und vor allem mehr und mehr Erlebnissen, die sich wieder nach Leben anfühlten, bin ich zu folgendem Schluss gekommen:
Ich bin nicht länger bereit, mein Leben stabil auf 50 % zu halten. Ich werde mein Leben mit 80, 90, vielleicht in einigen Momenten auch 100 % leben. Wenn ich offen dafür bin und mir manchmal noch dazu bewusst gute Momente kreiere, ist das ziemlich realistisch. Realistisch ist aber auch, dass es Tage oder auch nur Momente geben wird, an denen einfach nicht mehr als 20 % drin sind. Es passieren Dinge, die sind doof und fühlen sich alles andere als lebendig an. Allerdings habe ich an den Tagen mit einem hohen Lebendigkeits-Prozentsatz so viel Vertrauen in mich und das Leben gesammelt, dass ich diese Tage gut aushalten kann. Ich erfahre die Gewissheit, dass es schlechte Momente sind und ich deshalb noch lange kein schlechtes Leben führe.
Zusammengefasst für alle Lebens-Mathematiker unter uns (und solche, die es noch werden wollen):
50 % ≠ lebendiges Leben -> worst case führen sie zu <10 % (durchgehend)
80 % bis 100 % = lebendiges Leben -> manchen Tagen mit <20 % (nicht durchgehend)
Entscheidet selbst, welche Lebens-Rechnung ihr durchführen möchtet!
Und dann sehe ich
Wie du übers Wasser läufst
Und plötzlich
Ist es leicht
Und ich laufe
Übers Wasser
Gespräche mit einem Schmetterling
Heute Morgen machte ich einen Spaziergang. Es war noch kühl, fast schon kalt. Leichter Nebel waberte zwischen den Bäumen. Trotz warmer Kleidung fröstelte ich anfangs. Der Vortag war anstrengend gewesen. Gespräche hatten mich aufgewühlt, vergangene Bilder eingeholt, die Zukunft hatte mir Sorgen bereitet. Dementsprechend war mein Kopf ähnlich vernebelt wie der Wald. Müdigkeit beschwerte meinen Körper, und dennoch war mein Geist ruhelos und unnachgiebig. Nur eine kleine Runde – das hatte ich mir gesagt. Kein Druck, es gibt nichts zu erreichen. Kein Ziel, keine Erwartungen – auch keine selbst gesteckten. Irgendetwas zog mich jedoch weiter und weiter, bis ich auf einer Lichtung ankam. Die Sonne wärmte meine steifen Glieder, die Grashüpfer sprangen vor mir über den Weg, und Schmetterlinge unterschiedlichster Art jagten durch die frische Morgenluft. Die Sonnenstrahlen brachen sich zwischen dem Geäst und trafen auf das fast schon gülden schimmernde, kniehohe Gras. Ich setzte mich auf einen Baumstamm und schloss die Augen. Versuchte, das Licht mit jeder Zelle aufzunehmen, und atmete tief die klare Luft ein. Als ich die Augen wieder aufschlug, saß ein kleiner Schmetterling auf meinem Fuß. Er machte keine Anstalten wegzufliegen, und so begann ich, mich mit ihm zu unterhalten. Zugegeben, es war mehr ein Monolog, den ich hielt, doch irgendwie war es befreiend, zu wissen, dass diese Worte niemals jemand hören würde, dass ich keine bestimmte Wortwahl treffen musste, dass ich nicht überlegen musste, was ich sagte. Also erzählte ich meinem blau schimmernden Freund, dass er frei sei. Dass er hierher gehöre, dass er fliegen dürfe, wohin er wolle. Er solle das genießen, es ausnutzen und immer den besten Nektar saugen und dann auch bitte genau so viel, wie er wolle. Zwischendurch flatterte er auf einen Baum, verweilte kurz und entschied sich dann doch, zu mir zurückzukehren. Er flatterte um meinen Kopf, ließ sich dann auf meiner ausgestreckten Hand nieder. Bevor ich ging, verabschiedete ich mich von dem kleinen Wunder auf meiner Hand. Ich dankte ihm, dass er mich sehr besonders fühlen lassen hat. Denn genau so hatte ich mich gefühlt. Besonders. Dankbar, dass sich dieses kleine Wesen entschieden hatte, eine Weile seines Lebens mit mir zu verbringen. Auch wenn das nun für dich vielleicht sehr spirituell oder naturverbunden klingen mag, eine Frage habe ich aus meinem Gespräch mit dem Schmetterling mitgenommen. Denn als er mich aus seinen dunklen Augen anblickte, schien er zu fragen: „Und wann hast du aufgehört zu glauben, dass du auch ein Schmetterling bist?“
And these are the moments
I realise
I’m not more not less than nature.
A living organism
A pile of cells
Maybe not randomly
But somehow casually
Though structured
Forming a me.
A living being
Who’s breathing and living
And walking and loving
Just for a tiny period
In this universe
Which is existing
Since years and years
And years
And years.
A creature
That’s tiny
That’s me.
And everything else
Is so much bigger
Than me.
And it always was
And it will always be
And it is
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