Licht für die Trauernden

Licht für die Trauernden

Nako Nakov


EUR 14,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 96
ISBN: 978-3-99107-039-9
Erscheinungsdatum: 18.02.2021
Gedichte zum Lesen, Lieder zum Singen: Texte, die Offenbarung der Ambivalenz unseres Daseins sind. Wo Licht und Dunkel, Engel und Dämonen aufeinandertreffen, die Sünde nach Buße sucht. Und nur die ewige Liebe hoffen lässt. Des Dichters Rat? Carpe diem!
ANISO

Oh, meine Seele,
oh, du Wanderin
durch Raum und Zeit!
Hast du nicht genug
getrunken von dem Kelch
des Schmerzens und Leidens?
Weit und breit keiner,
der dich versteht.
Oh, weit ist der Weg zum Frieden!
Sag mir, wem soll ich dienen,
Gott oder dem Teufel?
Du suchst Buße? Suche!
Selig sind, die suchen,
denn die werden finden.
Und in den dunkelsten Nächten
suche ich Erlösung im Wein –
betrunken bin ich von deinem
Schmerz und Leid.
Seit ich auf deinem dornigen
Weg gehe, nur Tränen.
Und da ist die Göttin,
die schreit: „Aniso!“
Wird es immer so sein,
allein auf meinem Weg zum Licht?
Ich denke, jedes Gedicht
ist eine Offenbarung.
Und ich denke, auch allein,
der Krieger bleibt Krieger.



SOHN DER STEPPE

Frei wie der Wind
ist mein Herz.
Die breite Weite
ist mein Ufer und Heim.
Meine Seele ist eine Wanderin.
Geboren in stürmischen Tagen
und gestillt mit Durst nach Leben,
in mir leben Engel und Dämon.
Frei und wild, wie wilde Pferde
in der Öde, ist mein Herz.
Mein Geist ist ungestüm
wie das stürmische Meer.
Ungebunden ist mein Herz,
wie heiße Glut brennt es in mir.
Sohn der rauen Steppe bin ich.
In der grenzenlosen Weite finde mich!
Wo der Krieger aufbricht,
allein, auf seinem einsamen Weg.




ENGEL UND DÄMON

In mir kämpfen
Engel und Dämon.
Ich bin des Teufels Sohn.
Ich brenne in schrecklichem Feuer,
und in den Flammen verloren
ist meine Seele.
Ein Bettler bin ich.
Ich bettle zum Himmel,
doch der Dämon spricht in mir:
„Die ewige Sünde ist in dir,
in deinem kochenden Blut.“
Das Fleisch hat sein Begehren
und findet immer seinen Weg.
Doch stark ist, der bindet
seine Sehnsucht und Sünde.
Wie viel schlaflose Nächte,
wie viel Tränen auf dem Weg,
der führt zur Hölle!
Und die Gefühle?
Immer die gleichen –
Leere und Angst vor der Dunkelheit,
die zerreißt meine Seele.
Und da ist das Licht,
die ewige Sehnsucht
nach Freiheit und Erlösung.
Die letzte Krönung,
bevor die ewige Nacht kommt
und der Himmel in seiner Pracht
öffnet seine glänzenden Pforten
für seinen verlorenen Sohn.
Es gibt keinen Schlaf
für die gebrochene Seele.
Doch mit der letzten Welle
von Licht und Begehren
werde ich meine Augen schließen,
und es wird wieder Hoffnung fließen
in mein sündiges Blut.



ENGEL

Ein Engel bist du, meine Liebe.
Mit Kranz aus weißen Rosen
und purpurroten Lippen –
du bist geweiht in Licht.
Gold sind deine weichen Locken.
Mit blauen Augen bist du
wie die grenzenlosen Himmel.
Für den sterblichen Menschen
ein märchenhaftes Bild bist du.
Oh, heiliger Engel, umarme mich
mit deinen reinen und weißen Flügeln!
Möge ich in Reinheit und Glaube
wiedergeboren werden.
Mit der weißen Taube,
niedergelassen auf deiner sanften Hand,
sende zu Gott mein Gebet und meinen Ruf!
Bevor der schwarze Tod
meine Augen schließt.



DIE LIEBE

Wenn ich nur könnte wie Ikarus
mit Wachsflügeln fliegen,
hätte ich gesehen das Sonnengesicht.
Aber dann wäre ich gefallen
in die Meerestiefen.
Tod. Über mich hätte man
Legenden erzählt.
Wenn ich nur könnte wie Leonidas
mit dreihundert treuen Kameraden
stolz gegen die persischen Tyrannen marschieren,
hätte ich den Tod gefunden, nicht Freude.
Verloren wäre für immer meine Jugend.
Ruhm. Sehnsucht nach dem Gipfel.
Alles ist Eitelkeit, ohne die Liebe.
Wenn ihr jetzt sagt, ihr wollt
meine Liebe nehmen,
würde ich sofort sterben.
Ich würde flehen, beten –
nehmt meine Liebe nicht!
Nicht die Liebe zu meinem Nächsten.
Ich hab gesehen, er raubt, ja,
er stiehlt die Liebe. Nein!
Die Liebe zur Frau, die soll niemand nehmen.
Auch wenn ich nicht Leonidas bin,
in heroischem Tod gestorben,
oder Ikarus, mit der Sonne geflogen,
ich weiß heute,
die Liebe zur Frau gibt Leben,
und in das Leben bringt sie Licht.



CARPE DIEM

Oh, heiliges Leben!
Oh, mögen mich immer
Frauenlippen küssen –
durstig und leidenschaftlich!
Wer braucht dann
die qualvollen Predigten
und alten Fabeln?
Lasst uns trinken!
Für das Leben!
Für die Liebe!
Möge heute Nacht
ein Festmahl sein und Lustbarkeit.
Oh, seliger Trieb,
gekommen mit dem Frühling!
Zarte Flammen brennen
in meinem Blut.
Lasst uns trinken!
Lasst uns trinken,
trotzt dem Tod
und der schwarzen Einsamkeit!
Und in den Zimmern
wartet sie auf mich –
das Fräulein mit entblößter Brust.
Küssen werde ich
ihre nackte Haut.
Küssen werde ich die ganze Nacht.



SÜNDE

„Wo bist du?“,
fragt das einsame Herz,
gebrochen in den Schatten,
gestürzt in Einsamkeit.
„Wo bist du?“,
wenn ich allein bin
auf meinem dornigen Weg.
Oh, wie weit ist dieser Weg!
Oh, wie begehrt das Herz
die Freiheit!
Aber wahre Freiheit
kommt aus reiner Seele.
Und ich bin in Sünde,
und sündig bin ich!
Tiefstes Leid und schwarze Sünde,
das ist mein dorniger Weg.
Aber meine größte Sünde –
dass ich nie hab
in deine Augen geschaut,
die befreien Leib und Geist.



ICH LIEBE DIE NACHT

Ich liebe die Nacht.
Und wenn die Dunkelheit kommt,
warte ich auf den seligen Traum,
der meine Augen schließt!
In den Mitternachtsstunden
wandert wie ein Phantom mein Geist –
überflutet mit Trauer ist mein Herz.
Ich hasse den Tag.
Grau und kalt ist er für mich.
Ich hasse die Menscheneitelkeit
und das falsche Gelächter.
Meine Jugend ist gefesselt
in Ketten von Trauer
ohne die Liebe.
Oh, wenn ich nur könnte die Zügel schließen
mit dem Nordwinde!
Hätte ich die weite Welt überschritten,
hätte ich das Gelobte Land gefunden.
Hätte ich ein Vogel sein können,
hätte ich meine Flügel geöffnet,
und ich hätte mich niedergelassen
auf einem Waldbach –
ich hätte getrunken von dem lebendigen Wasser.
Wenn ich ein Heiliger wär,
hätte ich Gott gebeten,
er soll dieses Kreuz von meinem Rücken nehmen.
Doch ich lebe sündige Tage,
und ich bin Sünde.
Ich liebe die Nacht.
In der Nacht suche ich Frieden,
seit ich nicht mehr sehe dein Gesicht.



OH, GIESST MIR EIN, MÖGE ICH TRINKEN!

Da, es kommt die Nacht!
Und sucht das erschöpfte Herz Ruhe.
Mein Geist schreit.
Allein bin ich geblieben in Einsamkeit,
und es brennt schwarze Kohle in meiner Brust.
Der Kamerad hat mich vergessen,
und heute ist er ein schrecklicher Feind.
Ich wandere wie ein Schatten
in die schwarze Hölle.
Oh, gießt mir ein, möge ich trinken!
Und in dem bittersüßen Wein möge ich vergessen
das schwarze und giftige Unheil, das vergiftet hat,
wie giftige Schlangen, meine Jugendjahre!
Mit dem Bettler hab ich mein Brot geteilt,
doch brenne ich heute in Einsamkeit.
Ich hab meine Hand ausgestreckt,
doch niemand hat seine gegeben.
Ich liebte! Und wer will nicht
lieben und geliebt werden?
Doch wer ist bereit für die Liebe
den größten Preis zu zahlen?
Oh, gießt mir ein, möge ich trinken!
Und in dem bittersüßen Wein
möge ich suchen das Ende
dieser schwarzen Tage.
Schaut nicht so, meine Herren,
wir stehen nicht auf demselben Bein.
Hätten wir, hättet ihr auch
im Tod den Frieden gesucht,
den meine verfluchte Seele sucht!

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