Lyrik & Dramatik

Kurzgeschichten für gestresste Männer

Claudio Assantini

Kurzgeschichten für gestresste Männer

Leseprobe:

ANPFIFF!

Simone blickt genervt zum Fernseher. Ihr Mann sitzt seit fast neunzig Minuten mit einer Flasche Bier vor der Glotze und starrt wie gebannt dem Treiben auf dem Spielfeld zu. Ich könnte tot umfallen, denkt sie, und er würde es nicht mal merken. Jeden Samstag das Gleiche. Nach dem Spiel begibt sich der Göttergatte ins Bad und ins Bett. Innerhalb kürzester Zeit schläft er. Kein Streicheln, kein Sex, kein Kuscheln. Wieder einmal. Simone kommt zu dem Entschluss, dass es Zeit ist, daran etwas zu ändern, während sie sich selbst Befriedigung verschafft. Sie schreibt für das nächste Spiel einen Spielplan nach ihren Regeln und überreicht ihn ihrem Mann.

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FREIHEIT FÜR BEGRENZTE ZEIT

Stress in der Arbeit. Der Chef nervt. Die Unterlagen, die zu bearbeiten sind, bedecken den gesamten Schreibtisch. Ich habe mir noch nicht mein Jackett ausgezogen, als ich den Chef schreien höre: „Simon, mach die Unterlagen fürs Meeting fertig, ich brauche sie noch in der nächsten Stunde!“ Alter Spinner, denke ich mir, setze mich jedoch an den Schreibtisch und beginne mit der Arbeit. Das Telefon läutet. Meine Frau. „Hast du vergessen, dass wir heute Abend eingeladen sind und du noch das Geschenk in der Stadt holen sollst? Ich habe überhaupt keine Zeit für so was. Und komm pünktlich, du musst dich noch umziehen. Schönen Tag.“ Schon hat sie aufgelegt, ohne dass ich auch nur zu Wort gekommen wäre. Sie behandelt mich wie ein kleines Kind, als ob ich nicht selbst wüsste, was ich zu tun habe. Wie immer! Es klopft an der Türe. „Herein“, sage ich genervt. „Simon, kannst du mir die Termine vom Chef geben?“, fragt ein Kollege. „Klar“, sage ich und drücke sie ihm in die Hand. Als sich die Türe hinter ihm schließt, stehe ich auf und schaue aus dem Fenster. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, geschäftiges Treiben auf den Straßen. Ich drehe mich um, hole mein Jackett und verlasse das Büro, ohne mich abzumelden. Mein Handy schalte ich aus und gehe zu meinem Auto, einfach nur raus aus dem Alltagsmief. Ich lenke mein Auto durch den Verkehr, raus aus der Stadt zu einem mir bekannten Harley-Vermieter. „Simon, lange nicht gesehen“, sagt der Verkäufer. „Hallo, für den restlichen Tag eine Maschine und eine Montur!“ Der Geruch nach Benzin, Öl, Auspuffgasen und Leder hängt in der Luft.

Eine halbe Stunde später, nachdem ich meine schwarze Lederkluft, die polierten Lederstiefel, die Sonnenbrille und den Helm angezogen sowie die Maschine gecheckt habe, starte ich in die Freiheit für einige Stunden. Die Straßen sind frei und schlängeln sich durch die Landschaft. Ich beschleunige, spüre die Kraft des Motors, lege mich in die Kurven und mein Knie streift den Asphalt. Der Fahrtwind pfeift um meinen Helm. Ich bin alleine auf der Straße und genieße jede Sekunde. Ich spüre, wie ich mich entspanne und schalte einen Gang zurück. Erst jetzt habe ich einen Blick für die atemberaubende Landschaft. Hügel erstrecken sich links und rechts der Straße und Baumreihen werfen ein atemberaubendes Licht- und Schattenspiel auf die Fahrbahn. Nach einigen gefahrenen Kilometern kehre ich in einen Bikergasthof ein. Schnell habe ich einen Platz gefunden, bestelle zu essen und zu trinken. Die Gespräche am Nebentisch drehen sich um die Tour durch Frankreich. Cool, denke ich. Nachdem ich bezahlt habe, setze ich mich wieder auf meine Maschine und setze die Fahrt fort. Kein Handyläuten, kein übereifriger Chef, kein Anruf von zu Hause! Gegen Abend tausche ich Auto gegen Harley, rufe im Büro an um zu fragen, ob alles in Ordnung ist und fahre in die Stadtmitte, um das Geschenk für die Gastgeber am Abend abzuholen. Zu Hause angekommen begrüße ich meine Frau, mache mich frisch und freue mich auf einen entspannten Abend. Auszeit, Freiheit für einige Stunden? Bald wieder.

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GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR DEN UMGANG MIT FRAUEN - OHNE GARANTIE UND GEWÄHRLEISTUNG

Eine Aussage, die heute richtig war, kann morgen schon wieder falsch sein.
Entscheide dich nie für ein Outfit, das sie tragen soll, es kann nur die falsche Entscheidung sein.
Sage ihr täglich, dass du sie liebst, dann hast du deine Ruhe.
Bringe ihr Blumen mit, entweder regelmäßig oder lasse es ganz bleiben, sonst vermutet sie, dass du eine Affäre hast.
Führe ihre Wünsche oder Bitten gleich aus, sonst macht sie es selbst und hält es dir den restlichen Tag vor.
Halte am besten den Mund, wenn sie ihre Tage hat, jedes Wort kann zu viel sein.
Gemeinsames Einkaufen am Wochenende gehört dazu, also entweder schnell hinter sich bringen oder Aufträge für den Chef aufs Wochenende legen und der Frau die Kreditkarte herrichten.
Ertrage das Geschwätz ihrer Freundinnen mit stoischer Gelassenheit, sie wird es dir danken.
Versuche nicht, die Gedankengänge einer Frau nachzuvollziehen, eher kannst du einen Rechner zerlegen und wieder zusammenbauen.
Wenn sie dich fragt, ob sie zugenommen hat, höchste Vorsicht. Alarmstufe rot, wäge ab, was du sagst, es ist entscheidend für den weiteren Verlauf des Tages und dein Sexualleben.
Falls sie sagt, sie braucht ihre Ruhe und verlässt mit Tränen in den Augen den Raum, hofft sie nur, dass du nach einiger Zeit nachkommst und sie in den Arm nimmst.
Sei offen für ihre Ideen, höre ihr zu, sie fragt dich, hat aber schon längst selbst die Entscheidung getroffen, was oder wie sie es macht.
Du kannst deine Pornohefte und Pornofilmesammlung noch so gut verstecken, sie wird sie irgendwann finden.
Schau mit ihr gemeinsam deine Filme an, entweder sie vernascht dich auf der Couch oder sie beschimpft dich. Deine Chancen stehen 50:50.
Falls du vorhast, mit deinen Kumpels um die Häuser zu ziehen und erst am Morgen verkatert nach Hause zu kommen, gehe mit ihr einige Tage vorher aus und lege ihr die Welt zu Füßen.
Vergiss nie den Hochzeitstag! Eintragungen am Laptop, im Handy oder Notizen bei deinen Freunden können helfen. Ansonsten schwerer Fehler.
Ein guter Rat zum Schluss, zeige deine verletzliche Seite, stehe zu deinen Gefühlen, dann hast du eine reelle Chance, die ganze Sache heil zu überstehen.

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EINE UNERWARTETE WENDE

„Hallo mein Schatz, ich habe am Abend eine Überraschung für dich, kannst du bitte pünktlich nach Hause kommen?“, hauchte meine Freundin ins Telefon. „Ja, wird gemacht.“ Was hat sie bloß wieder vor? Mit Entsetzen denke ich an ihren letzten Versuch, mich zu überraschen, zurück. Sie wollte nur das Wohnzimmer neu streichen und kaufte die falsche Farbe. Es stank tagelang und sie zu beruhigen dauerte ewig. Deshalb war ich jetzt mehr als skeptisch. Hoffentlich sprengt sie nicht irgendetwas in die Luft. Schneller als erwartet war der Feierabend da. Mit einem mulmigen Gefühl fuhr ich nach Hause. Ich sperrte die Tür auf, und da stand sie vor mir. Sie trug weiße Dessous, BH, String, Strapse und Latexstiefel im selben Farbton, so hatte ich sie schon lange nicht mehr gesehen. Ihr Kuss zur Begrüßung war die pure Verheißung. Sie nahm meine Hand, und mit offenem Mund folgte ich ihr Richtung Schlafzimmer. Was ich hier sah, könnt ihr euch nicht vorstellen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 40
ISBN: 978-3-99038-933-1
Erscheinungsdatum: 24.08.2015
EUR 15,90
EUR 9,99

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