ganz persönliche REIME

ganz persönliche REIME

Herbert M. Frank


EUR 13,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 74
ISBN: 978-3-99048-206-3
Erscheinungsdatum: 11.11.2015
Herbert M. Frank führt in schwungvollen Reimen durch aktuelle Themen und tiefschürfende Gedanken, mit denen er sich über die Jahre beschäftigt hat. Ergänzt wird sein Werk durch Gedichte zu wichtigen Jahresereignissen wie runden Geburtstagen.
Vorwort

Seit mehr als zehn Jahren versuche ich, unsere guten Wünsche zum Jahreswechsel mit ein paar Reimen zu verbinden. Mal sind es mehr oder weniger passende Bemerkungen zu aktuellen Themen, etwa zur Einführung des Euro oder zur Finanzkrise. Mal sind es mehr oder minder tiefschürfende Gedanken zu weihnachtlichen Motiven wie dem Nürnberger Christkindlesmarkt oder auch zum Advent in Kapstadt.
Diese „Jahresend-Reimerei“ ist schon fast zur Tradition geworden. Und Tradition verpflichtet. So fiel es ziemlich leicht, mich zu überzeugen, das alles etwas zusammenzustellen.
Nun reichten aber die bis dato „gesammelten Werke zum Jahreswechsel“ nicht aus, dieses Bändchen zu füllen. Da habe ich mich kurz entschlossen, unter der Überschrift „die Jahre“ einfach einige, teils schon veröffentlichte Glückwunschreime zu anderen wichtigen Jahresereignissen, in der Hauptsache runden Geburtstagen, hinten dranzuhängen.
Eine Ausnahme: Aus gegebenem Anlass werden Die Siebzig natürlich vorangestellt.

***

Die Siebzig – mal anders

Was soll man zu siebzig schon sagen?
Was fällt einem Typisches ein?
Man könnte den Brockhaus mal fragen.
Doch der meint: was Typisches? Nein!

Auch Duden hilft einem letztendlich
nicht weiter, gibt nur zu versteh’n,
was ohnehin schon selbstverständlich,
dass siebzig halt sieben mal zehn.

Dabei sind die Zahlen, die runden,
nicht einfach nur multipliziert.
Sie sind auch spezifisch verbunden.
Man spricht da von assoziiert.

Wer denkt nicht bei 10 an Gebote?
An Moses, den Berg Sinai,
wo ziemliches Unheil ihm drohte.
Da hatt’ es gewittert – und wie!

Vielleicht zählt auch mancher die Finger.
Die sind nicht umsonst dezimal.
Computerfrei rechnen die Dinger
von eins bis zur zehn. Optimal!

Die 20 verbind’ ich indessen
mit Fußball auf Rasen und Sand.
Die Torleute kann man vergessen.
Die spielen den Ball mit der Hand.

Was soll man mit 30 anfangen?
Man kommt automatisch auf den,
den Krieg, diesen dreißig Jahr’ langen.
Das ist nun mal wirklich nicht schön.

Da nehmen wir lieber die Tage,
die dreißig, wie jüngst im April.
Der Juni hat s’ auch. Keine Frage.
November selbst, wenn man so will.

Die 40, die bilden ’ne Schwelle,
besonders für d’ Schwaben im Land.
Da werden die urplötzlich helle.
Das hat Papa Heuss schon erkannt.

Dass 50 die Hälfte von Hundert,
ist selbst uns Schwachmatikern klar.
Darum hat es keinen verwundert,
dass kürzlich Europa-Fest war.

Die 50 sind sonst auch nicht selten.
Ist ratsam man hält sich daran,
wenn fünfzig als Höchst-Tempo gelten.
Man hat sich da ganz schnell vertan.

Die 60 ist unwidersprochen
nun wirklich exzeptionell.
Das hab’ ich vor fünfhundert Wochen
bereits hier erläutert. Stimmt? Gell!

Erinnert euch an die Minuten!
Denn sechzig ergeben exakt
’ne Stunde. Es ist zu vermuten,
im Sechzig-Sekunden-Takt.

Die 60 sind ebenso wichtig
im Skat. Gut gespielt. Wird gezählt.
Hast sechzig. Dann ärgerst dich richtig,
weil ein dummes Auge dir fehlt.

Es ließ sich noch Manches verbinden
mit sechzig als Stichwort im Sinn.
Für 70 jedoch was zu finden,
für 70, scheint einfach nicht drin.

Dabei wär’ es heute gerade
entscheidend. Es wird nicht so leicht
das Ende der siebten Dekade
mit Haltung und Würde erreicht.

Verzweifelt auf Eingebung hoffend,
die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt,
hab’ ich die Entscheidung getroffen
und einfach auf Google gesetzt.

Und siehe! Es war wie ein Wunder.
Ich kannte nur sieben. Doch nein!
Der Google behauptet ganz munter,
dass ’s siebzig Stück Weltwunder sei’n.

Und wie zum Beweis die Adresse
vom richtigen Bücherverlag.
Damit ich es ja nicht vergesse
bis hin zu dem heutigen Tag,
hab’ gleich ich ein Buch mir erstanden
und neugierig reingeschaut.
Die wenig und ganz unbekannten …
Wollt’ wissen, wer hat die gebaut.

Die siebzig, ob Jahre, ob Bauten,
sind wahrlich ’ne stattliche Zahl.
Auch wir, die schon leidlich Ergrauten,
wir ziehen den Hut allemal.

Dabei lässt sich kaum übersehen,
dass wir – das sag’ ich zum Trost –
noch nicht unter Denkmalschutz stehen.
Gesund sollst Du bleiben! Dann: Prost!

***

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder
kommt das Christuskind.
Alle Jahre wieder
denkst du: Menschenskind,
könnt’st nicht mal beizeiten
ohne Stress und Hast
alles vorbereiten?
Alles! Nicht nur fast …

Hättest schon begonnen
damals im August,
hätt’st die Zeit gewonnen,
die jetzt suchen musst!
Hättest die Präsente,
die du wollt’st, gekriegt,
müsstest nicht am Ende
nehmen, was da liegt.

Müsst’, um einzukaufen,
nicht noch bis zum Schluss
umeinanderlaufen.
Schierer Überdruss!

Nur um zu erkennen,
dass dir doch was fehlt.
Nutzlos all dein Rennen,
das Ergebnis zählt.

Wird nichts übrig bleiben,
führt kein Weg d’rum rum:
Wieder Gutschein schreiben,
ist’s auch noch so dumm!
Und die Weihnachtskarten
müssten längst schon weg.
Sollen weiter warten,
hat ja doch kein’ Zweck!
Ganz allmählich zeigt sich
Resignation.
Frust – und der noch reichlich –
macht sich breit. Doch schon
rührt sich dein Gewissen
und erinnert dran.
Nichts mit Ruhekissen!
Weitermachen, Mann!

Also musst’ dich sputen.
Soweit ist es klar.
Sollen deine guten
Wünsche zum Neujahr
nicht erst nach sechs Wochen
(um die Fachingszeit)
an die Türen pochen,
dann wird’s höchste Zeit.

Darum und deswegen
jetzt und hier und laut:
Recht viel Glück und Segen
und ’ne heile Haut!

(zum Jahreswechsel 1996/97)

***

Gutschein – ein Gedicht

Gutschein heißt die große Masche.
Unsereiner kennt sich aus!
Trottelt nicht mit Einkaufstasche
selber noch ins Warenhaus.
Christkind spielend rumzulaufen?
Heute lässt als feiner Mann
einfach man den ander’n kaufen
irgendwo und irgendwann.
Nach dem Fest auf alle Fälle.
Freilich ist der Gabentisch
unter’m Baum, die Freudenquelle,
etwas spärlich dann. Doch frisch,
richtig locker kann der Jubel
und die Freude nachher sein:
Mitten in dem Umtauschtrubel,
ist die Auswahl noch so klein,
ran an Speck und nicht gezögert,
bis das gute Gutschein-Stück
end- und ordentlich verhökert.
So bringt Schenken Freud’ und Glück!
Taugt das Ding nichts, passt’s nicht richtig,
unsereinen juckt das nicht;
denn des Käufers Wahl ist wichtig.
Gutschein’ sind schon ein Gedicht.

(zum Jahreswechsel 1997/98)

***

Zum Millennium

Obwohl das Jahrtausend noch längst nicht vorbei,
die meisten, die möchten’s halt gerne so haben.
Für mich ist das – ehrlich gesagt – einerlei,
an welchem Silvester das Ding sie begraben.

Denn stimmen tut s’ eh nicht, die Zeitrechnerei.
Der Jesus kam nicht Ende Null auf die Erden.
Es stimmt aber eines, dass – wie dem auch sei –
wir wieder ein bisselchen ältlicher werden.

Da scheint’s mir von großer Bedeutung zu sein,
dass wir alle fit sind und mitfeiern können.
In diesem Jahr allemal. Und obendrein
im nächsten. Warum nicht ein zweites Mal gönnen?

So fangen wir sämtliche Spatzen. Prosit!
Begrüßen zunächst mal die Zwei vor den Nullen
und jubeln am Ende gebührend noch mit,
wenn and’re dann echt das Jahrtausend einlullen.

(zum Jahreswechsel 1999/2000)

***

Fröhliche Weihnacht

Von drüb’n aus Nürnberg komm’ ich her;
ich kann Euch sagen, dort weihnachtet’s sehr.
All überall in den Straßen und Gassen
drängten sich Leute und Menschen in Massen.
Am Bahnhof schon, beim Königstor,
sah erstmals ganz schüchtern das Christkind hervor.
Und wie ich mich schob durch den Handwerkerhof,
eingequetscht wie so ein Apostroph,
„Herbertla“, flüstert’s da freundlich und hell,
„üb’ in Geduld dich, es geht nicht so schnell.“

Der Himmel war grau, es war schon fast Nacht,
den Leuten hat’s offenbar nichts ausgemacht.
Die fielen über die Bratwärschtla her
und machten Glühweinbecher um Becher leer.

Doch manchmal sah ich auch frohe Gesichter,
die freuten sich mit mir über die Lichter,
die vielen, mit denen die Stadt
sich weihnachtlich festlich herausgeputzt hat.

Da waren auch Musiker, die etwas spielten,
und solche, die sich für solche hielten.
Ein Mann mit ’nem Schild „aus dem Banat“,
der geigte gar schaurigen Walzer-Salat.
Und die in den Ponchos, wohl aus Peru,
die gaben ihr’n rhythmischen Segen dazu.
Die Bläser, die in der Lorenzkirch’ drin,
zu hören dagegen, war ein Gewinn.
(Dabei hätt’ mich fast dieser Menschenstrom
vorbeigespült, vorbei an dem Dom.)

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