Ein kleines Weihnachtsmalheur
EUR 28,90
Format: 21 x 29,7 cm
Seitenanzahl: 66
ISBN: 978-3-7116-0980-9
Erscheinungsdatum: 14.10.2025
In einem kleinen idyllischen Dorf erleben zwei Kinder Abenteuer, welche nicht ungefährlich sind. Ihre Freundschaft ist einzigartig und lässt den Leser vom Sommer bis zum Weihnachtsfest daran teilhaben.
Ein kleines Weihnachtsmalheur
Unsere Geschichte spielt in einer Zeit, die schon weit zurückliegt, in einem netten kleinen, ehrwürdigen Bergdorf, nahe eines riesigen Gebirges, umgeben von vielen großen, grünen, alten Tannen und den gewaltigen Bergen.
Dieses kleine Dorf liegt inmitten saftiger, grüner Wiesen, von weiten Gebirgsketten umschlossen, unten in einem Tal. Es wird durchflossen von einem munter dahinplätschernden Bach. Das Umland ist bereits mit vielen größeren Hügeln gezeichnet, ein Naturidyll, durchzogen von zahlreichen Flüssen, Bächen und Wegen.
Mit dem Rucksack und einem Stock ließe es sich hier munter wandern!
Von diesen Hügeln, wenn sie erst einmal erklommen, genießt man eine wundervolle Aussicht. Der Blick reicht im Sommer über gelbe Felder, bunte Wiesen, Wiesen mit Schmetterlingen und zahlreichen betörend duftenden Blumen. Man hört unentwegt das Summen der Bienen, das gefällige Brummen der Hummeln, den fröhlichen Gesang der Vögel, am Abend dann das Zirpen zahlloser Grillen.
Diese Orte bleiben unvergessen, sie laden zum Verweilen ein Jeden ein.
Das schmucke Dorf lässt sich von hier oben genauestens erkennen. Im Sonnenschein erstrahlt dieses Dorf, das sich im Tal liegend zeigt, wie ein Kunstwerk, wunderschön und zauberhaft. Die kleine Kirche, die hübsch anzusehen, mit ihrem alten Fachwerk und dem bizarren Glockenturm, bildet das Zentrum des Dorfes. Die liebevoll errichteten alten Holzhäuser, mit ihren bunt blühenden Vorgärten, in denen reich verzierte Bänke thronen, reihen sich in den kleinen Straßen und Wegen dicht aneinander.
An diesem Ort wohnen viele liebe, arbeitsame, fleißige Menschen: ein Hufschmied, den man schon von Weitem hört, mit seinem mächtigen Hammer, Holzfäller, die mit ihren Äxten und Sägen schon so manchen Baum gefällt haben, der Tischler, der aus diesen Bäumen ganze Kunstwerke entstehen lässt, wie Schränke, Kommoden, Tische, Stühle, sogar Rahmen für Bilder – nicht zu vergessen die großen Pferdewagen, auf denen die Bauern im Sommer dann ihr Heu hochgetürmt vom Feld in die Scheune schaffen.
Ja, ein richtiges Dorf eben, mit all den gackernden Gänsen, den schreienden Hähnen auf dem Mist, das Klappern der Mühlen am Bach, das Wiehern der
Pferde, das Blöken der Schafe und das Spielen der Kinder auf der kaum befahrenen Dorfstraße.
Nur ab und zu kommt ein Pferdefuhrwerk, ein Reiter, ein paar Wanderer, der Milchwagen mit seinen großen Kannen, eine Kuh- oder eine Schafherde vorüber.
All dies ertrug und erträgt diese alte, breite Dorfstraße auf sich zeitlos.
Nun, unter diesen spielenden Kindern sind auch Sonja und Kolja, von denen hier berichtet wird.
Kolja, ein aufgewecktes, fröhliches Bürschchen, mit kurzen blonden Haaren, die meist ungekämmt, wild durch den großen, zerlöcherten Strohhut stechen. Er liebt seine dreiviertel Knickerbocker, von denen er gleich zwei besitzt, eine aus braunem Stoff und eine, die ihm noch viel lieber ist, aus richtigem Leder. Beide Hosen gehen ihm über die Knie, aber vor den Waden enden sie mit einem Bündchen. Er liebt diese Hosen, vor allem die aus Leder, weil, wenn er einmal hinfiele oder durch hohes Gebüsch liefe, seine Knie geschützt werden. Der Schmutz an den Knien der Lederhose ließ sich immer am nächsten Tag wieder abbürsten. So hatte die Mutter keine zusätzliche Wäsche und Löcher mussten bei dieser Hose auch nicht gestopft werden. Somit hatte die Mutter nichts zu schimpfen, nun ja, wegen der Lederhose nicht, ansonsten gab es doch schon mal ab und zu Schimpfe, nicht immer zu Recht, wie Kolja meinte. Ja, und was wären diese Hosen ohne Hosenträger? Die mag Kolja nämlich auch ganz besonders. Man kann ganz schnell in die Hosen springen, die Träger über die Schulter streifen und fertig! Wenn er dann mit Sonja hüpfte, so zum Vergnügen hüpfte, hüpften seine Hosen an den Hosenträgern einfach mit. Das war immer zu komisch und ein Vergnügen. Meist trug er dazu ein blau-weißes Nicki, dazu ein paar ausgeleierte Sandalen, die schon die Füße seiner Brüder kleideten. Kolja ist ein richtiger Bauernsohn, ehrlich, mit vielen Ideen und einem guten Gemüt.
Sonja dagegen ist eine Lehrerstochter. Sie ist immer sehr hübsch gekleidet und sehr gut erzogen. Ihre langen blonden Haare trägt sie oft zum Zopf geflochten, mit schönen bunten Schleifchen. Sie ist zierlich und weichherzig, kann aber auch lebhaft so manchen Bengel Paroli bieten und sich durchsetzen. Sie ist nicht nur von gutem Aussehen, nein, sie ist auch sehr intelligent und die Beste in der Klasse. Sonja mag den Bauernsohn Kolja sehr, aber keiner der Kinder weiß, warum eigentlich. Da gibt es doch viel Bessere: den Gunnar, den Sohn vom Schmied, der ist stark und groß, oder den Sohn vom Bürgermeister, den Janos, der ist immer elegant und schick, aber auch ein bisschen eingebildet, und die vielen, vielen anderen aus dem Dorf.
Das Dorf hat so an die 20 Kinder, die Großen, die nicht mehr zur Schule gehen, wie zum Beispiel Koljas Brüder, gar nicht einberechnet.
Die Dorfschule nämlich bildet ihre Schüler nur bis zum 14. Lebensjahr. Dann gehen sie richtig arbeiten, beim Schmied, beim Tischler, ins Sägewerk oder zu den Bauern aufs Feld. Nur die ganz Schlauen dürfen in die Stadt an die gebildete hohe Schule. Unsere beiden, Sonja und Kolja, sind gerade mal 12 Jahre und gehen in die 5. Klasse, besser gesagt, gingen, da das Schuljahr zu Ende ist und nun Sommerferien sind.
Es ist ein munteres Sommertreiben auf der Dorfstraße, all die vielen Kinder sind ausgelassen bei ihrem Spiel. Als einer von ihnen laut rief: „Lasst uns heut nach dem Mittag doch zum See baden gehen!“ Die alte Kirchturmuhr schlug 12 Mal. Nun wurde es Zeit für all die Kinder, nach Hause zu gehen, denn das Mittagessen wartet nicht.
Fürs Zuspätkommen gab es kein Verständnis, da gab es bei dem einen oder anderen auch mal was auf den Hintern.
Sonja und Kolja schauten sich an und stellten fest, dass es heute so heiß ist, dass die Straße zu flimmern anfing, und baden zu gehen eine gute Idee wäre. Jetzt verabredeten auch sie sich, um am Nachmittag ebenfalls baden zu gehen. Kolja schmunzelte, dies bemerkte Sonja sofort und fragte, was denn sei. Nun freute er sich umso mehr und antwortete: Geduld, noch sei es ein Geheimnis.
Als Kolja nach Hause kam, waren die Mutter und die Großmutter mit dem Kochen fertig. Die Mutter sagte: „Kolja, geh zum Vater und deinen beiden Brüdern, sag ihnen, das Mittag ist fertig und sie sollen kommen und nicht alles kalt werden lassen. Du findest sie hinter der Scheune, dort hacken sie Holz für den Winter.“
Als Kolja seinen Vater erblickte, lehnte dieser etwas erschöpft an der Scheunenwand, sein älterer Bruder Björn schwang die Axt schon ganz ordentlich, dem Vater gefiel’s, denn er lächelte beifallzollend. Sein anderer Bruder Kielt saß nicht weit entfernt unter einem Apfelbaum und las ein dickes Buch. Er war ein ganz Gescheiter, die Eltern waren stolz, ihn auf die hohe Schule schicken zu dürfen.
Die drei hatten riesigen Hunger und beeilten sich, ins Haus zu kommen.
Das Mittag, es roch schon gut von draußen, kommt ihnen gerade recht. Der Tisch war frisch gedeckt, mit sieben Tellern, sieben Gläsern, Besteck und vielem mehr. Selbst die Blümchen fehlten nicht.
Beim Essen wiederholte der Großvater immer und immer wieder: Aus dem Björn wird mal ein richtig tüchtiger Bauer, und jedes Mal nickten alle zustimmend.
Nach dem Essen legte sich der Großvater, wie jeden Tag, in die gute Stube für ein Mittagsschläfchen auf das Sofa. Die Frauen wuschen ab und Kolja packte seine Badesachen, voller Vorfreude, mit Sonja baden zu gehen, denn diesmal wollte er sie an eine Badestelle führen, die er erst vor Kurzem entdeckte. Also lief er schnell hinüber zu ihrem Elternhaus, welches eigens für den neuen Dorflehrer, nach dessen Wünschen, erbaut wurde. Ein schönes Haus, rot-weiß gestrichen, wie es sie in Norwegen und Schweden gibt. Dieses hat sogar einen Balkon und eine Terrasse, welche nach Süden ausgerichtet sind. Er wurde bereits schon einige Male auf dieser sonnigen Terrasse zum Tee eingeladen. Solch ein Haus, das würde auch er einmal haben wollen, dachte er so bei sich, als er die Glocke betätigte. Ihre Mutter öffnete, eine schöne, vornehme Frau, immer gut gekleidet und freundlich. Sie lächelte und Kolja wurde etwas verlegen und stammelte, doch da kam auch schon Sonja freudig strahlend mit ihrem wunderschönen gelb-weiß gepunkteten Kleidchen, einen kleinen süßen roten Rucksack auf dem Rücken, und ergriff sogleich Koljas Hand. Sie rief: „Komm, Kolja, lass uns gehen.“ Sie liefen los, bald drehten sich beide zur Mutter um und winkten zum Abschied.
„Weißt du“, sagte Kolja zu Sonja, „heute gehen wir mal nicht zur Badestelle am See. Heute möchte ich dir eine andere, von mir gerade entdeckte Stelle zeigen. Sie eignet sich ausgezeichnet zum Baden.“
Sonja fragte: „Auch zum Träumen, Kolja?“ „Ja klar, wenn man will, auch zum Träumen.
Diese Stelle liegt nicht am See, wo all die anderen sind. Nein, meine Stelle, die ich dir zeigen möchte, die liegt am Bach, dort, wo er seit Kurzem ausufert und somit breiter und ganz weich begehbar wird.
Er ufert bei den Wiesen und ihren sandigen Stellen über, direkt vor der Felswand, wo all die schönen Tannen wachsen.
Schau, wir sind da. Sieh nur, wie schön es hier ist. Das klare Wasser wird dir bis über den Bauch reichen, Sonja. Du kannst prima hier schwimmen.“ „Ja“, sagte Sonja, „der Bach ist hier so leuchtend klar, dass am Boden einige der kleinen Steinchen im Sonnenlicht glitzern.“
„Mein Großvater“, so berichtete Kolja, „sagte erst letztens, dass sogar das klare, sprudelnde, lebendige Wasser vom Bach viel besser sei als das aus unserem Brunnen. Und wie oft läuft man und holt von hier das Wasser für Mensch und Vieh. Ja, schon seit vielen Jahren gehen sogar die Großmutter und Mutter zu diesem herrlichen Bach, um auch hier Wäsche zu waschen. Dieses reine Wasser erneuert sich ständig und fortwährend durch seinen nicht endenden Fluss.
Hör nur, Sonja, wie schön er plätschert, und sieh, wie er sprudelt, dieser prächtige Bach“. „Lass uns gleich hineingehen!“, sagte Sonja.
Sie tobten voller Wonne im kühlen Nass. Sie badeten so ausgelassen und voller Freude, dass sie fast die Zeit vergaßen.
Als sie etwas zur Ruhe kamen und sich niedersetzten im sanften Moos am Rande des Bachs, berichtete er ihr von seiner neuesten Idee.
„Ein kleines Abenteuer wird das für uns beide“, sagte er mit betonter Stimme. „Für uns beide?“, fragte sie voller Neugier. „Ja, Sonja“, sagte er geheimnisvoll und wieder mit Betonung. Sie wurde ganz ungeduldig, was ihm sehr gefiel, man sah es ihm an. „Nun sprich schon“, sagte sie.
„Du musst wissen, Sonja, ich wohne in einem sehr alten Haus, und dieses alte Haus hat einen alten Dachboden, wo keiner rauf darf, jedenfalls nicht wir Kinder. Dieser alte Dachboden wird immer sorgsam verschlossen und nur sehr selten betreten. Auch wird der Schlüssel gehütet, und zwar von meinem Großvater. Kürzlich aber habe ich bemerkt, wo er diesen Schlüssel versteckt hält!
Wer weiß, was dieser Dachboden für geheimnisvolle Dinge verbirgt. Jetzt, wo ich weiß, wo sich der Schlüssel, der geheimnisvolle Schlüssel, verbirgt, könnten wir beide uns dort oben im Dachgeschoss ja mal umsehen.
Na, Sonja, was sagst du dazu?“
„Spannend, spannend, Kolja, ich bin dabei. Wann geht es los?“
„Das müssen wir ganz genau planen.
Am nächsten Freitag fährt mein Vater mit meinen beiden Brüdern mit dem Pferdefuhrwerk wieder in die Stadt. Meine Mutter und die Großmutter machen freitags immer große Wäsche im Waschhaus hinter der Scheune. Der Großvater wird, wie üblich, sein Mittagsschläfchen machen, und das dauert sicher eine Stunde oder noch viel länger.
Es wäre nun der beste Zeitpunkt für unser Abenteuer gekommen. Wir sollten aber noch mal alles ganz genau durchgehen und überdenken. Da wir noch ein paar Tage Zeit haben, sollten wir das doch ganz in Ruhe machen.“
Die beiden planten und sprachen über nichts anderes mehr, und die Tage vergingen. Aber als dann der Freitag kam, lief nichts so, wie die beiden gedacht. Auch an den darauffolgenden Freitagen fügte es sich nicht. Entweder fuhr der Vater gar nicht in die Stadt, oder er nahm die beiden Brüder nicht mit.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Waschen der Wäsche. Einmal wusch nur die Großmutter, ein anderes Mal nur die Mutter. Einzig der Großvater machte wie gewohnt und pünktlich seinen Mittagsschlaf. Es war für die beiden kaum zu ertragen. Immer wieder schmiedeten sie für den Freitag ihre Pläne.
Es vergingen einige Wochen, als am Abendbrottisch der Vater zu Koljas Brüdern sagte: „Morgen brauche ich euch beide, wir müssen in die Stadt und haben dort viel zu erledigen. Nach dem Mittag um 13 Uhr geht es los.“
Die Großmutter stöhnte und sagte: „Auch ich habe morgen viel zu tun, die Wäsche hat sich so aufgetürmt, da werde ich Stunden brauchen.“ Die Mutter nahm Großmutters Hand und sagte: „Gemeinsam schaffen wir das.“ Die Großmutter lächelte und legte ihrerseits ihre Hand auf die der Mutter. Sie schauten sich an und lächelten nun beide.
Kolja lächelte auch. Er grinste sogar ein wenig. Der Vater dachte: „Was heckt der denn schon wieder aus? Am besten, ich nehme ihn auch mit.“ Da fiel dem Vater aber sogleich ein, dass sie eine große Ladung zu befördern hätten und für eine weitere Person auf dem Pferdefuhrwerk kein Platz mehr war.
Nach dem Abendessen musste Kolja dringend weg. Die Mutter sagte: „Bleib nicht so lange, du weißt, es wird schon früh dunkel, und zieh dir die warme Jacke an, es ist schon recht kalt draußen.“ Der Großvater sagte: „Ja, ja, es wird schon bald den ersten Schnee geben hier oben. Nachts haben wir bereits Frost.“
Kolja zog sich an und lief so schnell er konnte zu Sonja, um ihr alles zu berichten.
Endlich war es so weit. Sie verabredeten sich nach der Schule um 14 Uhr bei Kolja. Ohne zu läuten sollte Sonja kommen und niemandem etwas sagen.
Am nächsten Tag wartete Kolja schon ganz aufgeregt im Vorgarten. Sonja war pünktlich, auch sie war furchtbar aufgeregt. Alles lief wie vorhergesagt. Der Vater war mit den Brüdern fort, die Mutter und die Großmutter wuschen die Wäsche, und der Großvater schlief fest. Man hörte es bis auf die Dorfstraße, was den beiden ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte. Als sie das Haus betraten, gingen sie durch den langen Flur direkt auf die Dachbodentreppe zu. Sie mussten aber an das Wohnzimmer vorbei, wo der Großvater ganz gemütlich vor sich hinschnarchend schlief. Die Tür schlossen sie ganz behutsam und gingen weiter zur Treppe. Als sie nun auf der obersten Stufe der Treppe angekommen waren, zeigte Kolja ihr das Versteck des Schlüssels.
Es gab eine völlig unscheinbare, winzige Schublade im Handlauf der Treppe. Dort verbarg der Großvater den Schlüssel. Kolja entnahm ihn und öffnete die Dachbodenluke. Nun stiegen sie beide voller Erwartung auf den Dachboden. Es war doch schon ziemlich schummrig hier oben. Die beiden Dachfenster ließen nur weniger Licht ein, als sie erwartet hätten. Es war gerade so alles erkennbar. Es war aber auch ein wenig gruselig. Als sie nun die ganze Länge des Dachbodens wahrnahmen, erschraken sie augenblicklich.
Ganz hinten am Giebel stand jemand, ohne Zweifel, furchtbar anzusehen. Zitternd sprangen beide hinter den breiten Schornstein. Kolja hörte etwas. Er lauschte intensiv ins Halbdunkel, dann drehte er sich um. Es war Sonja, die vor Furcht und Kälte mit den Zähnen klapperte. Er wies mit seinem Zeigefinger vor seinen Mund. Er wollte ihr zu verstehen geben, sie möge doch bitte die Ruhe bewahren und still sein. Es bedurfte einiger Zeit, bis Kolja mit dem Kopf vorlugte, um zu schauen, um zu verstehen. Nach längerem Hinsehen bemerkte er, es war die Nähpuppe der Mutter, und irgendein Schelm musste sie bekleidet und ihr eine Perücke aufgesetzt haben. Er nahm Sonja bei der Hand, und sie gingen gemeinsam zur Puppe. Nicht nur, dass ihr die Perücke aufgesetzt wurde, nein, sie wurde komplett angekleidet mit Rock und Jacke hier abgestellt.
Als sie sich vom Schreck langsam wieder erholt hatten, staunten sie über die vielen Kisten und Kartons. Einige von ihnen waren sogar verschlossen, alt und verschlossen, spannend. Auch ein alter großer Spiegel stand eingestaubt in der Ecke. Sonja nahm sogleich eine Perücke aus einem verschlossenen Karton, warf sich ein Tuch über, setzte noch einen großen, altmodischen Hut auf und tänzelte zum Spiegel. Kolja interessierte sich für eine große Kiste, die er bemerkte, als sie hinter dem Schornstein standen. Sie war riesig. Er ging schnell, leise und vorsichtig wieder dorthin zurück und öffnete die Kiste. Er staunte. Eine Maske starrte ihn an, eine solche, wie sie zur Fastnacht und Geisteraustreibung benutzt wird.
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Unsere Geschichte spielt in einer Zeit, die schon weit zurückliegt, in einem netten kleinen, ehrwürdigen Bergdorf, nahe eines riesigen Gebirges, umgeben von vielen großen, grünen, alten Tannen und den gewaltigen Bergen.
Dieses kleine Dorf liegt inmitten saftiger, grüner Wiesen, von weiten Gebirgsketten umschlossen, unten in einem Tal. Es wird durchflossen von einem munter dahinplätschernden Bach. Das Umland ist bereits mit vielen größeren Hügeln gezeichnet, ein Naturidyll, durchzogen von zahlreichen Flüssen, Bächen und Wegen.
Mit dem Rucksack und einem Stock ließe es sich hier munter wandern!
Von diesen Hügeln, wenn sie erst einmal erklommen, genießt man eine wundervolle Aussicht. Der Blick reicht im Sommer über gelbe Felder, bunte Wiesen, Wiesen mit Schmetterlingen und zahlreichen betörend duftenden Blumen. Man hört unentwegt das Summen der Bienen, das gefällige Brummen der Hummeln, den fröhlichen Gesang der Vögel, am Abend dann das Zirpen zahlloser Grillen.
Diese Orte bleiben unvergessen, sie laden zum Verweilen ein Jeden ein.
Das schmucke Dorf lässt sich von hier oben genauestens erkennen. Im Sonnenschein erstrahlt dieses Dorf, das sich im Tal liegend zeigt, wie ein Kunstwerk, wunderschön und zauberhaft. Die kleine Kirche, die hübsch anzusehen, mit ihrem alten Fachwerk und dem bizarren Glockenturm, bildet das Zentrum des Dorfes. Die liebevoll errichteten alten Holzhäuser, mit ihren bunt blühenden Vorgärten, in denen reich verzierte Bänke thronen, reihen sich in den kleinen Straßen und Wegen dicht aneinander.
An diesem Ort wohnen viele liebe, arbeitsame, fleißige Menschen: ein Hufschmied, den man schon von Weitem hört, mit seinem mächtigen Hammer, Holzfäller, die mit ihren Äxten und Sägen schon so manchen Baum gefällt haben, der Tischler, der aus diesen Bäumen ganze Kunstwerke entstehen lässt, wie Schränke, Kommoden, Tische, Stühle, sogar Rahmen für Bilder – nicht zu vergessen die großen Pferdewagen, auf denen die Bauern im Sommer dann ihr Heu hochgetürmt vom Feld in die Scheune schaffen.
Ja, ein richtiges Dorf eben, mit all den gackernden Gänsen, den schreienden Hähnen auf dem Mist, das Klappern der Mühlen am Bach, das Wiehern der
Pferde, das Blöken der Schafe und das Spielen der Kinder auf der kaum befahrenen Dorfstraße.
Nur ab und zu kommt ein Pferdefuhrwerk, ein Reiter, ein paar Wanderer, der Milchwagen mit seinen großen Kannen, eine Kuh- oder eine Schafherde vorüber.
All dies ertrug und erträgt diese alte, breite Dorfstraße auf sich zeitlos.
Nun, unter diesen spielenden Kindern sind auch Sonja und Kolja, von denen hier berichtet wird.
Kolja, ein aufgewecktes, fröhliches Bürschchen, mit kurzen blonden Haaren, die meist ungekämmt, wild durch den großen, zerlöcherten Strohhut stechen. Er liebt seine dreiviertel Knickerbocker, von denen er gleich zwei besitzt, eine aus braunem Stoff und eine, die ihm noch viel lieber ist, aus richtigem Leder. Beide Hosen gehen ihm über die Knie, aber vor den Waden enden sie mit einem Bündchen. Er liebt diese Hosen, vor allem die aus Leder, weil, wenn er einmal hinfiele oder durch hohes Gebüsch liefe, seine Knie geschützt werden. Der Schmutz an den Knien der Lederhose ließ sich immer am nächsten Tag wieder abbürsten. So hatte die Mutter keine zusätzliche Wäsche und Löcher mussten bei dieser Hose auch nicht gestopft werden. Somit hatte die Mutter nichts zu schimpfen, nun ja, wegen der Lederhose nicht, ansonsten gab es doch schon mal ab und zu Schimpfe, nicht immer zu Recht, wie Kolja meinte. Ja, und was wären diese Hosen ohne Hosenträger? Die mag Kolja nämlich auch ganz besonders. Man kann ganz schnell in die Hosen springen, die Träger über die Schulter streifen und fertig! Wenn er dann mit Sonja hüpfte, so zum Vergnügen hüpfte, hüpften seine Hosen an den Hosenträgern einfach mit. Das war immer zu komisch und ein Vergnügen. Meist trug er dazu ein blau-weißes Nicki, dazu ein paar ausgeleierte Sandalen, die schon die Füße seiner Brüder kleideten. Kolja ist ein richtiger Bauernsohn, ehrlich, mit vielen Ideen und einem guten Gemüt.
Sonja dagegen ist eine Lehrerstochter. Sie ist immer sehr hübsch gekleidet und sehr gut erzogen. Ihre langen blonden Haare trägt sie oft zum Zopf geflochten, mit schönen bunten Schleifchen. Sie ist zierlich und weichherzig, kann aber auch lebhaft so manchen Bengel Paroli bieten und sich durchsetzen. Sie ist nicht nur von gutem Aussehen, nein, sie ist auch sehr intelligent und die Beste in der Klasse. Sonja mag den Bauernsohn Kolja sehr, aber keiner der Kinder weiß, warum eigentlich. Da gibt es doch viel Bessere: den Gunnar, den Sohn vom Schmied, der ist stark und groß, oder den Sohn vom Bürgermeister, den Janos, der ist immer elegant und schick, aber auch ein bisschen eingebildet, und die vielen, vielen anderen aus dem Dorf.
Das Dorf hat so an die 20 Kinder, die Großen, die nicht mehr zur Schule gehen, wie zum Beispiel Koljas Brüder, gar nicht einberechnet.
Die Dorfschule nämlich bildet ihre Schüler nur bis zum 14. Lebensjahr. Dann gehen sie richtig arbeiten, beim Schmied, beim Tischler, ins Sägewerk oder zu den Bauern aufs Feld. Nur die ganz Schlauen dürfen in die Stadt an die gebildete hohe Schule. Unsere beiden, Sonja und Kolja, sind gerade mal 12 Jahre und gehen in die 5. Klasse, besser gesagt, gingen, da das Schuljahr zu Ende ist und nun Sommerferien sind.
Es ist ein munteres Sommertreiben auf der Dorfstraße, all die vielen Kinder sind ausgelassen bei ihrem Spiel. Als einer von ihnen laut rief: „Lasst uns heut nach dem Mittag doch zum See baden gehen!“ Die alte Kirchturmuhr schlug 12 Mal. Nun wurde es Zeit für all die Kinder, nach Hause zu gehen, denn das Mittagessen wartet nicht.
Fürs Zuspätkommen gab es kein Verständnis, da gab es bei dem einen oder anderen auch mal was auf den Hintern.
Sonja und Kolja schauten sich an und stellten fest, dass es heute so heiß ist, dass die Straße zu flimmern anfing, und baden zu gehen eine gute Idee wäre. Jetzt verabredeten auch sie sich, um am Nachmittag ebenfalls baden zu gehen. Kolja schmunzelte, dies bemerkte Sonja sofort und fragte, was denn sei. Nun freute er sich umso mehr und antwortete: Geduld, noch sei es ein Geheimnis.
Als Kolja nach Hause kam, waren die Mutter und die Großmutter mit dem Kochen fertig. Die Mutter sagte: „Kolja, geh zum Vater und deinen beiden Brüdern, sag ihnen, das Mittag ist fertig und sie sollen kommen und nicht alles kalt werden lassen. Du findest sie hinter der Scheune, dort hacken sie Holz für den Winter.“
Als Kolja seinen Vater erblickte, lehnte dieser etwas erschöpft an der Scheunenwand, sein älterer Bruder Björn schwang die Axt schon ganz ordentlich, dem Vater gefiel’s, denn er lächelte beifallzollend. Sein anderer Bruder Kielt saß nicht weit entfernt unter einem Apfelbaum und las ein dickes Buch. Er war ein ganz Gescheiter, die Eltern waren stolz, ihn auf die hohe Schule schicken zu dürfen.
Die drei hatten riesigen Hunger und beeilten sich, ins Haus zu kommen.
Das Mittag, es roch schon gut von draußen, kommt ihnen gerade recht. Der Tisch war frisch gedeckt, mit sieben Tellern, sieben Gläsern, Besteck und vielem mehr. Selbst die Blümchen fehlten nicht.
Beim Essen wiederholte der Großvater immer und immer wieder: Aus dem Björn wird mal ein richtig tüchtiger Bauer, und jedes Mal nickten alle zustimmend.
Nach dem Essen legte sich der Großvater, wie jeden Tag, in die gute Stube für ein Mittagsschläfchen auf das Sofa. Die Frauen wuschen ab und Kolja packte seine Badesachen, voller Vorfreude, mit Sonja baden zu gehen, denn diesmal wollte er sie an eine Badestelle führen, die er erst vor Kurzem entdeckte. Also lief er schnell hinüber zu ihrem Elternhaus, welches eigens für den neuen Dorflehrer, nach dessen Wünschen, erbaut wurde. Ein schönes Haus, rot-weiß gestrichen, wie es sie in Norwegen und Schweden gibt. Dieses hat sogar einen Balkon und eine Terrasse, welche nach Süden ausgerichtet sind. Er wurde bereits schon einige Male auf dieser sonnigen Terrasse zum Tee eingeladen. Solch ein Haus, das würde auch er einmal haben wollen, dachte er so bei sich, als er die Glocke betätigte. Ihre Mutter öffnete, eine schöne, vornehme Frau, immer gut gekleidet und freundlich. Sie lächelte und Kolja wurde etwas verlegen und stammelte, doch da kam auch schon Sonja freudig strahlend mit ihrem wunderschönen gelb-weiß gepunkteten Kleidchen, einen kleinen süßen roten Rucksack auf dem Rücken, und ergriff sogleich Koljas Hand. Sie rief: „Komm, Kolja, lass uns gehen.“ Sie liefen los, bald drehten sich beide zur Mutter um und winkten zum Abschied.
„Weißt du“, sagte Kolja zu Sonja, „heute gehen wir mal nicht zur Badestelle am See. Heute möchte ich dir eine andere, von mir gerade entdeckte Stelle zeigen. Sie eignet sich ausgezeichnet zum Baden.“
Sonja fragte: „Auch zum Träumen, Kolja?“ „Ja klar, wenn man will, auch zum Träumen.
Diese Stelle liegt nicht am See, wo all die anderen sind. Nein, meine Stelle, die ich dir zeigen möchte, die liegt am Bach, dort, wo er seit Kurzem ausufert und somit breiter und ganz weich begehbar wird.
Er ufert bei den Wiesen und ihren sandigen Stellen über, direkt vor der Felswand, wo all die schönen Tannen wachsen.
Schau, wir sind da. Sieh nur, wie schön es hier ist. Das klare Wasser wird dir bis über den Bauch reichen, Sonja. Du kannst prima hier schwimmen.“ „Ja“, sagte Sonja, „der Bach ist hier so leuchtend klar, dass am Boden einige der kleinen Steinchen im Sonnenlicht glitzern.“
„Mein Großvater“, so berichtete Kolja, „sagte erst letztens, dass sogar das klare, sprudelnde, lebendige Wasser vom Bach viel besser sei als das aus unserem Brunnen. Und wie oft läuft man und holt von hier das Wasser für Mensch und Vieh. Ja, schon seit vielen Jahren gehen sogar die Großmutter und Mutter zu diesem herrlichen Bach, um auch hier Wäsche zu waschen. Dieses reine Wasser erneuert sich ständig und fortwährend durch seinen nicht endenden Fluss.
Hör nur, Sonja, wie schön er plätschert, und sieh, wie er sprudelt, dieser prächtige Bach“. „Lass uns gleich hineingehen!“, sagte Sonja.
Sie tobten voller Wonne im kühlen Nass. Sie badeten so ausgelassen und voller Freude, dass sie fast die Zeit vergaßen.
Als sie etwas zur Ruhe kamen und sich niedersetzten im sanften Moos am Rande des Bachs, berichtete er ihr von seiner neuesten Idee.
„Ein kleines Abenteuer wird das für uns beide“, sagte er mit betonter Stimme. „Für uns beide?“, fragte sie voller Neugier. „Ja, Sonja“, sagte er geheimnisvoll und wieder mit Betonung. Sie wurde ganz ungeduldig, was ihm sehr gefiel, man sah es ihm an. „Nun sprich schon“, sagte sie.
„Du musst wissen, Sonja, ich wohne in einem sehr alten Haus, und dieses alte Haus hat einen alten Dachboden, wo keiner rauf darf, jedenfalls nicht wir Kinder. Dieser alte Dachboden wird immer sorgsam verschlossen und nur sehr selten betreten. Auch wird der Schlüssel gehütet, und zwar von meinem Großvater. Kürzlich aber habe ich bemerkt, wo er diesen Schlüssel versteckt hält!
Wer weiß, was dieser Dachboden für geheimnisvolle Dinge verbirgt. Jetzt, wo ich weiß, wo sich der Schlüssel, der geheimnisvolle Schlüssel, verbirgt, könnten wir beide uns dort oben im Dachgeschoss ja mal umsehen.
Na, Sonja, was sagst du dazu?“
„Spannend, spannend, Kolja, ich bin dabei. Wann geht es los?“
„Das müssen wir ganz genau planen.
Am nächsten Freitag fährt mein Vater mit meinen beiden Brüdern mit dem Pferdefuhrwerk wieder in die Stadt. Meine Mutter und die Großmutter machen freitags immer große Wäsche im Waschhaus hinter der Scheune. Der Großvater wird, wie üblich, sein Mittagsschläfchen machen, und das dauert sicher eine Stunde oder noch viel länger.
Es wäre nun der beste Zeitpunkt für unser Abenteuer gekommen. Wir sollten aber noch mal alles ganz genau durchgehen und überdenken. Da wir noch ein paar Tage Zeit haben, sollten wir das doch ganz in Ruhe machen.“
Die beiden planten und sprachen über nichts anderes mehr, und die Tage vergingen. Aber als dann der Freitag kam, lief nichts so, wie die beiden gedacht. Auch an den darauffolgenden Freitagen fügte es sich nicht. Entweder fuhr der Vater gar nicht in die Stadt, oder er nahm die beiden Brüder nicht mit.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Waschen der Wäsche. Einmal wusch nur die Großmutter, ein anderes Mal nur die Mutter. Einzig der Großvater machte wie gewohnt und pünktlich seinen Mittagsschlaf. Es war für die beiden kaum zu ertragen. Immer wieder schmiedeten sie für den Freitag ihre Pläne.
Es vergingen einige Wochen, als am Abendbrottisch der Vater zu Koljas Brüdern sagte: „Morgen brauche ich euch beide, wir müssen in die Stadt und haben dort viel zu erledigen. Nach dem Mittag um 13 Uhr geht es los.“
Die Großmutter stöhnte und sagte: „Auch ich habe morgen viel zu tun, die Wäsche hat sich so aufgetürmt, da werde ich Stunden brauchen.“ Die Mutter nahm Großmutters Hand und sagte: „Gemeinsam schaffen wir das.“ Die Großmutter lächelte und legte ihrerseits ihre Hand auf die der Mutter. Sie schauten sich an und lächelten nun beide.
Kolja lächelte auch. Er grinste sogar ein wenig. Der Vater dachte: „Was heckt der denn schon wieder aus? Am besten, ich nehme ihn auch mit.“ Da fiel dem Vater aber sogleich ein, dass sie eine große Ladung zu befördern hätten und für eine weitere Person auf dem Pferdefuhrwerk kein Platz mehr war.
Nach dem Abendessen musste Kolja dringend weg. Die Mutter sagte: „Bleib nicht so lange, du weißt, es wird schon früh dunkel, und zieh dir die warme Jacke an, es ist schon recht kalt draußen.“ Der Großvater sagte: „Ja, ja, es wird schon bald den ersten Schnee geben hier oben. Nachts haben wir bereits Frost.“
Kolja zog sich an und lief so schnell er konnte zu Sonja, um ihr alles zu berichten.
Endlich war es so weit. Sie verabredeten sich nach der Schule um 14 Uhr bei Kolja. Ohne zu läuten sollte Sonja kommen und niemandem etwas sagen.
Am nächsten Tag wartete Kolja schon ganz aufgeregt im Vorgarten. Sonja war pünktlich, auch sie war furchtbar aufgeregt. Alles lief wie vorhergesagt. Der Vater war mit den Brüdern fort, die Mutter und die Großmutter wuschen die Wäsche, und der Großvater schlief fest. Man hörte es bis auf die Dorfstraße, was den beiden ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte. Als sie das Haus betraten, gingen sie durch den langen Flur direkt auf die Dachbodentreppe zu. Sie mussten aber an das Wohnzimmer vorbei, wo der Großvater ganz gemütlich vor sich hinschnarchend schlief. Die Tür schlossen sie ganz behutsam und gingen weiter zur Treppe. Als sie nun auf der obersten Stufe der Treppe angekommen waren, zeigte Kolja ihr das Versteck des Schlüssels.
Es gab eine völlig unscheinbare, winzige Schublade im Handlauf der Treppe. Dort verbarg der Großvater den Schlüssel. Kolja entnahm ihn und öffnete die Dachbodenluke. Nun stiegen sie beide voller Erwartung auf den Dachboden. Es war doch schon ziemlich schummrig hier oben. Die beiden Dachfenster ließen nur weniger Licht ein, als sie erwartet hätten. Es war gerade so alles erkennbar. Es war aber auch ein wenig gruselig. Als sie nun die ganze Länge des Dachbodens wahrnahmen, erschraken sie augenblicklich.
Ganz hinten am Giebel stand jemand, ohne Zweifel, furchtbar anzusehen. Zitternd sprangen beide hinter den breiten Schornstein. Kolja hörte etwas. Er lauschte intensiv ins Halbdunkel, dann drehte er sich um. Es war Sonja, die vor Furcht und Kälte mit den Zähnen klapperte. Er wies mit seinem Zeigefinger vor seinen Mund. Er wollte ihr zu verstehen geben, sie möge doch bitte die Ruhe bewahren und still sein. Es bedurfte einiger Zeit, bis Kolja mit dem Kopf vorlugte, um zu schauen, um zu verstehen. Nach längerem Hinsehen bemerkte er, es war die Nähpuppe der Mutter, und irgendein Schelm musste sie bekleidet und ihr eine Perücke aufgesetzt haben. Er nahm Sonja bei der Hand, und sie gingen gemeinsam zur Puppe. Nicht nur, dass ihr die Perücke aufgesetzt wurde, nein, sie wurde komplett angekleidet mit Rock und Jacke hier abgestellt.
Als sie sich vom Schreck langsam wieder erholt hatten, staunten sie über die vielen Kisten und Kartons. Einige von ihnen waren sogar verschlossen, alt und verschlossen, spannend. Auch ein alter großer Spiegel stand eingestaubt in der Ecke. Sonja nahm sogleich eine Perücke aus einem verschlossenen Karton, warf sich ein Tuch über, setzte noch einen großen, altmodischen Hut auf und tänzelte zum Spiegel. Kolja interessierte sich für eine große Kiste, die er bemerkte, als sie hinter dem Schornstein standen. Sie war riesig. Er ging schnell, leise und vorsichtig wieder dorthin zurück und öffnete die Kiste. Er staunte. Eine Maske starrte ihn an, eine solche, wie sie zur Fastnacht und Geisteraustreibung benutzt wird.
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