Berg- und Talfahrten

Berg- und Talfahrten

M.J. Mahringer


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 78
ISBN: 978-3-99048-063-2
Erscheinungsdatum: 02.07.2015
Jeden Berg, den man hinaufgeht, muss man auch wieder hinuntergehen. Im Leben ist man einmal oben, dann wieder einmal unten. In diesem Buch findet der Leser lustig-tiefgreifende Gedichte über Hochgefühle und Abstürze aller Art.
Wanderungen waren nicht selten die Quellen, aus denen die Reime entstanden sind. Die von mir als Berggedichte bezeichneten Reime sind aber – wie natürlich viele andere Gedichte auch – keinesfalls ganz ernst zu nehmen.
In anderen Abschnitten geht es um Reisen, um Historisches, aber auch um Gedanken, die ich mir manchmal einfach so machte. Manches ist auch einfach Unsinn. Ich hoffe aber, dass man bei der Lektüre der Gedichte gelegentlich auch ein bisschen lachen oder schmunzeln kann.
Zwei Gedichte sind im oberösterreichischen Dialekt geschrieben, die meisten aber doch in deutscher Schriftsprache.

***

1. Berggedichte

Berg- und Talfahrten

Zunächst da sucht man sich einmal
eine Station im Tal,
hinauf zu gehen ist zu weit,
dazu braucht man zu viel Zeit.

Drum nehmen wir die Gondelbahn
und fahren rauf, soweit man kann,
eine Alm, die gibt’s dann oben,
dort kann man dann die Seilbahn loben,

die uns ohne Müh und Plag
an diesem wunderschönen Tag
diesen Anblick hat geschenkt,
wohin man seinen Blick auch lenkt.

Man sieht ganz weit auch in die Ferne
und das macht ein jeder gerne,
besonders schön sind doch die Täler,
besonders die welche auch schmäler.

Schön ist’s da unten, hört man sagen,
ob sich diese Leute fragen,
was hat mich denn heraufgetrieben,
wär ich unten doch geblieben.

Und so kommt’s, wie’s kommen muss,
hinunter gehen wir jetzt zu Fuß,
denn schließlich will man sich bewegen,
um den Kreislauf anzuregen.

Vielleicht sehen wir ein Murmeltier,
Gams oder einen Steinbock hier,
gesehen hab ich die Alpenrose
bevor ich mir zerriss die Hose.

Ein spitzer Ast ist schuld daran,
dass ich mich jetzt schämen kann.

Unten suchten wir ganz schnell
die Seilbahn wieder auf der Stell,
nur um dem Liftwart dort zu sagen,
dass wir hatten große Plagen.

Das nächste Mal wir talwärts schweben,
dazu gibt’s die Seilbahn eben.

***

Vor etlichen Jahren fuhren wir mit der Pyhrnbahn von Linz aus nach Süden. Zufällig saß ein Landesbediensteter, ein Leiter einer allerdings anderen Abteilung unseres Amtes, im gleichen Waggon. Sein Name endet zwar tatsächlich auf „-reiter“, der erste Teil des Namens „Hinauf“ stimmt so nicht. So heißt glaub ich keiner.

Bergausflug

„Heute ist das Wetter heiter“,
also sprach ein ganz Gescheiter
hoher Großabteilungsleiter,
Behördenhofrat Hinaufreiter.

In die Berge fährt er weit und weiter,
steigt hinauf ganz ohne Leiter,
auf dem Gipfel dann noch schreit er:
„Ich an gar nichts mehr noch scheiter!“

Fliegt hinab im Paragleiter,
nach dem Sturz fließt Blut und Eiter,
Häuser die sind weit und weiter,
doch er ist ein großer Fighter.

Von den Stricken sich befreit er,
sagt zum Helfer – ein Gefreiter –,
solche Fluggeräte meid’ er.

Im Büro dann wieder Leiter,
diktiert sogleich dann den Bescheid er,
zu verbieten diese Gleiter.

***

Das Gipfelbuch

Kaum haben wir den Berg erklommen,
sind ganz oben angekommen,
heißt es schon: „Michi such,
such ganz schnell das Gipfelbuch.

Und dann schreib auch was hinein,
etwas länger soll es sein,
ein paar Verse oder was …“
und das macht ihr richtig Spaß.

Ich würde lieber etwas rasten,
mich befreien von den Lasten,
schauen in das Tal hinunter,
doch sie ist jetzt plötzlich munter

und sie will es auch nicht merken,
dass ich möchte mich jetzt stärken,

nein, sie bringt es schon herbei,
mein Bedürfnis – einerlei,
liest mir vor aus diesem Buche,
nach dem Bleistift auf der Suche,

doch ich beiß nur in mein Brot
und die Tomate, die ist rot,
doch sie gibt den Bleistift mir –
ich schreib „Dorli, Michi … waren hier.“

***

In den Bergen

Da haben mir die Dohlen
die Wurst vom Brot gestohlen,
sie wieder mir zu holen,
das wird mir nicht empfohlen.

Im felsigen Gelände,
sieh diese steilen Wände,
ich hab ja doch nur Hände,
die Wurst ich nie mehr fände.

Das trockne Brot,
es schmeckt zur Not,
zumindest bei dem Abendrot,
das sich da unsern Blicken bot.

***

Ein Morgen in den Bergen

Gerade hat der Tag begonnen
und vom Traume inspiriert,
sieht der Mensch vom Schlaf versonnen,
die Welt ganz wunderbar verziert.

Denn wie Edelsteine funkeln,
auf den Wiesen Tropfen Tau
und nach der Nacht der dunkeln,
strahlt der Himmel jetzt in Blau.

Noch ist gar kein Laut zu hören,
den nicht die Natur hervorgebracht
und es wird wohl niemand stören,
wenn sie schon ihr Konzert jetzt macht.

Laut ist wohl die wilde Ache,
die herabkommt von dem Berg,
und das Murmeltier das wache,
pfeift ganz laut der kleine Zwerg.

***

2. Fern und Nah

Teneriffa

Das Bild, das ist von den Kanaren,
wo wir auch schon einmal waren,
man sieht den Teide, den Vulkan,
wir waren auch schon näher dran.

***

Afrika

Über die Stepp’ ein Zebra lief,
der Löwe noch im Schatten schlief,
die Sonne brennt auf Wüstensand,
trocken, karg – so ist das Land.

Die Gnus, die zieh’n mit großem Stauben,
das Zebra hört man leise schnauben,
die Steppe, die wirkt braun, verbrannt,
schon viel sind sie herumgerannt.

Der Löwe ist jetzt aufgewacht,
hat sich auf seine Pirsch gemacht,
ein Tier zu töten ist sein Streben,
das Zebra schon rennt um sein Leben.

Der Löwe springt und packt’s am Nacken
und füllt sich bald schon seine Backen,
gesättigt, müd vom schnellen Laufen,
tut er unter einem Baum verschnaufen.

***

Graz

Ich schlendre gern durch deine Straßen
und wenn ein anderer hier auch schreibt,
es gäbe hier nur Menschenmassen,
ich weiß nicht, wo sich der rumtreibt.

In deinen gastlichen Betrieben
hab ich stets fürstlich gut gespeist,
drum bin ich auch stets gern geblieben
und nicht gleich wieder heimgereist.

Genoss die Schönheit deiner Plätze,
die Altstadt wirklich einzig ist,
die Cafés und deine Schätze,
drum mag ich dich so, wie du bist.

***

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