Lyrik & Dramatik

Begegnungen (Lyrik)

Karin Greve

Begegnungen (Lyrik)

Leseprobe:

BEGEGNUNGEN

Im Bann der Nähe

Ein zarter Hauch um sie herum,
eine zarte Bande
von doch solcher Gewissheit.
Selbstvergessen toben sie über die Wiese,
werfen sich auf den Rasen,
laufen lachend hintereinander her.
Vergessen, die neugierigen
und schon sehnsüchtigen Blicke,
als einer den anderen beim Spiel beobachtete,
an dem er noch nicht teilhaben konnte.
Ein erstes zartes Gefühl,
ein Gefühl von
ich mache alles am liebsten mit Dir.
Noch wissen sie nicht um die Gewalt
von starken Gefühlen.
Auf dass diese Zartheit noch lange bewahrt bleibt.




Zwiegespräch

Gespräch mit Dir.
Kein eindringlicher Blick,
keine vertraulichen Worte,
keine Anzeichen von Nähe.
Ständig ein Warten auf all das.
Doch die Distanz bleibt.
Irgendwann ein Auseinandergehen.
Und doch muss es etwas gegeben haben,
was mich in Gedanken
noch bei Dir bleiben lässt.
Aber da war nichts.
Und doch ertappe ich mich wieder dabei,
wie ich Dir in der Menge hinterhersehe
und nicht weiß, warum.



Offenheit

Du stehst da und lächelst.
Ein Lächeln aus leuchtenden Augen,
mit einer Wirkung wie Sonnenstrahlen,
Sonnenstrahlen,
die tief ins Herz dringen und wärmen.
Ein Lächeln
wie eine Umarmung für die Seele.
Ist es Gott,
der aus Deinen Augen
einen Moment nur
zu mir herübersieht?
Du kannst nicht erfüllen,
was dies Lächeln verspricht,
und wehe dem,
der dies erwartet,
und Dich damit vielleicht
ein Stück unglücklich macht,
weil seine Illusionen
nichts mit Dir zu tun haben.
Du hast schon viel gegeben!



Kleine Widmung

Du hattest ein Stück verloren,
als Er zur Tür hereintrat,
für einen Moment Erregung.
Hier sehe ich ihn also wieder,
im Theater,
hätte nicht geglaubt,
ihn nochmal wiederzusehen.
Das Leben ist ein Spiel -
nach diesem Song tanztest Du fast neben mir,
als ich Dir das letzte Mal begegnete,
auf diesem Fest,
als ich vergaß,
welche Achtung ich einst vor Dir hatte
und danach wünschte,
Dich nie wieder zu sehen.
Es war nur eine kurze Zeit der Verwirrung
vor ein paar Jahren.
Oh schöner Mann,
wer geriet nicht in Deinen Bann?!
Ich spüre ihn nicht mehr wie früher,
auch wenn er fast neben uns sitzt.
Und doch, seine Stimme so vertraut.
Geteilte Aufmerksamkeit.
Dir wollte ich sie diesen Abend schenken.
Du grüßt ihn,
ihr kennt euch.
Elite, Du und er.
Er und eine bestimmte Art von Lebensgefühl?
Werde ich ihn wiedertreffen, irgendwann?
Und wenn,
werde ich wieder voll
Vertrauen in die Welt erfüllt sein,
weil es Menschen wie ihn gibt?



War es immer so?

Ich bin verliebt.
Lachend gebe ich mich fremdartiger Musik hin.
Ihre Klänge sind berauschend.
Mein Schwarm ist in der Nähe,
fast berühren wir uns.
Der Abend ist herrlich!
Ein Mann spricht mich an.
Meine strahlenden Augen gefallen ihm,
meine Art zu lachen, so sagt er.
Warum kommt dieser Mann?
Warum lasse ich mich darauf ein,
Zeit mit ihm zu verbringen?
Zeit, die ich doch dem schenken wollte,
dessen Gegenwart mich so verzaubert hat.
Wer gibt mir nun die Stunden zurück,
wer löscht die Sehnsucht
nach Zeit mit diesem Mann,
die ich nie mehr haben werde?
Warum fällt es mir so schwer zu begreifen,
dass wir nicht unendlich viel Zeit
für alles haben?
Niemand wird mir die Zeit zurückgeben können,
die ich verpasst habe,
mit ihm zu teilen.



Augen

Es gibt Augen
so wunderschön,
klar, weise,
herrlich!
und Augen mit Blicken,
die tiefer dringen.
Ich könnte sie nicht beschreiben
diese Augen,
mit schön oder klug,
nur dass ihre Blicke mich erreichen.



„Wahrhaftig lebendig“

Ich glaubte, ich wäre wahrhaftig lebendig.
Was ist es wieder,
was mich starr und leblos werden lässt?
Ist es euer Gerede,
was mit meiner Wirklichkeit so wenig zu tun hat?
Ist es eure Nüchternheit,
die meine Begeisterung verstummen lässt?
Ist es eure Kontrolliertheit,
die mir meine „Ausbrüche“
als dumm erscheinen lässt?
Ihr wirkt zufrieden, offen.
In Selbstzweifel geraten,
kann ich nicht mit euch sein.
Was muss geschehen,
dass ich mit euch zusammen
Freude haben kann?
Wieder „leblos“ geworden,
flüchte ich in den Bann von Menschen,
die wie sind?
Was dichte ich ihnen an?
Leben, Weisheit?
Ging es auch dir so, mein Freund,
als du dich in mich verliebtest?
Warum in mich?
Du wirktest starr,
meintest, ich wäre so lebendig.
Wie man sich täuschen kann…



Ein Stück Leben

Sie steigt aus dem Flugzeug.
Sonne legt sich ihr aufs Antlitz,
streichelt das sonnige Gemüt.
Berührt und blinzelnd schreitet sie.
Und Dank erfüllt sie,
Dank für die Luft, für die Farben,
Dank für die Welt.



Vertraute Blicke

Es gibt Zeiten,
Tage voll mit Dingen,
die passieren,
Erlebnisse und Begegnungen,
die scheinbar berühren.
Doch manchmal, Momente,
da seh‘ ich in zwei Augen,
und die Zeit scheint stehenzubleiben.
Vergessen die Frage: Was ist wichtig?,
und für Momente weiß ich den Weg.
Wie vielen Augenpaaren
begegne ich täglich und immer wieder?
Ich sehe in diese, Deine Augen
und alles um mich wird zur Kulisse.
Blicke und Stimmen von denen,
die ich Freunde nenne -
Kulisse? Fremd?
Hat mich je etwas von ihnen berührt
wie dieser Blick?
Wer bist Du,
dass Du allein vertraut erscheinst?
Eine Illusion!?
Ihr nachjagen und glauben,
was hinter diesem Blick steckt,
könnte mich verstehen?

Oh Leben!
Ich darf ihn nicht zu nah heranlassen,
Deinen Blick.
Bedürfnisse würden vielleicht hervorbrechen
und irgendwann Trauer erzeugen,
weil Du sie nicht erfüllen kannst.
Mit Trauer lässt es sich schlecht leben.
Zu viele Gedanken
um Deinen Blick.
Heute stimmt er mich froh
und gibt mir für Momente den Glauben,
dass es noch anderes gibt,
als womit jetzt meine Tage gefüllt sind.
Es gibt aber auch noch anderes
als vertraute Blicke von fremden Menschen.




Unfair

Oh pfui!
Ich heuchle Dir
meine Freundschaft
und denke doch nur ständig,
wie ich Dir
für immer entkommen kann.
Sicher, ich kann gehen.
Aber Du bist hier der Einzige,
zu dem ich kommen kann,
der immer Zeit für mich hat.
Um so viele Dinge
habe ich Dich schon gebeten,
und hast Du mir je etwas abgeschlagen?
Und doch erzeugt all das
ein Bedrücktsein in mir,
und ich muss bald gehen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 260
ISBN: 978-3-99107-222-5
Erscheinungsdatum: 17.08.2021
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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